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Full text of "Jacobus Balde, sein Leben und seine Werke: Eine literärhistorische Skizze"

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3dr0tiu0 %A{it, 



fein c^eBen unb feine ^erKe. 



Eine (iferärlii?forische Skijje 



tjon 



C^eorg tt)efiermat)er. 



j^ii ^Balbe'^ jtvcibunbertjäbricjem ioöcüc^ebäcljtiufe. 



Saitttdicn, 18(>8. 

UerCan 5er 0. Cinbaurr'fcOen JSucQOaiibfuiig. 

(jSdidppitig.) 



^ r r e b e. 



3ur i^cit, ba Sat)cni in '2J?arimiliau I. feinen c^rofttcu 
{Regenten, in litte unb 9)fera> feine grofiten j^^^l^^^^^« 
bcfa^, xoax il)m an 33a(be auc^ ein vEdnger get^orben, njie e3 
fcitl)er feinen ^lüeiten it)ni jnr 3eite fteUen fann. 53ei attem 
Unglüd beö brei^igid^rigen .Krieges ftanb i^ai)ern bamate 
in ber Mjtung beö 3tnölanbeö l)o^er benn je, nnb man barf 
fü^n bel^anipten, ba^ jn feinem 3tnfe^en nid>t n?enig bie xodU 
tjerbreiteten £)icl}tnngen 53albe'ä beitrngen. Sie I)aben S3at)ern3 
SBobcn, n)ie nnö ^^erber belehrt, jn einem naffifd)en gemacht. 
Sie ^Jiamcn nnferer S^bijen nnb J^^^^ff^/ unferer Stdbte unb 
©nabenorte finb burc^ il)n unfterbli* geworben; nnfer $ür= 
ftenl^auä, unfere ^etben, ©elcbrten unb Staatämdnner l)aben 
au i^m ben §crotb i^reä Oiuljmeö gefuuDen. 

2tm 9. Stuguft biefeä ^aljxt^ n^erben ixod 3^l)t]^unberte 
etfüUt fein, feitbem ber große £)icbter am Straube ber £)onau 
fein 2luge fd^Iofe; aber baä Sanb, für tt)elc^eä er gefungen, 
für beffeu ©l^re unb ©citung er feine beftc Äraft eingefefet, 
l^ot il^m feine 5)aulcäfcbutb nt>6) nic^t abgetragen, "ifian l^at 
bidl^cr über il^u n)cbcr eine tjertd^ige ©iograip^ic , nod^ eine 



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123282 



— IV — 

gcitügcnbc Ucberfc^uuj feiner .^auptbic()tuu9cu , uod) eine 
fritifc^e 2liiägabe feiner Sßerfe, n^d^renb borf} feine 5Jfarmor=^ 
biifte in ber iMnl^meg^alte unb fein 33ilbnifi; alä '^xt^k im 
Slationalmnfemn 3n 5D?nncl)en prangt. 

^Jiogc nnter foWjen Umftdnben bie geteljrte ä^elt eö 
mir vergeben, wenn id) mid}, obn)oI)t im ^^acfce ber ^^?l)iIoIogie 
nur ©ilettant, an eine queUenmdpige X)arfteUnng t>on 93atbe'ä 
£ebenä= unb ©eifteägang t^age nnb alö iöekgc eine ^injal)! 
metrifd)er Uebcrfe^ungen anrei(}e. 

3n ben Stnbienjaljren burc^ ein ^^reisbud) mit 33atbe 
belannt gemad)t unb bnrc^ nähere ai^ertrautkit mit iße- 
tDunberung für it)n erfüllt, empfanb id) es balb alö 25c- 
bürfnip, mir feine unllaren Öeben5oerl)ättniffe ctiuag anfju^ 
ließen unb ben inncrn ^wf^^^^^^^^^^^fl l^i^^^r fo üerfd)iebeu= 
artigen 2)ic^tungen genauer gu ermitteln. 

©0 entftanb, burd) 25eruf5:pflid)ten Dielfad} untcrbrod^en, 
öorlicgenbe 2lrbeit, bie nicbtä anbereö fein n^ill al§ ein ein= 
fad)cr ©auftein gum ©orfel beö £)enfmal5, baö 93at)ern fei= 
nem gdnger uod) errid)tcu mufe. ©leic^njol^l glaube ic^ 
ben gal^Ireid^cn ^^reunben 93albe'g feinen umt)iUfommenen 
5)ienft ju leiften, n)enn ic^ ben ®d)leier, ber über feine ^u^ 
genbjal^re unb gum J^cile nod) über fein f:pdtere§ SBirfen 
gebreitet lag, l)inn)eggie]^e unb auf @runb eingel^enber , gu 
@nft§]^eim, aJiünd^cn unb Nienburg angeftellter gorfd;ungen 
fein nad^gebunfelteg SSilb n)ieber auffrifdje. S)ie geftftellung 
ber ßl^ronologie für feinen Sebenögang tnie für feine (Sd)riften 
— ein biö^er arg tjerwal^rlofteä ©ebiet — xoax mir befon- 
bcrS n)id)tig, xotil bag ri(!^tige aSerftdnbnife beä SDid^terg, 
ber fo^cf in feiner 3cit tourgelt, toielfac^ t)on ii)x abl^dngt. 







— V — 

^enc xont^tn ©ouncr uiib JVrcunbc, bcncu mein 83uc^ 
cingcinc beitrage jcfmlbct, werben c§ nic^t uugütig aufnehmen, 
ttjenn fie barin nic^t aüe nad) @ebn^r naml)aft cjemadjt finb. 
3nbep tann id) nid}t umi^in, ben ,^erren .^ofbibliotljefar 
geringer unb ©tiftöcanonicnö ®d)rott in 3Jtnnc^en, fonjie 
bem §errn 2lrc^it)ar ^bxQ in Üanbä^nt für i^re fc^d^bare 
gütige Unterftü^nng meinen wdrmftcn 5)anf auch an biefem 
Orte au0guf^)red^cn. 

3Jiogc ba§ 2?aterlanb unb insbefonbcrc bic ftubirenbe 
Daterldnbifc^e 3^genb fid) erquiden unb frdftigen an bcr 
eblen ®e[talt bcä ^)atriotif^en vSdngerä, ben eine ber ©rofeen 
unferer Siteratur ,,einen 2)id^ter 2)eutid)(anb9 für alle 3citfii'' 
nannte ! 

J)ieä bie 2lbfic^t unb ber innige Söunfc^ 

Xöig; am Za^t bcg 
1^1. Orcgor öon ^^agianj 
1868. 



ties 8effa|fer0. 



^nfjatt^'^etiei^ni^. 



IL ^ag crflc S^^^c^enb im Orbcn 

m. %u^ ber <B^ult beg Unglü(fd auf ben Se^rftul^l ber 

^oc^fd^ulc 

IV. fifl^ramt unb ^ofpr&bicatur in ^J^ünc^cn 

V. ^ic ©cfcHfc^aft ber ÜJ^agcrn, Con^egatio Macileiitorum 

VI. Tlün^mi religiöfc 5)cnhn5lcr. ©eine Umgebungen 
(Sine ^ilgerfal^rt 

vn. SBalbe'g Oben unb SGöSlber 

Vin. SDie ai^ariengef&nge 

IX. SBalbe alg beutfc^er SDic^ter 

X. SBa^erifd^e ©efc^id^t^fd^reibung . 

XI. ^ag ^auernfpiel. Drama georgicum 

XII. ^u^koSrtige ©önner unb ^^eunbe . 

Xin. UebergSnge 

XIV. SBalbe in 9'ieuburg a. b. 'iDonau 

XV. (Spätere ©atiten. Urania bie ©iegerin 

XVI. ©albe'g le^te fiebengjal^re • 

XVII. 3ur (5(>aracteriflif ©albe'g 

XVIII. inad^ru^m 

Ql^ronologifd^f Ueberfid^t ber ®er!e 33albe'g 



Seite 
1 
21 

53 
71 
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148 
165 
174 
192 
202 
216 
229 
234 
245 
253 



— vni — 

L Suf]U4 aul fccm Re^lftruBH aetoan baptiflnaliam etr. rrrl. par. s. Kart. 

ctT. EntiflheiB 266 

IL Extralt de rhhteire de Brirort 267 

III. Slufjug auf bem Srienoet^fef ^'Avaur' mit iBcinire . 268 

,IV. a. In efflirleiii Maxlmliani D. BaT. 

b. E Fab. Chiiii poem: Ker Ferraria Coloniam 271 

V. (Sin «ruf Öalb«'« on feincii »4Jrot>injiaI 272 

VI. Arroment ober iturj^er 6ert(^t )ur (Sombbte Jorut lerlui iheatralii . 274 

VII. «albe'l (Si)runtanf(&auunitcn über bie ^t(&t!unü .... 077 

Ucbertra^ungcn aui 93albc'g SScrfcn .... 279 



IDte im 9u4^e ntirtcn «iblioti^ff^fiqnaturm bc^ie^en fi(^, too ni^t anber« 
(cmertt ift, auf bic ^of« unb @taatlbib(iot^e! )U ä)hin(^en. 



v5^:-c-5 » 



\ — 



^i«t bcr tat^oTOe Did^tct, bet mir mt^i ©d^mcrjcn unb greube 
KIS fein anbereS Sud^ eigner @ebanfeu ge&rad^t. 

^erber. 

I. Bte 3iigenbjal)re. 

5luf ber ^eiteren %hix beä cl]d|ifd)en Sunbgaucg, tuo bcr 
tt>citt)erf anbeube ^ö ein äßcingcldnbcu t)ürübevraufc()t, ti?o tDCft= 
ü(^ bic buYgeureid}CU Slbl^dngc ber SJogcfcu, oftlid) bic bunf (cn 
5lu§ldufer be^ SdjiDarjiDalbeg bem Slugc bie ©rdujc ixti)tn 
— ^at 3^cobus; Satbc feine crftcn ©inbrndf e em))fangen ; baä 
otdbtd^en Önfiöljeiin i[t fein (^cbnrtäort. 

(Sniiöljeim, ben ^Jlatnrforfc^ern bnrc^ feinen 9)teteorftein 
befannt, xoax nid)t immer ber unbcbentenbe Ort, ber eä l)eut== 
jntage erfc^eint. 3^ 5lnfang beg XVII. 3^lA'f)^^^fe<^^tö n)ar 
eg freie, faiferlic^e j){eid)§ftabt, bie ^an^)tftabt bcr i>orber= 
ofterreicbifrf)en Sanbe, bie Don einem Grjl^erjüge atS ßanbgrafen 
regiert ivnrben. ©ine große 3^^l ^»^h Beamten (^^^offgDcr= 
ttjanbten) an i^rer ^pii^t ein 9iegentfd^aftörat(;, u>ar in (5;n- 
fi^^eim f ür bie 9{ecl)tö^)Pege nnb aSern)altung bieferC^vine t^dlig; 
tjiele abeüd}e Jamiüen^tten bafelbft iljren ftdnbigen äöol^nfi^ nnb 
bic uneinneljmbareÄonig^burg, bie (Snfiöljeim be()errfd;te, n>ar 
feit 1602 „njeil gn ßnfiöl^eim bie ganjte^en, ,3^^9^)^^B ^^ 
3Äunitionen, and) 8anbfci^afft=fac^en" mit einer nenen ftarlen 
Sefa^nng t)erfe^en toorben. ®o fam eg, bafe biefe Stabt nod^ 
hirj t)or bcm 5luäbmd^e beä SOjdl^rigen Äriegeä einen ©tanj 

SBeßetmal^eT, 3aco1&uI( Salbe. 1 





unb ii^ol)l)tanb entfaltete, ben il)r l^eutivjeö Silb uue faum 
mcl^r aljueu ia^i. 

Unter ben nod) fte^enben (??5ebciuben finb nnr u>enigc 
^eugen ber alten :)(ei*öl)en*licl)(eit. I^as ^tabtl^aus, ein 
)d)n?erer, got^ifd^ev San, burd) feine Sogenl}aUe bemerfenä= 
n)ert^ unb ber »enintterte (^aftl^of jur Ärone mit feinen aug= 
gefdUeiften v5teintre^)^)en mögen tvo^l bie einzigen fein, bie auf 
SSatbe'ä 3^igenb niebergefc^aut ^aben. 

§ier nun n)arb am 4. 3^Huar bes [^k\\)xc^ 1604 .^acobus 
Salbe geboren^ unb am gleid^en läge in ber ^^^farrfircbe gu 
@t. SJiartin getauft, oein i^ater, §ugo Salbe, gebürtig aus 
©iromagut) in ben i?ogefen, gel)orte bem x>ornel}men, ))rit)ile= 
girten Staube ber ^'^ffäx^ertuaubten an \int> wax Äammer= 
unb (yeric^töfea'etariuö.^ ^Seine "i)Jutter ^Diagbalena , eine 
geborene (^'nfiöljeimerin, n?eld)e feit bem 5. Jve^^ucir 1601 mit 
§ugo Salbe x>ere^elid)t tvar, flammte auö ber angefe^enen, 
aber f^)dter^iu fel)r unglfitflid)en ^^amilie 5Ji>ittenbad) , bereu 
mduulidie ©^)roffen tu ben Urtunben jener ^cit als 9lbt)ocateu 
unb §of^)rocuratoreu t)ielfad; genannt finb, 9Uä lauf^^at^e 
beä Äuaben erfdjeiut .^^cobuö 9teinbolt, v2tabtfd)reiber unb 
uaij^malä Äriegäjal)lmeifter ju (Sufiöl^eim.^ 

;;5acobuä Salbe voax unter ac^t ©efc^tuiftern (er ^atte 
nt>d) 4 Srfibcr unb '^ vScbtveftern) baö stueitaltefte, bod) n)tffen 

» mnx in ben 3ngol|t&btcr::2irtcn 1622—1624 fül^rt unfer ^i^Ux 
gttjci SSornamen, Joannes Jacobus, bcvcn crficrer h)o^l ton feinem ginn- 
patl^en ^errül^rt. 3« ^ö«« fonfUgen ^lufgcid^nungen pnbet fid^ einfad^ 
Jacobus Bälde. 

^M. Merklen, histoire de la ville d'Ensisheim. Colmar 1840. 
vol. II, pag. 210. 2lug bem fi^ben §ugo 93albe*2 ift bcfonberg ber Um- 
jlanb benftoürbig, ba| für einige S^it ein ^eUi^ev ber Äirc^e , gibclig 
»on ©igmaringen, fein Slmt^genoffe gewefen. ©evfelbe, mit feinem 
gamiUennamen ÜJlarfu^ Dto^ Qel^eigen, mar 1611 $ofabt)ofat bei ber 
9tegierung gu @nf!^^eim. In vita. 

3 (Sie^e iOeilaoe I. 



— 3 — 

tmr Ml^crcä nur t)on bcm Scbcn fctncö Srubcrö 3*^^^Jiii 
©eorg, t)ou bem )))dtcr noc^ bic 9lcbc fein unrb. 

Ucbrigcnö finbcn n)ir um btcfc 3^^^ ^^ Gnfiö^cim noc^ 
mehrere bicfcä ^fiamcnä mit cl§rcnt)oUen 3lcmtcrn bcf leibet; 
fo einen ©eorg 83atbe alä Äanjleifefretdr unb einen ^^>eter 
Salbe, bcg Di(^terä O^eim, aU ^JJtünjmeifter. 5)er 30 
jd^rige Ätieg, ber faum über eine ©tabt fo tjer^cerenb ^in= 
^cgsi^Ö/ äI^ ^^^^ ©nfiä^eim, inbem eä, mit ^)luäna^me 
bcö Scl)to[feä, achtmal tjomgeinbe genommen unb ge^^lünbert 
tourbe, fi^eint jeboc^ biefeä einft fo blfi^enbe ®efcblecl;t x>cr- 
nicktet gu ^aben. Sei ber aSolIöjd^lung t)om :3a]^re 1695 
finbet fid^ unter ben Familien ber ©tabt ber Diame Salbe 
nid^t mel^r!^ 

S)ie erften Äinberja^re flogen bem Änaben in ben tDeiten 
unb fcfeönen Dtdumen ber tjdterlid^en Se^aufung n)ie ein feiiger 
Straum tjoruber; Ratten bo(J^ bie Sefi^ungen ber §offöx>er= 
wanbten fc^on feit langem fo fel^r ben 9{cib ber Sürger er= 
regt, ba§ biefe in einer SefiJ^tDerbe an ben Äaifcr gerbinanb I. 
flagen „fie n)ollen bie bcften unb luftigften :plä<j 3^^^^ ^^^ 
ftabt 3^f)aben, befi^en räum unb n)eibt gum l^oc^ften niesen 
unb gebrauchen aber guem n)enigften tjor^abenä gu geben, 
unnb mit unnb neben unnä gu tragen."^ 5)oc^n)urbe neben 
bcm v2:piel auf ben ))rdcl)tigen 2:ummetpld^en aud^ bem ©rnfte 
beä fiebens geitig SRec^nung getragen. 3^cobuä erl)ielt x>on 
feinen ©Itern eine tiefreligiofe, forgfdltige (grgiel^ung. Sefonberö 
auf feine 5luöbitbung in ber ®c^riftf^)ra(j^e, bem fogen.Äanglei= 
beutfc^, n)urbe eine für jene ^äi nid^t gen)ö^nlict;e Sorgfalt tjer- 
toanbt, bie freiließ burc^ bie balbige Jircnnung i)om Sater= 
^aufe gum Il^eile n?ieber tjereitett n)erben mufete. 

2lte f^)dter einmal Salbe'ä 3«dcen, ber frangöfifdje @e= 
f anbte @raf b ' 21 1) a u jc einen gebornen ijrangof en in ll)m entbedf en 



^ Merklen II, 280 it. 
2 Merklen I, 816. 



— 4 — 

tooük, )d)rieb il^ni jener ^uvütf: ,^a)t bu t)iefe 2öa^r{)eit 
ju Setp^i 9e)d)6^)ft, ober ^abeu fie bir bie ^)ro^)t)eti)c(}en 6i*en 
ber ©vuibeu, ber gallifcbeu 4>riefter im >£dujetn bes Sauber 
x>crfünbigt? A^abcu mid) bie 331citter einer celtifc^en 2ibi)Ke 
ober meine 3?erfe bir t>erratl)en? ^sd) beriete bie J^atfacbe. 
J)aö S)entfcbe tjerftanb ic^ fd^on aB Änabe beffer vxB mein 
®ro§x>ater, ja fc^ier beffer, als mein i^ater.^ 

i)Zad^bem ber Änvibe ben erften Unterriebt im elterlic^^en 
.§aufe em^)fangen nnb an^erorbenttid^e 33efabi9nni3 gegeigt 
f)atte, befd)to^ ber 3?ater, il)n gleid^falls fflr ba^ öffentlii^e 
Seben, ben 3Ud)terftanb, ^eranjnbilbeii. Unb tveil er fclbft 
bie ©rfaljrnng gemacht ^atte, n)ie fdin?er für ben elfdpifc^en 
SSeamten bie Äenntni^ bes bnrgnnbifd>en I^ivrleftes (bourgig- 
non) als ber l^errfdjcnben v5:prad)e ber SSeJtbejirf e in'ö@etDid;t 
fatte, fo fd)idte er feinen ®o^n nod; in jartem ällter nad) 
S3elfort,2 ber bentfcben ©renjfcflc gegen granfreicb, bie bereits 
t)orn)iegenb frangofifd^eö ©e^rdgetmg, bamit er fic^ l)ier jene 
gertigfeit in ber SSolf^munbart aneigne, bie ficb in f))dterem 
Stlter fo fc^iDer gewinnen Id^t.^ 6r mo*te bamals gegen 
9 Saläre gd^len, unb fd)eint bis jn feinem 14. ber ^^eimatb 
ferne gewefen gu fein. 

J)iefe tt)ol)I fd>on Idnger befc^loffene ißanberung bcö 
Keinen ^^cobns nmrbe jebenfallö befd)leunigt burd) ein fd^red= 
f)afte§ ©reigni^, v»on beffen a?ertauf man i^n nic^t S'^n^^ 
fein laffen wollte. Sßie an fo mkn anberen Crten waren 



^ R, P. Jac. Bälde opera poetica omnia. Moiiachii. 1729. Tom. VI. 
pag. 341. 

2 ^Beilage 11. 

3 SDag 33ourgicjnon ifi i>on ber franjbrifc^en ©d^viftf^rad^c giemlid; 
Äbtveid^cnb. §icr ber 2lnfan<j einer SaHabe au2 ber ©d^hjebengeit: 

^0 d'Genery de Vescemont, que Due le boute en gloire, 
AI vortchie tros djous, tros neus por rassembia son monde. 

Corret, histoire de Beifort 1855. pag. 46. 



— 5 — 

auc^ in ©nfiS^cim bic ^rcn^jvo^cffc bviinalö an bcr ta^cä^ 
orbnnng. 3^ncr^al6 71 S^^ren, t)on 1551 — 1622 n>nrbcn 
^afdbft fünfunbtjicr^ij folcfccr Ungtiicf fidler t>erbrannt, darunter 
einzelne fctbft an§ bcni 3tanbc ber »^^offet>eni\"inbtcn. 3ni 
3abrc 1613 ereignete fid> ber unfcUge J^iU, bap eine betagte 
grau aus 95a(bc'ö nd*)ter i^eni^anbtfcbaft, Urfuta, bie iiUttw 
bes Jpofabt)otaten unb'^rocurator^^'^l)^^^" Nitrid) ii>ittenbad>* 
juglei* mit ber @attin beö ^oficcretariue Xbeobalb .^inberer 
al§ nialefica angefragt unb beni )>einlid>en (^eriduc fibergcben 
rourbe. :JJur auf inftdnbigeö Jlel^n ibrer angc|cl)cncn 3>er= 
n>anbteu ujurbcn fie nicfet unter freiem ^Mmmel, fonberu im 
3u|tij^)alafte hinter o(j^lop unb 9iiege( gericbtet. ^a^renb ber 
golter legten fie (Meftdnbniffe ab, bie fie f))dter^in für ge= 
iDaltfam er^jregt erftdrten. äöeil fie aber aud) au^er ber 
'iortiir ©eftdnbniffe gemacbt I}atten unb it}re 2lugfagcn fic^ 
wiberf^jra^en, njurbcn fie x>erurt^eilt , lebcnbig tjerbrannt ju 
n)erben.^ O^nc 3^^if^t ^^^^ ^ö bieg grauentjoUe (Sreigni^, 
n)a§ unfern 35ic^ter in 33ejug auf feine J^amiüc f o fd)n?eigfam 
gemacht ^at. 

3acobu§ faub fid) in 23elfort, tt)o er t)ermutt)li(^ bei 
einer Seamtenfamiüc untergebrad)t t^ar, in tur^cr ^^txt l^cimifd^. 
5)ie ^errlid^e x!age ber Stabt am Ufer ber v6ax>oureufe am 
©ingange ber SSogefcu, bic 9ldl)c tjon ©iromagnt) mit bem 
gropelterüd^en §aufe, tvol^in ein foftlid^er £]^altr>cg führte, 
ber bete^renbe Umgang mit gebilbcten, n?of)ltr>oUenbcn 'iöidunern^ 
bie i^reunbüc^Ieit alter Setr>o^ner, bic an bem tleinen eji*ilirtcn 
6))rad^forfc^er mit feiner aufgett)Cdften ®emütl)0art ml aSer- 
gnügeu fanben — baä aüeä lie^ ben Änaben , in bem fic^ 
frül)e fd^on ein ftoifd)er 3^9 x^errietl^, bic Trennung t)om 
5>ater]^aufe tjerfc^merjcn unb i^n tjoüig in 93etfort einbürgern. 
Seifort gd^lt in feiner ^anbf(j^riftli(j^en (ä^ronif ben ^^^citer 
Satte unter feinen berül^mten ®5f)ncn auf unb voiU fomit 

> SUIer SBal^rfd^einlid^fett nad^ bed $)id^terS ®rogmuUetl 

> Merklen II, 122--124. 



— 6 — 

©nfiöl^eim beu SRul^m ftrcitig tna^en, bic 9?aterftabt bc^ 
5)i(j^terä gu I}eipcnJ Salbe fonnte fein 93elf ort nie tjergeffen. 
?loc^ alö Crbenömann fanbte er ba^in eine ^joetifd^e Brief- 
taube — eineObe Ad Bellofortenses^ unb mel)rcre G^nfteln an 
feinen alten ^auöt^irt^ unb anbere 33ürger ber Stabt. Da§ 
3Jianufcri^)t n?ar nod) gu @nbe beg tjorigen 3^^^^^i^^^tä ju 
33clfort aufben?al^rt, ift aber unter ben Stürmen ber 9tet>o= 
lution t)erloren gegangen. SBal^rfd^einüch tvciren eö, glei* 
ben anbern ))oetifd)en ß^piftcln beä ©idterä an feine fianbö= 
leutc — IroftfAreiben, tjeranlaj^t bnr^ bic i^cbrdngniffe beö 
Äricgeä, unter bcnen Seifort befonberö f*n)cr 3U leiben l^attc. 
SSereitä 1632 tx>urbe eä t)on ben ®^n?eben erobert unb mu^tc 
feine ganje Xlmgegenb t)on ben furcf)tbarften ©rdueln ux- 
njüftet fe^en.» 

aCßdl^renb 93albe am Straube ber ®at)oureuf e ti>eilte , trat 
in feiner SSaterftabt ein ©reigni^ ein, ba^ für feine 3^^^i^f* 
t)on entfd^cibenbem ©influ^e n?ar. ®d)on feit. 1551 t)atte ju 
©nfigl)eim ein ,,Seminar", baö @r^arbi=(5ot(egium beftanbeu, 
in n?eld)em bie I)umaniftifd^en g-ddjer big gur ^^etorif gelet)rt 
tDurben. ©a jeboc^ baöfelbe in ber golge ben 5lnf:prud;eu 
ber ^dt nid^t mel^r genügte, fo berief ba§ (^ubernium im 
®inx>erftdnbniffe mit bem Sifd)ofe »on Strasburg ben Orbeu 
bcö ^l. Sgiicitiuö, um bie beftel^enbe Schule beffen ben)dl}rter 
geitung gu übergeben.* 2lm 9. ^ebruar 1615 !amen t)on 
greiburg l^erüber 8 3<^fuiten, 5 ^ricfter, 1 Sc^olaftifer unb 
2 ßaicnbrüber nad^ ©nfigl^eim, überna{)men fofort ba§ ®t)m' 
nafium unb eröffneten il^re Sd^ule am 2:age beä 1)1. Il^omas 
t)on älquin, ben 7. SSRcixi beffelben 3^^^^^* ®^^' ^^\^^ Sleftor 



* ©cilaöe 11. 

2 J. F. Hermann, Noticeshist. Statist, etlit^r. sur la ville de 
Strasbourg, 1817—19. vol. II. pag. 337. SBcrgl. öcilacjc II. 

3 A. Corret, histoire de Beifort. 1855 pag. 42. 

♦F. X. Kropf, historia prov, Soc. J. Germ. sup. P. IV. pag. 172 
squ. Merklen II., 195, 210. 



— 7 — 

bcä neuen (Sollegiumä war ^atcr ^ctniö "3)Janu9, tjoreinft 
in 2)tünd^en ^rofef) or ber Ot^etorif ; \>on Den übrigen i^dtern 
finb un§ nur mel^r bie ^Jlamen 33artf)oIomduö i^olhveiu unb 
^ol^anneä Sambcrg aufbeu>af)rt. Slucb letzterer l)attc eine ,*ieit 
lang bereits in 3)iüncben 3t()etorif gelcljrt. 

Die ntuc ^Xnftatt na^m einen triftigen 3luffcl)tming ; 
Der 8e^r:plan, ber nrf)>rüngücb bie 9t^etorif ausfdjloj^, tt?urbc 
erweitert unb x>ert)oÜftdnbigt, aber aud) bie ^ai)l ber ©cnoffen 
mufete in golge be§ wadjfenben vgc^üleranbrauges um r>ier 
tjennebrt werben. 2iUe an alten übrigen Orten erricbteten 
bie ^efuiten aucb l)ier unter ben Stubierenben eine marianifc^e 
vEobalitdt, bie fd^on im erften SWonate il^reö 23efte^enS 60 
aWitgüeber, bie 93lüt^e beä @t)mnafiumg, umfaßte.* 

^acobuä 93albe l^atte ficb bereite in Seifort bie ^Infangä^ 
grünbe ber jdjonen SBiffenfd^aften gu eigen gemad}t, benn bie 
bortigen greunbe feines SSaterS, unter bereu Seitung er ftanb, 
waren flaffifc^ gebilbete SWdnner, wie bieä auS ben f^)dteren 
Zueignungen beS J)id^terä jur ©enüge erl^ellt. ^üx feine 
l^ö^ere J^ortbilbung aber fanb er in biefer Stabt feine auS^ 
reict)enben SRittel; bie ocbulen bafelbft waren fe^r mangels 
l^aft^ unb es finben fid) fc^on auS bem ^a^re 159533elege bafür, 
bap bie v56]^ne Seiforts ju ©nfiS^eim il^re Stubien machten.' 
Somit fe^rte aud) ^^cobuS, nid^t lange nad^bem ftc^ ber ge= 
nannte Crben in ©nfiSl^eim angefiebelt l^atte, bal^in gurüdt, 
um feine weitere StuSbilbung gu gewinnen.* 

So waren eS alfo bie ^cfuiten, benen Salbe bie tiefere 
(Srunblage feiner wiffenfd^aftlid^en unb religtöfen Silbung 
üerbanf te. ®ewife fafete er fc^on bamals eine gro^e Sorliebe 



* F, X. Kropf, 1. c» pag. 174. 

2 Corret, histoire de Beifort. 1855. pag. 13. 

3 Merklen 11, 198. 

♦ Merklen II, 210.— Si^o»2fv, ©cfd^id^te bcrScfuiten in^d^toaben 



— 8 — 

für bicfc Crbenämanncv , n?cnn er aud) uod) nic^t t)on ferne 
baran ba^te, einmal felbft it)rer ®efett)d)aft anjugetioren. 
2ln i^rer §anb betrat er ja ben ßorbeerI)ain ber 5llten mit 
feinen ?0?armort)ilbern , in beffen 8c^atten aud) il}m un= 
fterblid)e Ätanje erblüljen folltcn, an xi)xtx ^)anb tjertiefte 
er fid; mit raftlofer aSi^begier in bic vccfcad>te ber römi[c^>en 
S)id)tfunft, @efd)id}te unb 5Jit)t^ologie, unter i^rer gii^rung 
lernte er bie 2:ugenb alä bas ebelfte jlleinob lieben, unb ben 
altfat^olifd)en ©tauben tjerftdnbnifjinnicj in @ebet unb äiJanbel 
betl^dtigen. 

aSSd^renb nun bie ©orge ber Ottern unb iie^rer ni^tä 
))erabfaumtc, um bie l^errlid^en Einlagen bes Änaben ju Pflegen, 
unb feinen ftürmifd)cn 3^9^^^^^^^tl) t^eifc ju bänbigen, l)ob bic 
^)rad)tt)oUe freie Statur unb baö öffentlid)e geben, bem er im 
aSatcrl^aufe fo nal^c ftanb, fein reid)e§ ©emütl) jn ungeahnter 
©ntf altung. SSef onberö e i n ©efii^l mu^ fid) frü^ beö jungen 
§crgeng bemächtigt l^aben, bie Siebe gum beutfd^en 3>aterlanbe, 
bic aSegeifterung für feine ©rß^e! i^or altem tl)cuer n^ar 
il^m feine engere §eimat, bas ©Ifa^. 2)ie Sd^önl^eiten biefe§ 
ßanbeg, bie ©oetl^e in „SBal^rl^eit unb ©id)tung" fo anmutl)ig 
^)reift, machten auf bie Seele unfereg J)id)terö einen nie t)er= 
lof^cnben ©inbrucf unb n?edften in i^m bie Saiten ber ^^oefie. 
©lfa| galt il^m alö ein ©betfi^, sedes nobilis, alg ber £ma= 
ragb im (Srbenringe, annuli smaragdus orbis. Sd^on in 
feine erfte x>eröff entlid^te ©id^tung , ben 3flitter=^anegv)ricuö, 
tDufetc er feine fd}one ^eimat rü^menb einguf ül^ren ^ unb 
njdl^renb beS großen aSernid^tungäfriegeä ttjanbte er fii^ un= 
gdl^ligemale mit bem 3lu§bru(fe ber garteften 2:^eitna]^me nad) 
jenem untergegangenen ^arabiefe l)in, n?o er bie 2:age feiner 
3ugenb tjerlebt l)atte. 

3lber auc^ bie 3ln]^dnglid^feit an§ beutfd^e O^teic^ unb an 
fein Äaifer^aug njar fc^on im ^aben tief gcgrünbet. 



* Opp. 00. Tom. III. pag. 189. 



— 9 — 

%ti)mtk er ja [o gu jagen Don bcr SQBicgc an gut faifcrllcbc 
Suft ein. Sein 5Batcr fon?ie [eine ndd^ften üPewanbten 
ftanbcn im J)ien[te ber ofterreicbifc^en §err[cf)aft, GnfiS^eim 
Derbanfte feinen (^lanj unb 2Öot)lftanb faft einjig ben Jpabä= 
burgern, unb eben bamalö erfreute fic^ bae Gtfa^ unter bem 
milben 2ce:ptcr feinet Sanbgrafen, beö ^r5^crjogä 3Warimifian 
1605—1620 feiner glütflic^ften Jage. 

aJtit flammenbem 2tugc laufcj^te 3^cobuö ben ÄTicgä= 
mdf)ren bon ZiUxj, ©antpierre unb Souquoi, bie er noc^ ju 
©nfiö^eim gu Igoren befam, tjon ben Siegen biefcr unftcrbüc^en 
Reiben, tveld^e in troftlofer, fturmbewegter ^tii ben §ort beä 
beutfc^en SHeic(>e§ umf*irmten unb retteten, unb fcj^on bort mu^ 
in il^in ber (5ntfc()lu^ gereift fein, ben er f^)dter fo begeiftert 
auSfüljrtc, btcfeu gelben ein Iriunt^jl^Iieb ju fingen. 

SSie glücf ü* er feine §eimat§ unter Ocfterreid&ä ^J^ttigen 
gefdjd^t, ba§ f)at er einmal im §inb(idf auf bie gremb]^err= 
fc^aft beä breigigid^rigen Äriegeö auägef^^roc^en in einer ein= 
jeln gebrurften Cbe: 

$)ic fo frol^ bcrcinjl 
$)cn ^olbcn Äönin^c^Ianj Don Ocjlrcici|'g 
<Sonnc au3 Icud^tcnbcn Xtaubcn fd^lüvftcn: 
'ä^, jtnb t>crurt^cilt, jc^o ba2 tobte 2Wccr 
Unb S'icbclqualm ju trinfcn bcr ticfftcn 9lac6t.* 

2luc^ noc^ in anberer Segiel^ung n^ar feine Stubienjeit 
in enfiö^eim für'S f^)dtere fieben bebeutunggboü. ^ier f nü^jftcn 
fic^ greunbfc^^aftöbanbe, bie eine fommenbe ^di beö UnglüdS 
atö d(6t unb bauernb er^)roben foßte. ^tnc ttaffifc^ gebil= 
beten ©ürger beä (Stfafe, bie x>or 33ernf)arb Don SBeimar ge= 
Püc^tet alä 3Serbannte fid) an unfern 35ici^ter njenbeten, um 
auö feinem ajhinbe 2Borte beä Irofteö unb ber äßeiäl^eit gu 
em^)fangen,* ©erbafiuö Summcrcr, 3iubot|)]^ aSogt, 3öf)anneä 



^ Ode dicta Agathyrsus. Monachii 1638. 24« in epilogo, 
2 Lyn IL 27. III. 6. 20. 34. 



— 10 — 

9io]^rmuub, u>arcn bcrcinft in bcr 9?atcrftabt feine TOitfcf)nIer 
unb ©cnoffen gen>c)en. 

3ln§ ben ©nfiö^eimer ^d)nlial)ren fcefil^^cn tvir nod) eine 
fcl)evjl)afte Cbe, betitelt: clangor anseris,' Wanfege|rf>natter, 
bie v3lcic^ ben anbern (Stftlinv3g»eriuc()cn beg!5)i*ter^ erft nad) 
feinem 2;obe gebrnrft erfdnen. 3ie t?errat() i()ren frül^en 
Urf^^rnng bentlid) genug bur* invtn*e befangene 3luffaffung unb 
ßonftruction, am benttic^ften aber bunt bie \mm ßob^reifung 
ber 3}iartinäganö, bie ju ($nfi^I)eim, u>o 3t. ?0^tartin Stabt^ 
:patron tt>ar, mit befonberer 3oIemnitat t>erf:peift iDurbe. 

2)tit beni 3^1)^^ 1620, in tDeld)em ber ^ü^^ö^^^ö bie 
atl^etorif beenbcte, trat bie uncfitige 5'^age an il}n ^eran, 
n?ol^in er fid^ jum Stubium ber ^^^^ilofo^){)ie unb ber gac^= 
tDiffenfiJ^aft begeben u>ollc? J)er treuefte 3iatl}gebev feiner 
3ugcnb ftanb i^m niAt mel^r jnr Seite; fd)on am :i Wdr^ 
1617 I)atte §ugo 33atbc baö }^eitlid)e gefcgnet.^ Um fo 
größeren Gin^u^ übten auf feinen C?ntfd)lnf^ bie i^äter ber 
®efeßfd)aft 3<^fu, feine tl^eneren Seigrer, unb ohne ^^^^^if^-'t ift 
eä i^ren Sd^ilbemngen t)om ßanbe 33ai)ern jn banfen, wenn 
ber ]^offmuigäi)oße St^etor feinen SSUd fc^on bamat^ auf 3^= 
golftabt rid)tete. 2)od) beftimmten il}n »orldnfig aubere 9tüd= 
ficbtcn, an bie neuerrid^tete Unitjerfitdt 5)toB()eim bei Stras- 
burg fic^ gu begeben. @ine balb ju eni>vil)nenbc Eingabe 
in einem gleid)jeitigen ^ngolftdbter 3Ubum Id^t hierüber feinen 
ä^eifel. ©er SSifd^of t?on Strapurg, 3"^^^^^^^ ^^^^^ TOanber= 
fd)eibt, ^atte i. 3. 1580 bereite ben ^efuiten jn 5){olö^eim 
ein goüegium cingerid)tet, n)eld>eö fobann 1617 burc^ -$aul V. 
jur Uniijerfitdt erl^oben unb burd) Äaifer ?!Jtatt)iaä in biefer 
eigenfij^aft beftdtigt n?urbe. ©ie neue ^od^fc^ule begriff 



» Silv. lyr. V. 22. ©ine S3ittc an (Sonne unb ÜJJonb, bie ©an« 
unter bie ©cfUrne gu öcrfe^cn. 

2 Jacilage I. 



— 11 — 

üfcrigcng bloS bic jtDCt ^acultdtcu bcr Jl^cologic unb ber 
fünfte/ 

@tu tcB^after @(j^riftn?cd)fcl jtx>if(J)cn bcr Wolö^cimcr unb 
bcr :protcftantif(*cu Strapurgcr llmtjcrfltdt cutf:panu ficfi 
glci* aufangg, bei ©elcgcnl^cit beö erften ^^i^^tfcftcä bcr iRc= 
formation, baö t. ^. 1617 gefeiert n?urbe; bicfc 93cn>egung 
erreichte aber i^r ©übe, aU bie ^^fuiteit burcb bic ©rcigniffc 
beö Äriegeä genot^igt würben, aWolöl^eim ju i^crlaffeu.* 

^er Äricg, in golge bcffen aucf) 93albe fiij^ gcjtimugen 
fa^, feinen ertr>d^lteu ^Öhifenfi^ n>ieber aufjugeben, bracb fel^r 
balb fiber baä eifa^ ^erein. 3m ®))dt^erbft 1621 erfcbieu 
ber lyreibcuter TOannöfelb mit feinem jügettofen Iro^e an 
ber @renje beö 2iiött)um§ Strasburg, fiel fcngenb nnb 
morbenb über bic fcboncn Sanbfdbaften beä (Stiftet ^r nnb 
lie^ burd> feinen (^^eneral Cberutrant big in bie®egenb t)on 
©nfiö^cim unb 5)tü{)l^aufen bic galjnc ber 93ern)üftung tragen.^ 
Unter fold)en Xlmftdnbcn blieb für ^cicobnS Salbe, ben ftreb- 
famen Stubenten, nic()t0 übrig, alä anä feinem ^cimatlanbc 
ju flü(^ten unb einen Ort ju fuÄcn, n>o man ben 3QBiffen- 
fcbaften eine ruhigere grciftdtte gen)d^rte. ^m 3l))ril 1622 
finben n)ir i^n an ber Unitjcrfitdt ^^^S^lftabt. S)ie ^oc^= 
fd)ule ^J^Ö^^fi^fet, feit 1555 mit einem ^cfnitencoHegium tjer^ 
bunben, ftanb um biefc ^^^eit im S^niii) i^rcä 9tul)mcö; fie 
n?ar ein geiftigcr Wittcl^junft beö latl^otifdjen ©cutf^lanbä. 



1 Äird^cnlcr. t'on SBc^er unb SBcIte. S3b. 10. @. 407. Unter ben 
^Profcfforcn gl&njten bamalg, bc[onbcrg aud^ M (Sd^riftficKcr, Sobocu^ 
<5occiu2 unb 3lbam ßon^en. ©trobcl, Mtcrl. ®cfc^. b.(5lfa6 53b. IV. 
®. 487 unb 488. 

2 a. a. O. @. 488. 

« 5lug bicfcr Seit flammt bcr bcrebte ^ülfcruf bcr Alsatia ju ben 
güffcn bc2 faifcrüd^cn J^ronc« In 2öicn, tocld^cr einen ©cflanbt^cil ber 
nocl^ ungebrudten ^id^tun^: „In Comitem Ernestum Mansfeldium Phi- 
lippica Poetarum'* bilbet. Cimelien 364, II. Sluf ber f. ©taatiJMbliotl^ef 
au anünd^en. 



— 12 — 

SSicIc bcutfdic Sifc^ofc unb g-ürften, barunter bic jtoci mdc^= 
ttgften beö jKcicbcQ, Äaifer ,5erc»inanb Tl. unb A>er5og 3KarU 
Tutüan t>on 23at>crn, hatten bort i^re höhere ^Xusbilbung unb 
iene (i^runbfd^e gewonnen, c»ie fpciter in ^er i'iga i^ren be= 
getfterten 5luöbrucf fanben. ^er fatl)oUjcl>e 'Ht^d 5üb^eut)c6= 
lanbö unb ^^^otens fanbte jcine 36t)ne zahlreich an bic Alma 
Ludovica. 

Sterne crftcrÖroBe am .s>imme( ber (^^elchrfvtmteit gingen 
bort gu2lnfang be§ XVII. Sal^rhnnberts auf. rer^'obhiftor^afcb 
©reifer, beffen fdmnitliche meift ^^olemifche iSerfe 17 goliobdnbe 
fußen, ^^ili))^) unb Gilbert ^»icnjel als ?!Jce^i;;tner, (ä^rifto^)!) 
^cheiner, ber Gntbetfcr ber Sonnenfleden, al^ 3)iatt)ematifer, 
^etnrid^ ßaniftuö, i^erfaffer ber lectioiies antiquae, ber tt)ür= 
bige ?ieffe beö ]^och\)erbienten ^|?etru^ ßanifiu^, ciU 2^eologe, 
Sioa^im unb (i;af))ar ©enich als ^i^^'M^^^^/ ^^^^ ^^^^^ anbere 
SJldnner [teigerten ben SRuf ber baijerifc^en i'anbcaunitjerfttdt 
ju einer bebeutenben §o^e. 

3»m Sommer 1620, furj bei>or *albe ^um acabemifc(}en 
©tubium abging, mad^te er in 33egleitung eines greunbeg, 
bcö ^eter Sufc^mann au§ Äoln, einen 3lugflug nac^> Stra^urg, 
umfid^ baö ©tücfSSelt leben angufe^en, baä l^ier jur^cit ber 3o= 
l^anniämeff e f:pielte. ©ief e !leine iPergnügungsreife l^at er f^^dtcr^^ 
l^in felbft befc^rieben in ber 19. mebijinifcbcn Satire V bie für 
uns befonberö barum intercffant ift, weil fie unö einen ©inblirf 
gewdl^rt in ben jugenblicl)en G^aralter be§ 5)id)terö. @inc 
fcl)tt)arje ^iö^itnerin, wcld^e t>iel t)on regierenben Sternen 
unb il^rer SBal^rfagcfunft fc^wa^te, Ijatte im bid;ten ©ewül^l 
beS 3Rar!te§ feine 9lufmerffam!eit auf fid) gebogen. 3Son 
eitler Jleugier ge^^lagt, bot il^r ber ferfe Stubent feine offene 
§anb l^in, um bie Orafel ber S^iromantie ^erauöjuforbern. 
5yja(j^bem nun bie finge 3llte alle ßinlcn auf baö gxninb= 



* Opp. 00. Tom. IV. pag. 428, 430 squ. 



— 13 — 

lic^ftc crforfd)t f)attt, fa^tc jtc ii)xtn (5ntfcf)cibung0fprucfe in 
fotgcnbcm jufammcn: 35u W)t argt^o^nifd^cr 9tatur, ndf)rft 
l)0^flie9cnbc Söünfc^c unb fuAft gern luftige grcunbc auf. 
9Jiül^famc 2clat)cnarbcit ift bir x>er^apt, auc^ wenn fic groB= 
artige $:itel mit fic^ brdd)tc. Äo^)f^dngerei unb aWcnfd^en^ap 
finbet an bir einen en)igen ©egner. ®c^mdc()tig , xt)k bu 
je^o bift/ n)irft bu bleiben bein fiebtag. Slber bie gitfjer 
mirb bid) begleiten unb manche Ärdngc bir eintragen. 

®on)eit l)6rte er fie an. 2tlg fie i()m aber Don einer 
einäugigen (Sattin ])fxciä), bic er erft jenfeit beä 2)ieereä ge= 
tt)innen mü^te, tjon fd^rcrflic^en Xobeögefa^ren unb unlieb 
öerlürgtem lieben nebft d^nlic(}em toßen ^tuQtf ba fanb er 
fid^ t)om Scbitffal \)iä)lii) beleibigt unb rdct)te fid) an ber 
^X)if)m burc^ eine n)o]^lgejiette 3}iaulfc^elle. G^e fid^'ä biefe t)er= 
fal^, n)ar er mit feinem grcunbe t)erfc^n)unben. ^n ber 
na^cn Verberge „jum n)eifeen 9fl6Bel" tauchten fie n?ieber auf 
unb lachten beim x>olten §um^)en über bas bcftanbene -itben^ 
tl^euer njeiblic^ jufammen. 

©ofcrne biefcä ^r6bcl)cn einllrt^eil erlaubt, mup iöalbe 
fc^on Don ©cmüt^äart ein anberer .^^oratiu^ gen^efen fein. 
Sd^eint bod^ ganj auf i^u ju ))affen, wie ßt)bia ben romifd^en 
5)i^ter jeid^net: „8eid}tcr al^Äorf unb bvtbei aufbraufenber 
ate ber ftürmifd^c §abria." 

9tedEifd^er Uebermut^, aber aud) ^od^ft reijbarc^ ^elbft= 
gefü^l tjerrat^en fid^ untjerfennbar in bem crjdl^lten 3SorfaU 
— ©igcnfc^aften, bie un^ nocb mandKU anbcrn 3^0 f^i^cg 
3ugenblebenö ertldrlic^ madjen. 

i^erne t)on ben traurigen (^reigniff en jwifc^eu dii)dn unb 
SSogefen, in bem l^od^ginnigcn ^^S^ilftcibt, ging bem Jüngling 
ein neuer Scbenämm-gen auf. ©er ^iif^^^iii^^ft^B fo ^i^l^^ 
3Jhifenf5]^ne auä aßen ®auen beö SRcic^cö unb feiner (Srenj= 
lanbe, bie reigenbc greil^eit beä alabemifdjen iti^tn^, bie emfige 
3iüt;rigfeit in ben ©ebieten be§ aBiffenä, wie fie bei ben 
jal^lreic^en 5)iä^)utationen ju Xage trat, übte auf Salbe einen 



— 14 — 

mdd^tig anrcgcnbcn 3^it^^^- ^^ t^^tc nur ber äSiffenfci^aft 
unb feinen greuuben. SBoltgang 2JJicl)ae( ^ilbermann, ber 
f))atere Sanbfc^aftsfanjler t?ün ^|>fals=9Zeuburg , ftanb unter 
biefen in erfter 9ieit}e J 

3n |tubentifc()eu Äteifen war ber feine, fc^Ianfgebaute 
©tfd^er balb ber er!orene ^ onig ; fein cjefeüicjeg Xq^lent, feine 
Jertigfeit in (^efang unb !^autenf^)iel, fein immer f^nni^enber 
§umor, feine i*uft an ritterlichen ^av3ni|fen fieberten it)m 
biefen 9{ang o^ne Jrage gu. 3Bie manche Derfc^oÜenc §cr= 
berge ^^golftabt's, \m mancf)es i>er6bete Öd^Iein fßnnte t>on 
Salbeä ®enieftreic(}en erjagten! 

, ^ü beliebt er inbe^ n^ar bei feinen Jreunben, fo ge= 
fürd^)tet tDar er n^egen ber beiffenben Satiren, mit benen er 
fid^ an feinen offenen unb tjerftcdten @egnern gu rächen 
))flegte, 6-r fc^ilbert felbft einmal mit t>ieler 8aune ben furc()t= 
famenörimm, n^omitbie Don feinen ^^feiten getroffenen Otitter 
ber (Srbdrmlic()feit it)m fd)on t>on ferne auö bem SBcge ge= 
gangen feien. „(Stets gerüftet, fagt er, fd^ritt id) einiger, 
wie ein ©tad)elfd}tx>ein , baö einen 2to^ nad) riidwdrtö im 
©c^ilbe fül^rt, an allen (^liebem in35orngebüfc^ unb in ^^sf eile 
x>ern)anbelt."2 

Sei fo e):centrifd^en ^^roben einer jugetibfrifd^en Dlatur 
mufe eä unö freubig anmutigen, wenn wir fie ni(^t, wie in 
ben 3^^^^^ ^^^ greil^eit bie meiften tl^un, baö (Srbe beä 
©taubenö unb ber guten Sitte über ißorb werfen, unb o^ne 
©teuer unb Seitftern ins gebenämeer l}inauötreibcn feigen. 
Sei S^cob Salbe bürfen wir ben aSerluft feineä toftbarften 



^ 3m 2llbum ber marianifd^cn ^onöteöation gu S^Ö'^'^ftö^t crfd^eint 
aß. aR. ©ilbcrmann unter ben Stufcjcnommcnen b. 3- 1621. 

Silv» IX. 8. wirb er öom ©id^tcr angcrebet : „mihi cognite primum", 

2 Lyn III. 32. v. 17 squ. 



— 15 — 

ÄlcinobS nid^t bcflagcn. aWittcit im ©cnufe bc^ acabcmifc^cn 
Scbcng, im 3l^>ril bcg ^at)xt^ 1622, licp er fic^ bcr eongrc^ 
gatton t)on2)iarid3}crfünbigunvi, einem bamals ^oAberü^mten 
SSereine t>ott v^tubicrenben tiuDerleiben, mt noäs ^eute ba« 
9Ubum jener (iongregation bejeugt.* golc^ finblicbc ircue 
gegen bie ^Kutter bcö $errn tonnte nicbt unbelof)nt bleiben: 
i^r, ,, feines Üebenö f)e^rer 23cf(^ügerin unb gn)citer ^offnmtg" 
fd)ricb er es ban!bar gn, ba§ er in ben Wefal)ren Der ^eit 
nic^t ©c^iffbrnd) gelitten, fonbern glncflid) ben rettenbcn 4?ort 
errcid^t ^abe. 

Das 5tnbium ber ^^^ilofo^^^ie, n)ic eö bamatö anf ben 
^oc^fd^nlen betrieben warb, mod)tc ben C^enins unfere§ 5)id)terö 
bei aller Söißbegier manche Ueberroinbnng gefoftet ^aben. 5)a= 
maB bel)errfd)tc noch, tro^ me^rfad^er ^Infec^tnng, Slriftoteleä 
mit feinem falten ^ormatiörnns ben l^Jartt ber 9Beltn)eiä= 
^eit unb Salbe flfi(^tetc fid) nic^t feiten Dor ber iJangweile 
feiner ©ollegien^eftc gu %Uato ins fd^onc iKeic^ ber '^"titalt, 
ober gu feinen l}oci^finnigcn alten DidUcrn. i)ie ))eri))atctifd^c 
'4^^f)ilofo:pl^ie mu^te i^m auf lange l)inau9 gur 3i<^lfä)cit^ bc§ 
SßJi^eä bienen. Uebrigcnsi benfi^te er bie le^teren ^^Ci\)xc bc§ 
))^ilofo^)^ifc^en (i^urfcg unter ein unb bcnifelbcn '4>^'^M['^^/ 
^einric^ gam^^arter, ber mit feinen Äc^ülern t^on ber fiogif gur 
''^t)]it unb 3Keta^):^^fi! auffticg, gewiff eul)aft gu feiner ^)luäbilb= 
ung, tüofür 3cugniB gibt bieDoctornmrbe ber '|>l)ilofo^)^ic unb ber 
freien Äünfte, bie er um ^-Pfingftcn 1623 fid) cr!dm))fte.* gort an 
fc^mütfte alö Sluögeidjnung baö violette iöarett, bas bie 3)ia= 
gifter ber freien Äünfte gu tragen befugt njaren, bie geleierte 
©time beö lOid^rigen äft^SÖi^ö^- 



^ Anno 1622 April: Joannes Jacobus Bälde Molshemio. 
Album Sodalitatis majoris B. M. V. Ingolstadii. ^uf berUnioeifttätiS' 
^ibltotl^ef au ^ünd^ cod. m. s. 543. 

^ Opp. 00. Tom. I.in icone authoris. Ci.Mederer, Ann. Ingoist. 
Acad. Tom. II. pag. 236. 



— 16 — 

SSon jc^t an naljm feine ^an:ptfdd^lic^[te Sorge bie Sßal^t 
beö gac^ftubiumö in 3lnf))ruct). J)em e^murbigen SBunf^e 
jeineg SSaterö folgenb ent)c^icb er fic^ für bie 3iec^tgn?iffen= 
f^aft; üb i^n aber ber enbüc^e Gntfd^lu^ nidjt großen inneren 
Äam))f gefoftet, modjten xoix fel)r in 3^^if^l sielten. @ett)i§ 
l^at er oft in einfamen ©tnnben an fi* felbft bie fd^ronle 
grage geftettt, bie er f^)dter einmal einem angel^enben 9lec^tg= 
befliffenen jurief: „^m 6rnft, bie 9iiefen6dnbe ^i^fti^i^^^^ 
njilfft bu burd)n?nl^len ?" 3^be§ er blieb, bei feiner (Snt= 
fcj^eibnng nnb infcribirte fid; für bag ^a^r 1623/24 aU ^nrift, 
Q^ne jn al^nen, tx>eld)en SBenbe^^nnlt biefeg ^a^x für fein Sebeu 
bilben foßte. ©ine Heine (Slegie, bie t)on jiemlid) freien ditdji^- 
anfc^anungen jengt, silvarum libertas, seu in theses de jure 
venandi, ift ung anä 33albe'ä iuribifd)em Semefter noc^ er- 
halten. ^ 

gg n)ar eine fü()le >IRainac^t, als ^albe »on einigen 
©enoffen begleitet gegen baö norbn?eftli(^e (Snbe ber Stabt 
jufc^ritt, nm einer anmnt^igen 3^^^9f^^^^/ ^^^ ®^9^ ^^^ 
eines 23dder§ Äinb, bie feine SReignng getDonnen ^atte, ein 
©tdnbc^en jn bringen. 3Sor bem n^o^lbefannten ^anfe^ im 
©nabent^ale, mit bem jierlid^en gotl)ifd}en ©iebcl, fd^rdg gegen^ 



* Opp. 0. Tom. V. pag. 317. 

2 $)icfc2 §aug, au 33albe*g 3eit bem 53ä(fcv (Sebaftian ^oln^ot)cr 
gcl^örlfl, in neuerer ^txt njol^l irricj aU ;,33albe'g Sßo^nl^aug* bejcldlnet, 
fic^t feit 1643 nid^t me^r unb pnbet fid^ nur nod^ eine Scid^nung be^s 
felbcn ))ox, bie aud^ pl^otoßra^l^irt rvurbe. 3m oberen <Btod befanb fic^ 
ein 3immer mit jnjei genfiern auf bie Straffe ^craug, in bcffen öfllid^e 
ajlauerhjanb ber 9^ame 3acobu§ 93albe eingefügt unb mit einem t)ier= 
edigen Dial^men umgogen rvar. $)ie Slnbeutungen aJleberer'iJ, Ann. 
Acad. logolst. II. pag. 238. unb ilBeittenauer'0 Horatii ars poetica, 
Aug. Vind. 1757. pag. 2. laffen e^ für gewi^ erfd^einen, baföalbc an« 
geftd^t^ biefe^ ^aufe^ feine Saute gerfc^Iagen l^abe. 



k 



— 17 — 

über bcm 9{onucnfloftcr, madjtc er .^alt unb fd^lug l^icr auf 
ber fiautc, n)tc er fid) auöbrüdft, ein ^4>^ff^niC30.* 

SlUciU; \m reijcnb unb fcctcn\?oK fein S^jiet auc^ ju 
bcm eigene gebicftteteu Siebe ftang — eö t)erl)aÖtc uubeadüet 
an fd>n?eigcuben 'iMiauern , eä n?arb i^m baför auö feinem 
/"yenfter aud^ nur ba^ geringfte 3^^*^^ be§ 35anfe^. 

3)a fd^lug es i>on ben X^ürmen 5)?itteÄta*t unb im 
anfto^enben Ätoftcr ber ^ranjisfanerinen crn)ac^te n)ic ein 
übcrirbifd>er ^ettgefang ber (it)ox ber ^-^falmen. ^afobuö 
laufest empor — ein ^txci^ ber @rleud)tung burd>jurft fein 
^Jnncrftes; er faßt feine Saute mit beiben .^anben unb jer= 
fdbldgt fie am ndcbften ©d^jfa^l ber Äirc^enmauer in >£^)litter 
mit bcm l)iftorifd) geiDorbenen 2lu§ruf: Cantatum satis est; 
frangito barbiton. 3lun bes Singend gcuug, fc^lagc bein 
£)>iel eutjnjcü* 

23on einem gegenüber li'cgenbcn §aufc fc^aute im gellen 
'JJJonblid)te ein altes ©emdlbc auf unfern Did)ter ^erab, bag 
feiner graufam gu f^)ottcn fd)ien. (So fteUtc ben trojanifdjen 
^^ringen ^i^ariä \>ox, tt)ie er eben an fefttic^ aufge^)flanjten 
Äanonen ijorbei mit ber entführten ^Jetena feinen ©injug 
in bie ©urg i)on Xroja feiert. 5)aöSilb ivar übrigen^ bereite 
im x>origen S^^^^^^^^bert i)erfd)n)unben.^ 

De^ anbern 'ilJiorgenä, n^d^renb S^gi^Ift^bt über ben 
udd)tlid)cn SJorfall l^eitere (Stoffen machte, ftanb Salbe t)or 
bem -^>rot)injial ber ®efellfd}aft 3^fu, äßaltl^er aJiunbbrot, 
ber fid) eben am Orte befanb, um t?on il;m bie 2luf na^me In 
ben Orben gu erbitten. 



* Opp. 0. Tom. Vll. pag. 382 et 384, too ber Anonymus 
er felbjt ijt. 'Olod) an »iclen anberen ©teilen fpielt er auf fein 
^bent^euer an, 3. iB. Silv. Vlll. 26, IX. 3. Medic. gloria, sat. 19. 
V. 5. 

2 Mederer, Tom. 11. pag. 239. 

3 Weittenauer, Horatiiars poetica. Aug. Yind. 1757, pag. 2. 
SBeftermavec, Sacobul Salbe. 2 



— 18 — 

^^atcr ajtunbbrot, t>or feiner Ph:I)ebung jum ^^rotinjial 
bes 3^^9^l)tdbter ßoUegiumö :)teftor, uub )oon ba^er )eincu 
SRann n>o^l feuuenb, tani bcm lebcii^mübeu ^iiinften, bor 
als ^^auiptgruub feines (5:ut)cl)luf|eö t^erunglürfte fciebe angab, 
mit 3)Hptrauen entgegen unb tt)icä i^n ab. * x^Us biefer jebocb 
tt)ieber^oU unb immer bringenber feine ^itte anbrachte, ol)ne 
fid) burc^ irgenb eine i>orfteUung erfclmttern ju taffen, ti?art) 
il)m ber (Eintritt ins ^iomjiat getDd^rt. 

S)ag ^^robationsl^auö ber oberbcutfcl)en \>romn3, barin 
bie erften gn)ei ^4?rüfungöial)re bes Crbeuö ju beftet)en iDaren, 
befanb fid^ feit 1578 ju ßanb^berg am ^cd). 5)at)in begab 
fid) Salbe ol^ne i^erjug, feft entfc^loffcn, ein red^ter Orbens= 
mann gu n^crben. 2lm 1. 3^nli 1624 em:pfing er bas Äleib 
beä ^l. 39^^^^^^-^ 

@ro^en Hoffnungen unb 5lusfid}ten entfagte ber ;3üng^ 
üng mit biefem v2d)ritte. 23ie anö einem (5rbfd)aftspro3ef)e 
in Gnfiö^eim über bie aSerlaffenfcbaft ber 33albe ums ^al)x 
1670 ]^eri)orgel)t, n)ar feine gamilie n)o^l begütert, unb um 
ber tüd}tigen, treuen SBeamten n)iüen, bie axi^ ii)x ^eri>or= 
gegangen, ftanb fie bei ber öfterreid)ifcben Diegierung in l)o§eu 
©naben. 3o^nn 3Seneranb Mttenbad) aus (Sn|isl^eim, ju 
93albe ©cfdnmfterünb, ber 1649 mit Slnsgeic^nung jum£icen= 
tiaten ber i)tec^tsn)iffenfd)aft crcirt tt)orbcn war, tvurbe balb 
barauf \>mx Äaifer gum Oiitter unb ^^-rcil^errn, gel^eimen dtatl) 
unb Äangler ber ©raffi^aft lirol ert;oben.^ *atbe n^ürbc 
n)ol)l eben fo rafd) enn)orgcftiegen fein, n)enn er, ba^ größte 
®enie, bas ^ngolftabt je gefe^en, ber 3ted)tsti)iffenfc^aft treu 
geblieben t^dre. J)a| er es gleid)n)o]^l nid)t tt}at, Id^i feinen 
©ntfd^lu^ in um fo reinerem iiic^te ci-fd)einen. 



i J. B. Neubig,ßavaria's Musen. München 1828. @. 19 u.20. 

2 $)ic geier ber ©md^tung eineg SDcnfmalg für bcn $)id^ter ^doh 
©albc 9. 2lug. 1828. iWcuburg a. SD. (tjon 5lnt. «mcn^^ein). @. 2. 

3 Me derer, Tom. 11. pag. 321. 



— 19 — ^ 

Seine 2lbfid)t n^ar, fein Seben oon nun an ber Qfyct 
@ottcö unb bcm einigen üiioljk ber ^Dlcufc^^eit ju njeil^en. 
i?ie befte gül^rerin ju biefem ^i^k glaubte er in ber l^e)ett= 
l'cbaft ^t]u JU finbeu, jenem Crben, beffen großartige, gefeg= 
nete Söirffamfeit if}m fc^on öfter e^rfurdjtgebietenb begegnet 
war. 5)aniate, unter bem ©eneralate beö ?DJutiu^ SSiteUeäc^i 
t)atte fie i^ren l)ocl)ften ©lanj erreidjt]; ber ^nnenbau il)reä 
Crganiömug toax t^oüenbet, unb unauf^altfam ftromte il)re 
Äraf t narf) außen , allerorts bie erftauntic^ften iBtüt^en l^er= 
oortreibenb. SOBo fanb fid) eine (Senoff enfcf)aft , bie )oon ber 
§6^c ber 3^itbilbuug auö, mit fo reidjen unb umfaffenben 
Mitteln, mit fo tocifer Senü^ung ber ani)ertrauten latente 
für ben €ieg beg (.^)Iauben^ gearbeitet unb gefdm))ft l^dtte? 
mdmxi 2satobuö ®atbe unter i^re ga^nc trat , fo gefc^a^ eä 
in ber Ueberjeugung, in i^r allein fonnten bie lüljn auf= 
ftrebenben Ärdfte, bie er fic^ innettjo^nen füllte, gu einer 
^armonifd^eU; bem ^od^ften ^idt gett)eit)ten (£ntn)itflung 
gelangen. 

3Jian ^at eä fc^on oft in i^erfen unb in ^^rofa augge= 
f))rod)en, baß Salbe'ö eintritt in ben 3<^fuitenorben ein für bie 
beutfd)c^^^oefiebeflagcnötDcrt^eö(5:reignißfei, ttjeiter baburc^i^rer 
tiefften Quelle, ben rein menfd^tid)en @efü^ten, unb bamit 
bem §erjen be§ aSolfeä entfrembet tDorben tt)dre — atS ob 
nur irbifc^e Siebeögtut bie 35id)tfunft ijerfldren fonne, atg 
ob cö einen mdc^tigeren Sebenä^aud) für fie gebe, alä jene 
^eilige überirbifd^e Siebe, bie fid) in ben ®efdngen eineä 
J)ante f))iegett! Wan ^at fid) bem Iraum bi^gegeben, ber 
J)ic^ter n)ürbe i)on einem ^olberen Sterne begünftigt, feine 
3}futterf^)rad)e mit jenem SRu^me t?er^errlic^t l^aben, ben er 
fic^ f)>dter in ber S^jrac^e Satiumö erfang. ©ine ))roteftan= 
tifc^e Stimme bebauert gar, baß er mit feinem tieföernjunbeten 
Jj)ergen nid)t ju 3lrnbt ober S^jener gef ommen fei, „um rid^tig 
geleitet unb d)riftüd) ijerHdrt eine §auptftimme im Jentpet 

2* 



— 20 — 

61^ri[ti 5U füf)rcn uub juglci* ein vjei[tUcf)cr grei^eit§^>rebi):^er 
unferce JBolfce ju trerben." 

:i3ei naiverer 2)}ürbiguu9 jerpicßen all' biefe Suftgebilbc 
in leeres 'JUcfcts. vio rein :Ba(be bic ktcinifcf^c Jitmr gu 
itimmen t^n^te, im bentfcben 33er)e f onnte er ber ^)arten feiner 
3Jiunbart nic^t 3)Zei[ter werben; fo frei er ficf> bort in bcn 
ebelften formen ben^egt, f o arm jeigt er ficb l)ier in ^joetifAen 
Sßenbnngen. §ier erlag feine Ännft bem f:prcben 3}faterial, 
unb t^eil er aud) nod) feine i^orbilber i>or fid) ^atte, bie ilnn 
bie 3Ji59lid)feit eineö ©rfolgeö bar legten, fo fam er bei all 
feiner ^od)fc^d^nng ber bentfc^en 5prad>e ba^in, fie n)enigften5 
für leine bid)terif(^e ju l)alten. 

Slber gefegt aucb, er l^dtte für bie Jjaterldnbifcbe ri*t= 
fünft ebenfo glücflic^e ätnlagen gehabt, xok für bie lateinifd)e, 
tDürbe er n)o]^l in irgenb einem n>eltlid)en älmte jene Wln^t 
genjonnen l^aben, t?on ber bie 2lnsfül)rnng großer, nnfterblid}er 
SBerfe bebingt ift? SiJürbe ni^t M^ ©lenb beö 30id^rigen 
Äriegeä, baä anf allen ®d)i(^ten bes SSolfeä fo tobtlic^ laftete, 
anc^ unferen 2)id}ter anper^alb beö Crbenö entmntl}igt nnb 
tjerftummcn gemad)t ^aben? 3)1 ^^ ^^i^)^ bejeid^nenb genng, 
ba| ber befte Siebter ber ^^roteftan'ten bamaliger 3^it, '|?anl 
glemming, im 2lnälanbe fang? 

3^^it*^^ ^^^ nnenblid)en aSerit)ilbernng, ber granenljaften 
^Barbarei, bie 35 entf (^lanb bamal^ übertnndjert Ratten, blül)ten 
bie §dufcr ber ^^f^it^^ 9^^^^^ einfamen Kolonien ber (^efitt= 
ung unb 2Biffenfd)aft, unb eö ift feine --l^^rafe, wenn iöalbe 
ber ftubierenben 3^genb feinen Orben alö bie feiigen 3nfeln 
an))rcift, wo allein im wilbbewegten iDieere gviebe unb 3Beig= 
^eit ju finben fei.* %üx i^n ni*t weniger, aB für ben 
trefflichen 5Did^ter griebric^ S^jee, war ber Orben, ber felbft 
beim geinbe Sichtung geno^, ein unfc^d^bareä 2lf^l, baö i^n 



1 Silv. lyr. VII. 8. 



— 2i — 

bcr brudcnbcn Sorge für baö eigene ^dy überl^ob unb i^u 
mit ungetlieiltcr Seele bie ®efd)icfe feinegi i^oUeä mitleben 
unb feine Hoffnungen unb Reiben mit nie i)er^allenben Äldngen 
begleiten lie^. ?^vi einer ^^^it, ba alle ®cfe^e im 2ßaffen= 
getöfe fcfin^iegeu, ba Sitte unb Jugenb burcf» unauf^örlict)e 
SSerl^o^nung entnjertljct fc^ien, ba beburfte n)o^l auc^ ber 
ebelftc Sdnger eiueö uni)errüdEbaren ^orteä, ber i^n er^ob 
über bie fc^mu^igcn iöellen beö SlUtaglebenä unb il^m boc^ einen 
freien Slusblirf bot fiber bie Strömungen ber >^cit. 9iur auä 
ben liefen eines gottge^eiligten 8eben§ fonnte er auöreicl)enbe 
Äraft fc^ö^jfen, um in ben ringö entfeffelten i>olfcrfrieg über= 
wdltigenb \>on Serfö^nung, äBa^r^eit unb 9tecl)t .^u fingen. 

Selbft §erber ^ anerfennt bie i^ort^eile, n?el*e bem S)ici^ter 
bie SRitgliebfc^aft bes 3i^fuitenorbenö gciodljrte unb treffenb 
bemertt SRori? Ärül^l : 211^ @lieb bicfer großen ®emeinfct)af t 
^atte er I^eil an bcr ganjen geiftigen (5rrungenfcf)aft auf 
allen ©ebicten beö menfc^lic^en Sffiiffenä, n)oburrf) bie ©efelU 
fc^aft S^fu eine Ueberlegen^eit über SBelttl)eile be]^au^)tete, 
in @uro^)a bie ®egner ber lat^olifc^en Äirctje befiegte, in 
Slmerifa n^ilbe aSotter jdl^mte, am ^nbuä unb ©angeä bie 
3tßeiä]^eit ber 33ra^mincn überbot, inmitten ber altinbifc^en 
unb *inefifc^en 6ultur baä Äreug aufrichtete. * 

3lber aud> ber T)ic(>ter muffte ]^inn)iebemm bie gro^e 2luf= 
gäbe be$ Orbenö forbcrn Ijelfen. Ratten bie Sol^ne beö 
^l. Sö^i^tt^^ "^ J)eutfc^lanb biöl^er auf ^)raftifc^em ©ebietc 
alä SKiffiondre unb 3119^^*^^^^^^^^^ gen)irft, fo ttJoUten fie 
je^t bei reid^eren Ärdften aud> auf ben ^o^en ber fc^ßnen 
SBiffcnfd^aften \i)x Scanner auf^>flanjen. 

3n 5)eutfc^lanb ttjar feit langem ber .^umanismuä ober 
bie flaffifd)e Sd^ule in feinen nam^afteften 93crtretern ber 
Äird^e feinbfelig gegenüber geftanben, inbem biefelben entttjeber 



* @&mmtllc^c gßerfe 93b. XVII. CIcr»)|ic^ore) @. 197 ff. 
» 9icalcnct?clo^)&bie »on ©inbcr. 2lrt. öalbc. 



— 22 — 

offen bcn 2(bfaH t>om alten ©lanben fcrberten, ober aud^ 
innerl^alb be§ fat^oüfdjen ^efenntniffeö fat^olifÄe 3^ftitiitio= 
nen, d^riftlic^e ©itte unb ^^xiäji t^er^o^nten. äöir bürfen 
einerfeitä nur an ,^utten unb ^^^f^ün, anbrer[eit^ an ßetteö 
unb ©ragmuä erinnern. 2lber aucb fiir'ä beutf*e SL^aterlanb 
l^attcn biefe §umani[ten fein §er,^ ;^ in if}rer abgöttifAen 3?er= 
cl^rung für S^^^ien unb §eüa§ fanben fie an bem got]^if(i)en 
9lufbau be§ beutfc^en9teicl)e§ fein Scl^agen, fonbern träumten 
fic^ einen ibealen Staat mit l^eibnifc^en iyormen, tt?oburd) fie 
not]^n)enbig il^rer toirf{i*cu A^eimat entfrcmbet ti?erben mußten. 
Äircl)üci^ gläubige unb dc^t ))atriotifc^e ©ic^ter taud)ten unter 
ben S^eulateinern nur anwerft n)enige auf unb biefe loenigeu 
tt)aren ol)ne SSebeutung. 

@oüte aber bie Itaffifcbe Silbung für immer ber Äirct^e 
fcinblid) gcfinnt unb für fie t?erloren bleiben, n)dt)renb bo* 
fie 3undd)ft bie ©runblagen berfelben auä bem ^lltertl^ume 
i^erübergeretlet? (SoKte jn)if d)en Oftfee unb %l)(>tn feine 
ßiteratur mel^r erftel^en, toeld)e ben blenbcnben ißeiftungen ber 
§umaniften bie ©:pi^e bieten fonnte ? 2öie em:pfinblic^ iDurbe 
ber l^errfc^enbe ?0?angel, tt^mw eg galt, ftubirenben Jünglingen 
eine Scctüre in bie §anb ju geben, n^elc^e unbefd^abet ber 
t)0Üenbeten gorm beutfd^e SSaterlanböliebe ju n)cden unb bag 
gldubige a3en)u^tfein ju nd^ren im ©taube gen)efen n)dre! 

35a n?ar eg SSalbe, ber mit Entfaltung einer tr>a^ren 
3ticfenfraft ba§ gan^e Gebiet ber neulateinifd^en ^^ocfie bem 
latl^olifc^cn S)eutf erlaub jurürferoberte, ber in ben gcbilbeten 
Greifen 5)eutfc^lanbö unb barüber ^inauö bie dc^te t)eilige 
J)id)tung n?ieber in i^r 3led)t einfette unb neu ju ©l)ren 
brad^te. ©ine um fo fc^toierigere Aufgabe, je rauher bie 
Reiten; boc^ eo fiegte fein @enie! 2luä antifem, romifd^em 
S^jiegel lie^ er ein l^od^ft treueä aSilb f eineö 3^^*^^^*^^^/ \^^^^^ 
©d^rungen unb Ädnt|)fe, feiner ©itten unb Slnfc^auungcn 
]^crt?ortreten, t?crga^ aber babei niemals, ber raupen SBirf lid^f eit 

> 93eröl. SB. mmitl, ©eutfc^e SDic^tung, 11. S. 113. 



— 23 — 

ba§ 3bca(, beut n)ud^ernbcn Saftet bic Stnforberungcn bcr 
txoxQtn ©cfc^e- gegenüber ju ftetten. 

Söd^rcnb er burcf) ben großartigen ^ni)cdi feiner £c^6pf= 
ungen auf bie ^)oetifd^e 5lnf c()auung feiner 3eit, biet?on tauter 
Jpulbigunggoben erbdrmlic^ Derfrümmt n>ar, belebenb einn^irfte, 
n)oUte er nid^t minber auf bie fittlic^e Üenbenj ber gleic^= 
geitigen ^^oefic einen beffernben (Einfluß fiben, inbem er gegen 
bie eingeriffene ^erit)ilberung, gumal gegen bie ct)nifc^e Jred^s 
^eit ber erotifc^en ^4?oefie burd^ bie teufc^e §o^eit feiner (Mc= 
fange ein mächtiges (Gegengewicht l^erftellte. 5)er Umftanb, 
baß feine 35ic^tungen nur jum geringeren Jlieile f^)ejififc^ 
geiftlid^e finb, ^at i^re fittlid)e unb reügiofe 23ebeutung nic^t 
nur nic^t beeintrdd^tigt, fonbern il^rer lenben^ gerabe in außer= 
fat^oüfd^en Reifen mächtig 93a^n gebrod^en. ^n ber 93orrebe 
5um beutfc^en 2lgat^t)rfu§ ertldrt er t)on fid^ unb feinen 
J^reunbeU; fie l)dtten beß^alb i^re S)id^tungen t?eröffentlirf)t, 
,,bamit fie l^interftellig ober auff§ n^enigft gu fd^anben mad^ten, 
foml unfd^ambare Jeutfd^e Suelcr Sieblein, bie be^ biefer mut= 
loiUigcn 3GBelt altentl^alb l^erumfliegen. 3^^^^[f^^ i^fet n^aä 
ieutfd^ gereimbt unb ungereimbt, fc^ier nur Xion Pyramo unb 
Thisbe, loon Siebduglein, ^od^geiten unb 2tufn)arten cantu 
molli gefungen n)irbt. @leid)famb n)dr nic^tä übrig gu einer 
e^rlid)en fur^ioeil in ber beutfd^en ißoeteret), unb ftieffe 93enug= 
berg l^art an ^arnaffum.^ 



1 Jac. Bälde, Agathyrsus Xeutfd^. aJlünd^cn 1647. aSoncb bcg 
Auetors. 



n. Das ttp 3al)rjel)enl) im ©rtett. 

J)a§ l^cilige 8ttülebeu, ba§ Salbe i)on nun au in ben 
9Jiaucrn bcä ^^robationöl^aufeS fül^rtc, U)ar, ieber tDiffenfc^aft- 
ttcl)cn SBefti^dftigung cntrütft, cinjig bcr 3löcefc gen^ibmet. §oc^ 
über ber '^Stabt, auf ber einfamen §ö^e beö Sedmferä t^ronenb, 
festen bieg ©ebdube n)ie gefd^affen jur Statte beg ©cbeteg 
unb ber S5etracl)tuug. Unter ber ßcitung beg 9lot?i5cnmei[ter^ 
Saf))argran!enrcitter^, ber al^ trcffüd^er 50icufd)enfenner unb 
(Seetenarjt auc^ bte fd)n)ierigften ^iaturen ^u Icnfeu mi^te, 
betrat unjer 5)id^ter ben mül^fanien Sßcg ber ©elb[ter!euntm§ 
unb inneren Sduterung. granfenrcittcr tjerfolgte in berUntcr= 
weifung jebeS ©injelnen einen tiefburd^bacbten eigent^ünili*en 
^lan. „(£g n^ar bettjunberngt^ertt), fagt bie ®efd;icf)te ber ober= 
beutfd)en ^romnj t?on il^m*, mit iDelc^er Äunft unb Jpingebung 
er eineö ^^ben ©crnüt^ ju bel^anbeln unb nad) fanfter Ueber^- 
tt)inbung ber §inberniffe für bie SebenötDeife unfereä Drbenö 
l^eraujubilben unb ju geftalten ^pflegte." ©ineä fol(*en gü^rerö 
beburfte ber leidet erregbare, l^eiplütige 3fi^9ti^^9 5 Seigrer 
unb Schüler toaxtn einanber n?ürbig. 2Bir t^iffen eä auä 
feinem eigenen 3^^9^iff^ (Lyr- III. 23), ba^ eine gro^e 
3Serdnberung in il^m i)orging; jenes Ungeftüm unb jene 
SReijbarleit feines SBefenS i)ern)anbelten fic^ in ©leid^mutl^ 



^ Catalogus tyrocinium Patrum S. J. prov. Germ. sup. Monachii 
ingressorum ab ann. 1563—1766. 3Jianufcr. 
2 Kronf. 1. ft. P TV 4ßJ^. 



Kropf, 1. c. P. IV. 463. 



— 25 — 

unb ^IbC; unb in feiner S3ruft blieb fein anbetet 5^ier 
5urü(f; ate ba§ ber J^itigen S3egeifterung. 

Seine ©emütl^öanlagc n>arb t^erebelt, aber feine^njegS 
au§ i^rer natürlicfien JRic^tnng gebrangt. Unt>er!ümniert 
blieb \t)m fein lebl^after .^nmor, bcr fo gerne t>on 3Ki^ nnb 
Scberj iibcrf^jnibelte, nnijcrfnmmert feine ©m^jfänglid^feit für 
eble greunbfdbaft, für 9latur nnb Ännftgcnn^, nnt^erfütnmert 
feine Siebe 5nm 9?aterlanbe. (^lücflicb in ber gcfnnbenen, 
n^eifen ®efcbrdnfnng blieb er fid) t?on feinem Sluötritte anä 
bem 9ioi)ijiat bi§ jn feinem ßebenöenbe gleicb; er ift jnm 
fertigen 6l)arafter gen^orben, alö ber er nn^ anö aU feinen 
äBerfen entgegentritt. 

aWit bem 1. ^nli 1626 ^atte er bic fd}n>ere a?orf*nle 
be§ OrbenS \)oltenbet. Scf)on am ndd)ften tage finben n)ir 
il^n jn 2Wünrf}en, n)o er in bcr §anä!a:peUe beö SoHcginmS 
tDdl^renb einer füllen 3)ieffc bie brei einfachen ©elübbe ablegt, 
unb bann felbfteigen ' in ba§ nod) i)or^anbene ^rofegbud^ 
bie 95eftdtignng biefcS 2lfteä eintragt.* i^on je^t an fonnte 
er n?o^l noc^ entlaffcn njerben, aber nid>t meljr frein)illig jn= 
rücf treten, benn im ^^f^it^^i^^bcn binben fd^cn bie einfacben 
@elübbe unauftostic^. 

S3alb baranf mn^te er fic^ anä ben ))^ilofo^)]^ifc^en J)iö= 
ci^jlinen, bie il^m bereits feit brei 3^^^)^^^^ f^^'^^ l^g^^i/ tro^ 
feiner 2)octorn)firbc einer nmfaffenbeu '^rüfnng nntern?erfen. 
5)aö SRcfnltat ift nnä ^nbfdjriftlid) anf bel^alten : „S^^obnö 
Salbe beftanb über ber SRittelmdpigfeit nad) bem Urt^eile 



* Liber professionum S. J. cod. bav. 547. 

Ego Jacobus Bälde examinatus statutis temporibus, emisi scbo- 
lasticorum vota Societatis et clare intellexi verbis illis (promitto 
eandem Societatem me ingressurum) contineri 4tnB votum amplec- 
teDdi quemcunque gradam in Societate seu Professoiiim seu Coad- 
jutorum spiritualium. Monachii 2. Jul. Ann. 1626 celebrante R. P. 
Provinciali Gualtero Mundbrot in Sacello domestico* 



— 26 — 

bmnr, niittflmam? na* tfin i^utacfrteu l»cs t>imcn;* ein 
(fTgcbniB, iJas ihn bcfdbijitc, feiner ,»^eit ;um etubium ber 
ibeolojie auf^ufteijen.* 

Uebrigens fpricbt ijiefe ie^enfalls nicbt glänjeuoe -^^rüfung 
beutli* ^afür, MB unfer rietet, ten CreUi uuD.^rber mit 
3?oquä ben ^f^ilo)ol?bi)cben nennen, für bie bamalic|e '^'^ilo= 
fo^)^ie ficb nicbt bereiftem tonnte. 

:)la(bbem biefen i^orfcbriften (^^enüge jefcbeben, war e^ 
i^m wrgonnt, ficb in ber neuen 3pbdre, in bie er eingetreten, 
nä^er ju orientiren. (^ n>ar nun 3cbotaftifer — jnnad))t 
mit feiner eigenen 5tu5bilbung in ben fcbönen itUffenfcbaften 
unb in ^weiter iHnie mit bem Unterricbte ber ;5ugenb beauf= 
tragt. 2ll6 eine glücflicbe ^yngung mu^tc er es betradnen, 
bap er bie ndcbften ^a^re in '})tünd>eu, ber ^jracbtöoUen, mh 
bewegten Jiefibenj bee großen 'iKarimifian \?erbteibcn burfte. 
Sas bortige GoUegium, baö um jene 3^it gegen 70 Crbeu^= 
genoffen tjereinigte, war eines ber fd>onfteu Äloftergebaube 
Europas; nur bem G-scurial gefte^en bie 9iei)ebefcbreibungen 
jener läge ben ^Sorrang ju. ?ie Äircbe ^um ^{. ^}Jticbael 
mit il^rem tui)ntix ©ewolbe ift nocb beute ein bewunberteä 
Sauwerf. 2lber auc^ an wiffenfcbaftUcbcr 23ebeutung na^m 
bas GoUegium ju üKüuc^en unter allen übrigen ©eutfcblanbä 
neben S^Ö^^^P^^t ^^^ ^il'te Stelle ein. 5BdI}renb ^Jidnner wie 
^iaber, ^Drejreliuö, ÄeHer, 35ruuner u. a. aU ScbriftftcKer, 
al§ §i[torifer unb Stsceten einen berül^mten 5iamen erwarben, 
wirften anbere ©enoffen crfolgreid) alä Seigrer ber 3ugenb; 
baö @t)mnafium, baä felb[t bon ^olen befud^t war, jd^lte in 
jenen 3^l^ren mit 6inf(i^lu^ bcö 8t)ceumä mel^r afö taufenb 
©c^üler. 



^ Judicia examiDatorum, cod. bav. 976. 

Jac. Bälde profecit supra mediocritatem judido trium, mediocriter 
ex sententia quarti. (Ad ami. 1626.) 

' Ratio atque institatio stadiorum S. J. Antw. 1635. p. 11. 



— 27 — 

Tlo* in anbcrtr .^inficft n^ar bcr crftc SKufcnt^att in 
Wunden für $5albc kbcutfam. Siat^ern l^attc bamat^ fein 
tampfgcübtcä §ccr unter liUt>*§ $<?nl^mng an bcr 5Rieberclbe, 
n>o fiÄ ein entfdieibenber >3cblag gegen bie 5)dnen i)orbereitctc. 
?Diün*en, bie Stefibenj beä ß^urfürften, ber Sd^n)er))un!t ber 
\Jiga, war mdd^tig in bie gropen (Sreigniffe be§ 3:ageg ]^inein= 
gejogcn. Änriere burc^f))rengten bie unnil^igen (Waffen, 9{en= 
geworbene jogen nnter 3;rommel= nnb ^^feifenflang anö, 
©erüc^te t)om Äriegöfc(>an))la^ erl^ielten bie ®et)olferung in 
fteter Slnfregung. Site bann bie ®*lac^t am Sarenberge 
gejciblagen unb bie 2Wa*t be§ Dancnfonigö gebrochen war, 
(am 27. 2lug. 1626) ba feierte SRündEien ranfd)enbe ®iege§= 
fefte wie nod^ nie. äöal^renb bei läge bie Äirdben t?on 8ob= 
gefangen wicbcrl)aUten, f*ien bie ötabt bei 9Jac()t in einem 
8ici)tmeere gn fc^wimmen. ^tht^ §an§ war feftlid) betcud^tet, 
anf bcn -lUd^en loberten ^renbenfeuer, brennenbc Scheiter 
fd^wang man bnrcfi bie \!üfte, )>rac^tooUc ^euerwerfe ftiegen 
auf in ben bunflen 2letl)er. oo allgemein, fo l^inrei^enb war 
ber Su^ct/ i^^B bie jüngeren (^^enoffen be§ ^^fuitencoUegiumä 
felbft Jpanb anlegten, um auf ben ©afteien bie (^efc^u^e gu 
lofen. * vSotche ©reigniffe mußten auf S3albe'ö l)ocf)tiguiftif^e 
©cfinnung günbeub wirfen ; ber Slntl^eil an 2)eutfc^lanbä unb 
gundd^ft an 33a^crnä ®cf*icf ^julfirtc fortan mdcfctig burd^ 
fein inneres geben, fo ba^ feine '^^ocfie balb t?orwiegeub eine 
))otitifd^c i^drbung annahm, ^n biefer SRid^tung bcftdrfte il^n 
ein 3Jiann, ber feine bid^tcrifd^e Saufba^n wef entließ mitbc= 
ftimmte unb forbertc — ^alob Äetter.« 

35albe fanb in feinem Orben, wag für jebeö aufftrc= 
benbc Jalent oon unfd^d^barem SBectl^c ift, einen tl^eilnel^mcnben 
tjdterlid^en ^J^cunb, ber i^m ®^)orn unb 8eitftern würbe auf 
feinen (SeifteSflügen, ber treu beforgt war, jcbcn l^emmenben 



* Opp. 0. Tom. III pag. 191. 

* Kropf, 1 c. Tom. V. pag. 7. 



- 28 - 

©mflu^ t)on feinem fo ml t?erf:ptcd>enben Üiebliuge ferne ju 
Italien. SRan ^at cö mit 9{ccf)t alö ein befonbereö SJcrbienft 
bc$ ^efuitenorbenä l^ert^ovgcl^oben , ba^ er, bie ®akn feiner 
SRitglieber njeife n>urbigenb, {eber Äraft it}re eigcnt]^ümlid)e 
(Sntn)idf lung unb ben il)r ^ufagenbften üMrfnngäfreiö getud^rte. 
3lucf) ber iBilbungägang nnfere^ Didjterä gibt I)ict)on 3^^9' 
ni^. Äaum wax fein grof^eö ipoetifc^eö Xalent auö ben erften 
Sßerfu*en feiner ?Dhife crfannt — nnb (^clegenl}eit bot fid^ 
genng baju, inbem bie ^d)oIaftifer ^erfommlicf) beg 2^l)xc^ 
ofterö i^erfe liefern mnftten — aB il^m and) jebe gorbernng 
anf ber aSa^n ber J)id)ttnnft ju t()eil warb. S)aä größte 3?^er' 
bienft um il^n ertnarb fid) ber nad^malige Stector beä (Soüe= 
giumä — S^fob Äeller, eine :po(emifd^ angelegte Statur t)on 
ungetDo^nlid^er ©eifteöfc^cirfe unb X^atfraft. Sefannt |inb 
feine glugfc^riften, in benen er granlreid)g ^^olitif entlarvte, 
unb bie bann ju -^^ariö i)om genfer ijerbrannt unirben, be- 
fannt aud) feine unter §orn)art^'ö Spanien erfd}ienene 2l)5ologie 
Äaiferä Subn^ig beäa3at)erä, gegen SSjomuä gerichtet, bie nac^ 
SSalbeä Urtt)eil für ein l)iftorifd^eg 20er! nur gu ml fatiri)d)e 
®alle befi^t unb nid)t minber befannt fein Jleligionögcf))rdc^ 
mit bem ^ofprebiger .Heilbrunner i)on Dteuburg, bag einen 
langen, erbitterten Sd)rifttx)ed)fel l^eri)orrief. 2)abei wax er, 
n?ag für 33albe gund(^ft Sebeutung l^atte, ein fd^lagfertiger, 
anmutl^iger S)ic^ter, unb einige feiner ipoetifc^en 5ßrobuctc, 
ein ^anegi)rifuä auf SOJarimilian , ben Sieger t)om t^ei^en 
Serge unb eine Iragobie „^Wauritiuö" finb au(^ an bie 
C>effentlid)feit getreten. 2llö er erftere Schrift bem auS ^rag 
l^eimlel^renben §erjoge barreic^te,(lC20) fagte biefer fcj^arf ju il^m: 
„§err ^ater, bag ift tDol^l au^ ein rechter ^ud)gfc^n)anj ?" 
5)od^ ÄeUer ern)iberte fc^nelt gefaxt: .„©in foli^ern^ürbe fic^ 
ni(i^t für einen ßön)en fdjiden." (5)aä n)ar ttjd^renb feineei 
erften SReftorateä, bag i)on 1607—1623 bauerte.)* 

* SBcrgl. galfenflcin^ ©efd^id^ten beg§er3ogt]^umg33at)cvn. 111. Z^til 
<B. 727. 



— 29 — 

SGßic t>icl SSalbc btcjcm feinem ®önner t?erbauf te, erfahren 
n)ir am beften auö feinem eigenen 2Runbe, in ber 50. Tbc 
bes 2. Sud&cö ber ß^rifa, tt)o er bem »Heimgegangenen einen 
rü^rcnbcn 3iac^ruf n^eil^t. (5ö tinrb nicbt überflüffig fein, 
bte Jpau^)tfteIIe ber fcbonen X^id^tnng tiiel^er^ufe^en. 

— — llnfcrem ^immcl entf^jrofjcn,^ 

Unfcrcr Äunft t?on anbcrn crc^ebcn, 
güfttcft mit ebelgcftcin bu l^ol^eitraufc^cnbc Söorte, 
§cnUcl^ <^c)d;ürgt bag pinbarifd)e geftfleib. 
@abft ioo^l flicgcnbc SBcvjc mir auf, unb csJ günbete mächtig 
$)cin Orafcl baS »arme ©cmüt]^ mir. 
fßagtcft mir ^ervlic^cn Dramen unb nil^iuburd^Icud^tctcS 2ebcn 
$)ort gu öcrl^ei^cn unb baucrnbc 2)^onbe. 
$)ic^ jum gül^vcr Derfc^mS^t' ic^ eg fü^n, mü^fclig ju flcttcrn: 
Sluftoärtg fiieg ic^ aonifc^c i^öl^en 

^i6)X in gagcnbem <B^xin (bu v^cbulbctcft feine SSergb^rung) , 
9^cin, mt auf SBli^eg gefd^munj^enem gittig, 
(Sapaneu» S^nlic^, ber luftigen 2öeg an ben ©^roffcn ^inanflog, 
Unb aU Sieger fid^ fd^tt^ang auf bie 3Jiauern. 
$)u bliebfl l^ancnb gurüc!, bi2 ic^ l^eim i?om gelfen gefeiert u^ar, 
®anj burd^fd^üttcrt bic 53rujl »on ber ©ottl^cit. 
3(1^ ingtoifd^cn; bag fliegenbe §aupt cintaud^enb in Söolfen, 
5E)rang tJortoSrtg auf frenibcn ©ebietcn. 
Söalb öom ©i^fel ©cftrSud^ unb Sorbeerhänje unb @^^eu 
3Barf id^, ©cfieber öom fte^enben glugrof, 
Unb Dom l^bd^flcn ^arna§ ge(gtrümmer, auf ba§ ben ©ebirggfamm 
@onbcr ©efSl^r bu mü^teft gcttjonnen. 
O ujie bciben bie ^rufl bann ttjogtc Dor fü^er Erregung, 
SSoü augat^mcnb in fcligcn glammen! 
SBS^renb id^ Dor bir jtanb, uon Schauern bic $aare öertooncn, 
Seig' umveift ijon ät^erifc^em Diauc^c, 

^iefeeft bu balb mic^ ben ©(i^ttjeig ttjcgbabcn in (Saflalig' Quelle, 
Unb burc^ anberen Sd^weif il^n öerfpülen. 
$)aju fam ncd^ ein ^^(icf, unnennbar gütig gu fd^au'n unb 
ayiand^e« ©efc^enf, brau« ebel bein ®eifl f^Jrad^, 
2öaf g bie 5)rommettc, ben gelben er^ö^'nb, bie^^ringe bc2 griebeii^, 
Ober bic fclbflurgrü|enbc Saute. 



* @&cfingen, Äeüer*g S3atcrflabt, lag in ben t)orbcr5jlcn. Eanben. 



— 30 — 

9Son !aum geringerem ©influp auf SSalbe's geiftige 
:Rlc()tung n^ar feine greunbfc{)aft mit bem trcffU(^en ®ef(Sict)t= 
fc^reiber ^Änbreaö Srunnncr, ber eben bamalö 1626 ben evfteu 
©anb feiner i)on ßcibni^ fo I)od)gefcl}d^tcn bai)crtfcf)eu @e= 
fcl)id)te t)eroffeutIic^te, nac^bem er bereits 9 3'^'^^)^^ '^^^9 ^^»*- 
l^iftorifd^cn 93c>rftubien ^iegu obgelegen. 6r tmlr geboren ju §aU 
inXirol im ^a^re 1589 unb f)atte am 28. Oftober 1607 su 
TOünc^en bie einfad^en unb am 2. J)eiember 1623 ebenbort 
bie feierli(^en ©elübbe abgelegt. 

S5?ennS3albe fein a>erftdnbnip ber ©egemitart, feine ^4?olittf 
unb feinen Sebensplan bem eblen 9{ector ÄeUer Dcrbanfte, 
fo bürfen tmr ben Umfang unb bie Xiefe 'feinet l)iftorif d)en 
äöiffenö, njorin nur tt>enige feiner ^^Ugcnoffen il)n t^erbcn 
erreicht ^aben, bem anregenben 35er!e^re mit '^^^iter Jörunner 
jufc^reiben. 

3ßaö nun Äellers 5lntf)eil an bem 3lufblül}en ber jungen 
Did^terfraft im ©injelnen betrifft, fo tDaren eö Dor allem 
bie gro|en &^)ifer Dloms, iUgilius, gucanuö, Statiuö, (Slau= 
bianuö, auf bie er bas ^ntereffe feines v2d)ülerö t)inlenfte, 
nid^t altein ob i^rcä rein bid}terifd^en , fonbern me^r nod) ob 
i^res rl)etorifc^en unb :pat^etifd)en (ye^alteö, um befstvillen fie 
ber §eranbilbung beä fünftigen Stebnerö befonber^ forberlid) 
erfd^ienen. ®albe tjerfentte ftd) mit ganjer 3eele in biefe ge= 
wältigen Äunftgebilbe, unb balb ^atte er es bal)in gebrad)t, ba^ 
er ganj burc^glü^t t)on großem ^iomergeifte im 6til eine^ 
jeben biefer (S:pifer i)oUenbete ©efdnge ju fd)affen n^u^te. n2o 
fd^rieb er unter feinen erften :poetifd^en aSerfud)en eine J)id)t= 
ung: „Sie gerettete Äeufd)!^eit, ober bie brei t)on Ät. :Kifo= 
tauä auägefteuerten ^^ngfrauen" im breifa(^en Stil beö 
6tatiuö, Sufan unb 3}irgil, ein f leiner Sdngerfrieg DoU 
treffenber 3^9^/ ^^^ ^^^^ natürlid) 3!5irgiliuä bie ^^alme bai)on= 
tragt.* 3^beffen l^at Äelter ben 5)id;tern beä filbernen unb 
eisernen 3^it^lt^^^^ befonberö bem ©tatiuö, einen ju großen 

^ Opp. 0. Tom. HI, pag. 305 squ. 



— 31 — 

einftu^ auf feinen ^ßöttng geftattet, fo ba^ fein ©efd^marf, 
n?aö freitid) in ber ganjen 3^itbilbung lag, t)on bem (Sinfadjs 
Schonen abirrte, uub ju bem Ueberlabcnen ber uad^auguftcifc^en 
^^oefie nterfUc^ hinneigte, n)ie alle feine ^Jugenbgebid^te unb 
jum i^eile nod) feine Oben erfenncn laffen. §attc er gleid^ 
anfangt ben §oraj ju feinem befonbercn vStubium genjd^lt, 
fo tDÜrbe er, jum größten i^ort^cil für fein überreichet 
latent, neben ber tonent>en vyüUe and) ben Steij ber 
£d)ranfe lieben gelernt l)aben. oo bürfen wir unferem 
:Dic^ter xt)o\)i gurufen, was (^^oet^e ju ^can 4$aul fagt: 
„§ielteft bu beinen Oteid)tl)um nur t)alb fo ju »tat^e, 
wie ein anbrer feine 5trmutl), bu wäreft unferer Sewunber= 
ung toert^!" 

2lian tonnte t>as erfte ,3^i)^J^^^i^^ ^^^^ ^^^^ Slomjiate 
feine :|)oetifd)e Sturm= unb "Trangö^eriobe nennen, 3lo(i) toei^ 
er bem Strome feiner (Sinbilbungöfraft ni*t §alt 3U gebieten ; 
nod) brauf^t feine 4>oefie wie neuer ^Dioft in unruhiger (Sdl^r= 
ung; crft in ben glodcntönigen Stro^^en t)on ber ©itetteit 
ber 2Belt meinen wir ben Ucbcrgang jn finben , wo fie fid^ 
läutert lutb fldrt jn fonnigem ^>tectar. 

Wit^ in ^äHem genommen laffen fid) in 23cilbe*§ 8ebenä= 
tag oier ocrfd)iebenc ^>oetifd)e Wc^tbred)ungen nac^weifen: ein 
epifd>er 2)torgcn (1626— 37), ein h)rifc^cr?t«ittag (1637—49), 
ein fatirifc^er ^Jlbenb (1649—62) unb eine elegif*e T^dmmer= 
ung (1662—68). 

Die feltenen Einlagen, bic :öalbe fc^on in ben erften 
aJionaten feines ilufent^altes gu 3)iünd)en oerriet^, l^atten 
jur iyolge, ba^ er bereite im Cctober bes ^aijxt^ 1626 mit 
mit bem Unterrid^te ber S^genb betraut würbe. Einige Sage 
beoor er fein 8et)ramt ate 2)lagifter antrat, am 10. biefeä 
^]Jionatö, em:pfing er mit mel^reren ©enoffen in ber neu- 
erbauten iiorettocapelle ju ^erg am Öaim bie lonfur unb 



— 32 — 

btc mcbcrcn äBei^cn. J)ic fcictüc^c ^aubtung tjoUgog bcr 
frcifingifc^ SBcil^bifc^of, iBart^olomduä 2c^oU.* 

5)ic obere iflaffe ber :3tubimentc wax e^, bie ber v5d)0= 
la|tifer t)orerft übernef)meu luupte; c^ mochte i^m xooi)l einige 
'Sorge aufj'teigeu, njenu er bie ü){enge feiner Sdmlcr überfal), 
benn er jaulte beren 140;^ aber er ^atte reblidjen SöiUeu 
nnb füllte ßnft nnb Äraft für feine ^Infgabe. 

i^oH inniger §ingebnng an ben 33ernf ber Grsie^nng 
fanb er balb ba^ (^5el)cimni^ , bie jnngen ^perjen jn feffelu 
nnb für aUe§ (Sble in Ännft nnb '^cbcw jn bcgeiftern. äöcun 
wir bie ja^lreid^en Oben nnb bie nid>t wenigen größeren 
SBerte in*gi Singe faffen, bie er in jarter vSorgfalt ftnbirenben 
Jünglingen gen^ibmet, fo bürfen mx n)ol)l fagen, er fei feinem 
iöernfe alö J^igenbbilbner n)eit über bie 5d)n)eUc ber Sd^nlc 
l)inaug, für'ö gange ithtn tren geblieben» 

S)aö erfte ^oi)x feiner ße^rt^dtigteit gewann, wie eg 
fd)eint, bie \)oUfte 3ufrieben^eit bcr Orbenäobcrn, btnn im 
nad}ften 5)erbfte wnrbe bereite — mit Umge^nng breier 
Änrfe — bie nntere 3lbt^eilnng ber^nmanitdt (and) '^^oefie ge- 
nannt) feiner Seitnng übergeben.^ §ier war bie 3lnjal)l 
feiner Sd)üler minber grop; fic belief fic^ anf 60. 'i>on jeiU 
an em:pfing bie bid)terifc^e iljdtigfeit 33albe'ö, ber fic^ biefeö 
^ai)x 1627/28 fo red^t in feinem (Elemente fü()lte, reid)lidhc 
2lnregnng. J^ibem er feinen 8d)ülern ben Sinn für bie 

* Membra S. J. ordinibus initiata. cod. bav. 974. 

Anno 1626. 20. Octob. in sacello B. V. Lauretanae a Domiiia 
Lerchenfelderin prope Perg aedificato a Rmo. D. Bartholomaeo Scholl 
};rimam tonsuram et 4»' minores acceperunt Joannes Horstius Geor- 
gias Buchmiller et Jacobus Bälde. 

2 Diarium Gymn. Soc. Jesu Monac. cod. ba?. 550. 

Ad annum 1626. Novcmb. Rudimentorum majori classi prae- 
fuit M. Jac. Bälde. Habuit Discipulos 140. 

3 Diarium Gymnasii Soct J. Mon, 

Ad ann. 1627. 19. Octob. Numerati ... in Rhetorica eodem 
Professore P. Gabler 100, in Humanitate majore 60, in minore 51; 
haue docuit M Job. Schitz, illam M. Jac. Bälde. 



— 3;3 — 

S)i^tlunft ttjcrftc, unb flc gu eigenen 3?erfu(l)cn auf biefent 
%dht anleitete, n>urbe il^r banfbareä ©treten für ij^n fclbft 
ein ©))orn gu jteter asertjotlf ommnuug, fo ba§ fic^ baä fd^önfte 
3Ser]^dltni| gtoif^eu il^m unb feinen ^^^flegbefo^lenen geftaltete. 
9ln äßeil^na^ten 1627 fteUte er mit feinen @cl}ulern in 
ber 3lula beä ^ottegiumä bic 9lid)tigMt unb ©efal^r ber 
irbifc^en Siebe mit lebenben iBilbern unb ^^W^^if^cn bar» 
©elbft burd) Schaben flug geworben, glaubt er fic^ t)or 3ln- 
bern berufen, gu i>iu^ unb frommen ber jüngeren ©ene^ 
ration biefcg t^eifle Il^ema gu iUuftriren. 9ioc^ je^t fmb 
66 embteme befagten Sn^attä in getufc^tcn geberffiggcn \)ors 
l^anben. * ©a<j erfte berfelben , nnjn?eifeU)af t i)on SSalbe'ä 
^anb gegeic^net, fteUt ben Äönig Satomon i)or, wie er mit 
einem ^iergefpann, befte^enb auel ^^f^vb, 9lbler, Sowe unb 
J)etp]^in auö einer Srium^jl^ipforte gefahren tommt. S)ie beibeu 
©dulcnfoctel tragen bie ^wfd^rift: 

Diyitae VcDcri — Sapientia cessit Amori. 

Unter bem ©angen fte^en folgeube broflig l)artcn 5?erfe: 

Pisceni et Equum ac Aqiiilam Salomon regis, atque Leonem: 
Sed quae te rexit pulclira puella fuit. fecit J. B. 

» Cimelia 364. U. SDicfcg ananufcri^Jt in 4.* entölt: 

I. Emblemata , nad^ SGßeittenaucrg äcwgnij toon öalbe (|Cjci(^nct 
unb meifl öon feinen ©d^ülem mit (J^)igrammcn oerfel^en. II. 
20 ©id^terfd^attcn bcg Orfug , ebenfalls in 5:ufci^manier. III. De- 
clamatio, seu Regnum Poetarum. IV. ©creinjclnt jtcl^cnb: la 
Comitem Ernestum Mansfeldium Philippica Poetarum. 

$)cr Xitel bev gangen Sammlung l^eijt: 

XPO JESU DEO NOSTRO. Nobis Dato, Nobis Nato, Parvo 
Optiino, Parvo Maximo, Absque Patre Homini, Absque Matre 
Aeterni Patris Filio , Redemptori Liberalissimo haue Operam 
suam D. I). D. Poetae Moiiaceiises Anno MDCXXVIII. 

5Die ^junctirten ©teilen geigen eine 2itur an, bie fiatt Monacenses 
Oenipouti fe^te, in ber S^'^^'J^'^l J^ifci^fn C unb X ein L cinfd^ob unb 
bie legten III rabivte, offenbar um über Ort unb Seit ber ^Ibfaffung 
ine ju fül^ren. 

5Die ®(^rift jtammt, tpcnige^ auji^genommcn, nid^t J)on ©albe'^ ^anb, 

SBcftermat^cT, 3acobttl J6a(b(. 3 



— 34 — 

Ratten bicfc )t>mbotijc6en @nq}^>en )*on großen SSefaff 
gcfunbeu, fo t\)ar bics uo* iiie^r bcr $aU bei bcr äluffü^rung 
icö 3fteic^eä bcr alten Did^ter, Kegnum voterum poetarum, 
baö in ber anfcbticpenben Jyeftjeit i^on (v^i^>()anie in Scene 
geje^jt wnrbe. ' 3^^ altrontifcfjer Xradbt mit d}aracteri[ti)d)en 
Stbjeic^en traten nad) einanber bie großen J)id)ter ßatinmä 
auf unb bedamivten, jcber in feinem eigent^ümüd^cn '£ti)t, 
über ben b6l)mifd>en JUieg , feine Urf ad)en unb folgen. 
Jporatiu^ beglüdn?ünfd)t in einer Cbe ben fiegreid)en gcr= 
binanb II., ßucretiuö beleljrt unö über ben grof^en Äometen 
t)om S^l^re 1()18, ^Uautu^ unb 5)}artial bälgen ficb, aB bie 
luftigen ^^^erfonen besi etücfeö, in grobfornigcm ©affenlatein 
l^crum. Sobann tragt Cmb eine (S:piftel beö (Srtonigö grieb= 
ric^ö V. an feine l)eimtel)rfinnenbe Q>ieuial)lin Gtifabetl) \)on 
©nglanb 'oox. ßatuUuö erjd^lt in )c^>onen ;5amben t)on 
griebric^'ö Seben im ßji'il unb Seneca in Seuaren, bie ein 
6^or befd^liegt, x>on ber ,!pinric^tnng ber bo^mifd)en 9tebeUen 
gu ^rag. 9tun folgen bie e^)ifcben Siebter, boren äöürbe 
unb Äraft 93albe befonberö gtüdlic^ t^iebergugeben tt>u^te. 
Sucanug, €tatiuö unb ßlaubian feiern bie l)ert)orragenbften 
Jpetben jener Ärteg^jal^re , ben SSouquoi, 5)am^)ierre unb 
ixUX). %U S^termejjo fd)teubert 3^^^^<^1 ^^^^ Satire auf 
bie calmniftifcbcn ^rdbicanten, mlä)t ben Ärieg gefd^ürt, 
njorauf aSirgiliuö, ber 5)i(^terf onig , bie ©c^tad^t am tx>ei|en 
fflerge unb 3Jta^imilianä §elbenmut^ getualtig i>orfü^rt. 

Salbe f:prid)t an gtuei ©teilen feiner Söerfe t)on biefer 
Jugendarbeit, ttjobei er bas eine aJial ertt)dl)nt, ba^ er, eben 
!l^au^)tfdci^>lici^ aU 6:pifer geltenb, tpiber Mer (grttjarten mit 
ber ombianifd)en e^jiftel ben ^reiä bat)ontrug. ^ ©iefelbe ift 
t)on giemlid^em Umfang; gu il)ren gelungenften Stellen ge= 
l^ort bie ©c^ilberung be^ e^)t)euü))^)igen £d)loßgartenö gu 

^ p p. 0, Tom VL p. 493. Sivig fic^t bort Monachij Ann. 27. 
Cf. Cim. 364. IL 

2 Opp.^oo. Tom. V, p. 13. 



— 35 — 

^cibclbcrg, bcu bcr 35ic^tcr offenbar au^ eigener ^Änfdiauung 
f annte. * 

3tu§cr biefer (S^jiftel finb nod) einige ©rudjfturfe bcä 
Regnum veterum poetarum gebrucft ju finben, aber fo jer- 
ftreut, bap %e 3^f^^wi^^ii9^^örigfeit fc()wer gn crrat^eu ift. 

^^robeu biefer 5lrt, njeldje ebenfo fe^r ben flut^cnben in= 
neren Sieic^t^um atä bie erftaunlid)fte formelle J)urd)bilbnng 
be§ jungen J)ic^tcrtalenteä betunbeten, mußten grope §off= 
nungen ern>cdcn. Man ^ielt eä mit Siecht für nad}t^eilig, 
einer fo tjorangefc^rittcnen Äraft gegenüber ben langfamen 
Stufengang einjutjalten, ben man ben übrigen Crbenägliebern 
tjorfdirieb, unb Ue^ fie barum bie aufftcigenben ^2lemtcr ber 
^efeüfc^aft in ungen)öl)ntid) rafc^em 3ße(^fel burd^eilcn. 

3m ^-ebruar 1628, aU ber ^rofeffor ber SR^etorif, 
45aul (Gabler, ^^tofeüc^ in bie Ober:pfatj abberufen tvarb, 
übergab man bicfe njic^tigc iflaffe, bie genjo^nüc^ nur er= 
^)robte Orbenö^>riefter oerfa^en, bem 'Utagifter iBalbe. * 35er 
©d^reiber beg Diarium Gymnasii Monacensis, ber Stubien= 
^)rdfect ßle^ün fügt, nid)t ol^ue ^Saugen tuie eä fi^eint 
ob ber ^<xi)xt beä neuen Oberte^rcrö, ben frommen SGBunfd^ 
bei : 3Jioge i^oit biefen iiJecbfel fegnen, unb il)n jum 33cften 
unferer S^^genb gcbcil)en laffcn! Wlan ()at bie getroffene 
SBa^l gen)i^ uid)t iju bereuen get)abt; njaö ©albe f^)dter 
aB Üc^rer ber 3{cbefunft geleiftct, beftdtigt eä gur ©enügc, 

©ö gehörte gu ben Obliegenl)eiten beä ^rofefforä ber 
ai^etorif bie älbfaffung eines 2)rama*ö, njelc^eä bann ju (gnbe 
beä ©c^ulja^reö tjon ben Zöglingen unter feiner Seitung 
aufgeführt njurbe. J^iefer 5lufgabe würbe 33albe enthoben 
unb P. 3rfing an feiner Statt mit i^r betraut; bcnn 

A Opp. 0. Tom. V. p. 326. 
* Diarium Gymn. Soc. J. Mod. 

Ad ann. 1628. Febr.: Khetoricam docere coepit M. Jac. Bälde, 
misso in Palatinatum P. Paulo Gabler. 

3* 



— 36 — 

crftcrcr tvar t>ou jn^ci anberen i?oeti)*eu ^Irbeiten fo fcl^r in 
3tn)i?ruc(> cjciiommcn, t>aB ev neben ben ernjten 'Änforbcrungen 
ber ^dmlc für ein drittes feine ,3<^it ^efunben l)dtte. 6g 
falten ndmlid) in bas 3^^r 1G28 bie bciben nnif angreifen 
©icbtungen : „Der 0{itter))anegt)rituö" unb „J)er Ärieg ber 
grofcbe nnb a)idufe". 

S)en 9Utter^)anev3i)rifu5 ^ fcbrieb ber 5)ic(}ter im 3kmen 
unb Sluftraj feinet GoUeginmö ]ux iöevjlüdwünfcfjung beä 
©rafen Ctto ^wnrid^ S^^ää^^/ ^^^^^^ nil)mreid>en bat)eriicl)eu 
gelben, ber i>om Üonige t)on vi^anien mit bcm Crben beä 
golbcncn iUiepc^ gefinnüctt werben war. (^uvjger tx>ar ein 
qro^er ®onner ber 3^)uitcn; bvX9 (£ollegium gu 2lucjöburg 
t)erbanfte feiner gamilie fein (Jntfte^en unb jwei Söl^ndjen 
beg ©rafen würben bei ben ;i3efuiten gu üiünc^en ergogen. 
©aö ©ebi^t, im überfd)Wdnglicf)ften '^3anegt)ri{cnfti)t ge= 
fd)ricben, l^ebt nad) einer mi)t^ifd)en ©cfd}id)te bes golbenen 
aSUe^eö Juggerö i^aten ^ert)or, worunter bie i^ert^eibigung 
ber Stabt SBubweiö in 53o^men unb bie (Eroberung \>on 33reba 
in ben 9iiebertanben befonberen Stu^m Ratten. 3lu5 bem wei= 
teren <3^i^alt bes ©ebic^teg finb noc^ ein ^)aar ©d)ilberungen 
bemerfenäwert^, infoferue fie für bie 3Jiüncbener ®tabtgefd)id)te 
aSebeutung Ijaben — ber iöefud) beg ©rof^bergogs t)on .Zoq- 
cana, i^erbinanbä II. (im grül)ial)re \(\'28) unb beffen feft= 
ltd)er Gmipfang burc^ Otto A)einrid> gugger, mit ^rvicbtigen 
garben ausgeführt ^ — unb bie fd)on erwdljnte Stabtbeleuc^t= 
ung auö ^Knlaß beö Sieges bei i?utter, bie aunddjft auf 
guggefg Setreiben i^eranftaltet würbe. 

©er ^ater Dtector, ;^acob JileUer, trug Sorge bafür, ba{3 
baä erfte J)eroffentüd}te aüerf feineä Sieblingö gldngeub auö= 
geftattet würbe. (So erfd)ien mit fd)6nen Settern gebrucft in 
Quarto unb ift gegiert mit einem Äu^jferftid) beö 3ia^)^aet 



^ Panegyricus equestris. Opp. oo. Tora. ill. p. 153. 
* Opp. 0. Tom. 111. p. 180. 



— 37 — 

vgabdcr jun., cinc^ nam^ftcn Äunftler^, J)aä 33ltb ftellt 
Otto §ciurid) gugger in ber Orbcuötrai^t beä gotbeneä ^Blic^cä 
t)or, tt)ie er fnieenb jn^cieu (Sngeln eutgegenficl)t, bie i^m, t)on 
ber ^ocI)t^roucnben ö^otte^mutter abgejanbt, bic^nfignien bcö 
Orbenö überbringen, n^d^renb im ^intergrnnbe üntä baö 
gell @ebeonä, \>on (Engeln begoffen, rcc()t^ ba§ i^Uep ^^fon'ä, 
x>on ©rächen ben?a(J)t, gu erfennen ift. 

©ine gn^eite ©ic^tnng^ ben ,,Ärieg ber iyro[c()C unb 
3Ädufe" (batrachorayomachia), ^ fdjrieb Satbe, n)ie fid^ auö bem 
aSortport ergibt, nrfprnnglic^ für bie i^m gnget^eitten ^c^üler 
t)cr at^etorif. J)er Mangel eineö tomifd)en 6:pog im 33ereic^c 
Der latcinifc^en Siteratnr war eä jundc^ft, tt>aä i^n t)eran= 
la^te, biefeä (^ebidjt gn entn^erfen unb atö muftcrgiltigeg a3or= 
bilb l^inguftellen, tt>obei nod) baö ungeftüme ©rdngen feines 
^reunbcä 2Jiafiuö befc^Ieunigenb mitn)irfte. ^n ber 2luä= 
fü^rung feineä l^tmcC^ motzte er njo^l ben 'l$)^ubo=§omer noc^ 
übertroffen l^aben, unb faum Id^t er e§ unö bebauern, ba^ 
fein lateinifdjer Sinter ber golbenen .geit eine ©atracI)omt)o= 
maa>ic gebic^tet l)at.2 S)ie ^auiptjüge ber gabel finb bem 
griec^ifd)en aSorbitbe entlehnt, erfd^cinen aber mit einem fold^en 
a^ieic^t^ume eigener ©rfinbungen auögef c^müdt , ba§ baS &c^ 
bid)t als ein tjottig felbftftdnbige^ äßerf betrad)tet n^erben 
barf. Untjernjüftlic^er §umor, ber nic^t feiten erfc^ütternb 
auf bie fiefer ttjirft, unb l)citere, gefd)dftig bilbcnbe ^t)antaiic 
im ©unbe mit ber fcinftcn a3coba^tung beg I^ierlebenä 
geben biefcr Did)tung einen unt)ergdnglid)en SOBertl). Sie 
fdjafl^afte Saune aSalbe^ö, folange burd) baa 45atf)oä Ijeroif^er 
©efdngc in ben ^intergrunb gebrdngt, i^erlangte enbtic^ ge^ 
bieterifd) il^r 9ie*t , unb bei mancher Äraftrebc ber auftre= 
tenben 2:i^ierc^en f ommt c^ unö beinahe i)or, atä ^abe er feine 
eigene Ueberfd^n)dngtic^feit ^arobirt. 

* Opp. 00. Tom. III. p. 1. squ. 

2 3. SBalbc^g Ärieg b. grbfc^c unb 2Jl&ufc. Uebetf. ». ÜW. 3- 
Sßetd^cm. @» VII. 



— 38 — 

3)ic 39atta*omtoma*ie ift in i^rcr erftcn ©eftalt niä)i 
gcbrutft, fonbcrn erft in einer fpateren Umarbeitnng t)Oin 
3cit)re 1637. 3^ 9?orn)orte betont ber 5)i*ter, bafe er baö 
e^)Oö bereits aU ^ünc^VuxQ cjef*rieben babe, juvenis poema 
lusi. Sie 5ln[^)ietnn9en auf "üKagbeburgS ^aW (bie (£tabt 
aB aWdgbtein bargefteßt), Jiöt)'^ Tob, griebtanb'ö errnorb^ 
ung (er l^ei^t anagrammatifcb granbilb unb ©etartuS), er= 
fcf)eincn bentli* afö nac^trdgticbe ^ut^atcn, bie o^ne Störung 
be§ ©angen ^inn^egbtciben tonnten. „ 3^tere[f anter n?irb 
SSalbe'g Ärieg bur* feine 3?erbinbung mit bem brei^igjä^rigen 
Äricgc, auö ttjelcbem einjclne ^^artl^ieen e^jifobenn^eife ein= 
gefdjoben finb, t^eilS aU mt^tl^ifc^e 93crgaugen]^eit , tl^citö 
ate ferne ^^^^^ft; ciu* fd^eint baö grduticl)e 2:reiben beö 
Äam^)fe§ im 2lügemeinen bie SiHrrcn be^ brei^igja^rigen 
Äriegeö tjorgufteüen, genauere 2lnf:pielungen ober gar einen 
))6Uigen 9lnfc^Iu^ be§ 2:i^ierfriegeä an ben brei^igjd^rigen 
barf man aber nun aud^ fd^tx>erlic^ fui^en njoUen." ' 

Siad) gn^ei ^al^ren gefegneten äßirfenö mu^te SSatbe tion 
5)?ünd)en fd^eiben, ba i^n baä aSertrauen feiner Dbern im 
October 1628 nac^ S^nöbmdf berief, um am bortigen ftart- 
befuc^ten ®t)mnafium gleichfalls bie SRljetorif ju leieren. ^ 
9lu§ ber einzigen ©teile feiner Serfe, njo er in giemlici^ 
bunllen 2luöbrüdfen j)on biefem 2lufent^alte in Tirol f:prid)t^ 
ge^t l^ertjor, ba^ er in ,3^ngbrud feine :poetifd^en Slrbeiten 
eifrig fortgefefet unb namentlicb ein bisher t^erna^ldffigteö 
gelb, bie ©legie, mit ©rfolg ge:pflegt l^abe. J)ie meiften 
biefer 3Serfuci^e finb tjerloren gegangen, bod& befi^en n^ir nod^ 
ein elegifd)e§ ©ebid^t auö befagter ^^eriobe, „©iana'ä Srief 
an bie aSenuS fiber ben Tob beä 9lboniä.* 



* SBerc^em, a, a. O. @. VII. 

2 Historia Doraus Ocnipontanae ad ann» 1828 (Ms.): 
„Jacobus Bälde, Rhetor, Monachio." 

3 Tom. VII. p. 197. 

♦ Tora. V. p 318. g^on ben SDramen, bie Söalbe ju 3nn8brutf 



— 39 — 

Unter feinen Sd^ütcrn ju 3fttnöbrucf faf{ ein feingebauter, 

jc^roarjlocfigcr Sö^Ö^i^^Ö/ ^^^ ^fl^^ ^^"9^ ^^^ ti<^^ö i^ct= 
ftdubniß unb innige 3lnf)dngUc()fcit eutgcgeuteud}tcte — eg 
war SJiidbael SRabt, }eneä ebte O^cmütl), baä in Satbe'ö Oben 
unter bem 9tamcn Sabinus Fuscus unb Michael Anguilla 
mel^r alä einmal gefeiert iftJ 9^{abt trat in ben S^f^^t^^^ 
Orben unb legte 1633 ju 3JJünc()cn bic ciufad)en ®e(übbe 
ab. ®))dter]|^in ful^rte ibn ein freuubticf)cgi ©efdndf auf längere 
3eit mit feinem Seigrer gufammen, bem er fortan ber treuefte 
greunb, ber tl^eilne^menbfte ®efdt)rte auf ber 33a^n ber J)ic(>t' 
fünft unb felbft Dfieifegenoffe auf feinen äöanberungen njurbe. 
Sabinus nannte i^n ben 3dnger, auf ba§ Öcbirgslanb Sa- 
hinum anf^)ielenb, tDcit aud^ dtaU, aus v2d)n)aj gebürtig,^ 
ein ©ol^n ber 33er ge war, P'uscus (fd^n^dr jUd^) nennt er il^n 
ob feiner bunften ,§aare. Der 9^amc Anguilla (2lal), ben 
er i^m aud^ beilegt, beutetauf feine fc^Iaufefd)meibigc®eftalt. 

9lod^ eine ^45erfonUd)feit b^tte er in S^^^^brucf gefunben, 
ber er auä früheren Xagen mit gaujer Seele ^ugetban tuar, 
ben trefflid)en ^^^ater grantenreitter, ber feit Äurjem al§ 
Stubien^prdfect in bie §au^)tftabt HxoU xoav tjerfe^t tt>orben. 



gur 5luffü]^ning bringen mu^tt, ijt eineg bctiteU: Jocus serius theatralis. 
3)aS ijt: (SUicI^c naml^afftc §iporicn, in hjcld^cn gu feigen, tric bag 
(Sd^er^cn t)ilma]^lcn in ©rnjt i?crfct)rt trctben, @onberlicfe in bem ^. Ge- 
nesimo Mimo, ttjeld^ev guuot ein ©audffer unb 93ad^fd^ircr bcg Äaiferg 
Diocietiani: aber gSl^Ung, ba er fid^ fc^er^trei^ tauffen lie§, ein wahrer 
^l^rifl unb fig^affter !niarti)rer trorben. 5lßeg Comoedi n?ei6 fiitgepelt, 
in bem er^^cr^ogifcl^en Gymnasio Soc. Jesu gu ^^ng^^rugg. 3m Sö^r 
1629. 1. Octob. ©etrucft aCtba buvd^ SDaniel «Paur. 4 291. 4. ©anj 
©albe'g Söeifc. Naumann's Serapcum. 1864. @. 252. 

* $)at l^intcr beiben Dfiamen nur eine ^erfbnlid^feit petft, ijt in 
einem 23erfe ber (oon SGßeittenauer ergänzten) Scytale Laconica, Silv. 
VII. 17. angebeutet: 

At placet exsuccus nitida ferrugine Fuscus, 

ObloDga ceu anguilla vultus optimi. 
2 Catalogus tyrocinium Patrum S. J* . • . ingressorum. M. s. 



— 40 — 

fieibcr bauertc bic ^xtuit nicfct lange, mit einem f o bett>dt)rten 
^^^Jdbagogen auf bem ®ebiete ber ^^Ö^^^^^ji^^^^Ö ju[ammen= 
jun)ivfen, inbem f*on am 10. 9l^)ril lG'i9 granteureitter, 
ate ein 0^)fcr ^>rie)terlic()er Eingebung, an ber ^c[t ftarbJ 

3m §erb[te beä ^(itjxt^ 1630 ti?urbe bem 8d^oIaftifer 
angefünbigt, er fei nun imfiel^rfad)e ^inreid)enb gefdjult, unb 
foUe fid^ gum Stubium ber Jb^ologie nac^ ^ugotftabt be= 
geben.* ®o i^erlie^ Salbe tuieber baö majeftdtifc^e ^^i^^tbal, 
In bcffen 23ergen er fo gerne i^erttjeilt, fo reiche 'Jiabrung 
für ©eift unb Ajerj gefc^6^)ft l^atte, um an ben v^tranb ber 
üDonau jurüctjuf ebren , t)on bem er t>or fec^ä 3^^^^^^ ^^^^^^ 
gang anberen (Sefii^Ien gefd^ieben n)ar. 2luf feiner 3)urd)= 
reife burci^ 2Jfünd)en fa^ er ben ebrn^ürbigen Slector ÄeKer, 
öl^ne eö gua^nen, gum Sefetenmale; benn bereite am 22. ^t- 
bruar 1631 raffte biefen unt)ermutl&et ein Sd^Iagflufe bal^in. 
3m Jcutfd^en 2lgatl^t)rfug l^at ber 2)ic^ter ibm aud) in ber 
aWutterf^jrac^e ein fleineö S)enfmal gefegt. "Dort fagt er 
»on il^m: 

93or bifcm l^ab id^ einen fennt, 
ÄanS nit ol^n tramren fagen ; 
©lel^vt ober cile^rt, brebt auff ein enbt, 
@r l^at mein Df^amen tragen; 
©0 flug unb tüei^, alg tt)ann mit f(ei§ 
5ltt Musae gu jl^m gfc^njoren. 
@ult J)il aud^ htf) ber §of(5antlci: 
^abg g^ört mit meinen O^ren. 

2öag er öorgfagt, ift fleißig gfd^cl^n; 
Tlün^m »irbg nit t)ergefjen. 
2)a niemanbt befjen fici§ ocrfel^n, 
3»een Patres be^ \i)m gfcfjen: 



* Kropf Tom. IV. p. 463. 

' Historia Domus Oenipontanae ad aon. 1830: (M. s.) 
^M. Jacobus Bälde ad Theologiam.'* 



— 41 — 

Äombt Oottcg gtt>alt. ju 33oben (er) fallt. 
Umb fonfl n>ar aUeg laufen* 
©egnct bic Söelt, man follt mit ®elt 
3^n auf bcm (SrOb crfauffen.' 

• 3u Sngolftabt wartete auf 33albe l^ol^e grclibe. ©ein 
jüngftet 33rubcr @eorg, ein S^^^ätlug t)on auägejeid^uetcii 
©abeti unb glül)enbcm 33eruföeifer fam eben auö bem lHo= 
mjtate ju Sanbökrg an ble Unberfitdt , um ^^^^ilofo^jl^ie ju 
ftubiren.* SGBic glüdflic^ mocjcu bcn SSrübern bic furjen^^b^^ 
bal^ingejci^tDunbeu fein, bie fie unter einem S)acf)e tjereint, im 
3lu§taujc3^e jeliger ©riunerung unb cjemeinfamen ^Sc^merjeä, 
im tt)ctteifernbcn Streben nad) ein unb bemfelbeu l^eiligen 
3icle in 3^3^tftcibt tjerleben burften! üDaä 93anb, baö [ie 
t)er?nii^>fte, njar gu fcl)6n, um lange ju njdbren. SGBie frü^ 
unb tt)ie gen)altfam eä jerriffeu n)urbe, njerben mx balb gu= 
berid^ten l^aben. 

S5em ©tubium ber ^eiligen Söiffenfc^aft wibmete 23albc 
ben ernfteften ©ifer, n)ie er feinem für (Öott entjünbeten 
§erjen 33ebürfni^ 'voax, einen Gifer, ber t)on einer ^n- 
ja^l tjorgüglici^er .ße^rer ftetö rege gehalten unb gefteigert 
mirbe. ^'^'^^^^^^^ Jyorner gab bamalä 6ontrot)er§, Oän^alb 
Cioscanuä 3Jic>tal, Söoifgang ®rai)enegg unb ®eorg 8i)^)ranb 
Gyegcfe unb S)ogmatif, 33efonberö te^terer, in bem ftd) tiefe 
2i>iffenfd^aft mit tuabrbaft l^eiligem SBanbel Jjereinte, ttjupte 
feinen Sd^ülern bie 2Bal)r^eit beö ©laubenä unaustilgbar 
in bie Seele gu ^jflangen, berfelbe, unter beffen gü^rung 
33artbolomduö §olg^aufer gum ßeben ber aSoUfommenl^eit 
em^)orftieg. 

®o fel^r übrigens bas Stubium ber Sl^eologie Salbe'ä 
ibdtigfeit in 2lnf:prud) nal^m, tonnte er bo^ ber eblen 5)ic^t= 
fünft nic^t t)6llig eutfagen, unb er burfte eg nic^t einmal, 



* Slgat^^rfug Xeutfc^. 2Künc^cn 1647. ®. 27 unb 29. 
' Catalogus tyrocinium Patrum S. J. ingressorum. 
Cf. Kropf. Tom. V. p» 245. 



— 42 — 

bcnn cö tuar Orbcnöt)or[*rtft, ba^ auc!^ bic ^]^ilofo:p!)cn uub 
"ll^eologcn 5tx>ci biö breimat bcä 3a^re§ irgenb ein @ebic{)t 
Dcrf äffen nnb offcntlid) anf erlagen mn^ten.*^ 5ln geeigneten 
5lnldf^en fcl^tte e§ leineän^egg. Glnmat n^ar alä II)ema für 
eine acabemifd^e J)iö:pntation ba§ £ecl)§tagett)crf beftiihmt. 
Salbe t)atte man erfud^t, jn biefem 3^^*^ ^i^^^ Slb^anbtung 
über bie ®c^6:pfnng ber Sonne jn f*reiben. (?t lieferte nun 
ben geforberten gelehrten 2luffa^, fügte aber, n)ie eö bamalg 
Sitte n)ar, ein langet Carmen an, barin ein SSergleic^ ber 
Sonne mit bem Äaifer unb ber ^^^laneten mit ben 6l)urfürften 
]^oc^^)oetifd^ burd)gefüf)rt tuar.^ (5in anberer 2lnla§ bot fic^ 
nod^ ju (?nbe. beä ^aijxc^ 1630, alö bem 7?eftunggfomman= 
banten t)on ^^Öi^IP^bt, (trafen 5ffierner ZiUX) , be§ großen 
gelbl^errn Steffen, ein Sobnlein geboren njurbe, ®a fam an 
Salbe ber Sluftrag, im Slamen beö ßoHegiumg ba§ frol^e 
(greigni^ ju begrüben unb bem jungen ©rbenbürger ein 
SEBiegenlieb ju fingen. 6r fang il^m eineg, aber nid^t in 
tueic^en, einfd^ldfernben Jonen, fonbern ein Äriegölieb, baö 
tDie Äugelfaufen unb Sct)n)ertertlang ben ITJeugebornen gum 
^elbenberufe eintneil^te.^ 2lm Sd^lu^ beä ®ebid)teg t^ereinen 
fid) Äraft unb 2lnmut^ gur glüdlic^ften äöirtung. 

2Jfit einer größeren 2lrbeit feigen \m ben ©idjter im 
Sommer 1631 bert)ortreten; eä ift „TOa^milian L t)on Oefter= 
reid^'V ^^^ gürftenf^iegel, in n?eld)em au^gen^dl^lte ©rlebniff e 
be§ legten 3litter§ gefc^ilbert, unb feine ^elbent^ten alle= 
gorifd^ auf bie 33efiegung ber Seibenfc^aften gebeutet n?erben. 
®aö Su*, in ett^aä gejierter Sd^reibart abtued^felnb in ^rofa 
unb in aSerfen gefdjrieben, ift Üiamenö ber marianifc^en 6on= 
gregatton il)rem bamaligen ^rdfecten, bem greiberrn 3obann 



1 Ratio atque institutio studiorum S. J. Antw. 1635. pag. 25. 

2 Opp. 00. Tom. IV. pag. 140. 

3 Opp. 0. Tom. III. pag. 197. 

* Maximilianus I. Austriacus. Opp. oo. Tom. VIÜ. pag. 333. 



— 43 — 

SJiatimilian * t)on ^m)fiug $o]^cna|d)au jugccignct, bcr t)Ott 
bcm btittcn 3^^^^öcurg ber ^^ilofo^^ic l^intDcg an bcn §of 
bc§ ßlfeurfürftcn t)on Äötn alg Wunbfc^cnf berufen njarb. 
3JiaTtmiUan L t[t eine §ru*t i)on iSalbe'ä 3lufeutl^alt gu 
^nnöbrurf. 2)e§ Äaiferä ©rabmal in bie[er ©tabt, „baS 
mit SRcc^t unter bie SÖunbcr ber WarmortDelt gerechnet njerben 
barf/' bcö Äaifer^ Sft>affen in ber Mftfammer ju ,,9lmbraä, 
tt)o pe nidbt o^ne l)eiügeu ©c^auer be§ Setracl)terä t)ern)a]ött 
liegen," fein fcfin?inbeluber Stanbort an ben 2lb^dngen ber 
3)?artinän)anb, nid^t n^eit t)on 3^^^^^l>^iirf — Ue§ in 23albe ein 
unt)crIof*Ud&eä Silb bcö fii^nen ^'^errfc^ersi prücf. 

SßBenn neuefteu^ mel)rfacl) bcl^au^)tet tt)urbe,* S3albe'ä 
„TOanmilian" fei eine freie Ueberfe^ung beö 5:i^ett)rbanl, fo 
mn^ bcm entfd^ieben n)iberf:prod§en njerben. 3Son ber ganjen 
Slniagc beä tl^eurbanl, t)on ber ^ofl^altung be§ Äonigä 
Sfiomrcid) unb feiner locbter, t)on ber SSrautfal^rt be§ gelben, 
t)on ben 2:ürfen ber brei §au^)tteute ift in unferem Sud^e 
nid^tö JU entbed en ; nur einselne 9lbentl^euer au§ be§ Äaif er§ 
ßeben griff ber 2)id)ter ^erauö, um fie in feiner SBBeife ju 
t)ern)crtl^en, njobet if)m bie ©rjdftlung t)on untergeorbnetem 
SSertl^c blieb, bagegen bie etl^ifc^en 9lu^ann)enbungen in ben 
aSorbergrunb traten. 

93albe fd^rieb eben am erften Äa^)itel feines Keinen 
2ßerfeg, als bie Äunbe eintraf, 5)?agbeburg, bie ftolge 9?ebellen= 



* Unter bie Nobiles, bie für bag 3a^r 1628.29 infcribirt n?urben, 
ftnbcn tt)ir gtoei 93arone biefcg Dflamen^ eingereil^t, nSmlid^ : Joan. Franc, 
et Joan. Bernard. L.L. B.B. a Preising in Altenpreismg, fratres. 
SGßeld^er t>on biefen beiben aud^ nod^ ben S^iamen 2)^arimilian führte unb 
fomit ^ier in grage fommt, muffen tüir unbcftimmt laffen. 

* U. a. in Aug. et AI. Backer : Biblioth^que des ^crivains de la 
compagnie de J^sus. Li^ge 1853. art. Bälde. 

^er geleierte ^erauggeber bei 3:]^etürbanf, (5.$aTtaug, fennt SBaTbe'Ä 
©d^rift gut unb citirt fie f ogar, fül^rt fie aber f einegtoegg unter ben Ueber^ 
fe^ungen auf. 



— 44 



\)C)tc, fei t>on iiUt> erobert! J)a njoUte i^m bcr ^ul 
bcr fidb ob biefer neuen C^rofetbcit feines gc^^riefcucn 
feiner 33ru)t entrang, aucb nid^t in ber >^ebcr gurüdl 
unb er fcbrieb an einer Stelle, mo ee» n^enig :pa§tc: 
ba, 5IKagbeburg ! jene friegcrifcbe 33{ntbraut, t)crfengt unb 
bie bereite f o mk ^a^re, f eitbem Uh>ff eä ferne weift, \>otL^ 
nnfetigften greicrn nmn^orben unb entebrt n)arb, l^at fic^ 
33rdutigam i)on Oefterreicb ergeben . . . ^^oc^ leben bie 
^od) bie fion?en, oieg bcm brautn?erbenben Sager Z\ 
'Jbicnn id) lillt) nenne, t>erneigen fic^ bie geinbe unb 
fi* ber ganjc (^rbfreiS!"' :Docb, n)ie balb follte fein 
in Iraner Derfe^rt ttjerben! 

®uftat> ^2lbo^)l^, ber od)n)ebenfonig, tuar in J)eutf( 
eingefallen, ©in SKeifter ber Äriegäfunft unb nic^t vm 
ein (^ünftling beä ©lürfeö, war er in fü^nen 3)ldrfc^eiiÜ 
in baä ^^erj beä Steic^eS, biö 5act)fen i)orgebrungen, 
burc^ immer n?ac^fenben 2ln^ang i^erftarft, bem nie übet 
benen Jilli) entgegentrat. 33ei 33reitenfelb fam eä jur 
am 17. ®e^)t. 1Ü31, unb ^a^j^jen^eimä Ungeftüm fü^i 
iRieberlage beö taiferlic^en §eereä b^vbei. 3lun l^emmte 
me^r baö i^orbringen beö 8iegerö; n)ie ein überuf 
vStrom ergop fic^ fein ^riegöi)olt burd^ g^anfen l)in< 
ben Siljdn, alles jermatmenb , tt>aä ju njiberftel^en 
:^n 3)iainj aber leljrtc @uftat> 5lbotp^ ^Jlö^lic^ um, bei 
batte erfabren, ba^ fein Ö3eneral §orn im ^^^dnfifc^ctt 
fcf)lagen ttjorben njar, t^ereinigte fic^ mit biefem unb ging 
fübttiärtä gegen a9at)ern. J.iltt), ber mit ben ^Jleften fi 
fruberen 5IKaci^t einen offenen ^fam^)f mit bem überlej 
Äonig nicbt aufnebmen fonnte, jog fic^ in ein »erfij^ai 
ßager bei 9tain gurütf, um il^m ben Uebergang über' 
Sed) gu n?e^ren. 5)oc^ umfonft; eä gelang Ouftat) 2lbol 
eine a3rude gu fd^lagen unb unter heftigem geuer bag 



* Opp. 0. Tom. VIII. pag. 350. 



— 45 — 

klTrcicficu. Xiüxi felbft, ber auf ben bebroötejten *^5unften 
Ijriff Icitcle, würbe fcftwec »etrouitbet auS bem Irefftii 
pi; eine galtonctfugel ^otte t^m baö iöein jetfcbmcttert, 
^t)e btacfitt man i^n iiad) ^iigolftabt, rooljtu fid) in:^ 
fient beä baijetifdjen Syexti gerettet (wtte, aber 
I iBcnigen lagen, am jtO. iÜprit 1632 gab bec greife 
|(inen ©eift auf. 

äalbc ii^ilnii an ben grofien (li^efdjiden, roetdiebie ftiUe üOiufcn- 
II fi) iiuuluijie atuftegung öetfe^teu, beu lebeubigften kn-- 
jaffcu toiu il)iifel6ecfil)ilbern, wie tiefi^n bieüiadjric^tüou 
Slob unb bec 'Jlnblid feiner iJeicf)e ergriffen tjat. 
} faß eben in ©ebanten uerloren auf ineinen %tm 
I»nb ließ baä 9luge tl)eiluat)niöli>ä üier §ain unb 
^■tcf)mcifeK, ber öor mir auagebreitet kg. Jia trat 
ftue (jerein, ein ertefcncv 3ü"9li"9 lietenSroürbigen 
j mit beu fanfteren ajfufen fü gut «eilraut al3 irgenb 
1k ßirr^. ^or ©ite at^emtoä bleibt et auf ber »ät^roeUe 
^Mb ruft üub: XiUti, ber grofee titli) f)at Doßenbet! 
: um ^L^niienuntergang. iffiäre eä wirdic^ fo, fragte 
t.bn bcffm »oUfominen Qtm^'^ -Sie^ bid) cor, bafe 
j md)i mit unbeftimmteu Öetuc^ten bei Jama beäuge 
^ier traue id> faum meinen eigenen iJlugen. ©o 
■ bod) bicfen Slugeu, erroiberte er, mit biefeu fa^ it^ 
% ben legten ^üfl^^if ''^'"^ 3^"9'^ ^i^" ^^'" Jubestam^jfe 
Werften ^ricgerä. (löleidjjeitig »ieä er einemeipeAetjeDor, 
, ber größeren aeobcmifdjen (Kongregation üoii 3Jiatiä 
jkignng erbeten unb überfenbet njorbcn toar jn bem 
, bafi fic ber §elb in feinem legten Äampfe fiir ben 
KU t>^tkiu6e» atö Weudite auf bem Sffiege jur ereigteit 
»ben [jalie unb bafe fic bann , burt^ bie ißerül^cuns 
R ^oc^^erjigen Ädm^jfer für immer bcnfniücbig, jurüd = 
i unb beicaifrt werbe jum äfif^^" befonbcrcr aScrcIjrnng, 
Rtiges *4>fänb."' 

. Tum. Vlll. pBg. 9 et 10. 



— 46 — 

„^ä) tDii^te mid) faumju erinnern," ful)r 2ll))I)ong m^ 
einer ^aufe fort, „einen frömmeren, troftr eiferen Job bei fo 
l^eftigen Sd)mergen mitan9eiel)en ,^n l)aben. 3)er A^etb tag 
ba, nac^ ®ott eingig bem Scbu^e bcr jungfrautid^en SJJutter 
t)ertrauenb, derjenigen, bie er fo oft al^ bic geliebte 2)?uttcr 
ber Äriegöf)eere , alö bie ^^ülfe ber (S^riften^eit anrief, (5t 
lag ba, fein ©emütl) anf bic 33etrad)tnng ber l^immlifc^en 
Singe gerid^tet, nnb fa^ mit äöc^mnt^ bie äBunben beö fter= 
benben A^eitanbeä an. 9iac()bem er bnrc^ bie 33eic!^t nnb bie 
l^eilige Celnng mit (^3ott tjerfol^nt \x>av nnb mit feinem 33ei(^t= 
t)ater alle feine 5lngelegen^eiten gcorbnet l)atte, n)nnfcl)te er 
loögebnnben jn fein t>om Ärieg^bienfte nnb ben Sol^n ber 
(Swigfeit gn genießen. 3llg} noc^ anbere fromme Stimmen 
in feiner 9id]^e lant n^nrben, fcl)ante er mnnter nml^er nnb 
fc^o^jfte 2^roft. 5lllmd^lig aber ttjarb feine v5^)ract)e leifer, fein 
piegcnber ')ßuU fing bnrc^ bie (.^enjalt bcö Sobeg an jn 
ftotfen nnb fo gab er 5lbenbä nm 7 U^r nnter bem ®cl^lnd)3en 
nnb gleiten ber Umftel^enben feine fiegreicl)e Seele (^^ott 
jnrntf." * 

2lnf 23albe^ä "^Sitten führte i^n ^2ll^)^onfnä in baö §ang 
beg ^rofefforä 2lrnolb 9latl^, in n)el*cm lilli) geftorben nnb 
bann alö 8eicf)e anögeftellt \x>ax. 

3)er 2)id)ter ergd^lt l)ierüber: „£d)on ^tten tr»ir bie 
Straffe errcid)t, in n^elcber ber ßeic^nam geborgen lag. ^^iili= 
tdrifd^e Soften hielten bort nod) immer Sßad^e nnb.löften ficb 
orbnnngägemd^ in i^rem ^eobad^tnngäbienfte ab. 3Bit .treten 
ein — man getijd^rt nng 3^tritt in bag innerfte Öemac^; 
tt)ir !nieen niebcr nnb f^red^en ein ®ebet für bie Seele bes» 
aSerftorbenen. SKaö foü id) aber fagen oom erften Slnblid 
ber 8eid;e? Äein nnl^eimlic^er Sö^anber, (ein Sd)redbilb 
mad^te ben 23efd)aner erbleid^en. aSielmel^r erfdjütterte alle 
3lntt)efenben (eg waren il^rer fel^r mk, barnnter trieggbe^ 



^ 1. c. pag. 10. 



— 47 — 

rül^mtc gülircr) bie tpol^l ungewol^nte, fc^mcrjUc^c 2iBonnc 
bcr innigften 5(ubac^t, bie gar oft in5lffecte auöbrac^. aOBd^^ 
rcnb fie nun fo ttjeinten, t)on me^müt^iger Suft überftromt, 
gaben fie fic^ tt)ren Ätagen bin, bie fie faft liebgetponnen/ 
unb jc^t mit abgemanbtem Öefic^te baö Stäupt fc^üttelnb, alä 
ob fie ben Slnbürf ber fieidjc t>or vSc^merg nic^t ertragen 
tonnten, fet)rten fie boc^ mit fe^nenben iBliden wieber jur 
XXrfadje il)regi ßeibeö jurücf unb ijerfenJten fid) ganj in bie 
bereite falten ^^äC'^ 

„S)a lag ber gropc XiUX) auf bem ^runfbettc, aU ob er 
nocf> lebenb ben tjerl^altenen Obem jum ^auc^e fammeltc — 
baä 9lngefic()t, in nid)tö tjerftort, in nic^tä erfd^lafft, ^attc 
nicl)tö t)on XiUi) t)erloren, fonbern jeigte ganj imm 5luä= 
brurf, ber einem 3ur ^errlic^leit aSoßenbeten eigen ift. 

®ie ^dnbe, unter ber :iJruft rul^enb, hielten mit tjer- 
fcl)tungcnen Ringern ein C£rujifiir. J)ie Stirne l)oc^, bie 
23rauen breit, bie ^tafe etnjaä gebogen unb nod^ immer frie= 
gerifc^, bcr 3Jtunb unijergleici^Iid) tt)ürbet)off, ber ^art 
ftac^eüg unb grau, in reict)cn aBurjeln mdnnlii^ um SBangcn 
unb Äinn fproffenb, baö biii)te Ajau^tl^aar funftloä cm^)or= 
geftrdubt. ^i\x red)ten Seite beä 33ettcä fal^ man, an einer 
laud^grünen Sd)dr^)e I)angenb, baä Sdjwert beö gelben, bei 
beffen iöerü^rung fiä) ^thcx fc^on fü^n, ta:pfer unb fiegreic^ 
büntte, n)ic Don Scanberbeg'ö, beö g-ürftcn t)on ß^iruä, gc- 
feitem Sc^tperte, baö fo t)iele lürfen mit einem ©treidle 
barnieberftredte, berichtet wirb, baß eä ben Ttüti) ber ß^riften, 
ttjcnn fie es auc^ nur bcrüt)rt, gleich einem äöefefteinc ge= 
f<j^drft l)abe. Sßo^in wir in jenem §eiligt^ume ber Jrauer 
bie Slide weubeten, at^mete uns ungewöhnliche Slnbai^t, ein 
l^eiliger Schauer ber Xugenb unb §elbengr5|c entgegen."' 



^ querelis propemodum amatis (nic^t amaris). 

2 1. c. pag. 16 et 17. 

3 1. c. pag. 18. 



— 48 — 

,,911*1^ ju jagen bat)on, bap brci Xagc unb brci 9idc^te 
lang unauögefe^t um ba^ ^4>runtbctt Siebter brannten unb 
ber 3)tcngc, bie im &Wttftreit um (i-inlap bat, nac^ SSBiUeu 
gefc^a^, begel)rte man unter freubigen C^5etübben äieliquien 
jum ^Jlnbenfen an ben fo großen g-elb^errn, unb t)icUeicbt 
aucb in Hoffnung auf ^d)u<5 ob ber ^erbienfte beg gurbit= 
tenben. einige erbaten fid) ein 3tücf t)on feinen §abfelig= 
feiten, anbere einen Splitter feines jerfcbmettertcn 2?eines, um 
folct)en in frommen e^ren ju l>iltcn ^^Dtan jcigte mir aucb 
baö §erg, ber fiebensgeifter eolen s£i§, liefen 23renn^5un!t bes 
Ärieges, J)ieö, fagte ber :Jlrjt, ber treulich alte Äunft auf- 
geboten l^atte gu üUd's (vv^altung, bies ift baö §crg baö 
feiner §urcbt gngdnglid) ti?ar, bas mit immer gleicher 3Barme 
fd)lagenb oor feinem §einbe ergitterte, bas in uni)erglcid;lic^em 
Starfmut^ iörer mele auf bem Äampfpla^e ertt>artet unb in 
ber Sc^lac^t befiegt Ijat."' 

„er n)oUtc nod) me^r fvrcd)en, mirbe aber t)on bem %\u 
brange 2lnberer, bie in großer ^a^l ^eveinlamen, mit fort= 
geriffen. Dod) id) ging geraben Sieges ju ^Itpl^ouö, um 
mid) gur ^eimfe^r bereit gu mad)en, unb rül^mte midb t>or 
il^m, baö A^erg bes großen üill^ gefel)en gu ^aben. 'Dm\i 
toaö l^dtte id) Xa^jfrcres, loaö ©rljabenereä unb ©blereä 
fc^aucn fönneu ? ©r bagegen rül^mte fid), ba^ i^m ein !®ebet:= 
bud) in bie §dnbe gefommen fei, toeld^eä t>on be^ ^yelbl^errn 
tdglid)em eifer unb unabldffigem 0^ebraud)e merflid^ ab= 
genügt erfc^iene. er glaube, ba^ auö biefer öuelte jene 
reinen unb ]&immlifd)en triebe, fo gang auö bem fül^nfteu 
Slute genjoben, in ZxUX)'^ §erg iibergeftromt feien. ®urd) 
23eten l^at er gefiegt; bie erfa^rung geigt eg. 5iel)' nur 
biefe gefc^riebenen ©ebete; jeben 'Jag unb t>or bem beginne 
jebcr ©c^lac^t foU er fie gefproc^en ^aben. SlBbann, in über= 
menf(^li(j^er ©röfee erfc^einenb, ritt er auf unb ab unb orbnete 
bie ©c^lac^trei^e , inbem er t>oU aSertrauen^, baä 5lngefic^t 

* 1. c. pag. 18. 



— 49 — 

rul^ig gum §crrn ber ©ci^tacj^tcn gen^enbct, fi* unb bic ®ci* 
ntgcn bcm ©lege n^ci^te, 2)a untcrbrad^ ic^ il)n: 5ltpl^on§, 
bei unfcrer greunbf c^af t , gib [ie auc^ mir gum 3lbfc^reibcn, 
Darauf er: Dein SCBunfd) foU erfuttt feitv @ib fie mir 
gurücf, njenn xä) tpieber ju bir fomme. So reid^ten n)ir unä 
bie ^dttbe unb gingen, jeber feinen 2Beg, auseinanber."* 

„2Sie fd^aute, tDie laö, xok ftaunte i^\ ^ä) mi^ nidji, 
fül^tte iä) fü^cre greube, alä id^ bie gel^arnifdjten Sitten 
eineö fold^en ^eroen burd^bldtterte , ober feufgte id) auf in 
trüberem Sc^merje, njeil id) fa^, ba^ jener nid)t me^r unter 
ben Sebenben fei, ber fie meUeid^t altein mit gegiemenber 
Sßürbe unb 3^^c^fi^t bem l^o^ften SÖöefcn barbringen f onntc ! 
3Kag fie nun ber ^yelbl^err felbft jufammengefteUt unb nac^ 
il^rem Söortlaute georbnet l^aben, ober ein anberer, bem ber 
getb^err bie ©ebanfen feiner erlefcnen ^rommigfeit ijertrautc 
— bie 3iad)n)elt ^at ein Denfmal, baä fie im Sager be= 
TOunbern, an ben Jpofen tjere^ren, in ben ientpcln naci^= 
al^men foü."^ 

Die l^el^re Segeifterung, bie unfcr Dichter für ZiUx) im 
^ergcn trug, lie^ il^u nic^t rul^en, biä er bemfelben in einer 
umfangreichen Dichtung ein bleibenbeä Den!mal gefegt l^atte; 
fo entftanb „beö großen SiltJ) Job teuf eicr," MagniTilliiPa- 
rentalia. „?Qi6gen bie ^immlifc^en", fagt er in ber SSorrebe 
beg 2Berfcä, „biefem Sld^itteö feinen Jpomer, biefem äleneaS 
feinen Wiaxo crtoedfen. 2Benigcr lui)n fd^reiten njir ju biefer 
Jobtenfeier unb toürben nid^t einmal fo t)iel genjagt l^aben, 
rotrin voix nid^t fonft bie entrüftung ber gangen SBelt ju 
fürd^ten l^dtten. ^u ^ttgolftabt ftie| jener §elb fein Sd^njert 
in bic ©^eibc, ^er legte er bie gelbfc^dr^je ab, l^ier folgte 
er, baä Säger beä ©rbenlebenö tjerlaffenb, bem Xobeägefd^idf. 
Unbanfbar müßten njir aöc fein, bie njir fo gal^lreic^ in 

* 1. c. pag. 19. ©albc fül^rt nun biefeJ jlcmlic^ lange @cbct fammt 
einer Sitanei ^u ben 1^1* i^riegS^elben loSrtltd^ an* 
2 1. c. pag. 25. 



— 50 ~ 

;^ngolftabt weiten, n>eun wir nic^t i^u,*bcr für bc§ SSatct' 
lanbeä unb beö äaujen romijc^en Sleid^g SSBol^I bal^infanf, 
mit einer finbli* frommen unb jn>ar njürbigcn §eier eieren 
tDoüten. ^ 

35ie erwähnte ric^tung fam, jum Xl^eil tDenigftenS, 
jur bramati)d)en X^arfteHung im Kollegium bcr geftungg- 
ftabt. ^a^ Öanje ift eine 'Bifion beö Dichters, ber bie ©e- 
nien ber europdifcben SReidje an baä ^ißrunfbett bcä entfeelten 
gelbl^errn treten fie^t, um feinen @ro§tI)aten unb Slugenben 
bie le^te Ajulbigung bavjubringen. (iin erfdbfitternber Seidjen- 
gug, in bem eine irauergeftalt nad) ber anbcren bcn Scrbeer 
auf ben Sarg legt unb mit ftoljer 3i5el)Ilage t)erfc^n)inbet. 
3tt)ar giel^t fid), bem gen)äl)lten Stoffe entf^5red)enb, tt)enig 
cigentüd)e ^anbhing burc^ baö C^3ebic^t, aber eä njogt bafür 
eine um fo reid^ere Ii>rifd)e Ätaft in biefen rl^a^fcbifd^en @e= 
fangen, bie nur bisweilen allju fiil)n über bie feinen Sinien 
ber ©d)önl^eit l)inauöfd)aumt. Da^ äüert ift mit fliegenber 
lieber l^ingeworfen unb würbe i>om Siebter felbft in feiner 
erftcn gorm für ben 5)inicf nid^t begutad)tet. 

Ueber ber Ibcilnabme an XiW^ ®efd)icf tjerlor Salbe 
bie t)on (yuftat> Slbolpl) begonnene Belagerung ber ©tabt 
feineäwegs aus ben ^2lugeu. ^ßielmel^r fül^rte er bie !urge 
3eit i^rer Sauer i>om 29. ^Xpril biä 4. mai 1632 ein fe^r 
genaue^ benfwürbiges Xagebuc^,^ barin mit 5luäf (Reibung 
aüer zweifelhaften (^crüd^tc nur erwiefene 3:f)atfad^en t)ep 
jeid^net finb. 3){el)rfac^ eingeftreute wi^ige ißemerfungen 
laffen er!ennen, welc^ l^eiterer 5Kutl^ bie Belagerten erfüllte. 
S)em gortgangc ber Stubien tl^at ber tobenbe Äriegäldrm 
leinen ©intrag. „SJiitteu unter bem S)onner ber Äanonen", 
fagt ein Beriet, ^^l^ielten bie ^rofefforen mit gewol^nter SRul^e 
il^re SSorlefungen, umgeben t>on i^rem tJoUgdl^ligen 5lubitorium, 

* Opp. 0. Tom. VIII. pag. 4. 

2 Opp. 0. Tora. VIIL pag. 41-46. 



— 51 — 

unt> fclbft bie öffentlichen ^^Jromotionen n)aren in biefen 
Äriegämonaten taum feltener alä irgenb fonft."^ 

%m 4. mal jog ©uftat) 5tbol^^, na^bem 4000 9Äann 
bereite gefaUen unb il^m felbft baö '^ferb unter'm Seibe er= 
fc^offen njorben war, x>on ber uneinnel^mbaren ij^ftung ab; 
fein Sager fiel mit rcid^li(J)er 33ente in bie §dnbc ber 33e= 
lagerten. 3)od), bie treue 3Sefte foHte il^re (Siegegfreube nid^t 
lange genießen; balb brad) in ber ®tabt eine unbe!annte 
Äranf ^eit auö, » bie ungarif cf)e ^^eft genannt, bie t)iele l)unbert 
0))fer l&inn^egraffte unb auc^ baö ßoHegium ber .3c)iiiten mit 
feinen i30 Setpol^neru begimirte. SSiele 6er Ueberlebenben, be= 
fouberö jene, bie nod) in beu Stubien begriffen njaren, be= 
gaben fid) auf bie ndc^ftgelegenen Sanbgüter beä Crbenö; 
auc^ Salbe n^irb bort einen 3:^eil biefeö ^aifvt^ tjerbrac^t 
^aben. 

Uebrigenä fanb fein tl^eologifcj^eö Stubium mit biefem 
jweiten ^<xi}xt einen \jorldufigen 5lbf(j^lu^, inbem für il^n je^t 
bie aSorbereitung für ben @m))fang ber l^o^eren SGBeiben be- 
gann, ^m ^erbfte 1632 fd^eint er bie ^riefternjeil^e em= 
^jfangen ju ^aben, nid)t in ^reifing, reo tvegen bcrÄriegä= 
unrul^cn geraume ^dt feine Orbination ftattfanb, fonbem 
in Sngolftabt, tvo ber Sifc^of t)on ©id^ftdbt, S^rifto))]^ t)on 
©efterftctten, ein crtDünfd^teä 2lfi)l gcfunben ^tte. 

2)ie ©efetlfd^aft ^efu f^reibt i^ren 9Äitgliebern, nad)bem 
fie ^^ricfter gctDorben, noc^ ein britteö ^rüf ungSjal^r , bie 
Schola affectus, t)or. %uä) für biefe Icfete ^^robejeit tparen 
eigene §dufer, unb gtDar in ber oberbeutfc^en ^ot)inj bie 
rflcfibeng eberSberg beftimmt. 3n 2lnbetrad)t beä Umftanbcä 
aber, ba§ ©beräberg fid^ 'oon ben fd^redlic^en 35ertt)üftungen, 
bie eä burc^ bie ©^tpeben gu erbulben gel^abt, uod^ nid^t erbolt 
l^attc, erl^ielt Salbe, n)ie ^anc^eä t)ermutf)en Id^t, bie ©r- 
laubnil, fein lefeteä ^robcjal^r in 3Jiünc^en ju beftel}cn. 



* Kropf, Tom. V. pag, 47. 



— 52 — 

aSir ^ören uicbts mel^r t>on i^m biä jum J^^l^i^^^' 
1634. J)a finb cö jii?ei @ebi(ite auf ein grofecg 3^it^ci9^iB/ 
^bic lorbccrbefranjtc J-ama" ^ unb „ber 3Rütt<j^cncr 3)icrfur'V 
bcibc auä 2lnta^ t)on 3[i5aUen)teinä 2cb gcfc^ricbcn, bic uns 
bcg ©ic^terö 5)tücffeJ)r auä ber (^infamfcit unb feine n)iebcr= 
ertDac^te Xbeilua^nic au beu ii^eltgcfdjirfen i)erfünbeu. 

* Opp. 0. Tom. III. pag. 255. 
2 Lyr. II. 13. 



m. ^m brr Bd)ule bee Ungimke auf ben Cel^r^^i btr 

33iö l^icl^er njar bcr ScbcnSgang unfcrcä 3)icbtcrä im 
Crbcn bcm feiner üJiitbrüber , t)on bem rafc^eren SSorrücfen 
abgefe^en, fo jiemlic^ gleichförmig geblieben ; tjonje^tan ging 
er feinen befonberen 2Beg, wie i^n ^jerfonlic^e Steigung nnb 
baö gereifte Urtl^eil beg ^rot)injiate il^m t)orjeic^nete. STOan 
fonnte it)n fogleii^ aß ^rebiger ijernjenben, aber bie feltene 
Stüc^tigfeit, bie er im gangen Umfange ber fd^onen Stebelünftc 
an ben lag legte, njoUte man nid^t in ber ^jraäifc^en 5lug= 
übnng biefeö (Sinen abfterben laffen, fonbern njoUte fie auc^ 
für 5lnbere moglic^ft nn^bringenb t)ern)ertl)en, unb ju biefem 
SSel^nfe lie^ fi^ gen^i^ fein lcbnenbere§ Saatfelb anffinben, 
aU ber acabemif(^e ^ßrfaal. 5)ie aSorbereitnng für ben 
iJel^rftu^l ber ^od^f^ule ^n^ar bie ndc^fte 2lufgabe bc8 
nunmel^rigen Coadjutor spiritualis. ©g beftanb eben bamalä 
in ber oberbeutfdjen ^^rot)inj eine eigene SR]^etoren=5tcabemie, 
1619 gn jRegen^bnrg gegrünbet/ \r)dd)t ben anggef^jrod^enen 
3tt)erf l^atte, tauglid^e Orbenöglieber, bet)or man il^nen öffent- 
liche Se^rftül^le übertmg, ))rit)atim jn unternjeifen unb mit 
alten 3^^i9^^ ^^^ fd^onen SÖöiffenfrfiaften grünblid^ vertraut 
ju mad^en, b. 1^., fie mit feiner SBeltbilbung auggurüften. 
Sllten 2lnjeid^cn nad^ befanb fid^ bicfc 2lcabemic, bie feinen 
ftdnbigen ©i^ ^tte, xou fie uuä f^)dter gu Jpaö in 3:irol 
unb JU Dleuburg a. b, J), begegnet, um baä ^afyc 1634 in 
^ünc^en, njo bie tüd^tigften Sel^rlrdfte, bcr cbrnjürbige SRober, 

* Kropf, Tom. IV. pag. 84 et 85. 



— 54 — 

ber gcifttjcüc Stengel, Der erleuchtete 5)rereliu§ jur SSerfugung 
ftanben. Sir n?crt>cn faum irren, rocnn xoit Salbe'ä grops 
artiges 2Birfen an ^^ä^Ut^bt'ä Jpoc^fc^ulc mit ben crfal^= 
renen JHat^fcbldgen biefer bebeutenben 3Kdnner in 93erbinbung 
bringen. 

:>lod) eine anbere 3c^ule — eine fc^toere Schute für'ä 
fieben — muBte er in biejcm ^Cif)xc burcj^fdnn)fcn. SBalb 
traf i^n bie crfcbütternoc :Hac6ricbt, baB fein Srubcr, bcr in- 
gwifc^en x>on ^ngolftabt nacb Gonftanj übcrgeficbelt xoax, um 
am bertigen (5^t>mnafium bie 9iubimente ju lehren, t>cn ber 
^eft ba^ingerafft njorben fei.* S^abei t>crna^m er ju feinem 
nic^t geringen Xrofte, baB cv5ecrg, t>oü begeiftcrter Eingebung 
für ben Sieg bcö ©laubenä, ficb furj t)or feinem ungeahnten 
6nbc für bie inbifcbcn 3Äiffionen einfcbrciben lieg. @r ^at 
bie Iraner um biefen SSerluft in feiner Cbc niebcrgelcgt , fo 
tocnig er irgenb ein anbereä gamilicrtereigniB t)or aller SBelt 
befingen mod)te ; aber cö gibt aud) einen Scbmer j, bcr ftumm 
bleibt, njeil er ung ^eilig ift. 

Um bie gleii^e ^üi trafen in 3Jiünc6cn bie entfe^licben 
Serielle über bie ©rftürmung Sanbö^utö ein. §eute noc^ 
fc^aubert bie Seele jurütf t)or ben unermeßlichen ©rdueln^ 
bie in jener Stabt i)on ben ©c^n^ebcn 12 Jage lang, »cm 
22. 3uli big 4. 2tuguft 1634, i)erübt n^urben. 3luc^ baä 
Kollegium ber 3^f^iten war t)cn bcr SEBut^ bcö ^^^inbes fcl^n)cr 
betroffen; feine ^^^o^ner, bie Äranfen nii^t aufgenommen, 
mußten bie drgften 5DWß]^anblungen, etlid^c Jelbft ben tob 
erbulbcn. ©ineö biefer 0))fer, P. 23arbifiu§, njurbc mit un- 
gdl^tigen 2Bunben bcbetft nac^ Wtvinä)tn gebrai^t, n)o er in 
ben Slrmcn feiner Orbcnggenoffen ben ©eift aufgab. S)ie 
Sefuitenlird^e ju SanbS^ut, burc^ jebe Sd^mac^ cntnjei^t, 
gttc^ c^er einem Statte alä einem ©ottcgl^aufe. 93on ibrcn 
Äoftbarleiten warb nic^tä gerettet atö ein Äelc^.* 2ßer 

» Kropf, Tom. V. pag. 245. 
* Kropf, Tom. V, pag. 270 squ. 



— 55 — 

möd^tc bic Stauer unb »eftürgung fi^ilbern, bie bicfeS f urc^t^ 
bare a?erf)dngm^ unter ben aSdteru ju Wtmiitn ^ert)orrief? 

Unb boc^ fd^njebte ami) über 5)?ünct)en t>erberbenbrütcnb 
ein Unglürfgftern. ^in e^dtfommer 1634 brarf) bafelbft, t)om 
[ipanifd^en Ärtegötjotfe eingef^le^pt, bie ^^Jeft auö unb ii^ütl^ete 
5 Womit lang mit unerhörter A^eftigteit» 5We^rfacbe a5c= 
rid^te melben, bie ^albe Set)oKerung ber Stabt fei an ber 
Seud^e ba^ingeftorben, gen^ij^ aber i[t, ba^ faft bie §dlfte ber 
^efuiten, 31 an ber ^a% barunter mel^rere Sanböleute unb 
greunbe unfercö ©i^terö, il)re 33eute gen^orben. 3lündct)tlici^ 
faulten bie iieidjentvagen mit filjumnjunbenen iHdbern burcb 
bie oben ®tra^en ber Stabt unb fammelten bie t)or ben §aug= 
tl^üren aufgefegten Seic^name gum flanglofen, unwürbigen 
aSegrdbnife. ®cbon ein unn)iUturlid)er 8cl)auber genügte; um 
bie tobtli^e Äranf^eit ^erbeijufüf)ren. 23albe er^d^lt x>on 
einem jungen, i^m ttJol^lbelEannten ^rieftet, ber ficf) freitoiöig 
jum J)ienfte ber ©terbenben erboten ^atte»^ 2)ie ?la(^t, 
bet)or er fein ernfteä 3lmt antreten n^ottte, tjerna^m er beim 
Slbenbeffen ein bum^feö ©erdufd^ t)on ber Strafe l&er. @r 
eilt an'g genfter unb erblicft im (laren ^Jtonbenlid^t einen 
aCBagen, auf bem bie 8eid)en 'oon SJtdnnern unb äöeibem 
in timftem Änduel burd^einanber gettjorfen n.>aren. 5)a bebt 
er jurürf; tjon j[df)em Sd^retfen erfaßt — unb fi^on ift c3 
um il^n gefc^e^en. 9{a(^ ^njei Sagen ift auc^ er eine Seilte. 
§cinri(^ äöolf in feiner ®^roni! t)on TOünc^en^ bel^au^jtct; 
xoxv ttjiffen nic^t nai^ toeldier OueÜe, biefer ^ad l^abe fi(j^ 
im 3cfuitencollegium, ^art an ber Seite unfereä S)ict)terö cr= 
eignet, alä eben ein iobtenlarren burc^ bie l^eutige @ifen* 
mannggaffe ful^r. 

ertebniffe folc^er 2lrt ßefeen t)iel(eic^t in fül^tenbcn 
bergen f d^njdd^erer 9latur eine aOBolIe ber Sc^toermutl^ gurud, 



^ Opp. 00. Tom IV. pag. 19. 

2 Urfunblic^e ©l^ronif \>on ÜRünd^en. 1852. I. 93b. ®. 747. 



— 56 — 

tvt auf bif Scbtrungfraft ^C5 (?tine^ labmenb wtrfcn niüBtc. 
Satef'ö C^mütb fcfccint in Hxi ükxtiximn tt^ Unglüds nur 
gfftd^b ircrbcn ju ffin. Xreffen^ bcmerft ein franjönfckr 
k 3d»Tiftfte{IeT : Les d^sastres de la goerre de trente ans, 
m dont Bälde fut spectatear. contribaereDt beaacoop ä donner 
n ä ses piDceaox cette energie , qae Faspect des grands 
^y^nements imprime toajoors aox ämes fortes.' 'iDht 
jener 3hit)c, rie feftes (^cttT>ertraucn einpöBt/ ücb er bic 
Stürme ber Irübfal |*n>ei9enb an fi* i>oriiber jiel^n ; bo(t 
faum war bas bro^nbfte G>eu>olt t>erfcf»n?unben, fo bli^te 
fc^on ttieber ein Strahl ber öciterfeit aus feiner glücfli* 
organifirten 3eele. 31(5 ber ©rnft ber Sage auc^ ben 5!Ju= 
t^igften auf bie 3time gefcftrieben u>ar un^ jur großen 
2elbftt>erläugnung be§ 5)ic6ter§ jebes fcfrerjbafte 'JSort ber^^ 
ftummen ntuBte, ba n)ar boc^ eine ^^'erfönücbfeit übrig, bic 
feinem barbenben §umor ^imlic^e Jiabning bot — ber 
©drtner beä GoUegiumö, 2lbam §olI, ein unoücbfiger v2o^n 
ber äßilbnip bon äcbt p^ilofo^jl^ifci^er iJebenöanfcbauung. '^n 
jenen Jagen, ba e§ t)or "iWenge ber iieicben an lobtengrdbcrn 
gcbrad) , trug biefer 2lbam aKcin mit ber größten ©emüt^ä- 
ru^ breißig Crbensgcnoffcn gu @rabe unb fam icbesmal 
fo tbol^lgemut^ bom Schattenreiche jurürf, alä ob er eben 
feine ©mtc in bie Scheuer gebracht t^dtte. 5)a«fbar ciu= 
geben! ber (Jrquidfung, bic i^m burdb )olcl>en ^tnblicf iu 
fd^toeren Reiten gu %f)dl gcnjorbcn (spectare voluptas ^cißt 
cä bon §otl), bercn)igtc Salbe ben ©drtncr in einem fcbel^ 
mifd^en ^reiögcfange.' 

Slß mit bem »eginne bcä ^a^reö 1635 bie ^l^^cft aU:: 
mdl^ßg berfc^n)anb unb ber fü^nc Sd^dfflertang gucrft wicber 
bie bangen S3cn)o^ner auä il^ren Rufern locfte, fe^rte baä 



^ M. Arnold, in bem Magazin encyclop^dique DonM. Miliin. 
3a]^r0au0 1806. ®. 272. 

2 ßüv. Vm. 13. 



— 57 — 

^enttid^c Seien laugfam in fein altes ®eleiä jurütf . ^m 

ebniar begannen bie Stnbien wieber, fotnol^l in 3Rnncl^cn 

te in ^ngolftabt, benn anc^ an le^tercm Orte n^aren fie 

•egen ber l^errfc^enben Senc^e biä gn biefer grift nnter= 

coc^en getr»c)cn. 5Die Unitjerfitdt get^ann brei neue ^ro= 

ifforen : 3*?^^^^ic^ ®i[[el für bie (Sti)it, 3)iajcimilian 8erd^en= 

Ibt für bie ßogif unb ^acobug 93albe für bie 3t^etorif.^ 

^n le^^terem B^^^Ö^ fi^^^^t fict) Icinge tjorl^er, feit 1595, !ein 

ffentli(f)er Se^rer in ben 2tnnalen ijerjeic^net, unb au^ nac^ 

klbe fc^cint berfelbc nicl)t me^r an ber §0(f)fd^ule cultit)irt 

»orben gu fein. 3)aö erfte 5tuftreten 33albe'ä njar t)on gün= 

igen 5lnf)?ijieu begleitet: ber ^Knf eineg anSgegeic^neten 

3eifteS n)ar i\)\n t)orauggegangen, feine biöl)er anom)m er= 

l)ieiieiien ©ct)rifteu liefen Ungen>61^nlid^eö ern^arten unb 

oc^ njurben bie Erwartungen noc^ übertroffen burd) feine mit 

iureifeenber ^ercbfamfeit gel)altcnen i^ortrdge. (gg mu§ ein 

)a^rer :^\ibd um il^n gewogt ^abcn; glaubten boc^ alle, bie 

a^ i^lM Ratten i^u ju ^ören, bie Griten beä alten dU)ttox^ 

riuintilian n)iet>ergef el/rt ! Gin fd^oner Äreiö talentt)oüer, 

trebfamer 3ö^^öK"9^/ unter i^nen 3:obiag fio^ner, 33art^olo= 

nduS §o(gl}aufer, Octaman (^5ieront)mu§) Sangenmantcl, 

)er fpdtere Herausgeber beS „^ia)rtmi(ian I. t)on Oefterreid^", 

jrdngte fic^ um feinen \!e^rftu^l; felbft ^Mnner oon gebie= 

jenem 9tufe fd)dmten fic() nic^t, unter feinen ^up^crn gu 

fi^en. Sefouberö waren eö abelige ^olen, bie ijom Stumme 

feiner ©elel^rfamJeit angegogen, bie l)o^e Bä)uk gu ^mqoU 

ftabt befud^ten; fo bie ^^alatinen (Suftac^ unb SoguSlauS 

SluSfa, mit i^rem (befolge x>on fünf ^)olnifd^cn (gblen, fc 

5ie '53rüt»er StaniälauS unb SigiSmunb 5)on^of,' berül^mten 

UamenS, bereu (e^terem, einem liebenSwürbigen S^nglingc, 

Balbe feine S)i(j^tung t)on ber eitelfeit ber 2Belt in garteftcr 

EBeife gueigncte. 

^ Mederer, ann. Acad. Ingoist. Vol. II. pag. 273. 
2 Mederer» 1. c. pag. 280 et 81. 



— 58 — 

SllS Seigrer begnügte er fidb ntd&t bamit, t>on unnal^^ 
barer §cf)e au§ bie S^eoric feiner SBiffenfci^aft ju geben, 
f onbcm übte feine Sd^üler, gn ben Sebürfniffen beS ©injelnen 
l^erabfteigenb , forgfdttig in 3lnSarbeitungen nnb 3Sortragen. 
9lncf) l^ier öerldngnete fic^ fein bei aller ©ewecftl^eit finbüA 
frcmmeä ©emütl^ nid^t; benn ba§ 8ob ber §immel§!önigin 
njar ein ßieblingöt^ema, baä er (trafen nnb ^atatinen jur 
Slnäful^rnng tjcrlegte. Unter anberem fd^reibt er bem )ßoh 
nifc^en ©rafen Sigiämnnb Dcnl^of 1038 t>on ^Riinä^tn anö: 
„"^od) umf^jannt 5:*einc §anb nidjt bie Sanje, nod^ füllt 
5)ein Jpau^t nicbt ben §elm an§, nnb gleic^mol^l l^aft 5)u 
bnrc^ bie 33So]^lrebenl)eit Seines 'iDtnnbeö bie ganje ßnrie er= 
füllt, ba 3)n in l^ocbanfe^nlid^ev ??erfammlnng toor einer 
gal^lreidjen ^orerfdbaft jn Ärafan, icf^ fage ni*t berebt, fon- 
beni mit Slngjeid^nnng berebt gef^jrocben l^aft. 3)a§ njei^ 
S)ein aSaterlanb, ttjeil eö anf ^eimatlicbem 33oben gefd^al^. 
5)o(i^ jene 9lebe Ijat es noä) nic^t gelefen, bie J)n anf meine 
iBeranlaffnng jnm greife ber erl}abenften ^^ngfran 3Jlaria 
gefc^rieben l^aft — ebenfo jierlicb ate fci^mnrfreid) nnb t)olI= 
tSnenb."^ 

^ein aSer^dltni^ jn ben Seigrem ber Unitjerfitdt njar 
nid^t njeniger erfrenlid}. J)er berül^mte iRed^tögelel^rte 9lico= 
lanö 93nrgnnbing, 1635 ^tector ajf agnificnS , 30g il^n bei 
SÄnSarbeitnng feiner bai)erifd^en ©efc^id^te jn JRatl^e nnb 
Salbe t)ermittelte bem ber ßanbegjjer^dltniffe jiemlid) nn= 
Innbigen Seigier mandbeg n)icf;tige Sßerl, baä fonft jnm 
ernftlid^en ülad^tl^eil feinet jRül^meg nnbenn^t geblieben n)dre. ' 
Uebrigeng tonnte nnfer ©ic^ter teine re^te 3^^^^P^9 i^ 
il^m faffen; er fc^ilbert ibn alä einen 3Rann t)on nnfrennb- 
liebem aSenel^men, iebod^ anfric^ttgen Sinncg nnb em))fanb eä 
iebenfaHS fc^merjlic^, in ibm ben glürf lic()en ^^ebenbnl^ler f einci^ 
toerlannten ^J^^ennbeä Smnner gn feigen. Jffienn 3Jiebercr 

* Opp, 00. Tom. Vn, pag. 3. 

* greiberö, ©ammluno ^Ijtot. ©djriften u. Ur!. ©b.lV. 6.189. 



— 59 — 

in feinen Slnnalen ber UniDerfitdt ^ngolftabt fagt, »äÄ^ 
l^abe jum greife biefeä aSurgunbiuS öfters feine 8t)ra ange* 
f dalagen/ fo berul^t ba§ fidler auf einem ^n^^um. 

Um fo l^erjlid^ere greunbf^aft beftanb jnjifdien unferem 
5)icl)ter unb feinem Sanbömanne, bem ^rofeffor ber ?D?at]^e= 
matif, ^ctruä ^ilbebranb, ber au§ Saufenburg in ben t)orbcr= 
ofterreici^ifc^en ßanben gebürtig njar. 5Die fünfte, bicfem 
greunbe jugeeignete Cbe beS L iöud^eg benjegt fid^ im l^eiter^ 
ften §umor. §itbebranb l^atte bei einer J)i§))utation bie 
ll^efi^ aufgefteüt, ba§ atte Jpimmelöför^jer J)ic!^tigfeit befd^en. 
Jpiegegen f^rieb nun Salbe feine Obe, ber „flü^ige Jpimmel", 
in n)elct)er er für bie fogenannten ßiquibiften eine Sanje 
brechen mU. GS f*eint aber, er f)abe feinen ^reunb abfid^t- 
(ic^ ein n>enig fcbief aufgefaßt, benn wd^renb biefer nur ben 
^immelö!ör))ern .Dic^tigMt gufc^reibt, rebet SSalbe t)om 
^immetö räume, unb fteüt benfelben als einen branbenbcn, 
öon ©eftirnen belebten Sic^tocean bar. 2)er launige Sd^lufe beS 
^jl^antafiereic^en ©efangeS lautet: 

^el^' nun, o Tlu\i, melbe bcm greunbc bie^, 
Unb toiß cv etwa jivcifcln, fo fd^üttc flug^ 
©d^nccivciBc SdlUd^ in eine gro|c 
©d^üffct, unb reibe fie »)oll mit 93robe — 

9lül^r'g gtüeis big breimal rafd^ mit bem$)aumen um, 
Unb fag' i^m: 5llfo fd^mimmen bie Stern* uml^er 
3m flü6*Aen ^immeU ©lauben t^irb er'* 
Ol^ne SBergufl bem ©olomb aug (5lfo|.' 

©in anberer College, ber Salbe'ä gange ^od^fcf)d^ung 
befa^, n)ar ^ol^annes Siffel,^ auf bem ©ebiete ber 2)i(j^tfunft 
bamalö fein einziger naml^after S)o^)^elgdnger. Obnjol^l SSalbe 
burc^ fein @^)it]^alamion auf 2Ra?:imilian§ gnjeite SSermdl^lung 
jum fünftigen §of))oeten befignirt fehlen, njurbc bod^ baS 
3Bcil^cgcbid^t jur®eburt bcS Äur^jrinjen 1636 t)om Kollegium 

^ Ann« Ac. Ing. II. pag. 292. 

* yiaä) Äno^^)'« Ueberfe^ung. 

3 ®eb. )u ^abenl^aufen im Sa^re 1601. 



— 60 — 

?u 3^9'>tP^*>t ^W ^Wf foubcrn Siffcl fibertragen. J)c§ 
legieren a?er)e finb cttt>aä nacbldffig gebaut unb tiic^t immer 
njoblf tingenb ; aber in ^oetifc^er Äleinmalerei, im reügiofen 
©enre teiftet er Ireff Iic(>e§ , bcfonberS bel^nbelt er ibt^Itifc^c 
©cenen anä bcr \)L ®efcf)ic^tc mit großer 3^^^^^^ ^^^ ^^' 
mutl). 3tacf) einer 3Äitt^eitung ^^lüterä ttjar er ber 8ieb= 
lingäantor unferer gefeierten S)id>terin Slnnette t>on ©roftc^ 
^ütö^off.* ©albe ,^eid)net i^n im ^^a^re 1649 mit biefen 
5EBorten: @in ^ann, an 9{n^m ber ©erebfamfeit feinem 
nac^ftel^enb. 35ie S^)rad)e nimmt er au^ bem Äoc^er, bas 
Sd}reibrol)r t)on ber ©re^ban! — fcbarfe ©efd^offe. ^m 
lateinifcben tt>ie im bentfc^en Slnöbnitf ift er tjorjügüc^ nnb 
bereits bernl^mt burcb i)er6ffentlid>te SSerfe.^ 

S)ie beiben J)id}ter fanben fid) f^)dter tt)ieberl^olt unter 
einem J)ac^e jufammen in ^{ünc^en unb 3lmberg,^ aber in= 
time grcunbe fdbeinen fie nie gen)orben ju fein. 3Senigften§ 
jeigt fid) in S3albe*ä ©cbic^ten \>on Siff el, n)enn er ni*t ettDa 
unter einem fingirten 5Ramen auftritt, feine S^ur. 

dlod) bleibt unö ^u erwähnen TOarimilian öerc^enfetbt, 
ber Üogif ^rofeffor, auä einem nod) btüt)enben freit) err liefen 
©efcblec^te. @r lehrte früher am ®t)mnafium ju 3lmberg, tt)0 
er 1630 eine 5:rag6bie Calybita aufführte. 3^m ^at »atbe bie 
brei^igfte Obe beö jn)eiten Sucbeö gen)ibmet, benn er unb fein 
anberer ift j^ner Maximus Campianus,* bem ber 5)id^ter atä 
bem ernannten SRector eineä 6oUegiumö warm an'ä §erg 
legt, bie Orbenögefe^e mit bem ibnen eigenen milben ©eifte ju 
l^anb^aben unb aßent^alben felbft alö aSorbilb t)oranjugeben. 

(SS n)ar S3albe'n nic^t lange vergönnt, feiner neuen, il^m 
j)6llig gufagenben äöirffamfeit ungeftort ju obliegen; balb 



* (5a n tu* 3 gSe^efd^id^te, beutfd^ öon 93rü]^l. 93b. 10. @. 362. 

2 gre^berg, a. a. O. ©. 192. 

3 3n tx^mx @tabt toar 93iffel @tcibtpfarr^)rebi9er bei U. 2. g., 
»S^tcnb ©albe al2 ^ofprcblgct toirfte. 

* Campus gelb. 



— 61 — 

traten n)id)tt9e, ii)n mddjtig aufvegcnbc (Srcigtiiffc ein, in 
beren @ett)ebe er gn>ar nicf)t notl^njenbig tjerflod^ten tt>ar, bie. 
aber bod) nur burd^ i^n, ben iiieb= unb Otebegen^altigen, ifire 
üoUe äöeil^e erhalten gu lönnen fc^ienen. 5lm 3. 5l^)ril 1635 
teerte aus fc^n^ebifd^er §aft nac^ ©rtragung unfdglid^er 
^ebrdngniffe jene ®cf)aar üon C^^eifcln jurüd/ njelc^e @u= 
[tat? 'ilbol^)]^ i)or brei 3^^^^^^ f^^ *>c^ unerfcf)tt>ingüc^en Sfteft 
feiner iöranbfd^a^ung aB ^^fanb mitfortgefd^le^j^jt l^atte. ^ä 
waren unter biefen ©eijeln alte Staube t^ertreten, auc^ mel^rere 
.^efuiten l^atte bieg Sooö getroffen unb gu ben ^Betroffenen 
gehörte ^ier Slnbreaö 23runner, ber bai)erifd)e ^iftoriogro^))^. 
:)tac^bem bie l)eimge!e^rten Dulber gu SKammersiborf t>ox bem 
33ilbe ber (Gottesmutter il^ren l^eipen 2)anl niebergelegt l^atten, 
n)ofelbft fie and) ein benln)urbigeä ex voto gurüdlie^en, tftx- 
fammelten fie fid^ bei ben ^^atreä ^^cfuiten gu einem reid^be= 
)e^tcn]75cftma^Ie, um bei bief er (i^elegenl^eit feierlich in 3)iund)en 
begrüßt gu. tt>erben. itn iBalbe in ^^^golftabt l^atte man bie 
ßinlabung ergel^en laffen, bie erforberte 33ett>iU!ommnungg= 
rebe gu l^alten. SBie feligfro^ tnirb ber ^^ic^ter biefem Söunfd^e 
toiUfat^rt Ijaben! 2ßar eö i^m bod) tjergonnt, fo mand)en 
fc^mergUd^ tjermi^ten 5DWtbruber, t)or allem ben geliebten ^reunb 
Srunner nad) langer 2:rennung njieberguf e^en ! 2:ief ergriffen 
oon ber3Jiad)t be§ 2lugenblideg l^ielt er an bie aSerfammelten 
eine lange, ftürmifc^ bett>egte 9tebe, in njelc^er er bie bitteren 
(5:rinnerungen ber i^erfloffenen brei '^alpct mit ben frol^en 
ijoffnungen ber @egenn)art gu einem leben§t)ollen Silbe ux= 
njob. ©0 t)iel xoix auä einer nod^ erl^altcnen Orbenälritil 
über biefe 9iebe entnel^men,^ njar (Gufta^jb Slbol^l^ ber Ur= 
^eber all beä Unglüdä, baö über baS 8anb unb feine Jpau^t^ 
ftabt unb nid)t gum geringften Xt)dl über bie annjefenben 
©eifeln getommen, mit gürnenben ilol^lenftrici^cn gegcid^nct. Da 

^ 93on ^ug^burg nad^ Tlünd^tn. 

» ©a^erifd^cg SRctcl^garcJ^lö. Jesuitica. Fase. 26. Nr. 898: Oratio 
habita ad Obsides Monacenses Augusta reduces. 



— 62 — 

Reifet CS t)on il)m, er fei nach 3)eut)c^lanb ^übcrgefommen 
aus feinem heimatlichen Sum^>fe, ber t)erfc^mittcfte Jg^crrfc^r 
feit :3ulian bem 'Abtrünnigen, ein bo^pefftimiger 9Renf(^, ber 
anbcrS gu benfcn nnb anberä ju rebcn toiffe, ein blutiger 
9lduber, ein tjerabfc^euungSnjürbiger Xi)rann. 9Son ber ©ranb- 
fc^a^ung, njelc^e ^J)tünct)en an bic ^Scljroeben entrichtete, ijt 
gefagt: 3Jian ^abe baö ^Aeuperfte gett^an, um bie fd^roebifcbe 
6^an)bbiS, bas ^eij^t, il)re unerfdttlicbe ^abgier t>olljufuttem. 

ilB «albe in f^)dtercn 3al)ren (1661) aßiUcnS mx, 
biefe iRebe ju ijeroffcntlict^en, t>erfagte bie OrbenScenfur ^iefür 
bie ©ene^migung, ba man einerfeits bie jur Äirc^e guructge= 
lehrte ß^riftina t)on vicl>n)cbcn , (^u)tat) 2tbol))l)S Xod)ter, 
anbrerfeitä mehrere inberjHebe fcbtuer bcf c^ulbigte Oteid^Sftdbte 
(tt)ol)l 9liirnberg nnb 'ilugsburg ) ju bcleibigen fürchtete. ^ 

3m barauffolgenben sSommcr bereitete fid) ^JÄund^eu Dor, 
bie neue ©ema^lin beä (J^urfürften, Waria 5lnna j)on Oefter^ 
reid^, feftlid^ gu empfangen. Seine erftc (v^emal^lin^ Glifabet^ 
t)on Sotl^vingen, n)ar gu Oians^ofen an ber -^^eft geftorben. 
3)ie mannigfacben, gldngcnben 5lnftalten gum (i^inguge ber 
ÜReuijermdl^lten, bie froren (5rn)artungcn, bie fid) angefic^ts 
ber günftigen äiJenbung in Oefterreic^ä nnb 35at>ernS ©efd^icf 
(^rbeigefül^rt burc^ bcn v£ieg bei ^3f orblingen, 27. 2lug. 1634), 
an baä beöorfte^nbe ^eilager fnüvften, machten neues ßeben 
burc^ bieSlbern ber ijerobeten ®tabt ftromen^ 5)aS ^^fuiten- 
g^mnafium brachte ein grofeeS iV^Wl^i^l „^Jiabud^obonofor" 
t)on 9lnbreaS 33runner mit (Entfaltung eines blenbenben 
^om^jeS auf offenem ^^iJla^e gur 5luffü^rung unb ^acobuS 
SBalbe njurbe beauftragt, im 5iamen beS Kollegiums gu '3Kün^en 
bem c^urfürftlic^en ^^JJaarc einen ^rautgefang gu njei^en. Qx 
f(j^rieb fein „fö^jitl^alamion",^ eine ^rad^tDoße ©id^tung, bie 

* ©a^erifd^eä SReid^arci^tö a. a. O. Offendet, fagt ein ©cnfor, 
si lucem viderit, Sueciam totam, Christianam, Gustavi Suecorum regis 
strenue ezagitati superstitem filiam, ürbes Imperiales, iortunae suecicae 
faventes. 

2 Opp. 0. Tom. ni. pag. 284. 



- 63 - 

nur bcbaucrn Idfet, ba^ bcm ®6ttcrolt)m)) ein f o breiter ©Spiel- 
raum geöffnet ift. @in farbenüp^igeö 33itb beä bamalä be^ 
rül^mten ^ofgartenö ju 3Künc^en unb feiner 2lrcaben mit 
Den §crculeg9ru^)^en entroßt fid) jucrft oor unä ; bann fe^en 
tt)ir 93ai)aria mit il^rem tonjenbef^annten SEBagen gen 32ßien 
fahren, n)o fie für ibren ^erjog um bie §anb ber Äaifertoc^ter 
tt)irbt, mit berebtem ©tolge 3Jta)cimiUanä ®aben unb (Srfolge, 
feine Siege unb aSerbienfte um baö Oleicf) fc^itbemb, unb ber 
Äaifer tt>illfa^rt bem SBunfc^e ber ® ottin. Äaum ift bie 
frol^e Äunbe nacb 3Rün^en gelangt, fo bereitet ^^obus alleä 
jum feierlichen ©injuge. ©in langer ^rolog leitet 35runner'§ 
oramatifcl}eö ^eftf^jiel ein unb jum ®ct)luffe, unmittelbar oor 
ber Slnfunft beä 33raut^)aarä, l^dlt ^^l^obuä noc^ mit bem ganjen 
(Sl^ore ber ©otter eine fel)r luftige ^^robe über bie a3egrü§ung§= 
oerfe, bei njelc^r er ob il^reö Ungefd^irfeg nic^t mit il^nen 
gured)t fommt, fonbern jule^t nur mit ben neun ^Wufen ben 
2öillfomm gu f^jred^en befc^lie^t. 

Cbn)o^l ba§ (gebiegt urf^jriinglid) anont)m erfc^ienen 
xoQiX, blieb boc^ fein aSerfaffer nic^t unbefannt, am tt>enigften 
in ben Kollegien ber 3^f^iten, beren manct)e fic^ fortan glüct= 
lid^ fc^d^ten, bei feierlichen 3lnld|en ben ^ater 35albe gum 
Sollmetfd^ il^rer 2Bünfc^e ju genjinnen. ®o n)ar eä in 9tegenä= 
bürg ju (Snbe beö^^l^reg 1636. 2)cr ijerfammelte üieic^Stag 
^atte auf beä ^jolnifc^en ©efanbten Offolinöft) nad^brurffame Siebe 
ben ©o^nbeäregierenbenÄaifcrä, gerbinanblll., . jum rSmifc^en 
Äönige ernjd^lt, am 22. ©ejember 1636 ; ein frol^eS ©reigni^ 
Don genjaltiger Jiragtoeitc in fo büfterer, unl^eilijoßer 3cit, ein 
ereigni^, baä ben 33eftanb beä beutfc^en Sleic^eö auf'ö neue 
fieberte, toaö granfreic^ä treulofe ^oliti! Dergeblid^ ju bereitein 
gefud^t l^atte. 3)aä ßoHegium ju SHegenäburg n)ottte unter 
ben erften fein, bie bem neugen)d^lten Äaifer il^re §ulbigung 
barbrad^ten, aßein bie Sitte ber ^t\i erf orberte eine geftfd^rift, 
bie für biefeämal nid^t getoo^nlid^er 2lrt fein burfte. 3Jlan 
toanbte fid^ alfo nad^ Sf^fl^lft^W an ben ftctä gerüfteten ^ro= 



— 64 — 

fcffor bcr SRl^ctorit, unb ficl^', fcfion nad^ ein paax 2:agctt 
fc^tDamm ein fcucrj^jrül^cttber ^ancgt)rifu9i J)on 9 Seiten in 
Quarto, fc^on gebrucft, bie !j)onau l^innnter, ate ttjurbige^ 
Slngebinbe für ben erl^abenen ^^crrfd^er. J)od^ follte bieje 
Sobrebc nur ben äJcbürfniffen be§ Slugenblicfg genügen, benn 
im ndc^ften ^ai)xt ernjeiterte [ie ber J)ic()ter gu einem grö^ren 
3Bei^ege)c^enf mit ber 2luffcf)rift : „(S^xtnkm)fit\, tjon ben 9iomem 
erbaut, üou ber Sugenb gerbin anbö III. eröffnet. ^ Sobalb ber neue 
Äaifer t)onben6l)urfürftenjuiRegenöburgcrn)d]^ltift, entfcfynjebt 
ber (S^eniuö beä r6mifcf)en ^Heid^eä an ben SRl^einftrom , an 
beffen Ufern ©ermania n)eilt, um il^re tiefen Söunben ju 
l^eilen. 3^^^l^^ t^erfünbet er i^r bie tjoUjogene 2Ba^l unb 
il^r 8eib t^ergcffenb ergebt )ic(> bie tiefgebeugte ju freubiger 
i^eftfeier. Stlebatb befteigen fie, umrauf*t t)on lichtem @e= 
folge, ein 2lblergef^)ann , bas fie im Jluge nac^ JHom tragt, 
n)o ber lem^jet bes Otul^me^ ber SRajeftat g-erbinanbä III. 
fic^ offnen joU. ^Seine ^-Pforten t^un fid^ auf unb nac^bem 
bie ^immlifc^en eingebogen, treten 63 Jünglinge l^ertjor, bie 
in ebenfot)iel 2tro^l)en t)on tjerf cbiebenem , ftetä roac^fenbem 
aSeräma^e bie Äennjeid^en be^ n)a]^reu Otul)megi aufjdl^len, 
njorauf ber (Meniugbes3^eicf)eä biefe alle einzeln an ben Äaifem 
beg ^aufeö ^^aböburg unb inöbefonbere an ^^erbinanb III. 
nac^n)eift. 

J)a§ SBer! ift d^nlid^ tt>ie „?Waj:imilian I. t)on Oefter= 
reid^" abn)ecf)felnb in $rofa unb in J^erfen gef daneben unb 
entl^dtt mand)e überrafc^enbc Sc^önl^eiten ; ber gange Xemipel-- 
bau im ®ro|en ift aber für unfern l^eutigen ©efc^matf tjer^ 
altet unb ld§t ob feiner überrcidben aSerjierungcn einen er= 
mübenben einbrudf jurüd. 

hieben biefen offijieKen 2lrbciten, ti^eld^e, fo fetjr fie mit 
ber innerften 9ieigung beä 3)id^terg guf ammenftimmten , boc^ 
bcr freien 35eti)egung feineg ©eiftes manche geffel anlegten, 

1 Opp. 00. Tom. VIII. pag. 437. 



- 65 — 

blieb il^m noct) ^di genug, in ben SBilbniffen beg ^^arnaffeä 
feinen eigenen SBeg ju gelten unb allid^rlid^ ber erftaunten 
8ejett)elt tt)ieber neue, gang eigenartige SBerfe gu bieten. ©ineS 
feiner merftpürbigften ©rjeugniffe ift baö Webidbt Don ber 
(Sitelleit ber 3BeIt, poema de vanilate mundi, au^ bem ;^a^re 
1636.* ?)ie großen 2Bed)fetfdKe beö (£d)i(ffate, t)on beuen 
er tnnerl^alb njeniger ^Cii)xt ^cu^e gen)efen, Ratten i^m bie 
9lic^tigfeit aUe§ irbifc!^en (^laujeg fo übern)dltigenb gegeigt, 
ba^ e^ i^n brdngte, in baö leibenf(^aftlicl)e, bet^orte treiben 
feiner ^di ein ^ro:p]^etifc^e^ 'iJJJal^nnjort ^ineingurufen. 

2ln ber ^anb ber (^efd)ic^te fül^rt er unö t)orbei an ben 
SRuinen all beö (^ro^en, n)a^ 2)lenfc^eugeift unb ?Oienfc^en= 
traft feit 3^^^taufenben gefc^affen, an iroja unb ©ried^en- 
lanb, an 3ftom unb 33t)gang unb aud^ an feinem 3^italtcr, 
um gule^t, nad^bem ti^ir jebeä 23ilb erbleichen gefe^n, unfern 
enttdufc^ten iBlidf nad^ oben gu len!en, gum ^^^iebenöreic^e, 
tt)o bie en)ige, altein bege^rensttjertl^e ^ä)bxif)di iljxont Sinnig 
unb ergreifenb ift in ber erften Stroipl^e ba§ 2;rauergeldute 
ber aJiünd^ener ^^fuitenfirc^e nai^geal^mt, baö feit bem großen 
Sterben unöerge^lid^ im Ol)re be§ SJid^terö fortflingen 
mochte : 

Fuere Troes, Ilium, 
Tros, llion fuere. 

S)aä ©ebic^t enthielt in feiner erften (^cftalt l^unbert 
lateinifc^e unb eben fo mele beutfdje jambifc^e ®tro^)l)en , njelc^' 
le^tere aber njie ein dffenbeö (Sd^o^ in einem launigen, oft 



* Opp. 0. Tom'. VIL pag, 1. squ. 

2 3. 93. «fh, 64: Dat coUa Ions nauticis 

Torquatus ante miles. 
In Insulam detrüditur 
Dictator e Curuli. 
Fixa sub hasta veneunt 
Et Persicae tiarae. 

Scfkcrmav'er, 3atobtt9 Salbe. 



~ 66 — 

^5offcn^aftcn Jone v3e^alteu fiub unb burd^ il^r ungefüge^ 
J)cutfcl) bcn lonüfchcu 6-iubvuct er^ol^cn. Später crtt)citcrte 
©albc feine ric^tuiuj um mel^r alö baä 5)o^):peIte, inbem er 
bcn ^^cbanfcn {ebcr einzelnen Stro^jl^e in ijerfc^iebenen aSerä- 
maapen (burc^ 2)i|tid>en, §enbef aft)Uakn unb ©fajonten) um- 
fd^rieb. 3ecf)9facb, fcigt .'perbcr, wirb jebe Stvopl^e bem 
menfc^licl)en @emütt)e jugctönt; wer fic nidji in einer Söeifc 
t)erne^men !ann, faff e fie in einer anberen. * %n biefen ^^ara^ 
^jl^rafen nun ift ber wunber)am|te §umor, wie er nur einem 
beutfc^en (^^eniütl)e eigen ift, in UeberfüHe t)erfcl)Wenbet. 3Ke 
aBollenf(i)atten unb s5onnenfc()ein im-ätpril jagen 3öi^e unb 
£]^rdnen einanber ab, fo baß man über bem raufc^enben, 
buntbewegten fiebeu auf bie fpielenbe 23e^anblung ber fc^wierig- 
ften iRi)t^nien ganj tjergi^t. ^eiuäöunber, wenn berSfajon 

(u_w_u_u_w ), bem ber^^oet bie anftrengenbfte 9loIIe 

auf feiner ®(^aubül^ne jugetl^eüt ^at, am Sci^lu^ beä @e= 
bic^teä gur regungölofen Statue einfc^runtpft. 

Um bie älbfic^t bes ©ic^terö bei biefcm ^er!c gauj ju 
begreifen , mu| man in ^etradbt giel^en , wag er f elbft in einer 
feiner SSorreben l)ierüber f agt : ©rufte SSa^r^eiten, in emftcr 
gorm vorgetragen, tjerfc^md^t unfere ^dt 3)errittifct)e, cati- 
Unarifd^e, ))I)ili^)))inif(i}e hieben ertragt fie ni(i)t — ba wütl^et, 
flammt unb groUt fie. oie wilt getdufc^t fein burc^ gefällige 



Inscripta frons fert Literam, 
Quae fasciam ferebat. 

(Seftcrn ift (Sun^ gum ©cepter glocft, 
Tlu^ l^eut ben Äolben tragen, 
^eut ©d;ultl^ei§, ajlorgen ^cttclöogt 
3n feinen alten 2:agen. 

moi^ dit'x^, noc^ (5ron l^altg ©lud lang fc^on, 
SOBirbt balb ab jl^u berbroffen. 
©er $err »irbt Äned^t, ber ^bel fc^Iec^t; 
©a§ fe^nb mir fel^am ©offen. 
Xer^ftc^ore (Slu^g. Stuttgart, 1853.) ®. 209. 



- 67 - 

gormcii in Sencl^meu unb ^tcbcj Unb n)irflic^ lic^ fic fic^ 
täufcbeu. ©aö (^cbid)! J)ou bcr ©itelteit bcrSBelt fanb tto^ 
jcittc^ letbigcu Xj^emas uugcn)6^ulic^eu 3?cifaU, tDOüon bic 
fünfgel^tt ^iluflagcn, bic cö erlebte, l^inldiujlid) B^^Ö^^ife 9^l>^^- 
2)er nieberldnbijc^e ©ele^rtc ^a^pax 23arlduö fc^ricb 1645 
au§ 5tmftcrbam an äiatbc: ,/3iic^tö ift nnfter6Iicf)cr aU bcine 
(Sefange tjon ber eitetteit bcr aSctt. J)n [djitberft fic fo, 
Da^ bu bicßitclfeit t)crctt)iflt gn l^abcnfc^cinft."^ Unb^erber 
fagt t)on bemfclben (^ebicf)t: „6ö ift bic Summe bcr @r= 
fa^rungcn unb *ctra(l)tungen feincä fieknä, t)oU ^^Joefic, 
in einem fcl^r abtDCC^fclnbcn SÖöo^lftang.^ 

S Pag Ic^tc gScrf, bag iBalbc in ^ngolftabt fc^rieb, ei ne 
XraAobie, „bic Xod)ter ^e:pbtc'g^^ bilbete einen aldn;icnbcn 
Sc^Iufe feiner bortigen ilBirf f amf eit« g)icf clbe n?urbe im Joerbft e 
1637 t)or einer c^rofeen, bcn)nnbernbcn g?oIfgmenae burcb bie 
e ricfenftcn ^^unglinge aufgcfubrt/ g)ag ^erf. im _5tBt . fec^ 
v Sencca t?erfa^t nnb mit gen?altigen Sporen auggeftattet , i ft 
ungemein finnt)oll angelegt, ^cr j^elb 5^ ct>bte battc t?or be r 
v Sdblacfet gelobt, tmlrbe ibm ber Sieg an Sbeit^ fo folle^ to ag 
immer ibm ;^uerft aug feinem 6anfe entgegenf omme , bem 
jgerrn Aum a3ranbo^?f er gen^eibt fein. £ia be g e gnet i^m juerft 
feine £o(Jbtcr unb mnf{ für ben©ieg beg augern)dbl ten 33olfe^^ 
;^u m 0:pfer faKen. S)iefe Socbtcr^ n^eldbe ftirbt für ibr )8ol t 
xoixb aU aSorbilb beg @rl6ferg aufgefafit u nb beipt ba rum 
TOcnuIema, ein Jlnagramm aug 6manu eL Sic n )i rb geliebt 



* Opp. 0. Tom. IV. pag. 13. 

' Barlaei epistolarum lib. II. pag. 936. 
3 Jerpftc^orc ©. 305. 

♦ Lyr. I. 33. Cf. Opp. oo. Tom. VII. pag. 197 et 198. ©al^rs 
fc^cinlid^ gegen (gnbe October, »eil ©albc f«^ glcid^aeitig in 5(Jlünc^en 
öerf^Stetc. $)a2 (SinfluWrcn unb in ©cenc ©eften be2 ©tüde« befd^Sfs 
tigte ben S)i(^tcr fd^on bic gerlen ^inburd^ fo fc^r, ba^ er für bie jä^r^ 
liefen ererdtien, bie fonjl injmifd^en gel^alten »urbcn, feine 3cit fanb, 
fonbem fie in SO^ünc^en t>oxa lö. 9loi>ember an nac^l^olte. 

5* 



- 68 — 

pon eine m aat>^ti{iteu isungünge. ^mbanaffo, toelcfecr SRame 
aleid>fatlg anaarammatifd) entftanben ift au^ -JB&araottiff a. 
f\n ilbrer Aegeufcitigen Siebe ift atfo dbntid) me im 6o kn 
Sieb e bie Siebe (Sbrifti ^ur ^ircfee ber ,JDeiben t)orAebi Ibet. 
gladb ber ftrengen ^uglegung jener gteü e, ,,unb er tl^at il^r, 
xoit er gelobt ^atte", i nufe ^]?tenutema t)on ber ^a ub il^reä 
a Saterg ben £ob c rbulben^ bocb ffl^ rt ber g)ic^ter, ben Sitten 
folgenb, b ie blutige X ijat ben i^ufc()auern nic^t t>ox , fonbern 
I dfet fie burd) einen ^oten atg gefcbeben be ricfeteu. J)er 
innere Sonftift beg Jbelben .;^tr>ifc^en ^^eigung unb ^ft icbt 
ber fct)on in ber äBabt beg Stoffe^ fo tief begrün bet ift, tritt 
mit erfdbutternber ^Dfad )t t} Cx\>ox unb n?iirbe noc^ m ächtiger 
wirfen^ jrenn er nid)t nacfe ber breite n Stniage be^ ganAea 
?^*^^ ju [eljr augge|>onne n n)are, g)ie Ceconom ie ber 
£rago bie legt 33atbe finnig unb fcbcn feinem ^l-reunbe 93runncr 
bar in ber 80. Obe beg I. ^ud^eg ber im ca. 

Um t)on ber großartigen Slußftattung beifelben einen 
Segriff ju geben, fei nur einiget ertt)d]^nt. g?or b em ent- 
fcbeibenben gB ieberfel^en ^V^>]^te'g unb feiner ^oc^ter mufe te 
bi e (grti^artung ber 3^f<^^^g^ moglidbft gefteigert toe rben. 
S )ieg n?urbe ba burd) bemrft, bafe ein e SSiertelftunbe t)orau§ 
b ie sSiegegfanfaren beg beimfebrenbcn ^e ereg erftan^en^ j^gtf^_ 
g ebdm^ft mit (eifern ^MeberbaH. a lg tonten fic fern au§ bc= 
tDatbeten (£d)lucbten^ bann immer _ ftdrfer unb ftdr fer, bi§ 
ejtblicb ber §elb t)ou_ber einen unb fein ^inb t?on ber a nbem 
Seite jur fd)me r5(id)fteu '3 3egegnung n agten. ^ 

^n ber teilten eigveifeuben vScenc tritt bie t^))ifc^e iße- 
beutung ber ©eopfevten, bie fd)on i^r ^Äbfd)ieb x>on ben ©c- 
f:pielinen a^ncn ließ, in immer flarerem 8id)te l^ertjor. ?iad^« 
bem a n ^?enulema'g ®r ab bie ^reunbinen Heine 35ermdd^t- 
niffe unter fid) getl^eilt l^aben^ einen ^eld^, ein u ngendl&teg 
Äleib^ ein @cbti)ei6tucb , eine glofenfrone u nb anb ereg, ttjag 



* Opp. 00. Tom. VI. pag. 28. 



— (59 — 

an ben g:ob bcg griefcrg erinnert, n^eifct ber gdbliift^or auf 
bgg feerrltd^e ®rab begienigen bin, ber in bcr (S^eo^ferten jj.pv' 
ftetitbet ift> f^n^ti^ifcfeen fd)n?ebt in ferner ®Iorie ber erftan ^ 
bene 6gil<^tib aug feiner ©ruft emipor. ^ 

S3ei bem bebeutenben Umfange ber £ra^6bie mag i6re 
%ufffl{)rnna n)obI Aber einen halben Xaa in 2lnf^)rud() g cs 
n^ommen l^abcn/ n>ag bei ben Muitenbramen eben fein e 
'eltenbeit tvar. gin Xrauerf^jiel 3^^^^ 35ibermann*ä , baS 
1638 in SJtüncfcen gegeben n)urbe unb t)on bem fogleid^ bie 
SRebe fein tt)trb, bauerte üon 3Äittag big in bie Slacbt üoße 
fieben etunben, fo bafe bie legten (Ecenen beim (Sd)einc 
ber garfein gef^jielt werben mußten. 9lucb bie £c^Infefcene 
ber _ ^e^) ]^tiag f^eint für eine ndd)tlic^e 83eleuct)tunc^ berechnet 
aen?efen m fein, 

3n ber furzen 33iogra^)^ie beg2)ici^terg, bie feinen fammt^ 
ticken aSerfen t)orauggefd^idt i[t, tr>irb norf) ein anbcreg jErauer^ * 
f^iel tfon x^m erwdl^nt, betitelt „Calvbita- ^ unb gleichzeitig 
bebauert, bafi baffe lbe t)on biebiftben jr^d nben ber ?lat^n)elt 
e ntriffen n?orben fei, inb em ej. bei Jeiner ?tuffü^run^ 3U 
g Kfluc^en fieben gtunbeu getDdbrt u nb bem '^ublifum bct^ 
i mmer fteic^enber Xbeilnabm e vStrome j?pn'£^rdnen entlorft ^qbe. 
^iefe 3Witt^eilung berul)t, fon>o^l \m^ ben 5tutor, alg njaä 
bas €ct)irffal bes (Etürfeg betrifft, auf einem ^^rtl^um. 3lller= 
bingg n)urbe am 5. Cct. 1638 ein gcl)auf^)iel Joannes Ca- 
lybita ju SJJünc^en gegeben, ^ auf n)el(i)eg bag oben ©efagte 
feine 5tntt)enbung finbet, aber biefeg Sc^auf^jiel ^at nic^t 
aSalbe, fonbern ^acob ©ibermann aug ei^ingen^ gum aSer^ 
faffer, ber bamalg als 9lffiftent am (Kollegium gu Otom öer^ 
weilte; eben fo wenig ift cg i)erloren gegangen, fonbern 



* Ibidem. 

' $)affelbe wiirbc gum erjlcnmale aufgcfüt)rt gu $)illin(\cn im ^(if)xt 
1618. Emil Weller in 9f^aumann*0 Serapeum, Sal^rö- 1864. <B. 208. 

3 ©ibetmann, einer ber beflcn neulateinifd^en Siebter, leiflcte im 



— 70 — 

pnbct p* in ^acoi a3ibcrmann*g bramatifd>cm 3lac6laB, ber 
gu 2)?ünrf)cn J)crcffcutü*t njurbc' 



^0«, im ©pigtamm unb in ber §croibc 93ebeutenbeg. ^cn gtS^tcn 
S'lul^m aber ertoarben i^m feine ©ramen, bie er gu üJlünd^en unb ©iHingcn 
gur Sluffü^mnö braAte. ©ie ftub ettuag flüd^tig gearbeitet unb nid^t für 
ben $)ru(f bered»net, tjerratl^en aber grofe 53ü^nenfenntni6 unb macfeten 
unglaublichen ßinbvucf. 93efonber2 merfiüürbig ift fein ßenoborug ober 
ber 5)octor ton $arig, eine Gomöbie; bie ebenfoöiel ©elSc^ter alg Seinen 
^ercorrief, unb fclbfl ijielfad^e 93efel^rungen t^eranla^te. <5ie umrbe cje; 
geben ju SD'^ünd^en im S^^re 1609. Seraptum 1864. pag, 192. 93ibcr; 
mann lehrte 1606—1616 gu3nünc^enjR^etorif, 1617-1624 ju ^Dittingcn 
£]^oIoy\ie unb mürbe fobann nat^ jRcm berufen/ »ofelbfl er im ^af^xt 
1639 ftarb. 

* Opera comica posthuma. P. II. pajr. 187. 



IV. £e^ramt ttitb iQdfpröMcatitr tu M^niftn. 

(Siegen (Subc Cctobcr bc§ 3al^rc§ 1637 tt>urbc 33albc 
ate ^rofcffor ber Stl^etorif an bag @t)mna[ium naä) Wtünd^tn 
berufen/ @g mup auf ben erftenaSücf auffallen, ba§ er öon 
einer fo einflußreichen unb gldnjenben Stellung, tt)ie er fie 
an ber §ocf)fc^ule ^ugolftabt'ö einnal^m, nun ^lö^lid^ in eine 
gerfngere S^jljdre jurürfijerfe^jt tt)urbe, auf eine Stufe, bie 
er bereite üor 10 Salären inne ge^bt. ©on^eit xoxx inbe| 
bie Urfacben biefer 3?erdnberung bei bem ^Wangel birecter 3luf= 
fcblAffe auö einjelnen Einbeulungen ju erforfc^en t)ermogen, 
tt?aren biefelben für Salbe i)id)}i ebrenüoU. 5tßem 2lnf(j^einc 
nacb würbe feine SSerfe^ung i)erfügt auf ben aShinfd^ beS 
^erjogö Sllbert^s VI., Srubcrä beä regierenben ß^urfurften. 
£)iefer funftfinnige, l^odbgebilbete gürft ttjoßte feinem Seltne 
Sllbert Sigiömunb, ber tbm in bie jRl^etorif übertrat, @elcgen= 
^eit tjerf d^affen, in biefem 3^^i9^ ^^i^ Unterricht beä trefflid;ften 
befannten Se^rerö, beg ^ater 35albe, ju genießen. Mein 
ate 30Bitttt>er mit gefteigerter Siebe an feinen ®ol)nen Ijangenb, 
n^oßte er ben jjüngften nid^t t)on fid^ n)eg nad^ Sngolftabt 
giel^en laffen, .^onbern ben)irfte burc^ feinen mdi^tigen (Sinflu^, 



^ Diariam Gymn. Monac. 

Ad ann. 1638. octob: P. Jac. Bälde, Professor Rhetoricae. 

Ad diem 23. octob: Loco Rhetoris, qui necdum Ingolstadio ve- 
nerat, docoit M. Christophorus Hugcll. 

Ad diem 25. ejusd: Coepit concionari in aula (GymDasii) P. Ja- 
cobus Bälde, Professor Rhetorices. 



— 72 — 

ba^ ber ^^rof eff ot bcr9tI)ctorif t?ou bcr§ocf)fc^ute nac^SJlünd^en 
berufen rvurbe. 93albc unirbe bem ^^^riujen Gilbert SigiSmunb 
mtt)x afö 8el)rer, er war U)m ^Ofeutor, t)dterUc^er greuub. 
(Sinmal tvibiftete er if)m eine Heine, ganj tel^rl^afte Obe 
„Wan müpe au* auf baä Äleiufte 3ldbt ^aben^", bie n)\i^r= 
f(i)einlid) irgenb eine notI}ir>enbige ^Rüge ^joetifcf) milberte. 
Unb <xU int ^2t^ril be^ ^al^reä 1639 fein 35gting jum 
Soabfutor beg 23ifd)of§ üon i^^eifing em^di^lt mirbe, brad^tc 
er ii)m tineber in einer Cbe, unb gn^ar im t?ertrauteften 2;onc, 
feine ©lütfumnfc^e unb ^Jta^nungen bar. 9Son ber er= 
njctl^nten Obe, überfcbrieben : „ßob beö^irtenlebenö"- urt^eilt 
§erber: ,,6'inem geiftlicfjen gürften in biefem 3Balb^ unb 
^irtenlanbc (33at^ern) f onnte ijtan bie ^^flicbten feineö ?Imteä 
fc^n)erli(i) ernfter unb fd^oner fagen." 

23albe l^atte bie greube, ben ^^rinjen, nad^bem er ba- 
maliger (Sitte gemd^ gn)ei ^cii)xt ber 9{l)etorif obgelegen, am 
©d^Iuffe beg ®d)utjal^reö 1639 mit bem 'greife auä ber 23c= 
rebfamfeit auggejeid^net gu feigen. T^er junge §erjog, er= 
ttjdl^Iter 9tac!^folger eineg beutfd[}en |5urf^t)ifd)ofö, i)\di eö nic^t 
unter feiner SBürbe, aug ben 9iei^en ber vStubirenben t^orju^ 
treten unb fein ^reiöbuc^ in ©m^jfang ju nel^menj 3lber 
aud^ fein SSBirfen in f:pdteren 3^^^^^^/ ^^ ^^ bereits ben 
§irtenftab übernommen l^atte,* gereid^te bem Seigrer gu ^ol^er 
©enugtl^uung. S)aS Slnbenfen Gilbert ©igiSmunbS ift im 
S3t§tt)um ^reifing ein gefegnetcS; benn er t^ar ein 23ater 
feiner Untergebenen, ein^einb beS3Jfüffiggangö, ein ^^ß^^t^crer 
ber f d^onen Äünfte unb SBiffenfd^aftejt. ®^)dter tvurbe er aud^ 
nod^ Sifd^of üon ^legenSburg unb ftarb ben 5. %pxH 1685. 

* LyrTlV. 6. 

* Lyr. III. 45. 

' Diarium Gymn. Mod. 

Ad. ann. 1639. 11. Octob: praemio donatus inter et ante Rhe- 
tores ex eloquentiae studio Sereniss. Princeps Albertus Sigismundus. 

* S)ic wirflid^c Uebcrnal^mc be^fclben erfolgte erfl im Saläre 1652. 



— 73 — 

55ag ©^mnafium ^u TOünd^en unb bcfonberä ber 
rl^ctorifd^c 6urä cm^jfanb bic 3lnlunft bcä neuen ycl^rerg x^t 
ttjol^lt^dtig. ©in frijd^er TOorgenl^au* ging burc^ bie bumpfen 
®cf>ul[tuben unb batb fang unb Hang e§ im f)eiügen 5Hufen= 
^ain n)ieber t)on alten 3^ci9^^^- ®i^ Meiner 3ug auö biefem 
rül^rigen geben, baö'^ater ^albe in ?Oiünd)cn ^ert)orrief, ift 
un§ aufbebten. 3(m gefte beä ^l. ©tc^jl^anua 1637 na(^ 
ber 3Se)^?er mu^te ein Oil^etor \>ox beni tjevfammejten (Kollegium 
einen 3?ortrag Italien. Der junge, polnifi^e dliikx S^^cinn 
Slubrea^ £cnief^)olöh> war l^iefür anöerfeljen. 35iefer erliep 
nun einen feurigen 5tufruf juni Äriegc gegen bie türten 
(aud) ein IHebUngöt^ema unfereä Didjter^!) jum ^xt^tdt ber 
iöiebergen)innung ber ©rotte »on 33et^tel^em, unt) bei ben 
Äraftftellen ber^tebe fielen ^^au!en unb Irom^jeten fc^metternb 
ein.* eine eble, aber Ijoffnungölofe sielbfttdufcbung ! 5)ie 
6]^riftenl)eere , bie fold^eä ju t)0Übringen tjermocbt Ratten, 
ftanben fii^ auf beutfd)em 33oben blutbürftig gegenüber, n)d]^rcnb 
ber Sultan im Often einen ^ort^eil um ben anbern errang 
unb 27 ^a^xt ujdl^rte e§ noc^, bi^ bie tatl)olifd}en aWdd)te ju 
einem gemeinfamen 9?orge^en gegen ben .^albmonb fid^ er= 
mannten. 

©rft im ^a^xc 1664 war ben tobeömutl^igen , freujjug= 
prebigenbien s2d)ülern 33albe'ö ®elegcnf)eit geboten, unter 
3Kontecuccoli'Q Jü^rung gegen bie dürfen ju fdm^jfen, n)obei 
e§ freilid) nur bie ^ilbti^e^r eines übermdd)tigen J^einbeö unb 
nid^t bie Eroberung beö ^l. i?anbeS galt. 

fieiber war bie SBirffamfeit 23albe'ö am (M^mnafium ju 
^ünc^en biefesmal t?on fe^r furger Trauer, ©in ernfteö 



* Diarium Gymn, Monac. 

Ad ann. 1637, 26. decemb: Post vesperas declamatio Rhetoris 
etPoctae. declamavit porro et bellum Turcis inferendum pro re- 
petenda spelonca Bethlehemitica. probavit intersonantibus tubis ac 
tympanis Illustriss. D.D. Joanne» Andreas ä Koniecpolc Koniecpolsky 
eques Polonus Rhetor. 



— 74 — 

©Tcignife, baS gartj; uncm^artct in^njifd^ctt trat, berief tl^u auf 
einen anbem ^^^oftcn t)on ^ol^er 2öi*tigfeit, nad^bem er feinen 
r]^etorifcf)en 6urä erft t)iertf)alb 2l?onate geleitet l^atte. SBeld^* 
treffüdjen C»>runb er übrigens in biefer fnrjen ^tit in feinen 
Scf)ülern gelegt t)atte, baö ben^eift ^intdngücb ber ©rfolg beöfc^on 
erwähnten J^rama'e, Joannes Calybita, njetc^eö biefelben am 
Scblu^ beö Sc^nlia^rcS gur ^Infffl^ning brad)ten. eeit ßenobo- 
ruS, ber T'octeri^on '^^arie, 1609 übet bieSSrctter ging (ein 
Sdbanf:picl, bas gleicbfaÜS ben bül)ncnhinbigcn iöibemtann 
jnm aSerfaffer l)attc), wax im (SoUcginm jn 'iöJünc^en ein 
folcbcr bramatifd^er irinm^jl) nidu gefeiert n)orbenj 

(?^ä bürfte i)cn ^tttercffe fein, ansi gleid^^eitigen 23eric^ten 
über bic 9lnp^mng biefesvStürfeö^Jaljcveö ^u evfal^ren. 3Baä 
gundcbft feinen Stoff betrifft, fo ift berfclbe naije t)em)anbt 
mit ber (^efd)id)te bes 1^1. 3Ue)Linö, ben bieÄird)e am 17. ^^li 
feiert. 3^^^^^^^^ (5ah)bita, bev geliebte So^n t^ornel^mer 
eitern, fa^t ben entfd)In^, bie äl^ett jn tjertaffen unb ein- 
fiebler gn ti^erben. i)iad)bem er eine jeitlang im ©ebirge fid^ 
aufgel)atten, ot)ne ba^ feine troftlofcn (Jltern iu>n it)m Ännbe 
erl^alten fonnten, feiert er nnerfannt in ^Serfleibnng in'§ 
iBaterl^anö jurütf, wo er fid) einen bnntten äiUnfel alä 3^- 
flnc^täftdtte erbittet, ©ein inftdnbigeö gletjen finbet ©ewd^P 
ung; aber ben ^nwobnern balb jnm Ueberbrnp mü§ er x>on 
J^errfd)aft nnb (^»^cfinbe §drte nnb Apot^n in %üUt ertragen. 
3n fnrjem erliegt er bem felbftgewd^lten eienb. 3?or feinem 
enbe ruft er nod^ bie ©ebieterin beö ^aufeä an fein Sager, 
gibt fid) xi)x gu erfennen, unb l)auc^t in il^ren 2lnnen ben 
©eift auä. 

2)aö ©tütf erforberte gro^e SSorbereitungen. ^n ber 
©tubienaula, einem ©aale, ber 1000 3Äenf(J^en fa^te, würbe 



» SBctöIeid^c b. SBcrf. Sluffa^ »bo^ 3^uitcnbrama in anünd^cn gut 
3cit ÜÄarimiliang L," im ^ßajioralblatt für bie (5rjb. anünd^cn-grciftne. 
Sa^rö. 1864. @. 121. 



— 75 — 

baä l:i^cater aufgeft^Iagcn, an bcn T^^^ft^tn bcr Strafe iju; 
bcr tdgüc^c ©ottcöbicnft fiir bic Schüler iDurbc tngtt)if(*en in 
bcr ?0licf)aclsfir*c gehalten.' 

5lm 5. Cctober 4638 mit bem beginne bcr ^crbftfcricn 
fanb bic crftc 9(nffiif}ning ftatt, eine 5lrt ,^au^)t^)robe , bei 
tt>clc^cv nur bic Tnitcr bcö 6oÜcginm§ unb bic ^tubircnbcn 
antDcfenb waren. Die jn^cite 2lnffü^ning ging am 7. bc§= 
fetben 5i)tonatö i>ür fi*. (ck begann um 12 Übt 3Kittagö 
unb cnbete um 7 Ul)v ^Äbcnbö. il\on fürftlicbcn *»|?crfoncn 
tDar nur bic ,V:>cr3ügiu i>on tiotbringen jugegen, bic t)on bcr 
^Jfufiftribiinc ane üufal), aber befto ^aljlrcicbcr Ijattc fic^ bic 
lonftigc t)ornel)nu* uub gelcl)rte ibMi bcr ^au^jtftabt cingc= 
fnnben, baö bernl)mte J)rama beö cinftigen a)iüncl>cucr ^43ro= 
fcffors 5U fcl}eu, uidU ^u rebcu dou beu ^ugcftromtcn SPoKä= 
^ufen, bereu 3lnbrang öou mer abgeorbneten (^cridbtöbicncrn 
faum bctDdltigt iverbeu tonnte. J)ie c^urfnrftfid^c ^offa^)clIc - 
begann i^r i^ürf^)iel uub bic ^Bogen bcr Uugcbulb wiegten 
ficb allmd^Iig ein ju einer feicrUd^cu, laufdugcn vStille, bic 
öon bcr fortf(l)reiteubeu ^anblnng ^auber^aft gcfeffelt, bcn 
langen 9iacf)mittag ungcftort anbauerte, big beim v^c^Iuffc 
aÖcö in Xljrdncn auöbrad) uub auö allen Oldumcn beö weiten 
Saalcä bcutlid^cä 3d)luct)jeu Dcrnc^mbar würbe. 2luc^ folc^c, 
bic nid)t öcrftaubcn, wag gef^jroc^cn würbe, ba man ]id) nur 
beö Satciuö bebicute, (afeu unfd)wev auö bem >2^)iele bcn 
©cbanfen l}erauö. Uub alö fic beu eblen 3^^8^i^9 ^^¥^f 
ber im isatcr^aufe Dcrbannt lebte, beu ©Item fo treuer unb 
boc^ gum Ueberbru^, wie er bei all' bcn vdterlic^en SReici^= 
tpmern arm, neben fc^welgenbem ©cfinbc tjon junger unb 
©icc^t^um aufgerieben warb, wie er »^ulc^t Don feiner 3Jluttcr 

^ Diarium Gymn. Monac. 

Ad ann. 1638, 5« octobr: Inchoatae Vacationes Antumnales, 
et primo in scenam datus Joannes Calybita in aula scholarnm, ubi 
com exstrueretur tbeatrum ad latns plateae dimissi intcrim discipuli 
pro sacro audiendo in Templo S. Michaelis. 



— 7fi — 

crfannt, in i^rcn nur aßju f^jdtcn Umarmungen, unter tl^reit 
crgreifenbeu 333e{)!Iacjen feine eble unb fiegreic^e^eele ju jenen 
nimmer enbenben ^reuben be^ ^^immelö erfct^njang, ba xoox 
SRiemanb aus ber gaujen, bicbtgcbrviugten ikrfammlung , ber 
nic^t feud)ten 5lugeö bie troftlofe ^3Jtutter beftagt unb ben 
ftarfmütl^igen ^>elben bcglücfwünfcfu ^dtte.» 

"üloLä) bcm >Sd)luffe bcs Stücfes, ber n?ie fc^on erwähnt, 
ob ber einbrecbeubeu ?iac()t beim ^Aeine ber gacfeln gef^)ieü 
»erben mu^tc, fanb tpie bcrfömmüd^ bie ^l^reifeöertl^eilung 
[tatt. ^ridd)tiger Beifall folgte ber Carftellung; 9iiemanb 
l^atte fic^ entfernt, beoor aUeö ^u &x\^t war. 

2ßir finb mit biefer scc^ilberung ben (Jreigniffen etnjaä 
üorauögeeilt unb muffen uod) auf bie ^^'orfdtte jurudfommen, 
bie unfern 35icl^ter fo ^jlo^tid) au§ bem r{)etorifd)en Surfe 
l^inttjeg in einen ^o^eren iöirhingsfreiö beriefen. J)er TOeit= 
berüi^mtc ^of^jrebiger be^ 6(}urfürfteu , ^^^^^^^^^ ©rereüuö, 
ttjar f d^tDer er!ranf t unb fein >^uftanb liep balb feine 3tuöfid^t auf 
SGBiebergenefung übrig. 'Die Äanjel ber §offtrd)e, bie S^xtjx^ 
*üuö 23 3al}re lang ol)uc Unterbrcd)ung oertDattet l^atte, ftanb 
»erwaift; ujer foHte im otanbe fein, einen folc^en ißcrluft 
auf jutt)dgen ? (Sine fd^toere 3lufgabe ttjar bem 9{ad)folger beä 
el^rttjürbigen ^of^jrebigers ;5ugef allen , benn eö galt ^ier, einen 

3Ttann ju erfe^en, ber feine 3^^)^^^^ ^^^^^ \^ f<^l)^ '^^^^ ^iß 
liefe feineö 2Biffenö unb ben ©lan;^ feiner 93erebfamfeit, ate 
burd^ bie aSBürbe feiner ^)erfönlid)en Xugcnb gefeffelt l)iclt. 
SDrercIiuö loor tt)ie ein ^^eiliger oerel^rt. Oft glaubte feine 
ergriffene §6rerfc^aft beö ^^Jrebigers §au))t t>on nberitbifd^em 
Steinte umftral^It gu feigen; bod^ n)ie bem aud) fei, gewi^ fem 
beten feine gei[t= unb faIbung§t)otten Schriften, bie in i^unbert= 
taufenben t)on S^em^jlaren verbreitet n?aren, reid^e fiid^tftrome 
über bie c^riftüd^e SBelt auö unb gereid^ten il^rem Url^eber 



* Jac. ßidennaun, opp. com. posth.. Mon 1666. In praeroo- 
nitione ad lect. fol. 6. 



— 77 - 

gum ^öc^ftcn 9lu^me. 5)aä SScrtrauen t)cö §ofcä gcnofe 3)re= 
Tcüuö in einem feltenen ®rabe. Sereitg auf bem bol^mifc^en 
gelbjuge ^atte er 3Jla]dmiUan alö *4-^vcbiger begleitet, toax n)iebcr= 
^olt Don ii^m in m(^tigen 2lngelegen^eiteu gu SRat^e gejogcn 
TOorben uub erfreute fid} uoc^ in feiner legten Äranf^eit einer 
fol(^eu Xl^eilnal^me t>on Seite be^ (5l}urfürften, ba^ biefcr gu 
feinem ßeibargte äußerte: „(§:^ ift widjtiger für unfer 8anb, 
bap Sreyel am Seben bleibe, beuu idf, ^^m gottüd^en Statte 
war eö anber^ befc^loffen; er ftarb am 19. 3l^)ril 1638 mit 
bem ^eiteren Jrieben eines» ©erec^ten im 57. ßebensja^re. 
(Sang abgege^rt, mt er war, äußerte er noc^ furg t)or feinem 
(Snbe Idc^elnb: „6ö werben bie SBürmer an mir eine fcl^le(j^tc 
gWa^lgeit ^aben.'* 

So fc^merglic^ es für 9)ta]cimilian fein mupte, eine neue 
Sßa^I gu treffen, fein fc^arfeö 3luge ^atte balb ben rechten 
5Ra(j^fotger f^erauögcfunben. 2)er ßrforne war ^ater 33albe.* 
aWündben ^atte bereite öfter ®elegen(}eit gel^abt, i^n a(g Äan= 
gelrcbner gu bewunbern, ba er feit 3ioöember beö öorigeu 
^a^reg atö ^^^rdfeä ber größeren marianifc^en ßongregation* 
aufgeftellt war, in welcher ©igenfd^aft i^m gal}lreid)e lateinifcbe 
95ortrdge gu ß^ren ber ^@ottc^mutter oblagen. 

Sein gangem 3luftreten erinnerte an ©re^reliuö, wenn er, 
bie bleiche Schlafe t>on frommer Segeifterung angeglül^t, bic 
ewige Söa^r^eit tjerfünbete. 3)iefelbe ^agere, aäcctifd)e 
©rfdjeinung, biefelbe liefe unb ^^ülte ber (Mebanfen, biefelbe 
jünbcnbe (Staubenswdrme. äßaö il^m an (^l^rwürbigfeit bc8 
9llterä unb an ^lul^m beä 9lameng gebrac^, baö erfefetc 
fein ^armonif d^er , funftt)ollenbeter SSortrag unb ein woi^t 

' SBercilg am 8. gebr. 1638 bc[(^lo| er feine fiel^rftunben am^^ms 
nafium, benn gu blefem Za^t ift im Diarium bemerft; Coepit loco P. 
Bälde docere Rhetoricam P. Jacobus Reis. (Sbenfo am 18. S(^)ril 
feine geiftUd^en Vorträge in ber Stubienaula, bie er bisher noc^ 
fortgefül^rt. Unter biefem $)atum l^eigt e^: Concionatur in aula syn-' 
taxeos Magister Bernardus Neuhauser. 



— 78 — 

t^ucnbcr §aucl) ^)octtf*er 3tuffa[fung. i^r ^jrcbigtc, wie aUc 
3iacbrid)ten tjerficberu, am bat)erifc^en §ofc mit bcm groptcn 
Scifall, unb mcl in wenigen äöorten fagenb, bemerft ein 
)öiogra^)l) öon il}m: (Sin mächtiger Olebner fpracb er gu ben 
•iWdchtigen ber (^rbeJ 

2öie fel)r er ee i^erbicntc, in ba^ geljeiligte ©rbe ber 
jpoftanjel einzutreten , wie geeignet er war, eö im @ei[te 
fcineä 2?orgdnger9 fortjufüljren, bas Upt- jene Obe erfenucu, 
barin er bem ^ingefcl)iebeneu T^rereliu^ ein Ijoc^ragenbes J)enf= 
mal bewunbernber i?ere^rung )etj.t. ' '^Ilie^r titnn gwei J^l^re 
üerfat) un[er J)icbter bie el)reni>oUe vgteUe, ju ber il^n ^IRa- 
jdmiüans i^ertrauen berufen ^atte. aUotjl würbe ber fdjmdc^- 
tige gartgebaute ü)fann oft mübe auf feinem ^ebnerftul^I;^ 
Wü^l ]et}nte er fid) jebeö ^cemefter nadj ber gegönnten Staft 
in bem einfamen (ä'bereberg/ allein es waren bocf) biefe 2:agc 
bie fonnigfte fruc^tbarfte ^dt feines ganjen i'ebensi. dlod) 
^atte feine (L^^efunb^eit nictt Don ben fd)weren tofdtlen ju 
leiben, bie i^m f^jdter jcbe anftrengenbe Xljdtigfeit unmöglich 
machten, ^m freunbfc^af tlict}en 5i>erf e^re mit 3J^ünc^enö t)en)or= 
ragenben ^Hidnnern, im 'ilngefid)te feiner groj^artigen ^an- 
werfe, in bem belebenben §aud)e fürftlic^er (^unft, gebieten 
jene foftlic^en Öeifte^früc^te, mit benen er unä befd;enft, bie 
©üd}er feiner Oben unb ii>dlber gur ^i5oUenbung. 

väeine Orbenöobern bezeugten i^m i^re boUe ^^f^^^^"' 
^eit mit feinem äöirfen al^ §of^)rebiger baburd), ba^ fie i^n 
bei Jticberlegung feinet 3lmteö in beri)dltni^md§ig jungem 
3llter unter bie beborgugten >Diitglieber ber ©efellfc^aft, unter 
bie ^rofeffen aufnal^men. 3lm 31. 3uli 1640, am 2:age 
be§ 1^1. 39^^ti^^ ^^^ fioiüla, legte *albe wdl^renb eineä ^od^- 



^ Opp. 0, Tom. I. in icone authoris, 

2 Lyr. I. 16. 

3 fessus in exedra. Lyr. 111. 11. 
♦ ibid. 



— 79 — 

amtcö in bct "üJitc^actötirc^e in bie §dnbe beä Slcctorä ®eorg 
Sipaifcr bie brci fcicrü(J)en ©elubbc ab, gu bencn noc^ ein 
üicrtcö, bag ber 3Ki[fionen, ^inguJam. 3^9^^^ ^^^ ^^^ I^i= 
ftetcn baffelbc ©clobni^ ßaurcntiuS Äe^)))ter unb 2)?a^imiUan 
ßerd^enf clbt. ^ 

Unmittelbar nad) üottcnbcter geicr ftromte er ben S)ran3 
feiner übertjoßen Seele in einem ftürmifdien §t)mnuö auö, bem 
er bie 5luffcf)rift gab: Sonnenblume/ ober ber ©Ott gugefe^rtc 
iRenfcbengeift. ^pocl)[te Sefriebigung , nur mel^r öon einem 
einzigen S^infe abgul}dngen, ungeftüme Sel)nfucfet, für bie 
Sad)e bes §errn über ©cbirge unb 5)?eere ju njanbern, in= 
nerfte Seligteit, bie etiige Scf)on^eit gang [ein nennen gu 
bürfen, fipric^t ber Sdngcr in biefem erl^abeuen Siebe er= 
greifenb auö. 93e]onberö tief unb nac^ljaltig war ini^m 
ber SBunfc^, 3Kiffiondr gu n)erben. .^n bem ^errlid^cn 
Sdculargefäng, ben er im gleichen ^a\)xt auf ben ]^unbert= 
jd^rigen SSeftanb bes S^f^i^^^'^^fe^^^ bic^tete,^ ^ebt er mit 
^inreifeenbem §od^gefüf)l' .bie 2)ti[fionötl)dtigfeit beäfelben, 
gen)ife bie ebelfte ^lütl^e in feinem jRul^meölrange — 
t)or aller äöelt l)ert>or. ^JJtau fül}lt cö biefen ©tro^j^en 
an, bafe fie ber 5)ic^ter mit feinem ^ergblut gcfcl)rieben, ba§ 
er frol^lorfenb in bie fernften Sdnber gegogen xoaxt, um 
für ben Sieg beö ©laubenä fid) l)inguo^)fern, 'votnn eö feinen 
Obern gefallen ^dtte, n)ie er ja feinen ^Ji^eunb guäcuä, fo 
fc^mer i^m bie 'Trennung njurbe, innig beglürf n)ünfd)t , alä 
berfelbc a3cfel)l erhielt, in bie 3Äiffionen 3Jtejico'ä gu reifen/ 



^ Liber professionum S. J. cod. bav. 547. 
Professiones ^uatuor votcTrum: 
Anno 1640, P. Laurentius Keppler j 31. Juli in manibus P.Georgii 
P. Maximilianus Lerchenfeldt \ Spaiser CoUegii Rectoris in 
P. Jacobus ßalde J Templo S. Michaelis 

* Lyr. IV. 48. Heliotropium. 
3 Epod. 21. 

♦ Lyr. IV. 17. 



— 80 — 

9lbcr bcibc, ©albc unb fein geliebter guecuä, mußten 
il^rem feljiiUdM'teu ühm)*e eutfacjen. 3)ie|er cvl)iclt Gegen- 
befehl unb n>urbe '4?f iujeuerjie^cr , ieuem würbe ber Sluftrag, 
S^at^eruö @eid)ict)tc gu fcbreibeu. 

Sollen wir dou 23a(bc'ö gldnjeubitcr ^^-^eriobe, r>on feinem 
2lufentl)vilte ^n ^}tüncl)en in ben ^a()ren 1637 — 1644 ein an- 
fcbanUc(}C9 23ilb geben, ^n bcni nns aUerbings feine Iririfc^en 
©ebicbte jerftrcntc mannigfad^e i^arbcn liefern , f o muffen m 
bittig jucrft jene 3)idnncr uns üorfüf)rcn, bie baö meifte baju 
beitrugen, bem Didncr bae Üebcn poctifd) gu geftalten. ^erjog 
2llbert VI., ber yeud}tcnberger, mu^ an erfter Stette genannt 
werben. X'icfer ^od>l)crjige iynrft wnrbigte unfern J)ic^ter 
feiner befonbercn ivrennbfcl>aft unb würbe i^m, waö Siebter 
fo fel^r bcbürfen, ein anfmunternber ^^icen. Da fein ^^alaft, 
bie {)eutige .^crjog^iöiarburg, mit bem anftofecnben ^efuiten^ 
coHegium burc^ einen gebedten i^ang Dcrbunben war, fo 
fonnte fi(^ gwifd)en ben beiben gefinnungöt)erwanbteu ^JJidn- 
nern leid)t ber angencljmfte ^Ncrfcl^r entf^jinnen, wogu ba§ 
SSerl^dltnil, in wetoem 93albe ju 9llbertö ©o^ne ftanb, ben 
ungefud)teften ^Itulaj^ bot. i^efonbcrs glüdlic^ fc^dfete fic^ 
ber Siebter, wenn i^n ber c^crjog hinaufführte in feine 
^3rad}tpoUen Ijdngenben (^drten. 5)iefelbcn leljnten fic^ un- 
mittelbar an ben '4>ala)t an unb überbrücf ten , auf ben in- 
neren ^Ringmauern ^tund)enö fd>webenb, ben Stabtgwinger.* 
2le]^nlid)e ^Itntagen l)atte ^ergog 'Xlbert aud) in feiner 3Sitta 
9ieubed am (^^afteigberge gefd)affen. ';^\i jwei feiner Oben, 
ber XX. unb XXII. beö jweiten 53uc^e9, entwirft 2Jalbe oon 
biefen i}dngenbcn (^drten, wo man bie ©rfinbungcn ber 
Ä'unft mit ben f 6ftlid)ften Diaturgebilben bereinigt fc^autc, ein 
reijenbes (Semdlbe boB Duft unb ^rifd^e. 2Bar ber (Singang^ 
ben bie gierlld^e 9Jlarm orftat ue eineg Änaben bewad^te, über= 
fd^ritten, fo öffnete fi(^ bem 2luge ein fleineä ^^arabieä. ©unfle 

' M. Merian, Topographia Bavariae. @.34. %l. ^Icju bie beU 
gegebene Slbbilbung aui ber $ogel)}erf)}ecti))e. 



— 81 — 

yaiibgdugc öon SBeinrebcn, l^ic uub ba überragt t)on raufc^cn= 
bcn Sßatbbdumcn, umfdumtcn ben '^lan. ^n ©cbüfd^cn ric= 
feiten gel) enquetten , bie i^re i^^^^^) ^^^^ fcbnjettenbe SJiafen 
fcnbeten. ^^tmitteu aber [tiegen ©^)riugbrunnen auf unb 
ftdubten il^ren Stegen auf ben t)ielfarbleud^tenben Blumenflor 
au§ aßen 3*^^^^^- ^J^ebenau erlauben fic^ jterlicl)e (L^arten= 
^Uöc^en, gef(^mütft mit greötcn unb ©enjei^en. ^ier auf 
fonniger ^innt njar eä, njo er in fc^önen ^tunben ,,feine 
St)ra Dor ben gürften fd^lug"/ ido er bem eblen ^ergog unb 
beff en Seltnen feine jüugften ©cbidbte twrtragen burfte. Seiber 
tDurbe ber feltcne enge Äreiö gar balb gen^^altfam burd^brod^en, 
als ndmlicf) am 19. Wlai 1640 2llbcrtö erftgeborener ©ol^n/ 
55ranj (Jarl, ein t)ortrefflicl)er '^rinj, in ber 33lütl^e feiner 
^Cii)xt bal^inftarb. Unferen ©id^ter traf bie Xrauernac^ric^t 
fern ju 2lltotting, nad^bem er !aum eine größere ©rl^olungäs 
reife angetreten ; wie fd)mcrgtic^ fie il)n traf, baöon jeigt bie 
tiefem))funbene Cbe, bie er bem 3lnbenfen beö aSerblidjenen 
tDcil^te.^ 

3lidbt weniger gern aU im ^alafte be§ «^ergogö Gilbert 
war 23albe am d)urfürftlicf)en §of e felbft gelitten. 3)?arimilian 
wu^te wo^l gu fc^d^en, waö er an feinem ^of^jrebiger befa§, 
uub wenn er aud) ob ber l^errfd^enben Ärieg^not)^ ben "^pot- 
tifc^en ßeiftungen beffelben nid^t jene warme Jl^eilnal^me 
wtbmen !onnte, bie feinem für aöeö ©bie Ijod^fc^l^genben 
§erjen Sebürfni^ war, fo gab er il^m boc^ t)ielfad) Seweifc 
t>on anerfennenbem Sßertrauen unb erfd^lof; feinem 2:alente 
reiche gorberung§mittel. ^Ibgefel^en t)on ben beiben eieren« 
tooöen Jpofdmtern, bie er i^m au§ eigenftem ©ntfd^luffe nad^ 
cinanber übertrug, lie^ er öfter burd^ il^n feinen SSerfel^r mit 
augwdrtigen ©elel^rten tjermitteln, unb l^atte i^n gern gum 
Segleiter, wenn er feine 55illa ®d)leipeim befud^te^ ober 



1 Süv. V. 7. a Lyr. IIL 41. » Lyr. U. 25. IV. 46. 

JSeftcTina))ct, 3ftco(tt< Saite 6 



— 82 — 

wenn er eine SBaÜfa^rt nac^ 3llt5tttng untcrnal^tn. * J)ic 
SRcfibcnj mit aH tl)rcn Äoftbarfcitcn, mit il^ren ÄunfttDcrleti 
unb 33ücl)crf(j^d^cn ftanb bem Scjuc^c beä ^^Jatcr Salbe jcber^ 
geit offen; mit Wtu^t fonnte er t)or bcn 3Jtarmorbüften bcS 
Slntiquarium^ trdumenb njcileu,* in bcr ©cmdlbcfammlung 
SJurcr'ö Sucretia benjunbern,^ in ben ©emddjern beö Gl^up 
ffirftcn über bie angebrad^ten 5)enff))rüc^c feine 93etrad)tungcn 
anfteßen/ unb burÄ bie ^ieil^en bcr ^^Jrunffdle fc^reitenb an 
melöeftaltii3cr £cl)önt)eit ba^ 3tuge weiben.^ 

Solche ^^ulb niu^ fic^ l^iebe erobern. 93albe'ä banf- 
bare§ (Semüt^ njar bcr c^urfürftUc^cn gamilie mit bcr in- 
nigften SScre^rung gugct^an. äöie cr^cbenb befingt er nic^t 
bie grommigfcit feiner gürftin, ber eblen 2lnna ?Dtaria,* n^ic 
jdrtlic^ xod\)t er nid)t ben (£f)ur^)rinjen gerbinanb 3)taria bem 
©d^nfee ber feügften ^^ngfrau/ toie ergreif enb fle^t er für 
ben er!ranften gnjeitgeborenen ^rinjen 3Jta]cimilian '^l^ilip^) 
gur ©nabenmutter oon iuntenl^aufen,® wie tiefbenjcgt ruft 
er noc^ 1647 in bem oöcifc^en Sc^lufegefange auf ba§ gange 
c^urfürftUd^e §auö ben Segen ber ^immeföfömgin l^erab! 

©einen großen 3KarimiIian, ben er, auf bie ©ctpionen 
anf^)ielenb, gern Maximus Aemilianus nennt; öerl^errüc^t er 
in nur njenigen, aber n)al^rl^aft majeftdtifc^en ©efdngen. Un= 
»ürbige Sc^meid^eleien finb il^m fremb, unb wal^rüd^, er be= 
burfte auc^ foldjer nic^t, um bem Otul^me feineä gürften Un- 
fterbüd^feit gu fidlem. SRanmilianö erleud^tete ©infid^t unb 
©taatäJlugl^eit, feine ^Jid^igung im ©lüdfe, feinen ©tarfmut^ 
im Unglüde befingt er in bem ^aneg^rifuö „bie lorbeer- 
beirdngte gama", njelc^e 5)i^tung S3runner alä g^jilog in 



* Epod. 5. V, 43 et 55. 2 silv. V. ö. 3 Tom. V. pag. 32. 
♦ Lyn IV. 3. * Lyr. IV. 2. « Lyr. HI. 15. ^ Lyr. n. 45 
«Silv. n. Parth. 3. 



— 83 — 

ferne excubiae tutelares aufnal^m; feine l)eroifci^e 2:a^)ferfeit 
in bem „boifd^en ^dan", gejungen gum 9lnben!en an bcn 
(Steg bei ^rag 1620/ [eine ©laubenäinnigfeit in jener Obc, 
bie er auf bie ©tatue ber 1^1. ^i^^sf^^u an ber fronte ber 
9lefibenjbic^tete;2 aber am glorreid^ften t)er]^errU(i)te er il^n burd^ 
bcn erften ©efang beä IV. ©ud^eg,^ njo er in fül^ner Stpo^ 
ftro^)^e bem §errf(^er tjergegentDdrtigt , tDie gndbig il^n bie 
aSorfel^ung burc^ aöe SBed^felfdüe beg ^egeö Ö^fü^rt, unb 
aus jeber ©efai^r gu immer l^ol^erem SRutjme em^jorgetragen 
^abe. 2luc^ . ^erber aner!ennt ben 2Bertl^ biefer J)id^t= 
ungen, bie Salbe gum ißreife feinet 3Jiarimiüan gejd^rieben, 
inbem er fagt: „^n njenigen aber ^jrdd^tigen Oben befingt 
er bie SSorfid^t, bie über ben ©l^urfürften auf feinen Äriegä= 
gügen gen)ad^t l^atte,"* 

®ro§e dürften n)iffcn fid^ eine toürbige Umgebung gu 
fd^affen. ÜJiund^en gd^Ite bamaB eine SRel^e ber trefflii^ften 
SJidnner auö allen Stdnben unb 9iang!laff en, SJidnner t)on Ier= 
nigem gl^aracter unb gebiegenem 2öiff en, auf bie 2Ra}:imilian 
mit um fo größerem ©tolge blidfen fonnte, alä fie gumeift 
ba^erifd^e Sanbeöfinber njaren. 5!)ie ebelften unter il^nen 
burfte Salbe feine greunbe nennen. 5)a njar ber el^rnjurbigc 
®raf ^l^ili^)^) Äur^ t)on Senfftenau, ber ßl^urfürftin §of= 
marfd^aß unb gel^eimer SRat^, f ben 19. J)eg. 1640, feit 
50 ^(if)xen int 2)ienfte be§ ba^eri[d^en §ofeä , ein ebenfo ge= 
lel^rter alg liebenönjürbiger ®reig. ^mtx Philippus Brevanus, 
bem bie 31. Obe be§ III. Sud^eö eignet, ber ben S)id^ter fo 
ttJol^ÜDOÖenb in fein Jpaug einführte unb il^m feine fftimtc- 
müngen geigte, felbft ein 9iomert^^)uä t)on SDBürbe unb SBelt* 
crfal^rung, angeblid^er SRüngenconf ert)ator , ift mit if)xa ein 
unb bicfetbe ^erfon. S)a njar ber geheime dicAi) unb aSicc- 
fangler Sart^olomduä SRid^el, früher ^ffeger tjon 3flofen^eim, 



* Lyn II. 3. » Lyr. IV. 43. 3 @lc^ SfJum. 1. ber Uebcrtraö^ 
wigcn. ♦ Xcr^fic^ore, @. 187. 

6»' 



— 84 — 

ein tortrcffUd'cr (Etaatsmann, t)om 6l^urfür[tcu l^dufig mit 
tticttigcn 3Jtiffioiicu betraut. 3^)"^ ^^^ S3albc unter bem 
fingirien 5JJameu iPavtl^olbuö Sid)eriuö baö t)iertc95ud^ feiner 
SEdIfcer, S)eut[cfclanbg Älagege[dnge, gen)ibmet. ^n ber ^n- 
cignuug jagt er t)on il}m: „So mel njei^ id^, t^dren alle 
&tdt6e J^eine^glcicfien, ic^ I}dtte leinen ®runb gu biefen ^la- 
gen geljabt. So fcl)r liegt 5)ir bie gemeine Sad^e unb ba§ 
öffentliche SSol)! am §crgen. S)ie @e^eimnif[e be§ römifc^en 
{Reid^eg, bie in ©einer ©ruft t)erfd)Ioffen unb tt)ie mit einem 
gicgctringe tjerfictert ruften, ^dltft 5)u ©ir gugleid^ in 2)einem 
umfaffenben ®ebdc()tniffe gegenwdrtig. ©eine ireue, bie fid^ 
gur ^eilfamen Älugl^eit gefeilt, mad)t ©eine übrigen @aben 
toütommen." SUc^el ftarb ben 27. gebrnar 1649. ©a n?ar 
ber §oftanjler S^^l)^^^^ 6]^rifto^?l) 5lbcgg, t)ert>orrag?nb burc^ 
SBeißfieit unb grömmigfeit, beffen 5lnbenfen unfer ©ic^ter 
burd^ einen feelentjoUen 'JMct)ruf (1645) oerenjigt ^at.* ©a 
njar ber d)urfürftlid}e (^e^eimfc^reiber (Sei"» Electori ab 
epistolis) 3«^^^^^ Wld(bd, auö Sraunau gebürtig, befannt 
alö Ueberfe^er ber SBerle beä ©rejceliuö, mt al§ J)ol!öt]^üm' 
tiefer geiftlid)er ©ic^tcr. 2Bir njerben i^n f^)dter noc^ in @e= 
feöfc^aft be§ ^ater 23albe finben. 

SQBie am §ofe, fo jdl^lte 23atbe feine greuube auc^ unter 
ben Slerjten. greilid^ Ijatte er in ätnbetrad)t feiner fc^todd^- 
lid^en ßonftitution unb feiner oietfad;en Ärdn!tid)feit ein be- 
fonbereä ^^tereffe babei, mit ben 3Jldnnern ber §eit!unbe in 
gutem (Sint)crne]^men ju ftel^en. 2Rit inniger ©anfbarfeit l^ing 
er an bem ^ausargte beg ßollegiumä, ©octor ®eorg ©rembg, 
einem 9Jlanne üon beutfd;er Xreue, öon großer ©elel^rfam- 
leit, t)on erfolgreid)fter ^^ra^riä, wie i^n ünö 2:^iermat)r fd^il- 
bert. (Solange ©rembä unferen ©id^ter in 33e^anblung l^atte, 
blieb biefer j)on fd^toeren Äranf Reiten frei. Seiber ftarb ber 



^ Silv. IX. 22, 






— 85 — 

trcpd^e 3lrgt bereits am 22. aWdrj 1644, unb \m gerufen 
Befiel glcii^jeitig ben ^ater Salbe jenes lebenSgefd^rlit^ ■ ^ 
gieber, ba§ ll^n fünf ^Dtonate an [ein Seit feffette. ©octor 
©rembä tft ^)rd(^tig gejeic^net in ber fecfiftcn mebijinifd^en 
©atirc ^ unb in ber 3?orrebe ^um „2:roft ber^obagraiften."' 

Gin anberer 9trjt, bem Salbe ftetS ein banfbareä @cs 
bdd^tni^ benjal^rte, n)ar 2)?aIac^iaS ©etjger, d^urf ürftlic^er §of:? 
mcbicuS, geboren ju SRofenl^cim 1606, geftorben ju 2)iund)cn 
23. Se^jtember 1671. tiefer rettete i^m in einer l^eftigen 
^anfl^eit im grü^jal^r 1647 noä) baS geben, nad^bem bereits 
ber gange mebiginifc^e Senat tjergn^cifelt i^attc, ob »etiler 
Iljat er bittig trium^jl^irte , ba er fiti^ ganj ©eutfd^tanb ju 
J)anf t)er^)Picl)tet wu^tc.^ 

2lud^ mit bem ©octor gerbinanb ©agittariuS, f^)dter 
t)on §agenau, ber am 21. S^^Ii 1647 ju 2Ründ)en aläSeib« 
argt beS gl^urfürften ftarb, toar Salbe fel^r gut befannt. ©er« 
felbe, ein leibenfd^aftlic^er Dtaud^cr ,, ift in ber ©atirc gegen 
ben ajtiprauc^ beS SabafS, ol^ne Sfiennung feines JiamcnS, 
mit einer artigen ß^aracteriftif bcbad^t.* 



* Tom. IV. pag. 387. 
' ibid. pag. 43. squ. 

(53 crijllrt ein Sölttet öon ©atbc*« §anb, tüa]^rfdr>cinlldj an tiefen 
Slrjt flerid^tet, aug bem ^ertjorc^inge, baß feine Ttutttx bei i^m inüJlünj 
d^en tl^rc fp&teren ^age jubrad^te. S)a2felbc lantet: 

Revereudissime 
vir, amiee, Doctor et Physice! 
Oro te suppliciter, ut mox, si quid temporis tibi vacat, nos in- 
▼isas ; nam mater mea, nescio quo morbo et capitis et cordis correpta 
est. Veni ergo, quaesol 

Tui obseryantissimus 

J. Bälde. 

3 Tom. IV. pag. 532. 

♦ Tom. IV. pag. 448. SBöl. Äobolf» ©elel^rtenlerlfon, Art. €a» 
gittatiuiS. 






— 86 — 

Unter bcm SBcItflcruS bcr [Rcfibcnj finben xoit, fotDcit 
uttfcrc aJlatcrialtcn rcid^cn, nur eine ^crfonüAfcit mit bcm 
SMd^tcr ndl^cr befreunbet. ©ä ift bieg 3"^^^^^^^ Auen, ^auS- 
ca^)Ian beä ©rafcn t)on SBartenberg an ber Sebaftianäfirc^c 
im ^ottentl^al unb beneficiatus Trium Regum bei ©t. ^eter, 
befonberg bemerfengttjertl) aU gciftlid^er Sauger in bcutfd^er 
®^)raci^e, ^n ber ^eiligen ^oefie entfaltet er großen ©ifer, 
bem eä freiließ an rcd^ter 2)?d§igung gebriebt. SReid^e ^l^an« 
tafie unb garte (Jm^jfinbung 3ei(J)ncn mele feiner ©cbid^te 
auö, bod^ legt er eine ju grofee Hinneigung ju grembtoörtern 
unb f^)rad)lid^en garten an ben 2:ag unb l^ulbiget nament- 
lic^ bem feltf amen ©igenfinn, jebeg ©ebicbt auf ein ^rocrufteä? 
bett t>on 12 v2tro))l^en gu f^jannen. 3^^^^^^^^^ ^^^^ fte^t ^^ 
in ben befferen feiner jal^lreic^en gciftUdben gieber ben norb- 
beutf(i^en ©idbtem bamaligcr ^di nur njenig nad^; an 
afleid^tl^um ber Sangweifen unb 9teime, an 5)ieu]^eit unb Äül^m 
l^eit beä Sluöbnidfö möd^te er fte übertreffen. 

Ser freunbfd^aftlic^e a3erfel^r gnjtfc^en ißatbc unb ii)m 
ttjar ein fo inniger, bafe beibe manchmal an einem äBerflein 
jufammenarbeiteten, o^ne il^r ©igeutl^um t>or ber Oeffeutlic^- 
leit auöguf treiben ; fo toar eä bei ben Flugblättern, bie 1649 
crfc^ienen unter bem Jitel „Chorea mortualis — 2:obten= 
ban^ ^ober Älaglieb, gefungen nac^ bem tldglid^en Eintritt 
ber Slllerburd^laud^tigftcn Äaiferin ßeo^jolbind ic" * Daä (Se^ 
bid^t erfc^ien anonym, aber 93albe galt fofort alä alleiniger 
aSerfaffer unb galt bafür aud^ bann nod^, ate er felbft in 
ber 2lmberget ^uögabe ber Chorea mortualis bemerft l^atte: 
Auetor latino versu composuerat ; alias sie transtulit. 
SDiefcr 2lnbere ift aber ungtpeifell^aft 3»>^^^^^^ Auen, tpie 
eine naivere aSergleid^ung jeneg lobtenban^eö mit feinen 
übrigen ®ebicl)ten2 aläbalb ergeben toirb. Unfere 9lnfid^t tt)irb 



* Opp. 0. Tom. VIT. pag. 385. 

» ©icl^ il^r SBcraeid^nlg bei ÄDbolt, «rt. «uen. 



- 87 — 

nod^ bcftdrit bürd^ bcn Umftanb, ba§ Äucn fd^on frfil^cr einmal 
SSalbc'ä Agathyrsus frei in'ä 5)eutfd^e übertragen, unb aud^ 
bicfc Ueberfe^ung o^ne feinen 5Ramen 1647 mit beg crfteren 
5)id^tung gufammen brntfen lie^. 

2)ag l^oi^e 2ob, bag 3^^^^^ ßonrab Oreüi^ bem bcut= 
fd^en Jl^cile ber Chorea mortualis f^jenbet, inbem er fagt, 
bcrfelbe l^aud^e bie jarteften ©efüi^fe unb funlle t)on bcn an- 
mutl^igften ißilbcru xoit t)on ©betfteinen, mu§ barum auf 
Auen gurüdfgefül^rt njerbcn. 

©iefer fromme gciftlic^c Sanger ftarb im ?lot)ember 1675 
ju 2Jtunct)en unb würbe am 14. beffelben SRonatg in ber ^etcrS^ 
fird^e beim 9lltarc ber ^eiligen brei Äonige beftattet. 

2)a§ 3^cobuö 33albc in feinem Crbcn, unb jn?ar gu= 
ndc^ft im Kollegium gu 2)?ünd^en tjiele gleid)geftimmte cntpf dng^ 
lid^e Jpcrgen fanb, bie fid^ an feiner l^errlid^en ®abe l^od^ er- 
freuten unb fic^ glüdflid) fc^d^ten, mit einem fold^en 5)id^tcr 
nd^er \>txtti)xtn gu bürfen, ift lei^t begreiflich. ®o finbcn 
xoix in feinen It)rifd^en äödibern aufeer ben fcl)on genannten 
3Sdtern freunblidC) ertDdl^nt ben Ueberfe^er Seonl^arb ßrebcr, 
t gu ßonftang 1653, ben greifen SRiffiondr 9lnbreaä 3ligcns 
mann, f gu SUtünc^en 1650, ben ^^rebiger ajtartin ©ibcn 
auä 3}iunfter, ber fid^ einige 3a^re gu "iDtünc^en, tt)ie c8 
fc^eint, gur @rl)oIung aufl^ielt unb burd^ feine aufmunternbe 
Xl^citnal^me um Salbe'ä ^)oetifd)en ^Jortfd^ritt fid^ gro§e§ SScr* 
bienft ernjarb, ttjie eä gund(i^ft feinem (Sinfluffe gu bauten 
ift, ba^ er nad^ jener fd^tDeren Äranf^eit im 3^^rc 1644 
nod^ einmal gur l^rif d^en ©ii^tung gurüdf feierte , unb feine 
„SOBdlber" um bie Oben beg VIII. unb IX. »u^eä, bie reifftcn 
unb fd^onften feiner 2Rufe, tjermel^rte. 

Jpier möd^te cä am Orte fein, einen ^Rifeftanb gu bc« 
f lagen, ber ftd^ einem aufmertfamen Sefer unfereä 55id^tcr8 



^ Jacob! Bälde, carmina selecta. Turici 1818. pag. 518. 



— 88 — 

mcl^r al§ einmal in Idftiger SCBcife fn^ftar mad^t, ndmlid^ 
ba§ enblofe ^pid mit fingirtcn 3^tamen. Um xoit t)iel bc- 
bcutcnber njdren feine (^ebid^te für bie @efc^i(j^te bcr i£)am)t= 
ftabt unb be§ Sanbe§, t^enn biefe in Slnagrammen unb SWeta- 
tl&cfen tjermummten ober fonft big gur UnJenntüc^Ieit ent- 
ftellten ^45erfonen=9iamcn beutfd) nnb frei, mit offenem 93ifir 
an nnö t>ornb^rjögen ! J)a begegnet ung eine ganje ©c^aar Cla- 
rissimi, Amplissimi, Illustrissimi, alfo SJidnner öon ^^ang nnb 
Sebeutung, @clel)rte, Staatsmänner, (Sbeßeute, bie mit 33atbe 
in 3Serbinbnng ftanben, bie ben t)on i^m geftifteten Vereinen 
angel^orten, bie in n)id)tigen 5lngelegen]^eiten fid) feinen 9iat^ 
erbaten, bie i^m il)re f*riftftetterifci^en 2lrbeiten jur ^^rnfnng 
tjorlegten ; allein mit il^rcr ]^ierogIt)^)]^ifd)en 9Inffd)rift — n?a§ 
fmb fie nn§ mei^r alä njefenlofe 8d}atten, ba fie unS bod^ 
©terne beä SHnl^meg fein f onnten ? 3Ber ift j. 23. jener Bruno 
Vipsalius, ^ ber t)orübergel^enb in Jrier njeilt, aber in 3Wünd)en 
offenbar feine §eimat l^at? 6r erfd^eint alä 35erfaffcr eineä 
§elbengebid^teä „Alemannis" nnb ber S)id)ter f^)enbet il^m 
für feine 3lrbeit, eine J)arftellung be§ brei^igjdl^rigen Äriegeg, 
ba§ l^oc^fte ßob. Mein baS e:poS blieb nngebrndft nnb ber 
trefftid^e J)ic^ter ift für un^ felbft bem ^tarnen nad^ ux-- 
loren. 

Salbe ^at biefen fflliMtanb f^dter felbft gefüf)lt nnb ju 
feinen l^rifd)en Södibern erldnternbe 2lnmerf nngen : „Notae 
in Silvas" gefd^rieben. geiber gelangten fie nid)t jnm 5)rurf. 

3inbeffen finb nnä bod^ für ba§ rege literarifd^c Seben, 
tt)cld§eä bamate 1640—47 in SJiünd^cn l)errfd^te, Setveife genng 
anfbel^alten. ©ag ^^nitencoUeg gab ben nmfangreid^en aS- 
cetifd^cn 9lad^la§ beä ^ater S)re):eling l^eranö, ber Si^fuit 
SBangneredf fd^rieb ein SBerl über aKarien=95erel^rung, Pietas 
Mariana^Graecorum, 33iff cl fc^rieb feine vernalia nnb deliciae 
aeslatis, in ber §iftoric fein Argonauticon Americanoruniv 



* Sil?, lyr. V. In dedicatione. 



— 89 — 

Slbam Sd^rtnbcdf feine „Messis Paraquariensis". J)er ge= 
l&eime yiati) 3"^^^^^ Slbljreitter tjeroffenttic^te meistere cc^o- 
logetijd^c ©d^riften gu ©imften be§ ba^erifc^en 6]^url&au|e8, 
ber §ofgerid}t§abt)ofat ©ebaftian Äraiffer tie^ 1640 ein Re- 
pertorium electoralis Juris bavarici erfd)einen. TOalad^iaS 
©ct^ger fdbrieb wichtige mcbicinif(f)e Slbl^anblnngen, j. S3. über 
bie J^orfi*tgmapregeIn gegen bie ^^eft unb über ®emütl^§franf- 
l^eiten, 3"^^^^^^^^ ^^^^ mel^rere Sdnbc 3JJarienüebcr unb 
§irtengebic()te, ^'^cobnä Satbe cnbli* feine Oben unb 2BdI= 
ber, bie ^l^ilomela, ben leutfc^en 9tgat]^t)rfu§ unb baö 
S3auernf^)iel. 



V. Ute fteffllfld^afl in Martin. 

Congregatio Macilentorum. 

®(f)on ju 3'19'^Iftabt l^attc 35albc ein Sru^Iicb ,,Aga- 
thyrsus*' t)on 85 jambifc^eu Stro^)l)en abgefaßt, baö ju 
aJZünd^eu 1638 gebrurft erfc^icu. 5)ie 3lgatl^^rfen »arert ein 
afiatifd^eä a?otf, dou bem uns bie alten ©efd^ic^töfd^rciber be= 
ridjten, ba^ eö ftetö nnr einen 3Jiagern ^n feinem Könige 
ttjd^Ite. aBaö njoKte nun 2?albe mit biefcr ©id^tung? 6r 
fd^rieb fie fonjol)! jum Setbfttrofte als jur Slbwel&r. J)a er 
ndmlid^ t)on 5)ktur au^ fc^on fc^mdci^tig gebant unb in ^^otgc 
feiner raftlofen Stubien noA t?on Ruften nnb aitl^mungä- 
befc^njerben f)eimge)uc^t war, fo t)ietteu i^n Diele für ein un= 
rcttbareg 0^)fer ber v£cl)n)inbfncf)t unb macbtcn Hbalb auS 
i^rer fcf)re(flici)en Sentenj bem Did)ter fclbft gegenüber fein 
©el^eimni^ mel^r. iß^l^renb eine frühere ^H*o))^ejeiung be§ 
SRectorö Äeller i^m tauget geben unb fogar einige SBol^t 
beleibt^eit in 2luäfi($t gefteßt l^atte, meinte jefet " jebc ]^albn)eg 
gebrungene g*igur ein SRec^t ju ^aben, U)m in'ä bleiche, i)cr5 
geiftigte 2lntti^ ein memento mori ju fc^Ieubern. 35a n)urbc 
er beä mitteibigen 2lc^feljucfenä auf einmal fatt; er fafetc 
einen ^eiligen ^oxn gegen bie aSerbdc^tiger feiner ©onftitution 
unb rief in einer begeifterten Stunbe auö: ,,3^n)iII'ä bal^in 
bringen', ba^ meine 9Kagerfeit Dor eueren motten äßdnftcn 
auf bem erbenrunbe gefeiert ttjerbe,"^ ®cfagt, getl^an. Sltö- 
balb ergriff er bie geber unb fc^rieb feinen ^[gatl&tjrfuS, eine 



* Opp. 00. Tom. IV. pag. 304. 



— 91 — 

mit t)ielcn 35cif))iclen illuftrtrtc 5l^oIogic bcr ^Dlagcm, barin 
er fonjol^l feine eigene ^infdüigfeit ermut^igte, als aud^ bcn 
bicfen Äürbiffen, tuie er fie nennt, jeben moglid^en ®d)im^)f 
antl^at. ,,2lgat]^^rfuä", fagt 33atbe in ber aSorrcbe, „l&at 
nid^tS mit bem fi)):pigen unb fd^nßben gleifd^ gu [c^affen. (Sr 
l^anblet Don [trengl^eit be^ SebenS, au^merglung be^ ßcitS, 
t)era(i)tung beS S^obtä; üom Sob ber freiten ÄMegg= unb 
gribeuöhuiften : t)om Dentjunberlic^en SBanbel f obicler taufcnt 
l^eiüger ©infibler, n?el(^e aud^ nocf) tebenbig auff bifer SCßclt 
im bürren Orben, bem ©d^atten an ber äßanbt gleid^ aufe= 
gefe^en l^aben," 

,,Setreffenbt bep Agathyrsi 2Biberfad^er, ba^ j^reS %^xc^' 
mer ünb ©lenbä etn)ann melbung befc^el^en, ^abcn fie biHid^er= 
tt)ei§ nid)tg ;iultagen; bann gugefd^n^eigen, bafe biegaiften bcr 
Dürren offter f^jotten; ^^i nad^ au^n)eifung ber Äunft, lag 
unb 9iad^t, 3Bei^ unb ®c()n)ar^, J)idf unb ©inn, muffen im 
gcgcnfd^ein jufammen geliebt, unb alfo beffer gefe^en toerben." 
9lid^t gufrieben mit biefer gel)arnifdf)len Sl^jotogie fammeltc er 
in 2)?ünd^en eineSluja^t fi^^tanfer @efinuungögenoffen, lauter 
entjüdfte 3)ercl^rer beS 9lgatl^t)rfuö, ju einer f eltf amen • 2:af cl= 
raube, bie er bie 6ongregatio 3Jiacilentorum, bie ©efeßfdjaft 
ber 3Kagern ober beu bürren Orben nannte. 

'Salbe bürfte um biefer Stiftung n^iKen ber ^ater 2Jtas 
tl^en) feines ^al^r^unbertS ^ei^en, J)ie ©efeKfc^aft ber 9Jia= 
gcra ttjar in ber Jftat nid[)tS anbereS, als ein maSfirtcr 
3RdfeigIeitSDerein. T)ie tieffte fittlic{)e 3lbfi^t lag if)m ju 
©runbe. Mein baS tpar baS ©igentl^ümlidje in Salbe'S 
ganjem SBefen unb 2Birfen, bafe er bie eblen l^eilSMftigen 
©ebanfen, bie i^n betpegten, gern in eine ^arlefinSjadfe flci= 
bete, um fie in baS finnlid^ bcrbe, aKcm ^ol^crcn ab^olbe 
treiben feiner ^txi njirffam einzuführen. SRan tt)irb leidet 
cinfel^en, ba^ Salbe in feiner geliebten 2RagerIeit nid^tS an= 
bcreS, als 5Rüc^ternl^cit, Selbftbcl^crrf ^ung , 2fbt$btung, lurj 
ein IBeben bcS ©eiftcS anentpfiel^lt , unb ba| er bie ©idtcti, 



— 92 — 

btc er bc!dm^)ft, lebigüd^ ate bic 2?crtrctcr bcr SinnKd^ldt 
unb bcr @enuB)ucI)t auffaßt. 

5)cr ncugcftiftetc Crbcn ju iDiünc^eu brachte in bcti gc^ 
fcUigen 9?crfc^r ber l^o^eren Stdnbc einen ungcal^ntcn Äuf^ 
fc^iDung. ^n il^m fanb ficf) faft atteö gufammcn, tt)aS bic 
^amjtftabt an 9tang, tatent unb tPcrbienft auf juweifen l^tte, 
nac^bem einmal ^oct)beru^mte unb fogar fürftüd^e §dm>tcr mit 
i^retn 23eif^}iele t?orangegangen waren.' ©ä jdl^lten gu bcn 
9Kitgticbern ^erjog ^Ätbert VI., ben n?ir bereite alä Salbc*§ 
befonberen Wonner fennen gelernt t)aben, nebft feinen beiben 
bringen, ber Stabtoberric^ter 3^c. griebr. §6rl, inter ho- 
nestissimos cives summus, mit feinem Orbenönamen Uffenä, 
3oaci^im ^JWeic^el, 3*^^)^^^^^ Auen, bie S^fuiten 3;]^oma§ 
Äönig, bes ©ic^ters ßanbgmann, unb ?Wicf)aeI 9tabl (Fuscus) 
unb getpi^ bie meiften ber übrigen fc^on genannten greunbc. 

Slbel, iöeamte, (Seifttic^e unb 3lergte reid^ten fic^ l^ier in 
fc^onfter (Sintra(^t bie §dnbe, um i^rer teibenfd^aftüd^en, 
genu^füd^tigen ^di ein 33orbitb ftrenger 9Jidfeigfeit ju n^erben 
unb fo ben Uebetu ber ^di auf nac^brutffame aCßeifc gu bc= 
gegnen; 

„S^ ^^b baä meinige getban", fagt SSalbe, „anbcrc ba3 
i^rig, alleä tDol^tgemaint : eben gur rechten ^dt, ba bei fd^tperen 
Äriegglduffen unb Derf^raufften 'Jribenä. ^^nnctcn junger 
unb Äummer in bifen ßanben, unb, n)ie eg gufolgen ^)flegt, 
baä untDibertreiblid^e Compelle intrare (^aift, wilftu nit, fo 
muftu tDol) Maciei, ber ajldgern, ein großen aSorfd^ub gibt 
unb au§ ber notl^ ein Xugenbt mac^t."* 

J)aä aSerfammlungätocat ber 9iitter i)om bürren Orbcn 
n)ar fel^r ^jaffenb in ber Sßd^e beä grieb^ofä — meöcid^t in 
bcr fogenannten ^oetenfc^ule. 5)ie ©efcttfci^aft l^attc ganj 
abfonberlic^e Statuten, bie l^infic^tlid^ ber 9lufnal^mc neuer 



* Opp. 0. Tom. IV. pag. 305. 

* 9(gat]^))rfu8 Xeutfd^. Somb beg Auctors. 



— 93 — 

^Jittglicber unb ber il^nen öorgcfd^ricbeuen ©idt jiemlicf) fttcnge 
waren. 95at ndmücj^ irgenb ein mol^tgend^rteä ^errc()en in un= 
jiDetfetI)after 3teue über fein biö^erigeg ©c^kraffcnlcben um 
6inla| in bic SSetf ammlung , fo n?urbe i^m alsbalb ein ab- 
ft^rcrfenber (E^^eilejettet tjorgelegt, auf ®runb beffen eö fid^ 
auf bie Slbmagerung formtief) cinejrergiren mu^te. J)crfelbe 
befd)rdnfte ficf) einfad^ auf fldglic^eö ©emüfe, unjerriebcnc 
@crftengrau:pe unb Ärebfenfc^alenJ 23eitdufig in ^^^regfrift 
fonnte ber (Sanbibat ju einem Dorfd^riftämd^igen ^Wägern 
^crabgefommen fein. 

^n neuefter ^tii ijai ein @ngtdnbcr, Mr. William 
Banting, ben freilii^ leine fittUcf)e ^t^tt, fonbern cittc ^J^rdbt 
Dor falpntpibriger 6or))utenj benjegte, ben ©ebanfen SSatbe'ä 
n)icbcr aufgegriffen. @r ^at eine t>on laufenben befolgte 
5lbmagerungöt^eorie herausgegeben, nac^ n^etc^er aße ftar!= 
ndl^renben ®:peifen unb ©etrdnfe Der))6nt unb baö 5Jia^ ber 
erlaubten ?ia^rungömittel mit dngftlii^cr .Kargheit öorge= 
geid^net ift. 

J)ie aSorftanbfd^aft n?uvbe bem ©rünber be§ SSereineä 
aufgenoti^igt, ber fie au($ big 1643 getDiffenl^aft fui^rte. 3llg 
Ütad^fotger erfc^eint ein getoiffer 2lnbreag ßoronariuö auä 
5lugsburg. ©erfetbe fül^rt ben Sitel: generalis ober su- 
premus moderator. 3ltö befonbere Stufen fommen au^erbem 
nod^ Obmdnner, priraores, unb 9iecrutcn, tirones, t>or. J)ie 
gefeUigen Unterl^altungen beftanben in feierlichen (S^orgefdngen 
mit ungef(j^la(f)tem 2ej:t, beren 50?etobicn unei nod) ermatten 
finb,^ in nji^burd^toürjten moratifc^en aSortrdgen unb einem 
foniifd^=ernften ßeremonieü. T>aS 93unbcätieb ber @efeKf(^aft 
xoax urf^jrunglid^ SSalbe'ä lateinifdjer 3lgatl^t)rfuä ; atö aber 
f))dter]^in ber bürre Orben ^o^juldr tDurbe unb t?iete ber ®e= 



* Epod. 19. 

« SCgatl^^rfu» 2cutfc^. ÜRünd^en 1647. «Rad^ ber ©orreb bef 
Auetors. 



— 94 — 

Icl^rtcnfprac^e unfuubigc Sütger bcm aScreine beitraten, übcr= 
trug ber 5)icbter (1642) innert gu @cfaüen ben 2l9at]^t)rfuS 
in'ä 5)eutf(j^e, inbem er jebe £tro^)^e beöfetben merfac^ um= 
fc^rieb, uub ebenfoöiele neue Sangnjeifen belferte. „Jro| 
ber etnjaö groben 23erfe/' fagt ^JJienjeP t)on bent beutfc^en 
9lgat^i)r)uö , ,,fiubet fic^ in biefem Dergeffenen ©ebid^te mcl 
©eift unb 3Jiaterei. T)ie gallftaffnatur ber liefen tt)irb mit 
fel^r guter Saune gefcbilbert."^ a?on foldjem Seif^jiete an= 
gejogen t)er)uc^ten fid^ nocb brei ^Jtitgüeber in beut[d;en ^iac^- 
bilbungen beö 2lgat^i)rfuö : 3»>^^ittt 5Reid)eI, 3^^^^^^^ ^^^ 
unb P. Il^omaä Äouig, beren fuocbige aSerfe \pittx mit bencn 
S3atbe'ö vereint erfd)ienen. 

S)ie in ber Stiftung be$ burren Orbenö DemjirfUd^te 3bee 
fanb vodtt)in äSerbreitung unb tterfte in ferneftel^enbcn Äreifcn 



* 2)eutfd^c SDid^tung. «b. IJ. @, 244, 

» «Proben aug „?lgat^^rfug ^cutfc^*: 

42. 3. 

@e^t meine 3cug i^r gelber 
^od^ 93erg önb tieffe 2:]^al; 
3t)r 93runnen »nb jl^r SBälber, 
Echo ber Söiber^al: 
^a6 ble bcfle ^octen 
Slllgeit biirr gnjefcn fe^nb. 
Äcin Sl^b ifl ^ic öonnotcn: 
SBar^afftig bi^ anbpcttcn 
Ä(ar in Marone fd^clnt. 

43. 1. 

eg laft ftc^ ömb ein Äirbi^bauc^ 
Äein Sorbeerfränglein fted^ten. 
^an bann Horatius nit aud^, 
©|)ricl^fl 2)u, fein 2ob jjerfed^tcn? 
3«/ ber allein. (5r tjnb ber Sßein 
SBarcn gmeen gute SSrüber. 
5)er xibxiQ SRefl, fo faiflcr gtoefi, 
üRad^t licberlid^c Sieber. 



- 95 " 

ein begeiftcrtcg (Sdjo, ^cr protcftantifdje 35id^tcr Kalbenbad^, 
^ofcffor in. Tübingen, feiert 33albe in. einer langen Obe III. 3. 
t)ott be§ ?5^ucrö unb ber 93en)unberung, überfc^ricben : „%n 
3acobuö Salbe b. @. 3,, bcn auggejeid^neten fit^rifer, 
ber SRagerleit unb ber 3Jiagern eblen Sobfdnger", einer Obe, 
bereu \)oi)t fittlid}e ®(f)n)uugfraft geuugfam beftdtigt, ba^ 
S3albe'ö feltfame Stiftung t)on benfeuben SJidnnern gar tpol^l 
begriffen njurbe unb ba^ eö il^r an burd^fc^lagenben ©rfolgen 
leineäujegg gebrad^. aßa§ il^r lebi^aft'eö ©ebei^en in SKündjen 
betrifft, fo ^at ber ©ud^i^dnbler ,3*^^^^ SBagner 1647 in 
einer 5Kote jum 2lgatl)^rfug baöfelbe braftifc^ gejeic^net burci^ 
bie 33emerfung, e§ erfd^eine Ilar, „njie man fid^ ber geiten, 
ba ber Ärieg fc^ier aUeä gleifd) auff gefreff en , le^jtlid^ ümb 
bic 33ainer reiffe.^ 

$) ie 3Ründ)ener ®toa. 

©inen befonbern 23unb in ber mageren ©efcUfc^aft bil= 
bete bie „aKünd^ener ®toa", bie nid}t feiten in beg 5)id)terä 
Oben ern)dt)nt ift. ^n ber unf^eibollen ^dt bcä brei§ig= 
jdl^rigen ÄriegeS, ba geuer unb ©c^tpert, ^eft unb junger 
allentl^alben roüt^ete, ba 6j:il unb 33erarmung ein gen)ol^n= 
lid)eä Sooä tuar, fanb unter ben ©ebilbeten bie ftoifc^e ^^l^ilo= 
fo^l^ie naturgemd^ fel^r mel 2ln!laitg, rooju nic^t ttjenig aud^ 
ber Umftanb beitragen mochte, ba^ naml^fte aöcetifdje ®d)rift= 
fteller, befonberö ^eremiaä J)rej:eliuä, i^ren SRaAmen für bie 
33egrunbung unb Sluälegung d^riftlic^er SBa^rl^eiten faft ju 
mel 2lnfe]^en unb SBert^ beilegten. 5Xud^ Salbe'ä gel^drtetc 
Jlatur fül^lte fic^ jur ®toa mit il^rem fittlic^en ^eroiämuS 
üortDiegenb Ijingejogen. 3iac^ feinem eigenen ©eftdnbniffe 
tjerfd^lang er bie ©c^riften ©eneca'ä unb ©ipiltct'g mit ber 
größten S3egicrbe. SCßar er bod^ vertraut, ttjie ©ic^enborff gut 



^ Agathyrsus 2eutfc^. aWünc^en 1647, @. 105. 



— 96 — 

bcmerft/ mit einer Ijeltienl^aftcn 2läcetif, welche bic jhant 
^eit beä a)icnfc^engcfd)Jc*tä nicbt (ttjie bie ^^nctiften) burc^ 
übcrjurferte '^'^0^^^^^"^'*^^^^^^ befc^tDid^tigeu , fonbcrn ml- 
met)r fdjonuujjöloä it)re Ärife ^crbeifütjrcn uub burdb eine 
totale innere Umfe^r feilen will. 

viein magnetifc^er 6or^)orationögeift ^atte balb einen 
Äreis t?on ^Kdnnern angejogcn, bie ficb bcfonbers bic ^^Jflcge 
ber ftoifc^en ^^^l^ilofo^j^ie nad) il^rer practifc^en Seite, bie 9ln= 
eignung ber in il)r rül)enben l'ebenättjeiö^eit jur 3lufgabe 
festen. 3lUein ber junge i^erein i>erfoIgte anfdnglid) eine fo 
njinterlic^ rau^e j)tid)tung, baf; für 23albe*ö ))oetifd)C§ ßebcn 
barauö fein §cit erblül^en fonnte. Cbcr ift es für ben 
^octen nid^t ein n^iberfinnigeö 3t)ftem , n)eun er einen für 
@tüd unb Ungtücf füt}Uo|en (Mteid)mut^ als ^ö*fte ^^J^ilofopbie 
an^)rei§t? ;\n einer Cbe an '4>auUuö äJirnia mit ber 3luf= 
fc^rift: „3:toifd)c irüitnug",^ njirb einem i^ater aUen (Smftcs 
Dcrnjicfen, baf; er beim lobe feines ^inbes gen^eint ^abe. (5s 
fei 2:dufd)ung, baß in I^rdnen ber Sd)mer3 fic^ ücrüere. J)a§ 
§erj, gegürtet mit ftrengen ^Hegeln, muffe ^od&l^ergig in feinem 
©d)i(ffale untertaud,)en. 

S)ieö catonifc^e Softem beugte aber bem tieffül^Ienben 
S3atbe nic^t auf bie ßdnge, um fo n^eniger, atö mehrere TOit- 
glieber ber 'Il?ünd)ener Stoa, bie fic^ burc^ übertriebenen 
iugenbeifer auöjcicbncten, in ber ^oi^c aU ^euci^Ier \)oIl 
Seibenfc^afttii^feit unb §oc^mutl^ an ben lag famen. ;^n 
einem f^jdteren @cbid)te^ fagt er fic^ feierlich oou ber Sefte 
ber Stoifer Io§, n)eil er ein n^a^rer 5Renfdb, nid)t aber ein 
unnüfeer Stein ober ^^iflocf fein tootte, unb feinbet t)on jeftt 
an bie ftoifc^e ^^l)itofo^)^ie fogar an, inbem er fie in einer 
bitteren Obe mit bem (5^ni§mu§ auf gteicj^e Stufe ftcöt/ 

S)od) eg bauerte nid^t lange, fo fam er tt)iebcr gur 



* ®efd^. b. pi>tt 2it. 2)cutfc^lanb2. 93b. I. @. 202. » Lyr. I. 36. 
5 Lyr. lU. 12. ♦ Lyr. UI. 23. 



— 97 — 

■ 

(Sinfic^t, ba| er bag Ätnb mit betn 95abc auägefd^üttet , ba^ 
er bcr 'ü)?e]^r3al}I feiner ^)l}ilofo))^if(^en greunbe Unrecht ge^ 
tl)au I)abe, ba^ nur bie (Sjitreme ber Stoa Dertperflic^ feiert, 
i^re tx)efentU(^en ©runbfdfee aber ein untjerdu^erlic^eä (Srbc 
beg n)a]^ren SBeifen bitben. 

3Son feinen frül^eren SluötDüd^fen gereinigt trat bcr ge= 
leljrte Sunb nun n)ieber in'ö Seben, in feiner neuen ©eftalt 
beftimmt; bem ©id^ter mannigfache, frud^tbare 2lnregung gu 
bieten. 2)ie I^e^roben, njeld^e ber ©ebanfenauötaufc^ in biefem 
Ärcife I)crt)orrief, njelij^e namentüd) bie bieten l)ier gehaltenen 
hieben Deranlafeten, etwa swangig an ber ^(l% geboren gu 
feinen tiefften unb öottenbetften. 

„©eine Obe auf baS ©i^ai^f ^jiel , bie J)arfteIIung beS 
Üebenä unter bem 93ilbe einer Sd^iff fa^rt , eineö Xraumeä, 
einer Se^er, bie Ätage Der 3Jiutter 9iatur gegen bie ©tcrb= 
lid^en, bie Obe an SBartduä entl^atten mel^r &benätt)eigl^eit", 
fagt 3D?engeiu nic^t gang ))arlamentarif(j^, „alä l^unbert 23dnbe 
:p]^itofo))]^if(^en Strol^eö. 3^bif(^eg @tücf ftettt er bar ate eine 
©irene, ®elb alö eine Schlange,* 3^ei(^tl^um, ^cfi^ unb 
©lang ^dtt er für ©üter beö ^obefe.» ^^y, ^^^^^ cutpfie^It 
er bie SBonne eineö ftiUcn unb reinen ©emütl^eä^ unb beä 
fanftcren ajiittetglücfeö bauernben 2Bol}Iftanb/" 

:)iic^t mit Unredjt rul^mt il^n Oretti üor allen ©ic^tern 
ate qiiloaoifOTaxogy nid^t mit Unred^t nennt 3lC6ert Äna)):p 
feine ©efdnge erl^ebenb unb Irdftigenb tuie eine geiftige Staats 
für, Äoftbare 2)enff))rfid§e für jeben ©taub unb für jebeö 
3llter fittb barin niebergelegt, 2)enff))rü(^e üon fo gebiegencr 
Äraft, üon f o ferniger SBal^rl^eit, ba^ fie ben 3luöf:prü(^en bcr 
äöeifcftcn alter ^ditn fül^n fic^ t)crglcic^cn bürfen. 



1 Lyn II. 19. « Lyr. III. 25. 3 Lyr. L 26. ♦ 31. a. O. @.9. 



Beftetmat^et, SacoiuS Salbe. 



VI. Mnni^tnB vüx^ft llnthmäler. Bnnt Umgebimgm. 

eine ^ilgcrfal^rt. 

SBcnn Salbe, ber Orbenämann, bte §au:|)tftabt ®a^em3 
fd^on nad^ il^rer tDcItlicfeen Seite fo melfad^ iefang, folonnte 
er il^re gal^lreid^en l^eiügen S5enfmale nid^t mit ®d^n)eigen 
übergel^cn. ^mä^tn, bie frommgidubige, treubetodl^rtc (Stabt 
bot bcm S)icl^teT f)unbert leudbtenbe (Statten, an bcnen jic^ 
fein anbddE)tige§ ©emütl^ gu gtutf^^rul^enben ©cfdngen ent= 
günbete, ©er §od;attar in ber ^^fnitcnfirc^e mit bem Sturge 
beS Sugifer, gemalt t?on ßl^rifto^))^ ©d^toarg,^ bic Santpc üor 
bem 3gnatinäaltar, 2 baä Ärengbilb in ber ©ruft, ein SBerf 
beö Sodann Don 3ld§,3 baö Sttitarbilb in ber 2lula, bic [eligfte 
Jungfrau mit bem ^efnöfinbe, ©emdlbe r>on ©l^rifto^)^ 
©(^tDarg,* in ber ^yrauenfird^e bag ^od^altarblatt, bic §immel= 
fal^rt ajjaria'g, Xfon ^eter ganbib gemalt,^ in ber Stuguftiner- 
lird^e ein 9Jhitte?gottcgbitb Mater amabilis,* ba§ ©ruftfird^- 
lein, Xfon bem bie l^eutige ©ruftgaffe noc^ il^ren 5Tiamen l^at,^ 
bag 2)?arienbilb im Oratorium beg gregorianifd^en §au[eg. 



* Silv. VIII. 10. fß. 67 ff. SBgl. odae partheniae. pag. 101. 
2 Lyr. 11. 31. 

^ Epod. 18. ^gl. od. parth. in indice: Mater Jesu sub cruce. 

* Lyr. IV. 13. 

* Lyr. III. 7. SSgl. od. parth. pag. 47. 
« Llyr. II. 4. SBgL od. parth. pag. 17. 

^ Lyr. IV. 34. 



— 99 — 

auSgcfül^rt i)on 3»«^^^^"^ Sanbrart,* bic tf)tmt SDlaricnftatuc 
am c^urfürfttid^eu ^alafte,^ cnbüd} bie aKarienfdulc auf bcm 
3JiarIte, bicfeg l^errtic^c ©enfmal, t)on 9JJajamiüan m S^^rc 
1638 gum SDanf für ben biöl)er cm^^faußenen l^ö^ctcn @c^u^ 
errichtet ^ — aW biefe ©cbdube unb 23ilbn?eTlc I)at bcr ©id^tcr 
huxä) feine ©cfdnge Derfldrt unb für aKe 3^^^^^!^ ^it Ö^' 
I;eimni^i)oIIen ©(j^auern dnQfvotx^t 

®o gerne unb ^dufig üMgenö berfelbc in feiner ^'{axf 
ftabt bie Stdtten ber 5lnba($t kfud^te, fo feiig er fid^ füi^lte, 
n)enn er in ftißem ^eitigtl^um frommer 23etra^tung fid^ l^in- 
geben burfte, bie Siebe gu ©otteg freier SRatur ging il^m 
barüber nid^t ijertoren. Unb mt fonnte aud^ ein toal^rer 
SDid^ter biefe jemate ijerlierenj ^ater 33albc fanb feine größte 
Suft an einfamen ©^jagiergdngen; tt?ar ein fd^oner Sag, fo 
tonnte man il^n im Atrium beö ßollegiumg fidler auf ber 
fd^tpargen Safel ber 3lbtt)efenben lefen. ^n 3Jiünd^enö ndc^ftcr 
Umgebung fipürte er jebeg laufd^igc ^Id^d^en, jebe fd§atten= 
umhegte QueKe, jeben fernfic^tbietenben §ügel auf, um bort 
gu trdumen unb gu bidjten. 3JHt SSorüebe tpeilte er auf ber 
fd^onen Uferl^ol^e i)on §aibl)aufen, n)0 ftd^ ein fo ^^rdd^tigeä 
©efammtbitb 'oon Wmä)^n aufroQt. §icr entftanb bic garte, 
innig fromme SDid^tung, „ber 35tenenftodE",* ijeranla^t burd^ 
bcn 2lnbtidE'eineg SSienenfd^tDarmeg , ber in bie SSertiefungen 
cincg gelbtreugeä feine ^tUtn baute. §ier, in einem gum 
Kollegium gel^origen ©arten, fliggirtc er in frdftiger §olg= 
fd&nittmanier ben §auggdrtner ber ^efuiten, 2lbam §olI.* 
9^id^t n)eniger gern lufttoanbelte er in ber freunblid^en Z^aU 
nieberung ber ^lax, bie 2lu genannt, tx)o bie SKarlaplfäs 
fa:pelle ftanb/ ©c^on bie todrmere ©onne bc§ aSorfrü^lingä 
gog il^n l^inaug nac^ bcm trauten Äir^Iein, um bcr l^eiügen 
Jungfrau feine lange i)erfdumtc §ulbigung unb bcr cr^ 



* Silv. VU. 2. 2 Ljr. TV. 43. » Lyr. H. 26. ♦ Silv. IL 
Apiarium. «Silv. VIIL 18. 



— 100 — 

tDad^cnbcn 31atur feinen 5Rorgengru§ ju bringen.^ J)iefe 
9lu mit il^ren l^otgernen §ütten überbütfenb, fa| er auf ber 
§öl)e beg ©afteigbcrgeä unb njeigfagte il^r fünftige @ro|c, 
Sttuäbe^nung über bic ^lax, 5lnf(3^Iu^ an bie §au))tftabt unb 
bauembeg ^ürgerglücf , ^ 

2lber am liebften erging fid^ Salbe am ünlen Ufer ber 
3fcir, ftromauftDdrtä über 2:]^atflrcf)en unb ©tnfiebel, jenen 
f ci^atten = unb queUenreid^en ^^f ab entlang , ber auf ber 
löftUd^n SQBalbanl^o^e ^effellol^ feinen njürbigcn ^i^^pii^'f^ 
finbet. » 

@r f cf)ilbcrt feinen Sieblingöt^eg fetbft im neunten Sud^e 
ber SBdtber* mit ben tebenbigften, frifd^eften färben, ^ier, 
. umweht i)on bem Dtaufd^en beä 2lt^enftromg, mebttirte er feine 
crbabenften. ©efdnge ; fo bie Ätage ber 9iatur n^iber bie un= 
banf baren ©terbti^en,^ fo bie (£d)ilberung ber feügften ^i^ng- 
frau nad§ bem grofeen ©emdtbe i)on Stubenä,* fo baö @d^o 
beä ©d^idffalg, befragt über Ärieg unb grieben.^ §ter cnt- 
tDarf er aucf) feine großartigen 2:i^renobien, ©ermania'ä Älag- 
gefdnge,® Don benen er felbft bemerft: J)ag meifte bai)on fann 
id^ aug an ben Ufern ber 3f^r, inbem id^ mid§ burc^ ben 
Sauf beg ^luff eä an ben ©uipl^rat Derfe^t fül^Ite , ber einft 
burd^ bie babt)Ionifd^e ©cfangenfc^aft unb burd^ bie ©d^mergenö= 
rufe ber tuel^ttagenben 3ubcn fo berühmt gen^orben. 5lud^ bort 
ttjad^fen SOBeiben, an benen iä) meine gur 2:rauer umgeftimmte 



^ Lyr. IV. 4. 

2 Lyr. IV. 35. 

3 SDa^ bag SKürmtl^al bcg SDid^terg «albc gefeierter 2lufcnt§alt 
fietvcfcn, tt)ic ^ermann ©d^mib in feinen ^ Elften unb S^ieucn ©efd^id^ten 
aug ©a^em" beiläufig bemcrft, bafür n?ü6tc id^ mid^ fcincg ^Sclegeg 

3U entfinnen. 

♦ Ode 28. 5 Lyr. IV. 9. « Ep. 15. » Silv. K. 28. 
8 @icl^ 9'ium. 7. ber Uebertragungcn. 



— 101 — 

6itl6er aufl^ingj 3^ §^[f^ß«>^ cnbUcJ^, bicfem ,,tt)albd]^nlicl^cn 
Suftgartcn", tt?ie cg einmal genannt n)irb, ^itlt ber ©testet 
gett)ol^nlid^ 3^a[t, felig ijerfenft in ben 2lnMi(f ber auffteigcn= 
ben Sucj^enl^ainc unb beg fanftgetounbenen , [d^immcrnbcn 
Stromes, ber fübtpdrtä in ben Krümmungen betpalbeter Ufer, 
norbn)drtö i^iuter ber fernragenben §au^)tftabt fid^ t)erlicrt. 
SEBie 5Reubig mittl)eitt, ttjurbe Salbe'S brottiger SDialog : ^S)e(f 
Äam^f beä SRiefeii mit bem ^tt>txQt", fammt [einer gett)alt= 
f amen, huxä) baä 2luftreten be§ 2:obeS ^erbeigeffil^rtcn Sofung « 

in §e[feIIoi^ i)on ben 3ö9ß^9^^ ^^ S^fuiten bramati[(j^ bar=: 
gefteßt.2 

SiätDeiten machte ber Siebter feine 3luäflügc nic^t aücin, 
fonbcrn in Segleitung einiger guten ^Jreunbe, unb bann tt)urbcn . 
fte meift biä äßavenkrg, einem Sanbgutc ber 3^fuiten, Antf/ 
aSiertelftunbe t)on ^effeßo)^ n)eftlid§ gelegen, auSgebel^nt. 5)ort 
erörterte man in ungegttjungenem SScrfel^r ^)olitif(3^e unb litc= 
rarifd^e gragen, tt?ie im 3^^^^ 1640, ba greunb 3iii)erna 
(gel^eimer dtati) geringer?) 33albe*n bie crfte 2lnrcgung ju 
feinen 2:l)renobien gab, ober eä n)arb, getui^ nid^t ol^ne a3ei= 
giel^ung beS i)aterldnbifd^en §unt|)enä, ein l^eitcreS Sieb gc* 
fungen, be| 3^^9^ ift bie 26. Obe bcä I. SBud^eS: „(Seligicit 
eines guten ©et^iffenS". 

ein nod^ reicherer 9^aturgenu§ toinfte bem 2)id§ter beim 
eintritt ber gerien, tpenn U)n baS ftitte, Idnblid^e ©beräberg 
in feine SRaucm aufnal^m. ©ie Siefibeng ber S^fuiten ju 
eberSberg,^ tjormalS Senebictinerllofter, toax bem Kollegium 
gu SDlünd^cn beigegeben unb ftanb unter einem ®u^)crior. 
Sldd^fter ^totd beS §aufeS tt)ar, einen 2JtittetpunIt für 
5DU[fionen ju bilben, SB[u|crbem nal^m €S jene OrbenSglicber 
auf, n)elci^e baS britte ^rufungSja^r gu beftel^n l^atten. Unb 



* Silv. lyr. IV. in dedic. sub fin. 

2 Sil V. VI. SBgl. SBaöaria'g ajfjufcn ö. S^eubig, H. ©b. ®. 40. 

8 Slugfül^rUdJ gcfdJUbcrt Süv. VIIL 21. 



— 102 — 

cnblid^ bicntc eS Icibcnbcn ober t)ict angcflrcngtcn SSdtem ber 
©cfcßfc^aft als er^otunggott. S)a§ §auö toar ju Salbc'g 
3eit jicmüd^ unanfel^nüd) unb baufciKig, allein bafür fmib 
er fid^ burd§ taufenb anbere 9lnnel^mUc^feiten entfd^dbigt. ©in 
l^errlicfcer, gegen Often abgebadjter S3aumgarten mit fc^onem 
SBUcf in'ö ©ebirge ftie^ an baö ©ebdube/ ber üeine an- 
mutl)ige ^itQd\tt lub, niebücj^e Ädl)ne fc^anfetnb, jur 8uft= 
fal^rt nnb gunt gifcj^fange ein,^ einfame gu^ipfabe fül^rtcn 
in gernbefud^te SDorfer nnb gtecfen, na(^ §afelbac^, ©rafing, 
Sieging, ©ojen nnb nad^ bem ©d^Io^ 2lici^bi(^L Se^tereg ttjar 
1628 bnrd§ Äanf an bie SSdter ber @efellf(^aft übergegangen. 
dttä)i oft gog e§ ben SDic^ter and^ nad) Xnntenl^anf en , ber 
ein ^)aar ©tnnben fnbli(^ gelegenen SOBallfai^rtöfird^c mit einem 
berühmten 'äKarienbilbe , nnb fci^on in aßer 3Jiorgenfrü^c 
braute er bort baö 1)1. Oipfer bar.^ 2Baä i^m aber ben 
2lnfent]^alt in ©beröberg am meiften ijerfc^onte nnb für @eift 
nnb Äoriper i)or aßem erqnicfenb machte, baö n^aren bie 
:prac^tt)oQen SBdlber nm ©beröberg mit il)rem toürgigen Obern 
bag toar baö frifc^e, frol^e SBaibtoerf, an toelc^em ber5Did§ter, 
ba bie 34"^*^^ ^^^ S^igbred^ l^atten, fo oft er tooüte, aß 
3ufci^aner tl^eilnel^men tonnte. S)aä erfte Snc^ ber SBdlber, 
bag „Sdgerbnc^", Id^t nng ernennen, mit toelc^em ^ntereffc 
nnb 3Sergnügen 23albe ben 3^9^^^ '^^^ Derfi^iebenen ©etoilbeö, 
ber ^irfd^e, ber ©ber, ber §afen nnb güd^fe angetool^nt nnb 
tt)ie fd^arf er babei beobachtet I)abe. Äanm mod^te bag S^gb- 
leben jemals fo ipoetifd^ anfgefa^t nnb fo finnig gefd^ilbert, 
nad^ feinen SSorgngen nnb ©efa^ren fo tren gejeid[)net n)orben 
fein, atö eg in biefen 2Balbgefdngen ]^ert)ortritt. 

©ine ipoetifd^e ^ilgerfal^rt 

S)ie jdl^rlid^ n)ieberlel)renben 2lngflüge nad^ ©bergberg 
abgered^net toar nnfer SDid^ter toenig anf 3fieifen. SRit bem 



1 Silv. Vni. 21. 2 Ibidem, et Lyr. HI. 11. » Lyr. IV. 16. 



— 193 — 

:pfaljncuburgifcf)cn fianbfci^aftälangler , feinem ^ugenbfreunbe, 
fc^cint er einmal einen 33efud} im Iaifertic|cn Sager gemaci^t 
ju l^abenJ 93on 2lmberg anä befud^te er fipdter bag )i>tx^ 
t)crl^dngni^i)olIc @ger, urbem magno cruentatam sanguine, 
t)on Nienburg auä im 3^^re 1659 2luggbnrg nnb 5)illingen, 
xodä)^ le^tere 9tei[e red^t anmutl^ig in ber aSorrebe jum „Sroft 
bcr ^obagraiften" gefd^ilbert ift. 5RamentUci^ ber berul^mtc 
„@inlo^" gn 2lugäbnrg ift bnrd^ eine l^übfd^e ndc^tüc^c ©ccnc 
iKuftrirt.2 SBenn SJiengein in feiner ^Jeftrebc bei ®ntl)üttun8 
beä 33atbe=33enfmatä bie SSermutl^ung au§f))ricf)t, ber SDid^tcr 
l^abe anc^ atä ©taubenä^jrebiger im Orient genjirft, n)eil 
einige feiner Sieber fo gefd^ricben feien, alä todre er tmrfttd^ 
im Sanbe ber 2:ürfen getpefen, fo muffen mx ben trefflid^en 
JRebner l^ier eineö ^^tl^^mS jeil^en; in ber ©inleitunggobc 
JU feinen orientaIif(^en ©d^ilberungen ^ f^ricj^t er eä bcutlic^ 
auä, ba^ er nur auf ben i^^ttigen beö ©eiftcä in bie Sdnber 
beä Oftenä flüi^te. ©agegen finben voix eine anrcgenbc, 
lieberreid^e ^Pilgerfahrt beg ©dngerä nac^ 2lftötting unb 
SEBatbraft in Xirol mit flammenben ©^)urcn in feinen Oben 
eingegraben. 

3m aRai beö Saljreg 1640, furg bei)or bcr Sluftrag, 
ba^erifd^e ©efc^ic^te ju fd^reiben, an il^n ergangen, untere 
nal^m er im ©efolge beg ßl^urfürften bie crftc SBallfal^rt 
nad) 2lltötting, bem l^od^berül^mten ^ciligtl^ume ber ©ottcä^ 
mutter. asier ^errtid^e e^joben, in bencn er feine 6nt|)finbungcn 
t)or bem ©nabenbilbc, * bie ©cfd^id^te ber i^eiligen Äa^jelle,* 
bie JRiefenlinbe unbbena3runnen i)or berfclbenbefang,* toarcn 



« Silv. IX. 18. 

' Opp. 00. Tom. IV. pag. 2 et 3. 

3 Lyr. IV. 36. SDlcfe Obe ^at Slel^nlid^fcit mit Ooet^e*« ^cgire int 
,tt)cfl5illicl^n SDi»an*. 

♦ Ep. 5. » Ep. 6. • Ep. 7 et 8. 



— 104 — 

bic crftc ^)Octifd)e gruc^t bicfcr pigcrfal^rt. 9?ott bcr großen 
öinbc crjd^It er eine Sage, berjufolge eine fromme Jungfrau 
ausi Glfa^jabern, um SSerfuc^ungen ju entgegen, na* 2llt= 
ötting gepol^en unb alä eine anbere 5)a^)l^ne in biefcn 23aum 
t)ertt)anbett roorben njdre. aSef agte Sinbe ift Idngft )($on ijerfc^njun- 
bcn. 3^ *>^^ Topographia Bavariae Xion 9Jierian 1644 
flnbet fie fic^ nod) auf ber 2lnfidE)t beg Orteä, crf&cint aber 
ringä t)on Stufen umgeben; 80 ^aS)xt f^jdtcr, in bcm to^)o= 
graipl^ifc^en SBerfe t^n 2Bcnning, [ucfet man fie auf ben 2lb= 
bilbungen 2lltüttingä Dergebtic^. J)er ^JJiarmorbrunuen ba= 
gegen, ein 3Bert beg Saljburger @rjbifc^ofä ^^krig Öobron, 
ftc^t nocj^ i^eutc jur @rquicfuug ber 5ßilger in ber t)om 
$)ic^ter gefc^ilberten ©eftatt. 

93on 3llt5tting ttjenbete fic^ SSalbe fübn?drtg na^ lirol. 
(Sä galt tt)a]^rfd)einlic^ in ^ol^t eineä ©elübbeS eine 9öaU' 
fai^rt nad^ SBalbraft, bem fd)onen Sergfirc^tein am Slbl^angc 
ber Serle^fipi^e in einem (Sinfc^nitte beä @tubait^al§. J)cr 
SSBcg bal^in führte ü)n r>oxM an ©c^t^aj unb beffen auä= 
gebel^nten, bamalö fitberf))enbenben Sergwerfen. ^n Begleit- 
ung feiner greunbe, beg ©abiuug ^^^äcuö, ber I)icr feine 
J^cimat l^atte, unb beg glabiuä 8eo, beficf)tigte er bicfe i^m 
neue unterirbifc^e SBelt, in beren SRdumen er mit ftauncnbem 
©rauen big gum großen SBafferrabe im ®ee ijorbrang. 3^1^*= 
geleiert i)on feiner nd(3^tlicf)en aßanberung ergo| er fid^ in 
einen gett?altigen (Sntl&ufiagmug, „beg J)i(f)terg 9ieue", inbem 
er unter bem Silbe feiner ©rubenfaf)rt beg Sunberg frei= 
toilligen Sturg in bie ginfterni^, feinen etenben ^i^ft^^b in 
ber Slad^t ber Sünbe unb feine reuige diMtti)x an'g ßid^t ber 
©nabe ^od^begeiftcrt i)eranfd§aufic^t. J)o(^ Id^t ung bag 
©cbic^t ob feiner %üUt i)on bunllen 3lnf^)ielungen nur fd;tt)er 
jum i)olIen ©enuffe lommen.* 

95on §all aug, tt)o ein ^l^fuitcncottc^ium ju Idngcrer 

* Süv. VII. 4. 



•^ 105 — 

3ftaft einlub, unternahm er mit [einem geliebten ^^uScuS eine 
S3ergbc[teignng, bic i^m n)ieber 3lnla^ jn einer feiner fc^ön^ 
ften Oben njarb,* 2luf bem ©i^fel beä SBergeä mi fein 
öel^erblitf Umfdjan über bie friegranfcä^enben Sdnber (gnro^a'ä 
unb erl)ebt fi(^ fobann m bem frieblic^en 3Sanbel ber ©terne, 
bie fid^ i^m alle in lebenäöolten ©eftalten 3eigen. Siad^bem 
er bie du^erft^n ber ©ternbilber gefc^ilbert, fdl^rt er fort: 

93ig l^icl^er, gugcug! 2Bcitcr cvfd^njingt fid^ ittci^t 
.5Dic fül^njlc SDid^tfunjI. ^ö^cr ^xmvf nur trägt 
$)cr ^^ugcnb glttig. O i§r l^olbcn 
Ärcifcnbcn ßid^tcr, titcin jictig @c^ncn! 

Sl^r SSunbcrfccncn, bort auf bc§ ^immclg pan, 
$)cm golbumfto6*ncn ! ©cligcg SSatcrlanb, 
SBcnn atfo bcine ©d^tDcIIe funfclt, 
2Bctd)c SScrflärung öcrl^cifet bcin 3nn*rc8 ! 

^n 3^txöbrutf fam er gerabe an, atö fein ^^^ennb 2ln= 
breaö Srunner bei St, 3^^'*^^ ^^^ ^^rebigt l^ielt. (Sr l^orte 
gu, t)om SRebner nngefel^en, unb war ^m^t ber ftromenben 
2:^rdnen, bie feine '^rebigt über bie @n)igfeit ben Singen ber 
Slnn^efenben eutlotfte. 

Äurg barauf überrcii^te er bem greunbe eine Obe, über= 
fc^rieben: „^eilige ©tnrmflutl^ beg angtretenben 3^^^^^"/* 
barin er bie ÄraftfteKen ber ^rebigt nnb i^ren l^eilfamen 
(Srfolg md(f)tig l)ert)orl^ob. 3)er 9tebner n^irb afö ber nnn)iber= 
fte^lic^e Strom eingefül^rt, ber aCe 3^^^^^ ^^^ ^>>ff^rt/ <^^^ 
§ügel ber ©l^rbegier, atte ^n^dn ber 95enug in feiner rei^ens 
ben glntl^ begrabt, @cn)i§ eine finnige Ueberrafd^nng , um 
fo finniger, alä eben bamalä ber .^nn burd^ ganj 3^orbtirol 
eine gro^e Ueberfd^n)emmung terurfad^te, 

^ier gu S^ngbrudC lernte er auc^ ben gn>ölfjd]^rigen 
^ringen gerbinanb 6arl, ©rafen ton SEirol, f ennen , ber bei 
ben 3^f^ite^ f^itie ©tubien mad^te, ^öl^ereä ^ntereffe ge- 

^ Lyr. III. 1. 
> Lyr. Uh a 



— 106 ^ 

toann bicfc SScgcgnung für Ü)n baburd^, ba| gcrbinanb 6arl, 
bamalä unter bcr SSormunbfd^aft feiner 3Jiutter Staubia i)on 
aWebici, ber red^tmdfeige Grbe ber öorberöfterreid^ifd^en Sanbe, 
feiner ^eimat toax, bie jum größten ©d^merge beg elfd^ifc^en 
S)i(j^terä fc^on feit mel^reren ^al^ren bie grangofen befe^t 
l^ielten, S)ie fc^one, bem jungen ©rj^etgoge gen)ibmete Obe^ 
barf fomit alä eine bebeutfame §ulbiguttg, aU ein ©rgu^ 
ber treueften $?aterlanbäliebe betrod&tet »erben: 2lug ben 
Iriegerifd^en 2lnfangäftro^]^en ber Obe Idfet fid^ unfd;tt)er bie 
Hoffnung beg ©dngerg l^erauötef en , biefer ^ring njerbe fein 
fc^oneg erbt^eit gn)ifd^en 9i^ein unb SSogefen n)ieber erobern. 
2lßein er ftarb bal^in in ber 95lüt^e feineä Sebenö, ol^ne bie 
@rtt)artungen, bie man t>on il^m liegte, erfüllt gu Ijaben. 

©nbticf) ging eg im ©eleite ber greunbe ben fteilen ^fab 
l^inan gur SEBalbraft. 6ö fd^eint, ba§ lein ©nabcnort je einen 
fo tiefen, übern)dltigenben ©inbrudf auf S3atbe geübt ^abe, 
atä biefeö einfame Äird^lein auf fül^ner Sergeä^o^e. ^n ber 
Obe „an bie ^eilige ^i^ngfrau in ber SBatbraft"^ fd^itbert 
er guerft bie majeftdtifd^e 2ll^ennatur ber ©tdtte : bie Scannen, 
bie aug ®en)oHe ragenb an bie Sterne rubren, bie nebet 
grauen §elfen, bie ben ©i^ ber ^eiligen Jungfrau umfd^irmen, 
bie fd^n)inbelnbe ^ol^e gn)ifd^en §immet unb ©rbe, njo ber 
SSlidf in bdmmernbe gernen fid^ verliert — unb bann fcnbet 
er .feine ©efdl^rten gurüdf, atö Soten feineö ©elübbeg, an 
biefer ©tdtte gu fterben. Sie ©(f)lufeftro^)f>e biefeä ©efangeg, 
ben Schlüter mit SRed^t atä 3Jiufter ^)oetifcl)er ©rl^abenl^eit 
rül^mt, fei l^ier angefül^rt: 

5£)u, aSalbrajl, tecrtl^ unablä^'gcr ©el^nfud^t, 
SDlc mit Sßal^r^eit trSj^t ben crlcf*ncn Flamen, 
®5nnc fromm bcrcinjl im geliebten SBalbc 
Sftafi bem ©ebensten. 

Sluf ber ^eimfal^rt t)on ^nnSbrudf nac^ 9Äünd^en lam 

* Lyr. IV. 25* 
> Lyr, n. 11. 



— 107 — 

er jtDtfiJ^ctt ^artcttlirci^cn unb 3Kumau nal^c an bcm üth 
bejud^tcn Äloftcr ettal, bcr l^crrüd^en Stiftung Äaifcr Subn)i8 
be§ Sat)crä t)orübcr, njo eine benfn)ürbigc SÄarienftatue t)cr= 
el^rt n)irb, ol^ne ba§ il^m bie ^dt t)erg5nnte, bic SScrgftra^e 
gum Älofter l^inaufjufal^ren. 35a ergofe er fein jcl^nenbeä 
©emütl^ in einen ^Ügctgru^ t)olI fü^er Si^^iö'^it-* 

$)u, bcr Scrgl^Byn 6<l^ttt unb ber ^ain*, o Sungfrau, 
$)crcn ettalg ®nmb fo t)crtraut gebcnfct, 
5)le ©cl^ßtj umgrünt, unb getocil^te ©d^attcn 
fiodCig ummcl^cn: 

O tt)le frcuböott »attf id^ ju Deinem 3:em^cl 
IR&l^em ©d^rittg, ben fern nur erblidCt mein llugc. 
®od^ ber SBeg fü^rt jleil, unb ber träge SBagen 
gül^lt nid^t bie Sügel. 

2Ba3 allein benn beibt jum @rfa^e grcunben, 
SGÖcnn fte trennt i^r ?Pfab : ob entrürft aud^, 3:§eu're, 
5)ie fein Söattfal^rtSgru^ nad^ ©ebül^r ergebt, fei 
S)ennod^ gegrüßt mirl 

ajlögjl aud^ 5)u ficbteo^l bem Entfernten rufen, 
S)a6, toenn gmiefad^ ^^eil* ftd^ berührt unb gtoiefadj 
@ü6e ^ntmxt fd^attt, burd^ be3 2Balbe8 ©unfel 
Saud^je baS @d^o. 

» Lyr. III. 2. 



J)ie erfte unä bctaunte Obc ern[tcn 3^()altä, bcr 
©icgcägcfang auf ^erbinanb ü.^ auä bcm 3a^re 1628 ld|t 
burc^ bic Äü^nl)cit il^rer Silber unb i^r uugc[tümcä gcucr ein 
Itjrifc^eä Jalent erfeunen, baö nac^ gel^origer Sduterung 
©rofees ju leifteu bcfdl^igt ift. :3nbeffen pflegte 23albe in jener 
erften ^eriobe jn)ei anbere ©id^tungäarten, baö Qpo^ unb bic 
(Slegie, mit einer Vorliebe unb einem ©rfolge, ba^ er o^uc eine 
mächtige Slnregung t)on 2lu^en faum ber li)rifci^en 50{ufe fid^ 



^ Cimelien 364. II. @ie ht^imt: 

Vicit pudendum, credite Posteri, 
Nidum jubarum prodigialium, 
Sacrasque Ferdinandus aras 
Dives opum spoliis replevit. 

Jam nunc rebelles saevitiae suae 
Pudet Bohemos, stellaque lugubri 
Fulgore dirum signat hortum, 
Fumat ubi metuenda strages, 

Summum cadaver. Maxime Caesarum 
Jam dudum apud me, attollerc celsius 
Terra, triumphatorque captam 
Nube super specularc Pragam. 

Vides ut urbis culmina supplici 
Nutent ruina: quod solium fuit 
Jacet, reclinatisque turres 
Attonitae tremuere pinnis. 



— 109 — 

jugctDenbet ^ttc. ©ine [otc^e 3lurcgun9 fittben n)ir in bcn 
bamat^ crfcfjeinenben Oben beä :polnifci^en ^^fi^it^^ Waitf). 
(Safimir Sarbien)^!^, bic nac^ i^rer crften n)enig verbreiteten 
Äötner 3lu§gabe 1628 gu SBilna nnb 1630 in 2lntn)cr^)cn 
an baö iBid^t traten. 

<Sarbiem§, ol^nc grage ber feinfte nnb felbftftdnbigfte 
6c:pi)t beä §craj, ijerftanb eö n)ie leiner t)or il^m, beffen erj= 
gegoffcne, mit il)rem antifen 3nl)alt innig Derfc^motgene ^ox- 
men mobernen c^riftlid^en Stoffen angn^jaffen, nnb gerabe 
biefcg (Streben, bie fd^one l^eibnifc^e gorm im S)ienfte d^rift= 
lieber ^feeen gu öern^enben, übte aud) anf nnjern Siebter 
einen nbern)dltigenben j)ieig nnb erfüllte il^n mit einem @ifer, 
n)ie er ^a:pft 35onifag IV. befeelt l^abcn mag, alä er baä 
:pracl)töoIIe ^antljeon, ben §an^)tfi^ beä ©ßttcrcultnö, gu 
ß^ren 2)?aria'g unb aller ^eiligen einn)ei^te. Jiriuntpl^irenb 
ruft er einmal in einem 5)itl>t)rambus> gum greife bcr ©otteä^^ 
mutter aug: 

SSiel öon erbeutetem ©d^mudC, öon 9fluinen aug fünbiger SBorjeit 

©d^afft S^eurom ft^ ju ^eiligem 2)ienfl um. 

Unb eg jä^let öieUeid^t 

SDarunter au^ biefeg 

Sieb, ben S3accl^antcn entrafft, bie begeljiert fd^mingen ben Xl^^rfug.* 

3Bag ®arbien)gh) in ber religiofen ©id^tung gelungen 
n)ar, bag gelang i^m aud) in ber :politifc^en ; feine t>ater= 
Idnbift^en Oben n)anbeln einiger in römifc^em ©etranbe, aber 
baä »lut, bag fie burd^ftromt, ift feurigcg ^olenbtut. 3lac^ 
beiben Slid^tungen l^in l^at Salbe i)on ©arbien^ält) gelernt, 
ti)ie eine aSergteic^ung i^rer ©efdnge genugfam bartl^ut, aber 
er l^at il^n aud^ an @eift, (grfinbung, ^)octifd^er Äraft unb 
lt)rifc^er SRajeftat, nad^ Orelti'ö Urtl>eil, n)eit überflogen, 
äßieber^olt f^^rid^t er feine bcn)unbernbe 95ercl^rung gegen ben 



Parthenia 6. 



— 110 -» 

^)olmfc!^cn J)ic!^tcr auS; nennt il^n bcn®ro|ctiy* bc§5Jlorbcn8 
bcrül^mtcftcn §arfncr, bcg Or)}]^cuS ©bcnbilb.* S)ie jtDci 
größten nculatcinifd^cn ©id^tcr, bcm aSatcrlanbc nad^ fo ttjcit 
i)on cinanbcr gcfd^icbcn, traten fid^ einmal auf n)enige (Sd^ritte 
na^e, ol^ne fi(^ fennen gekernt gu Ijaben, alä ndmtic^ ©ar- 
bien)gf^ auf feiner SRomrcife 1623 3^9*^^ft^^t berül^rte uub 
im bortigen Kollegium Verberge nal^m.^ 

6rft burc^ ®arbien)gft) n)urbe er tiefer eingefül^rt in 
baS Stubium bcä ^orag, ben er n)dl)renb feinet fiebenä t)ier= 
jel^nmat t)on Slnfang biä gu @nbe lag, fo bafe er feiner xoit 
beg bel|)]^ifd§en ©otteä doH njarb. @leid)n)ol^l ift er nod^ 
Weniger afö ©arbien)äft) ein blofeer SJiad^a^mer beä romifd^en 
Stjriferg, fonbern geigt, n)ie 31. SE. 8(^legel l^eröor^cbt, „eine 
Kil^nc ©id^erl^eit beg ©eifteg, itjeld^e fid^ immer eigene SBege 
tjooifß unb auc§ bie ungebal^nteften nid^t fd^eut." 3^/ ^^^ 
^erber'g gett)iegtem Sluöf^rud^ fte^t er an 9leid[)t]^um eigen- 
tl^ümlid^er SGBenbungen unb genialer 6om^)ofition bem J^orag 
i)oran. 

SDWt 5Red^t fagt fd^on bie Siogra^)]^ie ber ©efammtauö- 
gäbe: 6r n)d]^lte fid^ gumeift unfrud^tbare SSoriüürfe auö, 
gleid^fam einen SBoben, ber i)on Jebem Sebauer t^erlaffen n)ar. 
2(ber nic^tä toax fo felfig unb fo burr, n^aö er nic^t burc^ 
touc^ernbe ^finbung biä gur 2lnmut^ i)erfd^onte, nid^tä fo 
niebrig, n)aä er nid^t gro| unb %)j>oW^ n)ürbig gu mad^en 
toufete. 

Salbe teroffentlid^te feine Oben nebft fteben 33üc^em 
ttjrifd^er SBalber (erftere nac^ ^orageng, le^tere«nad^ Statins' 
aSorbilb) guerft im 3ial)re 1643. 5Die frü^eften 3lnfdnge ber^- 
felben gelten jeboc^ biä 1630 gurudf. ^^x ©rfd^einen tourbc 
i)on ber gangen geleierten SBelt mit ^i^bel begrufet. Applausit 



1 Tom. VIL pag. 190. 

« Silv. V. 19. 

3 Sarbieyii cann. ed. Bipont pag. 805. 



~ 111 — 

orbis, fagt 95albc an einer ©teile, xoo er feinen 5)id^ter* 
beruf tjertl^eibigt. 

S)cr franjöftfc^e ©efanbte gu 3Jiünfter, ®raf J)'2lt)aur 
lernte Salbe'g Oben anStt)enbig; 3«^^^^^^^ S3ldötu§, ber be= 
rüljmtc Sud^l^dnbler ju 2lmfterbam, tjeranftattete einen ^taä)^ 
brutf bcrfelben. J)ie ^^roteftantifd^en 35id^ter Salbenbad^ unb 
aSartdug, fon)te ber fatl^oüfd^e ©dnger ^ctc. ^afeniuä f^rad^en 
bief en Sid^tuugcn gegenüber il^re SBen)unbemng auö ; 2lnbreaä 
®rt)^l)iuä überfe^te mel^rere berfelben. ^n aÄünd^en tourben 
fie fofort in ben ©djulen 'gelefen unb ju ©ttjlübungen be= 
nu^t. Sogar aug ftißer Ätoftergelle, auö bem einfamen 
©econ, ift un§ eine 3lnerfennung il^reg SEBertl^eg aufbel^alten, 
benn im 3^^re 1646 fd^rieb ber SBenebictiner P. ^of), 
SGBcrlin in feine fiieberfammlung : 

®er P. Sacob 83albc ijl 

ein genbric]^ ber ?Poeten. 

©ein genlcin fci^toinget er mit Sift 

©cjiert mit QÜlben Letten. 

3fi über aHe 

3n bifem gatte 

2Bie fc^ön ß^riilatte, 

eirt Queter ^ar^jffenijl 

^a^ allen Öualiteten.* 

3ÖBir brdud^en bie büftere ^dt beä breifeigidf>rigen Äriegeä, 
xoo fo mk eble ©emutl^er nad^ 2:roft unb ©rquidCung 
f d^ma^teten, nid^t aßgul^oc^ in 2lnfd^lag gu bringen, um biefen 
md^tigen ©rfolg gu begreifen, benn gang abgefel^en t)on 
duneren 33ebingungen lag im aOBerte felbft einegünbenbe Äraft 
ein fold^er ©^a^ großartiger (Sebanfen, ein fo i)oßbefaitcte8 
2:onf^)iel ber ©ntpfinbungen, eine fo reigenbe 2lbtt)ed^älung ber 
©cenerie, ein fo melobifc^er Sfleic^tl^um ber f^toierigften Äunft^ 
formen — unb baS aHeä geboten )oon einem liebet)oHen 



^ Ck)d. Germ. 3637. pag. 626. 



— 112 — 

J^crgen, bcffcn ^ul^jd^lag man übcraÜ burd^gufül^lcn glaubt 
— eine bcrartigc &rf*cinung n)ar in ber nculatcinijc^en 
Siteratur nocfi nicht ju läge getreten, ,,X)ie l^rif^en @c^ 
bi^te 23atbe^ö," fagt 2llbert Äna^^)/ „bleiben ber ®lanä^}unft 
feiner Äraft, ber flamnienbe ^erb feiner ©enialitdt, mag aud^ 
ber einfeitige @efd)macf ber Ännftric^ter baran angjnfe^en 
finben, n)aä er mü, ^ier l^ilft nnn toükx fein 33emnt)'n; 
eö finb JHofen nnb fie ujerben blnl)*n. . . . Söenn Sarbiemuö 
in lateinifc^er 3)?armor^)olitnr an bie bentfc(}e aSeröfnnft eineä 
^laten erinnert, fo bürfte Salbe in feiner ®^)rac^übern)dltig^ 
ung mit Dtiidert jn i)crgleic^en fein, boc^ alfo, baß er, id^ fagc 
eg mit aller 3?ere]^rnng biefeä ©id^tcrä, t)ielleic^t nocb ^eroifcber 
ein^ergel^t." 

„3n feinen trefflidbften ^^robnctioncn gel^ören jene gc= 
n^altigen Oben, bie er „(Snt^nfiaömen" genannt l^at, ungefähr 
ac^t^e^n an ber ^a^, . , ^n biefen ^rac^tftürf en fdl>rt feine 
@eiftegma(f)t mit aüen glaggen nnb fc^wellenbcn Segeln 
einiger, fo bap man eö tief em^jfinbet: biefer 3Jiann geborte 
gn ben bcgeifternng^fd^igften 2)?enfci^cn, nnb gn>ar • finb eg 
feine bloö gemachten (Sntl>nftagmcn, fonbern berftenbe ©e- 
n)ittern)olfen, anä n)elct}en fidt) ber etectrifdje Stoff mit un- 
n)iberfte^tic^er 3Jia(J)t ergießt. Seine anfeerorbentlid^c S^^rac^- 
gen^alt im X!ateinif(J)en, beffen er njol^l im feltenftcn Umfange 
mdd^tig n^ar, nnb ujomit er fonöerain mad^en lonnte, tt)aö 
er nnr n^oHte, fam il^m babei »ortrefftid^ gn Statten. 55er 
SR6t)tl)mn5 fd^njingt fic§ tt)ie ein elaftifd^eä ©eficbcr leicht 
nm bie marfigen glngel, njomit ber J)id^ter bie ^ol^c 
fnd^t, nnb e§ n)irb il^m anf biefer l^errlid^en Umfct;an, bie 
er t)on fonnigen 2Bolfenn)ogen nnb gelfenl^ol^en l^erab 
mit flarfel^enbem älnge l>dlt, fd^n)erlic^ 3^manb eine eben= 
bnrtige Äritif entgegenl^alten, fo n)enig ate bem 2lbler, 



6^rijloter^)c, Sal^rg. 1848, ©. 316 unb 317. 



'— 113 -• 

m\m er mit fönigtid^cr ©d^n)unglraft in bcn obtxtn 9lc= 
gionen feine Äreife giel)t."* 

6. 33. ©d)Iüter nrtl&citt über 93albe: ,,6r fennt bie 
9(atnr, ba§ Seben nnb bie 5Ken[d^cn, ift Rnblid^ nnb mdnn= 
tid) gngleid) bi§ jnm ^eroi^mnö, vereint ©efül^t nnb 3Scr= 
ftanb mit ^^l^antafie, 2öi^ nnb §nmor, ift ber S^)rad^e nnb 
bcg 9?crfeg anf eine crftanncnättjertbe Sßcifc mdd^tig nnb mx- 
crfd)ö^5pic^ an nenen Sln^brnden, Söenbnngen nnb ^^^gnren, 
gteicbfam ein ti)rifd)er Sljafcf^jeare, nnb erlebigt ein ieglid)e§ 
S^ema mit tiefem 23erftanbc nnb anf eine nberrafd^enbe, bie 
(5:vn>artnng iibcrtreffcnbe Sßeife."^ 

g-ngen n)ir nod^ an, rtaS ©oetl^e nber33albc an ^crber 
fd)reibt: ,,iRed^t ^ergücfi banle id) für beincn SDid^ter; er 
bleibt bei jebem aOBiebergenn^ berfetbe, nnb n)ie bie 3lnanaä 
erinnert er einen an alle gntfd^medfenben grüc^te, ol^nc an 
feiner 3^^i^i^^^titdt jn tjertiercn."^ 

55abei trotten n)ir übrigen^ nid)t tjerl^e^len, ba§ nnfcrem 
J)id)ter, aU einem deuten Äinbc feiner ^dt, and^ tDefentlid^c 
2)fdngel anl^aften, bie gnm %^til fc^on in feiner natürlichen 
3lnlage, aber me^r noäj in feinem 23ilbnng§gange nnb in 
ben allgemeinen 9lnfd)annngen feincä ;3<^]^^^nnbertg begrünbet 
njaren. 2ßie bie bilbeube Ännft in jener ^eriobe, tjertrcten 
bnrd) Stnbenö, (äanbib, 3^^^^^ Sanbrart n. 21., 3n)arbnrc^ 
anöbrndötiolle Äraft nnb blül^enbeö Seben fid) anSgeic^nct, 
aber nic^t feiten mit 2lnfo:pfemng ber äöal^rljeit, bigarren 
einfdllen gnlieb, in Unnatnr nnb Uebertreibnng öerfdfft, fo 
leibet and^ bie ^'oefie, nid^t blo| SSalbe'ä, fonbern anc^ an- 
bcrer ®id^ter bcrfelben tjern^ilberten ^dt an einem gett)iffen 
3nmel bcg ^knat^^f an 2lngfd^reitnngcn beä ©efc^madfä, 
bie anf einen 3Äangel dd^t fünftlerifd^en aJia|eä bcnten. 



1 e^rifiotcr^c 1848, @. 346. 

2 6 an tu'« Sßcltgcfd^ici^te, beutfd^ t)on ^x^l, ©b. 10. @. 363. 

3 ^crbcr'g gf^ad^lag. Ungcbrucftc ©ricfC; S3b. 1. ©. 147. 

SBeflerma^^eT, 2la»^uS Salbe. 8 



— 114 — 

Ircffcnb bcmcrft ^ncop^f in S3ejug auf ben inncrn :|)octifcl^cn 
Sprogcfe unfcrcä ©id^tcrS: „Qx gel^ort nid^t gu ben conccn- 
ttirtcn, [tetä rul^ig cntpfangcnbcn ©elftem, bei tt>el(j^cn bic 
i5orm fogteid^ mit In)ftaßifirenber Oeconomie, mit ternl^aftcr 
SHbruubung erfcfjeint, fonbem gu jenen üben)otten, auögie^en^ 
ben (Seiftem, n^eld^en bie ma^l^altenbe ©liebcrung il^reö 
©toffeg fcl^n)er fdttt, xod(i)t ba^cr bei bem waßenben (Strome 
il^rer ©ebanfen unb 6m^)finbungen ©efal^r laufen, fid^ in'3 
©reite gu verlieren. 6r ift neben bem ^u^jfenben Sebenä^ 
^)unft, au§ n)ct(j^em ein lT)rifd^eg ©ebic^t naturgemäß fx6) 
entn)idett, gu fel^r SR^ctor, ^^]^ilofo^)f> unb ^^ol^l^iftor, aß 
ba| fid^ feinem erfinberifc^en , an ©toff überreichen ©eifte 
ni(j^t mand^eämal Silber unb aSergleid^ungen aufbrdngten, 
bie gn)ar angiel^enb, aber nic^t n)efenttid^ organifc^ flnb, unb 
bal^er an mel^reren Orten ein ©efül^l ber Ueberfdttigung er- 
geugen . . , . ©ä tt)ar il^m ein ©eringeä, ein ^^funb ©ol- 
beg, beffeu er fo i)iel befaß, an ein ©cbilbe gu tjerfc^wenben, 
tt)o ein Slermerer mit einem 8o;t^ Heinmüngelt , ober ge^n 
Sorbeerbdume unb ^-P^lmen l^ingu^flangen, tt)o eigentlid^ nur 
SRaum für ein befc^eibeneg 3^iUi^^9^^^^^ Ut-"* 

SDemnad^ n)irb man eä begreiflich finben, baß S3albe ber 
frud^tbarfte lateinifc^c 5Did^ter aüer ^dkn gett)efen; tt)d^renb 
bie ^)oetifc^en SBerle beg Otjibiuä nid^t tjotte 35,000 95erfe 
gdl^len, finb in 33albe'g fdmmtlic^en Stiftungen beren mel^r 
als 80,000 enthalten.* 

SSaä ben ^nl^alt feiner ©efdnge betrifft, fo tonnte man 
benfelben unter folgcnbe §au^)tgru^)^)cn einreil^cn: Sleligion 
unb £ebensn)eis]^eit, SSaterlanb unb greunbfd^aft, Statur unb 
Äunft, n)obei ben brei erftgcnannten SEiteln tt)o]^l ber größte 
nnb gel^altöoCfte Slntl^eil gufiele. SBir tt)erben ben Sid^ter 
nac^ biefen öcrfd^iebenen 33egiel)ungen, fo t^eit eä nid^t fd^oif 
gefd^el^en ift, eingeljenb tt)ürbigen. — ^n ber SluSfül^rung ber 



(S^riflotetpe 1848, @. 318. > Weittenauer miscella 11. pag. 854. 



— 115 — 

eiuielnen Sl^cmate bleibt er in tnand^en Oben, bcn §oraj 
nad^a^menb, ööUig antif, unb :praci^tt)oC, njie einem geborenen 
©enator gelingt i^m ber i5^ltenn)nrf ber romifd^en 2^oga; in 
anbern je^en \m l^elbnifd^e nnb c^ri[tlid)e älnfd^annng feltfam 
in einanber fliegen, in^tt)ieber anbern tritt nnö eine iiber= 
rafc^enbe SRomantil entgegen, bie nnä anä ber alcdifc^en 
Stro:p^e ho)f>fdt befremblic| anmut^et. Salbe l^at, tDaö fein 
9^eulateiner, ®agduä metteic^t ansgenommen , i)or il^m i)er= 
fuc^t ^ai, mit ber ^iomantif ein neneö (Clement in bie la= 
teinifd^e ^oefie eingefül^rt ; n^ie ein janberl^afteä 3Jionblic!^t 
f:pielen in mand)e feiner ©emdlbe bie SEBnnber ber fiegenbe, 
bie 3Jii)fterien beä Dtatnrlebenö unb ber ©eiftern^elt l^erein. 
Sein Sd^attenreigen, ^ feine fterbenbe ©enofetja,^ fein „®ebet 
um einen feiigen Sob",^ feine ^Ji^iebl^ofägebanlen/ feine Obe 
an ben ©c^laf^ entl^alten ,,leud^tenbe Äeime ber ticfften, 
feelent)olIften atomantil" unb erfüllen baä ©emütl^ beä fieferg 
mit fü|en ©d^auem. 

©ine anbere Saite ber SRomantif fd^ldgt ber Siebter an 
mit feinen Sd^ilberungen beg SJiaturlebenS. SBifeman ^at 
in einer feiner 2lb^anblungen ^ ben Sen)eiä gefül^rt, bie 2llten 
^dtten im ©egenfa^ gu ben c^riftlid[)en 3Solfern nid^t fofaft 
\<iebe alä öielmc^r Setuunberung für bie Dlatur gel^cgt, unb 
i^re ®d^onf>eiten fdnben me^r tt)irflid^e ©tjm^jat^ie im ©e* 
fü^le ber steuern, aU fie je bei ben Sitten gefi^nben. S)iefer 
(2a^ Id^t fic^ in ber nationalen 35id^tung ber einjelnen 
aJölfer fc^on Jrü^ nad^tt)eifen; im SSereid^e ber lateinifd^en 
Äunft^joefie mod^te er fi(^ guer[t an 3^cobuä SBalbe beftdtigt 
fiuben. äßdljrenb ©riedjen uuo 3tömer über ein allgemeines, 
man fonute fagen, religiofeä ^^tercffe an ber SJiatur fid^ 
faum erhoben, fü^lt fid^ unfer J)i(^ter md^tig gu il^rem 
Traumleben l^ingegogen: laufd^enb ru^t er am §erjen ber 



* Lyn II. 33. » Lyr, HI. 4. 8 Lyr. IV. 49. ♦ Silv. VU. 7. 
5 Lyr. II. 3ü. « SSermifd^tc (Schiften, ftöln 1857, ©b. 3. @. 267. 

8* 



— 116 — 

(E*c^)fun9 unb beulet mit liebenbem a?erftdnbmB il^rc 3^^*^^ 
unb fiaute. 

3tn ,,@arten beö ip^labes"* muffen bie argloä er- 
fc^lcffenen fiiUeii unb 2?ei(cl;en unb bie fpiegettlaren CucUen, 
bie jebeä Steinten auf i^rem @runbe fc^auen laffcn unb 
jebcö ©el^eimniß ber liefe ^laubernb tjerratl^en, bem greunbc 
baö 3CBefen ber ^'^^eunbfc^aft erfldren; in ben ^^l^angenbcn 
©arten" 2 l^aud^en bie Slüt^enfetck rofige ®lut, unb bie Stern= 
btumen n^afd^en fidb mit I^au bie feuchten ^leuglein auö. ^n 
ben It)rif(j^en äödtbern (VII. 1) l)ei|t eä t>om Schinne beä 
fienjeä: 5)en SBinter l^aben bie aSoglein t^erfd^tafen. Stellt 
auf, ruft ber ^^rü^ting, erjd^tt eure Xrdume! Sa ern)ad^en 
fie unb fc^ilbern bie iraumgebitbe i^rer ?lad^t, unb gertl^eitcn 
mit il^rem ©efang bie Söctlen. ©ag ^/S^g^rtucä^", t)on bem 
fc^on bie Stiebe n)ar, Id^t un§ be§ 3)ic^terä 9laturliebe in 
il^rer gangen Stdrlc erfdjeinen. Diamenttic^ bie 13, Obe, tüo 
er mit bem Slannenbaume f^)ric^t, unb ber 3^9i>^it]^i>rambu§ 
mit feiner jaui^genben 2öaibmannsluft atl^men eine fo f6ft= 
lld^e SBalbtuft, ba§ man fic^ n)d]^renb beg Sefenö t)on ben 
alten Pannen (Sbergbergä unb i^rem ©epfter umn^el^t fül^lt. 
9^ac^ bem ©efagten n)irb bie 23e]^au:ptung ni*t aögu fül^n 
fein, ba§ 33atbe in ber tateinif(f)en ©id^tung eine neue ffial^n 
gebrod^en, unb ben Uebergang t)on ber llaffifc[)en gur mo= 
bcrnen ^l^oefie lebenbig t)ermittett l}abe. §dttcn bie beutfd^cn 
3)ict)ter ber ndd^ftf otgenben '^ßeriobe ftatt ber leid^tfertigen, ma- 
nierirten SDid^ter ^t^R^^^ ^^^^ ^^^anlreid^ö feineu ©ebanlen- 
fing fid) gum aSorbilb genomtöen, ^dtten fie fie^ an feinem 
reinen 9laturfinn, feinem '^atriotiömuä , feinem 2:ugenbeifer 
cntgiinbct, fo n)dre mand^e Sd^mad^ unferer Siteratur ab= 
gcttjcnbet, unb il^rc gnjeite SSlütl^e njol^l frul^er l^erbeigefül^rt 
n)orbcn. 

^xoax mu^ man, feine ndd^[te ^di in'ä Sluge gefaxt, 

» Lyr. I. 14. > Lyr. n. 20. 



— 117 — 

juftimmen, tt)enn @crt)inug^ bel^au^^tet: „5luf bic beutfd^c 
^oefie ^at er mit feiner latcinifd^en entfc^iebeu getoirft . . . . 
Wef)xtxt ^egni^er überfe^teit SBerle i)on il^m. älnbreag 
(^rv:p^iu§ l^at für feine geiftlid^e ^oc|lc, angeregt burd^ ba§ 
'^^^antafietioHe in Satbe'ö ©id^tnngen, i)ieteg i)on il^m gelernt." 
Slltein be^nngead^tet toixh fetten ein großer J)i(j^ter t)on feinem 
SSoKe fo fd^nell t)ergeffen tvorb^n fein, alä eä bei il^m ber 
galt n)ar, J)en ge^^nbcrten ©dngern auä ©ottfd^eb'S nnb 
©eifert'^ Schute n)ar ber 'iUtann gn gro^, jn geteert unb ge= 
banfentief, atä ba^ fie fid^ ernfttid) mit il^m befd^dftigt l^dtten. 
ßrft 150 ^Cii)xt nad^ feinem 2tnftreten follte unfer ©dnger 
auf bie 6ntn)idftung unb görberung ber beutfd^en Sitcratur 
nad)^attigen ©influ^ gen)innen. §erber erlennt fid^ burd^ 
feine fiectüre ^öc^ft i)ortl^eit^aft angeregt, inbem er gcrabegu 
gefielt: 2ßie manche fuße ©tunbe ber 9JÜtternad^t , n)ie 
manche tiefere gurd^e ber inneren guttur ^abe id^ unferem 
35id^ter gu bauten! ©octl^c'ä Urt^eit über il^n ^abeu xoxx 
fc^on ern)d]^nt. ^n S^oöati^' geifttid^en Siebern finben fid^ 
me^rfad[) 2lnftdnge au SBatbe'ä Oben; namenttid^ ber ©efang 
ber aSerftorbefien im IL Sl^eite beä ^einric^ öon Ofterbiugen 
ift gang im ©eifte feiner Choreae mortuales gebadet. 5Der 
belanute 5)ict)ter beä ^atberftdbter Äreifeg, Ätamer ©c^mibt, 
feiert 23atbe im 3^^^^ 1796 buri^ eine tiefentpfunbene Obc. 
S)oc^ tt)aren nii^t alte, bie auä feiner güHe fc^o^)ften, fo 
aufri(^tig, i^re Quette gu i)errat]^en, tt)ie g. 33. eiueä ber beften 
©tüdfe t)on 2^^, yiit ©6^, baä (g^)itl^atamion bei aSerel;e= 
tid^ung beä §errn Le Clerc, ^ ber ©rfinbung nacf) 33atbe an= 
gel^ört unb einfad^ eine D^ac^bitbung ber 28. Obc beS 
IX* Sud^eä ber aOBdtber, Metamorphosis betitett, ift. SDa= 
gegen brennt 2ltbert Äna^}^), ber trefflid^e geiftlid^e ©dnger, 
im S^^^Ö^^Ö i848 feiner 6]^riftoter^)e, ba^ il^m 33atbe'ä 



* ©cröinug, ©cfcö. b, ^)oct. D^ationattit. b. ®cutf(^cn. III. @. 329. 
2 ©ie^'i ©ijfecn'g ©ebid^te, l^eraugöcg. ö. «Ramlcr, ®b. 1. @» 39. 



— 118 — 

Sccturc [*0Ti t)or n>ctttg[tctt§ 8 3i^^^?^^^^*>^^ ^^^I föfecn 
©ctfteSgcttii^ bereitete nnb auä) auf jetTiefc^)oetifd)e Silbung 
ntd^t o^nc n^efentüc^en ©influfe geblieben fei. 

^oUtifd^e SDic^tung. 

6ä l^at too^ trenige Siebter gegeben, bie, einem firc^- 

liefen Orben angel^orenb unb barum jund(j^ft öon geiftUc^en 

^ntereffen beanf^)ruc^t, baö (Sefd^idf i^reä SSaterlanbeä mit fo 

toad&em Slidfe verfolgt unb mit fo tiefem ©efül^lc mit- 

em:pfunben l^dtten, n)ie ^^^obuS SBalbe, (Sine ^elbenlraft 

t)on ^atriotiämuä liegt in feinem ^^neren geborgen — unb 

Id^t fort unb fort i^re tonenben ^J^^crgarben , bie tDal^rcn 

S^otl^flgnale beä SSaterlanbeä, jum finfteren beutfci^en ^immel 

auffteigen. 3Baö in i^m gd^rt unb f^)ru]^t, ift feine unftare, 

fernen tjerraud^enbe iBegeifterung , fonbem jener nad^l^altige, 

erleud^tete O^^fermutl^ , ben bie flare ©rfenritni^ gefdi^rbeten 

SRed^teg, ben bie SGBa^rung ber ]^M)ften, l^eiligften ©üter in 

ber SÄenfd^enbruft njad^ruft. 5)ie eingige Surgf^aft für bie 

aSertoirllidjung atter l^o^en, bege]^renön)ert]^en ^kk im ftaat- 

liefen tDie im firc^lid^en ii^itn \ai) er in bem 33eftanbe beö 

l^eiligen romifd^=beutf(^en Oteid^eö, in ber 9lufreci^tl^altung ber 

faiferlic^en ^l^iad^t, bie er ebenfo fel^r alä SBoCtt)erf gegen bie 

^)olitifd^en geinbe Seutfcä^lanbä , tote gegen ba§ Umftd^- 

greifen ber ©laubenäneuerung erfannte. ^n ben beiben erfteu 

3a]^rje]^enben beg breifeigjdl^rigen Äriegeä, ba eg nod^ ben Äantpf 

um f>o]^ere, ibeale ©üter gu gelten fd&ien, f^)rid^t auö feinen 

Oben anfeuemb unb entgünbenb tobegmut^iger §eroiömu^; 

feiten ging ein gro^eä (Sreigni^ an il^m vorüber, ol^ne in 

feinen Siebern einen mddjtigen SEBieberl^aU gu toctfen. 5Die 

©c!^lac!^t am wi^tn Serge/ bie 2:reffen bei SBim^)fett unb 

Sutter,^ ^a^)^)enl)eim'g Job,» Jitt^'ä gelbl^errngrofee / bie 

®(^n)eben in SRüni^en,^ SGBallenftein'ä Untergang* unb oielc 

» Lyr. n. 3. 2 Lyr. IV. 1. 3 Lyr. I. 19. ♦ Silv. IX. 18. 
8ub fin. « Lyr. U. 26, « Lyr. IL 13. 



— 119 — 

anbete benftDürbige 3^^*^^^^^^ W^t ^ feinen Sägern in 
I^rif(j^em ginge tot, nm fie bnrc^ ben Slnbütf tt)a^rer §etbens 
geftalten, n)ie bnrd^ ben ©lanben an einen überirbifd^en S^nfe 
ju trener 2lnöbaner gn entflammen. 

©türmifd^ begrübt er ben Slbler beä bentf^en SSeid^eS 
bei feinem 2lnSgnge jnm l^eiligen Äanti^fe nnb begleitet il^n mit 
^ei|en ©egengtoünfc^en * nnb f orbert feine ßanbSlente anf, fid^ 
feft nnb einmntl^ig nm biefeä panier gn fd^aaren, inbem er 
il^nen glorreiche SJiamen ber SSergangenl^eit, ben 2:nrfenfd^redtett 
^[botp]^ t)on ©d^n)ar3enberg nnb ben trenen Dritter ©e^frieb 
gd^n)e^):|)crmann in'ä ®cbdc^tni| mft.* 

Der nngefd^mdlerte Sefi^ftanb be§ bentfd^en SReid^eg lag 
ii^m f fel^r am §ergcn, ba| il^n ber aSerlnft ber ©rengfeftnng 
Sreifad^, x>on bem er, eben )oon einem ©^jagiergangc ]^eimge= 
lel^rt, erjdl^len ^orte, in bie tieffte ©d^tt)ermnt]^ t)erfe^tc,^ frei= 
li(^ erft jum leifen SSorf^jiel jeneä nnenblic^en S^mcrgeä, 
mit bem il^n bic bleibenbe 5lbtrcnnnng feines ®lfa| t)om 
bentfdjen SReid^e erfüllte. 2ll§ il^m bie (Sd^o, nm bie 3^Iii^ft 
feines ^eimatlanbeS befragt, eine gn)eibentige Slntn^ort gab, 
f^)rac^ er in feinem Unmntl^e über baS lieblid^e ^effellol^ ben 
gln^ ber SSertvüftnng anS.* 

SDie 9flat]^fc^ldge, tt)el^e er bem armen aSaterlanbe nnb 
feinen ^^M*^^ mitten im ÄriegSnnglüdfe gnnift, l^dtten eS, 
wdren fte bead^tct n)orben, t)ielleid§t nod^ retten ober bod^ bie 
§efe be§ SeibenSfeld^eS il^m erf^arcn fonnen. S5om ©d^ad^- 
brette njeg* mal^nte er ben Äaifer gerbinanb lü., ber feit 
langem bem ^ere ferne geblieben tt)ar nnb in entfd^eibenben 
50?omenten, n)o eS gn fd^lagen galt, t)on SBien anS feine 
gelbl^errn inftmirte: 

%x\tt nun enblld^ auc]^ bu, Ä5ntg llbrafl, l^eröor ! 
©d^limm rt>aV§i, je ju öertrau*n feder ©olbatcnfaujt 
S)eincr SBürbe ®ett)id^t. SBcr ftd^ bal^eim t)ertt)B§nt, 
Sll^nt nid^t, tt)a3 in ber gerne notl^. 

1 Lyr. I. 38. » Lyr. L 37. 3 Lyr. I. 36. ♦ Silv. IX. 28. 
« Lyr. IIL 13. 



— 120 — 

SBS^renb Söcifung ercjel^t, ttSl^renb tt)it gabier, 
SDod^ jur §Slftc nur, fmb, n^Sl^rcnb tt)ir, tücinbctl^aut, 
^anbcln SRofc unb 9^arb' ein für ben 2lugenbti(f, 
gäUt ber Söürfel bcg 23atcrtanb'g. 

SDem bcutfd^ctt SSolfe legt er bie Stütffe^r gur alten 
©ittcneinfalt unb ©otteäfurd^t n)arm au'ä §erj. §icr fül^lt 
man eä fc^mergticl), mt f:purtoä feine SJlal^nungen an bcm 
eigentlichen aSolfe ijorübergel^en mußten, ba er in einem frem= 
ben S^iom, in lateinifd^er S:pracl)e, ju i^m rebet, Södl^renb 
er einerfeitä bie entartete ©rgie^ung, bie 3tad^dfferei beä 5lug' 
lanbeg, bie eingeri[fene5!}tobe)u(^t mit eblcm Unmutige geißelt^, 
l^dlt er ber 2:ugenb, n)o er fie finbet, eine begeifterte Sobrebe 
unb ftettt fie aÜen gur SRad^al^mung l^in. §o(^ :preift er bie 
Jungfrauen x>on Sanb^berg unb Sanbä^ut, roddj^ lieber ben 
£ob ern)d]^lten, alä bafe fie fid^ ber Sc^mac^ überlieferten,^ 
l^ocl) erl^ebt er bie feufd)e Sift eine^ 33auernmdbd)eng, bas fic^ 
t)or ben :plünbernben ©d)n)eben in einen Sarg gef(üd}tet l^atte,^ 
f)0(i) rü^mt er bie 33ürger ber ®tabt 23rünn, ba§ fie beni 
§eere beg Xorftenfon tro^ il^rer geringen ^<xi)l muti)X}oU ju 
ttjiberftel^en n^agten/ 3Jiit aßem 9iac^brudE bringt er auf bie 
3Serbe[ferung ber fo tief gefunf enen Ärieggjuc^t,^ tx)arnt aber 
ni^t minber einbringlid^ \)or ben ®d^lei(^n)egen macd^iai)eHifc^er 
^politif, t)or jenen unglücf feiigen 3tat^gebern, bie nad^ bem 
aSorbilbe eineg ßamerariuä, oljne (Slaukn unb ©otte^furdjt 
im ^ergen, bem gemeinen, aSortl^eil beg Slugenblirfö 5llleä gum 
0^)fer bringen.^ 

SBaö ben erfteren ^unft betrifft, Id^t er f{(^ im aSor= 
ttjorte gum IV. 33ud^e ber Södtber fo mnel^men: 

„3m Sager ^intx>ieberum, tx)aä l^at bie il^rer felbft ni^t 
mdd^tige Seibenfd^aft bort für ^eif:piele auggeboren! 5)aö 
offenttid^e SBol^t n)irb ol^ne Unterfd^ieb bem ^^rii)ati)ort]^eile 
geo:pfert, bie Ärieggguc^t ftanb niemals n)eniger im glor, 



1 Silv. m. 2. 3. 4. 2Lyr. K 17. 3Lyr,nL26. *Silv. IX.19. 
* Lyr. IV, 11, Silv. UI, 5, « Lyr, IV. 16, 



— 121 — 

bie t)crbcrblid^[tc ©iferfu^t niemals ü:p:pi9cr. J)ic i)on Q:i)X^ 
geij abgel^drmtcn §clbl}errn ^oitn bie fd^onften ©elegenl^eiten 
juin Siege tiorbeigel^eu taffen; bemt tx)d^renb fie auf bem 
winjigen fünfte ber eitlen e^re bie SBürbe il^rer ^^Jerfon 
breit ju mai^en bemül}t finb, überfallt ber geinb in ber Siegel 
bie §abernben unb fto^t i^nen beiberfeitS bie Jporner ab, 
nac^bcm er einmal über (f(l)lacbti)ertx)üftete (Saue in'ö §erj 
beö römifc^en 9{eict)eg gefül^rt ift, keinerlei 2Baffen tuaren 
l)inreic6enb, ben 2)eutf(j^en jn ®runbe ju rid)ten, n)enn bie 
\)on 2lufftdnben jerfleifi^ten ©lieber jur 9Sert^eibigung eineä 
folct)en Äor!|)erä gufammengetx)irft Ratten." 

?ltg enblid^ im legten ^^^^ä^^^^^^c ber ^ieg, jebeg ^ei= 
Ugen ^icleg baar, in tDÜfteg "iKorbbrennen ausartete, ate auf 
bem ringä ijerobeten Soben 5)eut)d)lanbg nidjt mel^r SSolf 
gegen 95olf, f onbern .^\>dnenl}eerben nmßeidjname gu fdm^fen 
fc^ienen, ba t^anbte ftd) fein (^eift fd)aubernb \)on ber uner= 
meßlic^en 3?ertt)üftung ab unb fd^aute fe^nfüd^tig ber2)lorgen= 
rötl^e beS Jriebenö entgegen, bie fid^ in bdmmernber gerne 
geigte, als gu 2Rünfter unb Oänabrüd ber euro^difd^e 
6ongre|3 gur enblic^en Beilegung beg langen ©treiteö gu 
©taube fam. 

Ueber ben ^4?^tteien fte^enb, n)ünfd}t er nid^t ben Unter= 
gang ber Slnberägldubigen Ijerbei, fonbern mod^te bießintrad^t 
ber bcutfd^en dürften, „biefen Änoten, ber ftdrfer alä ber 
gorbifd^e", • unaufloMid^ fcftigen l^elfen,^ mod^tc ben Ärieg 
im Jentpel beg ^^^^^ ^i* ^unbcrt Äctten feftbinben unb 
mit en)iger 5Rad^t begraben,* mod^te ben gangen itrieg mit 
oW feinen Söaffen, gal^nen unbJRüftungen gu einem riefigen 
edjeiter^aufen auftljürmen unb 3lc^an'ö Jlud) foUe jeben 
treffen, ber auä bem lobernben 33ranbe aud^ nur einen 35olc^ 
l^intx)egnd^me.3 

Unabldffig l^dlt er ben ©eutfd^en t)or, tx>elc^e ©d^mad^ 



1 Silv. IX. 15. 2 Sil.v. IX, 4. » silv. IX. 26. 



— 122 — 

ff 

■ .-* 

c8 fei, gegen il^t eigene^ (5tngen)eibe ju tDütl^cn, tun toie »tri 
bcffcT eä il^nen anftüube, bem i)on Oftcn l^cr brol^enbcn gcinbc, 
bem Sultan, treu ijcrbünbet gu begegnend Slad^itonber 
ttjetft er bic gd^atten bcr brei größten Jürlcnfeinbe, beS 
gcanberbeg, beä §unt)abi, beS S^^an b'Sluftrla, oud l)^ 
§clbcngrdbcrn, um an il^rem SSorbilbe fein tjerBlenbetcS , fxi) 
fclbft bcfricgenbcä SSol! gu einem neuen Äreuggugc. ju cnfc 
flammen ! * 9Jf it ergreifenben 3^9^^^ befc^reibt er Jegt' cfaie 
SBanberung burc^ Äonftantino^el unb feine öon (S^tlften cr^ 
fußten Sdai^enmdrfte,^ }e^t eine Umfc^au auf ben ®t^)feln 
ber ^^ramiben, xoo fic^ il^m ba§ fruci^tbarftc ßaub ber SGBelt 
unter bem tt^rannifc^en 3iod^e ber Surfen jetgt, ttjobci er mit 
fo glül^enben, naturtreuen garben malt, ba§ man leidet auf 
ben ©lauben fommen tonnte, er fei felbft einmal im Orient 
gen^efen/ 

(Sine befonbere ©teile unter Salbe'S ^jatriotifd^en S)ic^t= 
ungen nel^men bie $:l)renobien , 2)eutfd^lattb*g Älagegefängc, 
ein.^ eg tt)urbe bereite furg ertudl^nt, ba^ greunb SRiwtna 
bei einer ^i^fammenfunft in SBarenberg unfern 3!)icl)tcr t)er= 
anlaste, biefem traurigen ©egenftanbe fici^ gugutuenben. 6ä 
n)ar im Sommer 1640. 2)amal§ n^ar JRiijerna mit berÄlagc 
l^eröorgetreten, ba^ S)eutfci^lanb, n)el^eä mit ber ©(j^aitbc unb 
mit bem Jobe ringe, nid^t einmal einen ©id^ter mel^ fibrig 
l^abe, ber fic^ i^erbei lie^e, ber ©terbenben einen ©rabgefang 
gu fingen. 3^9^^^^ ß^B ^^ ^^f ^^^^^ rtnen fel^r mi^gfin- 
ftigen a3lirf fallen, alä ob er il^n be§ UnbanfeS unb ber 
Sd^laffi^eit befd)ulbigen tx)olltc. 5)er eble Patriot fomite 
natürtid^ nic^t tüiffen, ba^ im ndmlid^cn^a^re feinem aSBunfd^e 
bereits tüiHfal^ren t^ar, inbem S^ftuä ©eorg ©d^ottel gu 
33raunfci^n)eig „ber nunmel^r l^inftcrbenben ^R^ntpl^e ©ermania 
elenbefte SobeSflagc" tjeroffentli^t l^atte. 



* Epod. 1. * Lyr. I. 39. 40. 41. » Lyr. IV. 38. ♦Lyn 111.47. 
* Silv. IV. 



— 123 — 

gut ©albc aber t^ar bie Slufforberung bc§ ^rcuubcS 
gcnögcnb, um i^n ju feinen l^errlic^cn $:^rcnobiecn ju be= 
gcijiem. @ie atl^men ganj ben ®eift ber !|)ro^)l^ctif(J^en Ätagc= 
tiebcr, ©inem tiefbetDegtcn ©cmütl^c cntftrömcnb crfd^üttem 
jlc bie (Seele auf baS tieffte unb mußten auci^ in bcm ^temben, 
ber für ©eutfd^lonbS SBol)! unb 5öe^ gleichgültig war, baS 
Ittnigfte SWitgefüH erregen. (?§ f^ric^t fi(j^ barin eine 5Sater= 
lanbSliebc oi^ne ®teid^en, eine SBel^mutl^ unb ein Sommer 
unb baneben n)ieber eine 5)ulberfraft unb@rgebung auä, ba§ 
\r>xx bem5)ic^ter unfere ben)unbernbe 33erel^rung nic^t ijerfagen 
I5nnen. Slffe ®d|n)ingungen beS menfd^lic^en (SJefül^tä, öon 
bcu jdrtli^ftcn Sauten ber Siebe (istine vultus Alsatiae 
meae? Thren. IL) bis jum ©el^eul beS ©ntfefeenS (Adeste 
Sueci, Lappia, Totilae! Thren. IV.) beben burci^ biefe ®e= 
fange; in großartigen, ben?egten Scenen giel^en bie ©tdbtc 
unb ^romnjen 5)eutfd^lanbg unb bie n)id)tigften ^erfonen 
bcS langen $:ratterf:pieleS an unferem 2luge t)orübcr, biä 
gule^t ©ermania !m ®en)ußtfein il^rer Sd^ulb ficft freitüiCig 
ben tobtlid^en Streid)en il^rer ^einbe ^)reiägibt. 

Uebcrblicfen n>ir nod^ einmal bie gal^lreic^en ^^atriotifc^en 
©id^tungen Salbe'ä, fo muffen n)ir ftaunen über baä flare 
unb fld^erc Urtl^eil, n^eld^eg er, obxocH)l inmitten ber ©reig^ 
niffc ftcl^enb, wie üon ttjeltentrürfter 3öarte auä über bie be= 
beutcnbcn 9Rdnner unb Segebenl^eiten feineä ^^italterä fdCt. 
©eine ?lnjU^ten über bie ©roßen jener Jage , über 3BaIlen= 
ftein, ber il^m ein §od^t>errdt^cr, über ©uftai) Slbotp^, ber 
il^m ein Ilug bcrec^nenber Jpeuci^ler, über $:ittt), ber il^m ein 
ebler, d^riftlid^er §elb ift, über bie ^^erbinanbe, bie er aB 
35orbilber fürftlic^er 3JUlbe greift, l^aben eine gcitlang für 
ungered^t gegolten, finb aber burd^ bie grgebniffc ber neueren 
©cf^id^täforf^ung meift gldnjenb gerei^tfertigt. 

UebrigenS l^at ber ©id^ter feine ©rünbe, fld^ nid^t überall 
gleid^ beutlid^ unb unumtDunben auäjuf^)re^en. ©crne büUt 
er bie SBirflic^feit in bie ©d^fcicr mtjtl^ologifd^cr ober alt^^ 



— 124 — 

J)iftorif*er 9iamen, befonbcrö rvenn c§ gilt, cinfc^ncibenbc 
äya^r^citctt in bcr milbcftcu Jorm feinem 3^italter nalje ju 
legen, unb ein cin|a*e§ 3?ilD ans Der (^otterfage, eine fc^lic^te 
V^araltele ans ber atten @e|cf>icf>tc reicftt feinem geiftooUen 
*|UnfeI l}in, nm bie fd^tDierigften i^er^dttniffe nberrafc^cnb flar 
jn beten*ten. „^cbnjertic^ treten", fagt Sllbert Änap^), „bei 
einem genialen üitjrifer bic @eftalten ber 95or^Delt in fotd^ 
feltener nnb reid^er 2)Wfc^nng anf, nm noc^ einmal bem 
f!|)dten 3^^i^^ii^t>^rt als ©ottmetfc^er beä ©eifteä nnb nntjer^ 
äußerlicher Jßa^rtjeiten jn bienen, tt)ie bei nnfercm 3)i(j^ter, 
ber im ©ebiete ber ftaffifd^en Literatur and^ bie entfemteften, 
oft nnr einmal bef^jrod^enen i)iamen ober 5)inge mit einer 
Sic^er^eit jn nennen, mit einer ®en)anbt^eit einzufügen n^ei^, 
bafe eä t)on bem ©^dteren faft überall ein ernfteä ©tubium 
forbert, tDenn man ben tanfenbfarbig gefügten S:e:p:pid) feiner 
äBcltanfc^annng gel}orig entziffern, unb bie baranf oft in 
Ueberfülle t>erf(^n)enbeten ©eftalten nad^®cbn]^r t^erftcl^en unb 
genießen n)ilt."* 

SReligiofe 5)id^tnng. 

S)ie (j^riftlic()e ^oefie ber 5Reulateiner i)or ©arbienjäf^ 
nnb Salbe ti?ar ]^6d)ftenö gelungene Jiad^al^mnng ber Sllten. 
3Jlan mn^ gefte^en, ©annagar unb 2Siba n)aren geborene 
35id)tcr , anägcftattet mit jener 23egeifternng, ^^il^antafie 
nnb Slnmut)^, toeld^e ben :poctifd)en 23ernf benrtnnbet. Slber 
fie ma^en ben ging i^rer Sichtung nad^ ber §ol^e beä ^ar- 
naffecj unb l}ielten eä in il)rer abgottifd^en aSerel^mng ber 
r6mifd)en S)id)tcr für unmoglid), über beren Äreife l^inanS- 
jngcljcn nnb neue Salinen gu eroffnen, ©ie gülle unb §o]^eit 
bcr 3^ccn, bic unä im 6l}riftent^nme erfd^loffen finb, tx)nrbe 
i)on jenen 35ic^tcru l)6d}ft einfcitig ausgebeutet unb oern)ert]^et. 
ih>aö fid) nid^t unter ben (^^cfi^tä:punlt antifer Slnfc^annng 
bringen unb in tlaff if d)cn 2Benbungcn angbrürfen lie^, baä i)emr= 



* ei^ri|loter»)e 1848, <S. 291. 



— 125 — 

tl^eiltcu fic als un^50ctif(j^cn Stoff gu cn)igcr ^rofa. SlnbcrS 
bei 33atbc. •2)aä ausgefragte c^riftÜd&c Scn)u^tfein bel^errfc^t 
unb belebt in feinen teügiofen Sichtungen bie falten formen, 
bic er aug bem 3lltertl^ume l^erüber genommen, n)aä um fo 
mel^r ]^ert)ortritt, al§ er !ein Sebenlen tragt, in ber ©^jrac^e 
ber ^ibel ju bid^ten unb auö ben ^falmen, bem l^ol^en Siebe, 
ben ^^ro^)]^eten unb ber 3t))ocalt)^fe eine SDZcnge i)on Sluä- 
brüden unb 23ilbern in ftaffifd)en ^Jergmagen einzuführen, 
greilidb ftel}t er mit biefem beginnen auf ben Sd)ultem 
® arbien)5ft)'ä , ber in ber bibüfc^en ^ara))]^rafe 35uc^anan'g 
unb »arberini'ä (Urban^g VIII.) aSerfudje überflügett ^atte; 
allein er gel^t nod^ einen gcfiritt xodkx unb Idfet felbft bie 
fird; liefen ^^mnen unb bie 3Wt)ftif beö 3JJittelalterg auf 
l^orajifc^er 8t)ra n)ieberf lingen. S)er ganje Sci^afe x>on -^Soefie, 
ben baä §eiligt^um ber Äird^e birgt, roax 33albe'ä innerfteä 
(Sigentl^um getDorben, barauä er, n)ie au§ unerfc^o^pflic^em 
23orne, Oben i)ott tiefer 3lnbac^t unb reinen SBoPauteä ^er= 
i)orqueHen liefe. Sd}6n unb n^a^r bemerft TOengein: „2ßen 
93albe'g Sieber nid^t t)on ber (Srbe jum ^immet erl^eben, nid^t 
bie l^ö^ere 3J}enf d^enbeftimmung , Siebe gu ®ott unb bem 
Didc^ften unb @laube unb Hoffnung beä Unfid^tbaren leieren 
— in bem ift nid)tä ©otttid^eä." 6r mag un§ t)om 3tbel 
ber 3Jfenfc^cnfeele* ober t)om §od^n)ert^ ber gottlic^n ®nabe 
fingen,^ er mag bie Sc^reden beg jüngften ®erid)tcö^ ober bic 
Sffionnen beö §immetö ausmalen,* er mag fro^lodenb ben Sieg 
eineä 9)fart^rerö i^er^errtid^en^ ober mit ^^ro^l^etenernft ben 
©otteöldugnern gegenübertreten,* immer ift fein £on beS er= 
l^abenen @egenftanbe§ ti?ürbig, immer ergreift er baä ®tmüif) 
beg SeferS mit 3J}ac^t unb erl^ebt eä ju n)al^rl^aft l^eiligcn 
©efü^len. 

Unb tt)ie l^oc^ fd^ldgt au§ feinen ))riefterlic^en Oefdngen 
bie flammenbe Siebe ^u ^t]u^ ßl^riftuS 1 Slel^nlic^ ttjie §rieb= 

» Lyr. I. 22, 2 £,yr. IV. 24. 3 Silv. Vü. 7. ♦Silv. VII.19. 
5 Silv. Vm, 22, «Lyr. IV. 46, 



— 126 — 

ric^ ®^5cc fd^ilbcrt aud^ er in niel^rcrcn ©clogcu ben fanftcn 
§irtcn J)cq)]^niä in feiner Äinbl^eit unb in feinem Seiben 
unb Sterben unter ben rül^renbften Silbern; bie 29. Obc 
beä HI. aSud^es t)erfenft fi^ mit anbeteubem ©tauncn in bie 
Betrachtung beö neugeborenen 2öeltl)eilanbeä. 3^t bem f(^on er= 
tvd^nten 8iebera)cluä ^ber SSienenftorf" finbet bie fromme 
^^ingebung an ben @e!reujigten, fotoie bie 9lnbad^t gegen baö 
aHerl^eiügfte ©aaament einen eben fo garten atö fcegeifterten 
9luäbrurf (fo ift bie liebtidje Segenbe t>on ben Sienen, toelc^e 
bie l^eilige Jpoftie auf bem ^^etbc aufgelefen unb in i^ren 
3eHenbau !oftUc^ beftattet ^aben,l}iereinjigfd)ontoiebergegeben) 
unb in ber Obc „bie 1^1. ©enotiefa" ftellt ber SDic^ter in 
n)unberbarer ßinfteibung (S^riftum afö ben erfel^nten Ueber- 
njinber beä Sobeö, al^ bie Hoffnung ber ©terbenben bar. 

T)oä) eä genügte ber frommen @Iut beg @dnger§ nid)t, 
feinen ^^errn unb ©rief er nur in einzelnen Siebern gu feiern; 
er n)olIte ein SBerf am gu^e beg Äreugeä nieberlegen, baä 
all' feine 8iebeäern)eif e wie in einem Srenn^)un!t i)ereinigen 
unb alte ^o^tn ©m^pnbungen ber crloften vcecle in einen 
Ärang t)erfle(^ten fo'IIte. 5)a§ braute er gur Sluöful^rung, 
burc^ ben Srief eineg greunbeä t)on [Rom au§ gemal^nt, in 
ber lt)rif(^en ^^ara:p]^rafe ber „^l^ilomela" beö 1^1. a3ona\)en' 
tura.^ SBer fennt nxdjt biefe innige S)ic^tung beg erleuchteten 
Äir^enlel^rerö, bie unS 2)ic^enbrodE in feinem „geiftlid^en 
Slumenftrau^" fo l^errlic^ überfefet ^at? Unb tx)er möd^te 
eä 33albe'n gum a5orn)urfe machen, ba^ er, anftatt unä ein 
Sßni) feiner eigenen (Srfinbung gu geben, bem ©ebanfengange 
eineä großen TOt)ftiferä gefolgt ift? Säbelt man boc^ auc^ 
berül^mte lonfünftler nic^t, n^enn fie fi^ in geiftöoüen 
Variationen über irgenb eine fd^on i)olfätl)ümlici^c SJJelobie 
ergingen 1 ^n SBal^rl^eit ift aber a3albe'g ^l^ilomele mit 
33onaöentura'g ©ebiij^t tierglic^eui^ ein gang eigentl^ümlic^eg 
SGBerf, baä fotoo^l bur(^ bie Äunft unb TOannigfaltigfeit 

* Opp. 0. Tom. VI. pag. 194. 



— 127 — 

feinet ^orm, ^ tok burc^ bie @Iut unb ben Sluffd^ttjung feiner 
©ebanfcn fein SSorbitb l^dufig i)crgef[en Idfet. 

f,^^ i[t crftaunlic^", bcmerft Stlbcrt Äna^5:p, „wld) eine 
gööe i)on ©^jrad^iibcmdltiguug fid^ in bicfer üDarftcßnng 
ber ftcrbcnbcn ^Jtad^tigaÖ gn Jage legt . . gerbet l^at 
nnr äöenigeS bat)on nberfefet unb eä gehörte eine SRütfert'fd^e 
®:pra(^l^elbenfc3^aft baju, um baö (Sänge mit bem SBoPaute 
unb dtl^erifd^en ®d^tx)unge beS Originale tDiebergugcben."* 

6af:par SSarlduö f(^reibt auä Slmfterbam an Satbe: 
f,^oi)tx bie ©^)innc ben '^toff gu il^rem ©eroefce nimmt, ift 
mir t)5llig tjerborgen; ebenfo, xooijn bie®en)att beiner 5)ici^t' 
ungen ftammt. Unter ben aSogeln mobutirt feiner feinen 
(Sefang fo .mannigfaltig, tt)ie bie Slad^tigall, bu aber über= 
triffft bie SJad^tigalt, ba bu fie in tx)eit mehreren SBeifen 
fingen tdffeft, als bie 9latur fie geleiert, ©ein (Sebic^t tragt 
ni(^t bloö bie Ueberfc^rift :J)S^ilomele , fonbern bu bift felbft 
eine ^^ilomele. J)enn toie bie 9^aci^tigaK bie Jone mel^rfac^ 
n)ieber]^olt unb in 3^if ^^^^dumen fingt, f o enbigft aud^ bu 
bie ®dfee beiner 35id^tungen gleic^fam mit fd^luc^genben 
©eufjern unb n)d]^rcnb bu bie frommen SRül^rungen' unb 
©c^n)ünge beineä ©emütl^eä i^erfolgft, tel^rft bu oft gu ben 
2lnfangäaccorben beä Sieben gurüd. ^^Jl^ilomele n)ec^felt oft 
bie eingelnen ©ebüfc^e, nic^t bie SBdlber unb ®drten felbft; 
gleid)erma|en trittft bu nie über baö ©efitbe ber 3lnbac^t 
i^inauä, n)enn bu au^ t)erfd;iebene Stoffe n)d^Ift. @o gefdttft 
bu bem Sefer, tüie bie ^Jlac^tigatt bem §örer."^ 

^aä ^errlid^fte in SSalbe'ö ^l)ilometa ^ift i)ieUeic^t ber 
5Lrium:p]6gefang ber göttlichen fiiebe, epinicium divini amoris/ 
beffen finnig angen^enbeter SRefrain „Siebe jcfet, tijer nie ge* 
liebt l^at, unb n)er liebte, liebe }efet" ber berul^mten 9tad^ts 



* $)cr ©id^tci* bctDcgt fid^ l^icr t)j0V3uggtt)cifc in ben fd^toicrigcn SBcrgs 
ma^cn bcg ©oetl^iug. » (S^rijlotcr^f, 1848, ©• 322. » ßarlaei 
epist. Hb. II, pag. 936. ♦ Opp. oo. Tom, VI. pag. 249. 



— 128 — 

fcicr ber aSenuä cntlel^nt i[t. 3Bcnn irgenbn)o in bcm gauäen 
@ebi*te, fo finbet l^ier bic ^cl^c Sel)nfud)t bcr Seele nac^ 
t^rem ©eüebtcn unb bereu erfüßung in feinem 93cfi^e einen 
^inrei^cnben 5tuöbrncf, tDie er nnr mit bcn ©id^tungen bc§ 
t)l. 3*^^^^^ ^^^ Ärenje fann i)erglid)en t^erben unb ge= 
\t>i^ atiemaub tx)irb ^ie 'äJiufif biefer 'gtro^^^eu Igoren ,. oljne 
jid) tDunberbar betuegt gu fügten. SRit tjotler Uebergeugung 
burfte SHengein in feiner geftrebe auf 33albe fagen : „Sei n?em 
ber ©taube an ^^\\i^ toantt, t^em bie aSunber feiner 2Renfc6= 
njerbung, feiner ©eburt, feineö 2:obeg, feiner äluferftel^ung, 
feiner ^immelfal^rt nid)t mc^r befetigenb finb, ber laufd^e anf 
33atbe'ö ^^l^itomek, unb getx)ij^ rubren i^re Jone fein ^tx^ 
unb geben il^m t^ieber baö ijertorene Äleinob, ben c^riftlid}cn 
Ötauben." S)em gegenüber nötl^igt eä ung libirftid) ein 
Sdd^eln ab, t^eun Gilbert Äna^)^), ber fouft unfern SDid^tcr 
fo l)oä) erl^ebt, ber namenttid) »on ber ^^^ilomele gefteftt, 
33albe l}abe barin „feine Siebe gu bcm leibeuben unb fterbenben 
©rlofer in ben abtoec^felnbftcu, innigfteu Jonen befungen/' 
gulel^t in unijerfeunbarem 3)Zittcib mit feinem fird^Iid^en 
(£tanb:punttc gu bem ®d)tu§ fommt: bcrfelbe ftel)e giroifd)cn 
ben l^eibnifd^cu S)id)tern beä 2lltertl)umö unb ben ^ro^jl^eten 
Sfraelg mit einigem neuteftamentlid)em SebenS- 
fd)immerl mitten inne. 2)ag eigentlid^e Wlavt beg @t)an= 
geliumS l^abe er uid}t erfaßt. S)enno(^ l)at Äna:p)) „bic 
freubige 3ll^nnng für il^n", ba{^ er tro^ feiner 9M)tfenntnife 
beä Sctigften um feineä reblic^eu ©trebenä toiUm in ben 
^^^immel gcfommeu feiJ 

^ C^^rifloterpe, 1848. 8. 351. 352. 355. 



I.- '• 



vm. Die MatmQtßuQt 

35on S^gcnb auf n^ar Salbe ein inniger SScrel^rer ber 
feligften Jungfrau. Ol^ne S^'^d^^l fmb e§ bie bamatö fo 
blü^enben (Songregationen ju 3Jiaria'g aSerl^crrlidjung, bie feine 
^eilige Siebe am mdc^tigften entjünbet unb biä in ben Job 
nnauälofd^lici^ bet^al^rt l^alben. ©r l^ing an il^r ate feiner 
l^immlifc^en SHutter mit jenem unbegrenzten, finblic^en 93er= 
trauen, ba§ nur ein gldubigeä ©emritl^ gu begreifen bermag. 
3u i^r l^ebt er ben forgeni)oIIen ®Iirf t)or jebem n)id^tigcn 
Untemel^men, öor il^r fluttet er in jeber 3toÜ) bcö Sebcnä 
fein ge^)re§teä §erg auä, il^r jubelt er in ©tunben beä ©lütf eä 
laute 55anlgefdnge gu, tl&rer müttcrlid^en Xreuc befiel^lt er 
tiefergreifenb feinen einftigen §ingang. ©ein ©emütl^ toar 
t)on ber Slnbac^t gu 3Jiaria fo erfuHt, ba^ er n)enige 3)ic|t= 
ungcn emften ^i'^l^cilteS fd^rieb, benen er nid^t bei irgenb einem 
^)aff enben Slnla^e auc^ 5Berfe jum Sobe ber ©otteämuttcr ein^ 
gef[o^ten l^dtte. 

©d^on einer ber frul^eften e^^ifc^en aSerfud^e „ J)ie ob §0= 
loferneö trium^)]^irenbe ^i^biti^" (1627) fc^lie^t mit einem 
überrafd^enben Slic! auf 3Äaria, Jene größere S^bitl^, bie 
fiegreid^ über ben l^ingeftredten, l^öUifd^en §oloferneä trium* 
^>^irt,* ©ein „3flitteri)ancg^riIuS", fein ,,aKa;imilian I/, 



^ Opp. 00. Tom. ni. pag. 294. 
SeflermAVci; 3aco6ttf Solbc 9 



- 130 — 

feine „Jrauerfeier 2:iIIt>'§", j[cbe biefer ©id^tungen Id^t feine 
finblid)e y^ommigteit in anmut^igen ©:pi[oben l^erijorleuc^tcn. 
©in anfd^inenb jufdüiger Umftanb foüte il^n ergeben 
3um l)errli*ften ^Diarienfdnger lateinifd^cr 3^i^9^- ^^l^ ^^*' 
bem er »on ^^Ö^lftcibt nac^ ^ünd)en übergefiebelt, um 3i^e= 
torif gu leieren, n)urbe er (am 22. 3iot)cmber 1637) jum 
^rdfe§ ber größeren marianifd^en Kongregation t)on ^arid 
l^erfunbigung ertx)dl^It, blieb es aber nid)t gang ein 3^^^ "~ 
biä gum 31. Cctober 1638/ 3^i biefer SteHung, gleid^fam 
ber erfte S)iener ^Jiarienö im Sanbe 33at)ent, fül^ltc 23albe 
einen feurigen 5)rang, bie Äonigin beg ^)immel^ ^eröor= 
ragenb ju t)er]^errlid)en in feiner Üöeife, burd^ bie (Sc()o!|)fungett 
ber S)i^tfunft. ^it bem eijrenamte, baä il^m gen)orben, 
meinte er \)on ber feligften Jungfrau fetbft bie ^lufforberung 
erl^alten gu l^aben, er foßc i)on nun an il^r ©dnger fein, ^n 
froher iBegeifterung ruft er feinem ^^reunbe SBillibalb ©l^ren- 
mann gu: 

greunb, cg gilt ein SRul^m mir t)or aUcm tl^cucr; 
Sic, bie Simgfrau l^cifd^t mid^ ju il^tcm §erolb, 
Unb ii)x D^x neigt fanft ©aliläa'g 'lod^Ux 
2Jicinem ©efangc' 

SSon bicfem ^^it^^^^te an ift er wal^rl^aft unerfd^6))f[ic^ 
an 8ob:preifungen SKaria'ö. a?on ben Sagen ber 9Kinnefdnger 
an, feit mel^r alä 300 3^^^^^/ ^^^ ^^^ ®otte§mutter fc.ne 
d^ntid[)e §ulbigung auf beutfd^er ©rbe gebracht tuorben, fo 
ba^ eg fd^ien, aU f oUten bie 9Serungtim:pfungen "iUtaria'g, bie 
feit ber Steformation nur affjulaut ertonten, burd^ eine grope 
unb feierlid^e ©ü^ne aufgetoogen toerben. i^^egen fiebjig 
Oben gd^lt man in feinen li)nfd[;en @ebid)ten, bie bem 8ob= 
:preife ber fetigften Jungfrau getoibmet finb, unb in iebcr 
berfelben bietet er, fern i)on ermübenber äöieber^olung, in 
einer ©:pra^e t)ott fü|en Sßol^ttlangä einen morgenldnbif^en 

^ Tl. 33. (Sattler, ©cfd^id^te ber marianifd^cn ßong>cgatiottcn in 
aSa^em, @, 277. 2 Lyr. I. 42. 



— 131 — 

SReid^tl^um öon ©cbanfen unb Silbern. 6r l^at fic jelbft auä 

il^rer 3^^ft^^^i^^9 i^ 1>^^ ^t>^^ ^^^^ SEBalbern gu einem 
©traute gefammelt nntcr bem Jitcl: odae partheniae, mit 
©eginn be^ 3al^reä 1648, unb im bangen SSorgefül^l ber 
legten Sd^recfen beä Äriegeö ben Sobalen ber marianif^en 
a3ruberfct)aften fie alä Jroftf^enbe gen)ibmet. 

3^r Snl^alt i[t trofe iljreä eng begrenzten SRal^mcnä 
überaus melfeitig unb lebenbig. ^\i ben einen n)inbet er 
SRarid nad) 2lrt ber gotbenen 8d^miebe be§ Äonrab t>on 2Bürj= 
bürg bie l^errtic()[ten Ztjftn beö alten Sunbe§ ^um Siabem, 
unb brid}t fo 3U fageu j[ebe33lume ber falomonifd^en ©arten, 
um fie bareiu ju t)erfle^ten.* SScfonberä reic^ f:penben il^m 
bie üefen ber Schrift il^rc ^^erlcn, n)enn er 2Jiaria alä bie 
Unbefledtc in l;cl)rem '^anegt)rifuä befingt. ^ ^n anbercn 
gibt il)m ein ©emdlbe, ein Stanbbilb, ein ©nabenort ^nlafe 
gu feelen\)olIen 23egrü^ungen, n)ofür toix bereite an mel^reren 
vStetteu 33elege anfül^rten. ©innig bemerft SÖBolfgang 3Äengel 
über biefen ^unft :» „Mt ^oetif^er 2«eifterf($aft fa^t Salbe 
bie oberbat)erifd^en unb 2:iroler 5ltpen glei^fam alä il^r 
^iebeftal auf. gaft immer crblitft er fie über 2Bdlbcrn unb 
SSergen, tDoju il^m bie i)ielen ©nabenorte im ©ebirge ndc^ftcn 
Slnlaß gaben." ^n n^iebcr anberen Oben jeic^net er mit 
njenigen gelungenen Stricl)en bie (Srfc^einung ber feligften 
Jungfrau in einzelnen 3ügen i^re§ irbifcl)en unb l^immlifd^en 
Sebenö, inbem er fie balb al§ baö ^eil ber Äranfen/ aö 
bie 3^Pii^t ^^^ Sünber,^ afö ben Iroft ber ©terbenben* 
barftettt, balb il^r gjtutterglürf,' i^re ©d^mergen unter bem 
Äreuje® ober il^re ^immelfal^rt^ fc^ilbert. 2lm liebften unb 
glü*lid)ften ftellt er gjtaria bar , tt)ie fie ben Änaben Sefuä 
im ©c^oo^e l^dlt, unb l^ier ift e§ befonberä ber Slid ber 
Siebe, ber 3Jiutter unb Äinb aneinanber fd^lie^t, ttjaä unS 



^ Lyn II. 1, II. 24, 11.38, IV. 27. 2 Lyr. ü. 38. 8 5Dcutf(^e 
$)^tung,"a3b. U. ©. 242. ♦ Lyr. U. 41. « Lyr. IV. 46. • Lyr. 
IV. 49. ' Lyr. II. 18. « Epod. 13. * Lyr. ID. 7. 

9* 



— 1H2 — 

öor 9lUcm getuinnt unb feffelt. ^EBir ^abeu l^icr feine ru^ig 
finneuben ^Btebitattoueu t>ox un$, toit bie itaücnifc^ett 6an= 
goneu, !eine c^>if(Jb Derflic^enben Scjc^reibungen, xoit bie frommen 
koinaujcu bor S^janicr, foubern (Sntjücf ungcu , ®efi^te, bie 
unä irgenb eine ^eilige (^riq)))e im 5l>er!tdrungälic{)te t)or= 
führen unb un«s il^re gange ^d)6nbeit U)ie mit einem ©liefe 
em:pfinben laffen 2)ieö finb jene ,,ÄIeinobien" bev balbe'fc^en 
^^oefie, Don ttmn äBcftenrieber begeid^nenb fagt: „(Ss t^e^t 
barin ein it)m ganj eigener (^^eift iinb eine ftilfe 3lnmut^, 
unauö]>recblicl) fii^ für gleid)geftimmte Seelen, ©iefc Sat 
be'fd)en fleinen .;;3bt)llien gleidjen ebenfo üdtn 33ilbd)en bcs 
Kon'cggio. Unfer fe^eift \mh anf ganj al;nlid)e 3Irt gerührt 
unb bann lauft es auf ©benbaofclbe l)inau9, ob bas Schöne, 
i!ieblid)C unb ^ii^renbe bem (Reifte burd^ ben ^^infel ober 
burd) bie geber gugefü^rt n)irb."^ 

2)ie ^^roteftanten ^ol). ©ottfricb ^erber unb ätuguft 
SSöilljelm Sd^legel, u>eld)e an biefe Did)tungen ol^ne irgenb 
welche (£t)m:pat]^ie, nur mit einem offenen 2Jlid für bas 
©d^öne l}erantraten, füllten fid) ebenfalls bei Sefung ber- 
felben an bie 9){abonnen bcr größten italienifc^en 3Jieifter 
erinnert. (So ift oon ^n^^^^ff^/ ^^^ ©d^legel ber Slnpc^t 
§erber'ö n)ibcrf:prid)t , alä fei bie Cbe. ,/Diarid Himmelfahrt'' 
in bemfelben (Reifte gebad)t, toie baä gleichnamige ©emalbe 
9ta:p^aelö in 2)regben.2 ^bu gemannt fie ttjeit lebhafter an 
bie in ©iiff elborf (unb jefet in 3}tün(^en) befinblic^e assumtio 
t)on @uibo j)teni. ©ort fei ber ftrenge, aßeg S^bifc^e gu- 
rücftoeifenbe 33cgriff i)on (^ottlic^teit auägebrüdt, tuo ba§ 
Uncnblid)e an bie Stelle jeber beftimmten Biegung tritt, l^icr 
bie überfc^toenglidje ißefeligung eineä unfci^ulbi)oUen SBefcnö 
obne 33etoufetfcin eigener ^ol^eit, unb fo auc^ im Siebe. Unb 
boc^ l^at ein toeit weniger berühmter SRaler, ncimlic^ >:peter 



* 33ricfc au2 ©afiein. ajlünd^cn 1817. ©. 80 ff. » 3cnacr fiitera* 
tuvgeitunji, Sal^rg. 1797. ©! 433, 



- 133 — 

eanbib ba§ 93erbien[t, buv^ fein Silb bcu ©letzter ju einem 
fo l^immlifd^eu ©efange begeiftert ju I)aben. Salbe felbft 
bcmerft jur Sluffc^rift ber genannten Obe, er I)abe fie ge= 
bi(f)tet, ate er bie Wlorie ber feligften ;)tnngfrau üor bcm 
i^r getDeil^ten ^odjaltare in ber §an:ptfircl)e ^Hiiincbenä be- 
trachtete.^ ©iefeö ?lltarbtatt, mn 6l)urfür[tcn 5){anmilian 
jum Slnbenfen an ben "»^raqerficg geftiftct, ()dngt ie^t im tinfen 
«Seitenfc^iffe beg grauenbomeä. 

2llg gefonberte (^ru:p:pe begegnen un^ unter ben ?Warien= 
oben einige Umbid)tungen firc^lic^er ©ebetäformukre in 
fkffif^en aLsersmagen. (Sä mag bebenfüd) crfcfieinen, ben 
mu[tergüttigen, burd) unjdl^lige fromme Sip:pen geheiligten 
SluSbrurf eineä folto @ebete§ neugugeftatten ; n)er aber mit 
fo gartem ©efü^te unb tiefem aSerftdnbnifee barangel^t, \m 
25albe, bem tjentje^t ber äßeil^rau^buft ber 9lnba(^t nic^t unter 
ben Rauben. 2)a§ finben toir fc^on an ben liebtid^en ^aras 
^>^rafen beg englifd^en ®ruf^eg unb bem marianifc^en 2lnti:pl^on 
Ave regina coelorum,^ aber in nod; l)o^erem (^rabe an ber 
Umfdjreibung ber tauretanifdien ßitanei, bie mit ber 2luf= 
f(j^rift „ber ®d)toan oon Soretto" baä neunte Suc^ ber aßdl- 
ber befd^üeßt. ©in melobifd^er, boBenbet fd^oner i)Z]^i)tl^muö, 
ber troc^difd^e 2:etrameter, t)erbinbet fid^ ^ier mit ben rül^renb= 
ften Sauten ber 3lnbac|)t ju feltener Harmonie. Wlan mufe 
fie laut lefen, biefe ®tro^)^en, um i)on bem ißobWtange, ben 
33albe feinen 5)id)tungen gu teilten n)u6te, einen 33egriff gu 
bcfommen, um ben 3^^^^^ ^i^f^^ ©d^ujanengefangeä, mit 
bcm er afö Itjrifd^er 2)id)tcr bon feiner l^immlifd^en greunbiu 
Slbfd^ieb nal^m, in feiner gangen 3Jiac^t gu em^)^nben: 

Innocens in amne Siren: 
Mitte quem natura cantum 
Dictat, auscultaque nostrum, 



^ Odae partheniae, Monachii 1648. pag. 47. Stelle 9hr. 4 ber 
Uebettragungen. * Silv. II, Farth. 4^et 5, 



— 134 — 

Ut reciprocare possfs. 
Sancta, die, Maria ! Sancta. 
Cnjus est Divina Proles. Sancta Virgo Virginum. 

Mater illibata Christi. 
Gratiae fecunda Mater : 
Pura mente, casta sensu, 
Mater integri piidoris, 
Mater excitans amores. 
Conditoris et Salutis Mater Admirabilis. 

Virgo ter verenda, salve, 
Virgo salve praedicanda. 
Nulla vox humana vires 
Virginis potentis aequet. 
Vincis omneis, Virgo Clemens, 
Et fidelis Virgo, laudes. Virgo prudeutissima. 

SluS bcr großen aRcnge i)on ©clcgcnl^citägcbic^ten, bic 
er aufeerbcm noi^ an bic feligftc Jungfrau gerichtet unb bic 
jum 2:i&eil fc^on anbcrtDdrtS cmdl^nt finb, lieben xm nur 
eines l^er^ot, befonbctS bamm, tueil barin eine l^öd^ft feltfatne, 
unbegreipid^ fd^einenbe 3iirii(f l^altnng beä ©id^terö crlldrt i[t. 
aSßir finben ndmlid^ bnrd^ äffe fünf 33nd^er ber S^rita im 
(Sontejrte ber ü)?aricnoben ben ^tarnen ü)?aria mit einer ein- 
gigen SlnSnal^me niemals ttvob^ni, fo ba^ eine Slbfic^tlid^fcit 
nid^t ju tjertennen ift. SllS nnn Salbe einmal in feiner 
Kongregation baä Salve Regina fingen l^orte, beffen ®d^lu^ 
bef anntlici^ tantet — o Clemens, o pia, o dulcis Virgo Maria 
— ba em^)f anb er eä re(j^t f d^n)er, ba^ er bief en bef eligenben SJiamen 
in feinen Oben immer t)ermieben,nnb er entfd^lo^ fid^ gn einer ^joe- 
tifd^en SRed^tfertignng. 5)iefe gab er benn in ber 38. Obe beS EI. 
33nd^eS,n)o er f lagt, ba^fid^ber^Rame ber ^ungfran nid^t mit ben 
SRofenbanben ber SDid^tftinft feffeln lafje. 3)ic ftrenge ^ofobie 

ndmlic^ t)erbietet, Maria jn lefen, ba ein SSofal öor einem 

anbern als Äürge gilt. SRnfe er aber Maria, fo l^ebe %ti^^ 



— 135 — 

xf)x §au^)t mpox. SBaS aI[o t^un? pr biefeSmal ttoKc er 
ntd)t attgugegldttet fein. J)ie [tief mütterli(^en, grdmUd)en Siegeln, 
bie aiipoüo ber ßitl^er gegeben, müßten tDeid^eu. Sad^ten immer= 
^xn gried^ifi^e unb lateinifc^e Sid)ter, fo finge er bennod^: 

piay Clemens, o in ore duicis 
Virgo Maria 1 

Sollen un§ ba, tt)o ba§ 3Jieifte gldnjt, gegen ^orajenä 
SKegel geringere ^e^Ier ^um 5Knftofee fein, fo Id^t fid) freiließ 
and) in ben l^errtid)en 3Karienoben gar SJiand^eä tabeln. 
Störenb t^irfen auf unfern me^r gelduterten (^efdjmadf bic 
äu ^dufig unb gu gefuc^t ]parobirten Stellen auä §oraj, 
fon^ie bie gerne citirten ©ott^eiten ber claffifc^en 3Ji^t]^oIogic. 
i'^n biefer 33egie]^ung tlingt eä bebenflid^, bie l^eilige 3^ng= 
frau, fetbft Nynipha, Dea angerebet gu l^ören, obtool^I bie 
le^tere Benennung bem S)id^ter offenbar gteic^bebeutenb mit 
Diva „§immlifd)e" gilt. „5)a§ bie l^eiligc ^i^ngfrau @c= 
fd)ü^)f, toenn aud^ fc^on in ber ©eburt tDunberbar bet)or= 
jugteä ®efc^ö^)f, ©benbitb unb ®Ieid)ni§ il^reä ©c^ö))f erä voax, 
n)ie eg ber gegiemte, bie @ott ber SRenfc^l^eit afö ben ©r- 
löfer gebdren foHte, biefe Uebergeugung mrb ber Sefer in 
23atbe'ö ©efdngen nirgenbtt)0 »ermiffen." 

„3(^ fann nic^t Idugnen, ba§ biejenigen 3Karienoben, 
an benen ber gried^ifd^e ®otterolt)tti^) !einen 2:^eil l^at, burd)= 
gängig anf^jre^enber finb, alö bie, in welchen bie ^el&rcn, 
erlau(^ten ©eftatten besfelben toie gleic^fam gum ©efinbe ge= 
^orenb, in ber 9tdl)e ber fetigften Jungfrau unb ber ^eiligen 
fid) ergel)en. ©od) ift aud^ anberfeitä nic^t ju Idugnen, ba^, 
ttjenn alte folc^e i^^embartigteiten auägemergt loerben foUten 
unb Icbiglid) auf d)riftlid)cm ©oben erttai^fene Silber gu= 
gelaffcn tt)ürben, Salbe einen 2:i^eil fcineä ©langeä vertieren 
unb niä)i »öllig Salbe bleiben ttürbe."^ 



* 6. 33. ©d^lüter, bic ^Raricngcfänge au2 ben Söüd^cm ber Oben 
unb bcm ber (Spohtn beg 3ac. ©albc. @. VI. u. VE. 



- 136 - 



3m ^af)xt 1638 t>crfa^tc SSalbc, tjtcHeic^t angeregt burc^ 
Äuen'ä unldugft trfd^ienene geiftüd^e ©efdnge, ein beutfc^eä 
Sobgeb^t auf bie feügfte Jungfrau, xotlä^t^ aB ein fe^ü^ter 
©tgu^ feiner ^rit)atanba(i)t nur für einen engen ÄrciS ma- 
rianifd^er Sobalen unb feineätuegö für ben SDrudf beftimmt 
ti)ar. 3luf SBitten feiner ^Jreunbe, unb um nict)t nur bei ben 
©ebilbeten, fonbern auc^ unter ben niebern Stauben bie aSer- 
el^rung SJiaria'ä ju förbern^ t)eroffentüc^te er baöfelbe noc^ 
im ndmlid^en 3^^^^ i^i^ter bem litel : ,,e^ren^)rei§ ber 9lUer= 
feeligiften 3ung!fran)en unb 9Jtutter ©Otteä Mariae"/ o^ne 
feinen 5Ramen gu nennen. J)aö fromme Sieb fanb unertDartet ' 
großen Slnflang; eä ging balb in ben 2Jhinb beä aSoHeä 
über unb tDurbe in Äird^cn unb Äa^eKen bei 3Jiarien= 
anbact)ten allgemein gefungen. 

Jro^bem, ba| ba§ Süc!^lein anontjm erfc^ienen t^ar, 
»erriet)^ fid^ boc!^ ber SSerfaffer nic^t unbeutüd^ in ber ®d)lu|= 
ftro^l^e, n)ofern ber Sefer nur irgenb mit feiner SSergangenl^cit 
befannt tuar; fie lautet: 

SBcr x% ber bifeg Sieb öemad^t, 
aßßann einer aud^ barff fragen. 
SSillcid^t f)(it er gar offt, gu yta^t, 
@in Passamezo cjfd^lagen.* 
er fagt nlt ttjo : jc^t ifl er fro, 
S)ag b'fiauten fe^ gcrtrlmmcrt: 
SSmb @a^tcnf^)il er fid^ fo t)\l 
§tnfüran nid^t mcl^r flimmert. 

S5er e]^ren:preig ift iebenfaßä ba§ befte unter ben 
bcutfd^cn ©ebic^ten »albe'g. §ier erlebt i^n ftc^tüd^ 

* Opp. 0. Tom. VII. pag. 325. 

* in ber STugg. t). 3. 1640: 

(£in @tu(f l^erab gcfd^raactt. 



- 137 — 

bic rciufte Scgeifterung über bie ©c^tDiertgteit bcr gctvd^ltcn 
gorm. Sluö ben Dämmerungen atttcftamentlici^er 23orbiIbcr 
Id^t er 2Waria l^ertjortreten im Sonnenglange il^rer einjigen 
aßiirbe, alö bie SRutter ber fc^oneu ßiebe, bie if)xm Äin= 
bern im geben fc^on fü^en ^rieben unb einft im Sobe feligen 
5:roft getvdl^ren tt)ilt. 

3)ie t)ier legten Zixo)fi)t\x, „bie fc^ön unb tief em^)fun- 
benen ©c^lu^^erfe bes großen Sdngerä", n)ie felbft Äna:p^) 
[ie bejeid)ucn mu§, finb für jebeä gldubige ®emüt^ überaus 
ergreifenb : 

SDig fe^, Maria, ©tr öcttratet 

SSon $:ag gu Zac^ ber 3<^^ren: 

$)er 2)ir öertratot, l^at \x>ol gcbanjt, 

Sodales bt§ crfal^rcn. 

3n Idfier 9^eot^ i?nb bttteni $;obt, 

93itt, tl^uc mld^ nit t)ernjerffen. 

Srgaifi ©ein SD'Jaci^t, t)crtrclb bic ^ad^t: 

SBirbg jebcr tool bcbörffen. 

Sßann bann bic Ärandl^cit »irb gufcbit?cr, 
5)a§ id^g nit mcl^r !an lci)bcn : 
<BoU mir bcn gaben nimmcrmel^r 
©crfclbcn^ ein abfd^nc^ben. 
SDcin fd^öne ^anb, 5Dein miltc §anb, 
(SBcil ie bic ©tunbt abgloffcn;) 
@d§neib ober l^alt, c^leici^ n>ic2 5Dir gfatt, 
©onfi ijl eg aug mit ^offen. 

2ßann bc^ bcm 33ct]^ bie Äcr^en brinnt, 

2)ic 5lugen nimmer »ad^cn; 

9Som 2eib ber falte 5:obtfd^njai§ rinnt, 

S)ic öainer je^t fd^on frad^en: 

S)cin fd^öne §anb, SDein mitte $anb, 

Ö Sun^ffrato augcrfol^ren; 

@d§neib ober l^alt, gteid^ »icg $)ir gfalt, 

©onji ifl c2 allg i?crlo]^rcn. 

SBann nun gefd^tväd^t fc^nb all fünff @inn, 
$)ie ömbflcl^cnb fftott »irb fagen: 

* bcr ^arjcn, i)on benen ijorl^cr bie JRebc. 



— 138 — 

3ctt l^at er« gar, je^t Ifl er ^in, 
^an tncrrft fein ^ulg tnel^r fd^lagen: 
S)ein fd^öne ^anb, 2)cin milte §anb, 
O ÜJluttcr tnclneg fiebeng, 
©d^ncib ober l^alt, fllcld^ n)ieg bir gfalt, 
©onfl ijl cg aUg öergebcng.* 

- 3^ S^^tc 1648 faf^te ber ^^^rofeffor bcr SHl^etortt ©imon 
SKair auä ^ofcu^eim, f i681, ^e« (gntf^tufe, ba§ ©ebic^t 
in dl)nlici^ev SSeife ju ^)ara))^rci[iren , tüie Salbe mit feinen 
eigenen ©ebic^ten de vanitate mundi unb Agathyrsus getl^an 
^atte. 3lm meiften betrog il)n baju bcr ^/lobtentang" beö 
^^etrnä granct S. J., „ber grimmig 2:obt mit [einem ^^fcil, 
itt)nt nac^ beni ßeben ji^ten", ein noct) je^t gefangenem Sieb, 
baö nnter bem litet Certamen Poeticum superLesso Mor- 
tuali Petri Franckii S. J. t)on mx aSdtern berfetben @efeU= 
fc^aft tateinifc^ nmfc^rieben tnurbe. ©§ tDaren biefe 2)Jatt^. 
SRaber, D{nbol:p]^ SJiattmann, ^cicoh 33ibermann unb ^^remiag 
5)rereL (genannte iJidnner, berüt)mten 2lnbenfenä, tjariirtcn 
baö frantfifc^e ®ebid)t in fo ^errlic^en SBeifen, bafe man 
il^re aSerfe für eben ausgegrabene Sltefte römifc^en 3lltert^umö 
gu l^alten tjerfuc^t xoca, ©a fragt eines SageS .Simon 
SJiair: ©oUen bie bem Jobe jur 8uft fingen, unb n)ir 
baS Seben, bie aJiutter ber Sebenbigen mit ©c^n^eigen über^^ 
ge^en? ©oHen bie brei ^^Jargen mit fold^em 3ßettftreit ge= 
feiert tterben, unb bie §errin, burd) tuetc^e bie 9ted)te beS 
XobeS gelöft finb, unbefungen bleiben? Sofort lub er bie 
2)i(^ter feines OrbenS gu einem Sdngerfampfe ein, bei bem 
es galt, ben beutf^en (g^ren^reiS Salbe'S an Sinn unb 
3nnigfeit in lateinifc^er Umbid^tung möglic^ft gu errcid)en. 
iDie aBett!dm:pfer erf^ienen; fünf ber eingelaufenen Senjerb^ 
ungen ftnb unS aufbel^alten in bem Sßertlein „Olympia sacra 
in stadio Mariano ludis Apollinaribus celebrata."^ 35ie 



* «nac^ ber 5luggabe beg Siebeg ö. 3. 1647. 
2 Opp. 00. Tom. VII. pag. 325. 



— 139 — 

^rciöbetDerbcr njaren: (Simon 3Kair, (^mcft Sibcrmann, 
•^JÜc^ael ^cjccnf eiber, 6arl ©onnenbcrger unb ein Un= 
genannter. 2)er anoni^me Slntor ber legten ^aro^j^rafe, ber 
fid^ »or ben übrigen in einer SBeife anägeid^net, ba§ il)m 
mit SSorgng bie ^alme jnfdHt, i[t inbeffen fein anberer aß 
93albe felbft, n)ie bem fnnbigen fie[er balb !Iar fein toirb. 
@in \ä)bnt^ 3^^9^tfe ffi^ *>i^ l^eilige Siebe beg J)i(^terä, 
bap er fid^ l^ier lieber, nngenannt nnter bie ^reiäfanger 
?D?aria'§, nnter bie 5>iad^al^mer feineä eigenen Siebeg fteüt, 
n)o i^n bod^ ?tiemanb t)ermnt^et, nnb faft mod^te man baran 
erinnert n^erben, tuie oft ^fürften an i^re erforenen Srdnte 
©efanbtjc^aften aborbneten nnb fic^ felb[t incognito unter 
baä ©efolge mifd^ten. Sie blieben gleid^ttol^l nitf)t tjerborgen, 
benn bie l^ol^e 9lrt i^reä Sluftretenä tjcrrietl^ fie nnben)u§t, 
nnb fo erging'S bieSmal aud) einem 5)id^terfür[ten. 



IX. ßalht als beittfd)et Dufter. 

Gtatt in l^hn^fd^cn 3wiitcTlAuten auf^uflngcn feinen Gd^merg, 
(Üefi er bie ^inbac'f^e 6eele in bet atten 9i9mer dSxi. 
«(t / bie grofte beutf^e €pTa(!^ »urbe bama(S ni<!^t gel^öit : 
9Bie bof Sl^cUerlanb, fo toar fie )>on sBarbaren aud^ terftSrt 

Juh. Schratt. 

3)ie bcutfdjc S:prac^e n)ar hu XVII ^V^^v^uubcrte tief 
gefunden. J)er ^)oUtifc^c (^inffuf^, bcu frcmbc ßdubcr, na= 
mcuttid) S^aticu, ^rantrei* unb Sopauien lUer J)cutfcbtanb 
gctijonnen Ratten unb um fo baucruber geiDauueu, je meljr 
baö ®clbftkn)u^tfeiu beö iuuerft eutgiveiteu 2>clfeg bal^iu- 
fc^tpaub^ biefcr eiuf(u§ mad^te [ic^ uid)t gum wcuigftcu 
aud^ iu ber S^)rad)e gelteub. 2(Uutd(}tig tvarb [ic i^rer eigcu= 
tl^üttiticJ^eu, martigeu güUe uub Äraft beraubt unb bafür 
überlaben mit l^ol^lem, auöldnbijd^en SSortfcbwall. J)iefe ge= 
U)alt jame 3luf]pfro^fung eiueg f remben eiementeg mu^te für bie 
»eitere (£ntn)idlung unferer 5J?ntterf:prad)e i)om größten 9ia^= 
tl^eile fein, toie fie in ber ll)at gleid^jeitig mit bem (Einbringen 
beö n)elfd)en SBortframS gur ungefügen 9lo]^f)ei:t l^erabfinft. 

5Die 33eften ber 5yiation betlagten bitter ben traurigen 
iBerf all ber l^eimif c^en ßiteratur ; unter il^nen aud^ Salbe, ber 
an mel^rcren ©teUen feiner äßer!e feine Siebe jur bcutfd^cn 
2Rutterf))ra(^e in rül^renber Söeife funbgibt. 3Bic bcrebt 
tDcift er auf il^re urfrdftige ©d)ßn]^eit l^in, roit cntfc^iebcn 
eifert er für il^re SReinerl^altung, tt)ie mdd^tig jürnt er gegen 
ll^re aSerberberl 



— 141 — 

3n bcr SSorrcbc ju feinem ,,S5aucmf]pieI", baä in bcr 
oöcifct)en , eigentlid^ altlateinifc^en ©iprad^c gefd^riebcn ift^ 
l>ri(^t er fid) at\o an§: 3d^ bin gu bcn Oäfern abgefallen 
— iebenfallä mit befferem Siechte, ate meine Sanböleute ^eut= 
jutagc i^ren 3ll^nen abtrünnig n^erben, infofern fie bie uralte 
bcutfc^e S^jrad^e tl^eilä in breifter Ueberf^)anntl)eit aufgeben, 
tl^eitö burd) \)erfu^rerifc^e Steuerung ijerberben. SBaä mic^ 
betrifft, fo bringe id) burc^ mein 3^^üdge^en auf bie Oäfer 
unb Slboriginer bie 5litfdnge ber lateinifc^en ®]prad^e banfbar 
in Erinnerung, tuag eine 2lrt ©l)rerbietung in fid^ fd)ße^t. 
®iefe aber lommen t)on ber aSerel^rung i^rer SSordltern um 
fo toeiter ab, je mel^r fie fic^ in il)rer ®prad)C ben Italienern, 
granjofen unb ®:paniern nd^ern, ba fie eben ben ©ebraud^ 
i^rer Ddtcrüd^en ®:pracl^e, biefeö einft ebelften S)olImetfc!^erä 
eine§ reinen (^emütl^eä, baö ßrbtl^eil il^rer 5Kf)ncn, fo reic^ 
an ©d^ön^eit, burd^ frembartige 2öorte, bie aug ber bab^= 
tonifd^en a3ern)irrung ber i^erfd^iebenften Stationen l^ergel^olt 
finb, verunreinigen unb enttoei^en.* 

(Sine nod^ fd)onere ^ulbigung bringt er ferner SJiutter- 
f^)rad^e bar in folgenben bi^^er unbeachteten Stroipl^en ber 
i^rifd^en SBdlber:^ 

SBicfjt fo fd^iDcr granfrcid^S unb bct ©^)anicr S^nge? 
2Bic, tt)cnn SRom rürfl^clfci^t bie gcUc^^ncn gebcm, 
SBötc »icbrum nid^t gu ©cläc^tcr ©toff bie 
gflacfcnbc Ärä^c? 

@clbfl bcn Urf^)rung banft fid^ ber 2)cutfd^cn ^pxot^t, 
grei unb f^o^tit^t>oU; öon crlaud^tcr 2Ruttcr 
SSrautßcmad^ pammt fie, bod^ bie anbern alle 
@tammen öon ©u^len. 

©olc^e 2lnfc^auungen waren unter ben beutfc^en ^cfuiten 
jener 3eit nic^t ganj oereinjelnt; in einer 1648 guSiUingch 
crfd^ienenen „@enoJ?cfa" t>on ^. mä)ad ©taubod^er f priest 



^ Opp. oo;Tom. VI. pag. 347. ^ sjjy^ n. 3. 



-r 142 — 

bic aSorrcbe mit S3cgci[tcrung t>on bcm ,,S)^)ielcnbcn"^ unb 
Id^t ficf) tvcitcr tjernc^meu: ff^d) [tunbc in bcn ©cbanfen, 
ic^ n)ürbe aücrbiugö tuiber (>5euofet)a mit glctd^em §ret)el njic 
bcr uufc^aml^afte @oIo mid) »crgeffeu, n)auu id^ in fc^rift^ 
Uct)er 9Scrfa[[uug ^i)xe^ Sebeuä mid) tjermutl^tuittigen tDolfte, 
bic Sleinigfcit, unb fo ju rcbcu Äeufdjl^eit unferer 3Äutter= 
\pxad)f mit gleiAfam uncl^elictjer ©iufül^ruug frembcr SBort 
JU cntuncl^rcn uub gu beficrfcii." 

3;n gang d^ulid)cr ^cifc dufecrt fi(^ ällbcrt 6ur^ in 
feinem aSorberic^t gur ,,^av]pffeu 5)a\)ibg", ber fo t)erbieuft' 
tjoüen gereimten ^^f atmen = Ueberfe^ung i)om 3^1^^^ 1659.2 
Snbem er fid) nid)t aUein gegen bie Jrembtüörter, fonbern 
aud) gegen bie unglüdüc^en Jleubilbungen ber frui^tbringen- 
ben ©efellfc^af t wenbet, f^rid}t er fidb alfo au.: ,/Äbfouberlid) 
ift l)ier gu bebeuten, ba^ toir unö in \)berfefeung bifeä ^et)= 
ligen ^falterö leineö weegs ber netugeteutfd^tcn i)nb an etlichen 
Oxtljtn eingefül^rten äBortcn gebraud^en tvoUen; biß fetjnb 
SSemül^ungen etlicher finnreic^en ©eifter, mit tDeld^en bie 6in= 
falt befe ^e^ligen Webs nid)t0 gufd)affen ^at» 31* ^^^ ^¥^^ 
ba§ gtDeiff el{)aff tig , ob bifer uen^e fruc^tbringenbe 93aum^ in 
bem xid)tiQ teutfd^en ©arten gebulbet n^erben tDoUe? Der= 
gleid^en auffgemu^te »nb freiubbtlingenbe 9Bort gel)oren gu 
Sluffgügen, Sd)atof:pilen unb San^ere^en, be^ njeld^en man 
fic^ ol^ne ba§ ber grausen, Jebern unb Scheuen bebienet, 
baä ]^et}lige Sieb aber alfo gubefleiben, todrc nit t>il beffer, 
alö n)ann man unfern gebenebe^ten (^rlofer in jefeunb ein- 
gefül^rter i^^ember Srac^t auffgiel^en laffen, ober tvie bet) be^ 
f^)ottif(j^en ^erobeö ^offl^altung gefd^e^en, mit einem fd^im= 
mernben SDiantel jeberman gu ©eldd^ter t)orftelten toott." 

Seinen auögef^^rod^enen ©runbfdfeen gemd§ befliß ficb 

t_ 

* SBclnatne §argbBrffcr*3 im 53tumenorben. 

' Davidicum Psalterium, in Germanicam Paraphrasin ingeniöse 
traductum Augustae, An. 1659, fecmerft gelegcntlid^ unfci S)id^ter. 
Tom. VI. pag. 501. 



— 143 ~ 

33albe in [einen beutfd^en ®ebid)ten, [otteit fie ernfterer S^atnr 
finb, einer tobtic^en 9teinl)eit be§ 2(u§bnicfö nnb vod^ man= 
d)en [einer aScr[e bas ©ieget ber ^c^6nl}eit anfjnbrütfcn. 2ln§ 
bem „(Sijxtnpxd^" tunrbe bereite eine '4>robe angefnl^rt'; t)er= 
nel^men tt)ir beren noc^ ein ]paar aug bem Agathyrsus unb 
bem Poema de vanitate mundi: 

Einmal nad^ bcni tcrl^ciffcn, 
Sßirb ©Ott ju feiner ^tit, 
5!)ie ©räbcr öffnen ^eiffen 
SBiKcid^t ifig nit mtl}X todU 
93U l^lmmlifd^ 3^i^en maT^nen": 
2)er Olid^ter !ombt mit gn?att. 
@g fd^allen bic ^ufaunen, 
Sßeit mcl^r alg all ßartl^aunen. 
SDer SLl^on bie ^rben f^alt. 



Agathyrsus, Nr. 82, 



5ll8bann merben bie öaincr erfl 
3n b'Süfften fid^ erl^ebcn, 
2)ic ^e^ltl^nmb, tccld^c l^ie öerel^rp 
9luf flaren Sßolden fd^mcben: 
S3ol J&immeigfafft tnb Sebengfrafft 
^a6) bem n)irS bann t)erbienen; 
SBctben fie, n?ie in fd^öncr 33lüe, 
2)er lupig grül^Ung grünen. 



Agath., Nr. 85. 



9Bad^ auff mein @eel, mein ©eel matB auff, 
SBilfl bifem ^xk,} entrinnen: 
"Slit 2.aubenflüglen tl^ue bid^ nauff 
2Beit ton ber @rbcn fd^tuingen. 
2ßo fd^nell unb bl^enb ba8 girmament 
85mbgn?el^t bie Df^ad^t ijerfünbet: 
2Ö0 bei ber SEßaag, ben fd^bnjien 3:ag 
(Sin Sungffran? angcjünbet. 

De van. mundi, 84. 

eg ttjirbt bie (Sonn aU^ie ju Sanbt 
^aS Siedet ber ©lori gnennet 



— 144 — 

Da« fd^5nftc Slngftc^t ber 95erjlanbt 

3n bifcm Siecht erfcnnct. 

®ag bunrfcl n?ar, totrb attc« flar, 

®ett t)Ux b'aWorgenröt^en. 

X)ag üainflc Älnb, bag bort fid^ flnbt, 

SSktfl mel^r alg all ^^Propl^ctcn. 

De van. mundi, 91* 

3lnbcrfeitö aber tnangetn i^m ju t)iele aSorbcbingungcn, 
namcntlid) ein ,,bclifat ober jart Öc^or uub 3lccent3=Urt^ciI", 
n?aä nad) griebrid) S^)ee bem beutfc^en ^^oeten t)or allem 
nötl^ig ift^ al^ bafe er fid) in ber SJiel^rgal^l feiner SSerfc 
über bie üRittelmdpigteit erl^oben batte. ^nm großen Z^dk 
finb bicfe mit mnnbartlicbcn Ji^drten njebetljnenbft anögeftattct, 
unb ^anfig ii^erben bie Silben, n)ie bei SSed^ertin, obue 
aiütfficbt anf it;ren Jon, einfach gejault, ^m ^^cinsen gilt 
noc^ immer ba§ Urtbeil ^IRorl^ofö, eineä tDarmen SSere^rersi 
beä latcini|d)en 33albe, ber in feinem Unterricht t)on ber 
beutfc^en S:prad)e nnb ^^^oefie* einmal bemerft: ,,Scioppius 
l^at ben Slöienifd^en Sifc^of Melchiorem Cleselium, ber bod^ 
infonberl^eit ber Sentfd^en ®^)rac^e 3i^rli9J^it fi^ angelegen 
fein laffen, l^e^lid) bnrd) gegogen nnb feine Idiotismos Ba- 
varicos ^m üorgeljalten. 3lnä biefer Urfad^e, l^alte xä), finb 
beö Jacobi Bälde, eineö iBa^ern, Carraina, bie er feinen 8a= 
teinifd;en de Vanitate Mundi mit eingemifc^t, fo nnförmlic^ 
nnb ^art, ob gleich bie ©ad)en gnt finb." 

5Daä Äangleibentfc^, ba§ Salbe fd)on jn (Snfiö^eim im 
ödterlid^en ^anfe jn lefen nnb jn Igoren betam/ mochte tijol^l 
gnr 2lngbilbnng eines tüci^tigen ^)rofaifd)en ©t^lä t)on Dingen 
fein, aber gnm Srdger ))oetif(^er ©ebanfen eignete eg fid^ 
tDal^rlic^ ni(^t. aSon bentfdjen ®ebid;ten n^irb i^m in 
ber ^eimat, mit Slnänai^me 'oon Sranbts langn)eiligem 
9larrenf(^iff nnb ipfin^ingg trocfenem Jl^cttrbanf, nid^tä SBe- 

* @. 395 b. 3t. t>. 1700. 

2 ÜJlerflen gibt nod^ groben au« ben (Snfl«^etmer (S)ert(i^t«{htben. 



— 145 — 

bcutenbcg ju ©efid^tc gefonimcn fein. ®o fatn cS, ba^ Salbe 
jelbft feine aKutterf))ra(^e in if)rer bamaligcn ©eftalt für 
feine bid^terifc^e ^ielt. (£r t)ergid^tet für feine bentfc^en ^o- 
bnctionen anf jebeö ^)oetifc^e SBerbienft, bentet aber flar genng ' 
an, ba| ber geiler nic^t fofaft anf feiner vSeite, alä tjielmel^r 
in ber e^jrac^e fetbft liege, bie, feineö geffngelten älnffi^ttjnngä 
fdl)ig, jn §n§ einl^erge^e. Non sane laurum meriturus, 
fagt er t)on fict), rythmo quasi pedestri, in materna 
lingua. * 

'J)agegen t)ert)ient eg 9lnerfennnng, ba^ er in feine bent= 
fti^en @ebi(^te mele ijottöt^nmlic^e 3lnöbrütfe nnb 3tcben§= 
arten aufnahm, bie feitf)er an^er Uebnng gefommen, für ben 
bamaligen Stanb ber <2:prad)bilbnng in »Sübbentfd^lanb fel^r 
begeiAnenb finb, t^e^^alb benn and) ©c^meller, ben SQBertl^ 
biefer @ebicf)te für bie ©rforfd^nng unferer 3Jinnbarten ttol^I 
erfennenb, fid) in feinem 2B6rterbnct}e l)dufig anf 23albe be- 
rnft. i)tnr ijerfdljrt biefer ganj o^ne 3öal)I miD tDürfelt %IU 
bat)erifd) nnb 3llemannifcl) in bnntem ®))iele bnrc^einanber. 

^ene gleidjgeitigen bentfd^en £)id)ter, bie anf biefem ®e= 
biet eine ntm Sal^n brachen, griebrid^ ©:pee nnb SJiartin 
0:pife lernte Salbe »iel gn f:pdt lennen, als ba^ fie auf feine 
©ntn^idlung beftimmenb l^dtten eintDirlen fönnen. Sefeterer 
fd^eint i^m erft n)dl)renb feinet älufentl^alteä gu Slmberg um 
1654 be!annt getoorben gu fein. 5)er Segrünber ber neueren 
beutfc^cn S)id)t!unft machte aber mit feinen ©efdngen auf ben 
bai)erifd)en §orag leinen fonberlid) günftigen ©inbrutf. (5ä 
c^iftirte »on Salbe eine f leine Sd^rift: Crisis Poeseos Ger- 
manicae, gefd)rieben 1654, barin er über bie \)aterldnbifc^en 
Siebter feiner 3cit, namentlid} 0:pi^, ein l^arteö Urtl^eil faßt, 
gundd^ft njegen ber niebrigen, fleinlic^en (Segenftdnbe , bie fic 
befungen nnb nid)t minber ttjegen ber abgefd^madften ©praij^e, 
beren fie fid^ bebienten.^ 

1 grc^bcrg, a. a. O. ©. 218. 

2 ©avcrifd^eg 8flci(i^2arc^i\), Jesuitica Fase, 26. Nr. 393. 
äBcftctmat^cT; 3a»buiS IBalbe. 10 



— 146 — 

Sicfc Äritif Bilbcte bte 9?orrcbc gu einem beutfd^en ®c^ 
bidite beä 9lutorä: ,;Centuria secunda ber t^arl^eit, gefungcn 
t)Ott ber SBclt citclfl^cit." S)a j[Cbo(3^ ber fretmütl^ige Jon, bcr 
bcn gürftcn unb ^ofen gegenüber l^ier angefd^Iagen roax, 
eine SSeröffentUd^ung bebenfUd^ erfc^inen lie^, f o nnterbrürfte 
bie Orbcnäcenfur biefeö SBerllein, unb entriß un^ bamit eine 
üterdrgejt^ic^tlid) benfnjürbige Schrift- leiber auf immer. 
<Seltjamer 3Beifc blieb bie ©efanntjc^aft mit 0^)i^ tro^ aHc§ 
aSorurtl^eilä nicf)t o^ne ©influfe auf unferen SDici^tcr. ^n 
bcm Sßiegengefange auf bie (Geburt ber ncuburgifc^cu 
^ringeffin ©leonora erinnert ®]prad^e unb a3eräma§ untjer- 
Icnnbar an bie fd^lefifc^e J)ic^terf(j^ule» 

^lodi) bleibt einiget gu bemerfen über bie beutfd^c (B'ifxaä)' 
gefeHfd}aft, bie Salbe mit »ieren feiner greunbe geftiftet ^bcn 
foU. §erber ^at guerft in Megalissus' (®eorg fiifeer^ö) ©c^md^- 
fcl)rift „berllnbeutfc^e Äatl^olif" bief e Skc^rid^t entbetft, unb feh- 
ler tpurbe fle »ielfad^ nad^gefd^ricben. ©iefelbe berul^t aber lebig^ 
lic^ auf einem^nrtl^um. Slöerbingö rebet Si^er in feiner ©d^rift 
t>on einer 2lrt aSerbinbung, bie Salbe mit etlid^en Orbeng= 
genoffen geftiftet l^abe, allein feine mi^t)erftanbene Quelle l^iefür ift 
leine anbere, als bie SSorrebe Simon ÜJlair'ä gur Olympia 
Sacra. 5Dort ift aber, toie \t>ix n)lffen^ einfad^ Ö^f^öt, ^^ 
l^dtten fiel) mel^rere greunbe Salbe'ä vereinigt, beffen ,,e]^ren= 
^)rei^" in lateinifd^er ©iprad^e gu umfd^reibcn. 5)a§ nun 
befel^alb nod^ t)on leiner ©]prac^4)erbinbung bie 9tebe fein 
lönne, am aEcrtoenigften 4)on einer fold^en für bie beutfd^e 
©^)rac^e, xoixi jebem cinlcud^ten. 

Sic betreffenbe ©teile in bem feltenen ©üc^lein Si^erö * 
tautet: ,,©§ ift xoa^x ;unb mir gar tool^l befannt, ba^ bie 
Sefuitcn ^acob »albe, ©imon 2«air, erneft »iebemtann, 
9Äici^ael ^e^enfelber unb 6arl ©onnenberger fic^ bal^in J?cr- 

* @. 41. ff. 



— 147 — 

güd^cn ))cAtn, eine 9tcife ju betn beutfd^en §eIiIon ju 
tt^agen, unb bei ber ^l^^)ofrenc [xd) einen bücn SRaufd) ju 
trinlen." äBeiter unten wirb bvinn bcmerft: ,,Unb n^ar enb=: 
lief) i^r 2lbfe]^en gar nii^t, bie beutfc^e ®:prad^e baburd^ gu t)er- 
beffern, fonbern cinjig unb allein bal)in gerichtet, bie 3^ng« 
frau aJiaria über aUe§ jn loben." 

©g ift fc^tt)er begreiflich, n)ie §erber eine für 95atbe*§ 
literarifcbe >JBirffainfeit gen)i§ njid^tige 3lac^rict)t einem fo 
armfeligen ^amipl^let entnel^men mod^te, ol^ne nur bie ein= 
fc^lagige Slotig t^oUftdnbig gelefen ju l^aben. 



10* 



X. ßa^mfi^t (Se|(i)tJ(l)t0fd)retbttn9« 

©§ ift befannt, n^elc^e 2:]^citna]^mc bic ba^crifd^cn 9lc= 
gcntcn bcr rubmreic^cu aSergangeutjcit il^rer 5Dt)naftie unb 
il^reä SSolfeä gunjcnbcten , inbcm fic biefelbc burd^ tüchtige 
©clcl^rte erforfc^cn unb in auSfül^rlic^en SBerfen barftcücn 
liefen. 3«^^^^^^ 2lt)entin fd^rtcb feine bat)erifd^c ©efc^id^te 
auf aSeranlaffung unb mit Unterftü^ung ber ^ergoge SBil- 
l^elm IV. unb beffen SSruberg Subtvig. §erjog äßill^elm V. 
unb fein Sol^n SRa^milian tDenbetcn fid^ an 3Rarfuö SBelfer, 
®urgermcifter in 3lugäburg, um t)on il^m ein gebiegeneä 3öerf 
über bie SSorjeit öavernö gu erl^alten. SCBelfer begann i\mx 
mit ber 9lugarbeitung einer bai)erifd}en @ef^ict)te, aber feine 
lateinifct) gefc^riebene ©arftcllung gel^t nur biä gur ^^it ber 
ßaroünger. Unter ben SKuögaben beä J^ergogüci^cn §ofeä 
im ^al^rc 1602 erfd^eint aud; ber Soften: „S^m^ iDlaxh 
SSelfero für feine ba^erifd^e §iftorienmatf)erei 300 f(. jdl^rüd^/' 

Unb tt)ie mele ^Diül^e tijenbete nid^t ajiaj:imilian L auf, 
um bie (gl^re feineö W)n^, Äaifer ßubtuig beö Sa\)erä t)or 
ben ©d^mal^ungen gu retten, bie 5Kbral^am Sgot>iuö in beg 
S5aroniu§ fortgefe^ter Äird^engefc^ic^te gegen benfelben fd^Ieu- 
berte ! er liefe ben 33got)iuä^ aufforbern, feine aSerldumbungen 
gu toibcrrufen , gleic^geitig ' aber burd^ ©enjolb unb ÄeUer 
(unter ^crtpart^'ä Flamen) ßubt^igä 33crt^eibigung führen. 2llg 
S3go\)iug ^artnddfig blieb, tijanbte er fii^ an ben Orbenögcneral 
ber ©ominifaner unb gutefet an ben l^eiligen Satcr fclbft, um 



— 149 — 

eine 3^riitfnal)me bcr auf feinen Sll^nl^etrn gel^dufteu 25cr= 
unglimipfungen ju erlangen.^ 

3^ac^ aöBelfer erhielt ^att^. SRaber b. @. 3. ben 2luf= 
trag, 95ai)ernö ©efc^id^te ju f (^reiben ; allein biefer brad^ gef al^r^: 
mtternb bei ber ^eriobe Subtoigg IV. ab, inbem er einfal^, 
er muffe entoeber bei feinem SanbeSl^errn ober bei bem 
]pci^)ftli(jben otuble t>erfto§en, unb tt^anbtc ftd^ ganj feinem 
frommen SBerle Bavaria Sancta gu, baä 3Ka}rtmilian gleich? 
faßä mit reid^üd^en ^tteln forberte. 

3m 3a^re 1617 tuarb für ba§ t^id^tige Untcrnel^men 
ber S^f^it ^nbreaö Srunner getoonnen, ber mit ©ifer unb 
Umfid^t nal^eju 20 ^Cii)xt baran arbeitete, ©ine blül^enbc 
Satinitdt, gro^e Älarl^eit in ber Slnorbnung unb burc^= 
bringenber Slidf in bcr ©eurtl^eilung ber Stl^tfad^en gcid^= 
neten fein SÖSerf ol^ne grage au§, 95orgüge, t^elc^e bcmfelbcn 
ein 3al^rl^unbert fipdter baä ^i^^^^ff^ ^^^^^ Seibnife gen)annen. 
3m 3a^re 1718 gab biefer »runner'ö ©efd^ic^te, betitelt: 
Annales virtutis et fortunae Bojorum a primis initiis ad 
annum 1314 mit SlbljreitterS 5B[nnalcn gu granifurt neu 
l^auö unb fc^rieb bagu eine fel^r anerlenncnbe Sorrebe. (5r 
bemerlt barin u. a., too er t>on Slbljreitterä ba\)crifd^cr ©e- 
fc^id^te f))rid^t, man l^dtte fid^ ber Wüi)t uberl^eben fonnen, 
baä lieber ju bearbeiten, njaä fd^on SSrunner geliefert l^atte, 
unb glaubt nic^t feiten beobad^tet ju l^aben, bafe man ba, tDO 
man t>on il^m abging, tf>tn nid^t auf Seffereä gekommen fei, 
benn in biefem 3Jianne l^abe fic^, abgefel^en t)on anberen 
93orgügen, bie Sllegambe l^eröorl^ebt , ein nic^t gctoöbnlid^er 
Scharf fmn mit SBal^rl^eitäliebe t)ereinigt.* 

Mein nidfyt biefelbe 2lncr!ennung tt)arb bem @efd^id^tä= 
fd^reibcr im geben t)on (Seite feiner Obern. iJiad^bem er bie 

» (5in ^ijtor. ^xi^pxoit% t?on 3. Tl, (SMtL üRorgenbl. j. ©a^er* 
Scitung 1862, ^x. 173 ff. 

> Leibnitii opp. 00. ed. Dutens. Tom. IV. pag,67. (histor. et 
antiqait,) 



— 150 — 

brci crftcn 2)dubc in gcbc^ntcn ^^if^^^^^^^wicn 1626, 1629, 
1635 l^crauggcacbcu — bcr Ic^tc ©anb reichte big 1314 — 
griff er ntiitl^ig in bic 9icgicrungö^)criobc SubtDig bcä SSaijerä, 
bcrcn Sc^ilbcrung grofecntl^cilä bcn 3nl^It bcs IV. SBanbcä 
auSmad^cn foütc. (Sr t)crfolgtc babci bic 2lbfic^t, bag 33ilb 
bcä cblcn Äaifcrö, baä fo manij^c gcl^dfeigc gcbcr, namcnt= 
lid^ jene bcä ^^olcn äJgotjiuä cntftcüt unb t)crjcrrt l^attc, in 
feinem gebü^renben (Klange wieberl^erguftelten unb fo baä 
^45raci^tbenfmal, baö ^JJfarimiliau feinem SH^nl^rm in ber 
SDWinci^ener i^rauenftrd^e ge[c^t l^atte, t)or ben SUigcn ©uro^^a'ö 
ju rechtfertigen.* 

SCBenn eö aber, bei ber ftarfen ^^arteifdrbung aller 
Quellen, nod) je^t für ben §iftoriter eine fc^tcere Söüifgabe 
bleibt, bie ^dt öubnjig beö 33ai)erä in riij^tigem Sichte bar= 
gufteHen, fo uar eä für einen Orbenömann beäXVIL 3^^r^ 
l^unbertä gerabegu unmöglid), auö gundd^ft ba^erifd^en 3Jia= 
terialien ein aüfeitig befriebigenbe^ @emdlbe jener benjegten 
3eit gu fc^affen. — aöäaö 5D?att^. JRaber fc^on für fic^ be= 
fürd)tet l^atte, traf bei ©runner ein. (gitt5)efret begOrbenä= 
generale SWutiuö aSiteHeöcuä gebot ber gortfe^ung feinet 
aGBerfeä §alt.^ 2lber aud) ber (J^urfürft tt)ar t)erftimmt bar= 
über, ba§ fein ©efdjid^täfdjreiber bie ©c^toierigteiten jenes 
3eitraumeg nid^t beff er gu umget)en gewußt, alä mit SSerle^ung 
beö :pd))ftlic^cn ®tu^leä, unb f of ort benii^te ein §ofratb, tool^l 
berÄammer^)rdfibent3Jidnbl,^ ber Srunner t)on jel^er abgeneigt 



* SBrunncr*^ Slnfd^auungen über 2ubtt)ig ben ©a^cr pnb fur^ unb 
bünbig jufammcngefagt in „excubiae tutelares*' Mon, 1637, pag. 277 
-298. 

« grc^bcrg, a. a. O. @. 187. 

' ay^&nbl war bem ^. ©runncr fd^on bamalg feinbfelig begegnet, 
aU biefer bie Befreiung ber aJiünd^ener ©eifeln beim ^l^urfürlten in 
©raunau betrieb. @igl, ©efd^id^te ber SWünd^ener (Seifcln. 
^eraugg. ö. @töger. @. 120. 93ei bem furd^tbaren ©turgc biefe« 
ÜÄanneg unter gcrbinanb 2Waria, fagt ©tbger, toerbcn bie tocnigen no^ 



— 151 — 

gcnjefcn, bcn güuftigcn Slugcubütf, um i^n gan3 auä bcr 
©unft 3Raj:imiüan§ gu t)erbvdngett. 5)cr 9Scrfu(^ gelang i)oU= 
[tdnbig. 2lfö »ruuncr in bcr fc^n)cbif(^cn @cifclf(^aft feine 
bat)erifd)e @efd^i(^te in'ö J)cutj'd)e uberfe^t l^atte, dufeerte ber 
©l^urfürft: ,,baä fei eine ©c^ulfu^rerei" unb ate i)on beffcn 
§ulbigungäfd^rift „excubiae tutelares" bie 3flcbe tt)ar: „er 
^ettö tt)ol fcnnen bleiben laffen."* 

93alb glaubte man einen taftootteren unb gett)anbteren 
§iftoriogra^)l&cn gefunben gu ^aben. ©iefer SRann, ber alle 
gcn^ünfd^tctt ©tgenfd^aften in fic^ i)ereinigen fottte, njarSJlilos 
lang Surgunbiuö, öon (Geburt ein 23elgier, feit 1627 ^ro* 
feffor ber 3fled^te gu ^ngolftabt. ©eine historia belgica ge= 
no§ ben :Ku]^m eine§ au§gegei(^neten Sßerf eg, bag thtn fo f el^r 
bur(j^ ben ©lang ber 3)arftellung al§ burd^ bie ©ebiegenl^t 
be§ ^nl^alteS feineä ©leid^en fuc^e. 2)em Sluftrage beg 
©l^urfürften, bie ©efd^id^te 8ubtt)ig be§ 93a^er§ gu fd^reiben, 
tam er bereitn)illigft entgegen, ba er feinem ©l^rgeige ein 
neueä gelb geöffnet f a)^ unb nju^te feinem §errn unb ©önner 
^infic^tlid^ beö neuen IXnternei^meng bie größten Hoffnungen 
gu ern)e(fen. 

Mein n)ie f Idglid^ toar e§ ingn^ifd^en mit bem ba^erifd^en 
Hofl^iftoriogra^)^en bepellt! 35er beutf^en ©^)ra(^e fel^r un= 
t)ollIommen md^tig, lie^ er e§ fd[)on an ber erften 33ebing= 
ung, am QueHenftubium ermangeln. J)aneben t)erfdumte er 
eä, bie feinen ©egenftanb betreffenbe neuere Siteratur hnntn 
gu lernen, ©el^r f^jdt erful^r er erft, ba^ ©goöiuä 9Serldumb= 
ungen über Subh)ig auägeftreut unb ba§ 3^fob ÄeHer unter 
^ernjartl^ö 5Ramen il^m entgegnet, n)ar i^m gang unbefannt. 
ße^tere (Sd^rift fam il^m erft* atö 3Jiaculatur gu ©cftd^te, aß 
er ndmlid^ burd^ ^. 33rtinner ben britten 33anb öon beffcn 



Überlebenben ©etfeln gebadet l^aben: 2)ie Dicmejlg bleibt nid^t aug. ©r 
l^af g um und t)erbtent. 

^ grej^bcrg, a. a, O. 6, 194. 



- 152 - 

ba^crifcfccr @cfd>id)tc in einigen Sogen ber Äcttcr'fij^cn 21^)0^ 
Icgie t)er^)atft cr!)ielt. ©araufl^in erfnct)tc 93urgunbiuö bcn 
^. Salbe, er möge boc^ t)on feinem greunbe bie ©rgdngungen 
bcS merfn>ürbigcn Srud^ftücf ö gn erl)alten fuc^enli SJlac^ aU' 
bem n)ar eg fein Söunber, ba^ SntgnnbiuS ben ^JJfangel au 
gtünbli(j^er gorfd^ung bnrc^ Wufige rl)etorifd^c älnidufe gu 
erfe^en bemül^t toax, 

.5)aö aSBerl erfc^ien unb ber ßl^urfürft erl^ielt ba§ erfte 
^txaiplcLX baöon. äßie ba§ ©erüc^t ging, ttjarf er bcn goti= 
anten erjürnt gu Soben. SnrgunbinS l^atte t)on feinem 
SSorgdnger nid^t nur ni(i)t§ gelernt, fonbern war gegen ^a^)ft 
unb ßleruS auf baö ^eftigfte loögefal^ren, nid^tö ju reben 
öon bem ungarten Sone, in bem er felbft bie @eftalt bc§ 
Äaiferg 8ubn)ig bel^anbclte. 3;ene SRdtl^e be§ ßl&urfürften/ 
bie t)or]^er ben 33urgunbiu§ mit 2luf bietung aüer ?D?ittel burc^= 
gefegt l^atten, ftimmten jefet ber ungn^eibeutigen ^tif i^reä 
^erm nad^Ärdften bei unb um fic^ gu bef Königen, fprad^en 
fte laut i^ren 3^^if^t ^^^^z ^^ 93urgunbiug n)irflid^ ber95er= 
f äff er ber mit 9ted^t berühmten historia belgica fein tonne? 
2)?aj:imilian lie^ bie gange Sluflage beS 3Berf eö nad^ 9Rün^en 
lommen unb im S5unfel ber Slrd^iDe t)ertt)al^ren , tt)a§ inbe^ 
ni^t l^inberte, ba^ ein (Sj:em))lar ben SBeg in bie Jlieberlanbe 
fanb unb in ber ^olge mel^rfad^ nad^gebrucEt n)urbe.2 ^t^ 
greiflid^ l^atte Surgunbiuö nac^ folc^en ©rfal^rungen leine 
8uft mel^r in Sägern gu bleiben. @r ging 1639 in feine 
Jpeimat)^ glanbern guru* unb ftarb alä ^tglieb beä großen 
brabantifc^en 9fiat^e§ i. 3. 1650. 

3lun h)anbte man fid^ neuerbingg anjßrunner, ber in= 
gn)if(^en gu ^nngbrudf ^rebiger ' gen^orben voax, um il^n gur 
äBieberaufnal^me feineö ©efd^id^tättjerfeä gu bettjegen — aber 

* gre^berg, a. a. O. @. 189. 

* Mederer, ann. Ac. Ing. IL pag. 292. 

3. ®^. SBöl^mer gab bag SBer! gu ^elmfl&bt 1705 In 4« l^erau». 



— 153 - 

umfouft; uic^t bic ©tierc bc§ '$t}alari§, no6) bic 9icffc bcä 
©iomcbeö, jagt unfer 5)ic^tcr, l^dttcn i^ii nad) Wnndjtn gu* 
^*3^3^3^n. 2Bar il^m bod) fxir feine langjdl^rigcn Wxf)t\x 
niij^tö alg bcr kfanute Söeltlol^n genjorben. 9Jian no^)fte 
um biefe ^dt (1639) tt){eber^ott aud^ bei 93albe, bantaügem 
§of^)rebiger au, aber ncd) gelang eä, bag gefurij^tcte @]^rcn= 
amt l^oflid^ abjule^nen. 

So ntu^te benn enbüd) ber ^rofeffor ber ßt^if an ber 
^ngolftdbter ^o6)\6)}xU, So^anneä 93i[fel, gut gortfejjung be§ 
borncnt)oIIen äßerfeg nac^ 3Künc^en fommen. 6r laut, aber 
bcn ungcal^nten a?erbrie§licl^feiten, bie er bei j|ebcm ®d)rittc 
in feiner neuen ©))l&dre öorfanb, nic^t genjad^fen, mad^tc 
er fd^on nac^ 3^^^^^W* ^^^^^ anberen (^lüdfüd)en 
^la^, inbem er gu einem J^tcunbe, ber i^n um bie Ur^: 
fad)e feineö fo frül)en jRüdftritteg befragte, bie 2lcu^er= 
ung tl^at: „3^m gefalle ein 3Öeib nic^t, baä fd^on mer äRdnner 
ermübct!" (Sr fc^üfete eine Steife gur Quettenforf^ung nad^ 
irient, einer el^ebem ba^erif d^en ©rengftabt, i)or unb rul^tc 
unter ben äßeinlauben ©übtirolö öon feinen unbanibaren 
l^iftorif d^en Stubien auö/ 

?DlarimiIian n^oüte feine Seftrebungen für bie ba^erifc^e 
@cfd^i(^te um ieben^reiö ju einem gett)i[fen2lbfc^lu[fc bringen; 
aöein bcr ^^roJ)injiaI ber ©efellfc^aft ^efu, Sßolfgang ®raöen= 
egg, t)on il^m beauftragt, gur ^^^^i^tfe^ung beö begonnenen ein 
geeignete^ ^llitglieb feineö Orbenä aufgufteHen, befanb fid^ in 
feiner geringen ^Berlegenl^eit. Unter ben 3Jiitgliebcrn , bic gu 
einer fot(^en 2lrbeit 3:alent genug l)atten, liefen eö tool^l 
mit an ben l^ier notI)tt)enbigften ©igenfc^af ten , au Suft unb 
Siebe, t)ielleid)t auc^ an 3Äutb unbÄlugl^eit gebred^en. J)em 
e^urfürften fd)ien ^. ©atbe ber ^)affenbe 9Jiann gu fein. 
^xcax n)oUte man il^n t)on Seite feiner Obern fd^onen; feine 
Idngft auägef^)rod^ene 2lbneigung gegen baä 3lmt eineä 



gretjbcrö, a. a. O. ®. 192 u. 193. 



— 154 — 

©cfci^idjtSfc^rcibcrS, fobann feine [c^tt)dci^lic^e ©efunbl^eit ^t- 
boten eine getviffc 9{ürffi*t; ate aber nad) beä Siffeliuä 
gabnenflnc^t baä SBert t)oIlenbä in'ä Stocfen geratl^en xooUtt, 
ba gab eä aud^ für unfercn J)ld^ter leine ©d^onung mebr 
— ber ^romnjial/ eben i)cn ^wgolftabt gurüdf geleiert, trug 
il^m in Äraft beö ©el^crfam^ bie gortfe^ung ber baijertfcben 
©efd^icbte auf.* (Sommer 1640.) 

Salbe ge]^ord)te unb ging an^S SBBcrf, aber nur mit 
Sangen unb 9)ä^mutb. S)a§ ©d^idfal feiner aSorgdnger gab 
ii^m i)or allem eine Seigre mit auf ben SBeg — bie ©ebeinc 
£ubtt)ig be§ Satjerä rul^en gu laffen — sine molliter ossa 
quiescani! ruft ber ®d)atten beö ÄaiferS auS feiner ©ruft 
l^auf. 5)iefer aJial^nftimme folgenb erbat fid^ ber S)t(!^ter 
irgenb eine f^)dtere ^eriobe auö 93a^emä ©efd^id^te gur JBe* 
l^anblung, in golge beffen ibm ber 3luftrag njarb, bie betDegte 
3eit beg regierenben ßl^urfürften ju fij^ilbem.* J)urd^ biefen 
laufc^ toar nic^tä genjonnen; ber ©d^toierigleiten gab eä 
je^t nid^t n^eniger, toaS 93albe nur attgufrül^ erful^r. Site 
erften l^iftorifc^en 9Serfuc^, ber glci^fam alä gül^ler t)orauS- 
gelten foHte, bearbeitete er baä a?orf))iel be§ breifelgid^rigen 
ÄriegeS, bie 9leic^§ad^t gegen ©onauwörtb — expeditio Do- 
nawerdana — unb üe§ baS (Sd^riftc^en burd^ ben gebcimen 
diati^ SRi^el, ber ben aSerlel^r jn)ifd^en il^m unb aJiaTimittan 
t)ermittelte unb il^m auc^ alle nöti^igen Quellen gur 93crfiig= 
ung fteHte, bem ei^urfurften t)orlegen (1642). 2)iefer burd^- 
lag eä aufmerifamft unb übte gleic^geitig felbft ba§ ©cnforamt.' 



* gre^bcrg, a. a. O. @. 184. Saut 93ücl^cr(H)^robationcn bcfanb ftc^ 
(Sraömcgg ben 26. m^n 1640 in SDiningen, ben 22. ayiai In ^n^oU 
ftabt, ben 14. 3uli in Slltötting. 

2 Sre^berö; ö. a. O. @. 198. 

* gre^berg, a. a. O. @. 203 u. 204. Unrid^tig ijl, toa« biefcr 
Slutor in feinem »Sflad^wort ju 23aÜ>e'g Straum" angibt: aflid^cl l^abc 
bie cenfotifd^e gebcr 0efül^rt. 



— 155 — 

eg tt)arcn im ©anjcn nur tocuige ©tcüeti, bic bcm diotf)^ 
ftifte t)crficlcu, aber gerabc bic frdftigftcn unb bcbcutfamftctt. 
aSalbc fül^rt eine SRcil^c foldhcr alö mifeßcKg gcftric^ener 
StcUcn auf, um baran ju jcigcn, h)ie bic Ö^cfd^idjtäj'd^rcibung 
unter bem J)rutfe einer einfeitigen (Jenfur notl^toenbig il^re 
Äraft unb SCBürbe verlieren muffe, grdgt man nun um bie 
Urfacfie, tuarum ber ftrenglatl^olifc^e §errf(j^er unb ber ebcnfo 
Iot)ale £)rbengmann in manchen il^ren 2lnf^auungen fo fei^r 
auScinanbergingen, fc n)irb man ben Stanb^junlt, ben fie 
ben ]^iftorif(^en 2:^atfa(j6en i^rer ^dt gegenüber eiunal^men, 
fd)arf in'ä ^uge faffen muffen. 3Kaj:imiüan tt)ottte öon einer 
©efcbi^te feiner ^di, bie befanntermaffen unter feinen 
3luf:pijien »erfaßt tourbe, bie ^olitif feineä §aufeö geforbert 
unb barum genjiffe ^jolitifcf)e iRütffid^ten gen^abrt fcben. Um 
bie :prcteftantifc^en ßl^urfürften , feine bamaligen Sunbeä= 
genoffen, nic^t ju reijen, metu offendendorum prin- 
cipum in Germania, fe^te er in33albe'ö 50ianufcri!pt, fo un^ 
glaublich eg auc^ Kingt, ftatt haeresis — dogmata, ftatt haere- 
tici . — evangelici unb ftrid^ ben ®a^ : haeresiarchas omnes 
hucusque classicum cecinisse. bic ©ectenftifter litten bi^l^er 
nod^ aöc in bie Ärieg^trontpete gefto^en/ 2luä ©^onung 
für ben laiferlid^cn §of burfte Salbe nid^t fagen, bie faifer= 
lidjen Statte Ratten fid) t)on ben bürgern t)on J)onautoort]^ 
befteij^en laffen, obfd^on bie 2:]^atfad^e aufeer S^d^d toax. 
2luä berfelben Schonung tilgte ber (Stiurfürft mel^rere ©teilen, 
barin ber ßl^aralter 9tubol))bä II. unb bie tatl&olifd^e Ueber= 
geugung 3Karimilian§ H. in ungünftigem Sid^te erfd^ien, fo 
fidlere Setoeife , aud^ ber 2lutor für feine J)arfteIIung l^atte. 
S)agegen üe^ ber gro^benfenbe gürft fo mand^en ©afe, ber 



* gre^berg, a. o. O. @. 204. 62 mx bieg um biefelbc Seit, al« 
ajiaximiüan I. im einöerftänbniffe mit ben ©l^urfürficn öonSWainj unb 
©ad^f en unb gerbinanbd i^eid^ttxiter um bed enbUc^en Stiebend mitten ben 
Äaifer bcroog, ben SÄeformirten a^teligion^frcil^it ju getoäl^ren ftod^^ 
iraifer gerbiiiaitb m. SBb. I, @. 139. 



— 156 — 

für il^n felbft minbcr i)ort]^cit]^aft fiang, jur ascrttjuubcrung 
bcä S)i(j^tcrg ol^nc Sd^ttjtcrigfcit ^jaffircn. 

SBcnn §m)bcrg gu bicfcr Äritif meint, man begreife be§ 
2)id^terg em^)finbli^feit, fonne aber Wax I. eben nid^t fo 
Unrecht geben, fo möd^tcn h)ir eö bod^ auf'ö tiefftc bebauem, 
ba^ bie ^iftorifdje ?Wnfe beö ^. Salbe bei i^rem erften 5luf= 
treten fo gebieterifd^ eingefdjud^tcrt tourbe, benn bie unä be= 
fannten, tt)enigen Smci^ftntfe ber expeditio Donawerdaoa 
laffen eö al^nen, n?elc^e TOeiftern^erf e gefd^ic^tlid^er JiarfteHnng 
un§ l^ier im Äeime erftidft n?nrben*' Seibni^, ber eine 2lb= 
fc[)rift ber fraglid^en 2lrbeit gefeiten, urtl^eilt barüber, e§ fei 
biefelbe l^oc^ft cinfid^)töt)oII gefd^riebcn, prudentissime scriptam * 
toojn n)ir nnr nod^ baö eine bemerfen, ba| bie nod^ übrigen 
Fragmente 'gang bie €))rad^e beä Sacituä atl^men.^ 



^ mt flaffifc^cr (Sd^Bnl^cit U)ar befonbcrg bag tragifc^ ©nbe M 
^au|)tmann8 3Äcfer <\cfci^ilbert. Weittenauer, Horatii ars poetica, ptg. 
62. Sßßol^l ber n&mlic^c, über »eld^cn, ba er öon einem Bürger 700 ff. 
txpxt^ l^atte, ol^ne ®nabe ©tanbrec^t gel^alten tourbe. 2R. Soffen, »bie 
aUeid^gflabt SDonautobttl^ unb ^ergOA ^Dflarimilian." @. 56. 

* Leibnitii Opp. oo. Tom. VI. p. 294. 

^ l, ^ : Erat aula Caesaris ab ea labe (comiptelae) non in- 
tacta. Malum nullo aevo castigatum satis, nostro desperatum. Ad- 
dunt alii: Rudolphum, voluptatibus senioque jam fractum, pestremis 
annis regnare potius quam regere visum, quieti siiae et curiosis ar- 
tificum inventis omnia postbabuisse. — Taedio etiam majoris curae 
diplomata facilius in dies data. — Protestantes jamdudum suspecta- 
bant prudentiam ducis (Maximiliani) reconditam, aliquandoque tristi- 
orem. Quod rei Catbolicae comprimis addictum scirent, bereditario 
natalium bono potentiorem nolebant, utpote vicinonim Principura 
splendori et multorum alieno, tenebras offüsunim. Ex quo sommae 
rerum admotus gubemacula suscepit, videbant efPicaci sollertia cuncta 
ieliciter administrari. — Assem patrium, immanibus debitis in omnes 
partes fractum, paucis annis omnium spe celerius ac pulcre recon- 
cinnasse; provinciis, quae obaeratae distrahebantur, singulari cura ex- 
solatis. Hereditatem a majoribus acceptam, sed iniquitate tempomm, 
maxime vero fratrum discordia bellicisque donativis excisam, quia 



— 157 — 

Unb fo fül)ttc fid^aSalbc, bcr in feinen J^l^tungcn unge* 
l^inbert bie 3fidume beg UniDerfumä gcmeff en, auf einmal f Idgüd^ 
bie ^dnbc gebunben — eine Sage, bie feinem innerftcn SBefcn 
gutoiber , ii^m alle greube an ber @efc^ic^tfd}reibung ijerbittem 
mufetc. 3^ fc^toebte unöerrütfbar baö ^itcd ber (Sefd^id^tc 
t)or — bem ftrebte er nac^ mit ganger Seele unb lieber legte 
er ben ©riffel ber 6lio nieber, alö ba§ er nur einen 3^9 
jeneä Urbilbeg ben aeBünfct)en beö Xageg geo:pfert ^dtte. 2)a§ 
l^at er eingig fd^on au§gef^)roc^en in ber 47. Obc beg IV. 
33u(j^eg ber Stjrila, bie er überfc^rieb: Scripturus historiam 
sui temporis V e r i t a 1 1 nudam aram ponit. %n eingelnen 
anberen Steßen f^jrid^t er fic^ f o auö : 35ie @ef c^id^te gu fd^reiben 
t)on 3Kdnnern, bie nod^ leben, bie fie einfel^en unb cenfiren 
wollen, ift ein bebenfli^ unb t)ern)icfelt 3iöerf. SWan foöte 
ben legten Sag abtuarten, n^ann iljr ©efc^itf fic^ öollenbet 
l^dtte unb gurc^t unb §a§, unb 3)Zi§gunft unb Selbftfud^t 
eingefcbldfert in ber Slfc^c mieten, alöbann n)irb man fic mit 
me^r ©ict)erl^eit an'g löid^t bringen fonnen . . . 2)iand^e 
erbfrüd)tc Jc^merfen niij^t, big fie nidbt il^re ®dure i)erloren 
l^aben unb einen SGBinter abgelegen finb, unb aud^ bie tt)a]^r= 
beitgtreue @efd^icl)te gcn)i[fer Sterblicher n)irb i)or il^rem 
fieid^nbegdngniffe nic^t reif.^ 

©0, tt)ie bie35inge jefet lagen — bag erlannte er tool^l— 
fonnte er mit ber gangen SSal^r^eit nidtjt burc^bringen ; ent= 
n)eber mu^te er fein 3ßer! öcrftummelt, ober aber t)erfd^md]^t 
unb in ben %xä)mn begraben fc^en. — 9lod^ ein anbercr 
©ebanfe machte i^n an feiner 2lufgabe öergtt)eifeln. (Sim 
ftanb fein ©eniug in ber ü^)))igften l^rifd^en Iriebfraft; bie 



yirtute sua credebant reparare posse, cogitabant et velle. Quod 
penDas explicare parct, argumento esse alienum nidum, in quem ex- 
tenderit, Donawerdam liberam civitatem, occasione rixae illi opta- 
bilis tributariam factam, unius quaestui servire. ^e^berg/ a* a O. 
6. 204. . 

* gre^berg, a. a. O. @. 203 u. 195. 



— 158 — 

melftcn Oben toarcii gur aSolIcnbung gereift , bic SGMlber 
Ratten ^u ]>roffcn begonnen , al^ i^n baä C^el^eift ber Cbem 
aud feiner ßieblingöbcfc^dftigung aufftorte. 3ottte er itun 
bem fo na^e n)in!enben Lorbeer entfagen, um auf bem un^ 
ermeplid^cu, gcf al)rt)oUen jyelbe ber ^^^^Ö^f^i^^^ f^^^^ fd^toadbe 
©efunbl^eit einjufe^en? 3)tu§te er nic^t fürchten, ba^ er 
über ber riefigen Slrbeit alle \Juft unb Äraft gu ))oetifc^em 
Schaffen i)erliereu, unb fo feines x>on beiben, njcber bie @e= 
fd)ic6te nccb feine 2)icbtungen gu einem glürflid^en Slbfcfiluffc 
bringen njerbe?« 

3nm Ueberfluffe forbcrte noc^ ein ©rief beä 3^fuiten= 
generali 9)iutiuö SBiteUeScug , t)on Jteujal^r 1642 batirt, 
SBalbe gur moglidjften Sefdjicunigung ber übernommenen 
Slrbeit auf. J)en 2)id^ter aber beunrul^igte toieber ber @e- 
banle: 3Bie, fattS nun, tvä^renb id) f(j^reibe, unfer l^oc^toür- 
biger aSater, ber ©eneral, mit Job abginge? galtä anclft 
5pa^)ft Urban VUI. biefes ©c^idffal tl^eilte? 3Bie, totnn eine 
©enerateerfammtung ftattfdnbc unb toenn biefe nun, wie ja 
immer neue SJefd^lüffe gefaxt njerbeu, auf einbringen be§ 
neuen ^^a^jfteg ben ^^^9^^ »erböte, fid^ mit ))oütifci^en 
©d^riften gu befaffen?« 

3n ber bekommenen Stimmung, toelc^e bic cm^dl^nten 
SBetrad^tungen in i^m ergeugten; fc^rieb er feinen „Sraum" 
(somnium),^ ein merftoürbigeä ©ebid^t öolt bunfler JRdtl^fet' 
geftalten, bie ol^ne beg 5Dic^terö eigene ©eutung gang ünent= 
roirrbar tt)dren, barin er ben ®ang ber offigieUen ba^erifd^en 
®ef(j^id^töfc^reibung unter ßl^urfürft 9)iajrtmilian , bie Sd^id- 
fale feiner aSorgdnger unb feine eigenen mi^üd^n ©rfal^r- 
ungen auf biefem (Sebiete in immer toec^f elnben , ^od^ft auä- 
brudfäJ)oUen Silbern unb in gebrungener ©tb^IIcnf:prad^e öor^ 
ftberfül^rt. 

* gre^berg, a. a. O. @. 205. 

* gre^bcrg, a. a. D. ®. 212. 
3 Silv. VIL 16. 



— 159 - 

Damit ^ttc er fld^ einmal au3gcf))rod^cn , mod^tc fein 
©ebic^t bcn "äJtitlebenben aud^ eine ®))]^^nj: crfc^einen, unb .mit 
beenbetem ,,2:ranme" • h)ar aud^ ber fd^ujerlaftenbe 2ltp t)on 
feiner ©ruft 9ett)ic^en. aSorldufig befd^lo^ er abzuwarten, 
n)aS bie ndd^ften ^<xf)xt an entfc^eibenben @reigniffen bringen 
ttjürben unb bcfc^rdnlte fic^ injn^ifc^en barauf, baä notl^igc 
^iaterial für eine ©efd^ic^te feiner ^dt gufammengutragen, 
ba§ nod^ im i?origen 3^^i^^^^i>^rtc atö ein benjunberteö SDenf- 
mal balbefd^en gtei^eä in ber S^f^it^^^i^&ßotl^ef aufbett)a]^rt 
kg. ^ S)iefe mel^r med^anifc^e %^tiQtdt üep il^m gjiu^e unb 
8uft genug, nebenbei nod^ feinen 2)i^tungett gu leben. 3m 
3a]^re 1643 erfc^ien bie erfte 2lu§gabe feiner Oben unb h)- 
rif d^en SCßdlber, unb im ^d^xt 1645 bie ^^omela. Uebri= 
gen§ trafen feine Sll^nungen befonberg ^infid^tli^ ber aSor= 
gdnge in 9iom mit auffattenber ©enauigfeit ein, fo ba^ tt)ir 
über feine ^)ro^)l^etifd^e (^abe, bie fid^ auc^ bei anberen 3ln^ 
Idffen behinbete, nur ftaunen tonnen. 

5lud[) bie befürchtete Äranfl^eit n)urbe gur Sl^atfad^e, in- 
bem ber S)ic^ter t)om griH^jal^rc 1644 an fünf SRonate lang 
lelenögefdl^rlic^ barnieberlag. ©obalb er jebod^ ttjieber leiblid^ 
genefcn war, fanb er fid^ öon feinem greunbe 3Jiartin ©iben 
beftürmt, bie Memmiana jum greife beö ©rafen 2)'2löau}r 
gu bid^ten, bie ba§ IX. »ud^ ber l^rifc^en Sßdlber bilben. 
erft nad^ aSoßenbung biefer ©efdnge, im ^erbfte 1645 fa^tc 
er enblid^ ben feften entfd^lu^, bie ©efd^id^te feiner ^eit toie^ 
ber aufgunel^men unb gttjar ma^te er ba§ feierlid^e ©elobni^, 
bie aJhifen fo lange rul^en gu laffen, biä er bcn böl^mifd^en 
Ärieg beenbet ^aben tcürbe. §oren noix feinen ®d^n)ur im 
nangt)oltften 35erfe: 

Sit ratum. Donec Bavarum Leonem 
Vexerim, victo fugiente, Pragam, 
Debitor nullis fuero Camoenis. 
Tangimus aras. 



^ Opp. 0. Tom» I. in icone autoris. 



- 160 — 

Redde vulgarem calamum, Thalia« 
Redde surreptam di«ritis, Sibeni, 
Per Bohemorum metuenda penuam 

Castra volantem. gjj^^ j^ 3^^ 

O^uc 3^cifcl l^at Sialbc tDirflid^ bcn bo^mifc^cn Äticg 
bearbeitet, n)enn uuö aud) t)on blefer Schrift nid^tä erl^alten 
blieb, benn im gangen folgeiiben ^ci^xt fiuben tt)ir il^n mit 
feinen anbernjeitigen SGBertcn befc^dftigt; aber er fonnte bei 
ber ©ro^artigfeit ber Slnlage biefen Jelbjug nic^t gu ©nbe 
füllten, bet)or il^n bie ^joUtifc^en ©rcigniffe beä ^(ü)xt^ 1647 
gu neuen bic^tcrifc^eu 3trbeiten riefen. S)ie Stubien gu feinem 
„93auerufpiele" in altitalifdjer ^£^)rac^e, einer offigieHen ätpo- 
logie beä Ulmer 2ßaff enftiUftanbes , unb bie eij^rccfen beö 
Sal^reä 1648 liefen il^n nid)t mel^r ernftlic^ gu feinen ^ifto- 
rifc^eu 5trbeitcu gurüdlommeu. 2llä nad^ gefd)lo[fenem njeft- 
))^dlifc^en ^rieben ber ßl^urfürft auö öalgburg nac^ 3Jiüuc^eu 
]^eimfe{)rte, tt)illenö, feinen ®efd)id)töfc^reiber mit ben ußt^igcu 
J)ocumenteu für bie 35arftelluug ber lejjten ©reiguiffe ausgu- 
ruften, unb babei erful^r, bap berfelbe nod^ in ben Stnfdngen 
beä großen Äriege^ begriffen fei, enthob er ii^n feiner 3luf' 
gäbe gdnglid) ' , unb befc^lofe fie einem eifrigeren 5ilnnalifteu, 
bem 3^fuiten Gilbert 6ur^, gu übertragen, ber übcigenö fc^ou 
nad) tDcnigen ^Dtonaten feinen ©l^ren^jofteu an ^l^ifi^j^) §ct= 
tingcr abtrat. 

2)er neue Orbenägeneral, ßaraffa, wünfd^te bem S)id)ter 
in einem eigenen ©d^reiben i)om 26. J)egember 16'^ 8 gu 
feiner ©ntlaffung ®lürf, inbcm er il^m fd^rieb, e^ fei gut, 
ba^ er t)on einer fo gefa^rt)oIlen 2lufgabe befreit n^orben; er 
tDÜrbe nun um fo mel^r 3D?upe gu anberen i^m beffer gu= 
fagenben Slrbeiten fiuben. « 

Snbeffcn fehlte eS nid^t au fotd;en, bie ben ©ic^ter ob 



* gre^berg, a. a. D. <B. 206. 
2 gre^bcrg, a. a. O. ©• 214. 



— 161 — 

feincä SScrl^altcnS in blefcr Slngclcgcnl^cit Ijart kurtl^elltcit. 
2lci)t Saläre lang tt)ar i^m, atg bai)crif(^cm §iftoriogrcH)l^cn, 
auä bem c^nrfürftUd^en §offcUer bcr 2öcin geliefert tDorbcn*, 
ber i^m freiließ oft fauer geruig munbete unb gnbem uoä) 
burd) faljige 3lnf))ielungen t)ergdHt h)urbe. Jpatte bod^ ein= 
mal ein n^ifeiger Äo^)f biefen 3Serg auf il^n gemüngt: Hie 
est, Bavaricam qui bibit historiam. 5)er ifCö, bem man 
gu lifd) S3a^ern§ @ef(^ic^te frebenjt. ®a tt)ar nun mani^cr 
t)orfct)nell bereit, bem 5)id;ter in Slnfel^ung feiner geringen 
gortfd^ritte auf bem gelbe ber ©efc^id^te ajiangel an ^^flid^t^ 
treue unb gutem 3Siüen t)orjutt)erfen. ©ine 9lec^tfertigung 
fij^ien ^ier n^enigftens ben Orbengobern unb ber iJlac^welt 
gegenüber bringenb geboten, toenn auc^ bie Sd^wierigfeit einer 
fold^en bei ber fo ^eifeln 3iatur beg ©egenftanbeö nid^t ju 
t>erleunen toar. S)er 2:ob beä asicefanglerö Sartl^olomduä 
dli(i)d, ber am 27. g^bruar 1649 erfolgte, ma^te bie ^aWJfU 
fdd^lid^ften ©ebenfen fc^tvinben. ^efet burfte oieleä gefagt 
tocrben, waä bei Sebgeiten biefeä 9Jianneg aud^ ben gel^eimftcn 
^a^)ieren nic^t too^l ijertraut toerben tonnte. 2)od^ fd^ien 
bem S)icbter äJorfic^t nod^ immer [o n)enig überpffig, ba^ er 
in ^^feuboni)mitdt t)ermummt, alä 2)ibacuö SSalarabuä, angeb- 
lid^cr 33ufenfreunb ^acoh öalbe'ä, feine 2l^)ologie »erfaßte. 
3^rer gorm nad^ ift fie ein augfü^rlid^er, SSerö fur93erg er- 
fldrenber, mit reidt^em, :p]^ilologifct)em 2l^):()arat berfel^ener gom« 
mentar gu ber bereite befiproc^enen J)ic^tung „Sraum". 

3^rem §au^)tin]^alte nac^ ift fie ein energif c^cr ^otcft cineä 
beutf(^cn ^efuiten gegen bie aSertoenbung feineä Orbenä ju 
:()olitifd^en ^^ecfcn. 

®ie bietet eine gülle ber intereffantcften 3luffd^liiffc 
über baS innere Seb^n 93albe'ö, über ben bamaligen ©taub 
ber oberbeutfd^en ^^f^iten^jromng unb beä baijerif^en §ofeS, 
fon?ic treffenbe ßl^arafteriftifen einzelner ^dtQtno\\tn, toobd 

* gre^berg, a. a. O. @. 219. ©albc felbjl nennt bie 4>ijlorla bort 
^cin Pfaffen ÄcUerin/ 

IBeftetmavet, 3ac«^ Skilbc » 11 



- 162 — 

frcilid^ eine genjiffe ^m^jfinbüd)feit be§ bruftfranfen 35ic^ter§, 
namentß* h)enn er auf feineu fcnft fo l^od^^gefeierten, burcl^= 
lauc^tigften ßenfor ju f))rec6en fommt, unt)er!enn6ar l^rtjor- 
tritt. Sein ^uuior l^atte in biefem ^ai^xt (1649), bem neben 
ber geifttjoUften Satire* au* ber büfterfte ©efang „Chorea 
mortualis'' fein (Sntftel^en banft, mand)' fd^njere Stunbe ju 
burd^fdmpfen, unb leiber n)ar eö nidjt immer ein fonniger 
Slugenblicf, xotnn er bic ^ebcr ergriff, um an feiner Sraum- 
auälegung t^citer gu f(l)reiben. 

SDie Urfct)rift biefcr Jraumaugtegung/ 61 »Idtter in A\ 
auf bereu ^ergamentumfd&lag gu lefeu: „Nobilissimum hoc 
scriptum prae omnibus aliis conservandum^' l^atte il^r eigene 
tl^ümlid^eg ©Aidffal. 2Jalbe übergab fie gu 3)lünc^en bem 
Kölner 9iector 2Jernl)arb Jpa))))el, ber t)on9tom l^er getommen 
n)a]^rf(^einli^ ate lUfitator fid) längere ^dt in ber ober= 
rbeinifd)en ^^rot)iug aufl^ielt. 2luf ber legten Seite ber Jpanb- 
fci^rift ift bemerlt : Haec interpretatio fuit II. P. Beruardo 
Happel, Rectori Coloniensi ex congregatioue generali Roma 
redeunti, Monachii conimuDicata ao. 1651, imo, a. 1650, 
postquam integro anno in provincia Sup. Rheni fuit 
erft gnjei ^dlfxz f))ater, tt>d^renb ber Siebter in ganbs^ut 
tpeilte, erl}iclt er baä n)id)tige §ef tc^en n)ieber gurütf , tua^ mit 
bldfferer 5Dinte n?eiter oben notirt ift: Recepi Landishutae 
6. Juli 1652. 9iad) 23albe*ä lobe lam bag ü)Janufcrivt in 
bie ^^f^i^^^^i^ti'^t^^^ i^ 9Künc^en, n)o eä über 60 ^a^rc 
t)erborgen lag, bis ein Orbenögenoffe, )^, .Sö^^S ®c^tt?arj, 
in feinem SBerf e : Effigies Historiae Bavarae, stat. IV. pag. 
47, not t. foh)iep. 101— 103bieerfte3[ngeigc t)on bem 9Sor^ 
l^anbenfein biefeg Sdbrif tftüdö unb einige hirge^^roben barauö 
mittbeilte. SÖBeiter i)erlautet nid)t^ mc^r bat)on bi§ gum 
nd(j^ften 3abrl)unbert. SDa macbte Jpol^eueic^ner in ber 3^'*' 

* Medicinae gloria, per satyras XXII. asserta. 
2 Chnelien, 864. IV. 2llg Slnl^ang ijt il^r beigefügt : Clavis pro ode 
reseranda, quae inscribitur: de vaticiniis Poetarum. (Sily. IX. 25.) 



— 163 — 

f^rift -für ©at)cm unb bic angrcnjcnbcn Sdnbcr (Sunil^ft 
1817) auf ba§ t)crgeffene ?Öianufcri^)t ncuerbingg aufmcrffam, 
wag tDenigftcng mittelbar gur golge l^atte, ba^ yjtaj: t)on 
grct)bcrg in feiner Sammlung l^iftorifd^er Schriften unb Ur= 
lunben ben merftt)ürbigen Kommentar — leiber fel^r fcl^lcrl^aft 
— t)eröffentlict)te. Ueber bie 2lbfict)t, bic gre^bcrg bei bcr 
§erauögabe besfelben leitete, bemertt 6. Softer in beffen 3ic= 
crotoge:t „2Bie fc^n^er e§ namentlich in ber ba^erifd^en ©e^ 
fd)ict)te fei, jur äßal^rl^eit burd^gubringen, unb roit ))xtv be= 
fonbevö noc^ mel^r ijerlangt n^erbe, alä blogi SGBiffenöburft unb 
SSal^rl^eitäliebe, jcigt i5rei)berg für biejenigen, n?el(j^e im ©Spiegel 
frül}erer 3^^^^^^ ^^^ f^atern gu erlennen vermögen, in bem 
Xraumc Salbe'ö über ben 93erlauf ber ba^erifc^en ©efc^i^te." 

3)ei 33ef ))rec^ung beg IV, 33anbe§ t)on gret)berg'§ Urhinben= 
fammtung er^ob vSi^mellerin ben„'Künc^ener geleierten 3lngeigen" 
^a^rg. 1837 ')lx. 28 3tt)eifcl barüber, ob bie fragliche Inter- 
pretatio Somnii tt)irflic^i)on33atbc fetbft gef (^rieben fei. 2luf 
bem litelblatte ift ndmlic^ i)on frember J^ber bemerft: Manus 
haec est ipsius Authoris hujus scripti, nempe P. Jacobi 
Bälde, qui in eo sibi sumpsit uomen Diflaci Valaradi. 
23efonber^ beirrten Sc^melter bie nad^trdgtic^en 5Rotigen über 
33ern^arb ^cof^d unb bie (Sm:pfangäbeftdtiguug auö 8anb§= 
^ut, n)eld^e gang bie- gleid^en 8cl;riftgüge \m ber Kontext auf= 
ttjeifcn. Grft bie 3Sergleid^ung mit anbern unbeftritten Xfon 
aSatbe l)errül&renben 3^iten, meint er, tonnte allen 3^^^f^l 
entfernen, ©oute alfo Sc^meHer, ber in ber 50iünc^ener 
©taatöbibliotl^ef fo gut gu .^aufe n^ar; toirflic^ feine fiij^erc 
Jpanbfcf)rift t)on Salbe gefannt ^ben? SBdre i^m ber ©obej:: 
Professiones quatuor votoium, c. g. 547 entgangen, barin 
33albe, tvie alle angel^enben ajiagifter, bie Stblegung feiner 
©elübbe beftdtigt ? 

§iet)on abgefe^en, bcn)cift gerabe ber Seifa^: Recepi 



©ift. ^)ol. öiatter, Söb. 29, @. 149. 

11' 



— 164 — 

LandishutaeG.Juli 1652 Don bcrfclkn §anb unc bcr^au^jt^ 
tcjct untt)ibcrlcglid), ba^ iöalbc bic iDterpretatio fctbft gc- 
f^ricbcn, benn er befanb fic^ njirlUd^, tt)a§ Sd^mellcr nic^t 
gctDu^t gu l)abcn fi^cint, im ^(if)xt 1652 ate ^rcbigcr an 
bcr 3)Jortinölirc^c ju Sanbsl^nt unb c§ mu^te il)m fc^r baran 
liegen, baö njid^tige J)ocument, baö er bem ^lector §a^)^)cl 
gu feiner ^Rechtfertigung mitget^eitt , njicber rid)tig gurüdju- 
erl^alten, benn noc^ lebten mand^e ^erfonen, bie burd^ eine 
Uttgeitige Sßeröffentüc^ung begfelben blo^geftellt ttjerben 
tonnten. 

93albe fct)rieb in ben einzelnen ^^Jerioben feineä iJebenä 
eine giemlid^ ungleiche §anb; todl^renb 2lutogrcH)^a tjom 
Saläre 1626 unb 1627 feine, fleißige, fc^lanfe 3ügc t)on eben= 
mäßiger Stunbung aufn)cifen, tragt in ber Interpretatio 
Somnii 'oom ^d^xt 1649 feine ©d^rift ben ©fcm^jel fd^n)ung= 
öoller, genialer glüc^tigfeit. 2)agegen begegnen tt)ir in einem 
aSriefe t)om ^^^uar 1663* bereite gitternben, ungleichen Sud^= 
ftaben mit l)arten Äürgungen, bie aber nod) immer ben frül^eren 
3ug ber geber erlennen laffen, 2lu§ ber SSergleic^ung biefer 
5lutogra:()^en ergibt fid) unbeftreitbar, ba^ bie unter ben ßime- 
Ken ber 2)tünd^ener Staatgbibliotl^ef befinbttc^e Interpretatio 
Somnii i)on 33albc fetbft gefc^rieben fei. 



* ©a^erifd^eg Sieid^gard^it). Jesuit, a. a. O. 



XI. 1)00 ßamtnfpitl 

Drama georgicuni. 

5)aö n)e(fifclubc Ärieggglütf, ba§ im ^oi)xt 1645 bcn 
Sat)eru unter 5Rcrct)'§ ^üljrung fo fd^onc ©icgc i)crg6nntc, 
n)ar il^neu baö 3^^^ barauf befto cm))finblic^cr ab^oü. ^m 
5Rot)embcr 1646 festen bie §cerc SBraugers unb Znxtnnt'^, 
na(i)bcm fie tjergcblid^ 3luggburg berannt l^atten, bei Sanbö= 
berg über t)en Sec^ unb i)ern)anbelten bie gange ©egenb bis 
gut 3f^r in einen raud^enben Sd^uttl^aufen. 

33alb geigte fid^ ber %tini and) im 9lngefic^te 2)?ünd^cnä ; 
baö ib^Hifc^e SBarenberg iDurbe geiplünbert unb 20 ^ferbe auä 
feinen Stauungen fortgefül^rt ; ein ci^urfürftlid^eS Suftfc^Io^ 
in ber ndc^ften ^JM^e ber 6tabt ging in i^I^^^^J^ ^^l 2)i^ 
§au:ptftabt felbft voax, 2)anf ber gürforge beä rafttoä ti)Qi' 
tigen gl^urfürften , fo auäreic^enb befeftigt, ba^ fie n6t^igen= 
fallö einer längeren Belagerung trogen fonnte, aber auc^ il^re 
23en)o^ner mad^ten bie du^erften 2lnftrengungen , um ber 
brol^enben ©efal^r tx>irffam gu begegnen, ©ogar baö frieb^ 
licj^e ßoßegium ber 3^fi^^t^^ mu^te fein Kontingent gur aSer« 
t^eibigung§tru:p:pe fteßen. 3^^ 1'^- 3^tot)ember 1646 be^ 
merft baö 3:agebuc!^ beä ®t)mnafiumä: „(sSä fam in*ä 6ot 
legium ber §err ®ürgermeifter §6rl, abgefanbt t)om 6om- 
manbanten ber ©tabt, ^errn ©enerat SrurfmüÖer, unb t)er- 
langte ju toiffen, »effen man fid^, xotnn ber geinb, ber tu 



— 166 — 

bcr SRad^barfd^aft [ttciftc, noä) ndl^er l^cranrüdftc unb bie 
8tabt fclbft fcinbüc^ eingriffe, Don ben Stubenten ju i)crfe^en 
l^abe? Ob fie bereit feien, nac^ bem 3Sorgange anberer ^Ica- 
bemieen unb ©^mnafien bie Si^affen ju ergreifen? 3)iefc 
grage, xodijt man in ben eingeincn Sd^ulen t)orIegte, njurbe 
burc^auS niijt furc^tfam aufgenommen, ^n ben l^ol^eren 
Älaffen erboten fid) bie meiften frein)ittig, unb im ©anjen 
fanben fic^ gegen 200 (bei einer ©efammtgal^I t)on 676 ©d^ü= 
lern), njelc^e bie SBaffen ju tragen faltig unb getüillt i^aren." 

Site ber i5^inb bie auägebel^nten 3BdlIe ^Fiünd^enä mit 
©efd^ü^cn unb Seuten ujiber ©rujarten gut befe^t fanb, wagte 
er feinen ernftlic^en 5tngriff unb bem ^jatriotifdjen §erjeu 
©albe'ä blieb ber 3lnblitf eineg fiegreic^ eingiel^enben Sd^n)e= 
ben, ber i!^m biSl^er noc^ nid^t ju I^eil genjorben, aud^ für 
biefeämal erf^jart. — 2Bar übtigenö aud) bie §au^)tftabt ge= 
rettet, fo fd^ien bod^ aßeö anbere bai)erifd^e ©ebiet bem 
gdnjlid^en SSerberben ^jreiägegeben. ©er Ärieg njar nun inä 
3JlarI bcä ©a^erlanbeg 9^f^>i^tt^ ^tib biefeä ungtüdlic^e Sanb, 
ba bie c^urfürft ticken unb bie jReid^ätru^j^jen ben ^eeren 
Jurenneä unb äBrangelö auf bem §u^e folgten, t)on mx 
9lrmeen gugteid^ über^utl^et. 

2)a jtüang baö ®ebot ber ©elbfter^altung Maximilian 
gu einem i)er]^dngni^i)otten '£d)ritte. 6r fd^lo§ mit T^rdnf^ 
rcic^ unb ©d)n)eben einen SBaffenftißftanb, bemjufolge er fic^ 
t)er^)f[ic^tete , in bem nod^ fc^n)ebenben Äriege fortan neutral 
gu bleiben, b. l}. bem Äaifer feine Sunbegl^ülfe biä gum Slb- 
fci^lu^ be§ griebenä gu entgiel^en. e§ n^ar t)orauägufe]^en, 
ba^ biefer SQöaffenftillftanb ob ber bem Äaifcr barauä er- 
tt)ac!^fenben ©efal^r in 2Bien Die größte Erbitterung ]^ert)or= 
rufen muffe, n)e^n)egen ber S^urfürft auc!^ nici^tä unterließ, 
benfelben in ben Singen be§ 3(leid)§ober]^au^)teä gu entfd^ut 
bigen. Sefonbcrä betonte er au^er ber S^otl^ bcä 2lugen= 
blitfä noci^ ben Umftanb, ba^ Oefterreic^ bigl^cr, tro^ aller 
Slbmal^nuttg beä ba^erif d^en §ofeg, fid^ aUgu fel^r r>on f^)a= 



— 167 — 

lüfc^er ^^^olitil i)abt leiten laffen, i^oburc^ bie ^i^tereffen 
5)eutf(l)Ianbö auätDdrtiger §errfd)gier geo^jfert unb bie ©eg« 
nungen beä griebeuä gar oft ijerfi^erjt tDorben feien, ^nxä) 
biefe ä>orftettungen l^offte 5!JJajcimiüan auf ben Äaifer einen 
Drutf auäguübeu , ber ben balbigcn 9lbfc^Iu^ eineä aöge? 
meinen griebenö l^erbeifü^ren foßte. 

2luc!^ bie ^oefie, bdud^te bem ß^urfürften, bürfte baS 
3§rtge jur SHed^tfertigung beg aSaffenftiöftanbcä beitragen. 
®alb ^afte man fic^ in ^JKnnfter barüber i)erftdnbigt. Unb 
xotld) genel^mcreä SÖßerljeug l^dtte er l^iefür gewinnen fönnen, 
alö feinen ^of l)iftoriogra:pl}en , ber gum SRul^me beö §aufeä 
Oefterreid^ fd^on fo mand^e trefflid^e Obe, fo manches gldn« 
jenbe 33ud^ gefd^rieben l^attc? 

3m Januar 1647 fanbte ®raf J)'9lt)aur feinen ©e-^ 
fanbtfcfcaftgfecretdr gicur 9JJarfiöt) be ßroiffi^ nad^ Ulm, um 
an ber Seite ber fd^n?ebifd^en 23et)oIImdc^tigten n?egen beä 
Üßaffenftißftanbe^ mit 3)Jartmilian ju unterl^anbeln. Sro^ 
ber ©inf:prad^e beö faiferlid^en ©efanbten fam berfelbe am 
14. ^{drj 1647 jum 5tbfdE)Iu^, tia^erifc^erfeitS untergcic^net 
t)on 9taufd)enberg , ©d^dffer unb Äuttner bon Äuni^/ Se^^ 
terer, d)urfürftüdE)er Äriegärat)^, uberbradE)te burd^ 3KarfiIIi^*ä 
aSermittlung bem ^^ater 93albc einen ©rufe t)on SCtjaujc 
nebft ber freunblic^en Sitte, ber Sdnger möge, bie ©efd^ic^t§= 
fd^reibung für je^t unterbred^enb , eine neue Saite ber S^ra 
jur 33er!^errlid)ung be§ aEßaffenftißftanbeg anfd)lagen. ^ ©leic^= 
jeitig l^dnbigte ber aSicefanjler 93artl^oIomd 3tid^el bemfelben 
im 9luftrage beg ßl^urfürften bie 3lctenftüdfe be§ Ulmer ©er= 
trageg aug, bamit er fie geeigneten OrtS für feine ©id^tung 
t)ern)enbe.^ Setüeiä genug oafür, n^etd^c 3Jiac^t bie 5)ic^tlunft 



* gür granfrcid^ untcrjclcl^nctcn SOflarflUi) bc ßroiff^ unb ©icur be 
Zvaa). SScrgt. »artl^olb, ©efc^. b. öro^en beutfd^cn Äricgc«, ©b. ü. €. 567. 

2 Opp. 00. Tom. VI. p. 346. 

3 gre^bcrg, a. a. D. @. 203. 



— 168 — 

©albc*8 auf feine ^^it ausübte, n?enn man mit i|r fclbft in 
ber Di^)lomatie alö mit einem genjid^tigen 5?aItor rechnete. 

35a ftanb nun ber ^^oet jum jtoeitenmale t)or einer uti:: 
ttebfamen Slufgabe, bie il^m t)on ber leibigen ^olitif geftcKt 
toar. 2)aä gegebene Jl^ema, einen uuftd&em aBaffenftißftanb 
gu befingen, n?ar nidjt nur )}rofatfd^, eS l^atte unter ben ob-- 
tt)attenbcn Umftdnben für ben 3?aterlanbgfreunb etn?aö ®e= 
engenbeS. 35cr S)i(I)ter fanb barum für gut, gegen ®d^Iu| 
beö ®ebicf)teä in einer eigenen 5tnmerfung gu erinnern, ba^ 
t)orliegeubeä Drama nid^t t)on l^ßl^erer S3egeifterung eingegeben 
fei, fonbern ba| man ben bel^anbelten ©toff ii^m einfad^ gut 
Äugfü^nmg t)orgelegt ^be.* 

Unb bennoc!^, njie originell, tüie gIangi)oIl[ loäte er bie 
fc^tt)ierige Slufgabe! Seine fd^on in *frü]^eren groben bc- 
funbete 93ortiebe für bie oäcifd^e ober t)ielme]^r attlateinifc^c 
®^)rac^e fül^rte il^n auf ben ©ebanfen, bie geforberte 9l^)o- 
logie in biefer gang ungeldufigen 3Jtunbart abguf äffen, w- 
burd^ ttjenigftenä fotjiet erreicht tourbe, ba^ man^e, benen bie 
2lbftd^t ber S)ic^tung uic^t fo gang gufagte, i)on ber au^cr= 
genjfil^nlic^en gorm fic^ gefeffelt fül^Iten. SBie ern)d]^nt, ift 
fein angeblid^eä Oäcifd^ nur t)orcIaffifc^eg Satein, tüie eö in 
ben 2lteIIanen, gen^iffen ^off enf:pielen , bie auä ber Stabt 
SlteUa nad^ 9iom fiel) i)er))fi[angt l^atten, gef^jrod^en ujurbe. 
35iefe ®^)rad)e toar offenbar mit mkn oöcifd^en (Slementen 
vermengt, aber bennoc^ i)on bem urf)}rünglid^en ^biom ber 
Oöfer n?efentlid() i)erfc^ieben. Witt unglaubüd^er Wdi)t mußte 
fidb 33albe auä u^enigen, fragmentarifd^en Scbriftfteaern jener 
frü^efteu ^:j>eriobe ben notl^igen 2öortfd^a§ für feine 2)ic^tung 
jufammentragen, fo ba§ eä fd^n^er gu begreifen ift, toie er in 
3 — 4 ^Bionaten mit feiner gangen Arbeit gu @nbe lommen 
lountc. « 

* Opp. 0* Tom. VI. pag. 404. 
» Opp* 0. Tom. VI. pa«. 872. 



- ^ - 

35aä cigcntßd^c a3auern[:picl, drama georgicum, xoixh 
eingeleitet burc^ fünf gn^ifc^en bem 2)id^ter unb ber 'iDhtfe 
\\6) entf^jinnenbe 35iaIoge. ^tntx bittet leitete batin, fie 
möge i^m bie Queue ber oäcifc^en ^oefie entbetfen; fle ]^in= 
gegen tceigert fic!^ beffcn, inbem fie i^m ob biefer ©elüfte 
fon)o]§l, atö and) n)egen feiner beutfd^en 3Serfud^e Unbanf unb 
Xreulofigfeit i)orn)irft, unb ifim bie gemaltigen §inberniffe 
fci^ilbert, bie B^m ben 3^9^^9 i^^ '^^^ erfel^nten 93orne er= 
fd)n)erten. * ©djlie^lic^ fe^t ber ©idjter, ber mit bem unt)er= 
le^lici^en €>d^ilbe einc^ ©aöierä (beä ©rafen S)'2li)auj:) be= 
meiert erfd^eint, bennoc^ fein Segel^ren bei ber Unfterblic^en 
burc^ unb fie erfldrt fid^ bereit, il^n ben i)ern)ilberten ^fab 
jur Queße gu fül^ren. 3lun folgt bie (Sntbedfung ber oäcifc^en 
J)id^terquette, ein (Sntl^ufiaömuä )oon 52 ©tro^)]^en, ber fec^g 
Stunben gen>dt)rt l^atte. 5tec!^t bitl^t)rambif(j^eg Ungeftüm 
unb trauml^afte Sc^erf^jrac^e finb biefem ))oetif(^en @rgu§ in 
l^ol^em (grabe eigen. SBie feltfam fd^ön Hingen nid^t fd^on 
bie 2lnfangät)erfc : 

Cantant volucres. sed quota, Didace, 
Die, hora versis insonuit rotis?^ 

SWit §ülfe ber gaunen, bie i)or ü)m i)tx baä ©eftru^)^) 
auöroben unb bie lauernben Ungel^euer gurüdffd^redfen, gelangt 
er ben bunflen Urnjalb l^inburd^ gur Queße, bei beren Ur= 
f^)rung ein riefiger geläblodf mit oädfdtjen Sd^riftgügen 
unb rdtl^fell^aften ©innbilbern rul^t. J)ie 5Wünbung beä 
fc^lummernben 93ornä !^at bie gefdßige SRatur mit 5)ioo§ unb 
Slumen gefrönt. SÖßilbtjerfd^lungener Qip^tu l^at fid^ xdä) 
mit fiebrigem 3^^^^ ^^ ^^^ 'irümmern beg l^o^len ©efteineä 
angefaugt. 35er ©ic^ter fd^lürft J)on bem eifigen Sia^ — 
boc^ faum ]^at iljm bie fc^arfe Ädlte ben ©aumen erftarren 
gemad^t, fo fül^lt er fid) umgenjonbelt gum oScifd^en ©dnger. 
aSaö er t)on je^t an fingt, finb oäcifc^e Saute, ©aä Sob 



* Opp. 00. Tom. VI. pag. 860. 



— 170 — 

feiner ^reiinbe 3)'3lt)auv uub WarftU\> be ßroiffi) bilbet ben 
vgc^lup beö 6utf}uftaämu^. 

3lu biefen reii)t fidb fofort ber 33eginn bc§ 35rama§. * 
^xod 33aueru auö ber Umgegenb t)on Ulm, ^Jicliboug uub 
9lI:pl)cfibouö, begegnen einanber nnb taufcl)en fid^ il^re klagen 
über bie ©rduel beS gegentüdrtigen Äriege^ au3. i)Ht er= 
fAredfenber Irene ujirb bie beftdnbige lobeöangft ber ganb= 
leute, bie iihitl) ber ^jlnnbernben Solbaten, i^re ejfinberifd)e 
©raufamfcit nnb t^ierifcbe Seibenfcbaft mit all bem eicub 
beä mipljanbelten i^olfcö gefcbitbcrt. J)iefer ©d^itbernng ift 
bie gen^d^lte oäcifcbe Sipracbe mit il^rem faft nur auf Idnb= 
lid^e 2lnfc^auungen befdftrdnften 2ßorti)orratl^ tjor^üglid) au= 
gemeffen. 

©er jn^eite Jl^eil beö ©ramaö ent^tt bie ^^riebenäbot-- 
fci^aft. aWerfnr, ber ©otterbote, atg ^i^genl^irt i)erlleibet, 
na^t ficb ben Säuern uub fünbet il^nen in ^)rad)ti^olIem, rein 
tateinifdjem 9[^erfe ben eingetretenen ä^affenftiöftanb an.^ 
3kc^bem er juerft bie ©rünbe bargelegt l^at, bie 25a\>ern gum 
3lu§fc^eiben au§ ber Äamipflinie beftimmen, ix>orunter er bie 
Uebermacbt ber ©cgner uub bie ©efa^r be^ gdnjüdjen Unter- 
gangeä, aber auc^ bie (Sinmifd^ung ber f^janifd^eu ^^olitW, 
bie granlreid^ fo eiferfüd)tig tjerfolge, gebül^renb i)txr>ox\jtii, 
red)tfertiget er ben greifen, nadf) Slul^e i)erlangenben ßl)ur- 
fürften mit einem l^errli^en 9tüdbütf auf beffen fam^)f= uub 
lorbeerreid)e§ 3:agen)erl. — J)ie beiben 93auern, bie begreiflich 
j)on ber gan3eu geleierten 2luäeinanberfe^uug nii^tö t^erftanbeit 
l^aben, trotten ben ^i^Ö^i^^i^ten, ber fie jum SSeften gu Ijabcn 
fc^eint, mit Sd^ldgen gured^tbringen , ba bequemt "fic^ biefer 
enblic^ jur Idnblid^en 3lugbrudfött)eife unb t^eilt il^nen bie 
g^riebenäxierieanblungen in Ulm unb iljren günftigen Sluögang 



* Opp. 0. Tom. VI. pag. 373. 
2 Opp. 0. Tom* VI. pag. 386. 



— 171 — 

fc^lid)t unb fa^lid) mit. i^ulc^t iinrft er, um feiner über* 
rafcl)eiiben ©otfd^aft ©tauben ^u tjerfcf^affen, feine ^irtcnmaSfe 
t)on fid^ unb ftcl)t nun \>ox ben erftaunten Sanbbenjo^nern 
in oIt)m^)ifd^em ®Ian3e. — 5)er britte unb fürjefte i^eil beä 
©^)ieleä fül^rt unö ein Idnblidjeä ^t\i auö 3lnla| ber grie= 
benäbotfd^aft mit reid^Iicbev ^Btal^lgeit unb I)eiterem lanj t)or 
Singen. * 

9lte Slnl^ang ift noc^ beigegeben bie bunfle ^^fd^rift beä 
oben ernjdl^nten oöcifc^en 3)enfftein^, ein nocf) unentjifferteä 
Fragment, au§ bem übrigens fkr genug ^)ro^)]^etifc^e 3J?a^n= 
uugen an bie 2)eutfc()en ju einmütl^igem §anbeln l^ertjortreten, 
fo bafe eä einer i)erftetften ^aünobie nidjt gar undl^nlic^ 
fic^t. 

(Sine jn^eite 93eigabe i)on größerem aOBert^e ift ber ®c!^Iu^= 
gefang, epicitharismR , in o§cifcf)er '3Jiunbart, ju (Sl)ren ber 
^eiligen ÜJiaria i)om Siege^ — genji^ baä Slnmutl^igfte, was 
je in biefer raul^en S)}rac^ gefd^rieben ujurbe. äßaö nur 
immer i)on milberen Sauten in i^rem ganjen 93ereid)e ju 
finbcn ti^ar, baä f^jarte fic^ ber fromme 3)id)ter forglid^ gu- 
fammen, um barauä eine funfttjoUe TOofaif ju gcftalten, aß 
SBci^gefc^ent für bie Patrona Bavariae. 

3ulefet ift noc^ angel^dngt eine fa:p:p]^ifd^e Obc an ben 
(Srafen 5)'3li)aur, n^orin ber ©dnger feine (Sntjauberung, b. 1^. 
feine 'Dtürffe^r 3ur Ilaffifc^ lateinifd^cn ©ic^tung tjerlünbet. 
3n l^öci^ft geifti)oHer SBeife ift biefer ®ebanfe baburcf) auöge= 
brüdt, ba| ber "ipoet, burd) einen Srunf beö t)on 2lt)aujc iljm 
gefenbeten Söeineö auä bem Oölerlanb anä ©eftabe beä liber 
t)erfe^t, baö 2Biebcrfe§en ber eroigen 9toma mit i^rcn SSun= 
bem begeiftert fd}ilbert.^ 

35iefeä tiefburc^bad^te, finnreid^e ))oetifd)e ergengniß, baä 
2llb. Äna^)^) mit 9ted^t ein überaus rounberfameö ®ebid^t 



* Opp. 00. Tom. VI. pag. 406. 

2 ©icl^c ^* 22 ber Ucbcrtragungcn. 

3 Opp. 0. Tom. VL pag. 426. 



- 172 — 

nennt, l^atte nid)t jcncä (Slütf, baö cä t)crbicntc. S)cn 
Ocjtcrrcid^eni erregte cä, njie Salbe felbft geftcl^t, orbentlid^ 
bie ©alle, toeil fie einmal bie barin niebcrgclcgten SÄed^tfer^ 
tignngägrnnbe in feiner ^orm ertragen fonnten* ®o xom^, 
fe^t ber 5)id^ter l^ingn, ift eä in nnferer ^dt gerat^en, bie 
äßal^rl^eit jn fingen. * Üöaä ibn aber mit noc^ tieferem ^i^^ 
mnt^ erfüllen mn^te, tnar ber Umftanb, ba^ feine fleißig 
gearbeitete Sinologie fd^on n^enige SBod^en nad^ i^rem gr= 
fci^einen i)on ben ©reigniffen überlädt njar. ^m 2lnguft beä 
Sal^rcä 1647 tonnte baä Drama baä Sid^t ber Oeffentlic^Mt 
erblicft l^aben, nnb nod^ tüd^renb cä nnter ber treffe lag, 
tt)nrben fct)on icieber Unterl^anblnngen mit bem Äaifer über 
bie gemeinfame ^^'Jttfe^nng beä Äriegeö angelnü^jft, in- golge 
beren SWapmilian bereits am 14. @e))tember beäfelbcu 
^al^reä ben gefeierten SÖBaffenftillftanb ben ©c^n^eben gegen^ 
über anf^ob, njdl^renb er t)on i^^anfreid) , leiber umfonft, 
5Jieutralitat ern^artete, nnb etlid^e ^Jionate nad^l^er, im 9Rai 
1648, ftürjte bie tobtgefagte ÄriegSfnrie noä) einmal mit 
bo))^)elter SJnt^ über baä arme Sägern l^er. aJtünd^en legte 
biefeSmat nict}t jenen Wiutt) an ben Sag, ben e§ unter 
gleid^en aSerl^dltniffen t)or anbertl^alb ^c(f)nn ben^iefen. J)ie 
Slngft nnb aSern^irrung in feinen SRanem n^ar grenjenloö. 
5lm 25. 5Rai pc^tete fiel) ber gl^urfürft mit feinem ganjen 
^offtaat nad^ SÖBaff erburg ; au^ ber beffere Stl^eil beö ©^m^^ 
nafiumS (melior pars Gymnasii), 300 ©tubenten, fagten ber 
©tabt, in ber .fiel) Jliemanb mel^r fieser fül^lte, öeberool^L 
3lm 28. mn^ ba§ ©ebrdnge ber Sluätüanbernben feinen 
l^o(^ften ®rab erreid^t l^aben, inbem aße angef eigenen Se- 
tt)o^ner ber ©tabt beiberlei ©efd^led^teS cntnjeber nad^ Üßaffer^ 
bürg ober in anbere befeftigte Orte fid^ unb baä S^^^Ö^ ^^ 
©id^erl^eit brad^ten. ^ater Salbe, ber jur §ofgeifttic^feit 
jdl^lte, njar nid^t mit berfelben fortgejogen, fonbwt tl^eilte 



* grei^berg, a. a. O. @. 203. 



— 173 — 

mit feinen geliefcten 2Ründ&enern tteuli* bie ©c^redfen ber 
3nt)afion. 5)ie Stabt n?urbe übrigeng aud^ bieömal nic^t 
angegriffen, obtijol^I ringöuml^er aße ©tdbtc, ^Itdcn unb 
ÄBfter, aSafferburg aufgenommen, in bie .^dnbe beä geinbeä 
fielen/ 3^^ ©liide machte ber n)eft))]^dlif(^e ^^^ebe — pax 
trenienda Westphalica, n>ie il^n ®albe nennt — biefen legten 
@rdueln balb ein @nbe 



^ Diarium Gymn. Mon. 



Claude de Mesmes d'Avaux. 

Das innige Jv^cnnb)c6aftst)er]^dltniß, baö jn)ifcbcn ®albe 
unb feinem C^onner glaube be ^csmeS b'Stoauj: beftanb, 
fonnte manchen ju einem fdnefen Urtl^eile über bes 5Did}ters 
(S^arafter i)eranlaf|eu. @raf b'^ili)aur tt)irb t)on beu bcutfcben 
@c)cl)ic^töfcf)reiberu faft burctjauS alö ein I}oc^mütl^igcr, rdnfc= 
t)olIer otaatämann gefd^ilbert, ber feinen eigennn^igen -^Jldnen 
atteä l^intangefe^t unb namentüd) in 3Jiiinfter unter bem 
Scheine ber J^iebenstjermittlung Äaifer unb ditii) burd^ feine 
ma^lofen ^Jlnf^jrüc^e auf'ö du^erfte erniebrigt unb gefc^tt)dc^t 
l^abe. äl^enn man i^n nur nac6 öffentlichen 9lcten, nad) 
feinem ^2luftreten als ö>efanbter unb S)i^)lomat beurt^eilt, 
tt)irb man atterbingö leidet ju biefem 3lefultate gelangen. 
Salbe felbft füllte in 2lnbetrad)t beffen bie Stot^mcnbigteit, 
fid^ bei feinen Üauböleuten gu entfc^ulbigen, atö er bem ht- 
i)ollmdc^tigten SÖiinifter ber Ärone §ranfreid) eine ^joctifcbe 
^ulbigung — bie Memmiana — barbrad)te.* 5)a eben^^tau^ 
gofen gegen ©eutfdje, ^ei^t eä in ber 3Sorrebe, faft unter 
meinen 9lugen Ärieg führen, mod)ten eä melleid^t manche 
befremblid) finbeu, ba| ic^ alä Seutfd^er Dir, bem granjofen, 
ein 33uc^ wibme. 

9lllein man barf nid^t i)ergeffen, ba^ in glaube be 3»eämcg 



1 Silv. IX. in dedicatione. 



— 175 - 

bcr ©efanbte imb bcr ^rttjatmann jn?ct fel^r t>crj'(i^iebenc 
^^etfoneu it>aveu. ^m Staatßbienfte fantite er feine anbete 
Sf{ürfftd)t alö ben dtui)m feincg 3){onard)en nnb bie 3Ser= 
gro^ernng granfrei*^; für biefen (Snb3tt)etf fe^te er atteS 
anbere, oft fogar fein eigejieö geben auf bag S^jieL Söelc^' 
rafttofc,' aufreibenbe S^ätigfeit er 3. iß. bei ben äJer^anblungen 
in Stul^möborf im ^a^xt 1635 entfaltete, um einen Jtxieg 
gunfc^en ®cl)tt)eben unb ^^olen gu tjcrl^üten unb bie franjö= 
fif d)en ^^tereffen gur ©eltung ju bringen, grenjt faft an*ö 
Unglaubliche. * 

S)a^ aber feine fo gefüri^teten bi))lomatifcben Äüufte 
feinestDegö in einer niebrigen ©enfungsart , foubern Dielme^r 
'in übergroßem ^^atriotigmuä grünbeten, bas erfel^en mx auö 
l^unbert lieben6tt)ürbigen 3^19^^^/ ^^^ ^^^ ^^^ feinem ^^-^riijat- 
leben berichtet ujerben. ®d)on feine n)ürbci)olle, dc^t abelige 
^erfonlid}feit übte einen tt)a]^ren 3^^t>^^ ^^f ^^^ ^uö, bie 
mit i^m in Scrül^rung famen. £)abei n)ar er loirflid), toas 
er dußerlid) fd)ien — fittlic^ untabell^aft, eifrig religiös, wot)l= 
tl^dtig gegen dürftige, i)on umfaffenber 23ilbung unb ©eleljr? 
famfeit, ein fiiebl^aber unb Jß^^^^'cr ber fc^önen Äünfte unb 
barum Don ben gldngenbften (^eiftem feinet 3^^^^^^^^rtä 
ge^jriefen. §ugo ®rotiuö fc^rieb auf feinem Sanbgute fein 
SBerf „de jure belli et pacis,'' (^rouoxiiuö ujibmete il)m feine 
Sluögabe bcö Simuä. S)od) nid)t bloö bie bumaniftifd^e, auc^ 
bie frangöfifd)e ßiteratur ijerbanft i^m i)ieleä. „S)ie a3oiture'ö, 
bie SSalgac*^ unb altes, njaö bamalö am frangöftfc^en ^^arnaffe 
groß unb anfel^nlic^ njar, ijerel^rten il^n nid^t fon)o]^l beä= 
tt)egen, toeil er il;r 3Ädcenaö ti^ar, fonbcm njeil fie il^n für 
il^ren ^ieifter in ber finnreidjen unb natürlid;en ©d^reibart 
l^ielten, barin er fic^ öfterä mit il^nen übte, um fii^ mitten 



* «artl^olb, (Scfd^. b. großen bcutfd^cn ilrlegcg. 53b. I. @. 311 ff. 
— $)ort ftnbct ftd^ aud^ eine fel^r intereffante ^l^arafterifiif beg ©rafen. 



— 176 — 

unter feinen fcfeiDeren ©taatSgefcbdften ein unfd^uIbtöeS 38«^ 
gnögen ju machen.»" 

5)aö erfte ©ntftel)en feiner naiveren :öe5ie]^utt9cn ju @raf 
I^'5(t)aur fc^ilbert iBalbe felbft in bcr aSorrcbc jum IX. ä)ucbe 
ber iBdlber: „3citbem id^, crlauc^tefter ^Jcrr, erfuhr, bap 
einiget t)on meinen s2c^rif ten gu Dir gelaugt fei, »aö J)u 
JU lefen unb i^ert^jufc^d^en 5)ic^ würbigteft, fül^lte ic^ rnic^ 
fofort jur fc^utbigen ©rtüieberung eincä.fo unt)er]^offten SBäo^t 
»oUeuö angeregt, in ber Ueberjeugung, eä fei ganj billig, 
ba| jene, welche bie äöiffenfi^aften lieben, i)on biefen ^in= 
U)ieber gefeiert mürben." 

J)er §aiq)tgrunb aber, ujarum 23albe um bic greunb-- 
fd^aft t)eö frangofifc^en ©efanbten fo eifrig xoaxi, n^ar ber 
gro^e (Sinflu^ beäfelben auf bie Jriebeu^tjerl^anblungen» 3lu§ 
atten SJriefen, Söibmungen unb Oben , bie unfer J)ic^ter an 
S)'5lt)au): ridjtete, bringt ein Sel^nfuc^töruf , bie ungeftiime 
aSitte um ^rieben, alö mdc^tigfter Älang l^eröor. Unb in 
ber il^at, tcenn irgenb einer ber (Sefanbten ju aRünfter unb 
Oönabrürf, fo ^atte ber franjofifd^e Ärieg unb ^rieben 
in feiner "iDiac^t; baä ©emic^t ber Ärone granfreic^ ^attc 
Idngft baä aller anberen euro^jdifc^en 3)idc^tc übertt)ogen. 
33albe itju^te baö tüo^l, ®r legte ba§ neunte ©uc^ feiner 
aödlber biefe Sturm^^etition um baä Segenögefc^enf beö 
griebenö, mit bem t)ollften a3ett)u|tfein feiner SCragtoeite in 
bie §anb beä frangofifd^en Öefanbten. ^n l^crrüc^ fc^im- 
memben Maxien Ue§ er an ©eutfd^Ianbö ©emitterl^immel bag 
iBilb ber aSerf ol^nung , einen Slegenbogen aufgellen, bcr ben 
Ärieg in feiner gangen ^d^Iii^feit beleud^tete unb alle ^ergen 
mit l^ei^em ajcrtangen nad^ einer fc^oneren 3^'^^ft «tifüffen 
mu^te* 3ltö bie ©onne in biefem großen ©emdlbe ftral^lt 
ber dlcmt feineä ertaud^ten @5nnerS, SRemmiuS, aber f o, ba^ 



1 SBougeant, ®efd^. b« bretgigj[&l^n((en J^riegeS k. ^eutfd^ Don dtam* 
ha^ föb. I. <S. 281. 



— 177 — 

TticmatS fclai)ifc^c ® d^meid^clei , fonbcm nur freie SSerel^rung 
uttb Siebe beii ^infel fül^rt. 

SGBie njeit feine ^utbigung t)on ber 3lrt feiler fiofcl^ubler 
entfernt voax, ge^t genugfam barauä l^ertjor, ba^ er ben 9lb- 
grunb beä franj6fif(f;en Staatätebeng , ben man umfonft mit 
Sorbeergnjeigen ju überftreuen fuc^te, i)or ben 2lugen feines 
©efeierten fd;onunggtog anfbedte.* 

'^enn n)ir bem 3^^9^i)T^ ^^^ 33arldu§ glauben bürfen, 
ber mit griebenägefanbten in ßorref^jonbenj ftanb,* fo l^dtte 
unfer ^^oet jur Sefdnftigung ber cntjtüeiten ©emütl^er unb 
baburc^ jur enblid^en Seitegung be§ Äam))feä nici^t njenig 
beigetragen. ' 3Baä ben ©rafen be SWeömeö betrifft, bem 
abft(i)tUc^eä ^inauögic^en beä Äriegeä fo fc^i^er gur Saft ge:s 
legt tüirb, fo fonncn wir faft auf ben ^unft nac^n)eifen, njie 
mit bem (Srfc^einen ber Memmiana eine entfc^iebene §in=: 
neigung gum ^rieben in feiner Seele einjog. ^m grül^Jal^T* 
1646 erf^ienen bicfe ©efdnge unb im ©ommer barauf fd^rieb 
ber ®raf an feinen aSertrauten, 5Boiturc, auä 2)?ünfter d. d. 
29. 2luguft 1646: „Nous sommes icy assez empechez k 
coustruire le temple de la paix . . . Les architectes 
ne conviennent pas encore de son plan, ni de ses me- 
sures. C'est pour cet 6difice que je me passionne; et 
certes, je voudrois le cimenter de mon sang, s'il estoit 
besoin. " 

%vid) ber §iftorifer Sartl^olb/ ber fonft unfern ®taatS:= 
mann jicmlic^ l^erbe beurt^eilt, Id^t, inbem er 'oon ben 9Ser= 
l^anblungen biefeö Sommers f^^tic^t, feiner griebenSliebe @e= 
red^tigfeit tuiberfal^ren mit ber Semerf ung : „®eri)ien, ber an 
mmvin eine etü^e ^atte, entblöbete fid) nic^t, felbft 



* Silv IX. 4. 33. 37 ff. 

' Barlaci epistolae II. p. 493. 

3 in feiner (SIegie an ©albe. Omnia sie flectit etc. 

♦ ©cfd^. beg großen bcutfd^en ^iefleg II. 544. 



— 178 — 

gegen SonguetjiIle'S unb D*2lt)auj:' friebtic^c 
®ef Innung laut gu fagcu, baj3 eö aucf) nad; [old^em 0:pfcr 
(Slbtretung 33rei)ac()ö) nid)t jum ^^rieben fommen n^erbe/' 

2)a^ Öraf :D'5lt)aujc feine aufrichtigen 2lbftc^ten nid)t 
t)ern)trflid)en fonntc, baran tt)ar gund^ft fein ^Jtitgefanbter 
2lbel €ert?ien fc^ulb, ujelc^en 9hintiuä (S^igi, bcr nachmalige 
^^a))ft, nic^t mit Unred;t bcn ^^^ftö^^^^S^^J^gct beö griebcnä 
nannte. 2)erfelbe nil;te nid^t, bi§ S'Jltjau^ im ilpxil 1648 
alfo nocf) i)or 9lbfd)Iu§ bcö Jriebcnö i)on iDiüufter abberufen 
njurbe, unb afe 2luöbruct ber l;öd)ften Ungnabe ben Sefe^l 
erhielt, ol^ne ^^ariä nur ju betreten, fofort auf fe'iue ®üter 
ju gelten. 3^ac^ turgcr 3}erbannung njurbe er n^ieber an ben 
Jpof berufen, ftarb aber bereite am 9. 9ioi)ember 1650. 

@raf 2)*2li)au^ ujar nid)t blo^ 33albe'ö ®c^atten=a)Zdcen, 
n)ie y^erber il^n anfielet, fonbern war i^m nod) mel^r alä 
aJidcen, tüar fein innigfter greunb. @r uberfanbte i^m aß 
SDiiJ^ter^jreiö ein bebeutenbeö ©efdjenf in ®olb, baä Sub- 
tmg XIV. auf feine aSennittlung ^in auögefefet ^atte, erfun- 
bigte fic^ oft aufö tljeilne^menbfte um fein Sefinben, bructtc 
bem Äranfen fein 23ebauern, bem ®enefenben feinen ®Iücfg= 
»unf d) auä ; er f c^icf te bem nad) f c^n)erer Äranf ^eit neu auf^ 
lebenben Siebter auö feinem eigenen ÄeUer beä erlefenften 
SRofetoeinö jur ©tdrfung unb Ärdftigung unb fc^rieb i^m, 
n^aö 33albe gen)i^ am l^oc^ften fdjd^te, ©riefe t)oU ber gar= 
teften ®eban!en, bereu einer ung n?enigftenä in ©md^ftücfen 
erl^alten ift. 

^^n ber 3^^ip^^3 ^^^ oöcifc^en ^oefie beantn)ortet 
S3aloe biefen ®rief beinal^e 8a^ für Sa^ unb ld|t unä ba= 
mit einen fdM t^un in baö eble aSerl^dltni^ gn^eier großer 
cinanber njürbiger ©eelen. S)'2lX)au): l^atte gefd^rieben: „J)aö 
ift auc^ meiner äöünfc^e l^ßd)fter, ba^ enblid^ ber griebe gu^ 
rüdfel^re, unb njeun mid) nid)t affeg tdufi^t, fo feiert er 
toirtliä) gurüd, ttjeffen ic^ S)it^ Dor aüen möchte t^eil^aftig 
n)iffen, unb 2)u barfft t>on mir einen öifer, ein entgegen-- 



— 179 — 

fcmmcu unb eine Zuneigung — rotnn gu lieben geftattet ifl 
— in nic^t geiDol^nlic^em @rab entjarten." J)er Sdnger, bic 
tiefe a5en)egung feinem §erjeng Icife unterbrficfenb, gel^t l^ier^^ 
auf ein mit bein SScbing: ;,59eun au* geftattet ift, bicfe 
legten äBorte fcf)it)eigenb ju i)ere^ren. Sic atl^uien l^ciligen 
©c^auer unb l)aben teftauientavifö^e j?:raft." • ®o betrad)tete 
Salbe bie greunb|d)aft , bic i^m ®raf 5)'5(i)au): in biefer 
garten Sßeife anbot, ate ein SJerrndd^tni^, ba§ er treulich 
kn?al)ren unb ^fCegcn it>ottte für alte ^dt SSiertl^alb S^l^re 
barauf njar fein gteunb nic^t mel^r unter ben ißebenben. 2luä 
bem t){ad)rufe, ben er i^m gewibmet, Id^t fid^ beutlid) ]^er= 
auälefen, tüie treu er il^n geliebt. 3^^^^^ ^^^ Slnfang beö 
®ebicf)te§, baä leiber g^agment blieb, ift ein 5)iufter elegifc^er 

®d^tt>ermutb. ^ 

©ä gercid^t uuä ju befonberer ©enugtl^uung , bafe n>ir 
au§ unldngft erfd)ienenen Schriften, bie nid^t für*§ ^^^ibtl- 
fum 'bcftimmt njaren, bie Slufrid^tigfeit jener ^^odjfd^dfeung, bie 
@raf J)*2lt)au]c für unfern 2)id)ter an ben Sag legte, un= 
gweifet^aft beftdtigen fönnen. ©ä ift baä in bem lurgen 
33riefn)ed)fel beä frangofifd^en ©efanbten mit feinem @ünft= 
ling 9?oiture, !^erau§gegcbcn t)on 9lmeb6e 9t cur. ^ 

Sajir finbcn l^ier ben ®raf en eifrig bemüht, ben tjertDöl^nten 
teidjtfertigen 3Soiture gur Scctüre beg 3^!^^*^^^^^^^^^ J^ ^c= 
tt)cgen. Qx erl^ebt 3)albe njcit über ^^afferat, ben Klienten 
unb ßobrebner beä §aufeg 3Jieäme§, beffen (Scbidjtc bamalä 
im gelehrten ^Ji^anfreic^ ^ol^cn Oiul^m genoffen. Unb ba 
33oiture, ber, nebenbei bcmerft, nur fcl}r püd;tig in 33albe 
gebtdttert batte, biefen 3Sorgug nic^t ancrf ennen tt)ill, xod[t 
i^m S)*2li)aujc bercbt ben großen Unterfc^ieb gn)ifcl^en biefen 
beiben '^oeten nadj. a^oiture liegt nun einiget ernftlid^, finbet 



* Opp. 0. Tom. VI. pag. 345. 

2 Opp. 0. Tora. III. pag. 259. 

3 Lettres du Comte D'Avaux äVoiturp. Paris, librairic d'Augus'e 
Durand. 1858. 

12* 



— 180 - 

c^ (m6} in bcr §au^tfaci^c gauj l^übfd^, ma6)t aber babci fe^r 
Ürinlic^ 3luäftcttungcn. 3^bcffcn mu§ er gcftel^n, baß il^m 
ber J)tcbtcr ftettcntDcifc ju bunfcl ift, ate baß fein gatcin 
nod^ ausreichte. So t)er|te^t er namentlich nic^t ben 2luäbrud: 

Manantia vita 

Flamina, praemoneo . • . 

Silv. IX. 3. 

too bie 3Rufe ben ©dnger toamt, er f otte fic^ i>or ben glüjfcn 
in 5lc^t nel^men, tt>eil il^m ndmlid^ einmal feine fi^ra in 
einen gtu| fallen foUte. ^n biefer iiUti) benimmt er ^ 
mit feinen geleierten greunben, bem ^rdfibenten 8e SSaillcuI 
nnb bem ©eneralcontroleur 2)'(Smer^ nnb baä ^otel dtm- 
bouittet, a^oiture'g tdglid^er Stufentl^alt, ber ©ammelplafe bcr 
©c^öngeifter t)on ^ariö, l^atte ben feltfameii -Stnblidf , bap 
feine fu^jerflugen @dfte über bie aSerfe eines beutfc^en 3^- 
fuiten SBerati^ung l^ielten. SDaS ^lefultat toar jiemlic^ troft- 
loa — SRiemanb tonnte Sefd^eib. 

3m ndd^ften unb legten SBriefe ber ©orrefiponbeng t)om 
27. Suli 1647 fc^icft^ ©'Sltjauj: feinem greunbe t>ox allem 
einen auäfül^rlideen Kommentar über bie rdtl^feli^afte ©icfetcr- 
ftette. ©er ©c^lüffel toar nid^t fd^toer ju finben — bafe 
il^n aSoiture nic^t gefunben , baran toar feine oberfldc^lic^e 
Äenntnil be§ SDid^terä fd^ulb.* 

6af^)ar SBarlduS. 

3ur ^ät bcg brci^igldl^rigcn ÄricgeS, ba Äünftc unb 
SQBiffcttfd^aften unter bem übermächtigen (giuflufe ber Solba- 
teSla gut nid^t geringen Älagc unfereS ij)id)tcrä^ fo tief bar- 
nleberlagen/ fül^ltcn bie ttjenigcn (äelc^rten, bie il^ren siamen 
gu ©ettung bringen fonntcn, um fo lebl^after baä Sebürfni^, 
fic^ innig aneinanber angufc^lie^cn unb über alle fonftige 



* eiel^ ©eilaöc'UI. 

» L y r. n, ÖO, ö. 63 ff. Epod. XVEI. 



— 181 — 

9Kcinungät>crfc^icbcn]^cit ]^tnn)cg auf bcr §öl^c bct ^^^tWlbung' 
fi* bic §anb gu reichen, ©droben t>on bcm ©cttju^tfcin. in 
bcr S^jrac^e beö alten 9tom eine aBeltf:|)ra4e gu bcfi^cn, bic 
t)on Wtctx gu 2ßeer ein begeiftcrteS (gc^o fanb, untcrl^iett man 
biö in ferne Ißdnber ben anregcnbften Sriefnjcd^fcl, f^)tdd^ fld^ 
feine 5:f)eilnaf)me am gegenfeitigen ©djaffen , feine 0reube an 
neuen ©rgeugniff en au§, ol^ne barum in jenen fü^lic^en fibbeäs 
tauf^ gu tjcrfaöcn, ber bic 6orref^)onbeng cincö ©leim unb 

3acobi im folgenben 3^^^^^^^^^^ fenngeic^nct. 3^ ^^^ 9^' 
tcl^rteften ^^itS^tioff en Salbe^ä gd^lt 6af^)ar 33arldu§, ^ofcffor 
bcr ^l)ilofo:|)]^ie am ©^mnafium gu 2lmfterbam, alä §iftorifer 
unb SDic^ter gleid) l)oc^geac^tet. ©er SSermittler beS naiveren 
aScr^ltniffeä, ba§ fid) gt^ifc^en il^m unb Salbe entflpann, »ar 
bcr toeitbef annte SKaler ^oad^im ©anbrart. 2tlg biefer ndmlid^ 
i. 3- 1643 ein 33ilbnife beg (S^urfürften- nac^ SJÜind^cn gebrad^t 
l^xitte, ba§ t)on einem @^)igramm beä 33arlduä begleitet toax^, 
beauftragte 2Ra]cimilian unfern 35i^ter, bem fremben©ele]^tten 
in feinem SRamen ben . giemenben J)anl auöguf^jrcd^en.* S5albc 
fclbft aber njar t)on bem trefflichen ©inngebid^tc fo entgüift, 
bafe er 33arlduä barob beglüdtpünfd^te unb i^m aü S^^i^n 
feiner Sichtung bie eben erfd)ienenen ttjrifd^en ©eSicJ^tc burd^ 
Sanbrartö 93ermittluug gufanbte.^ yio6) öfter begleitete 33ars 
Iduö bie ©emdlbe, bie ©anbrart für ben batjerifd^en §0f 
malte, mit finnigen aSerfen, fo 4ie berühmten 12 Sßonatc 
uebft Jag unb 5Rac^t, n)eld^e für ben gl^ur^jringcn beftettt 
tt)dren/ fo ein für bie (Sl^urfürftin gefertigtes 33ilb , bic l^L 
gamilie mit ®t. Slnna unb ®t. S^l^anneS barftellenb.» 

^ Barlaei poemata P. II. pag. 530. ©iel^e ©eilaöe IV. a; 

2 Barlaei epist lib. II. pag. 922. 

3 (Sr fagt t)on il^m einmal mit Slnfpiclung auf fein @^)igramm: 

Hic est, qui titulos, oraque PrJQcipum 
In Ventura potens secula consecrat Silv.IX. 12, 
^ ♦Barlaei poem. F. II, pag. 507. 
^ Barlaei poem. P. II. pag. 557. 



^ 182 — 

\ 

SBarWuS Xoax i^on bcn ©cbic^tcn, bic cm Orbcuämann 
il^m, bcm eatoiniftcn; guni S^x(i)tn bef grcuubfd^aft fanbtc, 
auf« tDOl^Ul^ucubftc übcrrafcfet." ^xtiax l^attc er ber fattjoftfcfccn 
3Biffcnf*aft t)on jcl^r Sld^tung unb Slncrfcnnung gcgollt, 
toaS fc^ou barauä ^crtjorgel^t, ba§ er frül^r einmal benßon- 
t)ertiten Sartl^olbuä 5)ti^u)iuä* um 5luffc^lufe über ®Iaubenä= 
jrocifel gebeten unb in biefer Slngelegenfieit mcl^rere Briefe 
mit il^m getoec^felt l^atte (fie [teilen im 1. S^eil ber epistolae) 
— aber fo tl^aufrifd^e ©eifteöblütl^n , auä einem ba^erifc^cn 
^efuitencoUegium alä 0ef d^enf überfaubt, lamcn il^m unerwartet. 

^Sd^on fuib einige aJionate i>erpoffen", [einreibt er bem 
5)id)ter juriid , „f^^*^^"^ ^^^ berul^mte 2ßaler (Banbrart mir 
SDeinen Srief auöf)ünbigte. ^dj l^atte ein fo l^errlid^eg S^W^ 
ber §reunbfd)aft nid^t auö Satjern erttjartet, no* bom gußc 
ber 2l^>en ein fo großartiges ^^fanb eines ungctijo^nüc^ er- 
l^abenen ©eifteä. 2)ie ttjenigcn SSerfe, bie ic^ auf baS Silb= 
nife eures gürften bietete, fdjeinen 35 ir Steigung ern>edt ju 
l^aben, bie greunbfd)aft eincS 2luSldnbcrS in ettt)aS »ertl^ju^ 
fd^dfeen. ^6) für meine ^erfon n^iö jn)ar an ^iul^m ber 
®ele]^rfamfeit gerne 3^i>^^^tn nac^ftef)en, mod^te aber au 
(^rttjeifen freunbfd^aftüd)en äBol^lwottenS gegen D^iemanben ju- 
rüdfbleiben. Dasjenige, tt^aS unS auS ber gerne gugefanbt 
n)irb; genießt fonberS ^of)e ©eltung unb 3öert^fd)d^un9* 
S5a]^er ^abe id^ mit ber größten iPerel^rung baS golbeneSud^ 
beiner ©ebic^te aufgenommen, bei beren gecture ic^ nid^t bloS 
einmal in ®lut geriet)^ unb ben lül^nen ©eift burd^ dl^nlic^e 
©rfinbungen ]^inburd)f^)ornte. 35u l^ft unS bie lang t)er= 
toal^rlofte unb tjergeffcue 8i)ra n^icber jurüdf gegeben , fo baß 
bu mit ditd)t ein Itjrifd^er Sd^riftftetter ober t)ielmel^r ber 
Äünftler auf SBa^emS S^ra genannt ttjerben barfft, um auf 

* 2ln 9'^il^uftuS, „einen ^cd^öelel^rten, um bie fd^önen aBiffenfd^ftcn 
auf g beflc J?erbienten SD^ann/' ber burc^ bie ©c^toeben aug feiner abtci 
Slfelb vertrieben in §oUanb in ber SBerbannunö lebte, l^t 53albe gtoei 
Oben Silv. Vm.:^9 unb IX. 29 öeric^t. 



— 183 — 

^orajeu'ä SS^orte anjufipiclcn. Sttuf^crorbcntUd^ gcfdüt mir 
©eine ^fxadjt, bie mit folc^er güttc unb uatürlid)cr ®cl)5n]^cit 
auftritt, ^eiliges befiugft J)u befouberä gerne unb glücfüd), 
fo bafe S)ir ni^t twenig fc()ulben bie SJlamen ber ©eügen^ 
tt)eld)e, \m fie t)on (Sott unb (Jl^riftu^ ii)x un)terbtid)Cö geben 
^bcu, fü huxä) ®ic^ ber 23crge[feul}eit bei bcu Sßenfc^en glor^ 
rcic^ en triff en ti) erben. 5)ie ^\ax, mein ®albe, ift 2)eine ca* 
ftalif(j^e Quelle, ben ^arna^ finbeft 35u bei ben SSinbeliciern 
unb 5Rarigfern, bie Ufer beg ^nn^ unb* ber 2)onau tjerl^err^ 
Uci^ft 5)u mit bcm 3lul^me J)einer li)rif(^en ©ebidbte, n)ie einft 
glaccuä feinen 2:iber. ^ier gu Sanbe gebenden einige SDeine 
®ebi(^tc neu auflegen gu laffcn. 3^^^^if^^^ ^<^ttc ^i^ ^^d^ 
meiner 3^^^^i9^^^9 f^^ ^^^^ J)einigen, tvenn id^ auc^ in 
anbcrem ®ir und^nlid) bin, unb n>enn auö ben ©tubien eine 
2trt 3Sertt)anbtfd)aft l^ert^orgel^t, fo glaube mi^ aud^ in biefem 
©ctreff S)ir befreunbet. 

Slmfterbam, am 1. max^ 1644.*" 

S3arldu§ fc^rieb baö nid)t bloö au§ contjentioneöer 
(£cf)mei(^elei, Fencensoir k la main, n)ie ber f^)öttifd^e 33at)le 
meint, fonbern au§ tjoUfter Ueberjcugung, tok n)ir au§ einem 
feiner SSriefe an ßonftantin §ugeniuä, ben ©efretdr be§ 
^^Jrinjen t)on Dranien, genügenb nad^tceifen fonnen, benn er 
f^jrid^t auc^ bort bie 2reP(^feit ber 2)i^tungen Salbe'ö unb 
feine §oc^fd^dfeung für biefelbe in untjerl^ol^lenfter 2Beife auä. * 

3n ben li)rifd}en SBdlbern finben toir ein :|)aar föftlic^e 
Oben, bie an 23arldu§ gerietet finb. ' ^uerft ben ^)rad)tt)ollen 
®efang: „©runbfdfee ber Stoa gu 2Ründ^en'V ^o in ber 
Stl^at golbene 9le:pfel in filberner ®d)ale — bie gebiegenften 
fiebenäregeln in meifter^aftergorm nad^SBal^l gebotwin)crben, 



1 Barlaei epist. lib. II. pag. 910. 
» 1. c. pag. 922. 
3 Sily. IX. 12. 



— 184 — 

unb bann no(3^ bic britte Obc bcg ad^tcnSud^cS, bic eigentlich 
an ein J)icf)ter^)aar, 33arldu§ unb Sodann 9teiner 3^9^fH 
2lbt)0cat gu 2lin[terbam, abrcffirt ift. fie^terer, ein großer ^reunb 
beä fianblebenä, bereits ein ©reis , ber feine ^rien gen)ö]^nti(!^ 
auf feinem fianbgute, am Ufer ber a?edbta gelegen, l^inbracfctc, 
n)o SarlduS gerne bei il^m als ® aft njeilte, l)atte bem Siebter 
feine befonbere greube an beffen erfter Obe „Abdolonymus", 
biefcr lieblid^en 2ln^)reifung Idnblid^en StiltlebenS, gu erfenncn 
gegeben, ^n ber emjdl^ntcn Cbe beS vill. SBud^cS ber SBdlbcr 
erttjeitert nun 33albe gleid)fam jenes frül^ere ©ebiti^t gu einer 
3lrt 3[bt)lle, ttjorin er ben ©a^ burd^fftl^rt, für 2llle unb ju= 
mal für ©id^ter feien SEBdlber unb gluren ben ©tdbten t)or- 
gugiel^en. 

SarlduS njar fel^r t)iel baran gelegen, bie freunbfd^aft' 
lid^en S3egiel)ungen gu feinem f^)dt gettjonnenen greunbe rege 
gu erl^alten. Sttm 10. 2)egember 1645 fd^rieb er ibm t)on 
2lmfterbam auS gum gtoeitenmale, auS tpeld^em ©riefe m 
fd)ün früher» baS SEBefentli^e mttget^eilt l&aben- ^m lalb 
barauf bie gttjeite, reic^tjermel^rte 2luflage ber „Itjrifij^en SBBdlber" 
t)cranftaltet n)urbe, ttjufete fidE) SarlduS einen ber erften^öbc^ 
^H^Q^ gu i>erf d^affen unb alsbalb f anbte er an ben 35erlegcr 
3^boc Äalfot)iuS gu Äoln eine ]^errlidC)e ©legie „in luculen- 
tissimos poematum libros clarissimi viri Jacobi Baldi," 
V)ieHeid^t bie fd^önfte, bie er gefd^ricben, bereu ^nf^dli fid^ bc= 
reitS auf ben neuen Jl^eil biefer SluSgabe begog, mit ber 
Sitte, fie möge ben eingelnen @]centplaren ' berfelben t)orgc= 
brudft ttjerben- Um fo auffaUenber ift eS, ba^ in ben gc= 
fammelten ©id^tungen beS ®arlduS t>on biefem ©armen fic^ 
leine ©^)ur finbet. 

S)er geleierte 9^ieberldnber ftarb, el)e er einen feiner 
l&ei^eften aGBünfd)e, ben 5lbfd)lufe beS allgemeinen griebenS, 
erfüllt fab. 3n bem eben ern^dl^nten »riefe f^jrid^t er fic^ 
feinem greunbe gegenüber alfo auS: „äBir erttjarten ^ier 
mitten unter Ärieg unb toütl^enben ©^lad^ten ben aHge= 



— 185 — 

meinen griebcnSruf. SBenn Sitte fo backten, tt^ie ein aJieömeg 
b*5lt)aur, fo bürfte man am ^rieben nici^t ijerjtDeifeln. ©od) 
bcrfclbe rnf)t im ©d^oo^e ber ®5tter, tvie ber 3]ßdonibe gu 
fagcn liebt." 

9lm 14. Sanar 1648 tourbc aSarlduä in einem Sninncn 
tobt gefnnben. 



gabio ©l^igi — Sllejranber VII. 

e§ toar an einem fd^onen ©ommerabenb beS ^Cif)xt^ 
1639, ate ber neuernannte !pd^)ftlid^e Syiuntiug für 9iieber= 
beutf(^lanb, ^abio ß^igi, auf feiner SReife t)on ^^^rrara nad^ 
Äoln in 3Jiiind^en anlangte, ^n SBolfratl^öl^aufen ^tte er 
fein le^teä 5Ra^tquartier genommen unb bort mit ©rauen 
bic erften 8!puren ber SSertoüftung — ja^lreid^e SSranbftdtten 
gefcl^n, toeld^e ber Sdjnjebenfrieg bereite jurutfgclaffen I)atte * 
Unerfannt burd^fc^ritt er anfangt bie Straffen ber ©tabt 
unb bcfud^te il^re lem^el; bod^ balb I)atte ber §of feine 2ln= 
lunft crfal^ren, n)orauf fofort ein fürftlid^er SEBagen entfenbet 
tDurbe, ber ben l^ol^n ®aft unter Ilingenbem @^)iele in bie 
SRcfibenj „bie 5Ren)e aSefte" führen mu^te. SBd^renb feineg 
furjen Slufentl^alteä in 5)Wind^eu befud^te er aud^ baö ©otte^ 
gium ber (Sefettfd^aft 3^f^ ^^*^ brad^te in ber SDWd^aeßKrd^c 
baö 1)1. O^^fer bar. 23ci bcm feierlid^eu @m:|)fang, ben il^m l^icr 
bie JReligiofen bereiteten, tourbe bem ^. Salbe ber el^rentjotte 
5luftrag, ben 5RuntiuS mit einer geftrebe ju begrüben. ^ 
9la^bcm 6^igi f^dter (1643) i)on Äoln nad^ 3Rünfter über= 
gefiebelt toar, um auf bem allgemeinen föongreffe alö griebcnä= 
botfd^after gu toirfen, toibmete ibm Salbe, i)on einigen greunben 



* Philomathi (Fabii Chisii) Musae juveniles, Iter Ferraria Co- 
loniam. pag. 73 squ. ©icl^e 93cilagc IV, b. 

2 Opp, 0. Tom. V. pag. 7. 



— 186 — 

baju aufgemuntert, eine \tf)x auäful^rUc^e £)be, betitelt : Annulus 
Gygis.* 5Der ©id^ter gibt \>ox, ben 9Ung beä ®t)ge§ ju bc= 
fi^en, bcr feinen Srdger unfid^tbar unb babei aöfel^cnb mac^t, 
unb nun ttjirb baö Scben G^^igi'ö, baö fic^ fo gern attem 9luf= 
fel^n entjiel^t, nad> ben i^erfd^iebenen ©efc^dften beö £agc§ 
auf'ö trcuefte gejcicbnet, am 9Iltare, im Senate ber grieben§= 
gefanbten, am Sdbreibtifc^, über ben Suchern, bei ber SafcL 
SDer 3luntiug fc()ricb feinem ©dnger berebte 2)anIegn?orte ju^ 
rücf . 2llö in ber golge gabio 61^igi unter bem 5Jlamen 9llc= 
Tauber VII. ben ^)d^ftlic^en »Stul^l beftieg (1655), unterliefe 
Salbe nid)t, bcu Jitel feiner Obe mit ber neuen äßürbe be§ 
93efungenen in ge]^eimni|t)olle JPerbinbung ju bringen. & 
fal^JRom, eö fal^ ber jjubelnbe ©rbfreiä, fd^rieb er bem ^i|}a))fte, 
ba^ auf ben JHiug be§ ^irten ®^geg ber 9ting be§ gifc§er§ 
^etruä gefolgt fei.^ 

3n ber Satire 2lntagat]^t)rfug , n)o ein Sleifenber auö 
Italien einem S:t)roler ©afttvirtl^e t)on SRom erjd^lt/ tft baä 
Hob biefeä ^a))fteä in großartigen ^u^tn auögefül^rt, ol^nc 
ba| ber äßal^rl^dt ettt)aö tjergeben tt)dre. SEürbcn bie legieren 
^al^re feiner SRegierung ben erften gleid^geblieben fein, tt)urbc 
er nid^t getüiffen ©inflüfterungen gugdnglid^, feine 9^e^)otctt 
uac^ SRom berufen l^aben, fo ftünbe er tt>i>^ ben größten 
^d^)ften ebenbürtig jur Seite unb bcr ftrengc ^.^attamcini, 
ber bie ©efd^id^te feines ^^ontificatö ju fd^reiben begonnen, 
l^dtte feine geber nld^t finlen laffen. 

3m 3^]^re 16(53 n^ibmete il)m SSalbe fein reiffteö, um= 
faffenbfteS ®ebid)t, bie Urania victrix. 5Rid)t ttjenig Sorge 
mad^te bem 5)id^ter bie Zueignung, über bereu gorm jtDifc^en 
il^m unb feinem ^roijinjial einige SDleinungSijerfd^iebenl^eit 
beftanb. „eine Sobrebe njottte id^ nid^t f^reiben," fagt er in 



i Silv. IX. 17. 

2 Opp. 0. Tom. V. pag. 7. 

9 Tom, IV. pag. 838 et 339. 



— 187 — 

einem iüngft aufgefunbencu 33riefe an leiteten, „vodl i(S) xou^U, 
bafe ber l)eiU9fte §crr an fold)cm glittet fein ©efaöen finbet 
Söaö alfo fonft? eo l^abc id) bem 3^^^^^*^ ^^^ SBerfeä 
einiget entnommen, bamit tt)enigftenö biefer felbft ett^aö jage. 
3i?ag ii) anälaffen, ttjaö id) bafür einfügen foö, Vißge man 
mir nnr anbeuten; id) njerbe eä tl^nn nnb hin bereit, ben 
(Snttourf um bie ^dlfte jn tjerfürjen, itjenn bicä nid^t ttvoa 
ungcjiemcnb erfd^einen fßnnte. 35aö „SDemütl^igfter" (in ber 
Sci^Iu^f ormel : servus humillimus) l^abe id) ni6)t umgangen, 
ba mir biefeä SEBort gar nid)t beigefatten toax. ^ä) l^atte 
J^ermann §ugo'§ äßftmung an ^a^[t Urban VIIL t)or 
Singen nnb aud^ er l^at biefen 9luäbrucf nid^t gebrandet ^ aber 
eö gilt mir gleich, tmr tvo.llen il^n anttjenben. ^n biefer 
Sad)e mod)te ic^ nic^t meiner eigenen 3^^^^!^^)*, fonbern 
lieber ber SBeifung eine§ anbern folgen. Uebrigenä l)at §er= 
mann §ngo feiner SBibmung einiget einfließen laffen, waö 
Id) mir nid^t ju fagen getraute. J)od^ ben Belgiern ift aud^ 
mel^r erlaubt.'" 

©0 ging alfo 23albe'g ebel gel^altcne B^^iö^^^^Ö/ '^^^ 
bem 9Sice=^rot)incial ß^rifto^l^ ©d^orrer corrigirt, in bie 
SBelt ^inauö. 2)a§ 3öa:p:|)en ber ß^igi, fed^ö §ügel J)on 
einem Stern befd^ienen/ burd) ©id^engn^eige mit ben ;3^fig= 
nien ber :|)d^ftlic^en ©en^alt tjerfnfi^jft, giert bag erfte Slatt 
ber 35ebication. Sllejcanber nal^m ba§ 3Berf mit l^od^ftem 
3BoI)lgefallen auf unb nid)t§ rcd^tferligt bie fleinlid^e SSemerl* 
ung §erber'ö, ber ^^a:pft ttjerbe e§ fc^njerlid^ gelefen I)aben. 
Selbft ein ^^^fleger ber eblen S)id^tlunft, njie feine Musae ju- 
veniles bcgeugen, liebte unb el)rte er bie ^oeten feiner 3cit 



^ ^ermann $ugo ^at: servus minimus. Pia desideria, in dedi- 
catione. 

2 ©a^crifd^cg SRcid^gard^iö. Jes. läse. 26, ^icl^c ©eilaöc V, 

3 ©cgeid^ncnb toirb biefer ?Pa^ji in ber SEBelgfagunQ beg f)L aJialas 
dbtag cuBtos montium genannt. 



— 188 — 

in l^crt>orra9cnbcr SDBcifc. JJcrbinanb t)on ^vx^Uxibtt^ Mx 
fein gcl^eimcr Ädmmcrcr, 9tataü§ SRonbinu^ fein Secrctdr 
für aSriefc an fürftü*e §du:|)ter, 2luguftin gat>oritug, bet 
Secretdr beg garbinalcoöegiumä, fein, ftcter ©efettfc^aftcrJ 
SDer Stob 8e§ ele8ifcf)en 2)icf)terä Sibroniug ^ofc^iuö (f 1653) 
betDegte i^n fo tief, bafe bie erften ©id^ter 9iom§ auf feinen 
aöäunfd) beffen Eingang in Älagcgefdngen feiern mußten. 
aSon bem loftbaren ©l^renfolb, ber unferem ©dnger für feine 
$)ic^tung genjorben, i)on ber golbenen ©enfmünge, bie il^m 
ber ^^a^)ft fenbete, merben tt>ix noc^ f^)dter gu berid^ten 
l^aben. 

gerbiuanb greil^err t)on gürftenberg. 

Unter beu njenigeu l)oci^geftell[ten 3Jidnncrn, bie fid^ unter 
ben ©türmen beä XVil. ^(x^x^. um bie Pflege ber Üßiff enf d^aften 
in SDeutfd^lanb ein blcibenbeö SScrbicnft ernjarben , gldngt be- 
fonberö gerbinanb t)on gürftcnberg, auä altberül^mtem, tt)eft^)]^' 
lifd^em @ef c^ledC)te, t)on SRorl^of mit diti)t bie unfterbüd^e 3i^tbe 
ber 5M^^^^ ©eutfc^lanbä genannt. Slad^bem er ju ^aberborn 
unb SJiünfter bie l^umaniftifd^en unb ))]^ilofo^)l^ifc^en StubieniM)!!' 
enbet unb in ^errlid^en groben einen tief))oetifc^en®eiftbe!un= 
bet f)atte, begab er fid) nad) Min, um baf elbft ber 9tec^tän)iff enf d^aft 
gu obliegen. §ier tDurbe er 2RitgHeb ber literarifd^en @efell= 
fd^aft, bie unter bem ^^rotectorate beä $yhintiuä ©l^igi bie 
fd^önen 32Biffenfc^aften inmitten be§ Äriegggetümmelä eifrig 
forberte.^ Um biefe ^dt mu| er aud) mit Salbe in ndl^ren 
aSerlcl^r getreten fein. 3^^^ f^^^^* \^^ i^ it\\tn Oben unb 
aSdlbcrn i)om S^amen gürftenberg nod) feine ©ipur, toaö roo^\ 



^ 5Dlc öorgüglid^cn ©cbtd^tc bicfcr ^octen fld^cn in ber ©ammlung : 
Septem illustrium viroriim poemata. Amstelodami 1672. 

2 SBubü, 2cbcn unb Söirfcn ber »oraüglid^cn latelnifd^en $)id^ter 
beg X7.~XVm. Sa^r^unbertg. 2Bien, 1828, 83b* m. ©• 152, 



— 189 — 

baburd^ l^inrciij^cnb crfidrt tft, ba| fein f:|)dtcrcr ^^rcunb beim 
erftcn ©xfci^cinen bcr ß^rüa (1643) crft jicbjel^n ^al^rc gdl^Itc, 
aber um fo beutlic^er Ift in einem (Sebic^te ^JMtenberg'ö auä 
bcm 3^^^^ 1652 fein greunbfc^aftöijerl^dltni^ gu ^acob 
SBalbe bargetl^an. Site er ndmlid^ nad^ 9tom an bic Seite 
be§ neuemannten garbinafö gl^igi berufen tourbe, fenbete 
er in feinem innigen ©d^eibegru^e Ad amicos Germanos* 
namentUd^ aud^ aSalbe'n ein Sebetvol^l gu : 

Nee te, Bollande, disertum 

Antiquitatis sanctidris Livium, 

Praeterit,^ aut nnmerose tuas, Baldae Camoenas. 

^nbem er l^ier unferem 2)id^ter baäfelbe (S)piH)tton bei= 
legt, mit tpeld^em Ot)ibiuä ben g'^ccug auägeid^nct, l^at er 
il^n ebenfo gart ate auöbrucfätJoK alä beutfdjen ^orag begrübt» 
dloä) benfelben 2«onat, im SH^ril 1652 f^ictte fi^ prften^ 
bcrg gu feiner 3flomfal^rt an. 5luf feiner S)urc^reife burc^ 
ajtun^en lebbaft an ben Sdnger erinnert, ber biefe ©tabt 
unb i^re SDenfmale f o gldngenb i)eren)igt, lie^ er fid^ bie Wä)c 
nid^t tjerbrie^en, ben giemüc^ njeiten unb reiglofcn SBeg nad^ 
ßanbäl^ut gu machen, eingig unb allein um feinen bort 
tt?eilenben ^albe aufgufudjen.^ ©tdrier alö bie ©el^nfud^t 
nac^ 3t^öen toar baö SJerlaugen, ben großen ©id^ter tmntn 
gu lernen. Unter anbern ©egenftdnben, bie bei biefer ^u- 
fammenfunft t>on ben greunben bef^jrod^en würben, lam auc^ 
bie 3tebe auf ben 2lgat^t)rfug, bie ©d^ufefdjrift ber §agern, 
unb 3'ürftenberg, ein junger Wann t)oK blü^enber ©efunb^eit, 
forberte fd^ergenb, eg foUe bod^ enblid) ben SBol^lbeleibten 
toiber bie Surren baö SÖBort gegönnt njerben. S3albe erfldrte 
fid^ bereit, ben fdjnjierigen Eingriff gu ubernel^men. SlHeiu 



^ Sept illastr. viror. poemata. pag. 267. 

* seil, amor* 

3 Opp. 0. Tom, IV. pag. 301. 



— 190 — 

berfclbc lief? lange auf fid^ njarten. ^m %xma\)xt 1657 
mal^nte gürfteubcrg, nunmel^r gel^eimer. Ädmmerer (Seiner 
^)d^)ftlic^eu Ajciligfeit, ungebulbig t)Oiu Saticau auö beu SDic^tcr, 
er möge bcn langft tjerf^^roc^encn 2lntagatl)^rfuä einmal an's 
Jageälic^t förbern. äBieberl^olt fdjrieb er i^m bann auö bem 
ßaftell cyanbol))]^o am albanifd)en See in einem ^iefe t?om 
8. October beäfelben ^(il)xtQ ^ ^albe ern^ibertc i^m in bev 
l^eiterften Saune : „oobatb ic^ erfal^, baß J)u ben 2lntagat^t)r= 
fu6 t>on mir bege^reft, ridjtete i^ mein 5tugcnmcrf fogleid) auf 
bcine tüo^lwottenben ^Jial^nungen , ben SÖBaffenfd^mieb ber 
(Motter nad)a^menb, njelc^er, beim J)i^terfurften C3Sirgil) ge- 
beten, bem gegen Xurnuö jieljenben 'Äencaö einen Sc^ilb ju 
t)erfertigen, fogleic^ bem SBunfc^e ber ®attin beiftimmt, ob- 
tt)o^l er 5trbeiten i)on nic^t geringer ^ebeutung mu^tc liegen 
laffen. 2)enn er l^atte unter bem 5lmbo^ jur aSoUenbuug 
be^ S^itc^ 33U^e, bie großtentl^iB nod) rot) unb unge^dm- 
mert balagen ... So I)abe auc^ x6), hnxti) J^reunbcä- 
bitten bewogen, tro^bem ba^ ic^ mete anbere (Gebauten ganj 
t)crf d^iebener ^Ärt mit ber Sc^miebejange toenbete, ' mit ®eifelt:= 
laffung atteä Uebrigen, loaä unter meinen Rauben, eingig ge- 
trad)tet, bie üEBaffen ju fertigen, burc^ ujelc^e bie tru^igc 
ÜJiagerfeit, bie faft auö all' uuferen Äriegen alö (Siegerin 
^ertjorging, fottte befdm^ft toerben."^^ 

J^ürftenberg beujal^rte unferem 5)i(^ter feine freunbfcbaft- 
lidje (^efinnung untjerdnbert, aud) nad)bem er ju l^ol^er Iirc6= 
lieber 3Bürbe emiporgeftiegen unb 33ifc^of t)on ^^aberborn gc= 
roorben n)ar (1661). 9tod) bie legten fiebenöja^re tjerfüßtc 
er il^m burc^ ein freunbüc^eä @ebid)t, bag überfd^rieben ift: 
2ln 3^cob 83albe b. ®. ^. afö er unfere 3?erfe auf ben tjer- 
lebten SRaben beä »art^olb 5«i^ufiuä belobte.^ 5«i^ufiu§ 



* Opp. 0. Tom. IV. pag 300 et 303. 
2 Opp. 0. Tom. 17. pag. 300. 

* Sept. illustr. viror. poemata, pag, 228. 



* — 191 — 

l^attc ndtntid^, at§ er in ben tjierjigcr ^Cif)xtn in §oÜanb alä 
frcitDiÜig aScrbannter lebte, einen abgerichteten 9iaben, ber 
allerlei gried^ifc^ flingenbe iiante l^ertjorbringen tonnte. 5llg 
nun ber trefflid^e SSogel enblid) ber SJlatur, jum großen Seib= 
roefen feines ^errn, ben Tribut bejal^lte, bietete gürftenberg 
eine fc^one ©legie auf bcnfelben, bercn v£d)lu^t)erfe lauteten: 

£t notam tumiilo Carmen superaddite : Si quem 
Non hodie, cras, cras, auferet atra dies.^ 

Salbe f^)rac^ in einem feiner Briefe, tt>o^ ani) in ^)o<e= 
tifd^er gorm, biefem @ebid)td)en feine -älnerfennung auä, n)o= 
bei er u. a. tjorauäf agte , biefer 9tabc n^erbe jum ®c^tt)ane 
tocrben, ber bem 5)ic^ter Unfterblic^feit erfinge. 3llä ©rtviber:^ 
ung fanbte i^m gürftenberg obenertt)d^nteä ßarmen, in bem 
fid) bereits eine 2lnf^)ielung auf ^^a))ft glemenS IX. finbet* 
unb Toeld^cä ebcnbabure^ feinen f))dten Urf^jrung tjerrdt)^. 3?on 
ber garten ©e]^nfud)t, bie gürft^^^'^^^Ö^ ^)oetifci^en ©rufe nad^ 
Nienburg begleitete, geugt jene ©teUc, tDO ber greunb betl^euert, 
lönnte et gum Schwane ttjerben, er ttjürbe auS aßen guerft 
feinen 23albe befuc^en unb i^m fo ^errlid^ gufingen, bafe bie 
SEßetten ber S)onau t)ergdfeen, fürber gu fliegen: 

Te visam ante alios, ac nostro carmine captus 
Defluere immemores arriget Ister aquas. 



^ Ibidem pag. 219. 

2 SDag Sidus olorum bc2 gjlalad^iag. ßlcmcn« ifl txto^lt 1667. 



xni. Wfbergättge. 



9Jiit bcm (gnbc bcS S^l^rcä 1648 l^attcn bic 3^ite^*^^8' 
ttiffc für 33albc i^r f^)anncnbc3 ^^tcreffe unb bamit au4 
il^re anrcgenbc Äraft t)erIorcn. J)cr n)cft^)]^dUfci^c gricbc, fo 
fel^r er alä baö ©nbe bcö blutigftcn SSrubcrfricgcä t)on i^m 
crfe^nt war, l^attc bod^ burc^ fo mand^e crnicbrlgcnbc 33c[tim= 
mungen fein :patriotifc^cg (Sefül^l aufö tieffte i)crn)unbet, ol^nc 
ba^ il^m eine 5lugfic^t blieb, je wiebcr eine gnnftigcre SGBeu= 
bung in ben @efd)icfen 2)entfc^lanbä ju erleben. * ^Jiünfter 
tt)urbe baä ®rab feiner ßt)rif, feiner 3>beale nnb §offmingen. 

Mein fein lebenbiger, fruchtbarer ®eift I)dtte fic^'nid^t 
grottenb in fid^ felbft i>erfd^lie^en tßnnen; ^jolttilmübe , me 
er roax, fagte er ber tjaterldnbifc^en Dichtung Sebewol^t unb 
toanbte fic^ mit bem ßdd)eln ber ©nttdufd^ung einer fü^leren 
2lrena, ber Satire gu, bic il)m fc^on in ben ^üngling^jal^rcu 
gum 2:ummel^)la^ gebient ^atte. J)ag le^te, fd^on matte 
3ltpenglul)en feiner lt)rifc^en ^oefie finben njir in einem 3Äc== 
lobram au§ bem Sommer 1649, betitelt: „3lrion auf ber 
©d^elbe, ober 2:rium^]^gefang ju ©l^ren beä Sllejcanber garnefe, 
beg gröberer^ t)on 2lntTOer^en, . . . • ein allegorifc^cä 
(Sebid^t, ttjeld^eg ben ©tanb beä g^riften, feinen Äriegöbienft, 
feine ©efal^ren, bie 2lngriffe ber ©dmonen unb enblid^ feinen 
glorreid^en ©ieg über fie tjeranfd^aulic^t." ©iefe ©ic^tung, 
burd^ i^re fül^nen ^erfonifüationen ben ©influ^ beä ^panU 
fd^en 2)ramaö t^erratljenb, trdgt ben ©tem^jel großer glüdjtig- 



— 193 ~ 

feit unb Id^t e§ jpol^t gtauien, ba§ frc nad^ einer Slnbeut- 
ung be§ ^rologeg in tDenigen 2:agen ju ©tanbe gekommen 
fei; ber fd^one Stoff, ber auc^ ©Ritter gefeffelt, l^dtte 
mel^r glei| tjerbient. S)aö SBerf roax nie für bie Ceffcnt- 
üd^fcit beftimmt unb ift n)af)rfd)einli(j^ auf bringenbeö Sitten 
au§ 2lnla| einer beftimmten Jyeier für ein belgifcbe^ ßoöegium 
tjerfa^t. 

5)ie ^)oetifd)e SRic^tung 23albe'§ tcurbe burc^ berlei gu= 
fdQige Unterbrechungen, voo^n au(j^ bie Chorea mortualis, 
ber Xobtentanj beim Eintritt ber Äaiferin Seoipolbina au§ 
biefem ^CiS)xc gd^lt, in feiner 2Beife tjerrücft, fonbem btieb 
fortan treu ber Satire gugetoenbet. SSeld) l^ol^e ?Dleinung 
er t)on ber 5lufgabe biefer J)ic^tung§art ^egte, Id^t feine 
©iffertation über ba§ ipoetifd^e Stubiunt erfennen, too er bie 
©atire nennt ,,bie Sd^u^ti^cl^r ber guten, ben Si^Qd ber 
böfen &tmütf)tx f eine greunbin ber SEBaf^rl^eit , eine ^^einbin 
ber ßafter, bie aSernic^terin ber ©d^nteid^elei, bie ©ad^njatterin 
ber Unfc^utbigen, bie asollftrecferin ber ©ered^tigfeit." ^ 3ln 
bemfelBen Orte bemerft er : „^ie meiften anberen 5)ic^tungä= 
arten magft 5)u ber 3ugenb juerfennen, bem grül^Iinge beä 
SKenfd^enlebenö, alö beffen 33Iüt]^e, ober bem Sommer beä* 
felben atö beffen Saat; bie Satire aber ift beö mdnnlid^en 
©eifteä, be§ gereiften Urtl^eitä grud)t, unb fommt bem 
^crbfte beg Sebenä ju, ba^er 3fi^9fi^9C fi^ '^^^^^ njünfd^en, 
nid^t aber fc^on ^flüdfen lonnen." 

Um einen ^affenben Stoff burftc er in einer 3^^* fo 
t>oU Slberglauben, Z^ox^dkn unb Safter, n)ie bie feine tt^ar, 
nid^t tjerlegen fein. 2Ber möd^te xoo^, frdgt er felbft, xtittin 
er ben Sauf unfereö, ^^l^rl^unbertä betrad)tet, 'genug 3Jitlg 
(gum Sad^en) unb ©alte (gum 3^^^^^) I}aben? Seltfamer 
SBeife tDurbe ein firc^lic^eg @reigni| bem 35id^ter aSeranIaf= 



* Opp. 00. Tora. III. pag. 355. 
a^efi ermattet, 3acot«f Salbe. 13 



— 194 — 

fung, feine erfte unb befte (Satire „Unijm ber ^cittunbc" 
abgu|aften. 

2lm 8. TOai 1649 gelangten in feierlichem 3uge bie @e= 
bcine ber ^ ^arti)rer ßoämaö unb 5)amian nac^ aJtünc^en, 
bie ©l^urfürft 3JianmiIian im ^)roteftantifc!^en 23remen ^atte 
crl^eben laffen, unb tvurben in ber ^^fuitenfird^e auf bem 
Äreujaltare beigefel^t. J)ie ^^duipter ber beiben ^eiligen 
l^atten \iä) fc^on feit längerer ^dt bafelbft befunben. &)ä= 
maä unb 2)amian, ©ruber, auä 2lrabien ftammenb, )}flegten, 
tt>ie bie eblen SBiffenfc^aften überl^auipt, fo inöbefoubere bie 
Slrgneifunbe mit bem groBteu nidjt feiten njunberbaren (Sr= 
folge unb benüfeten i^re Äunft ^au^jtfdd^lid^ bagu, um ber 
8ieligion beö Äreugeg in l^eibnifc^en §dufern (Singang gu 
t)erf(i)affen. ^m ^^SOS n. 6^r. liefe fie ß^fiaö, ber £anb= 
:|)fleger (Siliciens, um beö ©laubeng n^ittcn ent^au))ten. Sie 
l^eiligen 33ruber galten \>on jel^er alö bie aSorbilber unb Pa- 
trone ber c^riftlic^en 2lerjte. 

@rn)d]^nteä ^teliquienfeft, \>on ©albe in einem fd^TOung- 
trotten §^mnuä t)erl)errlic^t, i brad^te in il)m einen (Sebanfcu 
jur 3fleife, ben er in unbeftimmten Umriffen njol^l fc^ou Idnger 
mit [xi) trug — ben Dlu^m ber deuten §eilfunbe gu fingen 
unb bie ga^^treid^en ©tuntper auf biefem ©ebiete nac^ ©ebül^r 
ju branbmarfen» 3^9^^^^ tDottte er fid) bamit einer l^eiligen 
^pic^t entlebigen. „^^, ber id) mein geben unb be§ Sebcnö 
©enufe eud^ tjerbanle", rebet er im aSorn)orte bie 'üJiebici ber 
c^riftlic^en SSelt an, ,,fü]^le mid) gebrdngt, gum ^ti^i^cn 
meiner banfbaren ©efinnung eud), ben 3Bieberl^erftelteru 
meiner (£rbl)ülle ^ine §ergengfreube gu mad^en, inbem id} 
mel^rere Slffen euerer Äunft, bergleid)en fd^on (Slanbiola, 
2lrnolb unb jüngftl^in erft 3"^^)**^^/ mebicinifc^e ©röfeen, ge= 
geid^net b^ben, bagu bann nod) einige Ungel^euer, gur 2lugen= 
ttjeibe unb gum luftigen ^pdtoXd ijorfül^re." 



* Opp. 0. Tom. IV pag. 370. 



— 195 — 

SDicfcm ^^Jrogrammc treu, führte ©albc fein Stl^ema mit 
unglaubüd^em 5lufn)anbe tl^craipeutif d^er asiff enf djaf t unb ))]^ilo= 
logifd)eu SBortframö, aber aud^ mit einer S5op t)on 2öife 
unb Saune burd^, bap man ganj ben ©inbrutf gewinnt, ate 
fd^e man bie Äobotbe beö .^umorö in ber fd^n)erften ^elben^ 
rüftung einljertaumeln. ii>unberboctoren , Quadfalber unb 
Zigeunerinnen f))ieten bie ^^au))troKe. 

55ie mebijinifc^en Satiren fanben großen unb attgemeinen 
SeifaK. ©ie n)eij'cn 33albe'n einen l)crioorragenben ^^ta^ an 
unter ben fatirifc^en ®d)rift[teKern , an benen baS ®lfa§ fo 
reic^ ift unter ©eiftern \m ©eiler t)on Äaiferöberg, !J:i)omaä 
3Jiurner, Sebaftian ©raubt, Mc^ael 2Kofc^erof(^ , S^^lianneä 
^yifc^art, xotnn er aud) ber gorm unb 2:enbenj na(^ t)on 
einem jeben berfetben njeit fic^ unterfcbeibet. Sein ,,SRubm 
ber §eiHunbe" tt)urbe fottjol^l t>on ben Äunftrid^tern 
feineg Orbenö, 3ialbinu§ unb äßeittenauer, afö aud^ t)on 
^)roteftantif d)en Äritüern, me j. 23. \>on Wtox^o^, überaus 
erlauben. Se^terer jagt in feinem ^olt)]^iftor : „Satirilcr 
tommen feit ben bitten unter ben ^Reueren nid^t gar mit 
mel^r t>or, bie befonberg em:pfof)len tuerben lonnten, außer 
^acobug 23albe, ber in feinen mebijinifc^en Satiren zc. ben 
©eift ber alten fatirifc^en ©arfteüung njunberbar auäbrütft." * 

Sogleid^ nad)bem ba^ SBerftein erfd^ienen tt)ar, fanbte 
eg ber crfte d^urfurftttd)c ßeibarjt, 'iJJalac^iaä ©et)ger, bem be= 
riil^mten ©octor ^onfton ju granffurt an ber Ober, ber 
aBbatb an ben 2)i^ter ein 23eglüdfn)ünfd)ung§fd^reiben rid^= 
tete unb namenttid) über bie i^ierte Satire, n)ol^l bie n)ifeigfte 
beö ganjen 33uc^cg, bie t)on ben 2öaffer?uren l^anbelt, feine 
Sefriebigung auöf^^rad^. 2 

i^aft ^anb in §anb mit biefcm Uebergang unfereS 33albe 

1 Polyhistor, Lubecae 1714 p. 1069. 

2 Opp. 00. Tom. IV. pag. 39 u. 40. <BitJ)t ^x. 13. ber Uebers 
tragunc^cn. 

13* 



— 196 — 

auf ein ncuc^ ©cbict bcr ©iAtiing gc^t feine Ueberftebclung 
an einen neuen äöo^nort; benn im grü^jal^r 1650 tourbc 
er, jundcbft aus ©cfunb^itsrüdfic^ten, t>on Wtmäfai nac^ 
Sanbg^ut t>erfe^t. Sanbe^ut, formosa Landishuta tt)irb e§ 
t)om Siebter mit untjerfennbarer 2icbe genannt — ift feiner 
Sage nac^ gegen bic :)iorbtt)inbe, bencn 3Ründ^en fo ent|)finb= 
lic^ offen liegt, t)ortreffli(j^ gcfc^ü^t unb eignete fiel& barum 
me^r als manche aubere :Uicberlaffung bes Orbens für bie f)th 
tifc^c 3iatur bes ^^^ater :öalDe. ^n furjer ^tit erl^olte er fic^ ^ier 
toieber fo t)öUig, ba^ er bem vBtaatörat^ äBill^lm Don 35lit= 
ter§tt)icf na* (Leibern berichten fonnte, er l^abe mit bem 
§emro^re, Daö er oon i^m gum v^efc^nle erhalten, t)om 
SRartinst^urm aus fic^ bie äßelt befe^cn.* 

S®ic bie ^^stifcbrift eineö gleic^jeitigen ^4>*>^itö unferes 
J)ic^terö befagt,2 ^at er in biefer ^tobt, unb gtoar in ber 
goUegiatfirc^e gum l}l. 9)iartin, wo t>or gn>ei ;3^]^^^n erft 
SSBrangers ^^Jrdbicanteu gcbonucrt Ratten, fogar baä ^rebiger- 
amt toieber oerfel^en.^ 

J)er ^Äuf enthalt in Sanbs^ut, ber in ))oetifc^r iBegicl^^ 
w^9 f^^ft S^ing ber 9tu^e unb ©r^olung getoibmet xoax, tourbe 
burc^ manche erfd^ütternbe iobeslunbe fc^toer getrübt, ^m 
• 3a]^re 1650 ftarb am 16. iötdrg gu a)iüncben '^aicx Stnbreaä 
Sligenmann, ein betagter Örciö, ben 26. äl^)ril gu ^i^nöbrucf 
2lnbreaö Srunner, eben oon einem Orben§fa|>iteI au^ 9%om 
gurüdgele^rt, am 9. 91ot>ember gu ^^ariä @raf 2)'3lt)au):, bei 
ben Sluguftinern bafclbft bgftattet. 

5)a§ ^(iif)x barauf, 1651, l^at einen Xobesfall gu t>er= 



* Opp. 0. Tom. III. pag. 265. 

' 3o^. 3ac. 93albc'g Oben, mctr. übcrfc^t öon 3. SB. Sf^eubig. 
m. 93b. 1830. ©. VII. 

3 3o]^ann aGBcrncr'8 ©cfd^icbtc bcr ?Pfanci @anct ÜJlartin g« 
fianbg^ut l&6t in einem leibcv l^öc^Jl mangeC^aftcn ^ßrebigcrtocrjeid^niffe 
crfennen, ba§ öon 1634 an 3efuiten bie Mangel bie|cr ^ixä^t »crfal^ett. 
51. a. D. ©. 62. 



— 197 — 

gcid^ucn, ber gcttji^ in SSalbc'S Sccic ben mdc^tigftcn 5Jiac^= 
^att njctf te — am 27* ®e))tcmber f(^teb gu S^^ft^^^ft^l^t &)\ix^ 
fürft 3Ra)rtmiItan auä ben Sebenben, mit beffcn ©iegcn unb 
Ädm^jfen, mit beffcn planen unb Hoffnungen fein eigener 
Scbcnägang fo innig i^erfettet tt)ar. SBenn eS Sl^atfadbe ift, 
tt)aä 8i))ott)§!t) njieberl^olt berid^tet,^ fo bat Salbe in ber 
^JHd^aetefird^e ju 3Jiunc^en bem großen dürften bie Trauer- 
rebe gel^alten, dB am 9 October in ©egentoart beS ^ringen, 
beg ^offtaatö unb beä Wagiftratö »ifc^of aSeit 3lbam unter 
2lffiftenj t)on fed^ä ba^erifc^en ^^rdlaten bie e^iequicn feierte. 
3n 3Bal)r^eit, n^enn je ein ^riefter be§ Sanbeg, fo n)ar Salbe 
berufen, am ©arge 2Rairimilianä baä tiefe ®d^n)eigen gu 
bred^en, um bag SSilb eineä ^errfc^erä gu geidjnen, ber ein 
^alb 3a]^rl)unbert l)inburd6, nur über ein lleineS ßanb ge= 
bietenb, burd^ feine SBeiäl^eit, feine 2:l)atft:aft unb ©laubenSs 
treue bie 33en)unberung ©uro^ja'ö an fic^ gefeffelt. 

5Wad^bem Salbe ungefdl)r brei ^(ii)xt in Sanböl^ut t)er= 
n)eilt l^atte, n)urbe er aug noc^ unbe!annten ©runben nad^ 
3lmberg berufen, um aud^ bort bie ©teile eine§ ®tabt))rebi= 
gerö gu be!leiben. ^n biefer ©tabt ertuad^te in il^m mdl^lig 
tt)ieber bie 8uft gu ^)oetifd)em ©d^affen, n)ogu t)ielleid()t nid^t 
ttjenig ber Umftanb beitragen mo^te, ba^ ein alter Selannter, 
3ol^anneg Siffeliuö, ber frud^tbare ©ic^ter unb .^iftoriter, im 
9lmberger Kollegium alä ©tubien))rdfeft weilte. * 35ie §au))t= 
tl^dtigleit galt biefeömal ber Verausgabe be§ fd^on ertodl^nten 
2:rauerf))ielä ^^)flf)%nnkx bem ^^affenberen Jitel: „3e))l^tiaä" 
(^e^^te'S S:od^ter),inbem biefeö SBerf gum Stl^eil umgearbeitet, 
b. 1^. toefentlic^ ern)eitert, mit auöful)rlid^en l^iftorifd^en unb 
fcenifd^en ßrlduterungen t^erfel^en unb mit einer gldngenben 
SSBibmung in bie SBelEt eingeführt njurbe. 



* ®e(cl^. ber Scfuitcn in 33a^cm. n. ©b. @. 237. ®gL ©ben* 
bcffelben; gcrbinanb 3D^ana*2 SRcöicrunö^öcfc^. @. 28. 

' Sdixncr, ®cfd^. ber ©tubienanjlalt Slmberg. @. 152. 



— 198 — 

35Jir finbcn einen iWamen an ber ©^>i^ be§ 95udbe§, ber 
und bisher im i'cben ^Ibe'ö noc^ nie begegnete — eä tft 
^o^ann ifikicbart Jvürft t>on 2luer$i>erg, erfter faiferlid^er 
Staatäminifter, früber iprin jener jic^r am iBiener ^of, unb 
ton §erbinanb 111. l 3- 1653 i^ ^^^ ^5Ür|tenrang erl^oben, 
ben uns 3li>ancinuö in feinen Oben* ate einen trefflicfeen um 
iBoterlanb unb ^£>iif enfcftaft bo*i>erbienten vStaatsmann fc^it 
bert. ©in naiverer -Anla^ ber ©ejie^ungeu unfereä 3)ic^terä 
ju biefem (Kenner tcx eblen ü)iufen ift aus ber 3^^^9^^ii9 
nic^t abjune^men; iebenfaüd aber Id^t ficb barauS ertenncn, 
baß S5aÜ>c ficb glücflicb fcbdgte, feine ^\e))^tiaä einem fo reic^ 
gebilbeten Reifte, wie biefer ,5ürft eö war, n)it)men ju bürfcn. 
J)abei fäüt uns ein eigent^ümlic^r Umftanb auf: ba§ bic 
^öc^ftgeftelltcn ü)iänner, bie iBalbe'ä ^reunbfc^aft gewonnen, 
bie ®unft i^rer ü)fonarc^n fic^ nicht ju ermatten wußten; 
wie l^raf D'äloaur fiel au* gürft 'äucrö^)erg in Ungnabc 
unb ftarb oom §ofe oerwicfeu auf feiner 35efi^ng vgeifeu^ 
berg bei Ärain i. ^. 1677. - 

2lm befannteften ift iBatbc'ö älufeut^It in ^Ämberg gc= 
worben burc^ bie vEonnenfinfterniB oom 12. äluguft 1654, 
ba befagteö ©reignifj i^m ben Stoff ju einer feiner umfaug= 
reic^fteu Satiren lieferte. Sd^on i. 3 1651 l^atte Slnbreaö 
2lrgoli, ^^rofcffor ju ^^Jabua, iöaüenftein^s Seigrer in ber 
2lftrologie unb 3^rael §ibner, 2)iebicu^ gu (Erfurt, bie be= 
oorftel^nbe eili^jfe ))ro))l^etifc^ angefünbet unb welterfd^ütternbe 
folgen an biefelbe gelnü^)ft. äi>cit ber SRonb bie Sonne 
t)erbuntte, fo würbe auc^ bie lürlei baö f)t römifc^e didij 
überwältigen unb aBbalb muffe baö iüngfte ©erid^t nac^= 
folgen, ba bie SS8ctt feit G^riftuö bereite ebenfolange ftcl^c, 
afö t)on il^f erfcl^affung big jur Süubflut^. iöiefe SiSeiä^ 
fagungen fanben bei ber leichtgläubigen aJtenge rei^enb fc^nell 



> Poesis lyr. II. 2. III. 32. 

2 einer feiner 9iad^fommcn, gürfl ©arlo^ «uerSperg, ip gegcn= 
»Srtig »icbcr iKini|lcr^)rSJibent be2 öfterrcid^ifd^en Äatfcrflaate«. 



— 199 - 

Eingang, fo jnjar, ba^ beim §er annagen bcS SWaturcrcigs 
niffeö eine ccKgemeine Sobegangft bie ®emüt^cr erfaßte, ajian 
machte Seftamente , fc^enlte fid^ ©d^ulben, lofte @))onfaUcn 
unb entlebigte fid^ jum 33eften Ä lüger er fo manchen SBeft^cS, 
ber nad^ überftanbener (Snblid^Ieit t>on leincm SBBertl^ mcl^r 
fein lonnte. 

gür Salbe, ben gefd^ttjorenen ^einb aller 3lftrologie, ate 
ber er fd)on im IL 93nd^e ber ßtmca, in ber 42. Obe (Ad 
Hernicum BrandiDum), bie 5Watit>itdtfteller unbarmherzig ge^ 
geißelt l^atte, ?am biefe ©elegenl^eit tuie gewünfd^t, um gegen 
ben Slberglauben ber ^dt einen §au))tj'c^lag au8jufül)ren. 
"iUJit üer^vtngnifet)oIler Streue fammelte er fd^on t)or ber ginftcr* 
nip aUe Äunbgebungen ber 5lng[t unb aSerjn)eifIung , beren 
er l^abl^aft tverbcn konnte, mifc^te fic^ ^dufig unter baä ratl^- 
fcblageube aSoß unb benü^te auf feinen Ileinen 3luöflügen 
burd) bie obere ^falj jeben 3lnla^, um bie l^errfc^enbe ©timms 
ung ju erforfd^en. 

©nblic^ ttjar ber fritifc^e Sag , ber • 12. 3luguft ange* 
brocken, "^n ben Strafen 5lmbergä blieb eä öbe unb laut? 
loö n?ic jur ^eftgcit. 3Jian arbeitete nid^t, man a§ nid^t, 
bie §erbc ftanben ol^nc geuer; t)on Sangen geldl^mt, l^arrten 
aUe ber gefürct)teten neunten ©tunbe entgegen* 35er eins 
jige ^^Jla^, "mo noä) eiujigeö fieben t>or^anben fd^ien, tt)ar 
baä (Soüegium ber ^^fuiten. 9tad^ einem tüd^tigen 2)?orgen= 
•imbi^ begab fid^ t)on l^ier auS eine !teine ©efettfd^aft unter 
aSalbe'ä ^Änfu^rung in'ä grcie unb mad^te fid^ ein ©ejelt, 
eine 2lrt Camera obscura jur ^Beobachtung ber ©Ki^jfe gu= 
red)t. Ungeheuere 2:ubuffe njurben l)erbeigefdjfc^)<>t , bie 
aftronomifc^en Söerfe t)on (Slat)iuä, ß^fatuä unb ftitd^ für 
alle gdlle nebenbei aufgefd^lagen unb gum UcBerftoffe nod^ 
ein gro^eö Seden mit Sßaffer jn)ifc^en einer Slngal^l t)on 



^ Opp. 0. Tom. ly. pag. 258. squ. 



— 200 — 

©tül^Icu aufgcftcHt, nvx einen allgemeinen unb bequemen @c^ 
nu§ ber ginftemife ju ermogli^cn. ©in berfil^mter 3)octor, 
ber fi* ju unferer (MefeHfd^aft geflüAtet l^atte, xoax tDO^l- 
tüeiölic^ mit Zitronen t)erfe^en, um burc^ beten ^roma gegen 
bie f*dbli*e fiuft ber (5fli))fe gef^ü^t gu fein. SDie ßr^ 
njartung l^atte il^ren l^o^ften ®rab erreid^t. 

©ig bal^in n^ar ber ^immel t)on leidsten SBoIleu bc= 
becft; ba mit einemmal tl^eift ftc^ baä ©et^oH unb in unbe- 
fangener Älarl^eit tritt baä SSilb ber Sonne ju Sage. 

„Praeteriit*' — „ift fd^on vorbei," — fd^oö eg jefet tjon 
aüen Seiten. "iDian fc^aute fic^ mit langen ©efic^tern an. 
Son einer ^inftenii^ l^atte niemanb ctttjag t>erf^}ürt.> 

J)er toerbiente Streid), ben Salbe gegen bie ©ternbeuter 
t)orbereitete, lie^ langer auf fic^ tvarten afö eö erf^)rie|lidb 
fd)ien. ©rft i, 3. 1661 fam er baju, fein reid^lid^ gefam- 
melteä 3Jiaterial gu tjertuertl^en unb i. 3- barauf erfd^ien enb= 
lid^ bie „©onnenfinfterni^", auögeftattet mit toftlid^cn Äu:pfern 
(yoof)l i>on ÄüfeÜ'g ^anb), bie bem Sefer getx>i^ jeben aftro- 
logifd^en 2Ba^n benahmen, nocf) betjor er eine 3^^^^ gelefen. 

35ie ©atire felbft, eingeleitet burd^ einen langern ©ialog 
über baö tjortiegenbe Jl^ema, ift n)ol)l eineg ber funftlofeften 
unb pfid^tigften ©rjeugniffe ber balbc'fd^en SOlufe. ©enau 
betrad^tet erfd)eint fie nur olU ein Konglomerat tjerfd^iebener 
Slnecboten, bie baä gefürd^tete ^l^dnomen im ©efolge l)attc. 
S)ie Orbenöccnforen, benen baS ©ebid^t njie jebeS anbere üor 
ber Verausgabe vorgelegt tt)urbe, trugen fogar 33ebenlen, eä 
für ben ©rudf gu begutad^ten, n^eil eö il)nen ein nid^t auf- 
gearbeitetes äBerl fd^ien, ba§ nnr im aSertrauen auf ben 
alten SRul^m auS bem Slermel gefd^üttelt fei. 5)aS §au^)t- 
tocrbienft beSfelben, bie Slo^legung beS ©eftirnglaubenS, bleibt 
immerl^in ungef^mdlert. UebrigenS finben fid^ in bem ©ebid^te 
bod^ aud^ \)ortrefflid&e (Singel^eiten , toie g. S. ein ©ef))rddb 



^ Ibidem, p. 261 squ. 



— 201 — 

gttjcicr 2:obtengrdt)cr, ba$ ber f]^afcS))earcfd^cn gricbl)ofäfcene 
nic^t ganj unn^ürbig ttjdre Q)lx. 16), eine §irj(i^auer diati)^^ 
t)erfammlung, bie ginftenü^ betreffenb, mit benltt)ürbigen SBe= 
f^lüffeii (9lr. 29), bie Sd^ilbcrung ber Slngft am Sage ber 
e!li^)fe unb beS unbemerkten 3Sorübergaugg berfelben (?h:. 36 
biö 42). 2Bie njeit übrigen^ ber Siebter mandjmal toon 
feinem ©egenftanbe abfc^ttjeift, geigt eine auäful^rlid^e ©teile, 
tt)0 SBil^elm ZcU unb bie ®d^tDeigerfreil)eit in ben ^immel 
crl^oben ttjirb (3lr. 48). 

^oi) gel^ort, n)ie fd^on bemerft, nur bie ^bee biefer ®a= 
tire bcm 3lufent]^alte in 2tmberg an, if)re 3luäfü]^rung ent= 
ftammt einer anberen Stabt, in bie toix nunmel^r Salbe be= 
gleiten. 



XIV. ßalht in Itmbitrs a. h. Dottait. 

Salb nad) bcr bcrül^mtcn ©onnenfinftcrnt^ , nocf) im 
Jpcrbftc b. 3- 165* t)erUe^ Salbe Slmbcrg toiebcr, um für 
immer nac^ 5yieuburg an ber S5onau überjuflebeln. Ser neue 
H^f459taf, ^^^ili)5)5 äßilbelm, ein 369ß^9 ^^^ S^^fuiten, bcr 
ben beutfcfyen ^oraj aus feinen SBerfen lennen unb fc^d^en 
gelernt, l^atte, fid^erlid) in Uebereinftimmung mit bem SBunfc^c 
feiner t)ertrauteften 9idtf)e, fid^ ba^in t)ertt)enbet, bem altern^ 
ben SDii^ter auf feinem ftoljen J)onauf(^loffe ben SebenSabcub 
t)erfc^6nen gu bürfen. 35ag tualjrl^aft l)erjlic^e a^crl^dltnip, 
baS gn)if^en festerem unb ber regiercnben J^milie fortn^dl^^ 
reub beftanb, berec()tiget tDol^l ju biefer 3lnna]^me. 

gro]^ben?egt folgte Salbe bem an il^n ergangenen 9{ufe. 
i^anb er boc^ in 5Reuburg alte treuere Sefanute unb ^^i^eunbe 
— tooran ben eblcn Sanbfd^aftöfanjler Söolfgang aJÜd^ael 
Silbermann, feinen einftigeu S^genbgenoff en , ber il^m f:pdter 
gu Tthnä)m einmal am 3lltare gebient l)atte. Sie l^atten 
in ben Äriegäja^ren mit eigenem C^ef))ann eine größere ge= 
meinfame 3fleife gemacht, tt)ie eä fd)eint, ing laiferlic^e gelb= 
lager, tDobei il)nen baö fomifd^e Unglüdf begegnete, ba^ il^nen 
ein confufer Sebienter an jtuei Orten guglei^ ba§ ^öiittagä- 
mal^l befteHte. ^ Silbermann ftarb fiir feinen gürften njie 
für feinen greunb gu frü)^ am 26. 9lot)ember 1657, in 



«•Sily. lyr, IX. 18. 35. 11 ff. 



— 203 — 

SBalbe'ö ü)rtfd^en aöBdlbcrn burd^ gn>ci ftnnigc Oben* unb 
in jeiner aSaterftabt burd^ bic toon ii)m erbaute gorettoca^jcKe 
^retx)igt. 

@iue anbete anjiel^enbe, t^ol^lbef annte ^erfönltd^Ieit fanb 
imfer J)ic^ter in bem §oflangler 6af^)ar ^Ttang, ber einft 
neben ii)m ju ^iigolftabt al^ ^rofeffor genjtrü l^atte. 2)?ang, 
in mzi)x atö einer Sejiel^ung mit ©albe geiftegtjertuanbt , ein 
(Segner beg ariftotelifc^en @t)[temä, l)at im S^l^re 1648 an 
genannter §oc^fd)uIe, tjeraltete aSorurt^eile burci)brecj^enb, 3U= 
crft eö gen^agt, eine n^ürbigere Sef)anblung ber ^^ilofo))]&ie 
gu tjerlangen. ^ J)ie ^oi)t ©teffung, bie er gu SReuburg befleibete, 
gab er nac^ fiebenjal^riger Stl^dtigleit ttjieber auf, „bamit er nic^t 
®efa^r liefe, wiber bie (Sered^tigleit gu l^anbelu" unb leierte 
auf feinen Se^rftul^l nad) ^ngolftabt jurüd. 

3m naf)egelegenen Stotfau njeilte ber geniale 3Jialer 
;;;5oac!^im «Hanbrart. ©r Ijatte bies fein Sanbgut, ein ©rbc 
feiner @emal)Iin, nai^bem eö toon ben grangofen jerftort 
njorben, in fc^onerer ©eftatt n^ieber aufgebaut, unb ru^te 
bort, mit ®emdlben für ei#dbt, für ofkrrei^ifd^e Älofter 
unb Äird^en bef^dftigt, t)on bem Sdrme ber großen ©tdbtc 
auä. Salbe tt)irb oft fein Idnblic^eS Sltclier befud^t l)aben, 
benn er njar mit großer §od)fc^d^ung, ja mit inniger greunb= 
fi^aft bem Äünftler gugetl)an, ber „bic Königin ber ©ngel" 
für baö gregorianifd)e §auö in 'JJiüui^en gemalt l^atte, n^ie 
bie *gtT)eite Cbe beä VlI. 93ud)eä ber äßdlber, eine ber jarteften 
unfereö Dic^terä, genugfaiu erJennen Idfet. 



> Silv. IX. 8. et 18. (Jtarifiug in tefetcrer Obc iji fein anbetet 
Älg ©llbermann. 5lug ber legten ©tto^l^c, bie auf 9^eubut9 l^inbcutet, 
gel^t eg unjnjeifeD^aft l^etöot. 

2 3)ut(i^ feine ©d^rift: Utrum dari possit melior et pietati chri- 
stianae conformior modus docendi Philo sophiam, quam sit vulgaris. 
Mederer II. pag. 318. 



— 204 — 

5)ic JHcifc t>on SSlmbcrg na* 3'lcu6ur9 über Slümbetj 
unb 3lltborf gli* einem irinnn)]^5uge. 

3n 9inrnbcr9 fanb es ber TOagtftrat bicfcr protcfteii' 
tifcfccn Stabt nic^t unter [einer ©ürbe, ben rul^rngdronten 
3efuitenbicbter bur* eine befonbere ^Deputation ju begrüben 
unb ebenfo bereitete il^m in 2(ltborf ber acabemifc^ Senat 
einen feierttcben Gm))fang. 3lic^t nur erhielt er an beiben 
Orten unauögeic^t S9efucf)C, fonbern bie ^rtjorragenbftcn 
TOdnner legten i^m aucb i^re 35üc^cr bor, mit ber SKttc, er 
mochte boc^ njenigftens einen SSuc^ftaben ^ineinf einreiben, ba= 
mit fic ein Slnbenfen befd^en t)on feiner ^anb.i ^attc roo^l 
einer ber ^türnberger Otatl^äl^rren ^erauägefunben, ba^ jener 
9Sorn)urf, ben ber J)ic^ter im Äriegsja^re 1645 ber gel^imniB- 
t)otten ©tabt (^irrombena ^ entgegenl^dlt, ibrer njanf elmütl^igen 
?lorimberga vermeint ift? 

Vah, cauta Girrombena, semper 
Vela parans in utrumque ventum! 

Silv. IX. 25, 

gür eine elirenboKe Slufnal^me in Nienburg bon ©eite 
ber gefammten 33ett)o]^ner[(^aft l^atte fd^on ©anbrart geforgt, 
ba er einmal u. 2L offentlid^ erjdl^lte, SBalbe fei in bcn 
9lieberlanben fo berühmt, bafe mati if)n gern al§ ein aufeer-' 
orbentlid^eö ©enie um ®elb fc^auen n)ollte. ^ 

2llä biefer in bem ftitten, nur bon 15 ©enoffen bc= 
tool^nten Kollegium ju Nienburg auf am, ^ielt ber ^faljgraf, 
ber aud^ §ergog in 3füfi^^ ®tet)e unb SSerg xoolx, eben §of 
gu 25üffelborf, feiner gewöhnlichen *3lcfibenj, t)on too er übri= 
gen§ atte 3—4 ^cii)x^ ju tdngercm .2lufent^alte nad^ 3leu= 
bürg überfiebelte ©iefer treffliche gürft, bon bem ein ®e^ 
fd^i^tf Treiber aug 2lnla§ ber Äaiferttja^l bon 1658 bemcrft: 



* 2lu8 ®ra6e9gcr'2 l^interlaffcnem ÜJlamifcti^te »Sacob ©albe/ 

* ^tnagramm aug Norimberga. ^ 
» «Rcublö, 93at)aria'g aRufen. I. (S. XXXVin. 



— 205 — 

tcincr t>on Stilen roax t)ielleid^t burd^Sugcnb unb Älugi^elt 
:r crftctt Äronc 6uro))ag njertl^cr alö cr^" — l^atte fid^ im 
:ä)xt 1653 aB aBitttver mit bcr ^effifc^cn ^rinjcffin eiifa= 
tl^ Slmalie tiermdl^lt. 2)ie ©eburt feineä erften ©^jro^üngö, 
Iconore 3RagbaIena 2:l)erefia (geb. ben 6. 3^^^^ 1655), 
>t unferem 5)icf)ter fd^on frü^ ©elegen^cit , baä ))faljgrdf= 
d^c §auä mit ben ©trauten feiner Äunft gu tierl^errÜd^en. 
)cr SBBiegengefang auf bie Wcburt biefer ^^rinjcffin ^ ift in 
icl^r alä einer 93egiel)ung merfn^ürbig. '^tnn einmal f)at 
n SDid^ter barin ))ro^)f)etifc^)e SBorte gef^^rodjen, bie unS, ju= 
immenge^alten mit i^rer f))dteren Erfüllung, baä f)od)]U 
Staunen abnotl^igen, fobann f)at er gegen feine &txoo\)nf)di 
em latcinifdjen Ztxi eine beutfc^e Ueberfe^ung in 2llej:= 
nbrinern beigefügt, in ber xoix fteüenn^eife f(J)on eine Ieid^= 
jrc Sel^anblung ber S^^rad^c, atö in feinen früheren 95er= 
iid^cu tt)a^rne]^men. ßeiber ift unö t>on biefem beutfc^en @e= 
id^tc nur mel)r ein 33rud^ftücf in etttjaö ungenauer 2lbfd)rift 
rl^alten geblieben* S)aöfelbe, x>on bem Salbe!enner (Sra^^ 
gger iin SBod^enblatte ber ©tabt Nienburg t>erüffentlid^t, 
.nb bisher fo gut xok unbekannt, lautet: 

Otücffcligeg ©cfc^redjt bit%^ bcffcn ^lufganc^ ift 
öifd^iencn nic^t ol^n @(ücf, ein fönigüd^cr 6tcrcn; 
Äaum t)on 2ucina $)u ber SBelt gegeben bifl, 
gür $)ic^ bie ^immel fc^on gcnjünfd^tc @orgen n&l^ren. 
3)it bie brci ©ragien ju bicncn finb bereit, 
5Die ba bie @nabenflü§ foUen in Itc^ auggie^en; 
ÜRit anberen Flamen* pnb bei !Dir fic angcbent, 
Slß ^xtxh mit il^nen foU in $)einen SJiunbe fliegen. 
(ä:leonora' fd^icft öon 9Jlantuaner glühen 
3u ©einer SSBiege ^er ein gange Sd^njannen ©d^aar. 



« äfd^offe, ba^erifd^c Öcfd^id^te. 93b. 111. <B. 274. 

2 Opp. 0. Tom. III. pag. 203. 

3 SBci @raf egger, faum richtig : „ift". ♦ (Steonora, aJlagbatena, 2:i^erefta. 
* SIRutter ^aifer gerbinanb'8 III , geborene ^ergogin t)on ÜJ^antua, 

er ^ßrinjeffm 2:aufpatl^in. 



— 206 — 

Dir ©ce^tcr, ^ur^ur, Äron ju legen ju ben Süffe«, 

aud^ öorjufagen Dir ijiel l^öd^fl beglücfte 3^^^/ 

J)a§ um $)ic^ »erben t)iel befrönte greier tücrbcn, 

SGBcn tt)irjl in biefer Söal^t gum 9Sater mad^en ttjo^l? 

Du n>irfl uni^ geben gleid^ ein faifcrli^en (Srben, 

SBag.üJlantuen geglücft, aud^ IReuburg glücfen foU.» 

Slud^ ÜJlagbalena Dir »eit beffre ©alben reichet, 

SIB au« 5lff^rien« gemürjtcn 93&umen fliegt, 

21U anberer SBalfam fold^ ^eilfam 93atfam »eid^et, 

?Paftt^ee t>on ©a^m^ baS iJ^rig baju fc^ie^t, 

SSerlangt au« il^rer 93id^§ über lic^ auggufd^ütten 

gürftc^tigfeit in St^at, im aRunbe ^cbUd^feit, 

Dcg Seibc« fd^bn Oeftalt, Slnnel^mtic^reit ber bitten, • 

grieb, Demütig, 2ieb, in aU ©ebärben ©l^rbarfeit; 

SBa2 lieblicher ®erud^ fommt t)on ben ©pegereien, 

(So SD^agbalcna Dir fo reic^lid^ bargereid^t! 

gort mit ben Margen — fort beg fiebenS ©pinnerinenl 

jtl^crefta, Spanien^ 3ictb, (jte) tvitt an befjen @tatt, 

@in beffem gaben für ba2 junge Äinb gu fpinnen, 

Die @org unb ÜJlül^ toillig auf fic^ genommen l^at. 

@olc^ Ofpinnft toirb Rc mit @olb, Demant, ^erl unb Äorallcn 

eintoirfcn unb »a^ fonficn noc^ bag OlüdC bermag, 

Da6 Dein ©ctoebe »irb beglüdtet unter allen, 

SSejtänbig, unoermifd^t unb rein Oon aller ^lag.^ 



1 Die entfprcc^cnben lateinifd^en SBerfe lauten tt)eit toeniger bc= 
ftimmt, unb nur 93albc felbjl fonnte fie fo überfe^en: 

A cunis si Fata sinant, ad sceptra torumque 
Purpureum et grandes assurrectura Coronas, 
Certamen, votumque procis immane futura, 
Quem facies nuptura virum, quem laeta parentem! . . , 
Mantua Caesareas assiguat pronuba taedas, 
Fortunamque experta suam non invidet ulli. 

2 Sl^re ©rogmutter, toeilanb Jg)eräogin SRagbalena, (Sd^toejler beg 
e^urfürften 2)^ar I. f 1628. 

• 3 SReuburger 2Bod^enblatt> Sa^rgang 1825. ^, 1. Deg beffcren 

Slbfd^luf cg tvcgcn bleiben ein ))aar toeitere SBerfe bc2 83rud^flüdfeg toeg. 



— 207 — 

2Bic bic ®t^ä)xä)k begeugt, tft ©albc'ä SSorl^erfagung 
bud^ftdbUc^ in Erfüllung gegangen, ^ringeffin (Sleonora 
reifte l^eran gu einem aSorbilb ebter Sitte unb l^ol^er gr6m= 
migfeit unb n)urbe, nac^bem fie bte 33ctt)erbungen t)on fünf 
Tegierenben gurften bereite abgelel)nt, gur Äalferin, gu Seo= 
})olb'ö I. @emaf)lin erl^oben. 2luä il^rer glütflid^en @^c gingen 
gnjci fpdtere Äaifcr, ^o\t)(})) I. unb Äarl VL, ^ertoor. Sie 
ftarb ben 19. ^^nuar 1720 in einem 2ttter t)on 65 S^^ten. 

%m 12- 3luguft 1655 lehrte ^ergog W^^PP mü)tlm 
i)ou J)üffelborf nad) Nienburg gurüd unb brad^te gum erften- 
mal feine gn)eite ©emal^lin in Segleitung beä gürftbifd^ofä 
toon eic^ftdbt, 2fiarquarbä II. S(j^enfä toon gaftell, mit fic^ in 
bie ©onauftabt. Ueber bie erfte ©egegnung Salbe'ä mit 
W^^^P 2Bilt)elm berietet bie eironif:' 

„Die Jlnfuuft gcfc^ti^ a^ac^tö 10 U^r unter bem ©eldutc 
ber ©lürfen unb bem SDonner beä fcl)tt)eren ®efd^ü^e§. SDie 
©trafen, burd) mldjc bie burt^laud^tigften §errfc^aftcn 
fuljren, ivaren mit ^adün unb Siebtem erließt. Ungeachtet 
ber üorgerudten 3lad)t ging ber3ug boc^ nod) gur ^offiri^e, 
bereu ^enfter mit tranä:parenten ©emdlben ticrgiert ttjaren^ 
baä fürftlid}e 2Ba^}))en, bie 9iameu 3^fuö unb 3Jiaria unb 
einige ^S^f^itenl^eilige toorfteltenb. 33eim ©intritt in bic Äird^e 
l^ielt ber §ofprebiger 3^cob 23albe eine hirge 9lnrebc, totl6)t 
t)on bem §ergoge fel)r ^ulbtooU aufgenommen n)urbe. 9iac^= 
bem er jebem ^^fuiten bie §anb gereicht l^tte, begab er fic^ 
mit feiner ©ema^lin unb ©efolge gum ^o(^altare, unb nun 
erfcj^allte huxi) bie beleudjteten Sem^^el^aßen ber feierliche 
Sobgefang: §err ®ott ©icf) loben toir! 31B berfelbe ge^ 
eubet n)ar, erhüben bie im (£^orc ftel^euben ©d^üler be§ @t)m= 
nafiumö i^re Stimmen unb flehten gur ^l. S^ngfrau, ber 
Patronin biefer Äird^e, um Segen für baä gürftenl^auö. 
TOd^t ol^ne a^ül^rung toernal^men ber ^ergog unb bie i^er- 

»^ Sf^euburgcr (Joüectancenblatt 1851. (Organ be^ borttgen ^ijlorifd^cn 
S3ercing. @. 8. u. 9. 



— 208 ~ 

aogin blcfcn ©cfang unb tocrüe^cn ticfbctDcgt in mittcmdc^t= 
lieber vStunbc bic Äird^c." 

33on ba cnttt)ideltc \xä) jnjifc^cu bem l^ctjoglic^cn ©d^Ioffe 
unb bem anjtofeenbeu S^f^it^^coHegium bcr gemütl^üd^lte 
gt^augtofefte 33erte^r, beffen Seele ^ater 33albe xoax. Oft- 
mate überrafd^tc baä gür|ten^}aar bie frommen ffidter beim 
3)tittagäma^t unb mit befcf)loffener üfc^lefung nju^te immer 
er burd) feine jaubcrl^afte 9tebegen)alt bem Slugenbüdf bie 
redete 2Bei^e ju geben unb einen jünbenben ©ebanlen in bie 
ftitte ©efettfdjaft ju tt)erfen SBurbe er aber, befonberö bei 
feftliii^en 3lnldffen, toon ber 5lbficl)t ber ^o^en ^erfonen frü^ 
genug unterrid^tet , bann njareu eä l^anptfdd^Iid^ geiftreid^ 
aiffi^ionen, aufgefangene S(j^ilber mit ^^fd^riften, burd^ bic 
er ba^ 3^^^^^IK ^^^ 23efud)er feffette. 

ein in bem StiUtebeu 3icuburg'§ immerhin bebcutenbe^ 
(Sreignife firc^üc^cr 9tatur gab i^m balb ©elegenl^eit , biefc 
feine (Sigenfd^aften im gidnjcubften Siebte ju geigen, ätm 
16. ;3^nuar 1656 — eä toax ber gn)eite Sonntag nad> bcr 
©rfd^cinung be^ ^crrn — lag (S^riftian Stuguft, ^ergog »on 
Suljbad^, feit 1632 bereite regierenb, in ber ^offircfce an= 
gefid^tö einer unjd^lbaren SSottämenge ba^ fat]^olifd)e ©lau- 
benäbetenntni^ ab unb em^jfing febann mit ^l^ili^)^ ^il- 
^elm unb beffen @emaf)fin bie 1)1. Kommunion. ®albe njar 
auäerfel^en, bic Scbeutung biefeä 3Jtomenteä in er^ebenbcr 
geftrebe bargulegcn.* 2lm fotgenben 'Xage luben fic^ bie 
^ol^eiten unt^ermut^et bei ben 3^fuiten gu ®aft unb würben 
t)om §of))rebiger mit einer 3lnf))rad^e auä bem Stegreif em- 
))fangen, bie fo trcfftid^ ß^biet), ba§ aöe §6rer ungeftüm be- 
geirrten, fie foUe of)ne bie geringfte älbdnberung gebrudft 
njerben. 2lttein ber §ergog t>on Sulgbad;, ber barin giemlic^ 
ge))Viefen toax, gab fotd)eä ni^t gu. i§x t^at babei ben 5luö' 
f))rud^: Malle se dicenda facere, quam facta de se dici. 



1 Sflcuburgcr SoKcdanccnblatt 1851. ©. 11 u. 12. 



— 209 — 

Q^t man fid& bcffcn tjcrfal^, crjd^icncn an bcn SBdnbcn 
bcä 9lcf cctoriumS 2lffi]cioneu, unter bcnen bcfonbcrä eine tiefen 
(Sinbrucf mad^te. ©ie enthielt — mit 2lnf^)iclun8 auf baä 
©t)angclium beä tjerfloffenen lageä bie njenigen ©orte: 
Tandem venit hora mea — ein ®))ruc^, ber fein tjoöes 
©ewid^t burc^ beu Umftaub erl^ielt, ba§ (S^riftian Sluguft, 
fo oft man i^n früher jur ßontjerfion ben^egen tt)oUte, immer 
gur 2lnttt)ort gab: Nondum venit hora niea/ 

33a§ eö Salbe'n in lUeuburg fo too^l gefiel, ift aber nic^t 
bloä feinen angenel^men äiejie^ungcn gum §ofe unb anberen 
eblen ^erfönlic^Ieiten , fonbern jum großen Xl^eit aud^ ben 
tt)irfüd^ reigenben Umgebungen ber ®tabt gugufc^reiben. 9Son 
feinem 3iwimer au8, baä nod; l)eute gegeigt n)irb, überfa)^ er 
tt)eit^in ben tjietoerfd^Iungenen griinteud)tenben Strom mit 
feinen ttjalbigen Ufern; gerabe gegenüber l)atte er auf einer 
fanfteu ilnl^o^e baö fianbgut §effetto^, baä i^n freunblic^ 
genug an feine Sieblingäraft am ©tranbe ber ^far erinnerte. 
Jio(^ reidjere fyernfid^t über bie friebeotl^menbe (^egenb ge^ 
wahrte i^m baä ©aletd^en beg (EoKegiumä, • turris recrea- 
tionis, in beffen luftiger (ginfamleit er ben größten Jl^il 
feiner f^)dtern Sichtungen t)erfa^te. 2)a§ ©aletd^en ^ie$ 
nod^ l^unbert ^lal^re f^)dter pergula Baldeana. 5)eä J)id^terä 
(^eift ging lange barin' um. ^ier fa^ am 31. S^^i^^^ 1744 
ber bekannte Üinguift Sö^^J Söeittenauer matt unb frani, 
unb tootttc troftloä einem greunbe fd^reiben, bafe il^m bie 
5lergte aUe ))oetif^c J^dtigleit unterfagt ^dtten. SÜlein 
banl bem fc^atf^aften Ci?5eifte, ber l^ier »altete, brachte er c8 
in feinem ^Briefe um alle SBelt gu feiner ^rofa, fonbern fal^ 
mit entfe^en, bafe alleä, n)aä er fd)rieb, im reinften ele= 
gifc^en aSerämafee ba^inflo^,* 

S9albe'§ gett)5^nlid^er ®))agiergang foü feine Otic^tung 
meift über bie ©onaubrütfe genommen unb am linhn Ufer 

* 6ottcct.593L @. 11 u. 12. 

> J. Weitt.enauer, carm seil, Aug. Vind. 1757. pag. 246. 
SB cfte matter/ 3acobuf DcUbc 14 



— 210 — 

bcg S^^ff^^ ^i^ ^^^ 3<>6^<>f^^; ^i^^wi anmutl^igcn ©orjlein 
am gufec ctuc^ S^crgab^angä fid^ erftrctft l^abcn. Oft mad^te 
er itibc^ aud) tocitcrc ©trcifgügc burcfe bic l^citcrc, an Slb- 
tt)cc^älung reiche (Scgenb. 35te S^S^f^^^fe^cn ©ricnau unb 
Slol^renfclb , bic ®nabcnca))cttc 33tttcnbrunn , bic ©onauinfcl 
Sfc^ütt (nuumel^r mit bem Ufer vereinigt, ber Slilal^of), bic 
9iuine 2llteburg, all biefe fünfte, bie er meift im ©efolgc 
beä §ergog§ befuc^t ju l^abeu fd^eint, l^at er mit banibarcr 
Siebe in reijcnben attegorifd^en ©infleibungen befungen. S)a§ 
farben^)rdd^tige ©lürfnjunfc^gebicä^t anf bie ©eburt beä Qxi- 
^rinjen Sodann mi\)dm t). 3. 1658 ift mit folc^en 8ocal= 
fc^ilberungen auf ba§ reic^fte burcä^njoben, * 

Uebrigen§ tt)ar 3leuburg für Satbe feinegn>cgg ein 9lu^c= 
:|)often berart, ba^ il^m njeiter nic^tg obgelegen n^dre, atö in 
SDöalb unb i^^^^ ©ebanlen ju fammeln unb bann auf feiner 
fonnigen aßarte fie ju flingenben SSerfen auäju^)rdgen. SSiel- 
mel^r entfaltete er in biefen 3^^^^^ ^i^^ fo umfaffenbe unb 
emfte Stbdtigleit, bafe feine gleicä^jeitigen ©ebid^tc fic^ m 
leidet l^ingeworfene 3lrabegfen um eine bebeutfame S^f^^f^ 
gu raufen fc^einen. ©ie erften jtDci ^(if)xt öcrfal^ er baö 
anftrengenbe 2lmt eineg §of^)rebigerö, ba§ ujobl f^on atteiu 
feinen 2l?ann erforberte, njar aber jugleid^ nod^ Sorftanb ber 
fc^on früher ernjdl^nten SRebneracabemie. ^n lefeterer ©tett- 
ung fanb er fic^ t^irffam unterftü^t burc^ ben »ielfeitig be- 
njanberten SRector be§ ßottegiumö, ^ater Gilbert Sur^, bcg er- 
landeten SrcöanuS ©ol^n. §ier in 5fteuburg bilbetc er u. 21. 
jenen gibeliä Subefd^er auö 3^näbrucf l^eran, ben er offentüd^ 
als feinen dc^teften ©c^üler erlldrte ^ unb ber l^oc^ft tual^rf d^einlic^ 
mit ienem 6regcentiuö 3J?arcona ibentifc^ ift , bem bic ^ndQ'- 
nung feiner ©iffertation t)om ipoetifd^en ©tubium gilt. ^^Jater 
Subefd^er, in ber golge gu 2lugäburg unb 2lmberg ^rofeffor 



* Opp. 00, Tom. m. pag, 208. 

2 Ä. ^. Sang, ®e[c^ic^tc btx Sejuiten in ©averm @. 183. 



— 211 — 

unb cnbltd^ 3U 5Kcuburg praefectus spiritualis (f 1710) 
fc^eint leibcr tjoti feineu für utiä iebenfatt^ feljr intereffanten 
©ic^tungeu nic^tä tjeroffentüc^t ju l^aben. 2lud^ ber g^rifer 
Slbam SBibl auä 3Jiüuc^en, ber 33albe banfbar in jttjeien feiner 
Oben feiert, bürfte in Nienburg an ber §anb unferc^ ©ic^terä 
bcn ^^arna§ erftiegen l^aben. 

.3nt October 1656 reifte ber ^faljgraf mit feiner §a= 
miüe njieber nac^ ©üffelborf. gür bie 3eit feiner 3lbtijefen= 
l)eit übertrug er bem ^ater Salbe einen befonberen 9Sertrauenö= 
)fo\ttn, tnbem er i^n jum §auö^)riefter feiner iRefibenj (mo- 
nitor domesticus) beftellte/ unb i^m bainit gleic^fam ben 
ipatriarc^atifc^n Il^eil feineä eigenen 3flegimente§ juwieä. 
Site er nac^ einem 3^itraume t)on fünf 3^^ren enbüd^ ^oie= 
ber unter bem ^ubcl feiner Untertl^anen auf feine ©onauburg 
l^cimf eierte — am 17. 3luguft 1661 — tijdl^Ite er il^n gum 
3eid^en feiner tjoUften 3wfri^ben^eit mit beffen SBirfen ju 
feinem ftdnbigen ©ewiffenörat^. ^ 35aburci^ njarb baä freunb= 
iid^e aSanb, ba§ unfern 5)ic^ter mit ber fürftlid^en gamilie 
tjerf nü:pf te , nur nod) fefter gefd^lungen. 33atb !onnte am 
§ofe nic^tö me^r gcfdje^en, ol^ne ba§ ißater 33albe in SöHt= 
leibcnfcä^aft gejogen n)urbe. ®o oft ein l^ol^er ®aft bei ipi^i- 
ivp)p SBil^etm einfeljrte, n)ie j.93. ber §ergog öon Süneburg, 
ber (S^urfürft »on Min, ber 93ifc^of Sern^arb t)on SJiünfter, 
bie Äonigin ßl^riftina t)on ©c^t^eben, mu^te er jur Uebcr= 
rafd)ung ber Slnlommünge unb ntd)t minber gur ©enugtl^u- 
ung feines fürftlic^en greunbeS ben erften SBißlcmm. f^5rc= 
c^en. ^ ei^riftina, ba§ SBunber tl^rer ^ät , njurbe bei il^rcr 
5lnlunft am 21. 3Äai 1662 mit erlefenen geftf^^ieten gefeiert 
unb jur Erinnerung an atteä ©efd^aute t)om Siebter mit 
einem „(g^)icit^ariäma" öon 300 aSerfen befd^enft, bag er an 



* SOflengein, a. a. D. @. 3. 

» Ibidem. Cf. ^ottectancenblatt 1851. @. 18. 

3 SWengcin, a. a. D. ®. 3. 

14* 



.— 212 — 

einem Xagc volante calamo ntebcrgefd^rteben. @g enthalt 
unter änberem bas jeipriefene 5)i)tic^on: 

Passeris ut nidum solium dejecit ab alto 
Contemptrix regni Penthesilea sui. 

3llö einmal im ^ofe ber 9tefibeng ein brongcneä 93affin 
gefegt njerben foUte, erfucf)te man *albe um einen ipaffenben 
v£^^rucb, ben man in erhabenem (^uffe ring^ um basfelbc 
anbringen tiJoUte, was bann auc^ gcfc^^i^. 

2)er 5)ict)ter n)iUfu^r biefem äßunfcl^e mit folgenben SSerfcn : 

2Ba« fc^tvebt auf erbt unb in bcm Sufft, 
3n SSBoIfcn l^oc^ geboren, 
Unb njag ba liegt in tieffer Ärufft, 
8on ©onn unb Wlonh »erloren: 
Xr&n!t ©Ott mit feinem SBolfen ©äfft, 
$)en er allein fann geben, 
erhalt bie erbt bei i^rer Ärafft, 
3)ie Söurgel bei bem fieben. 1661. * 

aSon ^dt ju ^dt ergöfete er Nienburg burc^ fleinc 
©c^auf^5iele unb Äomobieu, bie geti)6^nttcl^ auf bem freien 
^tafce gwifc^en ^ct)lo§ unb \SoÜegium aufgeführt njurben. 
Unter anberm fteUte er ein ^5aar 3^^^^ ^^^ ^erauögabe feiner 
„Urania victrix'' ben ^nl^alt biefeä ©ebic^tes bramatifc^ bar 
in einem Stude, baö er betitelte: ^J)ie Seele alä bie jS^onigin 
ber fünf ®inne." ^ 

2lber am uncntbe^rlic^ften xoax ber berül^mte 2)id^ter in 
biefen ^Cii)xc\i (1661—1664) ben ^erjoglic^en Äinbern. So 
oft fie einen freien *2(ugenblid Ratten, eilten fie burc^ ben 
§ofgang in baä (SoUegium, um ben spater iBalbe aufjufuc^eu, 
ber i^nen ftetö ein ncueä ajergnügen ju bereiten tt)u^te.^ 
SSBie oft mag er fcufjenb feine unfterblic^e Urania mitten im 

* 3lug bem gencalog. fiericon beg SanonicuÄ ©trbller, mitget^eüt' 
ton ^errn (grtabtpfarrer ©bl^aimb in SSBeil^eim. 

* (Sollectaneenblatt a. a. O. 

3 3lu^ ©rafeegger'g 2Jianufcri|>t ^3acob iöalbe/ 



— 213 — 

i5Iug bcr 33cgciftcrung unterbro^cn l^abcn, njcnn bic bcfanntcn 
Heincn ^to^)fgciftcr an feiner J^üre »ernel^mbar ttjnrben! 
aSalb njurbe i^nen bie ^tUt ju eng ; " bann ging eg an bcr 
§anb be§ geliebten ^^tennbeä ^innnter in ben ®:peifcfaal ober 
l^inauö in ben Sogenannten Meinen ©arten. 

2luf oieleS Sitten lief[ ber ^ergog eines £age§ (e§ toar 
baö ^e[t ber unfd&ntbigen Äinbcr 1661) feine brei alteren 
©^)r offen, ^ringeffin ©leonora, fieben ^a^re alt, nebft ben 
ißrinjen 3<>^^^^ SBill^elm nnb SBolfgang @eorg, erfterer »on 
mer, le^terer oon britt^alb 3>^^ren, im 3ftefectorinm ber ^e^ 
fuiten gn 3)iittag f^jeifen, njobei fie i^rem Sieblingäipater gu= 
naä)\i fi^en nnb nnter feiner toiöfommenen 9lnffid^t bem 
ßeremonieü be§ ©ffenS obliegen bnrften. ^ater Salbe, fagt 
bie ß^ronif,* bie unö biefe 5Rad^ric^t auf benjal^rt , gab fid^ 
aöe ?Otü]^e, benfelben eine angenel^me Unterl^altung ju oer= 
fd^affen. ©etDi^ njar eg rül^renb mitangufel^en, njie einer ber 
größten 2)?dnner beg 3^^^^^^*^^^^^ ^^^ inniger ^reübe fd^er^ 
jenb unb ))laubemb nnter Äinbern fa§, njie bie §anb, bie 
an unt)ergdnglid^en 3ßer!en fc^rieb, erfinberifd^ t^tig toar, 
mand^erlei ®^)ietjeug für bie Äleinen ju fc^affen. SDiefelben 
toaren aber aud^ feiner ßiebe toert^. 35er faiferlid^e @c= 
fanbte grobeniuö öon gürftenberg, ber f^)dter einmal nad^ 
Nienburg lam, brütfte fid^ bal^in auä, ba§ man eine folc^c 
ergiel^ung unb fold^e Äinber an !einem §ofe t)on @uro:pa 
finbe.2 ©ine ^ergige Slnecbote, bie fd^on mel^rfac^ ergdl^lt 
rourbe, l^at ung ©rafeegger in anf^)red^enber SDialogenform 
überliefert. ^ 

„einer ber fürftlid^en ^^ringen (eä njar Sol^ann SBill^clm, 
nad^maligcr (Sljurfürft toon ber ^falg) fam einmal toie gc^ 
njol^nlid^ ju Salbe auf fein 3i^^^^ ^^'^ begel^rte t)on il^m 
toiebcr in ben fleinen ©crrten geführt ju toerben. 3n biefem 
©arten ftanb ein Heiner Saum, ber mel^rere fd^on reife 



1 ©ottectaneenblatt 1851. ©• 20* « ^oaectanecnblatt 1852. @. 1. 
> SWitgetl^eilt öon ^m. ©eneficlatcn St. ®. Ärafft in SReubutg. 



— 214 — 

3tt)ctfc^9en trug. 33albc lic§ bur^ ben Äoci) mcl^rcrc bicfcr 
3tüctfc^9cn mitteilt einer untcrgel^altenen gatfel unb ©:pdnen 
an bem Saume batf eu, boc^ fo, bafe nid^t alle gleid^, fonbern 
einige mel^r, anbere njeniger auägebatfen njaren. S)er ^rinj 
lam mit Salbe in bem ©arten auc^ ju bicfem flcinen Saume 
l^in, betrachtete i^n mit groBterStufmerIfamIcit unb fagte enblicfi : 

^ring: 2Baä ift benn baä für eine feltfomc grucfct * 
an biefem Saume? 

Salbe: S)a§ fmb gebatfene 3^^^*f^9^^^/ ^^^ ©ie fe^cn. 

^rinj: 2lber toie fommen biefe an ben Saum? 

Salbe: 5)aä ift gang 9iatur, ©ie toac^fen fo baran. 

^rittg: O! Sie l)aben mic^ gum Seften. 

Salbe: ?li^t bod^, ^ring! Setrad^ten ®ie nur felbcr 
bic grud^t. er )f^Mk eine S^d\(i)Qt ab unb gab fte i^m. 

spring: 3^, ja! Gä finb ujirllic^ gebacfene 3^^tf^9^^- 
?lber ba§ fie fo an bem Saume tuad^fen, fann id) unmöglich 
glauben. Sielleid^t l^aben fie folc^e mit einem gaben an bie 
3tt>eige gebunben? 

Sal'be: SRun, fo übergeugen ©ie fid) benn burd) ^t)n 
eigenen 2lugenl 

ajlan brad^te einen ©tul^l l^erbei. 2)er ^ring ftieg l^iu- 
auf unb ipflüdte etnjeld^e ©tüde l^erunter. ©nblic^ fagte er: 

^ring: SBal^rlic^, baä l^dtte id) nimmermel^r geglaubt, 
xotnn iä) eä nid)t felber gefeiten l^dtte. 5Darf id^ nicht nod) 
mel^rere abipftüdCen unb bem S^copa bringen? ©er tt)irb eine 
greubc ^benl 

Salbe: ©o inele ©ie njoKen; fie fte^en Sinnen alle 
gu ©ienften. 2lber nid^t alle, tt)ie ©ie feigen, finb noc^ ganj 
auSgegeitigt, fonbern einige barunter braud^en nod^ mehrere, 
einige nodfe tt)enige 2:age biä gu i^rer motten Sluägeitigung. 

S)er ^ring ipflüdfte eine giemlid^e Portion ab unb eilte 
bamit tjott greuben ber 9lefibeng gu, fagte aber feinem 3)ien= 
fd^en ettoaä öon feiner Äoftbarleit. ©rft bei 5Eafel f^^ra^ 
er gu feinem $crm Sater: 



— 215 — 

^ring: ^-ßa^^a, ^cute tDcrbc id^ bic ©l^re l^abeu, Sic 
mit einem gang befonberen fettfamen Obfte ju bebienen. 
^erjog: 2Baö l^aft 35u benn? 

^^i^i* 3^/ t>Äö [^9^ i^ i^fet nocb nid^t, ®ie njerben 
eä fd^ott feigen, njenn eä auf bie jafel fommt. 

2)?an j:peifte alfo fort, uub ba bie Safel bereite ju @ube 
S^^Qf f^öte bet ^erjog gu bem ^rinjeu: 9luu, njo ift benn 
alfo 5Dein fo loftbareg Obft? 

5Der ^^^ring, ber eä o^ne^in !aum ctnjarten fonnte, eilte 
fogleid^ fort uub brachte feine Äoftbarfeit auf einem SeHer 
l^erbei. S)er §erjog noj^m eine bat)on unb fagte:* 

^)^^J<>9* 35 aä finb l^alt gebacfene ^S^ti\ä)Qtn. S)a l^aft 
®u etnjaä SRe(^teg! 

'^ring; 3a, ^a))a! 9lber benfen ®ie einmal: ^n 
bem ©arten ber 3^f uiten fte^t ein SSaum , njo fie . f o baran 
tt)ad^fen, njie Sie folc^e l^ier t)or fid^ feigen. Sie finb nic^t 
gebadfen, fonbern eä ift gang Diatur. 9tic^t nja^r, fo einen 
Saum l^aben Sie nid^t in alt il^ren Sanben? 

.^erjog: ®e]§, njaä Idfet J)u J)ir ba wife mad^cn? 

S[5rin3: O getinfe, ^ccpal ^d^ l^dtte eä nie geglaubt, 
njenn ic^ eg nid^t mit Slugen gefeiten l^dtte. 3^ f^ll^fi/ ^t 
eigenen ^^dnben ^abe biefe Si^tt\(i)Qtn ba t)om SSaume ge- 
brodft. 

5Der ^erjog fragte il^n enblid^, n^er il^m benn biefen 
aSaum gejeigt- l^abe, unb ba ber ißring ben 5Ramen SSalbc 
au§f:prad^, fagte ber §ergog Idd^elnb: 

5Du bift fd^on l^inter ben Siechten gekommen ! 

dlaä) ber Jafel begab fid^ ber §ergog felbft in baä ©ol- 
legium unb fagte: SQBaä l^abt 3^^ i>^^^ ^^^^t^ ^^t meinem 
^ringen angefangen? ^d^t mir bocf) aud^ ben SSaum, an 
bem bie gebadfenen 3^etfc^gen njad^fen! 

9Jian fül^rte il^n in ben ©arten unb erjdl^lte il^m ben 
Hergang ber ©ad^e, tooruber fic^ ber fonft fo emftl^afte gürft 
ebenfalls nid^t beä Sa^eng entl^alten lonntc." 



XV. Äpälere ÄaHrm. 

Urania, bic (Siegerin. 

aCBaS bie !poetifd^en SBerfe Salbe'ä in biefcr ^eriobe be^ 
trifft, fo feigen n)ir il^n neben ber großen tieffinnigen elegif^en 
!5)id^tung Urania victrix, bem §am)ttt)erfe fcineä f^jdteren 
Mens, gu bem er bie Sineamente bereits i. 3* 1656 jeic^- 
nete, tjorgügü^ mit ©atiren befd;dftigt. Seine f^jielenbe @e= 
tt)anbt]^eit im lateinifij^en Slnäbrurf, fein nie tjerfiegenbcr, 
burd^ reid^e ®rfal)rnng i)erfd}drfter ^nmor nnb ba§ unabtdf= 
pge S)rdngen [o mancher gnter greunbe verleitete il^n gar 
oft, bie S^orl^eiten feines ^^it^^terS lannig burd^gul^ed^ln, 
ober einen anfd^einenb njiberfinnigen ®a^ mit fomifc^cr 
Äraftanftrengnng im 2:em^)el ber SBeiS^eit anfjul^dngen. 6§ 
todre fel^r ungerecä^t, auS biefen aUerbingS gal^lreic^en in 
Nienburg gef(j^riebenen ©atiren mit Äna!p^) auf eine oerbit- 
terte, beS inneren griebenS ermangelnbe SBeltanfd^auung beä 
SMd^tcrS ju f(j^lie§en. §iegegen f^^rdd^e bod^ alleS, toaS toir 
biSl^er berid^tet Reiben. 

2)iefe Satiren toaren fo njcnig bie §am)terbeit feiner 
le^tem Saläre, ba§ fte öielmel^r feine ©rbolung 'SHbctcn, un- 
gefd^r fo, toie aJhtrillo feine berühmten SScttelbubcn aö 
3ntermeggo gemalt l^aben foH, tocnn er eine feiner l^cl^ren 



— 217 — 

5Rabonncn \)oIIcnb'et l^attc. 95eginnt boc^ eine ©otire mit 
ben genji^ begei^nenben SSerfen:^ 

(SoH ic^ flctg, n)ie Dcretbet, Urania'g SBinfcn fjcl^orc^cn, 
©oH id^ ben Söünfd^cn gulieb beg crbarmunggn)urbiöen 

Snimer nur ©iptd^en bau*n, ba mir auc^ bcr l^erolfci^e 95er2 

mngt ? 

einem 35i(j^ter, ber ein l^rifd^eä ©rama \)on jiemüc^em 
Umfange, njie „Slrion auf ber ©d^elbe" n)ar, in njenigen 
Xagen gu etanbe gebrad^t, mrb njol^l auc^ eine Satire, 
tt)enn eö barauf an!am, nic^t üiel mel^r 3cit unb ^Jiul^e ge^ 
foftet l^aben. ^m ©anjen fd^rieb er gu Nienburg beren a^t, 
t)on benen er nur fünf felbft i)eröffentlicl)te. 35iefelben finb 
t)on fel^r ungteid)em SBert^e. SDie erfte ber ^dt ber Gntfte!^= 
ung nac^ ift bie Satire gegen ben SDW^braud) beö Jabafä.^ 
Salbe felbft njar ein grofeer greunb biefeö auöldnbifc^n 
Ärauteä, ba eg i^m in manchen tranf^aften 3#^^^^^^ 9^t^ 
Dienfte getl^an unb ni^t feiten fogar -gu ^)oetifc()cm Sd^affen 
i^n angeregt ^atte. Saft, geuer unb ©eift fd^lürft nac^ 
il^m barauö ber 5)id^ter. Sinnig unb anfc^aulid^ fd^ilbert 
er ben beginnenben ©ebraud^ ber Sabaf öipflange. ^ 3)?erfur 
tDurbe einft in 5)iana'ä Segleitung eiligft an 3Jiar§ gefd^irft, 
um il^n gum Äam^jfe gegen bie ©iganten aufgurufen, 9luf 
feiner Suftreife mu^te er hwaS) Sctjtl^ien, tDO bid^te 9iebel 
unb Sc^neeftürme Rauften, unb fofort befiel il^n arger Äa= 
tarr^ mit grünblid^er ,^eiferfeit. ^n biefer 9iot^ njufete Sa= 
tonia ^ülfe. Sie gab il^m ein Äraut gu !auen, beffen auf= 
fteigenber S)uft i^mbenÄo^jf erleichterte unb aud^ benÄlang 
ber Stimme il^m njieber \)erfd)affte. Um baä foftli^e Äraut 
t)or SSacd^uä gu \)erbergen, übergab eä SJierfur unbelanntcn 



1 Opp.'efo. Tom. IV. pag. 469. 
* Opp. 00. Tom IV. pag. 438. 
3 Silv. VIII. 6. 



- 218 — 

Sanblcutcn auf einer ^nfel ienfeitä beS Oceanä unb nannte 
bie 3nfel jum 3)anf gegen bie jungfrduüd;e 5)iana — aSir= 
ginien. 

2o fel^r nun Salbe bem vernünftigen ©cBraud^e beä 
labafö baö 3Bort rebete, ebenfo fe^r ttjar er gegen bcn um 
mäßigen unb uuterfd^iebölofen (v^enu^ eingenommen unb 
glaubte bvtrum geigen ju muffen, n)ie fe^r biefer gja^brau* 
bem natürlid^en C^kfü^le, wie bcm for^^erli^en unb gciftigen 
aSBo^le ber SWenfc^^eit entgegen fei. J)ie Satire jeic^net ficf) 
burc^ bie ^)acfcnbe Scbenbigfeit unb ^4?laftif il^rer meift bem 
nieberen SSoUsleben entnommenen Silber auä, »crftopt aber 
l^ie unb ba nai^ unfern heutigen Segriffen gegen bie 9tegeln 
ber Sleft^ctit. Sigmunb oon Sirfen, ber tpegni^fdjdfer, ber 
fie frei übcrfe^t l^at, f!prid)t fic^ fofgenbermaBen über fie auö:' 
„®egentodrtigc Satt)ra ober Straff=3^ebe ift \)on bem SBelt^ 
berühmten leutfc^en ^oratio .^. ^^. Salbe in Sateinif^er 
gebunbener 9fleb=art gefc^rieben toorben. ©in (Sbleä ®cbic^te, 
unb \)on bem groffen ©eift feineä Ur^ebcrä flammenb, t)olI 
^errlid^er 5Reb=fünfte unb 3öolrcben^eitä=blumen. (Seine gebcr 
ijergleid^t fid) ^irinncn einem trcfflicä^en ^ia^ler='^infel, beffen 
Äunft barauS erhellet, toenn er baä Silbni^ eineö ungeftalten 
S^l^erfiteö, eineä ^5lum:pen ßoribonä, ober fonft eineö lieber- 
liä)tn Ulenfipiegetö, mit bem üiedjt unb Sd^atten feiner fär- 
ben gleic^fam lebeubig machen fan. @ä ift, auä Segierbe 
einiger Serftanb^übung unb i5^ber=^5robc in bicfe ungebunbenc 
S:eutf^e 9tebe, unb gtoar ettoag fre^, überfe^t, unb mit allcr:^ 
l^anb ©ebanfen, fo unter bem Ueberfe^en be^gefallen, um bie 
§dlffte (toie au§ ber ©egen^altung abgumerfen) oermel^rt 
toorben"» . . ♦ 

Gine anbere Satire, ettoaö fipdter erf d)ienen, betitelt fic^ : 
„5lntagat]^t)rfug, eine ^Ä^>ologie ber getten."« ©ie ndd^fte SSer- 

^ ;,SDie trudcnc Slrunfcnl^cit." ^^Hmberg 1657. öorrcbc. 'yiwcn- 
beröcr ©tabtbibliot^cf ^. 252. 

» Opp, 00. Tom» IV. pag. 299. 



— 219 — 

anlaffung gu bicfcr ©c^rift l^abcn njit ficrcitä ewd^ut. ©c^on 
in bcr SBorrebe jum 5lgat^t)rfu§ l^attc fid} bet Sichtet erboten, 
bie ß^rentettung ber gauj; uutrofttidjen, tnoralifd^ \)enu(j^teten 
©ttfeu ju übcrnel^men unb fomit fic^ felbft beu ^eg anju= 
füubcn, njobei i^m aber gur redeten ^dt uod) beifiel, njie e§ 
,,in Äat)ferUd)en SKed^ten bei l^ocbfter [traff unb ungnab \)er= 
betten, gn)et)en ^art^et)en auff einmal gu bienen."^ 3^t^fet 
!onnte er ben immer ftürmifcf)ercn 33itten feiner unbeljülftid^eti 
©egncr, bie nod) burd} bctö gürtDort beö eblen i^^ei^errn \)on 
gürftenbcrg SRad)brud genjannen, nic^t me^r njiberfte^en unb 
fo erfci^ien enblic^ bie gro^e, mit einem förmlichen ßangennjalb 
fipi^finbiger ©ebanfen au^rüdenbe Satire 5lntagat]^t)rfuö. 

J)erlei bialectifc^e ©^^iegelfec^tcreien njerben l^eutgutage 
nid)t mel^r t)iele ßiebl^aber get^innen fonnen; bodj bleibt baä 
(.^>ebid}t burc^ feine (£^laglid)ter auf berul)mte ^^erfonlid^teiten, 
xok j. 33. auf S)id)ter, gelb^errn, ^dipfte, Äirc^enlel^rer, dit^^ 
formatoren, fonjic burd) braftifi^e Sd^ilberungen auö bem 
2ltttaggleben, n)ie jene beä Steifenben §affug^ für ben Siteratur= 
freunb immerhin merfti^ürbig. 

91ic^t ml allgemeinereg ^^t^^^ff^ t)ictet eine anbere fa= 
tirifd)e ©id^tung biefer ^a^re „baä Sob beä finftern 2Befen§" 
(encomium torvitatis).^ (Sine SOlal^nung, ba^ ^^^l^ilofoipl^en 
unb Siebter auf bie ^^pege unb ^m il^rcr ©eftalt, il^rer 
Äleiber unb ^aarloden unb anbere Scibeäbequemlid^feit nid^t 
fonberlic^ 3ld^t l^aben foKen. Um biefen SRatl^ gel^örig gu 
begrunben, njerbcn bie großen 2)id^ter unb 2)enfer beg 3llter= 
tl^umä Jjorgefül^rt, bie befanntlid) ber 5)?el)rga]^l nac^ eljer gu 
n^enig afö gu t)iel auf'g 5leu^ere »ernjenbeten unb, njie il^re 
aSuften eg noc^ begeugen, mit büfterem 5lntli^ einl^ergingcn. 



* Slgatl^^rfug Steutfc^, SSorrcb beg Sluctorg» 

2 Opp. 00. Tom. IV. pag. 332. 

3 Opp. 0. Tom. ni. pag. 318. 



— 220 — 

95 on beu 3J{at]^ematifcnt n>irb gcrabegu ht^awpkt, ba^ ein 
fc^öneä ®cft*t unter itjutn ein felteneg 9laturn)unbcr fei — 
Polchra Mathematici facies est nobile monstrum. J)er 
ganzen 2:enben3 na* ift bicfc 35ic^tung mit bem 9lgat]^t>rfu§ 
na^e t?ern)vtnbt imb njie biefer eine ftarle Siebe pro domo, 
ba bie ganje @rf*einung unfereä 35ic^terä nur ©ruft unb 
Strenge jur €c6au trug unb too^ 9liemanben bcn f)oä^'^ 
^^oetif*en @eift a^nen lie^, ben biefe raul^c ^ütte bel^crbergte. 
j)er gro^e Scifaü, mit bem baä encomium torvitatis tro^ 
feineä l^rben 3^^^Ü^^ aufgenommen njurbe, galt t^eniger 
il^m feftft, at§ melmel^r ber gebiegenen 3lb]^anbluug über baö 
Stubium ber ©id^Wunft (dissertatio de studio poetico), bie 
il^m alg Einleitung jjorauögefc^itft ift. ^i)xc ^au!ptgebanfcn 
ftnb bem jugenblic^en J)id)ter TOarcona gegenüber mit qu|er= 
orbentlic^er Älarl^eit, Sebenbigfeit unb 3?ielfeitigfeit au§ge= 
fül^rt. SÖBir tDerben fie f^jdter nod) in gebrdngter Ueberftd)t 
barlegen.^* 

5)en meiften SRu^m unter ben fipdteren Satiren S3albe*ö 
erlangte „ber Xroft ber ^obagraiftcn" solatium podagricorum, 
erfd^ienen 1661.2 J)en nddjften 9lnla^ ^u biefer Schrift 
bot il^m ein SSefuc^ in Stugöburg i. 3. 1659, n)o er auf 
bie i^rage, toa§ i^m in ber Stabt befonberg aufgefallen, er- 
wiberte, einmal, ba^ er, njo er ging unb ftanb, benSuftber 
^^aritdt atl^mete, fobann, baß er faum irgenbnjo auf fo t?iele 
^obagraiften geftofeen fei.' 2luf einige njeitcre fdjergl^afte Se-- 
merfungen SSalbe'ä über biefe ©attung Äranfer bemer!te i^m 
^emanb : SBo^lan benn , beine ^^^ber l^at noc^ Sipi^e unb 
glu^, njarum fipotteft bu ber Slrmen? ®(j^aff' il^nen mel= 
mel^r Sroft! — 9luä einem l^erbeigebrad^ten @j:entplar feiner 
Oben n)ieg man i^m fofort nad^, tt)ie tjiele Unglütflic^e er 



1 ©Icl^e 93eUaöe Vn. 

2 Opp, 00. Tom. IV. pag. 1 squ. 
^ Ibidem pag. 6. 



— 221 — 

fc^on burc^ ^^octifcl^cn 3^fr^^^ aufgcrid^tct — tt)oruntcr 
mauere cä tt)cit tücnigcr t)crbicnt t)dttcn, alä bic tüirf Ud^ ]^ilf= 
lofcn ^obagraiftcn. * 

2)cr S)icl)tcr fagtc l^alb unb ^alb ju, tjcrga^ aber,^ac^ 
Nienburg jurütfgele^rt, balb tvieber auf fein 9Scrf^)rec^cn, biä 
\\fx aCBiC^elm ^ctmcfiuä (©um^jpcnbcvg), auf bcr 35urd^rcifc 
i)on Slugsburg uac^ ^^Ö'^tf^^*^^ begriffen, mit fanfter ©ewalt 
baran erinnerte, ^^^x bringt mic^ nod) um burc^ eure ^ara= 
Dojca" bemerfte enbli^ feufjenb Salbe unb ergab fid^ nad^ 
einigen (Sinnjenbungen, bie il^m '^^ctmefiuä fiegreid^ n^iberlegte, 
in fein untjermeiblic^eä Sd^irffaL 

Obgleich baä öorliegenbe Xl)ema feineän^egä neu, fonbcm 
bereits t)on mehreren 3lutoren bel^anbelt n^ar, fo genjannbod^ 
bie ungetDö^ntic^c, geiftöoUe iluffaffung unb 5)urd^ful^rung 
beö ®egenftanbe§ bem Süd^lein einen anfel^nlid^en Üeferlreiä. 
S)ie ^erfonificatiou beg ^obagra'ä al§ jdrtlid^ liebenbe ®attin, 
bie il^reu einmal ern^dl^lten ©emal^l um leinen ^rei§ me^r 
tjerlaffcn »itt, fonbern je me^r jener jürnt, befto inniger feine 
güffe umflammert, ift öon einer )iBirlung, ba§ fic^ njol^l 
fein 23e^afteter mitten in feinen oc^merjen berfelben entgicl^en 
fann. Gineö »on §erber'ä SRdtl^feln fc^eint einer Stelle 
unfcreä ©ebic^teg na^gebitbet: 

2öer ijl bie ©öttin, bie bcn Firmen ^a^t, 
Unb lieber bei bcn SReic^en rvol^nct? Denn 
®ie n)ei^ gu leben, ft^t gerne meic^, 
@cl^t fonberlic^ auf fremben güften gern. 
Unb liebet ©alben, ^-Änge, fü^en SSBein,- 
2öaS alle« il^r fein 5lnnev reichen fann. • 
$)rum fliegt fte auc^ beg Firmen l^arten 3:ritt, . 
Unb liegt bem 9lei(^en nur fo gern ju JJul.* 

Morbus hie induitur gemmis et torquibus aureis, 
Armillasque gerit manibus, colloque smaragdos. 



©itirt in ®ott^olb'« öevgfunft Äbniggberg, 1808, ®. 136. 



— 222 — 

Non est communis lixiä vulgoque frequenti; 
Cerdones refugit, nee de lodice paratur. 
Maecenas, te laute petens multumque supine . , . 
Pensilibus vehitur (tu Gintrio ringere) rhedis. 
Fulcitur plumis, et pulvinaribus albis.* 

5)aö @ct)icl}t entbehrt übrigen^, wie bie meiftcn ©atircn 
$)atbc*g, einer ftreugen fün[tleri)c^en ©inl^cit, tDogcgen eämit 
artigen @e]c^i*td^cn unb finni)otten, auä aller äöelt jufam= 
mengetragencn (^rabfc^riften anf ^^obagraiften überreid) au^- 
gemattet ift. ©ä würbe me^rmaB in'ä Dcutfc^c überfc^t, 
jo aucf) t)on bem ^egnigjdjcifcr 3<>^^^^ Subn)ig (nic^t Samuef) 
gaber, mit feinem Crbensnamen gerranbo, ber jn feiner 
Ueberfc^ung i)om J)icbter felbft mit mancf)en ^jractifc^en 3Sin!en 
aufgemuntert njurbe. .s'^oren njir, tt)aö gaber in ber9}orrebe 
ju befagtem äBerflein t). ;;5. 1677 hierüber mitt^eilt: 

„Gä ftreid)ct allbereit auf ba§ jttjanjigfte ^a^x, feit icb, 
bei t)ern)altcm Sc^ut ätectorat ju Octtingen im 5Rie^ am 
erften bie gebcr gur Ueberfe^ung gegenwärtigen SBerftcin^ 
angefe^et. J)er 3lnfang gefij^al^ bamal^te al§ jur ^rob tjon 
bem jenigen Sd^erg, wcld^er jwifc^cn einem ^obagrifd}cn, 
unb einer jum ^aB=®cridjt auf gefunben guffcn forttrabenben 

^erfon fürgetoffen, unb am 87. 23lat biefeä aSüc^leins ange^ 
fül^rt Sorben. S)urc^ a?orfd)ub eineä meiner SBol^lgonner, 
bama^te ^^d^fürftl. Nienburg. Secretarii, fam fol(^er erftev 
2luffafe in bie §dnbe beg Urfd^reiberä t)on biefem Äranfen= 
Sroft, beg gürtrefflic^ften ^errn ^acob »albe, welcher il)m 
nic^t allein mein beginnen Wol^lgef allen , fonbern mii^ uocb 
fc^riftlid) mit Ueberfenbung feineä bama^te auf bie ©c^aubü^ue 
gcfteUtcn ^c^j^te, gum erften §reunbf(j^aft=®ru^, baö angc^ 
fangene gut)oßgie^en, anf^)orncn üe§, neben ©rinnerung, bap 
eg mel^r fiicb^aber gewinnen borfte, wann ic^ bicfe ©at^rifc^e 



^ Opp. 0. Tom. IV. pag. 63, 



— 223 — 

©oßmetfc^ung, nic^t, na^ feinem ©runbri^, in gefcunbener 
Siebe, fonbem auf bie Gelobte SÖBeife, njelc^e ber l^oc^berül^mte 
Jperr t)Ott Sirfen in Ueberfe^ung feiner ®att)r t)om 2:abacf, 
ber fo benamten STrutfnen Srunfenl^eit gugebraud^en 
il^nt gefallen laffen, ungebunben unb mit überlaffener ^retjl^eit, 
biBn)eilen »on meinem etnjaS beijutl^un, auc^, na(j^ ©efaöen, 
je gu ^nitn S^er^^SReimen unterzumengen, einri^tete." 

2öir fonnen nic^t um^in, bie intereffanten gemüt^ü(j^en 
3}erfc l^ie^er ju fe^en, mit benen ©igmunb öon 33irten bie 
2(rbeit feines Jy^eunbcö unb ©enoffen in'ö ^^ubticum ein= 
führte : 

6c§cr^=3uruff. 

©0 tl^un toir noc^ nad^ feinem 'lob, 

tt)a§ lebcnb er »on ung verlanget. 

%nd) fd^ämt fid^ unfcr 'Imt^^ nit rol^t, 

tvann eg mit 95a(ben'g günbcn pranget. 

3iJa§ ic^ mit feiner ©at^v tl^St, 

bie auf bie 5trudfne Strunfnen fnaftevt, 

je^t mit bem S^P^i^n fortgebt, 

ber bie guf-Ävanfen 3:roft-bevfIajtert. 

^Hf ^egafug, bu 33runnqueU gu^! 

3c^ main*, eg fd^mecfe Dir tt)ie §aber, 

tvann 2)u ^brjt l^ier am ^egni^ glu^ 

aug 93albe rebcn $)einen gaber. 

2öie fommt e2 aber bjod^, ba§ fie 

l^at il^re güffe^ l^ier terlol^ren, 

bie SBalbifc^ (&hU ^oefv, 

jur ungebunbnen SReb' erfol^ren? 

3:eutfc^inne forc^te ftd^, fie müd^t 

l^ierbei bag ^obagra befommen: 

$)arum l^at fte au2 bem ©ebid^t 

$)ie 93erf unb güffe tveggenommen. 

$)u aber mit gefunbem gug 

lauf ju ben Äranfen auf bie ajieffe, 

Sauf, ^üd^leinl mer bid^ ol^n Sßerbru^ 

n)irb Icfen, atter Slngft vergeffe. @. t>. 33. 



pedes versuum. 



— 22-i — 

^0^ blieben uu§ brei ©rjeugniffe ber fd^ergl^aften ?öhifc 
33albc'§ auä berfetbeu ^eriobe gu befipre^eu, bic aber nur 
t)on untergcotbncter Sebeutung fiub uub t>on ii)m felbft ni^t 
ijeroff enttid)t njurben : bie «Satire ,,6rifiä", eine l^citerc gelbfttjcr-' 
tl^eibigung bcä Sdngcrä, bie er gen^iffen ®))litterric^tem feiner 
^crfönlic^!eit anö bem 9Jenbnrger ßoltegium entgegcnfe^t, nnb 
bie jwei engtiernjanDten fatirifdjen J^ic^tnngen: ,,91id)tö um= 
fonft" unb „öon ijerfcfciebenen 5lrten jn betteln" beibe tt)i^= 
nnb gebanfenreic^, babei, mand^en anbern gegenüber, in einem 
fel^r gelaffenen, nrbanen 2:one gefc^rieben. 



Urania, bie Siegerin, 

e§ iDar tiieUeic^t me^r ein fprnngl^after fül^ncr 33erfnc^, 
ate baä notbtDenbige ©rgebni^ bcr innern ^)oetifc^en @ntn)icf= 
Inng, totnn ^albe nad) jo mim nnb t)er]d)iebenartigen 
:Cic^tungen anc^ noc^ baö gelb ber eiegic jn bebanen ge= 
backte. Obnjobl il^m in [einen l^rifd}en (Sebic^ten bie Sante ber 
Siebe unb ®e^nfud)t, n)o erforbert ttjar, gar voi>^ gu (^^ebote 
[tanben, fo njar i^ni boc^ nid)t jeneä nad^^altige ©efül^l fanfter 
Sdjnjermutb gegeben^ ttjeldjeö bie burd^ftc^tige f^olie ber elegi= 
fc^en 35id^tung bilben [oU. Sein lebhafter @ei[t behalt über 
allen äöogen ber (Sm^jfinbung baä Steuer fo feft in ber 
§anb, ba§ er fid^ auc^ i)on ben njeic^ften 9t]^i)t]^men nic^t 
in Schlummer )d)aufeln ld|t. Sc^on auö ber JtßJal^l feineä 
Stoffeg fül^tt man eä ^erauä, ba^ mel^r ber QScrftanb aK 
baä ©emüt^ baran beteiligt ift. Sänge l^atte er gefd^njantt, 
für n)eld)eö Sl^enia er fic^ cntf(^eiben foHe, ba bie lateinifd^en 
iCi^ter beä XVU. ^a^r^unbertö fd)on atteä 3Ä6gli^c unb Um 
mögliche in (Slegien unb ^eroiben befungen i^atten; cnblic^ 
führte ibn eine ^^arabel beä granjiäfanerbruberä 3iaco:pone 
auf ben crtJjünfc^ten SSortourf. * 

* Opp. 0, Tom. Y. pag. 11. 



— 225 — 



e§ war cinft eine Jungfrau, crjdl^ft biefer, bie l^atte 
fünf ©ruber, S)er eine njar ein yJtaUx, ber anbere ein 
^JJhififcr, ber britte ein 3l:pot]^efer, ber tjierte ein Äocf), ber 
le^te ein ©afttüirtl^, fdmmtlici^ ßeute t)on geringem 5?erm5gen. 
3^re S(S^tt)efter aber tuar reid^ burd^ eine f oftbare ^]Jerfe. ^Diefe 
^erauSgubefommen müljtcu fic^ bie armen Srüber um bic 
Söctte. 3^*^^ t)erf:pracb ba§ befte (grjeugni^ feiner Äunft 
ober feines (Sen)erbeg gu geben, n)enn i^m bag Äleinob ju 
t^eil njürbe. Sie alle n)ieä bie 3>ii^8f^^^^ "^it ©ntfc^ieben^ 
^eit ab. ^ifxe ^erle gen)ann nur ber eine ©rlefene, bem 
fie \iä) Idngft J)erlobt ^atte. 

©ieä ertldrt 3^co^)one fo: ®ie Jungfrau ift bie ©eele 
unb il^re ^^erle ber SKiUe. 1)ie 93rüber finb bic du^em ©ftine 
— ©cfid^t, @e^or, ®eru^, ®efc^matf, (Sefü^l. S)iefe njottcn 
il^ren SBiUen burc^ alle erbenflicben Steige gu fid^ ^ernieber= 
jie^cn; fie aber betoal^rt i^n unb mu§ i^n bema^ren föl^rifto 
bem §erni, it)rem ewigen ©eliebten. 

aSorliegenbe ^arabel nun bilbet mit einigen 2lbdnber= 
ungcn ben ©runbgebanfen ber Urania victrix. 2lbgegangen 
ift ber SDid^ter \)on feinem aSorbilbe in fofern, ate er bie SSer^ 
treter ber fünf ©inne nic^t gu Srübern, fonbern gu iJ^eiern 
Urania'ä, ber cfcriftlicöen Seele ma(j^t, unb alfo nic^t eineä 
i^rer (^üter, fonbern fie felbft ate baä ^itl il^reg ©ege^rena 
^inftcüt. ?Kan fie^t lei(^t ein, wie fe^r burc^ biefe wenigen cor- 
rigirenben ^nfelftridbe baS gro^e allegorifi^e Silb an fceben unb 
^ntcreffe gewinnt. 5)ie greier bieten nun in tjollenbeten ©riefen 
ber erforcnen i^re Jpanb an unb legen i^r all* i^re Äünfte 
al§ 33rautgefd^enf gu ^J^^B^^i *^^^ Urania fd^ldgt in il^rcn 
5lntwortf(^reiben bic locfenben 9lntrdge ftanb^aft auä, legt 
äße UeberrebungSgrünbc in il^rcr Siic^tigtcit bar unb bctl^eucrt 
il^rc Sreue gegen i^ren ewigen ©rdutigam. Salbe l^at in 
biefen ©riefen ben gangen ©ewinn feineä ©ilbungägangeä, 
baä gefammte SBiff en unb Äönnen feineä ^i^l^rl^unbertS unter 
ber leidsten §ülle ber ^^oefie niebergelegt unb guglcid^ in ber 



SBefieTma^^eT, Sacobuf ^Ibe. 



15 



— 226 — 

(^gcnübcrftcUung oon Eintrag uub W>xoti)x bcn ftctcn Äauq)t 
jiDifc^Ctt n^al^rcr unb falf c^r SDBiffcnfcbaft, gtt>ifc^cn materiellem 
unb c^riftUcb oerfldrtem Streben ju großartigem Slu^rucf 
gebracht. 

Gilbert Änai>^j du^ert ficb über biefc 35ie^tung:* „Mt 
ijreuben ber ^xnnt, alle Äiinfte, SBiffenfc^aftcn unb i^fc^fte 
ber toeiten 2Belt »erben barin, j[Cgli(^e§ nac^ feinem 3Sefen 
unb feinem iHange beleuchtet unb ge^jriefcn: ©id&tfunjt, 
>JJtalerei, Wufit, lanifunft, »t^etorit, ^:^^^ilofo))^ie, ^Kot^^ 
matif, 9lftronomie, ^ilftrologie, C^eometrie, (^ogra^)]^ie, ^l^#f, 
g^emie, iöotanif, *|?^armaceutif, 9)tebicin, ;Jdgcrei u. f. xo. 
furj alte unb jebe ^dc^er, bie irgenbtoie für einen ber fünf 
leiblichen v£inne arbeiten unb baburc^ auf bie Selbftfuc^t beS 
menfc^tic^en ^erjens einn)ir!en, alfo fic^ ju 93e^ifcln ber 
©ünbenluft mißbrauchen laffen unb ben gum ^immel be^ 
rufenen ©eift entabeln unb ^erabn)ürbigen. Men biefen, ob 
auc^ noc^ f o berül^mteu unb gldnjenben iDienerinnen ber fünf 
Nöinne fd^ldgt Urania, bie Siegerin, bie l^immlifci^ Siebe, 
wenn fie als iJrautwerberinnen i^r na^n, i^re ^anb ab 
unb forbert abf olute 2lufo^)ferung jebeä eigenen Stul^meö . . . 
bamit fid^ bie Seele, t)on allem S[iJal^ne geläutert, rein gen 
§immel ergebe unb fo enblic^ bie enjige Siege^frone erlange/ 
St^lieplici^ bemerlt unfer (i}en)dbrämann \>on biefcm äßerfe 
SJalbe'ä: „^ebenfallö ein rü^renbes ©entmal, nicl^t nur 
feines tief finnigen (^eiftes, fonbern auc^ feinei^ Durftcs nad^ 
unfterblic^er äöa^r^eit unb jReinigteit, unb jcneö ©trebens, 
baö alle menfc^lid^e Äraftentfaltung nur bem 3>ienfte beö 
6tt>igen ge^eiliget wiffen n)iU." 

Urania, bie Siegerin, erfc^ien erft 1663, obtDol^l ber 
älutor bereite fieben 3^^^^ t)or^er i^re erften Umriffe ent- 
worfen ^atte. Sie n)urbe mit fold^er Regier erwartet, bap 



e^riftoterpe , aa^ig. 184Ö. ©. 336 it 337. 



~ 227 -~ 

ein granffurtcr gatatog fd)ou im S^^rc 1661 baä SBerl 
alg crfAicncn auffül^rtc. ©agfclbc erregte in ber gangen ge* 
leierten SSelt an^erorbentlid^eä Slnffel^en. @cf)on bie Orbenä- 
cenforen f:prad)en fid^ mit nja^rer S3egeifterung barüber au§. 
einer berfetben bemerlt:' z/^ätte ber 5)i(^ter anc^ fonft 
nid^tä gefcf)rieben, fc fonnte er gen)i§ burc^ biefe§ 2gert ben 
SRul^m be§ größten, eineä gang göttlichen ©id^terä t)erbienen 
unb l^at i^n in ber %\)Cii t)erbient; Urania nberweifti^n mit 
bem geweiften Xitel ber Unfterblic^feit bemJpimmel." iabelnb 
tt)irb bagegen ^erüorge^oben, n^aö \paUx an* ^Korl^of auä= 
fe^te, bafe l^ie nnb ba ungeitige tui^ige ^Anf^)ielnngen bie 
elcgifc^e Stimmnng unb bie §o^it be^ (^egenftaubeö be^ 
einträchtigen. aSon eingelnen Sc()6n^eiteu gu reben, tx>ar e§ 
befonbcrS ber 23rief beä Äriegsmanneö SSenantiuä Slfer (be§ 
fc^njargen ^dgers) an Urania ber bie Ärititer gur 33en)un= 
berung l^inri^. ,,5)iefe Plegie," fagt eine Stimme,* „^at in 
au' bie[en S3nc^ern nicbt i^reä @leic^en unb mad^t ben alten 
fdmmtli(^ ben iRang ftreitig. Die Diction ift ergaben, nervig, 
ryoU Sebengfaft nnb achter (Sm:pfinbung, bel^ergt unb nja^r^aft 
friegcrif(^,' nur nic^t fo gang be^utfam, atö cö \i(i) für einen 
Did^tcr auö bem Crbenäftanbe gegiemte." Salbe l^atte i)or= 
auägcfe^en, ba§ le^terer aSornjurf i^m gemacht n)erben würbe, 
barum bemer!t er am ©ingange genannter 6^)iftel: „2Bir 
Ratten nic^t genjagt, bie tütfifcben Slnreigungen be§ Ddmonä 
in biefer offenen SBeife bargulegen, njenn nic^t ber l^l Sern« 
^arb felbft erinnerte, e§ fei- teineänjegg erf))rie§li(^ , berlei 
Dinge nid^t gu feunen. Darum ^ben njir aud^ ben er= 
tt)ibcrnben ®rief ber Urania mit ben gehörigen tuirffamen 
Heilmitteln gegen baä ®ift auögeftattet, auf ba^ bie (^riftlid^c 
©celc erlenne, mit n)el^en aOBaffen fie angegriffen njerbe unb mit 



* ©a^erifd^eä Slleid^garcl^b, Jes. a. a. ©♦ 
2 Ibidem. 



^ mm 



— 228 — 

mclc^cm Sd^ilbc bicfc abjunjcl^rcn feien, bamit pe nic^t un= 
t)erfc^ng erliege."* 

3Bie ju feineu Umfc^en 3Q3albern ^atte Salbe aud^ jur 
Urania einen burigel^enben ßonimentar gefd^rieben , ber 
feinen 3^'^S^^^'5ff^^ öietteid^t, n>ie bie Orben^cenfur bafür 
^ielt, entbe^rlid^ xoclx, befto not^tt)enbiger aber unS S:päteren 
rodre, bcnen ber ec^lüffel ju ^unbert bunften 2lnf:pielungen 
mü ber ^dt i^reä ©ntftel^nä ju aSerluft ging. 



* Opp. 0. Tom. V. pag. 215 



XVL BnUies U^te Cebettsla^re. 

SSixt bcr aSoIIenbung bcr Urania ober tjiclmc^r t^rc§ crftctt 
i^cilcS neigte fic^ bie Sebenöf onnne be§ ©id^terä in majcftatifd^er 
aSerlldrung gum Untergänge, ^xoax befd^dftigte er fic6 nod^ 
einige 3^^^^ ^^^ bic^terif^n Sttrbeiten, entnjarf namentücfe 
einen jn)eiten unb britten Jl^eil ber Urania mt)ftifc^en ^l^t- 
l^altcö, inbeffen ^atte er nid&t mel^r bie ^aft, jene ©legien, 
xotlä)t bie gortfe^ung unb ben 9lbf(i)lu^ biefcr 35i(J^tung 
bilben fottten^ feinem urf^rünglid^cn '4>tane gemd^ gu einem 
l^armonifci^en (Spangen ju tjerbinben, fonbern mu^tc ftc als 
jerftreute Srucf)[tütfe, at§ püd^tig bel^auene Äa:pitdter unb 
Ärd^itratjc am gu^e eineä unauägebauten Sentpete gurficf= 
laffcn. 2lbcr aud^ fo nel^men biefe ^w)etifci^en 9luinen, bie 
baS 2lbenbrotl^ eineä reid^en ßebenS überl^aud^t, unferr innige 
Sl^ilnal^me unb SSerei^rung in 3lnf:pruc^. ©er ©runbton, bcr 
flc burc^jiel^t, ift be§ Sdngerä ftetä mdd^tiger ]^erJ)ortretenbcä 
§cimn)e]^ nad^ bem endigen aSaterl^aufe. Urania fd^reibt an il^ren 
©cliebten ©riefe ber flammenbften ©el^nfud^t i)oß, inbem fle 
balb an bie SSerl^ei^ungen beS (SrlöferS,* balb an bie ©eufgcr 
bcr Sluäernjdl^ltcn ©otteg, einer 1^1. Jl^efla,* ober cineä 1^1. 
auguftinuS,^ il^re gepgeften SBitten antniipft unb (S^riftuö 
cr»ibcrt il^r bann mitaCßorten beSSrofteä unb ber ©rmutl^igung.* 
Um biefen m^ftifc^en SricftoeAfel gru:p^)iren fld^ eine güHc 
^)octifd^cr Setrad^tungen ol^ne crlennbarcn inneren 3ufammcn= 



1 Opp. 00. Tom. y. p. 248. > ibidem p. 289. ^ |b. p. 294. 
« ib. p. 247 et 252. 



— 230 — 

l^ang; cin^cf^)radb bcrSccIc mit intern t)om ®rabc crftc^nbcn 
ficibc, bcr harten ^ctl^fcmaiti unb feine ©lumcn, auf bie 
fieibenätperljeuge beä §erm gebeutet, ber SSertl^ ber bu^et^ 
tigeu Ibtäueu, gejeigt au "ipetruö unb TOagbalena, bie Ätogc 
ber fünf tl^cricbten Jungfrauen u. f. f. aJÜt bicfen f))dte)ten 
^rjeugniffen beö 5)id)terä finb burcb bas unfritifd^e SJerfal^rcn 
ber Herausgeber anbere G'legieen ^jrofaneu Jti^ciltä gufammcn= 
gebrudt, bie jum X^eil fcfton feiner frfi^cften ^eriobe an= 
geboren. 

Sltti 5. 'Jiotjember 1664 reifte ber §ergog unb feine @c= 
ma^lin, nacbbem fie gutjor noc^ an ©atbe'ä SiebUngäattare 
i)or bem ö^nabenbilbe ber (.Gottesmutter bie ^L 5Keffe gel^ört 
Ratten, nac^ ben :)tieberlanben ab.* ®ie Äinber n)arcn fd^on 
jtt)ei 3Ronate früher ba^in t)orauägegangen. J)cr greife 
©dnger foflte feinen fürftlid^en ©cnner unb feine fleinen 
iVreunbe nid)t tuieber fe^en, unb fein ^)ro^)^etifci^er 93lidE mag 
fic^ tt)obl mit emften Sll^nungen umflort ^abcn, ate cö gum 
legten ©c^cibegruße lam. SSon je^t an ttjurbe eö ftiü auf 
bem vic^lofe:pta^e 9teuburg*ä, in ben Sidumen ber ^iefibcnj 
unb beä ßoUegiumg, aber aucb in ber ©eck bcö Dic^terö. 
^Bereits im grül^jal^re 1664 battc er feine testen ^^Jrobuctionen 
t)er6ffentüd^t — einen §t)mnu§ auf bie l^eiüge Jungfrau unb 
9Jiartmn ttrfula im trocbdifc^en Xetramcter, ^ unb eine alle= 
gorifdje ©arfteUung beö SOBieberauflebeng ber ttaffifd^en 3öiffen= 
fd^aften unter bem Silbe eineä ^Ibgugö ber alten SDici^tcr 
gegen bie 33urg ber Unn)iff enl^eit. ^ Sc^tereä SSBcrIlein, reich 
an feinen g^aracterf o^)fen; tft in ^ofa gefd^ricbcn. älümdl^lig 
gog er fid^ t)on ben il^m obliegenben Slemtem, t)on feinen 
toiffcnfc^aftlicben ©tubien unb (Sorrcfponbcngen jurücf, um 



\ (SoUectaneenblatt 1852. (g. 2ß. 

• Opp. 0. Tom. Vn. pag. 394. 

3 Opp. 0. Tom VI. pag. 344. ©albe'g «bfd^teb t>t>n ben ftlafjtftm. 



— 231 — 

cingig bcr ©orgc für fein cnjtgcS §cU gu leben- I)er foft^ 
BaiTC (S^xmifixn^, bcn il^m ^a:|5fl 9lteranber VII. für bic SGBib= 
mung ber Urania jHfanbte, njar bie te^tc ber ©rbenfreubcn, 
bte er mit ganjem innigen Slntl^eit genofe. ^erfetbe beftanb 
in einer gotbenen ^IRebaitte mit beg *:^^apfteä SSruftbitb im 
©etoichte t>on jnjötf ©ucaten, fanb aber atebalb eine 93er= 
tDenbung, bie ber ^eiüg=emften Stimmung beä SDid^terö ent= 
f^)red^enb njar. 3lm 24. Se^jtember 1655 l^ing er biefeg 
Äleinob, njcil^renb er 3Ke[fc la§, an bem oben ernjd^nten 911= 
tare, bem erften Seitenattare rechter §anb, ben eine niebüd&c 
au§ ©ic^en^olj gefc^ni^tc sStatue ber l^elligen ^[ungfrau t)on 
got>a (bei S)inant in 33etgien) 3iert , alö 5Bci^gef c^enf auf, * 
gum rü^renben oinnbilb, tueld^er ber §immtifci^en er bie 
^rrtid)e @abe feiner ^unft oerbanfen, welcber er ben fo rcid^ 
erfuugcnen iRul^m ju ^ü^tn legen n)üllte. J)er 9ieuburger 
^iatl^äl^err (^rafiegger fab fie noch ju Einfang biefes 3^^^= 
l^unbertä; balb barauf nal^m fie ber eturm ber ©ctculari^ 
fation ^innjeg, ol^ne ba^ fie biäl^er njieber aufgetaucht 
tt>drc. 

Die legten gh)ei ^a\)xt t)cr feinem tobe führte Salbe 
ba§ ßebcn eines ^eiligen. Seit frühen lagen gur §eltil 
geneigt, bereu j^ortfc^ritten er nur burc^ bie ftrengfte 
3)ifit einen Damm fe^te unb burd^ raftlofe ÜRebitation unb 
3lrbeit crfd^6:pft, fal^ er fein ©nbe mit gtt>ar fac!^ten aber 
unaufbaltfamen oc^ritten ^eranna^en. ^m §inblidf auf 
biefen großen (^tfc^eibung§:punft oblag er nun unauägefe^t 
bem (lebete unb ber ©etra^tung, barin fein n)eltentfrembetcr 
@eift bermafeen t)crfan!, ba§ er fic^ t)on allem naiveren 33er= 
fe^r mit 3Renf(^en gurürfgog. 5)ie einfamen Unterrebungen, 
bie er auf feinem ^i^^^t* mit feinem ®ott unb §erru :pflog, 
würben, manchmal fo laut, ba^ man fie beutlid^ auf ben 



» (Sottectanecnblatt 18§2. @. 27. 



— 232 — 

©dngcn bcä ^aufcS t)cmc!^mcn lonntc. ^ 35ag Op^tx brt 
neuen Sunbeg tt>ar fein 6ing unb SlUeS, Um SWeffe lejcn 
ju fönnen, raffte er aß feine Ärdfte gufammen, unb fefetc 
biefe ^jriefterlid^e iJunction fo lange fort, ate il^n nur feine 
gii^e trugen. SSiergel^n Sage t)or feinem Eingänge mußte er 
JU feinem ©d^merje aud^ biefem Sabfat entfagen, lief fw^ 
aber gleid^tool^l nic^t abl^alten, njenigftenä an baä @^>eifegitteT 
JU toanten unb bafelbft gur Erbauung beä SSolIeä fnieenb 
bie 1^1. ÜReffe gu ^ören. aCBd^renb berfelben em))fing er bie 
1^1. Kommunion, blieb bann jur ©anffagung bei einem gnjeiten 
2Refo^)fer anwefenb, unb lief fid) n<xi) beffen aSottenbung 
burc]^ bie Sacriftei toicber in fein ®emac^ jurutf fül^rcn. * 

2öie fd)6n njar je^t, wenn ber ©duger betenb t)or feinem 
aWarienbilbe ttjeilte, fein C^elobnif in ©rfüllung gegangen: 

5)0(1^ id^ n)ill fntccnb l^atrcn unb Pn!c felbfl, 
$)te 3:obtenbinbc fattig um'2 ^au^jt gelegt, 
SBom ßorbcerfranj bie @tim' umfloci^en, 
©terbenb öor 5Deinem Slltar M O^jfer.^ 

©er ainbticf beö e^rnjürbigen (Sreifeö ertt)ecfte bei öiebn 
3cugen baö 2lnbentcn an feine geiftijotten ^rebigten, bie fie 
einft in eben biefer Äird^e t)on i^m gel^ört, unb cä ijerging 
fein 2:ag, an bem nid^t feinem ©d^irffale Sll^rdnen floffen.* 

®ie legten brei Sage feineö öebenö !cnntc er ^i^wter 
unb Sett nid^t me^r ijerlaffen. (Sr rebete mit 5Riemanben 
mel^r ettuaä anberS, atö n)a§ auf bie jenfeitigen Singe ©ejug 
l^atte. ?iod^ auf bem Sterbebette toottte er mand^eS fd^reiben, 
ba er eine Slbljanblung über bie (gwigfeit begonnen J^atte, 
aber feine §anb, biefe lunftgeübte Srdgerin eines l^od^ragenben 
©eifteä, öerfagte i^m j|ebcn 2)ienft, auf er bem legten unb 



* ©ragegge r'g aJlanufcri^t: Sacob ©albe. 
» Dfieuburger SKod^enblatt 1819. ®. 175. 

3 Lyr. IV. 49. 

♦ 9^eub. SEßoc^enblatt, a. a. O. 



— 233 — 

cbctften, mit bcr tinlcn fid^ im ©cbcte gu feinem @ott unb 
©rßfer gu falten. So entfc^licf er, i)om ^t^x^tbtx aufge= 
rieben, am 9. 9luguft 1668.^ ©ein Jpinfcl)eiben toar unge= 
mein crbantid^ — sancta morte praeoccupatus fagen feine 
Siogro^l^n )oon il^m. 

2lm 5lbenb beö ndmüd^en SageS lamcn bie l^ergogüc^en 
Äinber, bie tDol^t auf bie Äunbe t)on ber Jitranfl^eit i^rcä 
greunbeä bie SJcife befc^leunigt Ratten, nad^ öicrjal^riger 3lb= 
tt)cfcn]^eit n)ieber in 9teuburg an * nnb l^atten tt)enigftenö noc^ 
ben 2^roft, bie 8ei*e beS geüebten ^^?ater SSatbe f cl)auen ju bürf en. 
15crfelbc n)urbc, nad^ bem einfad^en SSrandje ber ^^f^^t^^r ^^ 
bcr ©ruft ber ^ofürdfte beftattet, fonnte aber in neuerer 3cit 
tro^ »iebcrl^otter SSemül^ungen t)on Seite ber 9leuburger ^ro= 
fefforen unter bem tx>irren Raufen tjon ©ebeinen, auf ben 
man ftie^, nicfet l^erauögefunben werben. 



1 «Weubig, öaöaria*^ aJlufcn* I. @. XXXHf. 

5B9l. 6le2f a, ©albe'g ßeben unb (gc^riften. 1842. ®. 8 unb 9. 

2 ©ottectancenblatt 1852. ©. 30. 



XVII. 3nt CI|itntttm|Kk Balbee. 

®aö t>on einem ber gefciertftcn Slutoren ber Sicujett ge^ 
fagt njurbc : „man fonnte il^n an* in ber 3lat)t anfeilen unb 
er blieb ein großer ÜRann", baö finbet geiDife mit tjoüftem 
SKechte an* anf Sialbe feine 9lntt>enbnng. .^sa, n)ir mochten 
bel^au^jten, nnfer 5)icbter fei iebem, ber il)n t)orcrft nur au8 
feinen äBcrfen !enneu nnb betüunbeni gelernt, ungtcid^ größer 
erfcbienen, njenn er mit il}m in ^)erfonli*en ^erfe^r trat. 
5)er beriil^mtefte 5)ici)ter feiner ^^^eit, ^ tcar er glcid^tDol^l, t)on 
Ci^i priefterticber ^enfnngSart getragen, im Umgange be= 
fcbeiben nnb anf))ru*slo§ vok fanm ein jtueiter. 91B Salbe'ö 
C^.^aracteriftil fct>ricb mau im fiebge^nteu ^al^rbunbert nach 
iKom:^ „aJlitten unter ben offentlid^en 8obf:prü*en, bie i^m 
nicbt uubetoint blieben, fcbä^tc er allein fid) gering, umfaßte 
alle mit lieben ön)ürbiger i'^erglicbfcit unb ertrug feine Äritifcr 
mit ru^igftem (Mtei*mutb." Ueber feine 3JÜtmenfc^en ju 
richten, njiberftrebtc feinem cblen ®emütl)e ganj unb gar. 
)iBar dou anberer ^"^e^lern bie Siebe, fo leitete er, tt)ie bie 
(JJ^ronif erjdblt, ^ mit attifc^em v5cberje bie ^ebe fcbneH auf 
anbere ©inge. Somit fonnte 3D?engein, ein berufener Kenner, 



* $)ie gleid^geitigen Sterne erjier ©röfec am poetifd^ ^immel: 
ßorneiUe, aJlilton unb ßalberon erfreuten ftd^ j[ebenfatt3 fcineg fo au^^ 
gebretteten Stufe« xoit Söalbe. 

' So t well, Bibliotheca Scriptorum S. J. Romae 1676. Art. sub. ▼. 
Jac. Bälde. 

3 mtn^tin, a. a. O. @. 3. 



— 235 — 

in feiner me]&vcrtt)d]^nten JJeftrebe mit bottem JRed^te anS^ 
f^)red)eu: „SOBenn i* fagc, er n?av bic lautete Siebe, bieber 
unb offen , c^ne aHeä ^alfcf) , rnitb unb fanft, jart unb f ein= 

fül^lenb unb ^einb aller e^itclfeit, fo fage ic^ nicl>t jumel, 

benn icb fann eS auö feinen @(j^riften benjeifen." 

3n ber 5^t, xodä) tren^ergigeg, finbli* fro^eö SBcfen 
f^jrid^t nur aug ber Dbe , bie er auf feinen 3^Ui9 tjerfa^e, 
alö er tjon biefem in ber Slrbeit beö 5)ic^teng geftört würbe ! ^ 
9Rag ber „®:perling" be§ gatuU an l^eHenifc^er ©rajie mU 
leidet nid^t errei^^t fein — im reinen 3lu§brutf unfd^ulbigen 
©c^ergeg ift er gen)i§ ^icr übertroffen! 

Unb ^aubelt eö fid) um bie i^eilnaljme au bem ©efd^itfe 
ber aJlitmenfc^en, tuer ^dtte biefe ebler, ttjdrmer unb umfaffen = 
ber au t>t\i Zclq gelegt alä unfer ©dnger? 6inb boc^ bie 
TOc^rga^i feiner Oben entn^eber ^joetif^e iroftfc^reiben an 
Unglüdlicf)e aller 3lrt, ober tx>o^lmeinenbe Sebenöregeln für 
junge SRdnner ber tjerfc^iebenften Serufötreife. 

®ef d)eibcuen , ftrebfamen ^w^gK^SCi^, t^ic eineö SRat^e« 
ober einer Uutenceifung beburften, bem (Sbettnaben, ber gum 
etftenmal über bie ^äjtotUc beö §ofeö tritt, bem 9ieci^tgfun= 
bigeU; ber in ben geheimen diatl) feineö gürften berufen n)irb, 
bem jungen ©ele^rten, ber als ^^rofeffor an bie ^od)fc^ule 
abgebt, ^ ftanb fein ?0?ufeum jeberjeit offen, unb allen roufete 
er ein liebreiches SSort ber a)ia]^nung gu fagen. ©ebilbete 
Offigiere, bie nid^t feiten auf fc^mudem S^toffe mit toaüenbem 
geber^ut am 3^fwiteu = (liollegium in 9)iüncj^en anf^)rengten, 
um ein ^umaneö greunbcötvort mit auf i^ren blutigen SÖBcg 
ju nel^men, entliefe er niemals, o^ne i^neu etliche finnige 
aSerfc, ober mnn eS anging, auc^ ein größeres ©ebi^t als 
2lnbenfen mitgugeben. 

©0 entftanben bie l^errlic^en Oben „bie (Snabe" (unter 



1 Lyr. lU. 43. 

2 Lyr. IL 6. IV. 16. Epod. 11. 



— 236 — 

bcm iöilbc cincd iRoffcd), ,,blc ÄricgSjuc^t /' eine ^intDcijung 
auf %xüx)f ,;bic lürfcn uub bcr bcutfd^c Ärieg." * 

Da§ aber *albc ni(^t bloä feinen greunben gu nu|cn, 
fonbcrn aud) feinen geiuben, b. 1^. feinen ©egnern auf ütc= 
rarifc^em ©ebiete, benu anbere ^atte er nid^t, ju t)ergei^n 
xon^tt, jeigt unä ^inreic^enb bie jt^eite 6^)0be, in ber einem 
biffigen Slegenfenteu atteä nur erbenflic^e @ute gettjünfd^t tt)irb. 

^olc^c Sanftmut)^ unb ^ergenögüte unter allen Um- 
ftduben ju ben^a^ren, n?ar für i^n nid^t ein fo mül^elofeä 
i^erbienft; U)ie für mandjen anberu, bem biefe 2:ugenbcn fc^on 
alä natürliches ©rbtl^eil gugef allen; n)ir n)iffen, ba| feine 
urf:prüngli(^e 2lnlage gerabe gum ©egcntl^eil l^inneigte unb 
tt)erben benjeuigen, ber einen fo ijoUftdnbigen ©ieg über 
fic^ felbft errang, nur um fo ^o^er fd^d^en muffen. Seine 
©tanb^aftigfeit n)urbe übrigeng uid^t feiten auf fc^were groben 
geftellt. ©erabe bie 23ef c^eibenl^eit , in bie fic^ bie ®rö^e bcä 
Hßanneö unfi^einbar eintüte, gab fo mand^m Sd^toad^fo|)fe 
ben Tiuti), an il|m unb feinen ©d^riften oorlaute Äritit ju 
üben, ober in aUgugro^er 9Sertraulid^teit über fein Sleu^ercä 
gu toi^eln. Äein SCßunber, tocnn Salbe einmal in l^albem 
©d^erge bie 35ro^ung au§f^)rid^t, er »erbe bereinft nod^ wie 
©amfon auffielen unb über biefe f^)ottif(^cn ^l^iliftcr mit 
njud^tigen 2lrmen bie ©dulen einftürjen mad^en.^ 

Söenn hingegen ber 2)ic^ter fid^ l^ie unb ba eine l^arm^ 
lofe 2lnf^)ielung erlaubte (unb feinem fprubelnben Jpumor 
toax eä feine geringe Su^e, bereu nid^t mel^r unb nid^t ftdrlere 
gu machen), f o toar man, njic Söeftenrieber fagt, * nid^t feiten 
uuöerftdnbig, man bürfte ^ingufefeen, unebel genug, bicfelben 
mit Unmutig aufgunel^men unb gang ungeitige ©ntjjfittblic^Ieit 
gu dufeern. 



* Lyn IV. 24. 11. 44. 

» Lyr. III. 32. 

' ®5mmtltd^e SEßerfe. Sttnüpitn 1833. $b. 16. 6. 387. 



— 237 — 

©d^Iü^ft ettoann mir ein leidster ©d^erg. 
Unter SGßorten, bte fü6 triefen J>on ^onigfeim, 

Ober »ürgiger 2öit l^erauiJ — 
$a, U)ie jeigji $)u SDid^ flillpnafig alg ©ocf fogleid^, 

2:rabji $)u mürrifd^ im Äreig uml^erM 

Salbc'S milbc , i^erf6t)nltc()c ©cmutl^äart tjcrldugnctc fic^ 
auc^ ntcbt gauj in feinem Seneljmcn gegen 9lnberggldubige, 
njobei m.an natürlich in 2lnfci^lag bringen mnfe, n)ie n>cnig 
bie bamalö ^errfd)cnbe Strömung butbfame Slnficbten begün= 
fügte. 2g(i§ bie ;3^ben betrifft, fo tl^eitte er aflerbingS ^n- 
f^tlid^ il^rer baä Sorurt^eil feiner ^di, l^ielt fie für ein 
burcl^auö (j^riftenfeinblic^es , gemeinfc^dbKd^eg SSolf unb t)er= 
langte mel^r aU einmal, eä foUe für bie il^nen gur Saft gc= 
legten aSerbred^en, g. 23. für ben 3)torb beg Heincn Slnberl 
DonjJlinn in ürol, ftrenge äßiebenjergeltung geübt tuerben. * 

dagegen t)erfe^rte er mit ^^^toteftanten , mit SSarlduä, 
Sanbrart, 3*>^^^i^ ßubnjig gaber, Sigmunb loon ©irfen 
u. 21. münblid) unb fd^riftlic^ auf ba§ freunblid^fte, f:prac^ 
fic^ über il^re 2Berfe, j. S. über bes ©rotiuä 2:ragobic Christus 
patiens, ober über ^aröbörffer'ö v£(J)riften mit rütf^altälofer 
^nerfcnnung auS, unb t)ermieb in feinen lt)rif(^en ©id^tungcn 
jcben birecten 95orn)nrf gegen fie. ^eboc^ ben ^du:ptem bcr 
^Reformation, namentlid) iiutl^ern, tonnte er eä nic^t oergei^n, 
ba^ fie bie religiöfe unb ))olitifc^e (Sin^eit beä beutfc^en äjotfeg 
fo l^cilloö gerflüftet Ratten, ^d^on in ber 3Sorrebe gur „@onncn= 
finftcmi^" unb im ilntagat]^t)rfuö Serben fintier, aWelani^tl^on 
unb Gatoin mit giemlic^ unfanften üteln bebad^t; aber baS 
anontjmc Paradoxuu) musicum fü^rt eine nod^ ungleid^ 
berbcrc ©))rac^e. 

Sutl^er wirb barin bargefteUt als bcr toütl)igc @bcr, bcr 
in ben blül^enben (harten bcr alten beutfc^en Äirc^c cinbrid^t 



1 Lyn h "21. 

« Epod. 14. Med. glor. sal. 19. 



— 238 — 

unb mit raftlofcm äBü^lcn allenthalben lob unb 9?erberben 
fdet. * %xi(i) bie namhafteren tut^fcben Xl^ologen ber fol- 
genben .»^eit werben, ate feine eigentUcften *ac6f olger, fd^arf 
in'ö 3?er]^6r genommen. 

3nbe§, ber ergreifenbe fd^n^ermütl^ige CHngang unb vScj^üij 
beö ©ebid&tc^ finb uns 33ürge baffir, baß 2)albe feinc§n)eg^ 
in ge^fftger Seibenfc^aft , fonbern oietme^r im innerften 
Sc^merjgefüftt über bae geftiftete Unl^eil bie Ur^ber unb 
•ßerbreiter ber neuen fie^re fo fc^onungölo^ geipelte; 

©ie man eö t)on jel^er an ben bebeutenbften ^umoriften 
n?a^rgenommen ; njar aucb in Salbe f^ni^enbc ßaune unb 
büftere üJieknc^oüe unzertrennlich ge^)aart. 3)tel^rere feiner 
©efdnge finb „Melancholia" überfc^rieben unb toabrlic^, xotm 
man bebenft, n)ie mancf)erlei SBibrigfeiten auf feinen 1)06}- 
fftegenbeti @eift brürften, )o fann man i^m ben Slu^brudf 
feineä Unmut^eö, ber übrigens bon bem äBeltfc^merj ' ber 
beutigen 9Kobebid)ter leine gafer befaß, taum jum 3Sorn>urfe 
machen. ^\i erfter Üinic tctrften fc^on feine fötperlicben ^u- 
ftdnbe oft ftorenb unb beengeub auf fein reic^eä geiftigeä yebeu 
unb ^inberten i^n oielfacb , feineu 83eruf§arbeiten nac^ SBunfc^ 
gu obliegen. 2)arum bern)ünfcl)t er g. 33. ben Äatarr^, feinen 
§au:ptfeinb, fo „eingig fcl)6n" alö Sungenbo^rer unb Sldubec 
ber Stimme, ate Sluögeburt beä ^öttenl^uubeä. ^ 9tic|t 
feiten war eä auc^ bie ))olitifc^e iJage beö 9[5aterlanbeö , bie 
unfern Siebter in eine mut^lofe Stimmung oerfe^te, wofür 
wir fc^on früher ein 33eif^jiel angefül^rt. '^n folcben Slugen^ 
blitfen überfam i^n bie Seljnfuc^t, auä ben engen Sd^ranlen 
ber §eimat, „au§ bcm Äerfer ©crmanienö" fid^ l^inau^gu* 
fc^wingen, ben fidnbern beö Ofteng gu, um ber traurigen 



^ ^a^ bad paradoxum musicum l^au^tf Sd^licl^ gegen fiutl^er'9 
Äated^igmu^bed^er gertd^tet fei, »ie 3B. ÜKenjel angibt ($)cutfcl^ ^id^tund 
11. ©b. @. 244), ift unrichtig. 

' Lyr. 11. 35, 



— 239 — 

ffiirfÜc^feit für eine ^txt ju Dergeffcu. 5lber aud^ feine 
^)erf6nlid^en SSerljdltniffe lagen mand^mal Uxaxt, ba§ er ftd^ 
burc^ biefelben in einen :peinlict)en inneren 3^tef))alt gebrad^t 
unb in %oli^t beffen in bie tieffte Sliebergefcfilagen^eit t)erfe^t 
fül^lte. SLUr erwal^nen nur beö 9luftragg, bie ncueftc bat)e= 
rijci^e &t)(i)iä)tt gu jd^reiben, ein Slnftrag, ber mit feinen ba= 
maügen SBünfc^en unb ©eftrebungen gu fe^r im äBiberf^)ru(3^e 
ftanb, ate ba^ er fic^ nic^t barob l}dtte unglücfUd^ füllten 
müfftn. 3i>enn übrigeng bie moberne aKelancl)OÜe iljren Iroft 
barin fuc^t, mit @ott unb t>t\i 3Kenfd^en ju gerfattcn unb \i(S) 
groUcnb t)on i^ncn abgumenben, fo n)ar eg unferem £)ici^ter 
^ebürfni^, in f olc^en Stimmungen tjertrauen^tjoU fi(^ noc^ oben 
ju njenben, wo ber en)ige ^^riebe feinen SBol^nftt ^at. ®o 
fenbet er in öer tiefften Schwermütig, in bie i^n gen^ift fein 
2lmt alö ^iftoriogro^)^ tjerfe^te, ' feine SSerfe at§ ^ilger gum 
©nabenbitbe nad) \>Utötting, bamit fic i^rem ©dnger t)on ber 
feüflften Jungfrau 3Rutl) unb ©erul^igung erbitten möchten. * 
3lKein, ba§ ti?aren bod) immer Jjcrgdngüc^e 'JkUltoolttn, 
auä bencn ber blaue ^immcl bes Jrobfinnä bdlber lieber 
^ert>orlad^tc, alö es }emanb gebac^t ^dtte. ^Dleiftent^eilö l}iett 
fid^ bann ber ©idjter für bie ausgcftanbene Xrübfal in ergie« 
bigfter SCBeife fd^abloä. Seine Jaftnac^töfdjerge , joci satur- 
nalitii , bie er fc gerne jum ^i3eften gab , feine Suftfpiele im 
Stt)l beg ierentiuä unb ^^lautus, öie gwar nic^t auf unö 
famcn, aber öom J)ic^ter ertudljnt U)erben, liefern ^iefür ben 
33ctt)eig. ^ äJon tcn launigen (Einfallen unb unfc^ulbigen 
Strcici^en, an benen nad) allen ^Jtac^ric^ten baö fieben Salbe*§ 
fo reid^ tt)ar, finb n)o^l bie nieifteu fpurloö untergegangen. 
SDBa§ man fic^ nod) ergdl^lt, (unb bie iöeridjte fc^n)anfen im 
eingclncn fe^r bebcutenb), ertvedt in unö ben äSerbai^t, ba^ 



* (gg n)ar im Sa^rc 1642. 
» Partheniu (Silv, IL) 1. 

3 Lyr. 1. 33. ^icl^cr gehört aud^ ba8 ©ummarUim feiner (Somöbie 
Jocus serius" bag im SDrud eriftirt. ^^l ©. 38 unb ©etlage VII. 



— 240 — 

nid^t eben feine getftoollften ©(Serje im ©ebdc^tniffe ber ^tW- 
fjenoffen ^ften geblieben, fonbem ba^, mie in ber bürgen 
lid^en 3Selt bcS ,,5^u[t'' gerabc bei wenig 2Bi^ ftd& ml Se= 
^agen eingefunbcn. 

9luö Nienburg g. 35. wirb folgenbe 2lnecbote bcricbtet:* 
2ln baS bortige (JoUeginm l^attc ein naiver 6^ut§befi^er, 
3GBaIter mit ^Jiamen, aUjdl^rlirf) einen Od^fen gu liefern. 91K 
flc^ nun SBalter einft nacb einem SSefud^ im goltegium t)er= 
abfc^iebete unb im begriffe ftanb, ficb auf§ ^^Jferb gu fd^wiu- 
gen, t)crf^)rac^ er in feiner guten fiaune einen gweiten Oii)fen, 
wenn 83albe, ber gugegeu war, einen lateinifd^en JHeim auö 
bem (Stegreife auf il^n mac^e. 3)iefet bcfaun fic^ nicfet lange 
fonbem l^atte auf ber Stelle ben 9teimt)er^: 

Ascendat Walter, veniat bos unus et alter. 

JBi^iger, aber frcilidö tjiel ferfer ift eine anbere 2lntwort, 
bie er einft bem Slector in 2>tünc^en gegeben ^aben foH. 3)a 
er atö *ü)Zagifter burc^ feine iS^)dfec ben P. 3)Hnifter beleibigt 
l^attc, mu^tc er auf bem iöobcn fi^enb feine ©u^)^)e effeu. 
3ll§ er fiel) in feinem 5lnge|icl)te giemlicb tieffinnig geigte, 
fragte if|n*ber P. Stector, waä er fid^ benn zbtn benfe. 5)ie 
5lntwort war: ^^ beute je^t über bie Söorte beg (Jtjangc^ 
Itumä nad^: Volo pater, ut, ubi ego sum, ibi sit et mi- 
nister mens ! * 

©in eigent^ümlicl)cr ©infall ä^albe^ä war eä aud^, einem 
Älofterbruber bc^ 5)tac^tö alä @eift gu erfcbeinen. ®oc^ 
möchten wir l^ier gum befferen 33crftdnbni^ einige ^emerf= 
ungen t)oraugfd^idfen über bie befonberc Stellung, bie 35albe 
ben t)aterldnbifcf)en (^etrdnfen, bem SSiere unb bem aBeine ge^ 
genüber einnaljm. ^a er, wie fc^on erwdl^nt, nur dufeerft 
wenig ©^)eifc gu fic^ nalim, fo burfte unb wollte er, um fid^ 



^ eieg ca, ©albc'g ßcben unb ©d^riftcn, ein ^rogr. 3lmb. 1842 6. 17. 
2 %u^ bem genealog. fiericon bcg (Janonifu« ©trollet, mitget^eilt 
ton ^. ©tabt^f arter Q3ö^aim6. 



— 241 — 

bei bcn nötl^lgcn Ärdftcn ju erl^altcn, fid) in SBcgug auf bcn 
Jrunl xtftiiji einige greil^eit vergönnen. 2luä bem trauten^ 
rcid^en (5lfa| gebürtig, liebte er ben SBein natürlid^ öor aüem ; 
unter ben l^eimatl^lid^en ©orten l^ebt er in einer Obe ben 
SUangtcein (vinea Rangensis), ber auf bem SRangenberg bei 
Il^ann tcdd^ft, befonber§ l^ertjor. 2lu(j^ ben Siebenfaft, ben 
fein greunb See U)m \)orfc^te/ t)ermut]^li(i^ Sirolergenjdd^ä, 
^)robte er unter ben ft^mei(f)ell^afteften Sobf^jruc^en. 

dagegen tuar er mit untjerfSl^nlid^em ®rauen erfüllt 
gegen jene ©duerlinge, bic man an einzelnen Orten bem 
toiberftrebenben 33oben mit ftraf barem gret)el abgenjinnt, gu= 
mal gegen bie nieberbat)erifd^en unb oberen ©onautoeine, ge= 
gen bcn Sanbäl^uter, Äell&eimer unb ^erlinger (?) S^ectar.* 2lte 
er in erfterer ©tabt einmal am ®(f)lo|berg tjorüberful^r , an 
bem fic^ SBeingeldnbe l^ingogen, rief er njo^l in l^ber @rin= 
ncrung an gemad^te SSerfuc^e auö: 

Mona, ubi nativum vites lacrymantur acetum. 
SDag iji ber 93erg, »o bcr SRcbflod »eint urf^)rün<jlicl^cn (Sfftg. 

35aä S3ier mod^te ©albe, toie bie meiften SSBeinldnber, 
nic^t fonberlid^ leiben ; er fc^mdl^te in feinen jiungen ^al^ren fogar 
bitter über biefeg ©ebrdu, inbem er bem berül^mten 3Beinlobe be3 
§orag (Od. III. 21.) in gelungener 2:rat)eftie eine 9Sern)ünfc^= 
ung beä bat)erifd)en 33iereä gegenüberfteüte^. S^beffen voox 
eö mit biefer gcinbfd^aft nid^t f o emft gemeint, ©uter SBein njar 
in a3at)em gur bamaligen ÄTieggjeit nid^t eben nac^ Söunfd^ gu 
^aben, unb el^e er fid^ gu bem oben erwdl^nten fauren bequemte, 
trani er bod^ lieber einen §um^)en gebiegenen ©erftenf afteä. ^a, ^ 
tt)ir tonnen urfunblid^ ben)cifen, ba^ er in ni^t gar langer 
3eit für einen frifd^en 5Erunf SRünd^ener Siereg lebl^aft ein* 
genommen toar ; benn fein ®ef ang Melancholia * (gef d^rieben 
gu aWün^en um'g 3a^r 1642) fc^lie^t mit bem Sluärufe: 

» Lyr. I. 11. 

* nectar Herlaeum Opp. oo. Tom. IV. p, 333. 487. 
3 Lyr. I. 12. 

♦ Silv, lyr. V. 21, 

SBe^etma))er, 3aco(itf Salbe. 16 



- 242 - 

S)o(^, je^t fui^le t(^ ^urjl Ihebeii)* mir im ®lai^ bie gebraute 
®|)enbe, o ©c^cnf, ber »ädrigen (5ere«, 
Slonb Den S^rbe unb falt unb gifc^enb mit fol(^em (Sktbfe, 
^ag i^r €(^um gu ben Sternen §inanf))ru^M 

S)cr JRcctor bcä goHcgiumg, glcic^mcl ob gu SJHinc^cn 
ober gu Sicuburg, ^attc bcm ®i§^)Ctt)ator bcfoi^lcn, iftm tdgüc^ 
nur bic bcftimmtc Portion 33iercä gu verabreichen. S)ieä ge= 
nügtc bcm 5)ic^ter nid}!. ®r befeftigtc fic^ ein aOBac^älergci^cn 
am 9lacfen, fd^lic^ fic^ in ber 3Jiitternac^tä)tunbc in baä 
3iuimer beä ®iö^)en)atorö unb werfte in <Bt ^gnatiuä' vStett- 
ung unb Äoftüm mit aufgererftem 3^i9^f^^9^ ^^^ lautfc^nar- 
c^enben 33ruber. ©rfc^rorfen ertoad^t biefcr, fielet ben l^iligcn 
SSatcr im ©tral^Ientrange tjor feinem 33ette unb cm^)f5ngt 
gitternb ben ©efe^l, ben P. 33albe an ©icr ^infüro leinen 
SWangel mel^r leiben gu kffen. SSatbe gog [ic^ rürftodrtä 
f d^reitenb auä bem ^i^wier, unb von nun an füllte fid^ feine 
Äanne, fo oft er woüte, mit frifd^em Sabetrunf . * * 

5Jioci^ tt)drc ein tleineä ©ebiet gu berül^ren, auf bem ftc^ 
bie Saune unfercg 2)id^terä gang originell entfalten fonnte 
— bie 9llbumblätter. ®en)i§ böte eä feinen geringen 9lcij, 
bfirfte man bie gal^lreid^en \>on ©albe gefd^riebenen ©rinncr- 
ungäbldttd^en ber ^fleil^e nad^ burd^muftern. 3BBir finb fo 
glürflid^, njenigftenö eineg berfelben gu befi^cn, bdä in ben 
wenigen äißorten, bie eä entl^dlt, einen artigen 5Do^)^)elfinn 
auäbrurft : 

Atramentum, pulvis et umbra sumus. 

Hoc considera 

cum 

J. Bälde S. J. 

eigentlich unüberfe^bar. äöörtlic^ ]^ei|t e§: „Sintc, 
©treufanb unb ©chatten finb toir. S)aö bebergige mit 



* Sßirb Derfd^ieben erjä^It. §ier nac^ Smtt^cilungen M ^, <Stabts 
Pfarrer^- 93 bl^aimb. 




— 243 — 

3- S3albc." Pulvis l^at ndmlid^ bic gtocifad^c SBcbeutung öon 
©taub uttb ©treufanb. 2)aä l^at ben ®i(^tcr belogen, ju 
bcm .crnften l^orajlfcl^en 2)cnlf^)ruci^c : „pulvis et umbra 
sumus'^ baS lomifd^e atramentum l^ingugufügen. 

SJiat^bcm W)ir fo bcn §umor bcg SDid^tcrä nac^ bcn ijcr= 
fc^icbcnftcn ©citcu bitt Icnncn gelernt l^aben, muffen xoix 
ttoc^ über feine Äör^)erüc^Ieit einige SBemerfungcn anreil^n. 
Salbe »ar grofe unb fd^lanf. $)arum beftettte er fid^ f^on 
bei ^tittn für feine ©ruft einen langen aber un^jolirten ©arg 
auä (Sfd^enl^olg.* (Sine feltene, faft brennenbe 2)ürre, bur^ 
ein d^ronifc^eö 33ruftlciben unb anbere fc^tt)ere Ärantl^eiten 
l^erbeigeffil^rt, machte il^n unter allen 9Kenfd^cnRnbern Iennt= 
lic^. SDabei fc^äfete er fid^ glütflid), fo toenig mel^r ber(Srbe 
anjugel^oren, ba^ er bereite wie ein erlöfter Sid^tleim aug 
ber 9Ratcrie in ben 2letf|er em^)orblifee.* Sie 3KagerIeit 
nannte er bie ©d^t^efter ©aleng, bie merte ber ©ragien, unb 
öerl^errlidjte fie, xtxx^ ii)x biö bal^in taum tjon einem ©dnger 
begegnet »ar, in mel^r alg einer feurigen Obe. 33on fid^ 
felbft fagt er bei biefem 2lnlaffe fel^r bejeid^nenb : 

®ang tt)ic aug ^om gefügt, 
Unb fafi burd^Ieud^tenb fd^on genieß* i^ 
2ange t>oxaui ber ©cgtab'ncn SDiiober.' 

2)er tjerbicntc ^rofeffor 6leäta ju 9^euburg fd^ilbert ung 
baä Sleufeere beg J)i(j^terg f olgenberma|en : „Saä Original 
bilb, tx)el(j^eä tx)ir ballier tjon i^m befifeen, jeigt Idnglid^e 
Äo^)f bilbung , eine l^ol^e unb breite ©tim, eine lange, etn)aä 
na(j^ ber Oberltp^^e gebogene 9^afe, einen etn)ag gro|en, öor- 
ftel^cnben 3Kunb unb f^)i^eä Äinn. 2)aä 2luge, etn)ag nad^ 
oben gefd^li^t, ift braun, njie baä §au^)t= unb S3artbaar. 



» Silv, Lyr. VH, 17, 

2 Totus Spiritus emico. Lyr in. 9. 

» Lyn I, 34. 

16* 



— 244 — 

5lu8 bem ganjcn S3ilbe aber bfictt jene ©anftmutl^, xoAijt 
bcn 3Wann im Scbcn auögeid^ncte unb in bcn 9Jhinbtt)infcln 
foTDic in bcm nac^ oben gegogencn 2lngc gncft jener l^ettcre 
SBBife, tDomit er feine ©d^riften toit bie ®ef eHfd^aft gn- tofirjen 
t)er[tanb. 2)ie gro^e Stirn tjerrdtl^ ®ei[t unb baö gett)i| 
fonft lebenätjoHe 9luge erfc^eint nur burc^ Äranfl^eit ctoaä 
getrübt. 2ttfo erjc^cinen beg 5)ici^terä leibliche ^uq^ in bem 
genannten Silbe."* 



* «. a. 0. ©. 9. 



xvm. ttoi^^m. 

e§ bürftc nicl^t ol^ne 3Jntercffc fein, in S^ad^ftdjcnbcm 
Püd^tig bag aSBefcntUt^cre gu übcrblidfcn, njaö im Saufe jtucicr 
3al^tl^unbertc \)on aRdnnern bcr tjcrfd^icbcnften Äreifc gefd^al^, 
um ba§ 2lnbcntcn bcä ©id^tcrä S3albc ju crl^alten unb gu 
Clären. ®en crftcn ^la^ ncl^mcn l^ier bic Sftatl^äl^crrn bcr 
freien SRcic^äftabt 5Riirnberg ein, bie unfern 35id^ter um f o l^öl^er 
fd^d^ten, alä fie tjon feiner J)urc!^reife i. 3- 165* ^^ ntit il^m 
^jerfonlid^ befannt tt)aren. ®ie erbaten fid^, tuie eg fc^eint in 
corpore tjom SoUegium gu Sleuburg feine J^ber unb looften 
bicfelbc, ba fie fl^ über beren S3efi^ nid^t anberä einigen 
lonnten, ,unter fi^ au§. S5er ©IfictUci^e, bem fie gufiel, be^ 
»alerte fie gum bicibenben ®ebd(f)tni| in einer fllbernen Äa^)fel. * 

ein d^ntic^eg SScrl ber petdt erfüllte, freili^ erft f^)dt, 
baä ßoüegium gu SRünd^en an S3albe^ä l^anbf d^riftlic^em * 
5Rad^Ia|. SDer bortige SBibliotl^efar, ^. grangiäcuö Sang, 
ein naml^after ©c^riftftetter feiner ^dt, verfertigte eigenl^dnbig 
einen fc^önen, l^Slgemen ©darein, um beffen gal^Irei^e 2)?attU5 
fcripte barin gu bergen unb brad^te einen ©d^itb barüber an, 
auf bem in großen SBuc^ftaben gu lefen tuar: 

M. Scripta P. Jacobi Bälde. 

Alsatico Vati, quando haec mortalia b'quit, 
Structuras tumulmn, si licuisset, eram. 



^ Bayle« dictiomiaire historique, critique. Art Bälde. 



— 246 — 

Reliquiis saltem, tanti post fata Poetae, 
Quam strozi, thalamom lignea cista dabit 

F. L. BibKothecarius 1724. 

ff 

35icfc §anbfc^riftcn, bcfonbcrö bic bcr It^rifd^cn ©cbid^te, 
toarcn, t)on il^rcr SBcbcutung im 5lllgcmcinctt abgcfcl^cn, noc^ 
baburt^ mcrfroürbig, ba§ jtc fo mit ßorrccturcn t)on ber 
eigenen §anb be§ ©id^tcrä aufliefen, ber nic^t feiten ein 
britteg unb t)iertcg aSBort einfette, bis baS rechte gefnnben 
noax. Selber n)urbe bei ber 2lufl^ebung beg ^^f^^t^^colIegiumS 
juTOfinc^en ber gange loftbare ®d^a^ fo gdnglic^ t)erfci^Ieubcrt, 
ba^ bie Staatöbibliotl^el f^)dter]^in öon ^riöoten eingeinc 
©tücfe gurütferlaufcn mu^te, ol^ne inbe^ bie Urfc^rift ber 
8i)rica, ber Expeditio Donawerdana unb dl^nlid^er ^aviüfU 
toerfe toiebererlangen gu lonnen. grangiäcuä ßang ftiftete 
unfercm Siebter auc^ baburc^ ein ©enfmal, . baß er einen 
Slugäburger 23ud)]&dnbfer (Sd^Iütter ober §cq)^)ac^) gur ^r= 
au^abe ber fdmmtüc^en ^erfe Salbe'ö ermunterte/ »el^eö 
Untemel^men ol^ne feine tl^atfrdftige Unterftü^ung t)on öom- 
l^erein nid^t auäfül^rbar gcnjefen todre. ^uvx grof en JRcuJ^- 
tl^eile begfelben ftarb Sang i. 3. 1725 ; benn iebenfallö »drc 
bie ertt)dl^ntc ©cfammtauggabe unb nid^t njeniger bie beigegebcuc 
a3iogra^)l^ic toeit correcter unb gefd^marf isolier aufgefallen, toenn 
er i^re aSerßffentlid^ung i. 3. 1729 noc^ erlebt l^tte. 

Ungefdl^r um biefe ^tit n)urbe aud^ an ber SDede be3 
SBibliot^If aaleg gu 2Rund^en baS too^lgetroffene SJruftbilb bcä 
rul^rntjoüen ©dngerä angebrad^t mit bergetoid^tigen^ufd^rift: 
„Jacobus Bälde, Poeseos lucidissimumjubar."* 95ott ba an 
fd^eint unfer 5Did^ter aümdl^lig öergeffen »orben gu fein. 



^ P. Fr. Lang, epistolae familiäres. Mon. 1725. Nr* 53. 

* Unfwc2 SGBiffcng cxiflircn ton Salbe nod^ jtocl anbete ?ßortr5tc 
in Ocl gemalt ©ineg baöon, mit einer lateinifd^en Snfd^rift beftfet ber 
l^ifiorifd^e 133erein 3U fianbiSl^ut, bad anbete bai» (St^iel^ungdinjtttut }u 
9leubutg. 



— 247 — 

Sei bcr bclanntcn ©rbarmlit^Iclt be3 3^^^^^^^^^^*^ ^^ SScgug 
auf vSitte, Äunft unb ©cfci^macf, bei bcr l^rrfc^cnbcn utt= 
bcutfd^cn ©efinnung unb ^otitif, unter bcm ©influ^c bcr 
licbcrüci^en frangöfifd^en ^offcftc fonnte ein fo ernfter pa= 
trtotifd^er ©cl^cr njic Salbe nur Idftig fein unb man lic^ 
il^n toie mit dngftüd^cr ©c^eu in feinem lateinifd;en ©rafcc 
fc^lummem. S^iemanb bat^te xoo^ mcl^r an eine 2lufcrtx>ctfung 
beäfelben, ba trat gegen (Snbc beg ^al^r^unbertä, i. 3. 1796 
^erbcr'ä ,,2cr^)ftcI)orc" an'ö Sici^t beä Sageg, .jene feinffil^ügc 
Slad^bilbung auggcwcil^Itcr ©id^tungen ©albeg, bie in il^rcr 
3lrt feit^er nic^t übertroffen n)arb. „ßö bleibt Berbern bcr 
SRul^m, jagt Gilbert Äna^)^) rid^tig,* i^n perft bcm beutfd^en 
aSolle nd^er gebrad^t, unb alä einen beutfd^en ©eniuö einiger:: 
ma^en auf bie il^m gebül^renbe Stufe beg JRul^meg gcffil^rt 
gul^aben. 3Kan fül^lt eg biefem gro|en, gcifttjoüen Sitcrator 
an, mit ttjcld^cr (Srgriffenl^cit, mit tueld^cm Sicbeäeifcr er biefen 
mcrftuürbigen @eift auö feiner lateinifcf)en SScr^ültung ^ttoox- 
jugicl^cn unb unf crem äJolf e genie|bar gu mad^en gefud^t l^at.'' 
©ein aSerf ud^ gelang ttjibcr (grtDarten ; bie gebilbetc SEBclt, 
aufs ^od^fte ubcrrafd^t baöon, in einem tjcrfc^ollencn 3efutten= 
bid^ter fo öiel ®eift unb ©cmüt)^, fo t)iel golbl^altigc ^oefie 
gu cntbedEen, nal^m bie gebotene ®abe mit rüdfl^altälofcr 
Sl^lnal^mc auf unb wenn aud^ einjclne Iritifc^c Stimmen 
(toie 3. 83. bie „5«eue »ibliot^el ber fd)6nen SGBiffen:: 
f^aften" »b. 56 ©. 28 ff.) in i^rem blinben 9Sorurt^cile 
fotocit gingen, Berbern auö feiner Bearbeitung ein äJerbred^en 
gu mad^en, fo njar bod^ bie gro^c ^Kel^rgal^l ber Äunftridtjtcr, 
barunter ein 2lug. SDBill^. ©d^legcl,' beö anerfennenben, frcu^ 
bigcn Sobeö tjoü. grcilic^ l^at §erbcr in bcr 2:cr^)fld^orc 
feinem ^^it^tter aud^ gro|e ^iifl^Pänbniffc gemad^t; er ttjagtc 
cg im crftcn 33anbe nod^ nid^t, bcn Slamcn Salbe gu ncnnett, 



* e^riftoter^c, 184a @. 342. 

* 3n ber Senacr ßitcraturjettung, 1797. 



— 248 — 

unb ate er tl^n cnblid^ mit aller SSorfid^t bod^ nannte, bat 
er ob ber Cinfül^rung eineä S^fuiten in bic mobeme ©efcU^ 
fc^aft förmlich um ©ntjci^ulbigung. 2luc^ ift ber SSortöurf 
nic^t unbegrünbet, eö feien in feiner (Sammlung ^bie fd^onften 
©lutl^en, worin bie Siebe jur Otetigion, gum beutfc^en aSoter^ 
lanbe, gum Äaiferl^aufe unb ben mit biefem t)erbunbenen 
dürften unb gelben in ben glül^enbften garben fld^ abf^)iegelt, 
l^rauägebrod^en unb eä werbe fo bem Sefer nur ein mattet 
S9ilb beö grofejn 5)ic^ter3 t)orge]^aIten." Mein trofe ber 
TDiHIül^rlic^en ^rt, mit ber ^rber mit feinem Original m- 
ful^r, tro^ all' ber aSerfürgungen unb ©rroeiterungen , bie er 
flc^ erlaubte, l^atte er bod^ bem 2lnfe]^en unb bem aSerftdnb- 
nife unfcreä ©dngerö erft wieber bie SSal^n gebrochen unb 
il^m burd^ feine liebetjoHen eingel^enben ©tubien, bie er „^t- 
nota^)l^ium be§ J)id^terä ^acob aSalbe" überfd^rieb, in SBaftr^ 
l^eit guerft ein ©rabmal errid^tet, baä eineg fold^en ©eniuä 
würbig war. 

5yiun, ate bie eiserne ©d^ranle gefatten, bie ben 3Kann 
er ©efeUfd^aft ^efu t)on ber aufgef lärten 9leugeit gu trennen 
fct)ien, begannen aud^ anbere ©elefirte bic 35id^tungen a3albc*ö 
ndl^er gu würbigen. 3*^^^^^ ßonrab Oretti, reformirter 
©tabt^)farrer gu ^M(i), beforgte i. 3. 1805 bie erfte mit 
»loten öerfel^ene 2lu§gabe unfereä 2)id^ter§, b. 1^. feiner car- 
mina selecta, unb ' lie^ bamit einen (SinbUdE tl^un nidbt 
bloä in bie ©d^onl^eit beä Urtejrteä, ber giemlid^ feiten gc^ 
worben war, fonbem auc^ in Salbe'ö ausgebreitetes SCBiffen 
unb inSbefonbere in feine aSertrautl^eit mit ben claffifd^en 
Slutoren, bie gar oft in ©rftaunen fefet. 2luf biefe SSorar* 
beiten geftü^t l^aben enblid^ auc^ batjerifd^e ^l^itologen eine 
Ueberfe^ung beä SDic^terä tjerfud^t, bod^ teiber mit geringem 
©rfolge; Sol^ann ^(Oft Sleubig, nid^t ol^ne aSerbienft um bie 
a3iogra^)l^ie unfereä 3Jianne§, l^at unS benfelben bei atter SSe« 
geifterung etwaä raul^ unb fd^werfdUig, S^f • Sligner ju dngftßd^ 
unb gu profaifd^ gegeben* 



- 249 — 

5)oc^ mittlerttjcilc toccttn, burc^ ©ra^cggcrä ©timmc gc^^ 
mal^nt, bie SBürgcr bcr ©tabt Nienburg fld^ bctuu^t gctDorbcti, 
tDcId^^ cincg gTo|cn S)icl)tcrö irbifd^c Uebcrrcftc fic fc^on ein 
gttjcttcg 3^^^^^^^^^* i^ ^¥^^ 3Klttc bcttjal^rtcn. 2ltefcalb cr= 
ging ein Slufruf an bie @inn)ol^ncrft^aft , cä mod^tcn gur 
©rrici^tung cincä J)enfmalä Scitrdge gejcid^nct »erben, unb 
nad^ ttjenigen 9Jionaten tuarb ber niebcrgefe^te 2luöfc^n§ ie= 
reitä in ben Stanb gefegt, gnr 2lnäfü]^mng beg 3Ronumentcö 
ju [(^reiten. (53 foütc einfach fein, ol^nc ^^rnnl njie 23albe 
felbft ein geinb atteö ^^Jrunteä njar — eine fd^njarje 3Jiar- 
mortafel^in grauen 9Jiarmor gefaxt, gefrönt mit einer gel- 
bencn t)on einem ßorbeerfranje nmtounbenen S^ra, folgcnbe 
Snfd^rift entl^aüenb: 

Hier ruhet 
der Dichter und Jesuit 

Jacob Bälde, 
geboren zu Ensisheim 

im Jahre 1603, 

gestorben zu Neuburg 

am 9. August 1668. 



Von seinen Verehrern errichtet 
im Jahre 1828. 

®iefe ©ebenitafel n)nrbe in ber Jpoffird^e nngefdl^r in 
ber 3)Htte beö Unten ©eitenfd^ip in bie 3Jiancr eingeladen 
unb am 9. Sluguft 1828 in ©egentoart ber ^erjogin 2lmalie 
öon ^xodixuätn t)or einer erlefenen 33erfammlung feierttc!^ 
entl^üHt. * Ueber bem ©enfmale ^jrangte ein Sd^ilb mit 
bcm (Sl^ronoftid^on: 

JaCobo BaLDe 
BaVarlae ALCaeo 
NeobVrgVM 
ple VoVet. 



^ SDf^esgein a. O. @. IL ff. 



— 250 — 

5)cr gefeierte Sftcltor bcä ©^mnaftumä, Sittton SWcttgein, 
verbreitete jtc^ itt gebtegener 9lebe*, auf bie n)ir uttS fd^on 
mel^rmalä fccrufett, über beS ©ic^terS Sebett uttb ©c^riften, 
n)orauf brei ©d^uler ber Slnftalt je eine Obc beffelbcn ttac^ 
§erber'3 Ueberfe^ung öortrugcu. 

aSott beut Ucberfci^u^e ber emgegangettett beitrage tuurbc 
cittc Stiftung begrunbet, tjermöge totl^tx jal^rttd) ein ©d^ülcr, 
ber fld^ befonberä im ^a(&t ber 5)icl^tlunft ^ert)orgetl^an, mit 
einem greife in ©olb fottte auögejeicl)net irerben. S3od^ 
entf d^ieb man fid^ f^)dter bal^in, für biefen 3w>erf eine ayiebatHe 
in ©Über gu ert^eilen, ndmlid^ jene, tueld^c jur eutt)d]^ntctt 
ijeftfeier ber ^ofgratjeur 5Jleu^ in 9lugäburg gefertigt l^attc.^ 
Sl^r %m^ enthalt „Jacobus — Bälde, S. J." unb geigt 
fein Sruftbilb mit furgem Sart unb im geiftlic^en 3Jiantct 
Ileibe. 5)er Sictjerä tragt in einem iJorbeerfrange 6 ^dltn: 
Natus Ensishemii MDCIII obiit Neoburgi V. d. a. Jd. 
Aug. MDCLXVm. — eine anbere §ulbigung feltener 2lrt, 
nur gu fel^r übertönt i?on bcm ©raufen ber 3citftromung, 
ttjurbe aSalbe gu Xl^eil im 3i^^^Ö^^9^ 1848 ber ^)roteftan= 
tifi^en „6^riftoter^)e". ^I^r Herausgeber, 2llb. Äna))^), ber 
fc^on bag 3al^r gutjor mit einer l^errlic^en Ueberfe^ung gtDeier 
balbefd^en Oben l^ertjorgetreten tuar, lieferte ^ier eine gel^alt^ 
öoHe ttjarm begeifterte S3iogra))]^ie unfereä J)id^terg, bic 
freilid) fteßennjeife l^od^ ))roteftantifd^ gefärbt ift. 21B ttjitt- 
lommene beigäbe Id^t er 28 auögenjdl^lte Oben, t^eilä t)on 
i^m felbft, t^eite i)on 3. 3. 6. ©onner unb Dr. eb. 
(&tjt^ i)erbeutfcl^t, baran fi(^ auf (j§lie|en , wafire ^rad^tftütfe 
t)on Ueberfe^ung, bie bigl^er nur gu wenig belannt ttjaren. 

Slber bie l)6d)fte ber Sluägeid^nungen tt>ax bem ©dnger 
ber 53at)ern tjorbe^aüen gu 3Ründ^en — bem §au))tfd^au))lafee 



* 9Jiengcin unb D^cubig lote ®raf cggcr Bcnü^tcn bie feitl^cr »er; 
loten gegangene Historia domus Neoburgensis (S» J.) ab anno 1613—1773. 

• Oberfcaijrifd^e« Sltd^io XIL 2. mit SlbbUbung. 



— 251 — 

feines aSBlrtenä. 2lm 15. Oüobcr 1853 eröffnete Äönig 
fiubttjig I. bie t)on tl^m erbaute dtui)xixtSi)<xUt, bie im fuW^n 
©Ratten il^rer marmornen @dulen bie Süften ber um a5at)em 
t)crbicnteften aJidnner ber S^ad^njelt aufbetual^rt. 9lud^ SaÜ)e*d 
Süfte XDxntt ung bort entgegen. 5)er d^ronologifd^en golgc 
nad^ bie einunböiergigfte flimmert fie neben bcm SSruftbilbe 
^oac^irn ©anbrartö, fcineä tangjdl^rigen greunbeö, t)on ©c^ön= 
laub mobeHirt unb auägefül^rt i. 3- 1844. ©od^ fd^eint ber 
SBilbl^auer, mit ben beften ber oorfianbenen ^ortrdte öietteid^t 
uttbcf annt , in augfcj^Ue^Iic^ nad^ nad^ bem Silbniffe im S3ib= 
üotl^elfaale ber je^igen 3lcabemie, too ber greifenbe $)ic^ter 
bereits bie @))uren ber ©c^toinbfuc^t trdgt, gearbeitet gu l^aben. 
aSiel jugenblid^er, toenn aud) nid^t fo getreu, l^at il^n 
Äaulbac^ aufgefaßt in feinem Sarton gu bem großen 9lefor= 
mationSbilbe t), 3. 1863, baS eine SSanb beS 3Jhifeumg gu Serlin 
fd^mücfen foü. aSalbe erfcf)eint l&ier unter ber ®ru))))e ber 
^umaniften, ber $Reuerer auf bem gelbe ber fd^onen 9Biffen= 
fd^aften, gundd^ft bei Petrarca, 93it>eS unb pco be ^ranbola. 
S5a§ 33irett auf bem §au))te unb mit ber ©utane befleibet, 
neigt er fid) tjom du^erften 9{anbe, njie mit l^aftiger ©el^nfud^t, 
in'S a3ilb l^erein, um ^)rufenb bie St)ra angufd^lagen , bie ein 
liegenber 2reufentorfo im 2lrme l^dlt. Unb fiel^', eS Hingen 
il&m il^re ©aiten; baS ben^eift unä baS offene SBlatt, baS er 
in feiner Sinfen geigt unb toorauf bie ®cf)lu^ftro))]^e ber 22. 
Obc beS I. Sud^eä ber St)rica fielet: 

Incerta certis, atraque candidis 
Conferre solers; praeteriti memor, 
Euntis actor et futurum 

Praeripuisse dolosus aevum. 

Äü^n toägt ber ®elfl ab (Std^'rcg unb ©d^toanfcnbe«, 
Unb fiid^t unb $)unfcl; bcnft ber SBcrgangenl^cit, 
SBoKfül^rt bie ©egentoart unb greifef 

@|)ä^enb öoraug in bie fcrnjie äufunft 



- 252 — 

„(Sin SBcrä", fagt Söller, „ttjeld^cr gar trcffcnb ift für bcti 
ttjcltl^iftorifd^en ©inn, bcr unfer ©cmdlbc gru))^)irtc." * 

(Snbüc^ fel^u wir bcn 5)ic^tcr in faft lebensgroßer @c[talt 
auf einem ber l^iftorifc^en greäcogemdlbe , bie baä bai^- 
rifd^e Slationatmujeum gu SWünd^en fd^mucfcn. Salbe ift, 
toaS fic^ lünftlerifc^ meüeid^t nid^t gang rcd^tfertigcn Idfet, 
in beut 3Äomente aufgefaßt, tt)ie er l^ingelagert an einem 
»albumfdumten §ügel mit begeiftert aufttjdrtä blicfcnbem . 
9lntli^ feine Obe an aJiajc I. gu bid^ten beginnt; auf feiner 
3Äa)5^)e liegt ein 33Iatt, bag bie Ueberfd)rift unb bie Slnfang^- 
üerfe biefeä ©efangeä geigt, ^n buftiger ^eme tritt auä bem 
grünen SRal^men ber 33dume baä Äartuenbelgebirg mit ber 3^8- 
f^)i^ ]^ert)or. Unter bem reigenben S3ilbe, bag t)on 3lnbrca§ 
SSinUtx gemalt ift", fielet gu lefen: „2)er berül^mte S^fuit 
S3albe bid^tet feine treffttd^e Obe auf 3J?aj: I. im SBud^en- 
toalbe bei ©rofe^efietto^ 1641." 

* mtf). ö. Äaulbac^*^ äcltalter bcr gicfotmation. (SrI&utert üon 
grana fibl^er. (Stuttgart 1863. ©. 6. 



1626 — 1627. Juditha triumphatrix, Panegyricus S. Catha- 
rinae, Pudicitia yindicata. 
Opp. 00. Tom, in. p. 287—317. 

1627. Mors Tampierii, Mors Bucquoii, Encomium Tiilii, 
Pugna Pragensis. 

Opp. 00. Tom. III. p . 266—286. 

Epistola Friderici Electoris Palatini ad conjugem. 

Opp. 00. Tom V, p. 325—331. 

1628. Panegyricus equestris. 
tlu«ga(ett: '^^ 

Panegyricus equestris, Ulustrissimo Comiti . . . Othoni Henrico 

Fuggero, Equiti Aurei Velleris^etcj^er manus dilectissimorum filiorum 

Bonaventurae et Sebastiani oblatus et consecratus. Monachii, ap. 

Comelium Leysserium Electoralem Typographum. 1628. 4. 62. pp. 

3Rxt Stitclfupfct Don 3flap]^. ©abcicr jr. — Aug. Vind. 1629. 

1628. Batrachomyomachia. 

( Batrachomyomachia Homeri, tuba Romana cantata a Jac. Bälde 
Soc. Jesu. Ingolstadii. Formis typographicis Gregorii Haenlini. 
1637. 12. mit Sitclfu^fcr Don 2BoIfV Mian. 

* Editio secunda Monachii 1647. ap. Lucam Straub, snmptibus Joa. 
Wagneri. 12. @6cnfo. 

Pamassus Soc. Jesu, Francofurti 1645. 4. Pars U. p. 278. 
3ac. ©albe'g Äricg bcr gröfd^e unb SDfi&ufc. (Sin ©orUjicl M SOjSi^r, 
Äricgcg. 5lu2 bcm fiatein, überfcfet ton Tl. 3. SBcrc^cm. (SRit bcm 
Urtert.) Tlün^tx 1859 gr. 8. 

1630, Francisco Andreae, Comiti de Tilly, ingentis genii inianti, 
novo in cunis Herculi, filiolo illustrissimorum parentumietc. geniale ac 

1 (SingeUie fteinerc ®eti(|fte fin» ^ter niifft enod^nt 



— 254 — 

praesagum carmen accinuit Ck)llegium Ingolstadiense S. J. anno 
exeunte 1630. Formis Gregorii Haenlini. 4. 

1631. Maximilianus I. Austriacus. 

^ logolstadii 1631. typis Gregorii Haenlini (sine nomine authoris) 8. 

^ Monachii 1639 cum auctario. 

% Maximilianus I. Austriacus redivivus, olim a. R. P. Jac. Bälde con- 

scriptus, nunc iterum ... in lucem protxactus studio et opera 
A. R. D. Hieronymi Ambrosy Langenmantel, Canonici ad S. Mau- 
ritium etc. Typis Eoppmayerianis. Aug. Vind. 1679. 8. 

' 1632. Magni Tillii parentaliä. 

Magnus Tillius redivivus, sive M. Tilli Parentaliä. Monachii, Typis 
Seb. Rauch. Anno 1678. 4. 266 pp. (s. nom. auth.) TOt Xiteßu<)fer 
ö. ÜJl. ÄüfcII unb 3;iII^'2 Portrait öon 5lmling. ©cigegcbcn ftnb tier 
©riefe ^opji Urban*2 VIII. an liK^, au« ben Sauren 1625—1631. 

' 1635. Epithalamion, quod serenissimis coojugibus Maximiliano, 
Bojariae Duci ... et Marlae Aunae Austiiacae .... debiti honoris et 
observantiae ergo accinuit Collegium Monacense S. J. Anno 1635. 
Formis Comelii Leysserii 4. 

• 16 36. De vanitate mundi. 

V]t9gft(eti: 

• Hecatombe, seu odc nova de vanitate mundi. Ceutum strophis 
latinis totidemque germanicis absoluta. Monachii 1636. 24. Apud 
Nicolaum Hcnricum. 

• J. Bälde, S. J. Ode saecularis de vanitate mundi. Monachii 1638. 
formis Corn. Leysserii 24. ed. quarta. Wt geßod^enem StteL 

(1638.) Poema de vanitate mundi (|)arapl^ra|ttt.) 

Jacobi Bälde, e Soc. J. Poema de vanitate mundi. Monachii, for- 
mis Corn. Leysserii , Electoralis Thypographi. Anno 1638. l'ü. 
Ttit 7 feinen Äupfern öon Sßolfg. Mian. 

Idem opus. Monachii typis Lucae Straubii. Anno 1649. Sum- 
tibus Joann. Wagneri, bibliop. Editio altera. 12, aJlit 2 Äupfern 
t)on Sßolfg. Äilian. Unter ben glguten beg Xitelfupfet« beg $)i(^ter8 
Portrait. 

SGßarl^cit, gefungen ton ber (Sitelfeit ber Sßßclt. Slnfängrid^ in 
latein befc^riben ton 3<^cob ©albe, ber Soc. Jesu, ^emad^ )»om 



— 255 — 

' 5luctor felb3 in baä jleutfd^ öerfe^t. S^t«"^ ^wff «i« netoe^ abfon- 

berüd^ ©ebrudt gu Slmbcrg be^ ©eorgen ^^augenl^ofct , int ^o!f)xt 

e^ripi 1653. («Thir ber beutfd^e StcxtO aRit 2Rclobie. 12. 
* K. P. Jac. Bälde poema de vanitate mundi. Herbipoli, sumptibus 

Joann. Bencard, bibliop. acad. anno 1659. 1*?. äJHt ^iteÜu^fer. 

SBom SBerlcgcr bcm aSBei^bifd^of öon 2Büraburg 3ol^. a^c^^ ©öttncr 

bcbicirt. 

« Francofurti, Kenck, 1659. Coloniae Ubiorum ap. Hermann Demen 
-1681. 12. Herbipoli, typ. Jobii Hertzii 1694. 12. Coloniae 1717 
*et 1747 ex officina Mettemichiana. 12. — Wlt^x freie IRat^bilbung 

aU Ueberfe^ung aug9ett)5^Iter ©tro^l^en bed $oem^ de vanitate 
« mundi J)at ^erber geliefert unter ber Slufft^rift : ^2)ie Sluinen. @i- 

biUinifc^e SBlätter öon 3- ^«Ibe." (Ster|)ftc^ore @. 283—303.) 

1636. Panegyricus Serenissimo et Potentissimo Ferdinando III. 
Bohemiae et Ungariae Regi in Ratisbonensibus Comitiis Regi Koma- 
norum Renuntiato et Coronato. In Solenni et Publica Orbis Laetitia 
oblatus demississime a Collegio Ratisbonensi S. J. Ingolstadü, 
typis Gregorii Haenlini. Anno Christi 1686. 4. (9 pp.) 

$)iefer ^paneg^rifu« bejie^t au3 bem Eingänge beg f^&teren Templum 
Honoris (Tom. VTH. p. 438) unb aug bem (gpilog begfelben (ibid. 
p. 484 Seile 10 ö. u. big gum ©d^lu^e). 

1637. Templum Honoris, a Romanis conditum, apertum virtute 
Ferdinandi IE. Hungariae et Bohemiae, et nunc Romanorum Regia 
coronati. Ingolstadii, ex typographeo Gregorii HaenlinL Anno 
Christi 1637. 4. (50 pp.) Um 1660 ju ©bin in IV. Sluflage. 

1637. Agathyrsus. 
Knigalicti : 

Ode, dicta Agathyrsus de solatio macilentorum. Monachii, typis 
Com. Leysserii 1638. 24. Wlit gejiod^enem Xitel. 19 unpag. m. 

(1647.) Jac. Bälde, S. J. Agathyrsus Xeutfc^. leutfd^er «ßoeten (S^ferig: 
»nb lujiigeg nad^finnen ober bag Xroflreid^e eieren fiicb, Slgatl^^rg, ge= 
nannt ©om ßob önb SGöolflanbt ber SDürr ober iUlageren ©efeUfc^afft. 
anfänglich fiateinifc^ bcfd^riben öon Jacobo Bälde, Soc. J. ©etrudft 
3u mm<^tn, öe^ fiucag @traub. 3n SBerlag 3oann. Söagner ©ud^- 
l^anbler. 3m 3a^r S^rifli, 1647. 12. 176 @. mit aJluftfnoten unb 
atnei Äu^fem öon SBolfg. 5hlian. (gntl^&lt ben lat. Xejrt mit öierfad^er 
beutfd^er ^paropl^rafe. 2)ie »eiteren angel^&ngten brei Umfd^teibungen 
flnb ton Soad^. üReid^el, 3ol^. ftuen unb P. Xl^om. Äbnig. (3n ber 
Äölner ©efammtauggabe t. 3. 1660, Tom. IV. pag. 300, 320, 336, 
finb jte namentlidj aufgefül^rt.) 



* ^ 



— .256 — 

1687. Jephte, tragoedia. 

Jephtias, tragoedia. Ambergae, typis Georgii Haugenhoferi. 1654. 8. 
SKit Xiteffu^fcr öon SBolfg. Äilian. SRebji aOflufthiotcn. 

1638. (gl^rcnprei^.ber SHIcrfecltgipen Sungffratocn önb üJluttcr 
©otteS Mariae: Sluff einer fd^led^ten ^ar^ffen jl^reg tjtitüürbigcn 
©ienerg gejlimbt, mh gefunc^en. 3" ^^^r S^rofl »nb toolgcfallen aßet 
Sodalium in önfer lieben JJrotpen SSrnberfd^afften. (Ol^ne Dflamen b. SSerf.) 

2Rüncl^en 1638. 12. 1640. 12. «Rac^etrudt gu äriünc^en bei 2ucag 
' @traub, in SBerlegung Sol^ann 2öagner, Sucl^l^anblern. 1647. 12. ÜJlit 
gejloc^nen aJiuftfnoten in Sllujhirung. 6 un^ag. 3311. 

Slmberg, bei ©eorgen ^augen^ofer. 3lnno 1654. 12. 3Rit 3JleIobie. 

Slbgebrucft in <p^. 2ß. Äbrner'g „äriarianifci^er ßieberfrana." 5lug§= 
bürg 1841. ©. 314. 

3n fe^r »erpümmelter gorm toiebergegeben im „beutfc^en SD^ufeum" 
3a]^rg. 1781 @. 3 unb öon ba übergegangen in ^beg Knaben SSunber= 
^orn,'' S3b. I. <B. 174. * 

Unfere« 2Biffcn3 ifl ber „Q^xtnpxd^" gtoeimal in'g Df^eu^oc^beutfc^e 
übertragen: in ©ilbert'g ©om l^eiliger @&nger @. 228, unb in 93albe'2 
Oben t>on % S^eubig IV. «Bbc^. @. 102. 

(1648.) Olympia sacra in stadio Mariano ludis Apollinaribus celebrata, 
siye certamen poeticum de laudibus B. M. V. super ode par- 
thenia Germanica Yulgo ($l^ren)}rei^ dicta. Monachii sumptibus 
Jo. Wagneri, typis Luc. Straubii. 1648. 12. (herausgegeben Don 
Simon SKair, b. ®. % unb nur jum fleinflen St^eile SBalbe'g Sßerf, 
ba öon il^m blog bie fünfte unb le^te $ara:|)l^rafe l^errü^rt.) 

1688—1642. Lyrica.2 
UnfgoBen: 

Jac, Bälde e Soc. J. Lyricorum lib. IV, epodon Hb. unus. Mo- 
nachii ap. heredes Corn. Leysserii, elect. typogr. anuo 1648. 12. 
mit Xitelfu^fer ö. SBoIfg. ÄiUan. 
©in bloßer SlbbrudC biefer Stuggabe Monachii 1645, 



1 ®oet^ed gurüd^altenbe« Urtl^etl übtt ben „SoSgefand auf iDlaria" in be< jtnaben 
Sßitnberl^om, «auA btefetn läft ft^ »tellet^t ein ®ef^tna<f abgetvinnen", barf tooU 
auf Sle^nung ber SßiUfü^v gef^tieben to erben, mit ber Kalbe'S ®ebi^t l^ier suge- 
fc^nitten erfd^eint 

% 9luS biefer Bett ftammt toenigftenS bie SDUl^rga^l ber Dben i einige berfelben 
ge^en auf 1637, 1634; 1632 unb 1630 }urä(f. 



— 257 — 

* Idem opus. Editio secunda auctior et emendatior. Coloniae 
Ubiorum, ap. Jodocum Kalkovium 1645. 12. A la Sphäre. 3)^tt 
Xltclfupfcr t)on 6. 85. ©alen. 93om ^5lner S^fuit^ncoCfcgium bem 
neuemannten eatbinal ?Petrug 5llo^fmg ^arafa bebiclrt. 

Amstelodami ap. Joann. ßlaevium 1645. 12. STltt ©ilberlettern. 
Coloniae 1706 et 1720 apud^. Mettemich. 12. 
^ J. Bälde S. J. Carmina lyrica. Recognovit, annotationibasque 
Ulustravit P. Benno Müller 0. S. B. Monachii 1844. 12. aRit bti 
5Did^ter8 «ilbnl^. 

» J. Bälde S. J. Carmina lyrica. Edidit Franciscus Hipler. Ex 
ofQcina Theissingiana. Monasterii 1856. 12. (83e{le ^u^gabe.) 
Canniiift seleeta: 
^ — — edidit et notis illustravit Joa. Conr. Orellius. Turici 

1805; editio altera auctior et emendatior Turici 1818. 

Literis Orellii Fusslini et soc. 8 maj. 
^ — — curavit Franciscus Rohn. 0. S. B. Viennae et Cre- 

misae typ. et sumpt. B. Ph. Bauer 1824. 8. 
' — — summa diligentia recognita. Pars I. et ü. Aug. Vind. 

libraria Kranzfelderiana. 1829. 8. 
— — recognovit et auctoris yitam scripsit Carolus Clesca. 

Neoburgi a. D. 1843. typ. et sumpt Griesmayerianis. 8.* 

tU(etfe|itii8eii : 

• Jer^jtd^ore öon 3. ®. ^erber. fiübed 1796. @ic enthält 112 Oben 
unb (S^poben in freier S^ac^bid^tung. 

• Bavaria's Musen in 3. % 93albe'g Oben, überfe^t i>on % 83. 9^eus 
big. ay^ünd^en 1828. 8. (gntl^altenb 43 Oben be« I. ©ud^eg. 

- S>erfdben ü. 83b. SRünd^en 1829. 8. SDie Oben beg gtceiten Jöuc^e«, 
fammt einem l^rifd^en Slnlbange. 

• % 3. 83albe'g Oben, metrifd^ überfe^t öon 3- ®- Sfleubig. HL 83b. 
Rtmpttn 1830. 8. üRit beg SDid^terg «PortraU. SDritteg Jöuc^ ber 

fi^rifa. 

• 3. S3albe'g Oben öon 3. iReubig. IV. S3bcl^. 2luerbac^ 1843. 8. 
(gnt^dtenb 43 Oben beg IV. 83ucl^eg unb 9 (g^joben. 

•^ 3. 83albe'g Oben unb ö^oben öon 3of . ^ligner. Iluggburg 183t 8» 
85e0reift 192 Drummern. 



1 a)ie sa^Uei^en «ntl^ologCen, »et<l&e oulgetoäl^lte Oben »alb«'« '.«maltm, tteiif» 
Iftcr ni^t genannt »erben, ©mäl^nt fei nur no<^ »ronj »on 9ß. Segnet*« ^vtamm-, 
Jac. Bälde, Indvt PtlMiedif. S)a« Cld^a^f^ieL 9^eu6uvfl 1848. 4. 

flBcftcTmat^ct, 3ac9M »atbe. 17 



— 258 - 

©albc, 3. 5Die aRarifnc^cfSngc aug ben Sudlern bcr Oben unb bem 
bcr ©poben. 3^ bcutfcfee :7leimftropl^cn überfe^t öon ©. 33. ©c^lüter. 
^abcrborn 1857. 8. 

©ilbcrt, 5Dom ^eiliger ©änger. 2öicn unb ^rag 1820. 8. ^nt: 
^&lt 9 übcrfe^tc Obcrt. 
- a^riflotcrpc Don Gilbert Änopp. Sal^rg. 1848. SBictet 27 Oben, 
überfc^t tom Herausgeber, üon 3- 3» Bonner unb Dr. ©b. ©^t^. 
5lu2 älterer 3fit fei noc^ angefül^rt: 

©pi^enberger, ^o\. Ueberfc^ungen aug latein. ^Dtd^tem. Straubing 
1776. 8. m pnben fic^ barin fünf Oben SBalbe'g tjerbcutfd^t. 

1641 — 1645 silvae lyricae. 

Kit^gaBcn : 
♦ Jac. Bälde, e Soc. J. silvarum libri VII. Monacbii ap. haeredes 
Com. Leyserii, elect. typogr. Anno 1643. 12. 9Ält 8 feinen Äu^fem 
Don aSBolfg. Äilian. 
(Sin ^bbrucf bai>on Monacbii 1645. 

Jac. Bälde, e Soc. J. silvae lyricae. Editio secunda auctior et 
emendatior. Coloniae übiorum, ap. Jodocum Kalkovium 1646.* 
3Kit 3:itelfu^fer. 12. mtun SBüc^er cntl^altenb. 
Amstelodami ap. Joa. Blaevium 1646. 12. SD^lit ©ilberbrucf.^ 
Coloniae Agripp. 1706 et 1720. ap. Franc, et W. Mettemich..l2. 

ttcSetfe^ttttgen : 

^erberg $:erpfici^ore. ©nti^&lt 45®efänge aug ben l^rifd^cn SBälbem. 

©ilbert in feinem „'S^om l^eiliger @5nger* überfe^tc baraud 10 
Stummem. 

Andreae Gryphii ^greuben- unb j£rauer=@^)iele, auc^ Oben unb 
@onnette\ ßeipgig 1663, enthalten ©. 497 ff. unter ben ^Äirc^i^ofg^ 
gebanfen* bie 7. Obe beg Vn. 33uc^eg ber SSB&lber in Sllcranbrinem 
überfe^t. Sluc^ Lyr. n. 39 unb m. 4. finben ftd^ bort im felben 
SBer^ma^e übertragen. 

3n ei^riftian ®n)^)]^iug ,,«Poetifc^en SGöälbem^, granffurtunb fiei^^jig 
1698 ©. 219 ff. fle^t ber ^^nmu« Süv. Vü. 18 in gereimten 5;ro-' 
c^äen ijerbeutfd^t. 

(3o]^. fiubto. gaber) Jesu be| ©efreu^igten ©tl^ö^ung unb 3ubag, 
(Seineg SBerrätl^erg 33erfc^mäl^ung unter SBeeben Flamen : $)afnig unb 



1 SSon btefer unb ber obenettoä^nten ^ulgabe gleid^en SSerlag« fagt ^und : 
Cei deux volnmes , dont les titres porteot la sphire elxerirlenne , ptralstent avolr M 
Imprlm«! par les Elzevieri. 

2 ^albe felbfl citirt ^na<fy ber Slmbüetbamiff^m Edition Aano 46." 



- 259 - 

Sbmon. Slug bcg ©inntcicl^cn S^fwitcn S^cob Salbe, ?Poetif(i^en 
Sßälbcrn cingcfül^tt, unb in unfere Ibblid^c SJiutterf^jrad^c übcrfc^et. 
9flümbcrg bei 2öoIf ^bcr^arb gcigecfem 1667. 12. 55 @. 

1645. Philomela. 

' Jacobi Bälde e Soc. J« Paraphrasis lyricain Philomelam D. Bonaven- 
turae, Doctoris Ecclesiae. Monachii ap. Sophiam, viduam Com. 
Leyserii. Sumpt. Joa. Wagneri. 1645. 12. Tili biet Äuipfern ijon 
Söolfg. Äilian. 

1te]^etfe$ititgeti : 

3« ^crbcrg 2;cr:|)ric^orc ftnb 9 Drummern aug ber ^l^ilomela über= 
tragen. ^ @ingelne2 finbet fid^ gerftreut bei Q,f)x. ©n^^jl^iug, ©ilbert, 
S^eubig u. a. 

il647. Drama iSreorgicum. 

Hn^goBcn: 
* Poesis Osca, seu Drama georgicum, in quo belli mala, pacis 

bona repraesentantur carmine anteiquo Atellano, Osco, Casco. In 
gratiam Cl. Memmii, comitis de Avaux. Auetore Jac. Bälde e 
Soc. Jesu. Monachii, formis Lucae Straubii 1647. 4. 82 pp. 

5(u^cr biefer Sluggabe ejcifiirt nod^ eine gtoeite, bie üon ber erjieren 
nur auf bem legten Statte @. 81 unb 82 ftd^ unterfd^eibet. 62 l^an^ 
belt jtci^ um brei ben rcgierenbcn ^a:pfl Snnojenj X. betrcffenbe ©tros 
^jl^en, bie, bereite in einer Slnjal^l üon ©rem^jlaren gebrudt, in ben 
f:|)&teren Slbgügen befeitigt »urben.* 



1 (Sint bat>on, bie ^a(^ti%aU, @. 35 (YIII. animae meditandi diluculam) in )»eT- 
dnbfrtem SSevSmafe. 



2 &it tauten: 



Qvls canat Christum Domini? canannn. 
nie Decretl bene proyldenUs 
Coellbas laerls, placldaeque yltae 

Imm ob 111 s Anctor, 
Rnpit annoaam valide catenam , 
Et Magistratiis Hediocrltatls 
Lege contraxlt: modlcosqae fasceis 

Jusslt haberl. 
Sic et Atlantes nlmia leravlt 
Hole ftbbosos: ipacloque certo 
Lane decUyes, allaa tenaceis 

Strayit H onoras. 

17 



— : 260 — 

3n ^bcr'« Icrpfid^orc S. 248 ff. »©cf^rSd^ mit ber ^nufe*. 
(5iii 5lugaug au« be« 5)ic^tcrg Dialogus ad Thaleiam-I, H, m, IV. 
(Sbcnbafclbfl ifl unter bcm Xitel ^5Die ©öttin beg grül^Ungg-' @. 275 
IBalbe'd Epicitharismn ad Augustissimam Coeli Reginam tl^eiltDeife 
überfe^t. 

» 1648. Jac. Bälde S. J. De laudibus B. Mariae V. odae par- 
theniae. Monachü 1648. Formis Lucae Straubii, sumpt Jo^^m. Wag- 
neri bibliop. SRit 5:itelhi^fer t)on SBolfg. Äilian. 

— 1649. Jac. Bälde, e S. J. Poema, Somnium Inscriptum, quod 

Silvarum Libro VIT. habetur, explicatum, sive Interpretatio ejusdem 
Somnii Quale Auetor viderat Anno XL n de Cursu Historiae 
Bayaricae. Hunc in justum commentarium curia primis relata 
a Didaco Valarado, ipsius amico Anno XLIX. 

fUi^gaBe : 

©ammlung l^ijtorifci^er »Sd^riften unb Urfunben. Oefd^öj^ft au« 
jpanbfd^riften i>on ÜHar greil^erm ton gre^berg. (Stuttgart 1835. 
IV. SBb. @. 169—220. 

1649. Medicinae gloria. 
Kit^gaBeti : 

Medicinae gloria per satyras XXll. asserta. Auetore Jac. Bälde 
e Soc. J. Monachü sumpt. Joann. Wagneri, typ. Lucae Straubiu 
Anno 1651. 12. 73. pp. 
» 5lbgebtucft imParnassusSocietatis Jesu. Francofurti 1645. Tom. II. 
pag. 340. 

3acob 53albe'g mebicinifd^e (Satiren, urf d^riftlic^, überfc^t unb 
erläutert t)on 3o^. Df^eubig. 2 93b. üRünc^en 1833. gr. 8. 

— 1649. Ariou Scaldicus, sive celeusma triumphale, decantatum 

houoribus Alexandri Famesii . . . Poema allegoricum, hominis 
Christiani statum, militiam, pericula, daemonum insultus ac demum 
"gioriosam de iis victoriam repraesentans. 
Opp. 00. Tom. VI. pag. 259. 

1649. Chorea Mortualis, sive Lessus in Obitu Augustissimae Im- 
peratricis Leopoldinae Ferdinandae Urbanae . . . Caesari Ferdinande 
m. Nuptae ao. 1648, in Puerperio mortuae ao. 1649 YIL Au- 
gusti. 
h( Uo6M «75lobten::^on^: Ober Älaglieb, (Sefungen, nad^ bcm näglic^en ^im 
tritt, ber Siaerburd^leud^tigijien Äa^ferin fieo^olbinae gerbinanbae Ur; 



— 261 — 

banae . . . $)e^ önübcminblid^en Äa^fer« gcrbtnanbi TIL K, din^ 
mxx^t ®tmaf)tl, ©0 l. 3. 1649 ju SBien, in bcr Äiubelbetl^ 90ttfc% 
öerfd^ibcn iji ®en 7. ^ag SRonat« ^tugufb'. (?(non^m.) 

ÜRünd^m, bei 3ol^ann SBagner ju ftnben. 12. 3Rit aj^clobic. 10 
un^ag. SQ. 

5lmbcrg, bei ©eorgen ^augenl^ofcr im 3al^rc (Sl^rifli 1653. 12. 
(5(uf bcr legten @cite bicfev Slu^cjabc jlcl^t; Auetor latino versu com- 
posuerat; alius sie transtulit). 

"1650. Elogium Blitterswickianum. Nobili Amplissimoque Do- 
mino D. Guilielmo de Blitterswick, in supremo Geldriae Senatu 
Consiliario Regio. 

Opp. 00. Tom. m. pag. 262. 

$)er vierten ju Äbln crfd^icncncn 5(uflagc »on 53albc'« Templum 
Honoris öotgebrucft. 

1650. Fragmentum Funebris Elogii, impensi piis Manibus Illu- 
strissimi atque Excellentissimi Viri ClaudiiMemmii, Comitis de Avaux. 
Opp. 00. Tom. m. pag. 259. 

1655. Eleonorae Magdalenae Theresiae, serenissimorum prineipum 
Philippi Wilhelmi Comitis Palatini Rheni etc. et Elisabethae Ama- 
liae , Landgraviae Hassiae etc. duicissimae filiolae principi ac 
primogenitae, ipso festo Triam Regum hoc geniale carmen in per- 
sona triam Gratiarum observantiae ergo nccinuit Collegiam Soc. 
Jesu Neoburgcnse ad Istrum anno 1655, 

Ingolstadii, ap. Gregorium Haenlinum. 4. 

1656. Satyra contra abusum Tabaci. 

UnigaBen: 

• Satyra contra abusum tabaci, ad Aemih'annm Aloysium Gueverram 
Auetore Jac. Bälde, e Soc. Jesu. Ingolstadii, typis Ederianis ex- 
eudebat suis sumptibus Joannes Ostermayr. Anno 1657. 8. 9^tt 
5titclfu^fer öon aRcIc^. Äüfea. 31 @. 

' Editio seeunda correctior. Monachii sumpt. Joan. Wagneri, typ. 
Luc. Straubii 1657. 12. 

IteBetfelttitg: 

• $)ie 5lru(fenc Xrunfen^cit. @tne aug Jacobi Bälde Soc. J. ßa^ 
teinifc^em gebcutf d^tc Satyra ober (Straffi:cbc toiber ben ÜRi|braucl^ bcÄ 
Xaba!2. Df^ümbcrg, ©cbrudCt unb bericgt burd^ Tlx^tl (Snbter. 1658. 
12. mt Äu^3fct. 136 @. Slngel^ängt ijl ein ^Discurs öon bcm 
«Ral^mcn, «nfunfft, IRatur, Ärafft unb Söilrfung M ÄrautiS Sabaf.' 

(Son @igmunb bon ©irfcn.) 



— 262 — 

r^ 1657. Fragmenta satyrae crisis inscriptae. 
Opp. 00, Tom IV. pag. 513—547. 

1657. Torvitatis encomium. 
KttigoBe : 
« Vultuosae Torvitatis Encomium, in gratiam Philosophorum ac 

Poetarüm explicatum a Jac. Bälde e Soc. Jesu. Monachii typ. 
Lucae Straubii, sumpt. Joann. Wagneri bibliop. 12. 1658. Wxi 
einem Äu^fer. 48 ©. 
Praemitdtur dissertatio praevia de studio poetico. 

1657. Antagathyrsus. 

Antagathyrsus sive Apologia Pinguium adversus Agathyi'sum, 
sive Exultantem Congregationem Macilentorum. Auetore Jac. Bälde 
e Soc. Jesu. Monachii, typ, Luc. Straubii, sumpt. Joann. Wag- 
neri bibliop. Anno 1658, 52 pp. Wd trcfflid^em Äu^fer. 

$)em gel^clmen ^S^jjirid^en Äämmerer gerbinanb t)on gürjlenberg 
getoibmet. 

1657—1663. Urania Victrix. 

* Jac. Bälde, e Soc. Jesu Urania Victrix. Monachii typis Joann. 
Wilh. Schell, sumpt. Joann. Wagneri civis ac bibliop. Monac. 
Anno 1663. 8. Wd 6 Äu^fem üon 2«eld^. Äüfcü.^ 

©r. ^eiligfeit, bem ^a:|)fl ^tlcranber Vn. gcmibmet. 

tteBetfe^mtg: 

Urania, bie ©iegerin. Df^ümBerg 1679. 12. mx ^fern. 

* 1658. Musae Neoburgicae, Ludis Genialibus Ortum Serenissimi 

Infantis D. D. Joannis Guilielmi Serenissimorum Principum Philippi 
Wilhelmi, Comitis Palatini Rheni etc. et Elisabethae Amaliae etc. 
dulcissimi filioli grato animo venerantes nomine Collegii Soc. 
Jesu Neoburgensis ad Istrum Anno 1658. Ingolstadii, typis Gre- 
gorii Haenlini. 4. 25 pp. 

> 1660—1662. Eclipsis solis. 



1 9lagler in feinem ItfitifllerMcon, %ti Aüfcfl, etto&^nt bttfer mit beit SBorten: 
S)te fftnf <Stnnc, fe^9 8ldtter mit Sttel, «itf loelc^em ^ie Utani« «fctrlx |tt fc^n. 
^d|Bar imb fciteit. 



— 263 — 

^ De Eclipsi Solari Anno 1654 die XIT. Augusti. In Europa a 
pluribus spectata tubo optico, nunc'iterum a Jac. Bälde e Soe. 
Jesu tubo satyrico perlustrata. Libri duo. Monachii, typ. Lucae 
Straub, sumpt Joann. Wagner, bibliop, 1662. 12. ajltt brcl fc^r 
ergb^Iid^cn to^fctn. 232 @. 

1661. Solatium podagricorum. 
9(it9gaBe : 
' Solatium podagricorum, authore Jac. Bälde e Soe. Jesu. Libri 
duo. Monachii typ. Lucae Straub sumpt. Jo:\nn. Wagneri bibliop." 
1661. 12. Wit Xitelfu^fcr toou md^. Äüfel. 247 @. 

tteBerfe^ttitgen: 

* 5Dic gcfunbc Äranfl^eit, ober Xxo^ ber ^obagrifd^cn, aug bcg <Sinn= 
rcid^cn Scfuiten 3^cob 53albe ßateinifd^en , mit ^intüiHigung bcg 
5lutorig, löblid^en 3tnbenfeng, in unfcrc 5:cutfc|e ÜHutterf)jrad^ gefc^ct, 
tjon einem SJlitglieb bc§ gefrönten ®(um=Drben2 an ber ^egntt. 
Df^ürnbcrg. 35crlcgtg 3ol>. 5)an. 3:auber. 3m 3a]^r S^rifli 1677. 12* 
mit Slitemi^fer. 

^ie 58orrcbe trägt bie Unterfc^rift gerranbo, Orbenlname 3'5'^*Jii^ 
SubVüig gaberg, Sel^rcrg am ©J^mnafium ju S^ürnbcrg. ©amuci gaber, 
ber ©ol^n beg (genannten, bem obige Ueberfe^ung bigl^er gugefd^riebcn 
ttjurbe, bic§ alg ^egni^fd^äfcr gerranbo II. unb »urbe erfl 1688 
SD^litglieb bei 93himenorbeng. 

- SBalbe 3<^cob, Slroft ber ^obagrifd^en. Sob= ©(i^ert= ^^^ ©at^rifd^ 
(S^iel. granffurt 1745. 

• 3acob ©albe'g SCrojl für ^obagraijlen. ^eutfd^ geboten öon 3ol^an« 
9Jeubtg. SOflünd^en 1833. gr. 8. {^a^ feinem gereimten 5tl^ei( nur 
eine Ueberarbeitung gerranbo'g.) 

1663. Expeditio polemico-poetica. 

♦ Expeditio Polemico-Poetica sive Castrum Ignorai^tiae Boeotoriyn 
Arcadumque Reginae a Poetis Veteribus ac Novis obsessum, eif? 
pugnatum, eversum. Referente Jac. Bälde, S. J. Monachii, typ. 
Joa. Wijh. Schell, sumpt. Joa. Wagneri, bibliop. A|mo 16ß4. 
12. 130 pp. 

Hlg Slnl^ang ifi ber Expeditio Polemico-Ppeticä l^eigegpfccw txn 
Apparatus novarum inventionuip, jaBIreid^e ^oetif(|e Xf^tXMdct jur 
l^rifd^en, fatirifd^en ober bibactifd^en ^uSfü^ruttg. 



— 264 — 

l 663. Satyra nihil gratis inscripta. 
Opp. 00. Tom. IV. pag. 469—495. 

1668. De Tariis mendicandi modis satyra. 
Opp. 00. Tom. IV. pag. 496—510. 

1663 1665. Elegiae variae. 
5:i^eiltt)eifc bejlimmt für ben H. unb m. fl^cil bcr Urania. 
Opp. 00. Tom. V. pag. 241 squ. 

1664. Paean Parthenius. 
UnfgaBe : 

Paean Parthenius, sive Hymnus in honorem S. S. ürsulae et 
Sodarum ejus Virg. et Hart Coloniae ap. Busaeum 1664. 12. 
ÜRit einem Äu^fcr: S. Ursula. 34 pp. 

$)cm diat^t unb ben SBürgem bec @tabt e5ln gctoibmet. 

Slu^erbem toirb nod^ burd^ 3o^. ^k, SEßeiglinöer* S3albe*n ein ^ole^ 
mifd^eg 2ieb gugeft^riebcn, ba2 tpebcr in ben 2luggaben feiner SEßcrfe noc^ 
in ben il^n betreffcnben biogra:|)l^if(i^en Di^ad^rici^ten feiner ^tit enoSl^nt 
ijl. SDer Xitel biefeg Xm^tiebeg l^ei^t : 

Paradoxum musicum. SDa^ tjl: ©in D^eueg geipd^e« Sieb öon 
einer toilben ©au in einem fd^önen ©arten. 12. s. 1. s. a. 18 un^ag. 53L 

(Sine floatete Sluggabe be3 ©d^riftcbeng ifl betitelt: 

SBalbe 3., S. J. (gin neue? geijllic^e3 2ieb »on einer tt)ilben@au, 

tooburd^ ber abtrünnige aWavtin fiutl^er abgebilbct. 56 ©. SWit $Ohift!= 

noten. 4. o. O. 1717. 

62 mu^ jugegeben »erben, baft in biefen beutfd^ilateinifd^en S3erfen 
bie ©^rad^e unb Slugbrudf^meife S3albe'3 unöerfennbar ju Xage tritt 
Sfiid^t nur toiebcr^olen fic^ l^ier eingelne (Sigentl^ümlid^feiten aug Aga- 
thyrsus unb de vanitate mundi, fonbem mir begegnen auc^ gang ben^ 
felben Slnfd^auungen über bie 9fteformatoren, voit pe in ber Einleitung 
|ur ©onnenflnjtemift* unb im Slntagatl^^rfu»» gu lefen finb. 

^bd^fl mal^rfd^einlic^ entjlanb ba3 ©ebid^t ju Slmberg, »o öalbe, 
aui^ rein fatl^olifd^en ©egenben, aui 8anb21^ut unb ül'lünd^en fommenb, 
guerfl auf eine öom Äam^fe gegen bag fiutl^ertl^um nod^ glül^enbe Äanjel 
trat unb natürlid^ auc^ f elbp in feinen ?Prebigten auf bag ®ebiet ber (Sontro? 
Derfe tertoiefen mar. ®ic ^i^e beg Streite« fül^Itman bem ©üd^lcin orbents 



1 auferlcfenc 9netOvtktb<gfdten sc Gf. 86. 
1 O'pji. 0. Ton. lY. paf» t*4 «t ICI. 
t Tom. IT4Piff« ii> HB. 



— 265 — 

lid^ an: einadne Slu^brüdCc fönncn nur mit il^rfr3cit cntfd^ulbiöt merbcn; 
aUcin, xoit mir fd^on oben bcmcrftcn, allcS 3ufammcngcnommcn, gewinnen 
toir bcn (SinbrudC, ba^ nur tief öertounbeter ©eeleneifer feine SSerfe 
bictirt ^at* 

•' Jacobi Bälde Poemata. Coloniae übiorum apud Joannem Bu- 
saeum. 12. Tomi IV. 1660. aRit Stitelfu^fer t)on SBoIfg. Äilian. 

3n biefer Sluggabe fel^Ien bie juvenilia 1626—1628, Tillii Paren- 
talia, Arion Scaldicus, einige Satiren unb alle nad^ 1660 gebrudCten 
Söerfe. 
^ Jacobi Bälde Poematum Heroica. Coloniae Agripp. apud Fran- 
ciscum Mettemich. 1718. 12. 

»- Jacobi Bälde Poematum Satyrica. Coloniae Agripp. apud Fran- 
ciscum Mettemich. 1718. 12. 

R. P. Jacobi Bälde e Soc. Jesu Opera Poetica Omnia, Magnam 
partem nunquam edita: e M. M. S. S. Auctoris Nu^^c primum col- 
lecta, et in Tomos Vm distributa. Impensis Martini Happach et 
Francisci Xa?. Schlütter, bibliop. Monachij, typis Joann. Lucae 
Straubii Anno 1729. 8. Cum icone Authoris et operis. 

S)iefe üoHflSnbigjlc, nur nid^t coriccte Sluggabe ber 2Ber!e S3albe'8 
ifl aufterl^alb 33a\9em jiemUd^ feiten unb flanb mcber Berbern noc^ OreHi 
ju ©ebote. 3^ fritifd^er ^inftd^t lägt fte mand^g gu toünfd^en übrig; 
nantcntlid^ ifl ber *beutfd^c %txt burd^ bag 33cfheben, il^n einer beffercn 
©d^reibtt)eife anju:|)affen, bebeutenb entfteHt toorben. 



1 Vat Sieb Beginnt: 



Hin ^aQtU^tütt Sieb 

dolore tactas ordlor 

WIH ^er^-Betniebtem (Smüttff, 

An flrina nlhllomlnas, 

Sl non cujitodlt Domtnai, 

cftdlk, wann'« ®ott ntt b'^üet. 



I. 

jtit5)itg (nts htm Registrum actuum baptismalium ecciesiae parochialis 

S. Martini civitatis Ensislieim 
a 1 Juni] 1582 usque ad 26. 9 bris 1690. 



Pater 


5g Hftter Inflins Compater 

i 


Commater 


Annns 604 


Hvfo Bälde 


Mafdalena 
Wlttenbechln 


Jacobus 


Jacobns 
Reinbolt 


— 


Januar: 4 



(Scfd^toljler bcg Sacobug SBalbe: 

Joannes Conradus, geb. bcn 25. Df^oi). 1601 ; Christophorus, 3. ^o\>. 
1605; Ursula, 4.0ct. 1607; Joannes Beatus, 11. SlRärg 1610; Joannes 
Georgius, 23. 3an. 1612; Anna Margaritha, 14. Oct. 1614; Maria 
Jacobe, 24. 3uU 1616. 

^u^^ug au0 bem Eegistrum actuum matrimonialium : „Anno 1601 
die 5. hujus (Februarii) Hugo Baltius ö. ©d^ürimaning (Giromagny) 
unb SD'lagbalcna SGöittcnbcc^in ö. @nftgl^cim." 

^uSgug aus bem Registrum actuum sepulchralium : 

„die 3. Martii 1617 obiit Hugo Bälde.** 

$)icfc eingaben, bie id^ auf bem ©tabtl^aufe ^u ©nftgl^cim au8 bcn 
Slcten fd^ö^jftc,' berid^tigen öielfad^e S^^rt^ümcr, bie big^er über unferen 
2)i(]^ter in Umlauf toaren. 2Bag juerfl ba2 £atum feinet ©cburt anlangt, 
toar er lange felbfl, )o ungel^euerlid^ cg Hingen mag, einer falfd^en 
3Reinung. SBgL Lyr. I. 34. Ad Maciem. In die natali, cum 
aestivis feriis Ebersbergae moraretur. (5v glaubte alfo ein Äinb 
beg ©ommerg gu fein, toäl^renb er tl^atf&d^üd^ im SBinter gur SOBelt ge^ 
fommen toax, Unb alg er einmal ben SD^lonat nju^te (bie @^rontf »on 



1 SBefentti^ unteriflti|}tr miäf f^itUi ^t, i\f(.'^ef. Dr. f£>atitx in ^rifing. 



— 267 — 

Sfieuburg befUmmt il^n rld^tig), fannte er nod^ immer nld^t bad S^l^t 
feiner ©eburt, benn in ber SBorrebe jum Slntagatl^i^rfug, bic im 3Änuar 
1658 gefcj^rieben ifl, gibt er an, in« 56. ßebengjabr überzutreten, ba er 
bod^ erjl fein 55jleg begann, ©o fam eg, bag bie tpid^tigfien Ouellcn 
für fein Seben, bie bibliotheca scriptorum Soc. J. üon Sllegambe, fott)ie 
bag biogra^l^ifd^e 93ortr>ort in ber ©efammtauggabe feiner SCßerfe öom 
^. 1729 ^alg bag 3a^r feiner ©eburt 1603 bezeichneten; eine Slngabe, 
bie in alle (gelehrten = Serif a, Siteraturgefd&id^ten , auf alle geifligen unb 
materiellen ©enfmäler feineg ßebeng unb SBirfeng überging. 



n. 

Extrait de Thistoire de Beifort 

par l'abbe Descharrieres, Principal du College de cette ville sous 

la Restauration. 
Manuscrit de l'annee 182 6. 

Nötice des savants et autres personnagcs dont Beifort peut 
s^onorer. P. Bälde (pag. 550.) 

„Le Pere Bälde (Jacques) jesuite, quoique ne ä Ensisheim en 
1603, peut etre regarde comme ßelfortain, pour avoir ete elev6 k 
Beifort, oü il etait venu apprendre le bourguignon (fran^ais du pays) 
dans sa jeunesse. On conservait en cette ville, avant la Revolution, 
quelques pi^ces inedites de poesie latine, adress^es ä ses anciens 
hötes, et aux bourgeois de Beifort (ad ßelfortenses) ; elles ont dis- 
paru depuis." (golgt eine ^lufjäl^Iung ber 2Ber!c Söalbe'g.) 

5lug bcm Söerfe: Notices historiques, statistiques etlit^raires sur 
la ville de Strasbourg, par J. F. Hermann. Strasbourg 1817. IL p. 331. 

„II existe encore de lui (Bälde), probablement dans une famille 
de Beifort, un manuscrit du temps de la guerre de trente ans, con- 
tenant quelques ,pieces de vers latins a l'honneur de Beifort. La 
premi^re etait une ode ad Bellofortenses, les autres pieces etoient 
des epitres ä differents particuliers de cette ville, oü il avoit fait une 
partie des ses etudes." 

2luf ©runb biefer le^teren D^otij, bie mir juerfl ju ©efid^te fam, 
lic^ id^ burd^ bie gütige ^Vermittlung beg §erm ©tabt^farrcrg gre^burger 
in ©nfigl^eim gu Sßclfort nad^forfd^en, ob bie fraglidben ungebrudCten ©id^t^ 
ungen tt)ol^l nod^ irgenbtoo üor^anbcn feien, erl^ielt aber öcmeinenbcn 
SBefd^eib. S)ic 5lnttt)ort lautet f 



— 268 — 

Monsieur le eure. J'aurais ^t^ heureux de pouvoir remplir Tob- 
jet de h lettre que vous m'avez fait Phonneur de m'^crire, mais 
les recherches que j'ai fait^s ne m'ont procura que la notice d-jointe, 
que j'ai extraite d^une histoire restee manuscrite de notre yille de 
Beifort. Les renseignements qu^elle donne, prouTent que l'autear, 
Tabb^ Descharri^res, Principal du College de cette ville sous la Restau- 
ration , connaissait parfaitement Ics oeurres du poete Bälde, mais 
aussi, que ses poesies in^dites plus particuli^res h Beifort et ä ses 
habitants, avaient dejä, disparu ä cette ^poque ; or, il est certain que 
Mr. Descharri^res, qui habitait Beffort, qui y etait en relation avec 
les hommes instruits de la localite et qui enfin ne n^gligeait rien 
pour donner }\ son oeuvre tout le merite desiderable, 11 est certain, 
dis-je, que ce savant n'aura pas manqu^ de faire toutes les recher- 
ches possibles pour d^couvrir les pönales en qucstion, et cependant 
il est Obligo de declarer qu^elles ont disparu depuis (et peut ^tre 
d^jä avant) la r^volution. 

VeuiUez agr^r .... Quellain. 



ffl. 

jtit5)ttg att5 bem ^xiefwt^fet b'jttiaiu' ntif ^Mute. 

9lug bem gtoeiten 93riefe b'SCtoaur' d. d. Munster le 29. aoust 1646.* 

Que voulez-vous que je die ä vostre demiäre lettre? que j'accepte 
▼08 Jouanges ou que je r^ponde bleu sagement, que cela vous 
piaist ä dire? 

Non is sum, quem pingit amor tibi plurimus, aut quem 
Nescio quis vulgi rumor et aura facit. 

Je garde ce complimeut pour les Hollandois et les Bavarois, 
qui me disent des douceurs en prose et en yers, 

sed non ego credulus illis. 

Toutetois, ne dites mot, il s'y en prendra bien d'autres. De- 
mandez seulement en l'universit^ un Tite Lire de Gronovius, et les 
ödes de Jacobus Bälde, imprim^es cette ann^e. Vous les lirez, sans 



1 Letirai di e«mte D'Avaax * Voitore. pibli«es par Anedte Ro«x, Paris, chei 
Aifvit« DBrand 18S8. 8. 



— 269 — 

doute, avec plaisir; et je vous connois mal, si tous ne dites, que 
j'ay trouT^ quelque chose^ de plus que Passerat. Ce , qui me fache 
en cela, et qui me d^couvre k plein IMnfid^lit^ de tous ces miroirs, 
c'est, qu'apr^s avoir leü mon nom presque en toutes les pages de 
son livre, et de si belles choses de moy en tous les endroits de 
Tostre lettre; comme je pense estre tout glorifie, si je rentre dans 
ma chambre, j'y trouve un Talet qui ne m'admire point du tout: 
Ecce Adam, dit-il, tactus est tanquam unus ex nobis. 

2lug 53oiture'g SlntiDortf (^reiben.* (©atum fel^It.) 

Sans mentir, je juge bien plus avantageusement de tous, sur 
vos 68cris, que sur ceux de Gronovius et de Jacobus Bälde, que je 
trouve, au reste, fort beaux, et representans bien le caract^re de 
la meilleure antiquite: Mais je n'y apper^ois pas la gentillesse ni 
l'esprit de nostre ancien auteur (PasseratJ ; et si vous avez d^couvert 
quelque chose de plus, ce n*est qu'en tous, que tous V&vez trouv^. 
Voyez, Monseigneur, si je ne suis pas heureux d'aToir rencontr^ en 
vous les delices que vostre Aieul aymoit en Passerat, et la protection, 
que Passerat trouvoit en TOStre Aieul« 

5lug bem britten SBriefe b'5lüauj:' d. d. Munster le 6. decembre 1646. 

. . . quand il faudra Tenir sur le serieux, ne mettez plus Pas- 
serat audessus de Bälde, en mati^re de poesie, ni les d^pSches du 
cardinal du Perron audessus de Celles du cardinal d'Ossat, en ma- 
tieres d'afiaires ... Je n*en say pas assez dans lliypercritique; mais 
je me souTiens bien que Monsieur ßourbon ne consideroit pas tant 
Fesprit de Passerat, que sa force et son traTail. De vray les seuls 
titres de ses poemes oü il entasse, en beaux tcrmes k la v^nt^y 
tout ce que les anciens autheurs ont dit sur un sujet, nous fönt 
bien paroistre qu'il y a plus d'huile et de süeur k* son fait, que 
d'iuTention, et d'imagiuatiTe. Je ne fais point de doute qu'il ne 
fust plus saTant que Bälde; mais si PinTcntion et Tenthousiasme 
fönt principalement le poete, celuy-cy le surpasse de beaucoup. Je 
crois aussi, que vous ne vous estes pas donn^ la peine de le lire; 
les Tcrs d'un J^suite ne vous promettent pas des sujets fort 

enjoues, 

.... juvenum curas et libera vina. 



1 Les lettres de Mr. Voltare. Amiterdam ehez Joan d« Re?eiteyn. Ao. 1651 
12. p. 572. 



— 270 — 

Lisez neantmoins , je vmis prie, Tode 16 du livre V; la 26 du 
livre VIU; la 3 et 5 du IX. Je vous dispense de tout le raste, 
pourveü que vous ne trouviez pas mauvais que j*aye pass6 les yeux 
dessus, et quMl me soit permis quelquefois de quitter M. d'Ossat, 
et ad dulces paulum secedere Musas. Vous pouvez vous assurer que 
la paix n^en sera pas rctard^e, et que, tout malheureux que je suis, 
j'ay sujet de rendre graces ä Dieu, comme faisoit PEmpcrcur Anto- 
nin, de ce que j'ay fait peu de progres en la rh^toriqne, et en la 
poäsie, doDt les delices m^auroyent , sans doute, debauche de tout 
autre employ, si je les eusse bien connues. Le temps, que les 
autres dounent au jeu et ä la chasse, j'ay droit, ce me semble, de 
le mettre k lire des vers. 

5lug SBoiturc'g Slntwortfc^rcibcn d. d. Paris, le 9. Janvier 1647.^ 

Je suis entierement de vostre avis, touchant ce que vous dites 
de Monsieur d'Ossat. II n'y a rien de si judicieux ni de si parfait 
que ces d6peches .... Je ne suis pas si bien d'accord avec vous du 
jugement, que vous faites de nos deux Poetes. Vous avez bien de- 
vin6, que j'aurois peu hi le Jesuite. Je n'en ay guere vü que les 
üeux oü il parle de vous. L'ode 26 du 8 m'a semble fort belle; la 
3 et 5 du 9 m'ont plü aussi: mais dans ce vers, 

Me super ipsa nihil Niobe si docta moveris, ce Niobe Ja, et 
cette fa^on de parier, ne vous semble^t-elle pas plus dure, que la 
Niobe mesme petrifi^e? approuvez-vous ce pulvereum cahos? et ce 
comatus olor n'est il pas trop hardy? je le trouve aussi un peu 
plus obscur, qu'il ne faut pour nous autres gens de Finances, qui 
ne s^avons guere de Latin ; et je n'ay jamais pü entendre manantia 
vita Flumina praemoneo. Je croy, que c'est en la 3 du 9. Je Tay 
demande ä Monsieur de Bailleul , et k Monsieur d'Emery , par ma 
foy, ils ne l'entendent pas eux-mesmes. Apres tout, Monseigneur, 
de ce que je dois juger de cet auteur, et de tous les autres, je 
m'en rapporte ä vous, qui ne pouvez errer, et au jugement de qui 
je regle toutes mes opinions. 

5lug bem Jjierten S3riefe b'5lüaux' d. d. Munster le 26. juillet 1647. 

Ouy, Monsieur, vous le saurez; manantia vita flumina praemo- 
neo, c*est un avertissement qu*il ayt ä ^viter les fleuves. Cela est 



1 91 0. D, <B. 376 u. 377. 



— 271 — 

bien clair. Yous aurez veü, sans doute, la derniere ode du huitiesme 
livre, oü U casse son lut de depit: Jacuere centum fragmiiia terris. 
Yons savez qu'en Tendroit dont il est question, la muse luy reproche 
son insolence, et dit, qu'elle ne luy donnera pas une autre guitarre, 
nisi ad GaJliae legatum respexisset, mais eile la luy preste seule- 
ment. Et pour luy faire voir, que ce ü'est qu'en faveur d'un tiers, 
eile predit qu'il la perdra dans les eaux, postquam encomia Galli 
consummavit ; c'est ce que vous verre^ accomply dans Tode 28 du 
livre IX. Ne vous estonnez pas que je vous envoye si tard ce com- 
mentalre ; voicy la premiere heure de bon temps, que j'ay eue depuis 
deux mois: 

.... Nostros Fortuna labores 
Versat adhuc, casusque jubet nescire futuros. 



IV. 

^ In effigiem Maximiliani, Ducis Bavariae. 

Quisquis in imperio leges, in legibus aequum 

Asseris, et cives moribus ipse facis, 

Suspice quem spectas, Bavarum! Tot nomina recti, 

Tot virtutum apices Maxmilianus habet. 

Irradiat priscos majorum gloria fasces. 

Qui se jure ducem, plus ratione probat. 

Praelucet titulis pietas regumque Coronas, 

Sceptraque conjugiis miscet avita suis. 

Bella gerit gladiumque aquilis impendit et Istro, 

Dum grave momentum Caesaris esse putat. 

Et tarnen haec pacis studiis se bella tubasque 

Tradere, si posset, vellet imago, loqui. 

Casp. Barlaei poemata P. II. p. 530. 

£ Fabii Chisii poemate: 
,,Iter Ferraria Colonlam.«*^ 

.... .Lux postera Wolfers — 
Hansen tecta aperit, quondam statione peracta 
Victrici hostilis flamma combusta Süeci, 
Prataque, et excultos campos, Phoeboque tepentes 



{ 



— 272 — 

Aoras, Munachiumque, senex qua regnat in urbe, 
Dux clarus pietate, armis, atque arte regendi, 
Qoamque Isarus lambit, Boiis Isarisca yetuscis. 
Hie ego, privatus visens delubra yiasque, 
Agnitus excipior curru, sonituque tubarum, 
Inque Paladnas dedncor comiter aedes. 
Innumeras aedes connectimt atria circum 
Grandia, porticibus longis circumdatur hortus, 
Fontibus exiliunt undae; monimenta decorem 
Augent, seu varii lapidis, seu fusa metallo. 
Multiplici splendent auro laquearia picta, 
Caelatas valvas pretiosa aut mannora cingunt, 
Aut plastes variis illudens artibus omat 
Codicibus cultis hinc Biblioiheca renidet; 
Hinc veterum effigies magna spectantur in aula. 
Turmaque nobilium stabulo servatur equorum. 
Regia, Gaesareo hospitio devota, nitescit 
Haud minor aetheria solis, quam carmina fingunt. 
Impia Suecorum flexerunt lumina regis 
Deliciae^ obstupuit visis, flammisque pepercit. 

Philomathi, musae juveniles p. 78. 



V. 
it\M S^tief 9atbe^5 an feinen ^oHn^M. 

t 
Reverende Pater in Christo. 

Pax Christi. 

Ex literis acceptis intellexi omnia, quae fieri debeant. curabo ut 
fiant. Tradam R. P. Rectori, ut jubet. unde opus^ jam perlustravi. 

In Dedicatione componenda ipse quam maxime sollicitus fui. 
Panegyricum scribere nolui, quum scirem, sanctissimum Dominum 
bis phaleris non delectari. ergo quid? ex argumento Operis deduxi 
aliquid, ut saltem hoc ipsum a]iquid diceret. Quae omittenda sint, 
quae in vicem substituenda, monear; faciam, paratus ad medium 
folium coarctare: nisi fortasse hoc indecorum videri possit. Humil- 
limum non refugi', quia vocabulum hoc non inciderat. habui ante 

1 Craoia vietrix. 2 S3g(. @ 187. 



— 273 — 

ocolos meos Hermanni Hugonis Dedicationcm ad Urbanum VIIL 
nee ille hoc nomen usnrpavit. sed perinde mihi est: utamuTi ifO 
in hac re non fiduciam mci, sed directionem alterius lib^ntliis 
seqoar» Ceterum Hermannas Hugo ea dedicationi suae iramiflciiit, 
quae ego non praesumerem. sed ßelgis plora licent. 

Ad Tilliana quod attinet et Ulustrissimum D. TiUium, qui cum 
R. V. fuit propterea, scribo sequentia. 

1. Nescio quo ego fato contra Toluntatem meam saecularibus 
negotiis implicer, aut qua cupiditate TiUiaui (et hie ipse Dominus) 
erga ineptiam calami mei ferantur. Cum Landishuti adhue essem, 
2 fratres^ cum D. Nicoiao Arimont tentarunt in hoc inducere, etiam 
promissis praemiis. Dissimulavi. Tentatus fui Ambergae, indulgente 
nimirum ipsis K. P. Speisero, tunc Provinciali. repuli a me. Veni 
Neoburgum. iterum tentor a Nie. Arimont Quartum Arietem ad- 
moyit. Ne prorsus silex viderer, saltem non respui, dixeramque 
ut nihil suarum rerum mitteret, antequam peterem. 

2. Continuo aliquod involucrum adfuit parvum, ex quo scribenda 
Tillias. expresse autem monueram, ut D. Nicolaus nihil mitteret, 
donec mea absolvissem (et ostenderam Uraniae compositionem in 
fieri). 

3. Explicui involucrum. non reperi manuscriptum pro 3 quater- 
nionibus ,^ Geuealogiam, promulsidem Hungaricam, prima proelia, quae 
etiam proxime explicabo coram R. P. R. 

4. Itaque interea ea sc. mea, quae indicaveram, utcunque ad 
finem perduxi. Quae conditio erat obtrudentibus posita. tunc quoque 
nihil sciebatur de certa compilatione Historiae Bayaricae.jameditur.' 
Vel Tillius descriptus est, et histrabimus : vel non ; et hoc ipsum scire 
oportet. 

5. Petita sunt et illa adjungi, quae in Poematum meorum libris 
contineutur, ubi Tiliii meutio facta est, quae jam curavi describi. 

6. Optimum fuerit, ipsi Illustrissimo scriberc, quod fortassia 
proxime faciam. 



1 Steffen %ilVQ% i}lil arimont toat ein Qrbelmann auM Sünebutg , bet in 3n' 
golfiabt, tiKi^rcnb '^aitt bort U^rtc, $^iUfo))(ie fiubitte. Metoer U. p. 380. 

2 qiaternio in ftier ^Blätter gelegter ^Bogeiu 

3 VbCsrettter'« Anoalium Boicae gvnUg Part. III. Monachtl 16fS— IMS. 

»efteimai^eT, 3acobttl J^Atbe. 18 



— 274 — 

7. Quid multis. Aliqua epitome Tilliana, non historia expec* 
tanda est* 

R. P. Kector nihil a R. Y. accepit. illi, ut monet, totam üraniam 

consigno meam. mittatnr ad illnm Dcdicatio etiam. Btadebimus emen- 

dare. judicio ejus stabit. His me R. Y. ss. Sacrificio hunillime com- 

mendo. 

Neoburgi 24. Jan. 1663. 

Rdo pri in Chro indignus 

P. Christoph. Schorrer F. et 'S. 

Yisitatori et Yiceprovinciali J. Bälde. 

Sog. Jesu per Superiorem Gennaniam 

Dilingae. 



YI. 

Argumani ober S^ux%n ^nUli %tn f^wdbie Jocus sarius iheairalis.' 

$)a2 bl^tocitcn aug (Sd^crt ein Smji trcrbc, gibt bic tSglic^c cr^ 
fal^rnug, t)nb toaigtg nicmanbt als jcbcnnann: ^xocix l^brt man offter^ 
wate, nad^ bcfd^cl^ncr @ad^cn bic ayicnfd^cn alfo rcbcn: 2Bie ijl bicf« 
»nb jcncv fjo fcl^fttn? fan er bann feinen ©d^er^ öerfiel^n? Sßßatumb 
l^at erg fo gefd^winbt in (Svnfl auffgcnomtnen, l^ab id^ bod^ nur gefd^r^t, 
toill l^infüro ba^ ©d^er^en tool bleiben laffen. SBnb toag tobllen wir 
toeiterg? ©cfd^ä^t, bag bcr 5lnfang hir^tt>eiUg, »nb baS ©d^er^en fo 
bel^uetfam, aU e2 fein fan, ift nid^tg befio weniger guförd^ten, eg möge 
ber (Srnfl ben Söoffen jerreiffen, »nb anberft auflegen, toaS tool gemeint 
toar. 2)ie Gentauri (xo[t bie ^J3oeten bid^ten) l^aben nit gleich einanber 
@tüfl önb Söänf in bag ©efid^t gcworff cn, fonber feinbt öoran fribfam 
|u $:ifc^ gefeffen, (ujlig gewefen, wadfer eingefd^enft: l^t ainer öiKeic^t 
au| be| anbem Slo^r getrundfen, fur^weil l^alber bie jläHer auff ben 
jCifd^ ger&blet, mit ben gingern au§ bem öerfd^üttcten 2Bcin, Heine Söerg- 
Un önb SBälbUn auff ben 2:ifd^ gemahlen, bic ©aljbüd^flen ömbfel^rt; 
»nb au6 lautcrem @d^ert gegen einanber fahren laffen. 9^imb toar, balb 
barauff flüegen bie au^gefd^lagne Ofenfad^I l^in önnb ^er, bie Xrüncf: 

1 3n »aibe'< 9laäfia^ foa ^^ mixtliäf eine «todra))^ie ZiViii'i Bcftmben >aBfB. 
Sang, (St\ibi<ffU ber Sefutten in i^a^ern. €>. 164. 

2 (Sfigentltd^ ein Duoblibet tragtfomtfi^eT i^cenen. $g(. @. 38 u. 39 in b« Ünm. 



— 275 — 

jhibcn ttjirbt abgebrochen, ünnb fd^iegen bie S)rümmer ben toilben ©Sflen 
in bag ®efic^t, bleiben faum bie l&re Sßänbt ftc^n, bag ^ifd^tued^ ifl jc^t 
fluct bie SGBunben jutjcrbinbcn. 3ft fvc^lid^ aufe bem ©d^er^ ein (Smfl 
toorben, uuöcrl^offt, gefd^minbt, t)nb ein grober @rnfl. 2lIfo toBKen ipir 
bann, jugefd^toeigen bifer obgemelter barbgri[d^en SSöldCcr in önferer Co- 
mico-tragoedi ad^t anbeve ^iftorien fürfieUen, in tt>eld^en ber <5d^er^ in 
ernfl ijl üerfel^rt morben. 3Snb »er xoolit glauben, ba^ ber 2:euffel felbjl 
mit @d^er^en fein D^afen ijerbrennt §at? mann bifeg nid^t getoife Histo- 
rie! bezeugten. Ramirus l^at gefd^ergt mit ben Xobten, Steplianus mit. 
bem Xeufel, ein Philosophus mit bem Äönig Nino, Ninus mit feiner 
Semiramide, ijt allen faur gnueg tt>orben. Tulaeologo bem Äaifer, 
Genesio einem ®aucf kr ift'S beffer geratl^en : ^tntv f)at bie ®ef unbt^eit, 
bifer bie SO'iarter ($ron mitten unter bem ©d^er^cn erlangt, Sßic öolgt. 



Preludium Comicum. 

c 

Trisignor ein milbt $)Sgenreid^er rul^mfid^tiger ^rac^t^an^, ta|t 
pd^ öon feinem au^geftod^enen ©(^ilt3ungen Vulpino Dberreben, bie 
gange Comoedi mit aüem Apparat fei)e ju fonbem großen (Sl^ren feiner, 
bej bre^fad^en Ferren Trisignor's angeflelt. ©efal^lt jl^me berl^atben 
felbften tool, »nb ergel^lt mit langen, grofjen, braiten Sßöorten, feine rits 
tcrlic^e 2:i^atten, meld^er öom ©ol^emifd^en Ärieg l^er, bi^ auff bife Ucbc 
fhinb (in großer grib »nb diu^t, bal^aimb l^inber bem Ofen mit b^jfel 
bratten) t>errid^tet l^at. Ireibt bifcg gefc^mät fo ^^"9/ ^^^ ^^ ^n ctU= 
d^en 3:rabanten mit gar fd^im^ffUd^en Sßortcn l^inber bag Theatrum 
gctoifen toirbt. 

luterlocutor gibt feinem Spectatori bie Comoedi gefd^riben Dnb 
expliciert jl^m ben ganzen Söerlauff, bargüe er bann aUetoeil mit jmc 
auff bem Theatro Jjerbleibt. 

Actus I. 

Seena 1* 

Stephanus ein@bclman tt)ol beged^t tüeft an flatt feineiJ 2)iencr8 Ge- 
tam bem Xeuffel, ba^ erjl^me bie ©tiffel aufoiel^e, @r nit faul t>nb fombt, 
bifer 3)iener aber braud^t ein netce tt>ei| gu famulieren, bann er bie aujges 
gogne ©tiffel fambt ben ©^joren, bem ^enn felbfl t>mb ben ®rinbt 
rl^umer f dalagt, au§ iöeld^en er (ber ^err) gemerdt, ba| er ber 2,euffel 
toar, toeld^er bem ^erm fein @d^ert tcrfel^rt l^at. Ex Greg. Magno. 

18* 



— 276 — 

eben bifcr l^öKifd^c ®eifl, l^at aud^ mit feinem ©d^erfren eingebüe^, 
bann er münfd^te bem Dunstono aUe« SBnglücf, önb pd^ fetbjlen inn 
bie @d^mitten, oUweilen bifer ©d^mib Don n>egen feiner Äeufd^beit bag 
glüenbt ©ifen Dnterle^t berüren berffte. 2)amit er il^ne gum gal^l brächt, 
nimbt er ein fd^ön 2öcibg gejtalt an, tnb begert mit gefd^er^igen SSßorten 
bem Dunstaiio gu fiicbf of en : 2(bcr er l^at ben hoffen gemerft, gucft fein 
3angen, t>nb »erbrennl bem fd^er^igen Üeufjel fein 9f^afen, mit toelc^ 
er anc^ abgegogen. »ug @. ©unjtani ficbcn. 

^ Actus ni. 

8eeBM 8. 

Genesius Mimus, auff anl^alten etlid^r ^of Ferren fSngt an feine 
©offen gu treiben, fonberlid^ ober bag gefpött au§ ben (Sl^riflen, toelc^ 
er aUti, toa^ fie gu tl^uen |)flegen, äffifd^er tt>ei§ nad^tl^ut. ^nrü> bamit 
hai ©elSd^ter nun laut gcnueg fe^e, begert er ©etaufjt ju »erben, »nb 
in bifer gleid^gnerifc^en Slnbac^t, ben ombpel^enben S3otf jugefaKen. SBirbt 
aber gäl^ling »unberbarlid^er toeig »on ®ott befcl^rt, ba2, loa« er nur 
@c^er^ toei^, t)ni) aug üJ'luettoillen terrid^ten toolte, baffelbe nad^malen 
xt^t emjll^afftig begel^rte. 

Seen« 4. 

Januarius ein ^atl^olifd^er ^riefier tauffet jl^n, Diocletianus fombt 
bargu, tnb l^at ein fonberlid^eg wotgefaUen ab bifem (toie er öermainte) 
a^rijti ©efpbtt: üJ^el^rem fiuftg falber kfl er j^ne für @erid^ öorbem 
al^ einen SQfJart^rer, »ölte feigen, ob er bai (Seläd^ter bejt&nbig »erl^alten 
fönbe, önb bie boffierlid^c angenommene wei^ gan^ auftreiben, gragt 
i^n bero^alben, Jjon (Sl^rifto, r>on ©lauben^fac^en »nb bergleid^en. 5lber 
Genesius rebete bem ßaifer bermaffen gue, bg er fid^ <ib fold^r gefc^mm 
ben öer&nberung entfette, "glued^et onb bonnert tober bie ©Triften, mt> 
weil Genesius ben ©Ottern nit o^jfem toolt, laft er j^n ent]^au|)ten. 
Bar. aniu 10. 3. Aimo 303. 

Literlocutor mad^t ber ganzen Action ein @nb. 3«^^^ etlit^ 
guete ^uncten »nb nü^lid^e fieJ^rftüdflen, auf allen obgefagten ©cfd^ic^ten, 
toelc^e er ben Spectatoribus l^eimgutragen oerel^rt. 

%m gu gröffercr ^x (§)iDttcö. 



- 277 - 
vn. 

9atbi^5 ^ttmhanf^nntm^en Met bie IK^tlltitfi. 

ilug bcf[cn dissertatio de studio poetico au^tf^ohtn ton Gilbert Äna^)<). 

Ü^icmanb ^offc burd^ blog gvammatifd^c unb fprad^lid^c ©tubicn ein 
toal^rer SDid^tcr ju »erben. 33iele ©rammatifer jtnb ein gro|eg Bonners 
»ettcv, unb trie an t)iclertei ^lerjtcn fd^on Äaifer geworben jtnb, fo toirb 
bie S^jenb oft burd^ t)iele ©rammatifev gu ©runbe gerid^tet. ©in $)id^ter 
»erbe — nid^t ein blofer SBerfificator, ber jtd^ in feine 9ftegeln l^inein? 
Hemmt, unb mit Ükmen unb @irbcn ganft, atö ob biefe bie <B(i6^ felbfl 
toSren ! 

3u einem »al^ren $oeten ijt eine grünblid^e, ^^ilofo^l^ifd^e unb 
l^iflorifd^e SBilbung unerlS^Ud^, unb ein junger jDlann foKte bie bid^terifd^e 
geber nid^t ergreifen, er i^aht benn öor^er tüd^tig jhibirt, tool^loerarbeitetcg 
aWatcrial gefammclt, »eil er fonft flet2 »ieber auf alte, längfl abgebros 
fd^ene 5Dinge gu t)erfatten ©efal^r ISuft. 3wnge Seute foKten öorl^er mit 
aKem gleite au^jlubiert l^aben, e^e Jte ju bid^ten beginnen; benn »enn 
fie be2 €toffg unb beg ©t^lg nid^t mSd^tig fmb, unb öon bem äußeren 
SReid^tl^um be3 Unit>erfumg nid^t ben erforberUd^en ä^fd^i^S gut SBcrleibs 
Uc^ung il^rer ©cbanfen ^aben, fo »erben fie balb »ieber auS bem 
^)octifd^en ©attel gefd^neUt. 

Slber bei bem Tillen mad^t blo^e gormbilbung unb ®elel^rfam!eit 
ben S)id^ter nod^ lange nid^t aug« @^fleme fann man erf äffen, aber 
aug @rfaffung »on f^flematifd^en ©ebanfcn gel^t nod^ fein $)id^ter ^eröor. 
@inem Kommentator liej^t bag ^eilige ^eKbunfel eineg äd^ten ?ßoeten »ol^I 
aud^ im SDfiittaggglanje t>or 5lugcn @r mifet ben ®ebanfenent»urf unb 
gSl^It bie ©d^ön^eiten an ben gingem ^er, »ie »enn er fie felbfl erfunbcn 
l^Stte. — 5lber la^ \^n einmal felbp et»ag erfinben unb bid^ten, fo ifl 
feine Äunfl foglei^ am ©nbe.* (Sr fd^reibt »ol^l X)om ßorbeer, er»irbt 
aber feinen. 9lud^ burdb blofe Sf^ad^a^mung, burd^ blo^e^ ©id^einleben 
in einen ijorgüglid^en $)id^ter »irb man nod^ fein ^oet. ^afi »al^rc 
2:alent »erläßt o^ne ©elbpberfleigerung bie ausgetretenen ©eleife. $)ie 
?ß]^ilofo^)]^ie fud^t Sßa^rl^eit, nic^t Df^eu^eit. 2)ie ^oefie aber verlangt 
neue greube, neue ©ebilbe unb bal^er ©elbflerflnbung. SBer nid^tg jCüc^s 
tigeg, iReueg erfinben fann, ift fein »al^rer $)id^ter, beffen ®abe in bem 
unge»bl^nlid^en Svenen ht^t^t, bag mitfiiebc, ^eiterfeit, SBi^/ ©d^arfflnn 
unb Jg)umor ben ^brenben überrafd^t, unb bennod^ an feinem unterbors 



1 2)a< foQten fi(ff unfere fiolgen Siterarl^ifiorifer aud^ ein »enig ju (Betnflt^f 
fahren! fKnm. Jtna))))'<. 



- 278 — 

betten ©runbgcffll^I afö ettra» tra^rl^aft ßcbenbigeg unb ©rquicfcnbeS 
anflingt. SB« foKen l^iebei ton ben Sitten lernen, ja fogar pe big auf 
einen ge^viffen ®rab in ber gonnation nad&al^men, aber toir foUen an 
fold^en aRnjIem ftubieren, um felbjl 2Rnjler ju »erben. $)er alte SGßein 
foK in unferem Äeld^e mit neuer Slnmutl^ unb SBürge buften« 

93ei ber ?poejte aber fommt eg t?iel auf bic D^aturanlage unb tjor 
allem auf bag Temperament an (^umor). ~ ^a3 ^btcgma taugt am 
allertoenigften für bie 35icl^thinfl. 2)a« befle ^Temperament gum ©ic^tcn 
iji aug bem SRotben unb ©elben, b. 1^. aug bem ©anguinifd^cn unb ßi^o; 
lerifd^en gemifd^t, tt>clc^e beibe bann ein gemiffeS l^armIog=melancl^olifc^cg 
Clement bilbcn, bamit bag gcl^brige 35unfelflar, bie gel^eimni^tJoU-magi: 
fd^e ^Dflifc^ung oon fiid^t unb (Sd^atten, üon ^eiterfeit unb @rnfi, ijon 
greube unb Söel^mut^ entj^el&e. @in tt?al^reg ©cbid^t mu| aug bem 
angenel^men 2)unfel tiefer ©mpftnbung anmutl^üett em^jorjleigen — unb 
bag I&^t ftd^ nid^t mad^en, fonbern voiVi empfangen, aber baneben mit 
rul^tger ©ebanfenfraft überlegt fein, ög mug ein geheimer ^amp\ in 
ber Seele ijorgel^en: frol^e unb trübe lOaune; fauer unb füg; fd^weigfam 
unb berebt; ^i^ig unb fanft; raul^ unb freunbUd^; ab|lo|enb unb an= 
gie^enb; büfier unb UebetJoK anläd^elnb — fo ba^ aug ber 53itterfeit 
bag ©ü§e, aug bem §a| bie Siebe, aug bem ßrieg ber griebe, aug ber 
ginjlemil bag fiid^t l^eröorgel^t. — 5(uf bagfelbe ^rincip mu^ ber SRufifer 
feine Harmonien, ber 9Ka(er feine ©d^ijpfungen grünben. <5o n>irb bie 
$oefte ein »ür^igeg ©alg ber @rbe. SDie wal^rc ©d^bnl^eit entpe^t aug 
Sßerfö^nung unb ^Bereinigung gebeimni^öoUer ©egenfS^e, aug ber §arr 
monifinmg ber ©rtreme in einem lebenbigen, friebfamen SRittelpunft, 
iDorin bag aJlännUd^e unb Sßßeiblid^e, bag ^of)t unb D^iebrige, bag ©elbfl= 
fi&nbige unb bag fid^ Jg)ingebenbe, bag 5lugfhbmenbe unb bag @mpfan: 
genbe in ben »erfd^iebenjlen Begegnungen unb SBermtniffen gu einer 
lidbten organifd^en ^inl^eit jufammenflielen — unb bie ^riebfraft gu aU' 
biefer Vereinbarung ifl nid^tg 5lnbereg, alg bie Siebe, gepaart mit ber 
allen ©d^öpfungen, ©efe^en unb gül^rungen ®otteg unabänberlid^ in^ 
tool^nenben ^Gßal^r^eit. — 5lug biefem ^armonifd^en 3iif^"^^"^«ff^6 ^^ 
SBal^rl^eit mit ber Siebe n>irb bie ed^te ©d^bnl^eit, unb ebenbamit aUe 
probe^altige Äunj^, aUe lebenbige, bleibenbe ^oefie geboren. 2ßo aber 
ber Siebegtrieb mit bem Unrealeren, mit ber Süge ftd^ vereint, ba entjlel^eii 
taufenbf&ttige aJli^geburten. 

2luf fold^en ^rincipien, fd^Iie^ Änapp feinen Stuggug, rui^t ©albe'g 
ipoejie — unb tt>cr fann eblere aufjlellen? * 



1 (äi^xifiotttpt, 1848. ®. 333 ff. 



Utbntta%m%tn ms ßatbt'% IDerbeii. 

1. 

Jtit mnxfütß StojrimUf an L 

S)ic göttUd^c SBorfcl^ung« 

Lyr. IV. 1. 

SEBol^cr bieg flctig ttjogcnbc Söcd^fclftjiel 
33on 9f^a(j^t unb $:ag? SSßfr orbnet bcr SSßoIfcn glud^t, 
2)cr ©onnc Sauf, bic SGßanbclflcrnc, 

Unb bic öeflügcttcn SRci^'n bcr @tunbcn? 

2)cr aßintcr t^aut öom 5lt]^cm bc8 ßcngcg ^In. 
9Wit f(j^lanfcr ©crc§ fd^rcitct bcr @ommcr nad^. 
Sl^tt frätijt bcr ^olbc ^bjl mit Trauben, 
S3ig üor bcm cifigcn ^oxh aud) er picl^t 

©urd^ tortd^en Slnflof trcbt bcr gctoalt'c^c ©au? 
SGßcr fd^töingt bcn ©rbbaff, leitet ba8 fficl^'nbe ÜKccr 
3ur Äü|te, wenn an aO'ionbcgjügefci 
SßiHig bic glut^cn äurüdWbranbcn ? 

©cfe^en folgt Scbtocbc«. ©in ®ott, ein @ott 
jll^ront aKcntfd^eibenb über bcm SBcltcnring 
Unb bämmt mit Sßßcigl^cit ein bic ^tiefen, 
Söägt, ©cbictcr, bic Söaffcrbrunncn, 

2)ic ]^od^gefd^tt>oIl'nen. (Sorgfam in §errfd^erfraft 
€ett er bcn ©trömen Ufer, unb gciggcflab' 
!Dcm aO'iccr. 3lttcin unenbUd^, Icnft (Sx 

©id^tenben Slug'g unb geUnben aO'iad^ttoort'iJ 

$)cr ÜRcnfd^l^cit fioog, allttjaltcnb im <S^)]^5rcnnang 
$)eg einen 2öillcn2. Ob @r bic 3ilgel fhraff, 
Ob lod *rcr ^&It, cg ijl berfetbc. 

@r, bcr SScr&nb'rung unb ©lildC unb Unglüdf 

@5^t au3 bcm ^rbbaH, »cld^cr bcr 93Mfcr ^ot^ 
Unb 5lngjl unb Hoffnung, tt>eld^cr bcn Unbeflanb 
S)cr STl^ronc fd^idft, unb beg (Sl^albäcrg* 
Sll^ncnbcn $:raum mit bcm Sliefenjlanbbilb. 



1 SRahiAobonofor fal^ im Staunt eine Statue an9 ®olb, eilUt, (5r« unb eifeft" 
emmgtem ^^on , toti^t in fld^ ^ufammenfülrgenb bie oter fid^ nad^etnanber »er« 
j^lhtgcnben fÖütmonax^fittn, 99at^lon, fperflcn, SRacebonien imb 9t»m »etflnn^cte. 



— 280 — 

$)en jloljen 93omi^, bcr um ba2 ßünft'gc frug, 
©rfd^üttcrt unb gang SBab^lon in 

Scl^redcn gejagt mit crl^ab'nem SBunbcr« 

5)cr ieben 3"traum au8 bcm befd^icbncn S5om, 
^er Silber, ®oIb unb @ifen entflvbmen lieg 
3luf « aBeltgefUb, (5t fd^müdt beg 5Dafein8 
3ai^re aud^ 2)ir, o bel^ergtcr SBa^lfürfl, 

üRtt l^eitenn grü^Ung. ©einer ©eilime ©lanj 
®el^t l^er t>or il^nen. ^nmm gefd^ftig jtuar, 
93ergang'ncg in ba« S^t* i^ mengen, 
gül^rte burc^ l^ette unb ftn|tre 2oofe 

(5r unöerfe^rt ®t(3^, »enn @r SDir balb baä ®lü(f 
3n ftrengem Sluffd^ub fünbete, balb ©ein ,^au^t 
$on fonnig milbem ^ag umtvel^^n lieg. 
(5r l^at bie geinbe S)ir all' cntmut^igt. 

@r trog burd^ ßijt He, trieb fte mit @tum^ jurütf, 
SBegtoang mit SBaffen, l^üKte in ®lut jte ein, 
@rf&uft' im ©trom fie, unb öcrfenfte 

©purlog ber Änirfil^nben Sel^r unb SÄüjhing. 

5)er jlag bei 2öinH)fen,* »al^rlid^ an Xobeggrau'n 
@in anbreg Äannd, jagte ju tiefft hinein 
3n'g faule SJloorfd^ilf jene »irren, 

^läglid^en Xrümmer bed fliel^'nben ©urlad^ 

Unb fiutterg §5]^*n,* noc^ l^eute ton $)&nemarf 
SSertoünfd^t in f^tDargen 53lSttem, pe färbten ftc^ 
95om fc^&umenb rotl^en 93lut ber Kimbern. 
SBenige SRejle, bei büfi'rer J&erbftnad^t 

2)er Jg)eimat ©ümpfen toieber jurüdgefanbt, 
©ra&l^lten angflöoll laufd^cnben ÜRüttem bann 
3^r fc^aurig ©d^lad^tgcfd^icf, erj&l^lten'g 
3ammcmben aGßittioen am oben Säger. 



1 «ter fd^tug Ziüii am 6. mai 1622 bm a){ar(grafen «eprg gfriebrii^ Mi 
fßahm'^^tU(ff. 

9 Dort eeftegte «(tt!? ^ett ©Änetif^ig (Slri^an IV. am 27. ««gwft 1826. 



— 281 — 

®o \px\^t ber 6el^er: ®txn, rx>tnn bie Satt(^ fd^Ht 
3u ^otjcnn Sölad^ttoort, berjlen bic Hoffnungen. 
$)ic aHjutJott mit SGBinb gelab'ncn 

99&lgc, be» Söinbe« ®ctoalt acrf^)rcn9t ftc. 

^cd^ f\tf)\ toir fle{)'n in ÜWitte bcr ÄSm^)fc fd^on. 
Äaum fd)lo6 bcr 93öl^mcn Sarai« bic Pforten auf, 
2)ic fd^icffal^öoKcn, ba fd^on blinftcn 
Stujhia'g 3eltc ton deinen SRautcn. 

©citbem erlaub in nid^tigem UcBetmut^ 
^rag'« aöintcrfönig feine« SSerrat^'g panier, 
iEBie brangjl bu bei be« jhiege« SBranbung 
©icgenb burd^ immer erneute ©türme 

5luf« SBort ber STugenb! ©o n)ie auf J&erafle« 
$)ie böfe ©ieben, S^ino, gelapet, toie 
eur^fil^eu«, eto'gcr aJlü^'n ©rfinber, 
(Selber erlal^mt, ju erl^bl^'n bem Äned^te 

5)ie SGßunber^rolben: äl^nlid^ erfd^lugfl 2)u, gürjl, 
öcgiüdten 5lrm'« bie SBefiien l^ingereil^t, 
$)en Sfieffu«* un« ben flammtoergeff'nen 
ZtxVn unb bie ©tiere, bie feuerfprül^*nben, 

!J)ie H^bra bann, unb 93i^ern, bie rafenbev 
5(1« fievna'« SDrad^e, tbbtUd^en ©eifer Wxt'n. 
3n Krümmern liegt fo üieler ©räuel 
Änotige Äctte, gerl&au'nen @d^lo§e«. 

2Ö0 foll mein ©taunen gipfeln? @r fanf ba^in 
5lu« großem SBagni^, «ßorben« Slnt&u«« fanf, 
Unb nod^ fein SJlutterlanb gu finben 

SBarb il^m oerfagt auf bm @bnen Sü^en«. 

$)od^ (5acu«3 fd^ang,>.ein toilbere« Ungetl^üm, 
$)en @^)eer gu (5ger in bie gebotene 93rujl 
§od^aufgeredft, unb jlürjenb fül^nt ein 
SRiepge« Opfer gerechte Slad^e. 



1 IDfefe Unl^otbe ^aben jbre Befitmmte sBeäe^unfl auf aRann6felb, ffriebri^ T. 
m ber ^falg, ben Sectöntg (Sl^rifttan lY. unb bte übrigen Ocgner 9){a:c{miUane* 

3 ®u^aft 9lbolf, 5töntg »on ®(!^tpeben. %itl in ber eäfla^t bei Sö^en am 6. 
o»nnber 1632. 

S.Oeneraltfftmu« SBaKenftein, ermorbet ju 9^tK am 18. 9ebr. 1634. 



— 282 — 

f)u toamtefl I5ngfi, ritt ©el^, tote uitt>ennerft 
$^on feinen |)ebeln loonfe M Sieid^ed €h:unb, 
^er 3<kuber arger ^5Uentr&n!e 

Sittemb an il^m, unb bad 92e^ ber SBrauen, 

Darin emrarmte, f&nftigUc^ dnge^Mt, 
(^n nadt^ Serbred^, bid ed geflügelt brang 
Sln'd j^age^Uc^t, unb grau*nenegenb 
m^ SBaftlid! fein entfe^lic^ (Si brad^. 

Da tt>arb benn enblid^, enblic^ ein Ol^r gefd^nft 
Der »al^rflen ajlal^nung. ©nbUd^ erfd^immerte 
Die SBeidl^eit aud ben Sügentoettem 
HRSd^tiger, »infte aug Diieibegtoolfen 

9lug bid^tgebattten, fonnigen 5(ngcftd^tg, 
Unb aUergreifbar fhinb pe am SBeg, begrübt 
3Rit offnen ^rmen. ©ie nur toar eg, 
Die Did^ gelehrt, ber jRebeKen Äeile 

Unb ©c^langenbal^nen <)flügenb binburd^juge^n, 
9ln 9lul^m bereid^ert, grb^er erliefen fletiJ 

S5om Drudf beg @d&idtfafö unb ber äRiggunfl. 
geinbeggefd^o^e nur fd^&rften Deinem. 

53ebrSngt tjom ©d^merje magfl Du ben 3:a^fern fel^*n, 
®ebeugt bigtceilen, aber begtcungen nie. 

eg fenft ftd^ !aum berül^rt, bie SGÖeibe — 
©tolger erl^ebt i^r ©egtceig bie ^Ime. 

9^ie pnb öergeffen, »eld^e fo gern ber §err 
SSergi^t gur Prüfung, ttjenn fte bie SBunbe nur 
a^it ®d^tt?eigen bulben, unb nid^t gaubcrn, 
garten ©efd^iden bie Sörufl gu öffnen. 

aWit mir, Du ©roger, blStt're bie Seiten burd^, 
Unb fd^au bag §eute flaunenb bem öinfl ge|)aart. 
©etöcgt öon ungeal^ntem Olüdfe 

SWu^te bag Dunfel ben Stag entjünben. 

Dein ßcbcngabcnb ^at gu ber fiufhen jc^n 
ü^eun Do|>))elja]^re reid^Ud^ l^ingugefügt, 
IRod^ unterbüflert, unöertoeCft nod^, 

S'iimmer entblättert. Der ^UQtx\h ©ce^ter/ 



— 283 ~ 

5Xiii «ttn mnübct'g, aller ®cfci^5ftc ®ud^t, 
©0 fd^mcr fie brürfte, ncrtig bctt>ä(tigcnb. 
5)ie (Segner »oKten 5)i(i^ ternid^tet, 

iSßoaten gemorbet £)td^ fd^auX bod^ lebfi £)u, 

Unb fo tiel froher, ba ju ben ©dftatten l^in 
S)ie geinbe fanfen. SDid^ öon ber aj&ter 5:i^ron 
3u flürjen fantt il^r pan: im @tbe 

§crrfd^eft ^u fort; 2)id^ im ©taub gu ^lünbcm: 

5)a fpro| ber ßorbeer gl&njenber @iege ®ir; 
Wxi argen 5:ü(!en niebcrgu^au'n S)etn ^eer: 
$)od^ immer »ad^ fliegt ^Teiner [Reiter 
©türmifd^e SBoIfe ouf offnem gelb ^in. 

Ob $)id^ ber ©d^tccbe to&l^nte jermatmt, 2)u flel^jl, 
Ob tobt, frol^Iodffl 5Du. $)ie ftd^ 5Dein prjienfd^loS 
9^od^ jüngfi geträumt aU neuen SBol^nfit. 
^Rul^en begattet in niebrer Urne. 

^ie bteigetroffen, bie t)on ber §(ut]^ öerfd^wemmt, 
$)te fum^jfbegraben, fliegen tjerfd^iebnen Iob*g, 
$)od^ gleid^ an ©räbem fte gu Raufen 
SRieber in'« bunfle SSerUe^ ber ßeid^en. 

Darunter manche, bie ber SBemjüfhing glud^ 
5luf ^ 93anner fd^reibenb, aUeg ber ®(ut ju n)ei§*n 
<Sid^ angefd^tdCt — ba fanf- bie Sol^e; 

JRingg gu t>erl^eeren beg fianbeg ajlarfung — 

©a tt)ogf^ aUJäl^rlid^, ü^)^)iger @mte öoll; 
?luf Öilrgermorb gu l^Sufen ber ^tmt Schutt — 
©ie ftc^'n öerfd^ont, unb gleid^er ^xtxht 
gügt fid^ ber alten bie jüng're OJiauer. 

jöag etngefd^üttet, fielet nur getoaft'ger auf 
Wtit neuem ©oUt^erf. ©iebel an (Siebet fieigt. 
Elitäre ^)rangen. 3« ben Ztvxpdn 

SCöül^Ite ber ginne mit freolen hatten — - 

3al^lreid^er lieben jene ba« ^etl^erl^aupt. 
3ur ©tabt l^ernieber lief ftd^ auf offnem ÜRarft 
5Der großen Swngfrau ©d^u^. 9lug Unl^eil 
Ir&ufet ung (Slüdf, hjenn gebeut ber ^immel 



— 284 — 

2Rit tiefen $auem teoKte fo mattd^ geinb 
I^en @tamm ber ©oier ööKig enttoutjeln f(J^on, 
^a toud^S uitflerblicl^ neue 3nt(^t an« 

Söottten öerftnflem be8 SRul^me2 @onne — 

@ie fhal^It tjon neuem; ^emmen baiJ aRa(J^tgebot; 
Unb toeiter brang eg. ®5nnte bo(J^ ^eibelberg* 
93ereitg bem göns^ing feinen @pro|en! 
©eltner ©rfolg - unerl^brtc gügung! 

5)em ©reife fc^afft ein bop^elter ^be 5:rofi 
Unb 93aterfreube. 2WSpg öerfd^eud^et $)ir 
35ic ©orgen, niäl^Iig frönt "Tein Sllter 
gerbinanb l^olb, bie erblül^'nbe SRofe. 

©d^on »arb er 93ruber, fd^on ifl an ßajlor eng 
(Sefd^miegt ein ^ßoUur. ©d^on ju ®e^Iauber fliegt 
©ein l^erjig fiad^en, fd^on burd^irrt er 
Steine ^alSfle — ein ftciner Jj^eroS. 



2. 

^ne^t Ü(<i0e ber of rtjeitgeitbeit fT^titr wibft bie 
ititbaiit0ateit ^tetfß^en.^ 

Lyr. IV. 9. 

5ln bem JÖergqueK faf id^, bem eid^uml^egten, 
Unb mein 2lug' ^ing frol^ an ber n^alb'gen öül^ne, 
$)ie l^ier auffprog, ^ing an ber ^\ax frummcm 
^aUenbcm ©tranbe. 

®a, »erfcnft in'g 93Ub ber ®e]^5lge«b5mm'rung, 
©d^redPf id^ unfanft auf, bcnn ein rieftg ®efen 
§ub im (^id^Iaubtocl^'n mit bem gagen ©id^tcr 
ßaut ein ®cf^r&d^ an. 

geig umt^ürmt i^r S^aitpt, bie erHeid^te ßodfe 
glattert banblog l^in^ bag ©eftd^t ifi furd^ig 
SBon ber 3eit W^öfti^Ärr', beg ©etoanb'g entlebigt 
«tarnet bie 3?rufi il^r. 



1 (J^urfilrfl 9rtebti<^ ▼. pon ber i^fali, ^oximilian» Settec 

2 8Rit itatittttgen. 



— 285 - 

©d^reibe l^in, mem ©ol^n, ber Qat)aren länger, 
©d^retbe l^tn, fo fCangd, ber Statur geiDeil^te 
SRcd^tc, tief grab' ein in bie ©ud^enrinbe, 
aSkd i(^ bir flage. 

Unb t^r 3)kl^nn?ort fd^oQ tt)te ber glut^enbonner, 
^enn bie ^onau iD&lat in bad 3Reer ben (&i^^^, 
Unb ein ©turmmiUfomm bie guerfl gefunb*ne 
^oge ber «See grüft. 

^Ibbe^ ^ol!, fletd ^ajl bu geiDÜnfc^t »erfagte«! 
Um ben ©aumrei) me^r ^u geniefen, einß bed 
^ranic^g S^aU, einmal, toie ein jhiabe tl^at, bie 
9^ü{lern bed 'J^aS^om^. 

glügel »ünfcbt ber l^ier, ho^ ein fle^*nber S'Jaci^bar 
3ie^t bie ©c^toimmtraft Dor bem ©e^eber 2)&bald, 
Unb ein ®rei^ l^offt gar, toie bie ^&^'n, ^u fd^aun brei: 
J^uubert ber ßenje. 

%U mein Söerf mi^f&Ht. SDer öerfunfne ^öbel 
Äel^rt mit Unbanf fid^ öon ben bepen ®aben, 
Unb iji je^nmal reif, in bie felberbet'nen 
Uebel gu ^rjen. 

®D i(§ (Sintrad^t fc^uf, ba entgttjei*n bie 2:i^oren. 
«Rügten an* i^r ^funb nad^ .ber SGÖeigl^eit SHegel, 
O mie frol^ bann \^% o ttjie glüdfberauf(!^t pe 

3(uf gu ber ®eb*rin. 
• 
labler fe^*n nic^t ein, tt)ad pe anberd münfc^en. 
aSer beg D^ac^ar*^ ^erj in fr^ftaß'nem ©ufen 
W66)U fd^au'n, ber xt>'xt\* ja fein eignet 3nn*re 

Lämmer nac^ au^en. 

lißenn öerliel^'n eu(^ toarb nur ber S^^Ö^^ ^^^^' 
®aget, toel^Ib aifc^t i^r fo boppel^ilngigV 
^oU ber Unfc^lb toar unb bem Sruge fremb ber 
®tamm, ben ic^ jeugte. 

3enem Urbilb, ac^, toer entfprid^t il^m onnod^? 
Sü^ie t)emunftIod raft unb erbebt unb l^a^t il^rl 
etiergebrüa tbnt ringd, ic^ erblidte £btt>en, 
@&ren bebr&u*n mid^ 



— 286 — 

^tl^ 9lad^giet !o<i^t aud bm tieffien %a\tcn 
Seber 93ruP? xott liebt unb ijl frei t)on ©d^anbc? 
Zobt ein Unl^il mel^r, afö ber ä^tn, ber SDlorbe 
Raufet au ^üdeCn? 

9((i^, au aQ bem tritt bie enta&umte ^abfud^t. 
@c^on bag Äinb, faum log öon ben Sßßinbeln, träumet 
©tolger ^errfd^aft tiac^, unb bereite ber SGßelten 
(Sine genügt nic^t. 

Die ton Süiittaggglut au TtttaU gefoc^tcn 
Dämpfe frrü^*n trugooU für bag 2lug\ ic^ »u^t' eS, 
äReine iBorfid^t barg benn in bunfler ^rube 
Seglid^n ©olbpral^L 

diüf)t ba« (Sra glcid^ tief, eg erf^jäl^'n'^ bie Äna^<)en 
©iergebr&ngt aliSbalb, unb fte bringen ein bi^ 
^uf be^ ^ergfc^ad^t^ ©runb, in bed graufen $luto 
9^&(l^tige)i »or^of. 



• » 
« 



Äciner nimmt jur $anb ein @cf&6 ^on JBud^cn. 
D^ur ©maragb, l^oc^fd^&umcnb Dom Jg^erbfic fd^toingt man, 
6V<>«^ciii trinft gut ftd^ aug perlen, 'g mirb bie 
$erle getrunfen. 

©^arteratoerglein bau'n mit beg 3Jiarmor*g Duabern 
Ueber'g $)acl^ aug. 3)rin im Äv^fiaUgemad^e 
$)am^ft ein @ee. ^od^an ob bcg ^aufeg ®iebel 
SBiegcn ftd^ SGö&lber. 

©etbfl bie 2Rcerflut^ fi&u<)t mit eraürnten Ocijseln 
@in 5:^rann, ttjilb bro^t er bem ^cijgem $^öbug 
Pfeile, gauftfd^lag brol^t er h^n Sleolgbadfen, 
Unb mir bie Siut^e. 

%ä^, tt)ol^in bein fiauf, bü gebeugte^ 2:i^ier, bu 
SGi^ina'ger (^bantl^eil? (SiS entfd^toanb bein Urfprung 
3lug bem Sel^m ooHenbg bir, o ©taub unb 2lfd^e, 
fiüftc^en unb ^auc§ nur! 

^inau fd^u^log ^Sngjl bu t)erbot*ner fiuft nad^, 
Unb oerfd^mS^fl brob mid^, bu betl^brter ®^rbf ling. 
Söarum eitfl tjom Dfl bu l^inab aum Sßßeflen, 
Slie^enb bie ÜÄutter? 



— 287 — 

3eugc fei Ü^emig, bie mir ©c^tocjltr, 3^9^ 
inemeftS, bie folgt bem ^tna% bu bügefl! 
^f)x ©eric^t fc^* bang, ba fie eingebenf bed 
iRed^td unb bed Unred^tö. 

tilg im @i(^Iaubtt>el^'n bie 9^atur gdlagt bieg, 
^rad^ fte trauemb gang in ftd^ felbfl gufommen. 
^o(^ mein ^aupt umflarrf, im ^rgrau'n ber ^aare, 
(^figer (Sd^uber. 



3. 

im bie iimgfrfttifUle "gBinUn. 

Um einen feiigen £ob. 

Lyr. IV. 49. 

^u meineg ßebeng l^el^re SSefd^ü^erin, 
Unb gleite Hoffnung, bcv id^ mein Wit^, unb 
W\^ felbp getpibmet, gib, beöor mir 

32Binfet bag ßoog unb ücrl^üllt mein Sluge - 

O gib mir j^l^ränen, l^eiliger Sü^nc öoß 
Unb fügen ©d^mergeg, meine SSerge^n gumal 
SBerfenfenb in be« SUleereg 5lbgrunb. 
fibfe fobann mir ben gaben, S^wd^^"/ 

VJlit jartem ginger. Äeine ber Sllten brei 
5Bom @agenlanbe jliirge ben Olodfen mir. 
^ic§ fagt ein ©rau'n. (Snttpinbe einzig 

^u mein ®ef))inn{l, toenn eg j[e mein eigen. 

@o bet' id^ fel^nenb: gliefe mein fieben^rejl 
^un aug bes» ^ergeng Urne, bie fliUe glut^ 
ajlünb' ein in« 2Äeer beg ^b^ern ÜDafein«, 
Unb eS Dermäl^le bie fanften SBellen 

aWein Sfarborn ben 3:iefen ber @»igfeit. 
<So bal^ne ^ilfretS^, 2)^utter, unb milbere 
^eg bangen Xobed unabtpenbbar 

^r&uenben SBeg, unb bie @eele n)iege 



— 288 — 

Unb Xem^I anbre, bringe fo mand^ bar 
5)er £&mmer ^eiFgc 3«^!/ bic ©tufcn 
geierltd^ ne^tnb mit reinem Sütte: 

^o<^ id^ mU fnieenb l^arren unb ftnfe feCbft, 
^it Sei^ebinben faltig bad ^upt umfüllt, 
53om fiorbeerfranj bie Stirn umflochten — 
©terbmb )>or Innern SUtor aU Opfer. 



4. 

Lyr. HL 7. 

3ltö, Sungfrau, gang ^u enteilt ber (5rbe 

Ueber <BUxnf)Wn jogft, an bemfelben Jage 

^^etgten blütl^umfd^neit ftd^ bie etc'gen ^üget 

gromm $)ir entgegen. 

6ü^ im ^nb(i(f ^ein ijt enoad^t ber $immel 
(5^or unb feminin flang'g: ^SSßer ijl 3«ne, bie aul 
9Raul^er ^itbni^ 9{ad^t ba ^erauffteigt, unb aui 
@d^retni(^er Oebe — 

^eld^ Prfttn fdbmebt ba empor? O gan^ fd^5n 
perlet @ie oom 5:i^au be8 ©ntgücfeng über, 
Unb in*Ä gi^^linggttiel^'n, am ©eliebten ru^enb, 
^t^met fte Blumen. 

©0, menn 93olImonbgIanj in bag fpSte 5)unlel, 
3n fein SReic^ eingiel^t — ba »erglüht ber SBagen, 
eg erbleid^t Slrftur, unb gefenft bie fianje 
@ci^tt)inbet Orion. 

©0, »)on ttntli^ ^olb, in Umjlra^lung l&c^elt 
^l^bbug milb ^eröor burd^ Slurora'g 2:^ränen, 
aSenn ben 93öglein aU, ben gefd^müdCten, golbnen 
2Rorgen er juruft" 

iBä^renb flang fold^ Sieb, t>on beiS @o^ne$ 9[rmen 
^el^r er^dl^t unb me^r, überragfl £)u ^Oed, 
fS^i nid^t ®ott \% tau^ft in ber ©ottl^eit ganje 
güUe ben ®eiß ein. 



— 289 — 

lauc^* il^n ein, bod^ lajs t>on bcm fügen Slbgrunb, 
$)en fo enblog tief $)u gefc^lütft, ein Irö^flein, 
O nur eing l^ertl^au'n unb bie Xl^r&nen Unbem 
Unfercg (Sibbattg! 



6. 

jitt bie fefig^e ^iitttgfrait. 

3ot SSegriffc, nad^ ©bergberg gu gelten. 

Lyr. ÜL 11. 

$)a ic§ mic^ wiebnim, mübe beg D^ebncrfhil^lg, 
^er @orß' entlaftc, unb auf bcfc^mingtem ?Rab 
^infliegenb ©bergberg« gemölbtcm 

aßalbcgtjcrficcf mic^ gefangen gebe — 

59ett)a]^r' gefunb mic^, WutUx ber greube 3)ul 
^it fonn'gem 3lntü^ banne bag ©d^neegewblfl 
5l^nl, ber raul^e, mög' erbarmen, 

33ig er üerl^auc^t in gelinben 2öefitt?inb. 

Unb traut mein Äal^n ber 93läue beg naiven @ee*g, 
ii^afe bann ®ett)äffer, frieblid^ unb tr&nmerifc^, 
3luf iäl^rlid^ auggebienter (Sid^e 

@ütig mic^, fonber ©efal^r, burc§|)flügen. 

$)ocl^ nid^t umfonft. Äajint fü^r' id^ bag Sfluber je, 
S)ag treugelenfe, ol^ne ein ^olbeg ßieb; 
$)arin ic^ grüge jeneS ©egel, 

Sßetc^em ber 9^ame marb: »@c^iff beg Äaufmanng/* 

O S)U; t?or allen 9^i)m|)]^en an ©d^ä^en reid^, 
@o »erb' ic^ rül^men, fül^rtefl ung grüc^te gu, 
2luf fernen ^immelgau'n gc|)flüdftc, 

©tiHtejl ber fd^mad^tenben Söett ben junger. 

aÖDl^Ian mein §ort auf f|)iegelnbem 2BeIl(en))tan, 
2Rein l^utbumflofener, ISd^le bem Sänger ju, 
3ltgbann gu bunflen Är&ngen fled^t* id^ 
35ir, ^^moboce, ©c^ilf unb ä*''^^^^ 



Navis instltorls. P«r«b. salom. 31. 14. SSon ben ^1. SßAtem auf Wlaiia bt^iu. 



IBe Retina 9 CT, ^acobuS ^alt>t. 19 



i 



~ 290 ~ 

7. 

I. ©cfanc;. 

©cl^, au2 bcn n?ivvcn flatternben ßorfcn nimmt 
^ic beutfc^e 3ung^au fd^merglic^ bic O^ofengier; 
entftcßt ift big gum ©rau'n i^r ^IntUf. 
^t^, ftc bcftreuct il^r §aii^t mit 5lfd^e. 

®etci^ ßcttcnb 3ammern fd^(äo;t mir an8 Ol^r unb rü^vt 
3)cn 2Bolfcnfaum? 2)ic unübcminbliÄc s 

5Bcltf5ni(iin — fte ft^t gcfncd^tct, 

Äinberberaubt unb in SBittttjentraucr. 

2Bic n?enn t?on QSevgl^bl^' bröcfctt ein gclfenblod 
Unb fd^mcttcmb abrollt — alfo, mein Äaiferreici^, 
gicift bu auc^ gäl^tingg. gerne fiänber 

2)f?ad^te bein bonnernber ©turg noc^ beben. 

$)ie nimmer träcje ^a6)t, ftc nal^t, cjefnü^ft 
S(n il^r SScr^ängni^. Uebcr bie ©aaten fd^mingt 
(5in reifer 5lbenb feine ©id^et. 

^art an bem greifet fd^on braut fein SRSd^er. 

O mbgt il^r 5lugen bunfetn 1 ($S löfe fidb ^ 
5)er ©d^merg in 2Bogen! 3fl^obo^e'g gemcrn gteic^ 
^Jibd^t* ic^ in S3äd)e ganj verfliegen, 

5:^au'n in beg ^Smug ergofinen (Siggang.^ 

glutl^' aus in ©trbme, fc^njinbenbeg Sebengmarf! 
©efangne 3ii"#^"'n W ^ i^ Raufen bort 
Unb tüeine, fel^' ber Sugenb Slütl^e 
krümmen fic^ unter SSanbalengeigeln. 

®ro§t]^aten, nimmer cjlaublid^ bem ^Ütertl^um, 
Unb feiner S^fi^^f^ glaublid^, l^at unfrc 3fit 
©d^amloS t?erübt, bie cifenraufd^enb 

SGBogt t?on ber Uebel t?ereinter ©ü;nbflut]^. 



1 SItv. lyr. IV. 3um erjienmaU üterfe^t 
% JR^obo^je unb J&ämu«, ®ebirge in Zfixadtn. 



— 291 — 

©eit UTt8 im SRunbtanj jenfr Äontctcnfdjtocif • 
©lül^rot^ crft^ienen — mann l^at ein gütig 3<i^r 
Tür je gcbSmmcrt? Ucbcr 9iorbcn8 

©trötnc, bic braufcnben, flo^ bcr gtiebc. 

$)CT ^icg, ein ©Smann, fdbautc fd^on brci^igmal 
ein gelb i?on Sangen grSpc^ l^erangercift; 
(Kentauren, eine (Sabmugemte,^ 

gSrbten bic gurd^en, bie tDaffenfd^mangem. 

Sd^ier unbcttjugt, bod^ fidler gcrfc^lSgt mein 2lnn 
$*en bangen iöufen. ©enfgenb erbulbe ic^ 
3Ri§]^anblung unb ber ©trafen fd^merfle, 
gaUenb aU O^^fer ber ^unnenmorbtujl. 

®efd^o^burd^tt>unbet; tricfcnb t?on eblcm 93Uit, 
SSerfcngt t?on 33rünfien — ^rbe, wa^ at^me id^ nod^? 
5luf n?cld^c ©rauet foU id^ l^arrcn, . 
Sßclc^er 33cmic^tung entgegenattern? 

3d^ ring' in Sßel^en, aber gebäre nid^t. 
3n taufenb iöilbern ft^redft mid^ ber ftc^rc lob. 
3m §erjen 5lngP, ben geinb jur @eite, 
S3in ic^ toon au|en bebr&ngt unb innen. 

$)cg SReic^e« 25urgen, ©drangen unb SßäUe felbjl 

Sei^'n feinen ©c^u^ me^r. Söotfenanfhebenbe 

©arttprme, ftolge Sl^or' unb 2Rauern 

©türmten gufammen, ben @runb öcrfd^üttenb. 

©ta^lfefteg ©ottnjerf ifl in bie Suft gefrrengt, 
211g mären'g §üttd^en, SRiegel unb ©c^tog gerbarjl. 
SDer 23auten "Dlai^ab fef;t im ©d^utte; 

üernt aug bem @rab bag SBegrab'ne al^nenl 

gCßeit gä^nt bic ©tabt, meil gagenb bie 33ürger flol^'n, 
®lcid^ ttjunber Äinnlab', jeglicher ©^^eife leer, 
5Der unter blutig toitbem gauftfc^tag 

SBrac^en cntttjurgelt bie SRci^'n ber 3S^ne. 



1 1618, ))or bem tSu9bru(^e beS gmen JtrtegrS, erfibten ein jtomet. 

2 (SabmuS fd^te ^rac^enjä^ne, ivorauS (Kentauren ^enoonoud^fen, bie fi(^ gegen- 
g nieberme^elten. 



19' 



— 292 — 

6o, menn in jlcilen ^l^&Iem ^ Jpungcr oft 
t>t^ 2oxotn ©rut, be^ libtjfc^en, aufgcrcigt, 
OJiav^ft Du pcrlaffen rincjiS unb fc^mcigcnb 
^d)aucu bie Xriftcn unb ^trome^ufcr. 

ÄTein l'eben^frü^Unc^ rettet Die SttQ^ttb mel^r, 
Den ®reig fein 5llter. 9fiebeneinanbcr rul^'n, 
(S^etrennt burcb feinen ^ügelrafen, 

^c^ön^eit unb iugenb unb 9flu^m al^ Scic^eu, 

(Sin ungel^^urer, innerft erregter ©türm 
Durc^brauft bie ©ruft mir, tautet mir bie @eclc ganj 
Jn ein unenblic^ ^eer t?on Seib. ©c^riÜ 
§eult um baS putl^enbe ^erg ber SCöel^ruf. 

2)u Unglücff el'ge ! ©röge germalmte Dic^ ! 
O ^ätt*ft Du niema(2 l&nblic^em §ö^lenbau 
Den gttfe entlenft! 2Ba2 gabt i^r mir bie 
lücfifc^en 6cepter, ibr argen 9}iäcbte.? 

Da^ 3ftömevi5Beltreic^ bal^nte auf (Jl^ren l^in, 
Durcb ^oc^get^ürmte ©c^ä^e ben SBeg mir nur 
3u ftolgerm Untergang. @g muffen 

(SJunft mic^ unb fd)Iimme ©efc^enfe morbcn. 

Da§ mid) ber 33li^ftrat)l felber gu 53oben fc^lüg\ 
Vertraut' ibn alfo S^piter meiner $anb 
3n graui'em @))ottel Deg^alb folgt mir 
©tetig fein 5lbler' fo trcubefliff en ! 

O bürft' id^ lüieb'nim ^eim nac^ ben 3ll^en^öl^'n 
Unb nac^ ber Ouaben tt)ol^nücl^en Jpainen giel^'n! 
©0^1 irrt' ic^ lieber burc^ ben tiefen 

®runb bti ^erg^nifd^en SÖ^albe^ unft&tl* 

3n franfe ©täbte fc^lo| midfi bag @lenb ein, 
Da§ ic^ ber SJlenfc^^eit Pagen gumal ertrügM 
®ebt mir gurücf bie fd^Uc^te D^al^rung, 

^immlifd^c, lajt mir beg SBilbe^ ©rotten! 

1 3)er ^bler Jupiter«, ber bie ^Blit^e tn feinen Jtlauen l^ält, totrb ^tcr in !8<* 
ite^ung gebracht mit bem ^o^^elabter be9 beutf(^en fftti^ti. 

2 ^ie Ouaben —• bie alten iDM^ren. 1)er ^erji^nif(i)f SBalt erftrecfte fic^ faft 
burd; d>i>^i Deutid^lanb. 



— 293 — 

©lücffergcr lebt* ic^, ba id^ öon 93uc^eltt fatt. 
@o bann' bcn junger 93\icl^cl unb ^acfc mir, 
©0 fül^r ben ^urj^ ber moogumfSumtc 

CucH; ein fntaraf^bner ?po!aI ol^n* ?lr(^lifil 

9^od^ jc^t erfennc t>&tlic^ niid&, ^acitu^! ' 
T^ft SBrufterfprogc, ' tauci)cnb in'8 59ctt bc8 JR^cin*3, 
(Sx f^^rccbc fcbulbfrei feine aWutler, 

3eugc bercbt t)on bc8 ©d^oolge« Äeufd^l^eitl 



8. 

II. ©efang. 

iffio^cr bieg Qualmen, bag in ©enjötfe tief 
Den ^immel 93ö]^eimg fc^leieil? 2Bag birgt fein ^aar, 
©ein fraufeg, ^^aeton, tr>ag br&ut t>on 
Oben ber @tabt bie umtoftc gacfel? 

Die tönic^gft^lang' (il^r fennt fie), ein anberer 
IXnf erger $arig- flürgte t?on bort l^eröor. 

Docb fü^rt gurücf unb fc^irmt mit SBaffcn 
2)f?cnelaug3 füi^tt bie geraubte @attin. 

^rag njar bc8 ^iegsj ©ranbfacfcl. @o f&nt gerab* 
3m glug ein ^ed^frang nicber ing 2aubgel^ölj, 
Unb faum ba^ eine 59uci^e ®lut fing, 

glammet ft^on auf ber gefammte Söalbgrunb. 

©rflürmt man ^Burgen, m&l^t fie ein ©d^nitter toeg? 
@o reid^tic^ finfen, burd^ fo getoiffen Zoh 
3crfti)rt fie nieber, toeit^in trümmcmb, 

5Bie i?on ber (Sid^el gef&nt bie @aat liegt. 



1 !8et bm alten 6ruftn:n xomtt \>a9 ntn^ehovnt Stint auf einem ^iffith in bm 
. ffttitin gefegt. ®tng ti unter, fo toav ti im (S^ebru^ «tjeuflt hliA t9 obenauf, fo 

galt ti für rei^tmd^ig. 

2 (Sl^urfürfi ^rtebttd^ v. von ber $fal;i, ber Söl^men feinem ^erm unb Oemo^l 
entführte, vait ^axii bem !D2enelao0 bte Helena. 

3 jtatfer Serbinanb IL, ber baf Sanb »ieber getoann bur(^ bie ^c^lac^t am weifen 
Serge bei $rag, am 8. ^loveti^ber 1620. 



— 294 — 

(5iu 'i)^'xex %xm jlie6 borten bic ÜJlauern ein 
Wlxt t)'6i)'xn ©tSrfc. fiobernb xri glammcu fielet 
©elbft ajiagbcburg : ^ »on müfier SBranbfiatt 
§eult mit (Sntfetcn bie 2;obtenfIagc. 

O bättfi 5Du imägbteirt, fret?tcr (Entartung tooH, 
^u Iro^igftotgc, ZiU\)'^ 33efe^t gct^an, 
^u ftünbcft l^eut mit gleid^er ©tirnc, 
©ad^fcng gebreitete 5lu*n bel^errfd^enb. 

9^ od) feine @tabt ^ub l^bl^er bie 3^""^^^ 1^/ 
9fJocl^ feine ©tabt pel tiefer burd^ Uebermutl^. 
6ie ^raffeln l^in, $)u liegft in 5lfc^e, 

^roja ber ©eutfd^en in neuem ©t^aubitbl 

O ^olbe SBIütl^' im ^eimifd^en ©täbtefranj, 
O 2)f?aing, i?or ©lenb raufenb ^ein ßocfenl^aar! 
2Bie »iel ber 2:^r&nen tranf ^ein HJJainf^rom 
Süngft aug ben eifigen ^olgeftirnen I 

£)ag ©tutgettjSc^g beg fränfifd^en SRebengott'S 
SBeraufc^t ©arbaren. Stimmer mit leifer ^anb 
^flücft oom ©elänb' ber n?ilbe ©d^tüebe — 
lobenb gerflam^jfet fein §u§ bie ^^rauben. 

SCßie einfl ber Ungarnfarre, fobatb fein ^au^^t 
SGBut^aufgeblafen fd^tt)enfte bag §bmer^aar, 
^ei^ angefiemmt bcg ©cgncrg S^lacfen 

jtr&nftc mit 93tut unb tl^n »ollenbg einbrad^. 

SCßel^rlofc 3«Ö^^/ ^^^^ ©cbirg gefd§le:|)^t, 
äel^rt ganj bie Äraft ber müberen ©d^ritte auf, 
SnbeJ bie fi&mmerfd^aar ein ^antl^er 

©tad^elt gur glud^t, ob gelähmt i^r gug aud^. 

SGßelc^ bürftig ^cmbd^en/flellt 5Dtd&, o SR^tia, btog? 
9lng Änic nid^t ijbllig reid^t eS ber 3itternben. 
$)u ttjanffi, bag 2lug' gur (&xb\ am ©tridfe, 
©claoin, ben SRüdfcn germalmt ton ©d^l&gcn. 



1 a^agbeburg, toon Sttt^ erobert ben 2o. Snat 1631 , unb ton bem f(^U)ebtf(( 
Cbcrjlen gfallenbcrg an allen (Jrfen tn S3ranb gefledtt 



— 295 — 

Sg brid^t $)cin junger m^l\^ an 2)ificln fiÄ, 
^cin 2)urfi am 5^ufflcin. ^ox(b, ein t>ertt>ornier SRuf: 
35u Tlao^h, »erbicncnb l^unbert gtüd&e, 

geil um ber $fenni(^e brei, t)on Rinnen l 

SSieUcic^t be« aKeerfanbS Äbrncr, icft jSl^lte fie, 
53ielleici^t bie 95?ogert, treldbe ber 92orb erregt, 
35 od^ ^abcrborn*g 33ebrSngni^ me^* id^ 
^u, nod^ ^lufirafieng ßeid^entrauer. 

©0 l^Ddf» beg ÜJiorgenS gtut^cn ber fatte 9^il 
5(ug fd^äitm'ger SiWünbung n^ätjet in*g SReer, fo brid^t 
5(uf mid^ I)erein bie fatfd^e Cftfee, 

2it)itb mir begrabenb bie 2:Bd&terflSbte. 

$>er 53rüdfen jebe fanfmit ber SBrüdfenitjel^r. 
(5g bot bem SRormann Xro^ nid^t ein eingicj X^or. 
SGßie geuer unb Orfan burd^ Söalbung, 

Sagt' er einiger burd^ bie ®aue 93a^erng. 

Unb bradB beg geinbeg itjütl^enbe 35rol^ung nid^t 
5ln 3ngotflabt, fo lieg' er Dom ©tepl^angt^urm 
Sängfl über SGBien'g gefrönte 33urgen 
©eine Dern?ilberten 33lidfe fd^meifen. 

SSerrät)^ jen' 2lntli^ brüben mein eifag nic^t? 
©ie ftnb'g, bie 5(euglein 1 5lc^, auf ber 2Bange glül^t 
Äein ffttxi, am §alfe !ein ^urotl mc^r, 

Unb auf ber Si^j^e fein dioi^ ber Slnmutl^l 

J)u ferge ©bttin, nit^t SBercc^ntl^ienl 
2llg 9Jiutter neibenb! Äaum nod^ erfenn* id^ 3!)id^! 
$)ein cinp fo leud^tenb 93ilb, S^^ele, 

2ld^, in tt)ie büjleren ©d^atten fc^n?anb egi 

©c^on freif't ein ©^rid^njort, menn pe ijorübergel^'n ; 
$)ieg alfo, l^öl^nt man, tt>&re ber (Sbelfi^, 
$)ieg i^r ©maragb im (Srbenringl ^a, 

Äl&glic^er Sölidf in ein fianb »on ®r&beml 



i ^Beiname (^IfUU'i brr großen ®dttennutter.. 



— 296 — • 

©e« beutfd^en 3o»i« fcjlc 2:arpcicrburg — 
CtlHirmt ip IBreifad^l Alraun, eS ertrage bieg 
$)er ai&d^er lajo unb be« 9fi^emgotf 8 

glutl^, M gel^ömten, in fcud^ter ©rotte! 

O fiei^jif^, tief ob miirgenber Sd^Iad^t »crioünfd^t, 
3n folAen üWorbgraug gogeft $)u gtau*n fogarl 
3u Sübecf tt?arb unb Sffiigmar, raunt eg; 
@affe unt ©äffe ber 3Rütter Sd^Iac^tbanf. 

®ro6glogau*g JP^ren trogen in ©trömen fd^on, 

Äleinglogau'g 9Jiarft|)Iat flutl^et oon Sürgerblut, 

Unb liegen f^littem fd^riH gu ©amberg, 

©d^artig Dom ©ägen ber SRcnfd^enrünt^fe. 

©0 vrenn §^rcanien§ 3Bbtfin bie ganjc Söutl^ 
3n il^ren 5:a^en fantntelt; gerreifet fte 
S)ag junge 9flinb in il^ren Älau'n unb 

©d^&umenb i?erübt fte ein gel^nfac^ ajJorben. 

3ertreten, ecfelnb, nimmer ju l^eilen mel^r — 
O @c^tt>abe, fprit^", alg glüd^tUng mol^in gule^t 
2luf ^Deiner Srrfal^rt ? Oft, Derjlofeen, 

aSeci^felji 5Du §erm, bod^ bcflSnbig frol^nfl 5)u. 

5)urcl^ Dualen itjad^fenb, Vitt^o^' 2cber* gleid^, 

SBleibjl ^u befd^ttjert mit ehernem Äettenring. 

@o»iel ber ©übttjinb SRegen Vertreibt, 

ÜRugt $)u ber 93bgte unb «Peitfd^cn fürchten. 

@o ^ielt ber 6clat)' einfl, müb Dom ©ateerenbienfl, 
2(uf Slugenblicfe trSumenb bag ?Ruber ein, 
$)od^ !aum erlal^mten il^m bie Slrme, 

Sllg fd^on ein SRiemen bie ©d^ultem toad^rief. 

9118 ajiaag ber ©d^mergen fielet um ber SBSter IKunb 
55ett)einengtt)ert]^er ÄinberDerluft ge<>rägt 
55ei giftigem Sad^en. (SmbenS SSürger» 
©d^aubcm gurüdf Dor entehrten 2:öd^tem. 



1 Stttjol, ein 9tit\t, tourbe tn ber Untettocft fiir begangenen 9ttod bamit § 
{traft, baf jttet Oeter ifftn Beftdnbtg bie 3eber au%(ften. 



— 297 — 

2öe(i^^a(ctt, a^, bom geinbc gut ©d^maci) umannt, 
©eji^^alen tuarb ntand^ »ütl^cnbcn £otila*8' " 
<5rtt)icf ncn SO'^üttcr. ®ram gu (Sger 

glud^et ein 9Beib ber ®eburt bed Sd^ooged. 

Unb fäb'S mein Stuge trocfcn? O l^r&nen piefet, 
3n tooHen Duetten Bred^et, i^r fieud^ten; au8, 
Ter ®reif* unb ^riej^er ©ilberlotfen 

fiiec^en jerflreut burd^ bie lüüficn ®affenl 



9. 

m. ©efang. 

Tai Palmar'« Ufer, 25otteng gcf^rengte ©udjt, 
t>ai jene« ©todf^olm, mitten l^ineingeBaut 
Stuf 93rüdfen^)fa]^Itt)er!, ba^ fte gcinbe 

©enben gen un2 — id^ ertrüg' bie^ Unglüdf. 

©arum ben Sd^treben geugen im eignen <Sd^oo6? 
O, nic^t t)on ^anmarf'g Äüften herüber fam 
3ebnjeber ©d^trarm, ber auf mic^ cinl^ieb — 
©eiber gebulbet* ic^ 2Rutterm5rber. 

3* fanb alg> ©egner, bie toon ber Jpürbe weg 
SD^ein 2lrm ()inan auf 3innen beg Slul^mg gefül^rt, 
93om ©c^reiberfiel, tjom ^flug, fogar i?on 
l'äftiger ©c^eere, t?on SGBatfermül^len. 

Sann jog ein 33ater, f&ugt' eine aWutter groß 

©oöiel 93errätl^er? aWitten in (Sutrop*« unb 
jRupn'g 55etrug bin id^ »erfe^t, in 
©tilid^o'g micbergefel^ifteg 5(lter.^ 

1 <^tn (9otb(n!önt(). 576 na^m tv 9(cm ein unb gab tt ber $länberun§ ^reif. 
iSet Salbe 0t fein ^amt (^(et(f>bebeutenb mit Sarbar, tDai er tnbef mc^t getvefen. 

2 (Sutrot>tu« unb 9lujinu<, ^etotffenlofeC^ünfltinge be« jtaifer« Srcabtu«, \a dhibe 
be< n. Sa^rT^. n. (5^r. 

etitiäfo, erfter (Dhntjter unb Setbl^err bei jtatfnr« ^onortuf. dt l^dtte ben von 
tl^m nur matt befäm^ften 9(lari<^ ^oemj^ten tdnnen, ivenn er getoottt l^dtte. (Srmovbet 
im 3. 408 n. ($^r. 



— 198 - 

T>\t blöbc Hoffnung auf bcn tJcrflcKtcn grcunb, 
Wit eitlen Sffiinben f^?«ifte mein @Icnb fte, 
^en @teg mir »ecijiel^'nb; bag ic^ tpanfte, 

©tieg mein SBertrauter mid^ in bcn Slbgrunb. 

®ett?agt ]^at*g gricblanb, unferer ^ixitn ©cftrerf, 
®en mi* ju ttjenben, ben ic^ i^m lie^, ben @^eer, 
Unb bot gu meinem ©tiirj im SBal^nfinn 
giirien auf unb bcn ^anjcn Orfug. 

©citbcr, aug alter Seiben ©cnüberbalt, 
Obftcßt.bag meine burc^ ber 33ergn}ciflunc^ ®rau'n. 
SSon Slnc^ft erbrüdt, fd^lürf' id» nur Xl^r&nen, 
grijle mit ?lfdbe mein trübeg ©afein. 

®ag lieg ber pünb^rung cjieric^e §anb t?erf(iBont? 
$)er ftnfi're SRSubcr jagt mit entriffcner 
^algjier, mit altt?crerbtem Äleinob, 

Unb mit attalifd^em $runf^ toon bannen. 

3n 3:em^)el ftürgt ber $:aumel bc8 Uebermutl^'g, 
^Jerrud^t unb flud^toert^, i^öli^cr (Sd^eu entblbfet, 
Unb tt?agt ang ®olb anbctunggn^ürb'gcr 
S^rone gu rül^rcn mit freölcr Äralle. 

ITcn l>eirc^en ©omft^ati n?anbelt bic ^abbegier 
Senfeit ber ©ee in unmicbcrbringlid^e 

5^ro|)l^ae'n bcg Sdaub'g, »cnn nid^t bei rul)igcm 
53lidfe beg ©immelg i^n n)ilbe ®lul frag. 

3ni eignen $ofe brSngen 93anbalen T)ix, 
O 3)eutfd^er, 33rob ab unter gejüdftcm ©t^njcrt. 
3m ©taatggcmanb flolgirt ber ^ijbcl, 

ßagert bequem ftc^ auf $)einem ^ur^^ur. 

$)ie $;rbge bedCt mit fofibarcn Ztppi^m 
Qxn aWarfctenber; \vas!> er an 33cd^cm flal^l, 
r.ag l^&ngt er an ben 93ug ber ^ferbe, 

©ag eg im SRitt tt>ie \>on ©d^cllen raffelt. 

©ie toenn ber eflc ©c^toarm ber §arp^cn raufd^t, 
gür §aug unb Snfag büftrer 33cbcutung tJoH, 
Unb alle Xauben fd^cu bat?onflol^'n, 

©tel^'n bic ©el^bfte ben ^lünbrcrn offen. 



i ^ttalut lU. JCöntg ^0n ^ergamu«, htx retc^fle 9tirfi feiner 3eit, 



— 299 — 

SBag grSmt 93erluft $)id) ? §ap 5Du boc^ allgufc^limm 
5)icl^ ffibp l^crloren. 9^immer ein gimfc gtü^t 
9Son Hoffnung; unb Dom fletcn 3(n:|)rall 

nmd) erfc^üttcrt Derfan! SDcin ©lürfgbaul 

Sßol^in, ad^, brängtc tüütl^enbcr junger 5)ic^? 
(5g galten Älci'n fd^on, ©id^etn unb n^ibrig ?(a8 
@in Doli Xalent. ©tnb ©ir fo üiel mertl^ 
Säng'rc ©ef^^tnnpe beg ärmfien 2eben3? 

O lögt ben Äranj, i^r norifd^en ^öd^ter, Iö§t 

SDen piaerfel)nten ! Xaufd^et bag Stütl^enHcib 

Um für ein anbveg; [cld^ ein 3lnblidf 

©timmt nid^t gu eurem Soog, il^r 53räute! 

6ie nal^'n! 3f^nittet fegt i^r ©elodfe bort 
5lltar unb (JfJric^. ©el^t, n?ie [u ®nabe fle^^n! 
2ßie tief [it ©tirn unb 9^adfen beugen, 

©tirne unb 53ufen gern?ül^lt üor Sammerl 

D^ic^t länger fc^lürfet anberer 2Rü^'n bal^eim 
$)er ©ol;n beg ©Ifag,* rul^igem ©el^agen l^olb. 
5ßo^l ungenjol^nt ber ©ommergl^i^e 

Tlu^ et ben 9^dfer nun felbfl erneuern. 

^^, felber, felber mu^ er bie gurc^e gicl^'n, 
Ob er audb niemalg fd^neibet bie ©cwt unb balb 
©iel^t groKenb er ben gcinbegl^aufen 

Xilgen bie Hoffnung beg fd^ivanfen S^^^^^* 

©eftönbig l^aft 5Du, (Scherge, ^ein 0)3fer l^ier. 
3d^ beug' bem je^nfad» flrafenben 9fiid^ter mid^. 
SBarum aud^ brac^ id^ SSätergfauben, 
S3ätergebr8ud^e Derratl^getrieben? 

3d^ lief, bie ÜJläl^ne fiol^ in bie ßuft gcfireut, 
53er)?bnte ^al^n ftctg, gegen ber ®otl]^eit ä^um 
Tliii} bäumenb, gleid^ bem jungen 9fioffe, 
3!)ag burd^ bie offnen ®eftlbc n)iel^ert — ■ 



J ^te ^etbarbfit urxiifyUUn im ®l[af toorbem meifl burgunbtfi^e Za^teffnt:, 



— 300 — 

6o lang, btd (Sinl^It blutig ber ®ot^e l^etfd^t, 
Unb ad^, eiS )&l^mt mit eisernem ^orngebig. 
@on id^ fortan mein brenncnb Ucbel, 

©OD ic6 Dcrflud^cn bcg Ucbclg Urgrunb? 

O bcibeg fü^r ic^! @cl^t mein Ocflcd^te ba 
93on ^au^t triefen, tcSl^rcnb mir S3lut unb ©taub 
Unb Qualm ben ÜRunb füllt. Sßeld^c @tunbe 
enbet bcr fieibcnggebid^te größte«? 

^d) benf bcr ^txXtn, ba mein panier gu l^bd^fl 
@uro^)a trug öor lieblid^en ©d^ttjeficm l^er, 
Unb mid^ aug allen gu ben Sternen 
gül^rte l^inan mit betl^ürmten fibtoen. 

SEßie fönnt' xtSfi fd^ilbem? Ueber ber Sommern $aff, 
3)ie ©artenflur beg fetten 93rabant ^inau», 
S3ig tief in'8 ^eimatlanb ber granfen 

©onberte frei mein ©ebiet ber Orengtcall. 

©icambrerjugenb* taud^te mit lOuft bereinft 
3n unfre glutl^ ben toallenben ©d^eitelfd^mucf. 
$)ie 5ll^en]^bl^'n, bie in unb au^er'm 

aiteic^c ftc^ bau'n - fie bel^errfd^t* i* aUe! 

9lc^, unfre ©c^mad^, vergib ftc ($arol, 6arol> 
$)u gro6 ©e^jriefner, fd^on bi«^ gum äugerjlen 
®efd^n)&d^t, l^at unfre Wla6)t ben ©d^atten 
Äaum fid^ gerettet üon einfi'ger Sßürbe. 

2Ric^ ^b^nt ein geinb, buntfdtiiUemb, mit 5Do^)^)el^au^)t 
Unb f^langengügig. Unter ber Oötter D^eib, 
©0 bünft mir, touc^g id^ grog, aU ^errin 
2S6t mi^ il^r 3orn mit bcr 2ßelt terftnfen. ' 

3m Ärönungg^jur^ur foU id^, öom 3lar bemad^t, 
3ur ©d^tt)ebin werben? lod^ter StuigTo'^ id^ 
©oH 93anbe tragen, foU mein Obbad^ 

Z^tiltn mit ©d^iffem am ©ottenfhanbe ? 



1 (Sin Sßolf am untern f^titL äSon i^m foden bie f^dteren Stanjofen ab« 
ftatnmen. SOSaffenb^^'« rrneuerter teutf<!^eT $loru«, ®. 372. 



— 301 — 
10. 

IV. Ocfang. 

3Bclc^ ein ®cnu6; ac^, bünftc cuc^ f&rglic^cr, 
Unb minbcr ncibmertl^, M ber in il^r&nen fd^tt)clgt? 
Unb bod^ l&^t biefc^ i^oog fid^ tragen, 

J)arf nur bic 5lcrmfte i^^r Selb bcttcincn. 

iBag anbrcr ficibcn machte ju (Snbc gcl^'n, 
jffiirb mir beginn crft. (Sine jcrfd^mettcrte 
"Die jRacf^e, Die ju fc^tt)cr für eine. 

3^ nur bcjal^le, njag öieler ©d^ulb »ar. 

$)eg Sfleic^eg ©inflang, einp fein benj&brter SRu^m, 
^IRifetbnet fc^ncibenb gen bie Derflung'ne St^iU 
Sd^on ftörtc feine ^ibmerorbnung 

Oefter ber norbifc^cn 33ärin Söilbl^eit. 

$)urc^ Oiorborfane fe^te un§> üJiarg jumeift 
J)ie ißuft in 2lufru^r. ^Xrftifc^em grofle bebt 
3uni brittenmale 9fiom^ unb ^Deinen 
geUen, o maxK^, felbft in SSaffen. 

aöe^, aÜes Watt, ber $arnifc^e breifad^ ©rg, 
»^Ilniä^Ug f(f)tr>anb'0 in matterem tt'amipf bai^in, 
i^i fanf entjtDeigem&l^t bie taipfre, 

iRännlid^e 5:ugenb, gelöf'ten Änieeö. 

8o liegt ein (Sic^baum riefig, ber ^-öerge @tolj, 
^-ßom ©türm cntnjurjelt; nimmer ergrünt fein Saub» 
«Jiodb ftreut er ©d^atten, fonbern faulenb 
!tiagert er tobt mit gel^ij^lten ©liebern. 

'Ber foU, oon roilbem Sc^merje beraufc^tesJ Söeib, 
3lrgnei ^ir flögen in bie jerriff'ne 93rujl? 
S^jric^, Königin! sBift 5Du boc^ bulbenb 
©ingig nodb !t*eid)e mit SSIidf unb 5lt]^em. 

jlßer wirb 5Dir beiftel^'n ober 5)ic^ feilen je, 
^ie felbft fic^ taufenb ^-Plagen unb Sßel^'n gebirt? 
33on 51lterö fünbigt D^iemanb jtrafiog. 

Sc^njeigenb oerfolgt bag ©efd^idf bie <Sd^ulb*ge. 



1 Siom ift \fitx äBien, aU ^au^tftabt be« römifc^-beutfd^en 9tei<^ei. 9Uf SSot' 
Bdiiger ber @4;n>eben finb ^ter bie Hunnen unter ^ttiU, unb bie ®ot:^en unter ^Ma» 
titfy oerfianben. 



— 302 ~ 

SöoBin 55cm 9tu(^' nur blitfct, Bebr&ut ©id^ ^Jotl^. 
iBon cu^*c\er ©cblac^t cnttjblfcrtc ©täbtc ringg, 
©cfang'nc unb crfc^lag'nc S3ürgcr — 

5l(]^; fmb bc^ tcbenbcn Scl^'g ein 5:i^cil faum! 

2Ber je ben ©d^atten banfbartn ficid^cnfang; 
$Jen li*tbcraubtcn, foUtc befümmcrt n?ei^'n, 
2iegt fclbjl t)or feinem §erb gebunben. 
Ober verblutet barauf alg O^fer. 

^örP $)u? 5Die .^^ofburg ^Deiner ©ebieter flürmt 
^inburcb bie gurieJ !t?auten jur Äriegg^ofaun* 
Unb (Sitl^em fd^lSgt jum 2öaffenlärm bie 
@cl^tt)ebifcl^e 93enug, bie 2Rarg begleitet. 

S3om ^oben !J;l)ron im reigenben gürfienbau 
Älatfc^t iubelnb 5lbolpl^ fc^toebenben Dieil^'n unb fc^ttjelgt 
5(uf i'eineg ©egnerg golbner Sf^üjlung, 

^refflid^ ben ja^men 3: ^rannen fipielcnb. 

®ie oft Don 9linbcrn; bie er üerfd^lang, bcfc^tt)ert 
3n tieffler 9lu()* aiiarmavifa'g gbtt)e jlant, 
Unb eingebre^t bie SRutl^e fd^lummert. 

2eert ftc^ ber »lachen, — bie gtur n^irb'g fül^Ienl 

^a, ujelc^ ©erid^t erfinb'rifd^er SRänfe braut 
2)er ÄiJnig, bocb, tt)ie njei| er ber 2Ritbe ^rug 
Sluf feine ^unerjlirn ju l^euc^elnl 

Orimmer nid^t tobt bie vutret'ne D^atter! 

Renaten flic^'n terfc^eud^et il^r §aug inbefe. 
SO'lit fd^n?erem ©olbroub manbert ber ©belftein, 
Slug Qualm unb ©d^utt entficigt ber ©äule 

(SUmmenber ©tuntpf, too geragt ein ^runffaal. 

iBom ©cbnjert gcfid^eCt fanf mir ber Sugenb glor. 
©0 brid^t beg ©arteng 9fiofen unb ßilien toer, 
Unb faum gefnidft Don feinem D^agel 

©leitet i^r SRadfen, ge»cil^t bcm gu^tritt. 



1 «Diefe unb bie folgenbe @tTO))^e bcjte^t fic^ auf ben ^ufent^alt (Sufla» ^bolp^'l 
|u a)?ün(^en. Ü)2at unb 3unt 1632. 



--^ 303 — 

5?ictfad^ crflanc^'» tont ^Obiruht ber Sßöd^ncrm: 
®a8 fteit' i^ Slinbc? I^öri(^tcm g^n tüarum 
35^arfl ^olb gucina?* SBSr' i^ Sunöfrau, 
ficbtc id^ nur mir altein ;;uni Unc^lücf! 

2ßeit fortgcfd^lcvpt in ©anbcn gen U^jfala 
Zx^V iö^ bcr 3off bicnenb i>on ferne nac^, 
Unb fd^ürte Zcicf, für Xag bie §erbglut, 
Unter ber ^Sgbe Oefolg terfd^toinbenb. 

Um ©cblimm'reg flag id^. ?(n ber »erftegten ^^rujl 
©ntfenbet bleich ber @äug(ing ein 2öel^gep^n; 
^ie bünen Sippen frampfgefd^loffen, 

Unb auf bem ©d^oopc ber 2Kutter jUrbt er. 

5Bie unter glül^'nbem Ajimmel ber ÜRajoran 
5lu8jeftrenb oftmals n?elfet im 53Iumenbeet, 
Unb enblidEi tiefgefenften ^aupteg 

©terbenb t>erat]^met fein njürjig Seben. 

SOiein armeg 5Deutfd^(anb, fc^njer t)om ©efd^idf t>erfolgt, 
35^0 pe^ft Tm jRettung tagen in fold^er D^otl^? 
gortuna'? O^jfer, fann id^ einzig 

SBed^feln bie ©d^idfungen, nie bod^ njenbcn. 

®leic^n)ie ein riefig (Segel auf öbem SD^eer, 
^a« jad^ an ^Ii)?pen fd^eHte, t»om ®runb auf äd^jt, 
Unb burd^ bie glutl^ treibt, t?on beg 2öinbe« 
i^reugenbem ©piele l^eruntgefc^leubert. 

3ßobln nun fteur' id^ finfenbe Hoffnungen, 
SDeg ledfen ga^rjeug'g Strümmer? (58 lächelt mir 
$5er gürflen ®unft nid^t, arge greunbc 

§eud^e(n mir ^rcft unb bie geinbe l^affcn. 

2ßag an mir einzig 2Bonne bem ^unnen fd^afft — 
SD^ein enblo« !t?eib ifl'g. Ob ber 93erlaff'nen tönt 
©ein ©iegggefang, unb bie erpreßten 
'Il^räneu begräbt er in n?ilfiem ßad^en. 

^er ^ulb'rin SBel^ruf ^eifd^t er mit Ungefiüm; 
m^ wÄr'g 5:ribut nur. 2öic eg bei äöHnern ©raud^, 
3D^u§ i^m mein fd^mergerfüUteä 2Iuge 
Unb bie geängftigte @tirn i^m ^)erlen. 



1 iDie ®Ötttn ter (Siebärenben. 



— 304 — 

^, lollbc greubC; grS^lid^cr 9?lutcjctt)inn 
t>tx gicr'gcn üörujl! @o locft cg, gu »cibcn ftd^ 
^n ®ram unb golterqual bcr 3(crmjlcn, 
©old^crgcftalt noc^ ifi füfe ihr ©a^nfinn! 

O $)u, bcfe arm all^crrfd^cnb baiJ <Sceptcr fül^rt, 
©0 fhimpfe ©li^e, SRSd^cr entfcnbefl ©u? 
@ab unÄ t>icllcicl^t ju ctt)*gcm 3i«^>unft 

5lu« 5Dcm @cfcfn)6 für bcn ^^fcil m 3ome2? 

©crtporr'ncn 'Sinn*^ bcfcbtuör' id^ bcn %ob l^intocg; 
Unb flag' bcn ^^'mb an! ^Oicin ifi bic gange <Scl^ulb! 
©c^am l&^t mic^ nid^t gcjiel&n! Üto Sltrcug 
Unb bcr bct&nbte K^Dcft mag al^ncn!* 

«emel^mt il^r aJiüttcr! Söäl^rcnb ic^ ©c^ulb gebüft, 
^&uff id^ mir neue, größere ©trafen anf! 
3Jiit biefen JpSnbcn, blutig rafcnb, 

äöürgt icfc mein eigeueg Äinb unb briet e»| 

$)a2 fehlte nod^ jum glucke ber Jüeibeu aU, 
$)a6 id^ burc^ fieiben tiefer entartete! 
Üflatux, birg in näc^t'gen «Sd^Ieier, 

93irg 2)u SBerle^te ©ein l^cilig totli^! 

^U; mbd^t il^r'S glauben? 5)aÄ i(^ gebar, bieiJ ^erj 

©erlang junger toiebrum m mid^ l^inab, ein SD^ial^l, 

©em felbjl bie @onn' erblaßt! 3Son fietc^en 

SBanbr ic^ gef&ttigt alg Stobtengöttin! 

^iel^er, il^r ©d^toeben, ginnen, il§r :iotila, 
^iel^er, toefe D^amenä eud^ il^r 93anbalen rül^mt, 
Sa^t eure 2angen unb beg SSetterg 
5^eile fxd) über bieg ^au^jt entlaben! 



1 Sltreu« [(tlac^tetf, S^^t^ejted otrje^rte feine eignen iCinber. ^e^^terer tourte oh 
»errat^ener olt^nnjifc^cr ©ebeimniffc tjon 3eu^' lÖdfev'n äctcoffcn. 



— 805 — 

11 
SSei (^eftittg 90tt ^ac0p0Ui*!t hieben. 

siiv. vn. 2. 

©tili, trauriger ßcic^cnfang; 
©tili, 'il^vänen, fo fc^aal, bic i\)x mit ©cufjcn flicht; 

^16) tveij't ^in auf bic 'lugenbbal^u 
gvol^finn, finbüc^ ^clx oft fpiclenbcm ©c^crg gehaart. 

Slnmut^ fd^lic^t mir bcn §immel auf. 
'^ti)x M ©trengc unb @rnfi jencg ^ac^omiug 

3ic^t 5Dcin ^fab, Saco^jone midb, 
SDcnn unfd^ulbigc Sujl fd^mücfct il^n taufcnbfad^. 

©lidft ein bci(igc2 Säd^eln boc^ 
^löobftcgenb ^cin ^lucjM Sßä^rcnb in 'l\)oxf)tii 5Du 

@vo6 ©ein 3"ttcrcg cingcpüt, 
mu^ d^albäifc^e Äunft ©alomo'g SGöiffenfc^aft 

SßBcit bcr $)cincn jurüdcflcl^^n. 
grei t>on ©orgcn bc^ ^ag2, aber beg 5let^crg t>ott, 

ganb^ ®u Stonnc unb ©tabt gu flcin, 
aBarft nur, fd^ranfcncntrüdt, 93ürgcr beg SßcUcnaUg. 



12. 

Silv. V. 7. 

^icr meine fi^ra, bic 5Du fo l^ci§ erfc^nt, 
3um 5(ngebinbe! Iraun, bei bcm ©olbgcfd^o^, 
^cm Äbc^cr unb bcm 53ogen fd^ttjör' Id^'g, 
iöci bcm ®e(o(! unb ber Gitter ^l^bbu«': 

@ie n?ar'g, bic unt&ngfl id^ tjor ben gürflcn fd^lug, 
3Jlit bcr id^ mand^en rci^cnbcn 5l(^jcnfh:om, 
$)en 3nn, bcn di^m, bic bum^jfc $)onau 
Süngfi burd^ l^oragifd^ Söeifcn aufi^iclt. 

2)od^ flürmefl $)u mit linfifd^cm 5Daumcn ein, 
Unb folgt ein ÜRigton, d^nlid^ toie SDo^lenfang, 
2Bic ©ang toon l&fl'gcn $fau'n unb @&nfen — 
^lage bann nid^t ob erlittner jl&ufd^ung. 

eftetma^er, ^acobuS I93a(te. 20 



— 306 — 

^cnn aud^ tjon icncm, ber fein gefürd^tct ©d^öjcrt 
rem toilbcn ^rjfcinb fanbtc jum ^icg^gcbrauc^, 
SBon Sfanbcrbeg »eig feine Gbronif, 
Vai er bem ©riffc bie gauft btngugafc. 



13. 

IV. m^icUdf^ $tftte. 

JÖon SSerorbnung ber Sßaffercur. 

Tom. IV. pag. 383. 

®ibt« nid^t ttjenige boc^, bie iJ^eptun unb feine 5Jertt)anbtf(^aft 

<B\(S) Dor ©acd^ug en©&l^lt, ai^ieergöUcr jumal unb ß^curge, 

®ang »ie 93ronner get^an, ©tammöater ber SBaffertjerel^rcr, 

Unb ein 5Dic^ler mit i^m, ben feine 2atiner gelobt cinft: 

„^ier, in meinem ^ocale, öennä^It fid^ Jl^etig bem SBcingott.* 

iieid^t entrannfl $)u bem ©t^r, l^oc^fd^ottifd^cr ©tu^cr 33uc^anan, 

^ättefi 5Du alle«; gcfagt glcid^ beml <5o aber gef&ttt mc^r, 

Sßeit mel^r lauterer Schnee unb ein nüd^tern ©ebid^t, aU bie SSerfe, 

$)ie in ben Äiel t)ix Senore gel^aud^t unb bie 93ul^le Df^eSma, 

Unb $)ein ©ruber ^agquiH; ber toll öon fd^mäl^lid^cr Siebe, 

@tetg jur nSd^tlid^en gei^r ftc^ tnmfcncn Orgien l^inaab. 

©old^e ^Df^oral fang 93ronner in8 Ol^r fortto&^renb bem Äranfeu. 

2)ag fle^t fefl tt)ie ein geig: 2)ic^ quäle toag immer für ficiben, 

(Sleid^ gum 2öaf(ergef&§ l^in fenbet er 2)i(]^, unb ein <5d^»clger 

3eto in tl^auigem D^ag, mußt fangen bie S3rufl; bie fri^flall'ne, 

Sßeld^e $)ir DfJaig getp&l^rt mit gclöfien, grünlid^cn 2ocfcu. 

©tr&ube $)id> immer, 5Di(i^ \pviit ein gmeimal gefottencr QueH burcb. 

0, fd^on fül^l ic^ mic^ \vof)U \®an3 gut/ Sfiur fel^lfg an SBcrbauung. 

©rauf ber anbrc nid^tg, alg ^Diod^malg SOBaffer!" mt äittcm 

@ie^t ftc^ ber Äranfe gcnübcr gefleüt ben reinen SRaturtranf. 

^$)a laß lieber bie gefie, bie frül^ern ©elage emcu'n fic^!" 

Äl&glic^eg 93ilb; 3li-jnei, mt fie nur §oll&nber 3Jiatrofen 

äiemte, bie burd^ ein 33ergel^'n ft(^ tjerbicnt, im 2Kecr ju crtrinfcn! 

SEBeßl^alb foll benn ber 2Ragen gerab^ öon ©d^auem gefd^üttelt, 

SBüßen, tt)ag anbete ©lieber gefehlt? SEÖo fielet eg im ©trafrcc^t? 

Stobt unftnnig ber Äo^f, toirb flönig bcg ^ßobagra'g ^l^c, 

^ält man für ^au^t unb güfe bereit fanftUnbcrnbe 2Rittcl. 






— 307 — 

Dihir am ÜRagcn bcjiraft man, toaiJ immer frctjctt ber (Säumen, 
Dfiid^tg toirb toenlger jart, nid^tg mcl^r öerSd^tftd^ bel^anbelt. 
5llfo ber ©oCbfd^mib 5lomcntan, ncbjl feinem ©efcllen 
^inb^mug, alfo ert)cbt SSacerra, ber ÜRaler, bie Älagc. 

5D i d^ t e r. 

^ommft 5Du gu mir um ©cfd^eib, fo i?emimm, ttja^ meine ®ebanfen. 
Söcin, nur mä^ig ücrbünnt, tt)ie ja ftct2 bie TOttc toom §ei( ijt, 
(5d)ilt fein Äluger. ©^ möge ber SGßafjermann alg 33erul^iger 
©rechen, ben Ärug in ber §anb, bcg ge^anjerten 33acd^u3 ©emaltt^at, 
^a6 er, tt)ofern man i^n einlief, nid^t, tt)ie ein tüdfifc^er 93orer, 
©d^recflic^ im Snnern ang §au^t anrenne, bie fc^ttjanfenben ©ol^len 
33ringe jum ©traucbeln unb l^ei§ mit ®lut anfd^üre bie ©luten. 
gragejl ^u me^r? D^id^t jeglid^er SßBein, er trage benn ^örner, 
$)ünft mir, ttjerbe gcmifcf^t mit leibabqu&Cenbem SGÖafler. 
gliel^'n tt)ir ben leifeften ©d^atten unb @d^in unlautrer SSerbinbung. 
^ttUt $5ic^-ber Dueltmunbfd^enf auf eine @tufe mit ©änfen? 
5Dod) nid^t ööUig tocrtoerf id^ ben 93ronn. 9^ur jenen D^aturtranf, 
$)en man gu falt einfc^lürft. — 

©0 oft auf beg Strjteg 93erorbnung 
Slieine^ unb Sc^t ^jrobl^altigc^ ^a^ bem (Srfranften gerei(^t »irb, 
©eufgt er, unb m fieigt auf ein SOBogengebirg öor bem 5lug' i^m. 
5ßirbel erfaffen ii^n ba, eg ummel^'n il^n norbifd^ SEßinbe, 
Unb fd^on ^regt il§n bie Slngjl, ba§ bie ©d^toeben njiebergefel^rt fei*n. 
©d^aurig gu l^bren, ein Xobcguerbict, i[l bem ^eutfd^en: ^@ntfage*, 
SGÖenn er bod^ tceber ben 33atcr geengt, nod^ erfd^kgen bie ÜRutter. 
$lagt ben ©emianen ber ©urjl, bann toirft er mit geuer unb ©d^tcert um, 
Söüt^enb, aU ji&df' er bereite in beg §erful giftigem «ruftmammg. 
2öiett)eit pel^'n fic^ benn auc^ 2JioMP9 ""*> l^^fiifci^eg Söaffer 
gern, unb ber marfbujc^frcffenbe @aft blinbeifember Siebe? 
2ßafferfd^eu ifl ber ^eutfd^e, er fog mit ber ^J^ild^ fc^on bie Äranfl^eit. 
gättt nur öon „SOBaffer" ein 2aut, fo erbteid^t, \^m^t, bebt er unb fröflelt. 
2)ag ijl gurc^t, bie fid^ tt)irft auf bie eiserne 93rujl be2 erjjrobten, 
Söiebern ajlanneg. Unb foH ein ©terblid^er gümen bem Slulu^, 
©oll il§n Derbammen ben ÜKann, ber ringt in dl^nlic^er jCob^angft 
äöenn er bie ^immlifd^en ruft, unb ben Slergten entfliel^t unb bem 5£)urjle, 
gromm gur ©ü^ne bafür ftd^ bi^ nad^ fioretto tjerlobenb, 
Ober ba^in, tt)o bie $ulb ber Unjterblld^en kleben gebeil^' n l&^t 
Ue^)^)ig an4)bl^'n, tt)o beg ^flanjerg ®ebet, be^ l^eifem, guSßcin »irb?! 



20^ 



— 308 — 

14. 

iJinfpicl. 

siw. n. 

©ilet 3U mir flug^ ^er in bcr fcibcgciticftcn ^Scfcfeul^ung, 
Äinber i?om jartcjicn Öau, 

$)u fanftC; tt?ci*e ©Ubenfci^aar ! 

i^cren eSnger begrübt, bcnn aud^ ic^ bin ©Srii^cr (jd^eigen, 
(hicrcn 53atcr begrübt, 

ÜRmcn)a'g traute Äinber il^v! 

Quö^, bie gelehrig i^r fprangt in bcr J^irfitung fficftenbc ÜRafec, 
^d^, bcn t>crI56igcn Xroft 

3n Äummcr, lieb* id^ i^oU bcr ®lut. 

©tümiifc^)^ aSBcfcn gcjicmt fic^ für euc^, unb !^l&|fc unb $oArot^ 
SScd^flc bic aJiicnc gumal, 

2lug bcr pd^ gcingefül^l i>crrSt]^. 

^olb ift bic ©timc, bag golbcnc ^ar tt)ogt nicbcr gum S^adfcn, 
2)cn eg mit jKingcn umfrSngt 

3" »«c^ ßüftc füjcm ©picl, 

aSS^rcnb bag grüne ©ctoanb, bag nimmer bcn rofigcn gufe birgt, 
3RebcI t>on fiinncn umVDcbt, 

2)er 33lofc 3lnmutl^ nur gu Icil^'n. 

ficmC; ®u nicblid^er ßl^or, am ©dbcrj nun crfcnnen bcn S3atcr! 
aCßcr t)on cudb ©ngeln juerfl 

SBcl^cnb an meine 'Seite fliegt, 

S)er nel^m' tt?ürbigen 2t>f)n: $)rei golbcnc (Strahlen bcr @onne, 
. ^urpurncg Obergett)anb, 

Unb einen «ßfeil, bcr ftd^er trifft. 

©reimal barf bem 2lltar bcr l^ol^'n gaUl&ifd^cn Sungfrau 
^(if^tn bcrfclbc, gefanbt 

5lte 93ote 3u ber Jperrin mein. 



— 309 — 

15. 
fxßi 90tf^Mt <m bie (f. 3(itttg^(m V0n JUtafümi« 

pr ben 5Dici^tcr fclbjl. 

Sungfrau, bcren ©efid^t fcnngcic^nct ein rofigcr ©tcrnfrang — 
93on eblcn Steinen flammt bic 33rujl, 
D^arbe tJcr^c^iDenbet ^ein 3Jiunb : 

2öenn $)u eg l^ulbtcU gönnft, fo leg' ic^ bic jagenbe SBitte 
5luf $)einc§ 'I^rone« ©tufen l^in, 
3nnig guv ©rbc gebengt. 

«5öe6^alb fommt er nid^t felbfi? SGÖegl^alb ifi ber ©änger fo ungart? 
2öer fielet um grieben, mag bamit 
Äinbifd^e Änaben betrau'n!* 

O ^alt ein, ben Entfernten befiel nie Sl^nlic^e 3:i^orl^eit — 
Unb feiner trägen ^Jlu^t ©d^ulb 
§ält il^n, 9leinfie, gurücf. 

2:aglang brütet gu §aufe er l^in, unb öertoünfd^et ftc^ fc^aubernb; 
SBon fd^mu^'ger 'Iraner ftarrt fein Äleib, 
(Sd^redlic^ üernjilbert fein ^aar, 

3i(i^, nid^t flötet er fic^, tt)ie bereinfl, auf bcm SRol^rc ben ®ram toeg, 
93crn>orrne2 ©d^lucbsen, gleid^ bem Quell; 
Schlürfet er in fid^ hinein. 

©a^rlid^, fein Sßefcn erfd^cint mir fo »anbelbar, feine« fo ired^fclnb, 
Sßol^l fiäter ifl bie SBoge nod^ 

^rau^cn im ©türme ber ©ec. 

Oftmals l&d^elt unb feufgt "^ jumal; bann entförbt er ftc^ tbbtlid^, 
Unb gleich ^at i^m bie offne ©ruft 
2ßeinenbe greubc betl^aut. 

Änirf*en burd^bri^t fein ©ejauc^a; unb fo, ^in ber ?lngfl nod^ erfd^re(fli(^, 
3f^ ettjig er mit ftd^ entgtt)eit. 

©rau'n ifl bie 3:i^r&ne an il^m. 

gü^llog öffnet bic §anb, um cg tt)icbcr ju fc^Ue^en, ba« genftcr, 
$)ann fe^t er fid^, bod^ nein, ber gii^ 
^anfet gur X^re ^inoud. 



— 310 — 

3 c trägt er j^üB unb ^cl nur 
^cp^>clt bcm freim ®ffilb'. 

<|iibli<fk eTf<6Iafft ftnft bin an bcr (^rtnge bed Xcbe^ brr ^rmC; 
rie (^fifbfr fallen fcbtrer be^ 3(^Iaf$ 
bleierner §enel anl^nn. 

f^ßfiltcb erbebt er fvA, bclt tief ein, ba3 ©efcbe^ne l^ergeffenb, 
Unb mit ben Sternen rechet je^ 

Stumm fein befeu(bteter iSÜct 

^enb, nun fingt er, ba geQt ^^ebf lagen ben fü|en ®efang burd^; 
So fcmmt er feiner Icbtenfei'r, 
Sebenbe 2tiä^, guter. 

O n?ie fibredte miib oft bie ®efa^r, inmitten be« Spieled, 
3)>hr fpr&ngen i>cn ber 2aute nix^ 

Si^riHenb bie Xnhnmer an'i^ ^mupt! 

3ungfrau ^ilf, benn t>erl5ftt mvi^ £ein %rm, bann fürc^f i(^ bie 9IHi(ffel^r; 
O toekb' ein gramumtvölfter t^ftdf 

iBirb mi(^ em^ongen bobeim! 

Hber, i^ n>ei| ed, er baut unb i»ertraut tiel i^einem Vermögen, 
^9 feine Hoffnung, feinen S(bu^ 

9btft er in 9Q5t^ $)i(^ an. 

Denn ald füng^ er gensibrte, mein Ihig' flieg* über, loie feinet, 
Unb i(^ ben Saitengriffel erfl 

^otte gefaxt in bie i^onb, 

Spra(^ er mit Rf^lnbem SNunb : S^^c^lon, fo ge^t benn i^r S^erfe! 
9acbt unerbittTid^ ift fte ja! 

innige klagen — o ge^t! 



16. 

3mdie 'gMUttift tm b\e ^L ^unfftM »#« trnnin^ t m ftfu 

HU beg e^urfürjlen jtocitgeborner Sol^n, ^l^tlipp ^ierc 

n^mud, franf lag. 

hurtiger treibt ber S($tt>5ne <9efpann gum Si^ ber ^errin; 
(^ treibt bie fun^tbar gSl^ 9^011^. 

Schlimm iß ber flein^ Sergug. 




— 311 — 

Zoxt, njenn bic Stl^ürcn bct ^allc, bct jlembutc^tcud^tctcn, auffd^Ucgt 
$)cr fonnentreuc ^cf^crug, 

©inft in'g gcfd^mcibigc Änic 

§art an bcr (Bä^mUt. @ic licbt'g, in bic @&rten, ttjo glammcn erblühen, 
^cn ^fab, bcr ntilc^n?ci6 ^cr öom ^ol 
glichet, ju tt)anbc(n l^inaug. 

©cit^in füf)lct i^r 5lt^em, i^r fd^ncctgcr, jene ©cfiirnflur 
^cn ftlbcvl)eücn Scg entlang. 

Sl^r boc^; im ©taube beginnt: 

,t)imntUfcl^e, t^eflen erfü^nt fic^ auf unferer Sßett nod^ bie ^ranfl^cit, 
®er ©d^atten ©claüin unb beg 2:ob'g 
^üju gel^orfame SJiagb? 

ein l^oIbfetigeS Äinb (^olbfeliger lächelt fein anbete«) 
(Srgriff ftc breijl im ^runfgemad^ 
©eine« ^alaftc« fogar; 

ein l^olbfeligeg ^inb, bag bie anbere Hoffnung beg 33aterg, 
^er jtDeite ©tolj ber SD^utter x% 

aieinjle, $)ein eigen ®ef(§enf! 

SBenn ^u nid^t ol^ne SSevjug l^eilgfräftige Kräuter l^erbeifd^affji, 
SGBivb unter fc^arfem D^agel nod^ 

©infen bie SBlume t>or 3:ag! 

%di^. ift bem 2:obe benn aüeg gen?a^rt! tjieC ©reife erfTel^'n il^n, 
3)a müb' il^r 2eib fd^on fürber ttjanft, 
5lber nid^t folgt er bem SRuf. 

SGßütl^et ber ©aumen beg blinben ©aturn in fc^redflid^r ^eißgier 
9iur gegen jarter Än&blein ©d^aar, 

D^ne ben 2Jlännern ju bräu*n : 

SBiel ber 93e]^aufungcn finb, tt^o ein ^au\' il^m »immert entgegen"; 
©tetg frud^tbar gibt beg 33ettlerg 5Dac^ 
Äinber unjäl^lige ^reig. 

3a, eg gett)äl^rt bie erzeugten bem ©d^eufal o^ne Entgelt noc^, 
Unb ©blbnerl^ütten mad^t gar oft 
SReid^er ber fd^it?ad^e 33erlufl, 

$)ort; tt)o bie ÜKenge ber deinen, gequält Don junger, l^inaugftöl^nt; 
Unb gu beg falten §erbeg ®ott 

3ammert unb betet umfonfl. 



— 312 — • 

Unb bic« fürl^Ud^c ^au^, umfrSnat mit gtogm 3:rium^)bcn, 
€oU; in unfäglic^ ßeib tcrfcnft, 

3Kiffcn bag tbcucrftc ^fanb ? 

^fftiger fc^ric' ni*t bic ?5tt)in, bic nmt^ige, braug t?or bcr Jp^l^lf, 
$)cr ©^ur bc« S&ger^ jugcnjanbt; 
^cr il^r bag S^inge geraubt. 

3trt ja bie ÜJ^uttcr, jcrfd»lagcnb bic 33rufi ; jum §imnicl i^r SGße^' bringt, 
^tatt ^^^ur^jur tvadt ein fc^toarg ©etoanb, 
SBirr finb bie ßoden jerfheut. 

^e^r'e, ber Änaben gebenf (benn aud^ ic^ mu^ fürchten, o ^e^rc), 
$)a§ nic^t bie gürflen finbertog, 

§emme bie @c^icfung 2)ein 2lrm! 

©ebe toor Steinern ©erid^t unb ©efel^l bie cmiebrigtc ^argc; 
^ic Schatten fei*n 5)ir nntert^an, 
©eiber bie ©bttin beg Slob'g. 

gormc 2)id^ ab aJlarianne * fobann in golbncm ©elöbnig, 
Unb fd^ütte m\y unb «perlen aug 
Ueber bie füge ©ejlalt. 



17. 
Jhrttte ^0tf^aft an bie ff. |;titid^im 9011 ,^0tetlo. 

©nbtid^; ^od^ter beg §immelg unb tbnigin, ftnb tt)ir am 3iele - 
SGBeit, njeit i?on 53ai)ern'g 3Jiarfen l^er, 
ÄU^j^en l^inburc^ unb ©ebirg. 

9^ic^t auf aonifd^em ©i^ i>on ®en?Hf, no(^ auf brbl^nenben SBagen 
Sieg ung ber jlrenge SOater giel^'n, 
9^od^ mit beg ^egafuS glug. 

®el^t iu beg ^erm bemütl^iger UTiagb nur befd^eiben ju guge; 
§ier, fiprac^ er, giemt fein glügel^ferb, 
äiemt nid^t bag faufenbe diab, 

3og ja bie 3ui^9fi^ttu frfbfi, um bie greunbin @lifa gu grüben, 
33efc^tt)erlic^ über gelfc^'^^'^'n, 

$)ienenber ©peid^cn beraubt, 



1 ^ci JTtnbei mntttx, (S^urfürfltn Ofiarta Stnna. 



V* 



— 313 — 

SöSl^rcnb xhx fno^ptnhtx ©c^oo§ bic gc^jriefcne 33ürbc beg ^immtU, 
3a; tt)ä^renb blc nod^ garte 2Raib 

%xu^ bcn gchjaltigpcn aJiann. 

5(lfo bcr ©ängcv. ^od) toir obficgcn bem bv&ucnben S3crgjlcc(, 
^ort; wo jlirol fein fd^neeig §au^t 
Starr in ben 2letl^er erl^ebt. 

Äunb ijl ^ir bie ©efal^r; bod^ gereut fie, o ^el^re, und nimmer 1 
©ei'n auc^ bic 2tl^en noc^ fo [teil — 
gittige gäbe bag Siell 



18. 

Sei mir, o ©ü§e gegrüßt, bie üon ©naben ein ttjogenbeg Jüfil^orn 
3^a^m auf in il^rer Seele ®runb, 
Unb bem Unenblid^en'fo 

^Durfte gefaUen. Wit ^ir ifi ber §err, ber ©ebieter bcg Söeltattg. 
^u at^meft feine @egenn>art, 

2;räg|i i^n lebenbig in Dir. 

$)u nur fottfi benebeit, unb nad^ en?igem SRatl^c geliebt fein 
3lug atten Söeibern, fo bie Sßöelt 

3eugte unb fürber nod^ jeugt. 

3enejS erl^abene Äinb, bag f^ielt in ©einer Umfriebung, 
©ad größer alg bie aJiutter ifl, 
Seneg attm&d^tige Äinb — 

O mie t^ürmen fic^ il^m §eil2güter t>on innen unb au^en! 
9^ie fprogte un2 aug irb'fd^em Sd^oo^ 
@ine beglücftere gruc^t. 

^eilige 'JTiutter beg §errn, (nid^tg »eigcrt fid^ Deinem @ebete) 
53eim So^n infiSnb^ge aWittlerin, 

D^imm öon und Sünbem bie Sd^ulb, 

Se^t, rt)o ba« Seben nod^ ^ulgt, unb ber Dbem bie ©lieber bel^errfc^t l^&lt, 
Unb tt)ann ber naiven jlobciSnad^t 
^leu^erfie Stunbe erbrbl^nt. 



— 314 — 

19. 
JfietU 9#tr4«f^ «» öie ^t. ^MgftMi «0« ^09« i« SSef^nu 

^»rt, i^r ftmhtn, i^ fcnbc eud^ jc^t in bunflem ®ctoanbe, 
Sßic un« bic S3ufeeit ctnjl gcmal^nt, 
Unb bcr gdhrfujigtc ®ott. 

Sielet nur ba« gfPleib au«, ba« Derj&rtclnbc ! ÜJic^tcrc 55anbcr 
^intwgl $)ie rotl^c ©d^lcifc ba 

«Rcl^m' 5Dir ein ©rübcrd^cn ah\ 

mit, if)x pilgert jum ^o^cn mtax bcr ®cbietcrin go^a*§: 
Äuc^ fcl^nt c«, gu begrüben mid^ 

©elgicn'g SBanncr, ben 2cu'n! 

$)od^, tocil lange bcr 8Göcg, brum fei in ®üte gcjlattct, 
$)a6 il^r cud^ fd^toingt auf einen ©reif, 
Ober aud^ ®d5>tt)Sne befleigt. 

aber befd^lcunigt bic g^^rt. 5)ort (efet md^ fd^neeige ©teind^n, ^ 
@in ^olb Oefd^enf. 3Raria ging 
©egnenb ben 3ldfer l^inburd^. 

^Icn SWaria'« erfd^eincn fte mir. ©ie bereitein ben ©li^ftral^I, 
@r mag aug finjl^rer SöoÜc f^rü^'n, 
Ober au« 3Äubcrgcbräu. 

^unbert empfangen baDon, »er bcr ^immftfd^cn gob ftd^ wrbientc 
$)urd^ Slnmutl^ in (Sebcrb' unb SBort. 

S3annt au« bem ^erjen bic gurd^t. 

gortan leg' i(§ eud^ felbjl in ben 2Runb bic tjottenbetc ^^mne. 
^ux pnft fogleid^ im ^ilgerrodf 
glel^entUd^ nieber jur (SrbM 



20. 

tt)ie fic in bcr gaftcn gefungen tt)irb. 

Ave Regina coelorum. 
Qkui Dir, Königin über bie Söett, bcr pd^ breitet bcr «et^er, 
Unb frommen SGßettjlrcit'« im SScrein 

J&eere t>on ©ternen erglül^'n! ■ 

1 3n ber ffl&fft bei {^eiltgtl^uini »on $o);a fanb man 9tm(fytn wn touxCbtx» 
i>axtt J^eilfraft Atlai ■arianas, anct. 6ull. Giunppenberv, S. J. Moo* i^^Z, p. 142. 



— 315 — 

eifcrnb umflüjlcrt ©id^ fictg, 2)cin ©echter im Äu^ ju berül^rcn, 
^ev ©ciper fd^ranfenlog ©cfd^lcd^t. 
@ru6 $)ir, milbcfic graul 

®ci mir, o SEßurgcl öon Scffc ge^rügt! aug bürjlenbcm ©rbrcic^ 
Grf^ric^cnb Dor bcm 93Ucf bcr SGßclt, 
Äamji 5Du jur Slütl^c in ®ott! 

@ru§ ^ir, Pforte bcg l^ciligcn fiid^tgl erji..brang ja bic ©onnc 
5Durd^ uncnttvci^tcg 3:^or in $)i(i^, 
Q\)' fic gelangte gu ungl 

©eitl^er leud^tet ein Za^ i?olI ®lanj. 5)'rum, §olbejie, juble, 
^ein SD^Sgblcin l^ebt gu 5)einem S^eig, 
prjiin ber Bulben, bag ^lug' 

2cb' ©eliebtcfte, mol^l, unb erbitte ben @ol^n, ben erzürnten, 
Umfiral^lte ©ottgebärerin. 

ßeb' ©eliebtefte, too^U 



21, 

t>on ben h)rifcl)en 33erfcn, alg fie öon ber SGßaUfal^rt nad^ ^Jlünd^n 
jurücffel^rtcn, im SBalbe gefungen. 1642. 

Stimmer gegiemt eg, unbefungen ju laffen ber §errin ^xdi, 

Ob aud^ minber gerool^nte 5:5ne 

$)ienen ung ©Sngern. 

©icl), bie ©tral^lcn ber @onne 

Unb i^ren ©lut^feil 

SBrid^t bag ©el^ölg an ber 55äume ©d^atten. 

3ungfrau $)u, jiDÖlffiemigen Äranjeg, 

ßenfe bie stauben, bie lid^ten, 

SD^it benen 2)u l^infä^rji über ®ett)blf, ju ung ^emiebcr 

9Jlit lid^terer §anb. 

@d^on i?erPummten bie S'iejier ber SBbglein, 

Unb billig o Vorüber, inbe§ gicl^'n toir mit ©efang. 

SSergönn* o Df^ajaret^'g 3:ocl)ter, bag 5Did^ im 2B&lberbi(fic^t 

?Preif' ein jungfräulid^er 2)it^^rambug, 

Unb läd^r ung fingenben Änabcn. 

^ein ©efolge nur flnb toit SBerfe ^art, benn eg fc^ettfte uttl ^ 



— 316 — 

5Bicl öom erbeuteten ©c^mucf, t>on Oluincn au« fünbiger 33orjeit ^ 

©d^afft D^eurom fid^ gu ]^eili(^eni $)ienji um. . ^ 

ttnb e« 3&^lct metteid^t \ \ 

$)arunter aud^ -biefe« 

Sieb, ben 93acd^anten entrafft, bie taumelnb fc^njiu^en ben I^örfu^. 

Un^ boc^ glül^te mit anberm gcucr 

$)ie 93egeiji*rung an, aU bie njutbgetriebne SD^änabe. 

SEBinfjl Du, fo lieben mx an mit hinfito« fliefeeuben ©tro^^en, 

®ic bag Tla^ öerfdjmä^en. SBietteid^t 

Srtoad^t bie ^(i)o, ben <Sang gu begleiten, 

Unb fd^neibct baöon in ber (Srle blü^enben 33ap. 

©eit t)i^ als fclig begrübt 

$)er beflügelte Süngling, l^immlifdjen SD'iunbe«, 

ttnb $)icl) erfüllte bie göttliche Äraft, 

ttnb über bie Sraut ^erabfam 

5Dag fdbattenbe Söel^en beg ®eijtc3 — 

$)a buiiteft $)u fül^lcn bie ©ügigfeit 

$)eg 2Ruttemamen«, unb maleren gugleid^ 

Scncn ber 3ungfrau. 93eibe SGöürben 

(Steigen l^inan gum $)o|)|)elgcbirg. 

tteberglücflic^ l^aft $)u geboren 

©einen SBater, gum Sßunber ber Söelt. 

©el^ft ijoraug 5Deinem @^roffen, 

$)er getcefen, el^ 5Du iDarfi. 

O tt)ol^l ung, ba§ ©ic^ ber ©d^lange (^ejifc^ unb ber Duft be« »erberblic^en 

»Jhmmer berührt l^at. [5^)felg 

Die i?öllige 5(nmutl^ 

93lieb Dir beitja^rt öom ttrf^rung il^re« OuctlsJ. 

Diefen beflecfte fein ^efigift je, 

SWd^t ber cnttcei^enbe gu§ beg Drad^en, 

Äein 93latt, ba§ mit fahlem ä^^i^ ^i^ lüfterne ^it^t benagte, 

ytod^ aud) trübte il^n Saub, öom bredjenben 5lfie gefallen. 

SBiel' aufblül^enbc 'I5df)ter entfalteten lieblid^e 3ii9«/ 

3cbe in i^rer 5lrt fc^ön, 

5lber fein Slntli^ f)at Dic^ beftegt unb feine« ber aJi&gblcin. 

3cbe geftanb, gegen Did^ 

S3erfd^n?änben all' i^re 9fleiae. 

Sei e« bie §olbejle felbjl, im SBergleid^e mit Dir 

Deud^t fte un« ^eifin getoorben. 



~ 317 — 

@o tocit ©ic^ ÜJhittcr bcr @ol^n, beftcgfl 5Du alle bic Unbcrn, 

$)u aller §ulben S^bcgriff. 

D^id^t auf bcn binnen nur trS^P $)u ©ein Äinb, nein, aud^ in ben S^x^tn, 

5(ug bcn Slugen leucl^tct*§ ^zx^ox, 

$)ie fid^ babcn in SD^ild^ unb in SGöonne. 

3Jlit il^rcm fonnigcn 53licf gerlbrcuft SDu 

©rimmc» ©cttjölf, cg i^angen am 3J?unb SDir feiig bie @teme. 

©cnn fie l^arrcn in frommer ©cbulb auf ber §errin SGÖinf, 

©ie ßeudjtcn bcg §immclg, 

Unb ttjo immer SDcin ^aitj^t l^inneigt, bort fd^aaren fie fid^ 

3n freiem ©el^orfam. 

©ein ©d^eitcl, o gürflin, fcffelt fie mel^r, 

511» bag l^eimifd^e 3^1*. 

©iefeg ®ebiet, bag ben göttlid^en Seib trug, 

SBünfd^en alg §inmiel fie ftd^. 

§üben regicreft 5Du nun, unb ijerfe^rft mit unfern ©ebetcn, 

Unb fo oft bag geuer beg ©rimmg 

©urdjflammt ben frad^enben ^let^er, 

Sänftiget fd^neU ©ein innig glel^'n 

©ie gefdjtDungcnen 55li^e. 

O lag auc^ fürber ©id^ grüben fo tt)al^r 

%H ber ©taubgebor'nen 53efcl)ü^'rin. 

3ule^t fie^' niebcr auf ©eineg Sob'g 

SBegeifterte Sänger, 

Unb gönne bie Uebung ung beg ^olben ge^riefenen 9iameng. 



|»4rtt^gefaiig an hie niabenßt jtdtiigiti bes MvmetSf bie i^nrr- 
f^exin hex ^etU bie fefigfie Srnngfrait ^Bioxia vom $iege. 

5(ug bem 02cifd^en. 
Tom.VI.pag.420. 

@ingig ^olbe, beren ©d^immer 
Slllem ©lang teilet, eingig üJlilbe, 
©eren 33lül^'n ben ßenj ung bringet, 
grül^linggreijgefd^müdCte Sungfrau, 
©ei gegrüßt, ©u §olbe, S^ilbe, 
^injig ^olbeg, einzig milbeg, einjig »onn'geg $immel8bilb! 



- 318 — 

HuÄ b«m ^or ber garten 3:ö(i^tcr, 
^ic fid^, ob gciDa^rtcr ^ugcnb 
3n bag 33orrccfet fcli^ t^cilen, 
gieren 93r&utigam gu fränjcn, 
©uc^cn üiclc @o(b gum gcflfd^murf, 
33iclc folgen nad^ bcm Samme, aber $)ir tritt feine üor. 

giein unb l^ulbreid^ ijt $)ein 3lntli^. 
3^m genüber beud^t ung 2lnbrer 
Söo^lgeftalt öenoelft unb altcrnb, 
©d^eint entfteUt fogar unb blbbe, 
Unb ber mtS^tt Sic^t, ber SBottmonb, 
Unb bie <£onn' am tiefen ^immel fd^rirft geblenbet $)ir gurücf. 

2Bie 5)ein ©d^eitel, bunfelroogig, 
©täubt in fanften Sodfenregen, 
3lngefd)miegte SBinbe reigenb! 
Unb pe lieben flugg ©ein §au))t]^aar, 
Söenn ©u aug bem 3:i^al ber Sä'^^^w 
©c^toebft empor, burc^ D^ebelbünfie l^eim in3 3fleid^ ber Jpimmel gie^'nb. 

Pöfclic^ ©ir gur ©eite faffen 
enget $)eineg ÜRantel« ©Surne. 
ßeid)tgefd)ürgte Änäbtein tt)ogen, 
Greifen, fd^n)immen um 5)idb aUroärt^. 
2)ort ein Z'i^til, gu bringen funbig 
5)urd^ ©etoblfe, ballt in Äüffen fid^ ineing nad^ Xaubenart. 

3P'g geroS^rt bem $)anfergo|'nen, 
Sf^eue Söünfd^c 5Dir gu breiten, 
@o gefd^el^', brum btf id) fnieenb: 
SDa§ ber l^öc^fle gürfl ber §auptftabt, 
$)em fid^ Sägern bienenb neiget, 
Sangl^in »o^lbel^alten trinfe reid^öerfd^bnten ©onnentag. 

93anne bie entgSumten ©türme, 
Unb, n?eil i?on ber S^^re ßaft i^m 
SOfiüber pulgt beg Sluteg SGöattung, 
2a§ il^n fd^limme Xage mifjen! 
§a(te fletg bie toilben Ärieger 
gern bem ßanb, jerbrid^ bie SGBaffen, loenbe be2 ©efd^idfeg S'ieibl 



— '319 — 

©lüV fein t^curcr <Bpxo% ba8 junge 
fiöiDen^aar, bcr f rollen ajiutter! 
Unb be« 2cben§ di<xh, bcg l^cltcrn, 
iHoll i^m glücffici^ in bic gcmen! 
Sa§ c§ nie in ^Domen^faben, 
©cfeicffalglenferin, in 2;ücfen (a| eg niematg untergel^^n! 

©trbm' ^erab bie mi^ in gütte, 
^ic ben ^ol fo fü§ gefättigt! 
I)enn eS ftingt bie (cife ©age, 
2Ö0 ber §immel offner leuchtet, 
©ei ein ^fab öon SD^itd^ entfloffen, 
5llg ben ©öttlidben 5Du fäugtep, ben ^Du'auf ben Firmen tr&gji. 

2)^i(be ÜRutter, tcenn bie ©eucl^c 
Sßüt^et unb bie arge Ärieggnotl^, 
Xritt bann üor ben SBolfenfammler, 
5Da6 fein n)ilb ©efc^ofe nid^t fürber 
5Dcn gegacftcn 93ti^ errege. 

Ob eg fdf)nei' ob bonn're bann, ob'g roetterleuc^t*, id^ fürd^tc nid^t«. 

aJiög' er ^ir fortan aU ^Sblein 
2öei§ unb rofig, mög' ber <Sol^n ®ir 
©djenfen unb mit Dir fte t^eilen, 
jtaufenb ^ei§gefog*ne Mffe, 
^onigfü^ ju taufenbmalen, 
Unb ee rief Ic ujeidf) ein Äofen üon bcm Tlunh ber Öiebenben. 

^ii^iiö ^olbe, befd^ü^* il^n, 
Senen ©Snger, beffen SD'iufc 
*5ang bieg altertvel^'nbe Soblicb. 
(Jinjig ü}iitbc, o beiDa^r' beg 
©Ifag Äinb, um lid^ ein JJrembling. 
(Jinjig ^olbeg, einzig mitbeS, einjig tt)onn*gcg ^immel^bilb! 



@. 16 3. 8 r>. u. (9lnm.) flatt 1643 lieg 1843. 

@. 39 3- 13 t>. u. f?(nm.) ftatt Genesimo lic^ Gonesio. 

S. 146 3. 7 t). II. flatt ©prad^tcrbinbunQ lieg e^)ra(^cfeafd^aft. 

©. 18Ü 3. 11 J>. 0. flatt Baldac lic« Baldaee. 

©. 197 3. 8 ». 0. fiatt bcg ^-rinjcn licsi bcr ^ßrinjcn. 

@. 231 3. 8 ö. 0. ^att 1655 lic2 1665. 



I^rucf brr Dr. SBiIt'i<^(n !8u(^tru(ftrei (®ehx. %ncu9) in äNünc^en.